I i i G * c ( s »|i, 5 c r t c Z ( 5 f 1 1 h' l.
n L
Q s> 9. ti n' h hü d, r: ü. se 9 r r $ ir m E li
ai di rc m fr L fo Sc. ni fr. dt re ci, P te ft' hl bc ai P bl 21 D in gr S de
61 in Al äu di»
Ml toi fd beb fei an Lu tei mc
fas gn ' ach da;
kai Eu roh eui lich fpa bei, Hai Zu au- erfl ge.5 gel sich Fr- stet 11 n ode bur fchc net abt
2 Vo- ßüt tsch Der Tei B^; gen drei Kn Inf lin bäck We dun Äri1 van Enx mac We entt tior
Landschaft — durch ein Weinglas gesehen.
Von Anton Schnack.
Die auf der weißgescheuerten Tischplatte aus Ahornholz steht, eine grünbauchige Bocksbeutel- . flasche, hat der fränkische Wirt aus bem Keller geholt. Vor den Augen des Zechers klopfte er sorgfältig den Siegellack vom Flaschenhalse, und ber Kork wurde mit sanftem Knall herausgezogen. Nun schimmert der Wein *in dem landesüblichen' kurzstämmigen Glase, das die Hand des Zechers verliebt und innig umfaßt. Dann hebt die Hand das gefüllte. Glas gegen das Licht, das mit feinem weißen Sonnenpfeil vom geöffneten Fenster her mitten durch den Wein schießt, dessen flüssiges und grünliches Gold einen unsagbar feinen Duft verströmt.
Darin ist die Sonne eingefangen, flüstert der erinnerungsberoegte Zecher, die reisende Spätsommersonne vor zwei Jahren, die den heuttgen Zecher, der damals das Taubertal aufwärts wanderte, bräunte und senkte. Hinter dem edlen Schein des Traubengoldes blühen dem Trinkenden noch einmal Luft und Farbe jener Wandertage auf: Damals war er ein Wanderer ohne Hut, mit luftgebeiztem Gesicht, kalkweißen Schuhen und einer blauen Kornblume zwischen den Zähnen. Der Mann wanderte an der Tauber entlang, und zu seiner Rechten wand sich die dunkelgrüne Flußschlange langsam und ruhig unter dem kühlen Schatten ber Erlen und Weiden, zu seiner Linken war der Hllgelzug aufgebaut, nahe an die Straße und an den Fluß herangerückt, und zeigte die aufgerissene und blutende Brust roten Sandsteinfleisches.
In dem Schein des Weines sah der Zecher die grüne Farbe des Klees wieder und der Laub- • wälder, das flüssige Gold zauberte ihm die Honigtropfen in die Erinnerung, die damals die Bienen aus den blühenden Bauerngärten in den Korb des weißhaarigen Imkers trugen. Er sah die träg dahin- ziehenden Sommerwolken wieder, auch die schönen Steinsäulen, von Weinlaub und Rebzweigen umwunden, vom dichtenden Dolksmund „Träubeles- bilder" genannt, Steinsäulen, von der IDrei faltigfeit gekrönt oder von der Schmerzhaften Mutter, die im Schoß den toten Sohn hält. Nun beim geruhsamen schmeckerischen Trünke kehrt die erquickende Tal- und Flußstille wieder in sein Herz ein; denn der aus der Traube gekelterte Wein hat Weltverlorenheit und Sommersttlle in seine lautere Flüssigkeit gezogen. Durch, das Glas blickend, sieht der ^edjer sich über eine alte verweiterte Sandstein
brücke gebeugt und in das dunkelgrüne Wasser ber Tauber träumen, wo der Nixenleib der schönen Melusine ins grundlose Flußdunkel schwamm. Er folgte ihrem Lächeln und Winken bis zur schönsten Mühle im fränkischen Lande weit und breit, der „Eulschirbenmühle", wo sie einen kristallenen Märchenpalast in der Tiefe hat und in den Mond-' Mitternächten aus dem Wasser flieg. Da der Zecher ein Verklärter war, ein sonntäglicher Mensch, voll von Gesichten und erregt von Wundersüchtigkeiten, sah er Melusine, die lockende Frau, in den grüngoldenen Tropfen des Tauberweines erneut mit funkelndem Gesicht und winkender Gebärde. Und der Trunk, den er schlürfte, dünkte ihm wie ber Nixe feuriger und erregender Kuß.
