bette. Dazu kamen auch noch reine Iren, die Generationen hindurch das Brot Englands gegessen und sein Lied gesungen hatten. Während im katholischen Südirland immer wieder Freiheitsbewegungen aufstanden und blutig unterdrückt wurden, blieb das vorwiegend protestantische Nordirland nicht nur England treu, sondern gebärdete sich noch englischer als die Engländer selbst. Nordirland war und ist der letzte Hort englischer Vorurteile, englischen Kastengeistes und englischer Prüdereien. In England selbst hat die Entwicklung der letzten Jahre zumindest einige der erstarrten Trad'tiocken unterhöhlt. In Nordirland herrscht noch ein mittelalterlicher Geist, und als vor dem Ausbruch des großen Krieges eine etwas weitsichtigere englische Negierung Irland die Selbstverwaltung geben wollte, empörte sich Ulster, gegen diese Maßnahme und drohte mit dem Bürgerkrieg. Eher sollte das englische Reich zugrunde gehen, als daß Südiren und Nordiren die Rollen vertauschen und die Nordiren von Südiren beherrscht würden!
Als sich dann nach dem Kriege die irische Freiheitsbewegung doch durchsetzte und es imJahre 1921 zur Gründung des I r i s ch e n F r e i st a a t e s kam, machte sich Nordirland mit englischer Hilfe ,s elb- ständig und ist es bis jetzt geblieben. Allerdings wurden damals die Grenzen nicht sehr sauber gezogen, und Ulster hat noch immer in seinen südlichen Grafschaften wenigstens eine starke katholische südirische (keltische) Bevölkerung, die fast ohne Ausnahme für den Anschluß Nordirlands an Südirland eintritt. Diese Minderheit meint man, wenn man hier geringschätzig von „Sudeten-Iren" spricht. Für de Valero ist die Trennuna bzw. der Anschluß jedoch nur bedingt eine Rassenfrage. Er und seine Anhänger vertreten in erster Linie den Standpunkt, daß ein auf geteiltes Irland nicht lebensfähig und die Zukunft der ganzen Insel erst dann gesichert sei, wenn die Zollschranken zwischen dem landwirtschaftlichen Süden und dem industriellen Norden fallen. Daneben wird allerdings auch geltend.gemacht, daß Irland ein keltisches Land sei und die Engländer Eindringlinge, die sich entweder anpassen müßten oder in ihre heimatlichen Gefilde zurück- wandern könnten. Daß es einmal soweit kommen wird, ist die feste Ueberzeugung aller Iren. Sie glauben, daß die Zeit für sie arbeitet und manches sich schon ändern werde, wenn die Unentwegten in Belfast ausgestorben sind und die jüngere Generation Nordirlands die Einigungsmäglichkeiten mit praktischem Blick prüft. Der Rahmen für eine Einigung ist bereits mit der theoretisch für ganz Irland geltenden Verfassung Eires geschaffen worden. Noch aber fehlen viele subjektive Voraussetzungen. Und hierzu gehört nach Auffassung de Valeros auch eine starke Regierung in Südirland, die aus den Neuwahlen heroorgehen soll. .
Deutscher Bischof für Danzig.
Danzig, 14. Juni. (DNB.) Nach einer Meldung dop Polnischen Telegraphen-Agentur hat der Papst den JRu'dtritf Oes Danziger B i - schoss Grafen O'Rourke angenommen und ihn zum Titularbischof von Safene in Mesopotamien ernannt. Der Papst hat als neuen Bischof von Danzig den Pfarrer der Kathedrale in Oliva Dr. Sple11 ernannt. Während der bisherige Bischof Irländer war, ist Dr. Splett gebürtiger Danziger.
