Ausgabe 
15.6.1938
 
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bette. Dazu kamen auch noch reine Iren, die Gene­rationen hindurch das Brot Englands gegessen und sein Lied gesungen hatten. Während im katholischen Südirland immer wieder Freiheitsbewegungen auf­standen und blutig unterdrückt wurden, blieb das vorwiegend protestantische Nordirland nicht nur England treu, sondern gebärdete sich noch englischer als die Engländer selbst. Nordirland war und ist der letzte Hort englischer Vorurteile, englischen Kastengeistes und englischer Prüdereien. In Eng­land selbst hat die Entwicklung der letzten Jahre zumindest einige der erstarrten Trad'tiocken unter­höhlt. In Nordirland herrscht noch ein mittelalter­licher Geist, und als vor dem Ausbruch des großen Krieges eine etwas weitsichtigere englische Negie­rung Irland die Selbstverwaltung geben wollte, empörte sich Ulster, gegen diese Maßnahme und drohte mit dem Bürgerkrieg. Eher sollte das eng­lische Reich zugrunde gehen, als daß Südiren und Nordiren die Rollen vertauschen und die Nordiren von Südiren beherrscht würden!

Als sich dann nach dem Kriege die irische Frei­heitsbewegung doch durchsetzte und es imJahre 1921 zur Gründung des I r i s ch e n F r e i st a a t e s kam, machte sich Nordirland mit englischer Hilfe ,s elb- ständig und ist es bis jetzt geblieben. Allerdings wurden damals die Grenzen nicht sehr sauber ge­zogen, und Ulster hat noch immer in seinen süd­lichen Grafschaften wenigstens eine starke katho­lische südirische (keltische) Bevölkerung, die fast ohne Ausnahme für den Anschluß Nordirlands an Süd­irland eintritt. Diese Minderheit meint man, wenn man hier geringschätzig vonSudeten-Iren" spricht. Für de Valero ist die Trennuna bzw. der Anschluß jedoch nur bedingt eine Rassenfrage. Er und seine Anhänger vertreten in erster Linie den Standpunkt, daß ein auf geteiltes Irland nicht lebensfähig und die Zukunft der ganzen Insel erst dann gesichert sei, wenn die Zollschranken zwischen dem landwirt­schaftlichen Süden und dem industriellen Norden fallen. Daneben wird allerdings auch geltend.ge­macht, daß Irland ein keltisches Land sei und die Engländer Eindringlinge, die sich entweder anpassen müßten oder in ihre heimatlichen Gefilde zurück- wandern könnten. Daß es einmal soweit kommen wird, ist die feste Ueberzeugung aller Iren. Sie glauben, daß die Zeit für sie arbeitet und man­ches sich schon ändern werde, wenn die Unentweg­ten in Belfast ausgestorben sind und die jüngere Generation Nordirlands die Einigungsmäglichkeiten mit praktischem Blick prüft. Der Rahmen für eine Einigung ist bereits mit der theoretisch für ganz Ir­land geltenden Verfassung Eires geschaffen worden. Noch aber fehlen viele subjektive Voraussetzungen. Und hierzu gehört nach Auffassung de Valeros auch eine starke Regierung in Südirland, die aus den Neuwahlen heroorgehen soll. .

Deutscher Bischof für Danzig.

Danzig, 14. Juni. (DNB.) Nach einer Mel­dung dop Polnischen Telegraphen-Agentur hat der Papst den JRu'dtritf Oes Danziger B i - schoss Grafen O'Rourke angenommen und ihn zum Titularbischof von Safene in Mesopota­mien ernannt. Der Papst hat als neuen Bischof von Danzig den Pfarrer der Kathedrale in Oliva Dr. Sple11 ernannt. Während der bisherige Bischof Irländer war, ist Dr. Splett gebürtiger Danziger.