Im Schein des holden • Weines erschien auch wieder die verwunschene Klosteranlage Bronn- b a ch mit bem wunderbaren Kreuzgang, den moosumzogenen Gestalten Und Figuren des Brunnens im Klostergarten und dem Kleinod der Kirche, eine spätromanische Abteikirche. Der Zecher sieht den Wanderer an der Weinbergsmauer lehnen, der ganze Hügel ist von langen roten Steinrippen gegürtet, well eine Mauer über ber anderen sich bis zur Höhe aufbaut; hier wuchs ber Bronn- badjer Keme 1 rain, ber nun als Wein im Glase wie geschmolzenes Gold funkelte. Damals loderten die vielen Mauern und das sandige Gestein des rebenbesetzten Hügels hell und freudig unter der Sonne, die mittagssteil im blauen Himmelsgewölbe stand. Viele Tausende von Trauben reiften damals, und der Wanderer war den grünen Stockzeilen mit Freude und Ergriffenheit zugewandt — er roch und schmeckte bereits den gekellerten und geklärten Wein, der nach zwei Jahren ihm über die schlürfenden Lippen drang und ihn beseligte. Noch einmal fühlte er die gesammelte Wärme jenes Tages, die heiteren Farben ber stillen Landschaft, das Grün der Wiesen und der Wälder, das helle Ror des Steines und bas schwärzliche Dunkel des Flusses, den Duft der Blumen, des dörrenden Grases und der erhitzten Erde, noch einmal fühlte er das zitternde und bewegte Licht über den Hügellenden, über denen das sirrende Geräusch der Heuschreckengeigen und der Schaumzikaden flirrte.
Durch das Glas hindurchblickend sieht ber Zecher einen alten Mann aus dem Klostergarlen treten, einen großen ländlichen Strohhut auf dem Kopfe, rote er in Franken von Öen Bauern zur Näharbeit und beim Getreideschnitt getragen wird. Der Mann hat sich eine blaue Gärtner'schürze umgebunden, und in ber emporgehallenen Gärlnerschürze liegen, von einer besonders heißen Wand geschnitten, die ersten reifen Trauben.
Dieser Mann erzählte bem Wanderer, dex sich
das Klosterwappen betrachtete, darauf Maria mit dem Kinde sitzt, eine weihe Lerche auf ber Schuller, die sanfte Legende ber Klostergründung. Als die Grafen Wolfram und Dieter von Wertheim und die Brüder Sigebodo und Dragebodo von Zimmern im zweiten Kreuzzuge ins Heilige Land ritten, hatten sie den Zisterziensern in Maulbronn eine (Stiftung ^ur Gründung eines Klosters im Taubertal gemacht. Der 21bt des Klosters Maulbronn schickte nun zwölf weißgekleidete Planche in Taubertal, die sich aber über den Bauplatz nicht einigen konnten. Als sie wieder einmal in Streit gerieten, erhob sich plötzlich mit lautem Jubelgesang eine schneeweiße Lerche vor ihrem Blick und flog zum Himmel empor. Da das Vogelgefieder so weiß wie ihre Mönchskleidung war, sahen sie darin einen göttlichen Wink und begannen mit dem Klosterbau zur gleichen Stunde. So entstand die Abtei Bronn- bacb inmitten eines bezaubernden landschaftlichen Rahmens.