Das Danziger Bistum besteht fett 1925. Bischof Graf O'Rourke entstammt einer irischen Familie, ist aber in Weißrußland geboren. Die Danziger Diözese ist „exemt", d. h. sie untersteht direkt der Kurie, die den jeweiligen Bischof ernennt. Die Besetzung des Blschofstuhlss mit einem Kleriker fremdländischer Herkunft sollte. ein Kompromiß sein, das der Vatikan zwischen den selbstverständlichen Forderungen der Deutschen und den nicht selbstverständlichen Forderungen der Polen traf. Daß . dieses Kompromiß ein Mißgriff war, ging ja noch aus dem letzten Wahlergebnis 'in Danzig hervor, bei dem den 226 000 deutschen nur 8300 polnische Stimmen gegenüberstanden; und selbst bei dieser Zahl ist noch der starke polnische Zuzug seit 1919 nach Danzig in Rechnung zu setzen. Nur ein Drittel der Danziger Bevölkerung ist katholisch, und nur ein Bruchteil der katholischen Bevölkerung ist polnischer Abstammung. Der bisherige Bischof Graf O'Rourke reichte sein Rücktrittsgesuch beim Vatikan ein, als im Herbst vergangenen Jahres die Polen zwei Personalpfarreien in Danzig errichteten. Schon im Februar dieses Jahres erwarteten die Polen die Vollziehung des Rücktritts und hielten bereits einen Prälaten aus Pelplin, Prof. Dr. Sawicki, als Nachfolger bereit. Die Danziger Regierung gab damals klar zu verstehen, daß sie eine etwa über ihren Kopf hinweg gefällte Entscheidung keinesfalls anerkennen werde. Anscheinend hat sich der Vatikan nun doch für eine Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse in Danzig entschieden. B. R.
Auf den Schlachtfeldern Ostpreußens.
Appell aller deutschen Kriegsschulen am Reichsehrenmal von Tannenberg.
Königsberg, 15. Juni. (DNB.) Der gesamte Offiziersnachwuchs des deutschen Heeres, der auf den Kriegsschulen ausg-bildet wird, besuchte in diesen Tagen die Provinz Ostpreußen. Aufgeteilt in viele Marschgruppen besuchten die Kriegsschulen von Allenstein und Ottelsburg aus den Raum, auf dem in den Augusttagen 1914 die große Einkreisungs- und Vernichtungsschlacht geschlagen wurde. An den verschiedenen Brennpunkten der Schlacht vermittelten Vorträge der Offiziere der Ktletzsschulen und Erlebnisberichte von Offizieren, die an den Kämpfen selbst teilgenommen haben, lebendige Eindrücke von dieser Schlacht. Den Abschluß der Reise bildete ein feierlicher Appell amReichsehrenmal Tannenberg. Neben den Kameraden der alten Schulen des Reiches standen die Offiziere, Fähnriche und Fahnenjunker der Kriegsschule Wiener-Neustadt vor der Gruft des Feldmarschalls von Hindenburg, der mit seinem Generalstabschef Ludendorff die Tannenbergschlacht schlug.
Der Inspekteur der deutschen Kriegsschulen, Generalmajor Brand, sprach zu feinen jungen Kameraden. Das große Feldherrntum des Siegers von Tannenberg, so sagte er, vereinte sich im Generalfeldmarschall mit edlem Menschentum zu jenem wahren deutschen Soldatentum und
Lleberschwemmuugskataflrophe auf dem chinesischen Kriegsschauplatz.
Schanghai, 14. Juni. (DNB.) Der Gelbe Fluß selbst ist in die Kampfhandlungen in Mittelchina einbezoaen. Zwischen Kaifeng und Tschengtschau sind die S ü d d e i ch e des Gelben Flusses an 15 Stellen gebrochen. Aus Lücken, die bereits bis 150 Meter Breite klaffen, wälzt sich eine bis zu 15 Meter, hohe Flutwelle mit teilweise vier Kilometer Stundengeschwindigkeit von Norden her über die Provinz Honcm, in der bisher bereits über 1 00000 Menschen ertrunken sind. Alle Versuche der japanischen Pioniere, mit Unterstützung der Landeseinwohner den Fluß zu bändigen, sind gescheitert. Zahlreiche chinesische Banden griffen die Rettungstrupps an, um die Katastrophe zu beschleunigen, die unzweifelhaft von der chinesischen Heeresleitung zur Abwehr des japanischen Vorstoßes auf Hankau verursacht worden ist. Die Sintflut erreichte von Norden her den Lunghai-Eisenbahndamm zwischen Kaifeng— Tschengtschau, der bereits stellenweise überflutet wurde. Die Japaner machen die größten Anstrengungen, um die Deichbruchstellen abzudämmen, doch werden sie hierbei durch die seit Tagen niedergehenden Wolkenbrüche stark behindert. Die chinesische Lokalpresse weist auf die Gefährlichkeit hin, den Gelben Fluß in den Dienst der Landesverteidigung zu stellen, da Hundterttaufende von Bauern ertrinken würden und in der Riefenprooinz eine Hungersnot unausbleiblich sei.