Das Danziger Bistum besteht fett 1925. Bischof Graf O'Rourke entstammt einer irischen Familie, ist aber in Weißrußland geboren. Die Danziger Diözese istexemt", d. h. sie untersteht direkt der Kurie, die den jeweiligen Bischof er­nennt. Die Besetzung des Blschofstuhlss mit einem Kleriker fremdländischer Herkunft sollte. ein Kom­promiß sein, das der Vatikan zwischen den selbst­verständlichen Forderungen der Deutschen und den nicht selbstverständlichen Forderungen der Polen traf. Daß . dieses Kompromiß ein Mißgriff war, ging ja noch aus dem letzten Wahlergebnis 'in Danzig hervor, bei dem den 226 000 deutschen nur 8300 polnische Stimmen gegenüberstanden; und selbst bei dieser Zahl ist noch der starke polnische Zuzug seit 1919 nach Danzig in Rechnung zu setzen. Nur ein Drittel der Danziger Bevölkerung ist katholisch, und nur ein Bruchteil der katholischen Bevölkerung ist polnischer Abstammung. Der bis­herige Bischof Graf O'Rourke reichte sein Rücktritts­gesuch beim Vatikan ein, als im Herbst vergange­nen Jahres die Polen zwei Personal­pfarreien in Danzig errichteten. Schon im Februar dieses Jahres erwarteten die Polen die Vollziehung des Rücktritts und hielten bereits einen Prälaten aus Pelplin, Prof. Dr. Sawicki, als Nachfolger bereit. Die Danziger Regierung gab damals klar zu verstehen, daß sie eine etwa über ihren Kopf hinweg gefällte Entscheidung keinesfalls anerkennen werde. Anscheinend hat sich der Vatikan nun doch für eine Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse in Danzig entschieden. B. R.

Auf den Schlachtfeldern Ostpreußens.

Appell aller deutschen Kriegsschulen am Reichsehrenmal von Tannenberg.

Königsberg, 15. Juni. (DNB.) Der gesamte Offiziersnachwuchs des deutschen Heeres, der auf den Kriegsschulen ausg-bildet wird, besuchte in diesen Tagen die Provinz Ostpreu­ßen. Aufgeteilt in viele Marschgruppen besuchten die Kriegsschulen von Allenstein und Ottelsburg aus den Raum, auf dem in den Augusttagen 1914 die große Einkreisungs- und Vernichtungsschlacht ge­schlagen wurde. An den verschiedenen Brennpunkten der Schlacht vermittelten Vorträge der Offiziere der Ktletzsschulen und Erlebnisberichte von Offi­zieren, die an den Kämpfen selbst teilgenommen haben, lebendige Eindrücke von dieser Schlacht. Den Abschluß der Reise bildete ein feierlicher Appell amReichsehrenmal Tannenberg. Neben den Kameraden der alten Schulen des Reiches stan­den die Offiziere, Fähnriche und Fahnenjunker der Kriegsschule Wiener-Neustadt vor der Gruft des Feldmarschalls von Hindenburg, der mit seinem Generalstabschef Ludendorff die Tannen­bergschlacht schlug.

Der Inspekteur der deutschen Kriegsschulen, Ge­neralmajor Brand, sprach zu feinen jungen Ka­meraden. Das große Feldherrntum des Siegers von Tannenberg, so sagte er, vereinte sich im Ge­neralfeldmarschall mit edlem Menschentum zu jenem wahren deutschen Soldatentum und

Lleberschwemmuugskataflrophe auf dem chinesischen Kriegsschauplatz.