Sich dieser Erzählung erinnernd, hebt ber Zecher sein gefülltes Glas gegen die Sonne, zu der die Lerchen ber fränkischen Frühlingslandschaft im steigenden Fluge sich emporschwingen. Mil einem eingezwicklen Auge sieht der lächelnde Zecher die Vögel ins Blaue steigen. und immer kleiner und kleiner werden. Es sind aber weder legendenweiße noch feldbraune Lerchen, fonbern vom Wein vergoldete winzige Punkte.
(Sier...
Von H. E. Weinschenl.
Im Mai 1915 wurde ich eingezogen. Mit den Gardeschützen in Berlin rückte ich ins Feld, nach dem Osten. Aus jener Heil, da wir im kalten russischen Winter an der Düna lagen, ist mir eine kleine Episode in ber Erinnerung geblieben, ein fast tragikomisches Erlebnis.
Die Verpflegung war nicht immer reichlich, die Feldpostpakete aus der Heimat waren seltener geworden — so gab es eine freudige Ueberraschung, als mir eines Abends die Ordonnanz ein Päckchen brachte. Ich hatte keine Zeit mehr, es zu öffnen, denn ich mußte zur Ablösung in den Graben. Als ich am Maschinengewehr stand, dachte ich unentwegt an dieses Päckchen. Was, mochte es wohl enthalten — Wurste Butter, Käse, Marmelade, vielleicht Pulswärmer oder gar Hosenträger? Wie lang oft zwei Stunden fein können! Kaum war ich wieder im Unterstand, da riß ich den Karton auf: zwei Eier! Der Topf mit dem Kaffeewasser stand bereits auf bem Ofen. also rasch hinein mit Len Produkten eines
„Nein,
Neffe!
braven Huhnes! Drei. Minuten fällten sie kochen, damit sie schon weich waren. Zwei Kommißbrolslullen lagen schon bereit, drei Minuten waren um, da fiel mir ein Zettel in die Hand: „Lieber Neffe! Die Eier sind gekocht! Deine Tante Ida!" Ich war wie gelähmt. Dann tarnen mir allerlei Gedanken: Die gute Tante wird sie fünf Minuten im Wasser gelassen haben wegen ber Haltbarkeit für ben Transport! Aus also ber Traum von den schonen, weichen, goldgelben Eiern! Ich fischte sie aus bem Topf — sechs Minuten waren um. Ich hatte an biefem Abend keinen Appetit auf steinharte Eier, tauchte bas Brot in Marmelade, aß und legte mich nieder. In zwei Stunden ging es erneut in ben Graben — bie Eier lagen noch immer auf bem Tisch.
Rennen in Ascot - Englands großes Ereignis
Ein aktuelles Kapitel von der britischen Wettleidenschast.
lichen die Blätter täglich Extra-Ausgaben mit den letzten Vorberichten von den Rennplätzen und den Rennställen, bringt ein so nüchternes Blatt, wie die halbamtliche, konservative „Times" lange Rennberichte, unterhält jede englische Zeitung zum mindesten zwei ober drei „Rennsportschriftleiter" und entsendet die Londoner Presse bei großen Rennereignissen nicht nur Dutzende von Reportern, sondern auch ihre „ganz großen Kanonen" an die journalistische Feuerlinie. Die Erklärung für diese und andere Absonderlichkeiten ist einüg und allein die allgemeine W e ttle id e nsch a f t, die alle Klassen in einem Maße erfaßt, von bem man sich auf bem Kontinent keine Vorstellung machen kann. Gewiß wird auch in anberen ßänbern gewettet, und hier unb bort gibt es auch kleine Cliquen, beren Horizont durch ben Totalisator begrenzt wirb. Aber in keinem anberen europäischen Lanb nehmen Wett- leidenschaft und Wettumsätze solche Riesenausmaße an, wie in Englanb.