Wie „E-u r o p a p r e ß" aus Schanghai meldet, haben die Chinesen mit dem Durchstechen der Deiche des Gelben Flusses bei Tschentschau den Vormarsch der japanischen Armee vorläufig zum Stillstand gebracht. Nach chinesischen Darstellungen sollen etwa 5000 japanische Soldaten in den Fluten des Gelben Flusses ertrunken sein.
Weiter wird gemeldet, daß große Mengen japanischen Kriegsmaterials, darunter 250 Geschütze, SO Tanks und 100 Panzerwagen, unter Wasser gesetzt worden seien. Eine japanische Division von etwa 7000 Mann soll in der Nähe von Kaifeng durch das Hochwasser abgeschnitten und den Angriffen chinesischer Bombenflugzeuge ausgesetzt sein.
Ueber die Schuldfrage an den Ueberschwemmun- gen sind hier die verschiedenartigsten Meinungen verbreitet. Während die 'Japaner die Chinesen anklagen, die Deiche durchstochen zu haben, machen die Chinesen geltend, die Deiche seien durch Luftangriffe der Japaner beschädigt worden. Im übrigen werden hier Befürchtungen geäußert, daß der Zu st and der Deiche, die den Großen Knal, denHwei-Fluß und den Jangtse eindämmen, zur Zeit so schlecht seien, daß auch hier in nächster Zeit mit großen Überschwemmungen zu rechnen sei.
Die japanische Offensive aus Hankau geht im übrigen weiter. Die japanischen Kriegsschiffe auf dem Jangse befinden sich bereits 25 Kilometer hinter der erst kürzlich eingenommenen Stadt An- fing, während die Artillerie bis nach Takukau vordringen konnte. Die Chinesen versuchten, die auf dem Jangtse befindlichen japanischen Flotteneinheiten durch die Luftwaffe anzugreifen, doch sind diese^Versuche infolge des schlechten Wetters mißlungen. Eine chinesische Meldung wollte bereits von der Versenkung eines japanischen Kanonenbootes etwa 10 Kilometer oberhalb Ankings wissen. Der Bericht hat sich jedoch nicht bestätigt. Daß die Bedrohung Hankaus mit jedem Tag stärker wird, ergibt sich auch daraus, daß die ausländischen Konsuln alle Vorbereitungen für den Abtransport der euröpäischen Bevölkerung nach Hongkong treffen.
Lehren des kontinentalen Reklamekongreffes.
Gemeinschaftswerbung muß durch Eigenwerbung ergänzt werden.
Nach dem Abschluß der Beratungen des Kontinentalen Reklamekongresses in Wien, auf dem auch Reichspropagandaminister Dr. G o e b- bels das Wort ergriffen hat, kann man feststellen, daß die internationale Zusammen euch eit auf dem Gebiete der Wirtschaftswerbung sich immer mehr durchzusetzen beginnt. Wie auf vielen anderen Gebieten, so hat auch hier die neue deutsche Wirtschaftsgesinnung bedeutsame Umwälzung^ zur Folge gehabt, von denen zunächst das europäische Ausland stark beeindruckt worden ist. Die geschichtliche Entwicklung in den letzten beiden Jähren hat dazu geführt, daß zwei Kongresse nacheinander auf reichsdeutschem Boden stattfanden. 1936 hatten sich die Reklamefachleute in Berlin getroffen, wo viele von ihnen zum ersten Male Gelegenheit hatten, sich mit den nationalsozialistischen Grundsätzen im Werbungswesen vertraut zu machen. Seitdem hat sich herausgestellt, daß der vom deutschen Werberat eingeschlagene Weg der wirtschaftlichen Werbung rin weites Betätigungsfeld erschlossen hat, ein Weg, der gekennzeichnet wird von dem Streben nach Güte und Leistung und von der Lauterkeit der Handelsbräuche.