Schanghai, 14. Juni. (DNB.) Der Gelbe Fluß selbst ist in die Kampfhandlungen in Mittel­china einbezoaen. Zwischen Kaifeng und Tschengtschau sind die S ü d d e i ch e des Gelben Flusses an 15 Stellen gebrochen. Aus Lücken, die bereits bis 150 Meter Breite klaffen, wälzt sich eine bis zu 15 Meter, hohe Flutwelle mit teilweise vier Kilometer Stundengeschwindigkeit von Norden her über die Provinz Honcm, in der bis­her bereits über 1 00000 Menschen er­trunken sind. Alle Versuche der japanischen Pioniere, mit Unterstützung der Landeseinwohner den Fluß zu bändigen, sind gescheitert. Zahlreiche chinesische Banden griffen die Rettungstrupps an, um die Katastrophe zu beschleunigen, die unzweifel­haft von der chinesischen Heeresleitung zur Abwehr des japanischen Vorstoßes auf Hankau verursacht worden ist. Die Sintflut erreichte von Norden her den Lunghai-Eisenbahndamm zwischen Kaifeng Tschengtschau, der bereits stellenweise überflutet wurde. Die Japaner machen die größten Anstren­gungen, um die Deichbruchstellen abzudämmen, doch werden sie hierbei durch die seit Tagen nieder­gehenden Wolkenbrüche stark behindert. Die chinesische Lokalpresse weist auf die Gefährlichkeit hin, den Gelben Fluß in den Dienst der Landes­verteidigung zu stellen, da Hundterttaufende von Bauern ertrinken würden und in der Riefenprooinz eine Hungersnot unaus­bleiblich sei.

WieE-u r o p a p r e ß" aus Schanghai meldet, haben die Chinesen mit dem Durchstechen der Deiche des Gelben Flusses bei Tschentschau den Vor­marsch der japanischen Armee vorläufig zum Stillstand gebracht. Nach chinesischen Darstellungen sollen etwa 5000 japanische Soldaten in den Fluten des Gelben Flusses ertrunken sein.

Weiter wird gemeldet, daß große Mengen japani­schen Kriegsmaterials, darunter 250 Geschütze, SO Tanks und 100 Panzerwagen, unter Wasser gesetzt worden seien. Eine japanische Division von etwa 7000 Mann soll in der Nähe von Kaifeng durch das Hochwasser abgeschnitten und den Angriffen chinesischer Bombenflugzeuge ausgesetzt sein.

Ueber die Schuldfrage an den Ueberschwemmun- gen sind hier die verschiedenartigsten Meinungen verbreitet. Während die 'Japaner die Chinesen an­klagen, die Deiche durchstochen zu haben, machen die Chinesen geltend, die Deiche seien durch Luft­angriffe der Japaner beschädigt worden. Im übrigen werden hier Befürchtungen geäußert, daß der Zu st and der Deiche, die den Großen Knal, denHwei-Fluß und den Jangtse eindämmen, zur Zeit so schlecht seien, daß auch hier in näch­ster Zeit mit großen Überschwemmungen zu rech­nen sei.

Die japanische Offensive aus Hankau geht im übrigen weiter. Die japanischen Kriegsschiffe auf dem Jangse befinden sich bereits 25 Kilometer hinter der erst kürzlich eingenommenen Stadt An- fing, während die Artillerie bis nach Takukau vor­dringen konnte. Die Chinesen versuchten, die auf dem Jangtse befindlichen japanischen Flottenein­heiten durch die Luftwaffe anzugreifen, doch sind diese^Versuche infolge des schlechten Wetters miß­lungen. Eine chinesische Meldung wollte bereits von der Versenkung eines japanischen Kanonenbootes etwa 10 Kilometer oberhalb Ankings wissen. Der Bericht hat sich jedoch nicht bestätigt. Daß die Be­drohung Hankaus mit jedem Tag stärker wird, er­gibt sich auch daraus, daß die ausländischen Konsuln alle Vorbereitungen für den Abtransport der euröpäischen Bevölkerung nach Hong­kong treffen.

Lehren des kontinentalen Reklamekongreffes.

Gemeinschaftswerbung muß durch Eigenwerbung ergänzt werden.