Was in anberen ßänbern Ausnahme ist, ist in Englanb Regel. Bei dem Derby wettet einfach alles, teils indivibuell und teils gemeinsam. Es gibt in ßonbon wohl kein einziges Büro, bas nicht eine sog. Derbylotterie veranstaltet hatte. Außer- bem hat jeder, von ber Scheuerfrau bis zum Generalbirektor, noch Sonberwetten abgeschlossen, wobei der Unterschieb lebiglich der war,, baß die Scheuerfrau Pennys fetzte unb ber Gene'ralbirektor Pfunde. Der Totalisator allein hatte am Derbytag einen Umsatz von über 70 000 Pfund, d. h. weit über eine Million Mark. Aber selbst diese Summe ist nur ein geringer Bruchteil der tatsächlichen Wettumsätze. Der Totalisator ist in England verhältnismäßig neueren Datums, unb bie große Mehrheit geht noch immer z u bem Buchmacher, zu dem man in vielen Fällen ein persönliches Verhältnis hat. Die Zahl ber konzessionierten Buchmacher in England geht in bie Tau- senbe, bie Zahl ber nichtkonzessionierten in bie Hun- berttausenbe. Nicht selten betätigt sich ber Portier eines großen Miets- ober Geschäftshauses zugleich auch als Buchmacher.
Diese „wilden" Buchmacher haben oft einen schweren Stand, der sich baraus ergibt, baß Bar- roetten außerhalb der Rennplätze verboten finb. Das mag, angesichts ber ganzen Verhältnisse, eigenartig erscheinen. Aber Englanb ist unb bleibt bas ßanb ber Wibersprüche und Gegensätze. Wer bei feinem roilben Buchmacher auch nur einen Schilling fetzt, macht sich strafbar, wer bagegen bei feinem konzessionierten Buchmacher 100 Pfund auf dieses ober jenes Pferd fetzt, bleibt innerhalb
bie moderne Dramatik bet uns nicht zu kurz gekommen ist. Den Vorwurf, zu Ungunsten moderner Stücke zu viel Klassiker gespielt zu haben, brauchen wir jedenfalls, das wurde kürzlich m anderm Zu- samm'enhang gejagt, nicht auf uns zu beziehen. Mehr Risiko, — das ist ein ausgezeichnetes und beherzigenswertes Generalprogramm, sofern es nur richtig und jeweils sinngemäß verstanden und angewandt wird. Daß zwischen der Pflege der großen klassischen Traditton und dem wagemutigen und rührigen Einsatz für das Neue und Gegenwarttge ein gerechter jmb wohlabgewogener Ausgleich in der Spielplangestaltung zu walten hat, ist eigentlich selbstverständlich: jenes echte Dolksprogramm, von dem in Wien soeben die Rede war, kann grundsätzlich gar nicht anders in Angriff genommen werden. Und jedes einseitige Entweder Oder wäre gerade an den kleinen und mittleren Bühnen in der Provinz, die meist weit vielfältigere Aufgaben zu erfüllen haben als die groß- und haupfftäbtischen, verfehlt und auf die Dauer untragbar.
Dies sind nur einige der uns besonders wesentlich scheinenden Gesichtspunkte aus der Wiener Rede des Ministers. Sie sind, so verschieden sie im einzelnen sein mögen, alle auf das eine große Ziel gerichtet, auf die Verwirklichung der alten Sehnsucht nach einem deutschen Volks- und Nattonalcheater.
Hans Thyriot.
Traditionspflege
im NS.-Reichskriegerbund.