Nach dem Abschluß der Beratungen des Kon­tinentalen Reklamekongresses in Wien, auf dem auch Reichspropagandaminister Dr. G o e b- bels das Wort ergriffen hat, kann man feststellen, daß die internationale Zusammen euch eit auf dem Gebiete der Wirtschaftswerbung sich immer mehr durchzusetzen beginnt. Wie auf vielen anderen Ge­bieten, so hat auch hier die neue deutsche Wirtschaftsgesinnung bedeutsame Um­wälzung^ zur Folge gehabt, von denen zunächst das europäische Ausland stark beeindruckt worden ist. Die geschichtliche Entwicklung in den letzten beiden Jähren hat dazu geführt, daß zwei Kongresse nacheinander auf reichsdeutschem Boden stattfanden. 1936 hatten sich die Reklamefachleute in Berlin ge­troffen, wo viele von ihnen zum ersten Male Ge­legenheit hatten, sich mit den nationalsozialistischen Grundsätzen im Werbungswesen vertraut zu machen. Seitdem hat sich herausgestellt, daß der vom deut­schen Werberat eingeschlagene Weg der wirtschaft­lichen Werbung rin weites Betätigungsfeld erschlos­sen hat, ein Weg, der gekennzeichnet wird von dem Streben nach Güte und Leistung und von der Lauterkeit der Handelsbräuche.

Ministerialrat Professor Dr. Hunke hat mit Recht daran erinnert, daß die Wirtschäftswerbung zunächst eine technische Funktion der Wirtschaft ist. Die Spezialisierung der Wirtschaft hat sie enfftehen lassen, und mit der Vergrößerung des Marktes ist sie zu einem unentbehrlichen Teil des Wirtschafts­lebens überhaupt geworden. Durch die Rationali­sierung der Wirtschaft und dadurch, daß ständig danach gestrebt wird, jeden einzelnen zu einer höheren Leistung zu befähigen, wird der Wett­bewerb sich verschärfen, was wiederum zu einer weiteren Entfaltung und Vervollkommnung der Wirtschäftswerbung führen muß. Inzwischen ist durch Normung die Benutzung der Werbemittel er­leichtert. Die Ausbildung junger Werbefachleute macht Fortschritte, Einzelhandel und Handwerk sind in die Reihe der Werbungstteibenden ein ge­treten. Auch die Wissenschaft ist mobilisiert worden, um sich an der Ausgestaltung des Werbunaswesens beteiligen zu können. Vor allen Dingen hat man aber in Deutschland dafür gesorgt, daß die Werbung wieder glaubwürdig geworden ist. Man strebt auch danach, daß der Grundsatz S ch ö n- heit in der Werbung" überall zum Durch­bruch kommt, weil man überzeugt ist, daß dadurch der Zweck der Wirtschäftswerbung am besten er­reicht wird. Schließlich wird eine zweckmäßige,

schöne und volksverbundene Wirischattswerbung mehr Erfolge bringen, als eine unwahre markt­schreierische Reklame.

Die jüngste Form der Werbung, die besonders in Einzelhandels- urtb Handwerkskreisen mit sehr viel Begeisterung aufgegriffen worden ist, ist die Ge­meinschaftswerbung. Jetzt, nachdem man sich einige Jahre auf diesem Gebiet versucht hat, muß festgestellt werden, daß sich nicht alle Hoffnun- aen erfüllt haben, die man dareingesetzt hat. Man führt das darauf zurück, daß gerade im Einzelhan­del und Handwerk bisher nicht genügend Werbe­fachleute zur Verfügung standen, daß aber auch der Sinn und der mögliche Erfolg der Gemeinschafts­werbung in diesen Kreisen noch nicht völlig klar ge­worden ist- Viele haben geglaubt, daß schon eine erste einmalige Aktion sofort praktische Erfolge brin­gen müsse. Aber man hat dabei übersehen, baß die Gemeinschaftswerbung sich wohl kaum sichtbar für den einzelnen Betrieb auswirken kann, wenn dieser auf jede Eigenwerbung verzichtet. Gemein­schaftswerbungen lenken ohne Zweifel die allgemeine Aufmerksamkeit auf die bezeichneten Gegenstände des täglichen Gebrauchs ober Verzehr, aber in dem einzelnen Geschäft wirb man bie Auswirkungen erst bann zu spüren bekommen, wenn man baneben einezweckmäßige Einz?lwerbung durch­führt. Bei einer Nachprüfung der bisher unternom­menen Gemeinschaftswerbungen hat es sich bestätigt, daß überall dort bie Erfolge nicht ausgeblichen sind, wo sie durch bie Eigenwerbung ber an ber Gemein­schaftswerbung Beteiligten unterstützt würbe.

Aus diesen Erfahrungen ergibt sich, daß bie Ge­meinschaftswerbung niemals bie Eigenwerbung er­setzen kann. Die beiben Werbearten haben verschie- bene Aufgaben zu erfüllen; durch die Gemeinschafts­werbung macht man breitere Kreise auf eine be­stimmte Warengruppe aufmerksam, aber dabei be­rücksichtigt man z. B. überhaupt nicht den Geschäfts­ort und bie Preise. Erst bie ergänzenbe Eigenwer­bung kann hier bie notroenbigen Angaben machen unb baburd) bie Aufmerksamkeit bestimmter Inter­essenten so verstärken,'daß nunmehr zum Kauf in einem bestimmten Geschäft geschritten rorrb. Wie nun beibe Werbearten aufgezogen werben, muß sich von Fall zu Fall ergeben. Hier fällt bem Leiter der,Ge­meinschaftswerbung bie Aufgabe zu, sich mit killen Beteiligten über bie ergänzende Eigenwerbung zu 'einigen. Wenn man bas berücksichtigt, wirb die Ge­meinschaftswerbung sich einmal segensreich für bie gesamte Geschäftswelt auswirken. H. D.

machte ihn zum Vater nicht nur feiner Soldaten, sondern des ganzen deutschen Volkes. Wenn bei diesem ersten Appell der deutschen Kriegsschulen am R-eichsehrenmal in den Reihen der künftigen deutschen Offiziere auch die Kameraden aus Oesterreich stehen, bann ist diese Weihestunde der Ausdruck der vollständigen Uebereinftimmung der Pflicht- und Ehrauffassung der künftigen Offi­ziere 'des großdeutschen Heeres und offenbart deren Bekenntnis zum deutschen Soldatentum. Die Niederlegung eines Kranzes am Sarkophag des Generalfeldmarschalls von Hindenburg beendete den Appell.

Zwei Landesverräter hingerichtet.

Berlin, 15. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Justizpressestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Die am 16. November 1937 vom Volksgerichtshof wegen Landesverrats zum Tode unb zu dauern­dem Ehrverlust verurteilten Georg und Anna Schwitzer sind heute morgen n gerichtet worden. Die Verurteilten waren jenseits ber beut- schen Grenze mit dem Nachrichtenbien st einer auslänbischen M a ch t' i n Berüh­rung gekommen und alsbald bereitwillig auf besten Spionagcansinnen eingegangen. Heber zwei Jahre lang haben sie bann, zuletzt in Kraftwagen, aus­gedehnte Ausspähungsreisen durch Deutschland unternommen unb über die Ergeb­nisse ihrem Auftraggeber regelmäßig Bericht er- stattet.

Vorbildlicher Kleinbetrieb."

Dr.Leh stiftet ein neues Leistungsabzeichen.

Berlin, 14. Juni. (DNB.) Der Reichsorgani- sationsleiter und Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. N. L e y, hat ein LeistungsabzeichenVorbild­licher Kleinbetrieb", das im Rahmen desLei- stungskampfes der deutschenBetriebe verliehen wird, geschaffen. Der ersteLeistungs­kampf der deutschen Betriebe" hat gezeigt, daß auch der finanziell schwächere Betrieb jeden geeigneten Weg zur Förderung der Gemein­schaft geht. Eine große Anzahl kleinerer Betriebe hat die AuszeichnungNationalsozialistischer Mu­sterbetrieb" erhalten. Unter den mit den einzelnen LeistungsabzeichenKraft durch Freude",Ve- rufserziehung",Heimstätten und Wohnungen", Volksgesundheit" ausgezeichneten Betrieben befanden sich nur eine geringe Anzahl von Klein- und Kleinstbetrieben, da hie.r die Anforderungen in ihrer Spezialisierung nur von wenigen Klein­betrieben erfüllt werden konnten. Um nun den3e» sonderheiten ber Klein- unb Kleinst- betriebe Rechnung zu tragen unb eine Beloh­nung für ihr besonders hoch zu wertendes Mit- fämpfertum im Leistungskampf der deutschen Be­triebe zu schaffen^ hat ber Reichsorganisationsleiter bas LeistungsabzeichenVorbildlicher Kleinbetrieb" geschaffen.