Die Pflege der Tradition der einzelnen Truppenteile wirb hinfort in ber Weife geregelt werden, daß von jedem Truppenteil der alten Armee im N6RKB. e i n „T r aditionsverbanddesehem.x-Re- giments" gebildet wird. Dieser umfaßt alle ehemaligen Angehörigen, und zwar sowohl die Mitglieder der Regimentskameradschaften als'auch die einzelnen in den allgemeinen Kriegerkameradschaften vorhandenen ehemaligen Angehörigen des Regiments. Alle Traditionsverbände der Truppenteile einer Waffe werden zur Pflege der Waffentradition einem dem Reichskriegerführer unmittelbar unterstehenden Inspekteur der betreffenden Waffe zugewiesen. Für jeden Traditionsverband wird ber Reichskriegerführer einen Derbandsführer ernennen, ber der Reichskriegerführung unterstellt wird. Der Verbandsführer eines jeden Traditionsoerbandes ernennt feine Mitarbeiter. Zwangsbeiträge für den Traditionsverband dürfen nicht erhoben werden. Freiwillige Spenden unb Beiträge finb gestattet. Die Tätigkeit des Verbandsführers beschränkt sich auf die Traditionspflege (Veranstaltung von Regimentstreffen, Herausgabe eines kleinen Nachrichtenblattes, Herausgabe bzw. Vertrieb der Regimentsgeschichte, Verwaltung des Vermögens des Verbandes).
Eine Stunde stand ich wieder auf Posten — da kam mein Kamerad August vorbei; er war abgelöst und wollte zum Unterstand. Ich wußte, daß er nie recht satt wurde, daß er ein ganzes Brot hintereinander aufessen konnte. Da schoß mir ein Gedanke durch den Kopf: Ihm werden die Eier munden, sie werden ihm schwer im Magen liegen, er roir\ einmal das Gefühl des Sattseins haben. „August, auf dem Tisch im Unterstand liegen zwei Eier — du kannst sie essen!" — „Danke, Kamerad!" — Als ich zurückkam, brannte noch immer das Feuer im Ofen. «Was ist denn los?" fragte ich. — „August hat noch gekocht!" fam'bie Antwort. — „Wasser?" — „Nein, Eier!" — Ich ftanb wie versteinert. Er hatte bie zweimal gekochten Eier nochmals gekocht! Sie mußten ihm wie Feldsteine im Magen liegen! Ich legte mich schlafen. Ich träumte, aus dem einen Ei krochen viele Hühner heraus, die trampelten auf meinem Bauch herum und gackerten: Die Eier sind gekocht! Aus dem anderen Ei aber stieg ein Hahn, der krähte: August ist tot! Da erwachte ich in Schweiß gebadet, trat an das ßager von August. Er atmete ruhig — er schlief — er lebte. Am nächsten Tage schrieb ich an Tante Ida: Vielen Dank für das Päckchen, bie Eier haben mir gut geschmeckt — Dein dankbarer
Bausteine zumDeutschenNaiionattheaier
Zum fünften Male findet in diesen Tagen die Reichstheaterfe ft woche statt. Daß sie nach Wien verlegt wurde statt nach Stuttgart, wie es ursprünglich geplant war, darf als eine kulturelle Demonstration vor der Welt gewertet werden, als ein Symbol für die auch aus geistig-künstlerischem Gebiete neu gewonnene Einheit des Großdeutschen Reiches. Und abgesehen davon: es gfbt ja nicht sehr viele Städte, die auf eine ähnlich reiche Theatergeschichte zurückblicken können wie die Stadt an der Donau, die nun eine neue stolze Kunstmetropole des Reiches geworden ist.
Seit ber Machtergreifung sind bie Reichstheater- festwöchen Jahr für Jahr kulturelle Kundgebungen Ä Stiles in Deutschland gewesen. In diesen wurde Jahr für Jahr an repräsentativer Stelle die Summe künstlerischer Leistuntz gezogen, die inzwischen geleistet worden mar, wurde auch Rechenschaft abgelegt ü,ber das, was auf dem Felde des Theaters geschehen sollte unb geplant wurde. Wir haben bereits über die große Rede berichtet, die Reichsminister Dr. Goebbels diesmal in Wien gehalten hat. Uederblickt man seine Darlegungen, so lassen sich unschwer die Kernpunkte und ßeitmotioe herauskristallisieren, die von grundsätzlicher unb weittragend-programmatischer Bedeutung für das Theaterleben in Deutschland und seine künftige Gesamtentwicklung finb, für feinen materiellen unb geistigen Bestand. Jedermann wirb sich erinnern, mit welcher Energie unb Zielsicherheit schon vor Jahren die ßöfung der sozialen Probleme im deutschen Theaterleben in Angriff genommen worden ist. Es wurde der Grundstein gelegt für eine umfassende Altersversorgung unserer Bühnenkünstler, es wurde ber sogenannte Kulturgroschen eingeführt, die Millionenspende des „Künst- lerbankes" geschaffen, es wurden Erholungs- und Altersheime errichtet und das Vermittlungswesen einer notwendigen Revision und Reorganisation unterzogen. Alle diese Maßnahmen gingen von dem Gedanken aus, daß jegliche Bemühung um eine dauernde Blüte deutscher Theaterkultur fragroürbig sein würde, solange bem künstlerischen Schaffen eine gesunde unb natürliche wirtschaftliche Grundlage fehlte. Wie sehr bie geschillerten sozialen Maßnahmen das Theater in seiner künstlerischen Ent- Wicklung, Reichweite unb Volkstümlichkeit schon in wenigen Jahren geförbert haben, erläuterte der Minister mit dem Hinweis auf die zahlreichen repräsentativen ßeistungen deutscher Bühnenkunst, etwa in den Festspielen in Heidelberg, Bayreuth unb Salzburg, an ben Theatertagen der HI., wäh- renb ber Reichstheaterwochen, in den Grenzland- sestspielen ber Preußischen Staatstheater — auch mit bem Hinweis auf bie großen Theater-Neubauten in Dessau, in Zittau unb in Saarbrücken, wo man im fommenben Herbst bie Spielzeit eröffnen wird. Im Zusammenhang mit den bereits erwähnten unb bekannten sozialen Maßnahmen wirb ber vom Minister angekündigte Erlaß einer Verordnung weithin begrüßt werden, nach welcher der bezahlte Urlaub für alle Bühnenschaffenden zur Pflicht gemacht wird. Dieser Urlaub beträgt für jeden Anstellungsmonat zwei Tage.
Don grundsätzlicher Bedeutung ist ferner die Ankündigung ber Gründung'einer Reichs theater- a f a b e m i e. Damit wirb für das deutsche Theater das geschaffen, was für den Film schon vor einiger Zeit ins ßeben gerufen wurde. Es ist bei dieser Gelegenheit bereits ausführlich davon die Rede gewesen, welche Wichttgkeit der Erfassung unb grund- legenben, planvollen Schulung des künstlerischen Nachwuchses auf allen Gebieten für jede gesunde, großzügige unb vorausschauen.be Theaterpolitik zukommt, unb man darf den demnächst zu erwartenden Mitteilungen über die Ausgestaltung, den ßehr- plan mnd den ßehrkorper dieser Akademie mit großem Interesse entgegensehen: was hier geschaffen wirb, dürfte für bie Formung unb bas künstlerische Gesicht bes Theaterlebens in Deutschlanb während der kommenden Jahrzehnte von entscheidender Wichtigkeit fein.
Es sind endlich in der Wiener Rebe von Reichsminister Dr. Goebbels Gedankengänge zur
Kolumbus persönlich.