Französische Innenpolitik.

Von unserem E. F.-Korrespondenien.

Paris, im Juni.

Der sozialistische Parteitag ist Royan hat außer der erwarteten Folge, daß dem Kabinett Dalad ier eine Gnadenfrist für seinen weiteren Fortbestand mindestens dis zum Herbst ein-, geräumt worden ist, noch die andere Folge gehabt, daß Frankreich um eine weitere Partei bereichert" worden ist. DerSozialistl - schen Bauern- unb Arbeiterparte i", die sich unter Führung des ungebärdigen Marceau Pivert vom linken Flügel ber Sozialistischen Partei abgesplittert hat, steht ein ungewisses Schick­sal bevor. Die Parteibürokratie ber SFJO. (Sec- tion Franxaise be ^Internationale Duoriere),. wie die Sozialistische Partei offiziell heißt, hat bei frü­heren Gelegenheiten den Verlust der vom rechten Flügel abgesplitterten Neusozialisten gut überstanden. Aber jetzt liegt der Fall wohl doch schwieriger, und man kann in ihm ein Generatio­nenproblem sehen. Die Leute um Pivert wollen bie revolutionären Versprechungen erfüllt sehen, bie man ihnen einst gemacht hat, während bet Partei-Apparat selbst sich auf dem Weg zum Opportunismus und zur Regierungs­partei befand. Heute ist die Frage, ob die Soziali­sten auf diesem Weg bescheidener Mäßigung weiter­gehen ober sich roieber in ber Richtung zum Rabi- kalismus entwickeln werden, um möglichst wenig Mitglieder an bie Pivertisten zu verlieren.

DerParteiführer" L^vn Blum selbst hat in seiner großen Rechtfertigungsrede vor bem Partei­kongreß bas Unmöglichste an Verdrehungen unb Entstellungen geleistet; die Widerspräche waren ent­sprechend. Nach seinen Darlegungen hätte sich Frankreich in ber Zeit seiner einjährigen Tätigkeit als Ministerpräsident 1936/37 in ein Paradies des Wohlstandes verwandelt mit der Folge, daß heute eine Regierung unter sozialistischer Führung überhaupt nicht mehr in Frage kommt, weil so riemlich alle Parteien im Parlament ihr die Ge­folgschaft verweigern würden.

Mit dem zu 'Pfingsten abgehaltenen Parteikon- areß fielen bie Bombenab wür f e in dem sübfranzö si schen ©ren3bepartement Kriege am Pfingstmontag zusammen. Man hat erst jetzt barauf hingewiesen, baß bie Urheber die­ser Provokation der spanischen Bolschewisten zwei­fellos beabsichtigt hatten, den Kongreß gegen Gene­ral Franco noch einmal besonders scharf zu machen. Aber das Manöver ist nicht recht geglückt. Die. kom­munistischen und sozialistischen Blätter , stimmten wohl ihr bekanntes Wutgeheul gegen die natio­nalspanische Regierung Franco an, die sie auch ohne weiteres für die Bombenabwürfe oeralttwort- lich machten. Aber der Eindruck hat nicht sehr lange vorgehalten; bie Wahrscheinlichkeit, daß es sich um eine burchtriebene Herausforderung bes Valencia-Ausschusses hanbelt, leuchtet heute auch vielen Franzosen ein und wird burch mancherlei Beobachtungen bestätigt. Die unmittelbare Folge der Besichtigungsreise des Ministerpräsidenten D a - lab ier in das Grenzgebiet in ben Pyrenäen war jebenfalls bie, daß von den Bombenabwürfen nicht mehr gesprochen wird, denn auch so, wie die Re­gierung Daladier heute zusammengesetzt ist, kann sie es sich nicht gut leisten, den Leuten um Negrin besonders weh zu tun ...