Eine amerikanische Universität erwartete eines Tages als Gast den berühmten englischen Professor Walter Raleigh, einen Nachkommen des großen Seefahrers. Der Rektor war an die Bahn gegangen, um den Gast abzuholen. Als ber Zug hielt unb ein Herr ausstieg, ging er auf ihn zu uitö fragte: «Sind Sie Sir Walter Raleigh?" — Der Fremde, der gar nicht der Erwartete war, faßte sich sofort unb antwortete: „Nein, ich bin Christoph Kolumbus, Sir Walter Raleigh sitzt noch hn Speisewagen bei Königin Elisabechj"
Sprache gekommen, die sich auf die Spielplan- g e ft a 11 u n g unb auf die künstlerisch aktive Theaterleitung des einzelnen Intendanten beziehen. Diese Gedankengänge erscheinen insofern besonders bemerkenswert, als sie sich ausdrücklich gerade auch an bie Theater in ber Provinz roanbten. Zusämmen- f affend kann man, was ber Minister in diesem Zusammenhänge sagte, einen Appell an die persönliche Initiative und bie eigene Verantwortungsfreudig- feit nennen. Die großen Richtlinien für bie Führung eines Theaters werben und finb von der obersten Instanz gegeben und grundsätzlich auch feit langem bekannt. Aber „wir haben", so sagte der Minister, „nie versucht, über dem deutschen Theater ben geistigen ober ben künstlerischen Diktator zu spielen ..." Damit ist bentlief) genug zum Ausbruck gebracht, was jedem Theater von sich aus zu tun ubrigbleibt; das ist eine ganze Menge und des Ehrgeizes und des Schweißes ber Qcbeln wert. Wenn sich Dr. Goebbels in diesem Zusammenhänge Dafür einsetzte, daß bie jungen Kräfte, bie am deutschen Drama arbeiten, nachdrücklicher als bisher aufgespürt, herausgestellt und gefördert werden müssen, so dürfen wir wohl, im Hinblick auf unsere Verhältnisse hier in nächster Nähe, mit Genugtuung feststellen, daß gerade im abgelaufenen Splelplap erfreulich häufig die Jungen unb Jüngsten zu Worte gekommen sind, wie denn überhaupt
der Gesetze. Der Unterschieb liegt darin, baß die 100 Pfund nicht sofort bezahlt werden, sondern eine Kreditoperation barstellen. Eine solche Wette wirb naturgemäß von dem Buchmacher nur bann angenommen, wenn er weiß, baß sein Auftraggeber trebitroürbig ist, was man dadurch beweisen kann, daß man bei seinem Buchmacher ein laufendes Konto unterhält.
Kreditwetten finb ausdrücklich von bem Gesetz gestattet. Der roilbe Buchmacher kann seinem kleinen Kunden keinen Kredit einräumen, sondern muß auf Barzahlung bestehen, und ist daher den Nachstellungen der Polizei ausgesetzt. In jeder Polizeistation in ßonbon sind zum minbesten ein Dutzenb Detektive angestellt, bie keine anbere Arbeit haben, als auf roilbe Buchmacher Jagb zu machen. Weniger werben sie besroegen nicht, benn biefe wil- ben Buchmacher finb unentbehrlich für ben kleinen Mann, der roeber Kreditwetten abschließen, noch selbst zu ben Rennen gehen kann. Wirb ein wilder Buchmacher einmal gefaßt/ zahlt er ohne Protest ein paar hundert, vielleicht auch ein paar tausend Schilling Strafe, benn er weiß, baß bas Geschäft immer weiter blüht unb gebeiht. Millionen Eng- länber hoffen heute, daß sie in ben Ascot-Rennen bas roieber gewinnen werben (und noch etwas bazu), was sie im Derby verloren haben.
Beginn der Rennen von Ascot.