Wirb sich dieser Kurs in absehbarer Zeit änbern? Da alles von der parteipolitischen Zusammensetzung dec Regierung und den Rücksichten,^ bie sie nach links hin zu nehmen hat, äbhängt, sind die Aus­sichten hierfür denkbar gering. Bei der äußer st en Rechten hat man zwar gerade jetzt b^r Un- zufriebenheit mit dem außenpolitischen Kurs ber Regierung und ben Fehlern aller Volksfrontregie­rungen gegenüber Italien unb bem nationalen Spa­nien ben lautesten Ausdruck gegeben.Actton Fran- ?aise", Doriots Volkspartei und TaittingersNatio­nale unb Soziale Partei" haben am Mittwoch im Velodrom d'Hiver gegen die Italien- und Spanien­politik der Regierung in einer Massenversammlung p r o t e ft i e r t, die eine ber wirkungsvollsten Kund­gebungen der Nationalisten seit dem Kriege war. Aber man darf nicht unter bem frischen Eindruck solcher Erlebnisse sich zu voreiligen Schlüssen ver­leiten lassen. Redner wie Doriot, Taittinger, Daudet, reißen die Zehntausende von Zuhörern zu einem Begeisterungstaumel hin, der zu Ueberschätzungen der tatsächlichen Kraft dieser Bewegungen führen kann, die zum Teil, wie dieAction Fran^aise", noch nicht einmal Parteien sind. Diese Strömungen müßten sich zu mehr als gelegentlichen Kundgebun­gen zusammenffnden, wenn sie Bewegungen ber Massen werben unb dauernden Einfluß gewinnen wollen.

An sich war es ein Schauspiel von eigenartigem Reiz, Männer wie die Leiter berAction Fran- ?aise", Charles Maur ras und Läon Dau­be t, die jahrzehntelang Generationen junger Offi­ziere unb Akademiker im Sinn eines materia­listisch gefärbten Nationalismus beeinflußt haben, zusammen mit bem jungen, stiernackigen, bebrillten, von den Kommunisten hergekommenen Volksmann Doriot fau5 bem Vorort St. Denis auf ber Rebnenribüne stehen zu sehen. Die Hänbe flogen immer roieber zum faschistischen Gruß empor; aber genügt bieses äußerliche Kennzeichen wirklich? Ist dazu nicht eine tiefergehende geistige Umwandlung notwendig? Steht Frankreich oder ein Teil von ihm vor dieser Umwälzung? Nur die Zukunft roipb die Frage beantworten können, ob eines Tages alle diese Energien zu einer engen Verbindung zu- sammengesührt werden können, ohne die heute'poli­tische Erfolge auch in Frankreich nicht mehr denk­bar sind. Vorläufig machten sich auch in dieser Ver­sammlung die Unterschiede gleichnishaft bemerkbar, das elegante, aristokratische und bürgerliche Publi­kum im Saal unb in ben Logen, bie Anhänger ber Action Franxaise", die von einem König träumen; auf den Tribünen die Arbeiter, dieihren". Führer Doriot beklatschen. Auf dem Rednerpodium neben Doriot und den anderen Rednern sehr gepflegte Herren, das Verzeichnis führte die Namen von etwas vielen Herzöaen und Marquis auf...

Was als Ziel in diesen Kreisen ausgestellt wird, - ist nicht frei von Hintergedanken. Freilich, das drohende Kriegsgespenst, von ben Ideologien ber Volksfront in ber Spanien- unb Jtalienpolitik her- aufbeschworen, soll burch bie (Ernennung eines Bot­schafters in Rom unb eines biplomctzischen Ver­treters in Burgos unschädlich gemacht werden, an schmeichelhaften Worten für Mussolini (und den toten d'Annunzio) hat es nicht gefehlt. Aber bie

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