Die trab'itioneöen Pferd e-Rennen von Ascot begannen mit einem feit Jahren nicht mehr erlebten Prunk. Als der König unb die Königin in einem von vier Schimmeln gezogenen ßanbauer, gefolgt von ihren Ehrengästen, bei der Königstribüne vorfuhren, wurden sie von vielen Tausenden von Zuschauern bejubelt. Aus ganz England waren Rennsportbegeisterte einaetroffen. Während der König seine Ehrengäste auf Schloß Windsor beherbergte, mußten für viele ber übrigen Zuschauer Klubhäuser unb Zelte als Unterkunft bereit» gestellt werben. Die Mahlzeiten werben auf bem Rennplatz eingenommen, wo Riesenzelte aufge- jchlagen «morben finb, um bie nach Tausenden zählenden Gäste zu fassen. Mehr als achthundert' Küchenspezialiften mußten feit Wochen Vorbereitungen treffen, da jeden Tag rund dreizehntausend Mahlzeiten ausgegeben werden. Allein vierzehn ßa st wag en voll Erdbeeren trafen auf bem Rennplatz ein; fast die gesamte Ernte ber Grafschaft Surrey ist für bas Rennen aufgekauft worben. Für die Dauer des Rennens ist auf dem Gelände sogar ein Polizeigericht eingerichtet worden. Es trat bereits in Aktton und verurteilte einen < Taschendieb innerhalb von zwanzig Minuten zu einer Gefängnisstrafe unb ließ ihn nach Oxford abtransportieren.
ßonbon, hn Juni.
Im Gegensatz zu bem Derby in Epsom finb bie Rennen in Ascot eine höchst exklusive Peran- staltung. Zwar erscheint ber König auf beib'en Rennplätzen, aber auf bem Rennplatz in Epsom gibt es nur eine königliche ßoge. In Ascot gibt es eine königliche Tribüne, umgeben von einem schattigen Park, in bem in roten Zelten während der Rennpausen aus Kosten des Hofes Frühstück serviert wird. Die ßifte der dazu Geladenen wird vom Hofmarschallamt in jedem Jahr sorgfältig geprüft unb schließlich vom König gegengezeichnet. In biefe ßifte ausgenommen zu werden, ist der größte Ehrgeiz aller gesellschaftlichen Bergsteiger, und wer diesen Gipfel einmal erreicht hat, wird nie auch nur davon träumen, bie Ehrung auszuschlagen.
In ber Geschichte ber englischen Rennen gibt es nur einen Hall, in bem eine Einladung zu ber königlichen Tribüne zurückgewiesen würbe. Der Ein- gelabene war ber chinesische Staatsmann ß i - Hung-tschang, dem der damalige englische Außenminister eine besondere Ehrung zu erweisen glaubte, als er ihm eine Einlaßkarte zu der königlichen Tribüne übermittelte. Einige Stunden später erhielt der Außenminister eine Antwort, bie ihn in seinen tiefsten Gefühlen getroffen haben muß. „Seine Exzellenz,,ber chinesische Sonberbevollmäch- tigte", hieß es in dieser Antwort, „banken bem Herrn Außenminister auf bas Derbinblichste für bie Einladung zum Besuch der Rennen in Ascot. Seine Exzellenz bitten jedoch, von diesem Besuch Abstand nehmen zu dürfen,^ da es in China seit mehreren tausend Jahren bekannt ist, daß ein Pferd schneller als bas andere läuft."
Wenn ber Außenminister damals bem verständnislosen Chinesen hätte antworten wollen, würde er vielleicht gesagt haben, daß auch in England seit einiger Zeit Die Tatsache bekannt sei, bah ein Pferd schneller laufe als bas anbere, baß aber der von Sportgeist beseelte Engländer gern wissen möchte, welches Pferd das schnellere sei. Das ist auch heute noch der Standpunkt bes Engländers, wenn er versucht, einem Ausländer ben englischen Renn- betrieb verstänblich zu Machen. Nun mag es wahr fein, daß es in England einige wenige Tausenb gibt, bie ein wirkliches Interesse an Pferben unb Pferbezucht haben. Aber dieses Interesse erklärt keineswegs biefen ganzen, bem Ausländer oft sinnlos erscheinenden Rennbetrieb. Die wahre Erklärung dafür ist kurz und schlicht bie, baß Pferderennen unb alles, was bazu gehört in Englanb einen wichtigen Jnbustriezweig barstellen.
Nicht um jener paar Tausenb willen verösfent-