Ministerialrat Professor Dr. Hunke hat mit Recht daran erinnert, daß die Wirtschäftswerbung zunächst eine technische Funktion der Wirtschaft ist. Die Spezialisierung der Wirtschaft hat sie enfftehen lassen, und mit der Vergrößerung des Marktes ist sie zu einem unentbehrlichen Teil des Wirtschaftslebens überhaupt geworden. Durch die Rationalisierung der Wirtschaft und dadurch, daß ständig danach gestrebt wird, jeden einzelnen zu einer höheren Leistung zu befähigen, wird der Wettbewerb sich verschärfen, was wiederum zu einer weiteren Entfaltung und Vervollkommnung der Wirtschäftswerbung führen muß. Inzwischen ist durch Normung die Benutzung der Werbemittel erleichtert. Die Ausbildung junger Werbefachleute macht Fortschritte, Einzelhandel und Handwerk sind in die Reihe der Werbungstteibenden ein getreten. Auch die Wissenschaft ist mobilisiert worden, um sich an der Ausgestaltung des Werbunaswesens beteiligen zu können. Vor allen Dingen hat man aber in Deutschland dafür gesorgt, daß die Werbung wieder glaubwürdig geworden ist. Man strebt auch danach, daß der Grundsatz „ S ch ö n- heit in der Werbung" überall zum Durchbruch kommt, weil man überzeugt ist, daß dadurch der Zweck der Wirtschäftswerbung am besten erreicht wird. Schließlich wird eine zweckmäßige,
schöne und volksverbundene Wirischattswerbung mehr Erfolge bringen, als eine unwahre marktschreierische Reklame.
Die jüngste Form der Werbung, die besonders in Einzelhandels- urtb Handwerkskreisen mit sehr viel Begeisterung aufgegriffen worden ist, ist die Gemeinschaftswerbung. Jetzt, nachdem man sich einige Jahre auf diesem Gebiet versucht hat, muß festgestellt werden, daß sich nicht alle Hoffnun- aen erfüllt haben, die man dareingesetzt hat. Man führt das darauf zurück, daß gerade im Einzelhandel und Handwerk bisher nicht genügend Werbefachleute zur Verfügung standen, daß aber auch der Sinn und der mögliche Erfolg der Gemeinschaftswerbung in diesen Kreisen noch nicht völlig klar geworden ist- Viele haben geglaubt, daß schon eine erste einmalige Aktion sofort praktische Erfolge bringen müsse. Aber man hat dabei übersehen, baß die Gemeinschaftswerbung sich wohl kaum sichtbar für den einzelnen Betrieb auswirken kann, wenn dieser auf jede Eigenwerbung verzichtet. Gemeinschaftswerbungen lenken ohne Zweifel die allgemeine Aufmerksamkeit auf die bezeichneten Gegenstände des täglichen Gebrauchs ober Verzehr, aber in dem einzelnen Geschäft wirb man bie Auswirkungen erst bann zu spüren bekommen, wenn man baneben einezweckmäßige Einz?lwerbung durchführt. Bei einer Nachprüfung der bisher unternommenen Gemeinschaftswerbungen hat es sich bestätigt, daß überall dort bie Erfolge nicht ausgeblichen sind, wo sie durch bie Eigenwerbung ber an ber Gemeinschaftswerbung Beteiligten unterstützt würbe.
Aus diesen Erfahrungen ergibt sich, daß bie Gemeinschaftswerbung niemals bie Eigenwerbung ersetzen kann. Die beiben Werbearten haben verschie- bene Aufgaben zu erfüllen; durch die Gemeinschaftswerbung macht man breitere Kreise auf eine bestimmte Warengruppe aufmerksam, aber dabei berücksichtigt man z. B. überhaupt nicht den Geschäftsort und bie Preise. Erst bie ergänzenbe Eigenwerbung kann hier bie notroenbigen Angaben machen unb baburd) bie Aufmerksamkeit bestimmter Interessenten so verstärken,'daß nunmehr zum Kauf in einem bestimmten Geschäft geschritten rorrb. Wie nun beibe Werbearten aufgezogen werben, muß sich von Fall zu Fall ergeben. Hier fällt bem Leiter der,Gemeinschaftswerbung bie Aufgabe zu, sich mit killen Beteiligten über bie ergänzende Eigenwerbung zu 'einigen. Wenn man bas berücksichtigt, wirb die Gemeinschaftswerbung sich einmal segensreich für bie gesamte Geschäftswelt auswirken. H. D.
machte ihn zum Vater nicht nur feiner Soldaten, sondern des ganzen deutschen Volkes. Wenn bei diesem ersten Appell der deutschen Kriegsschulen am R-eichsehrenmal in den Reihen der künftigen deutschen Offiziere auch die Kameraden aus Oesterreich stehen, bann ist diese Weihestunde der Ausdruck der vollständigen Uebereinftimmung der Pflicht- und Ehrauffassung der künftigen Offiziere 'des großdeutschen Heeres und offenbart deren Bekenntnis zum deutschen Soldatentum. — Die Niederlegung eines Kranzes am Sarkophag des Generalfeldmarschalls von Hindenburg beendete den Appell.
Zwei Landesverräter hingerichtet.
Berlin, 15. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Justizpressestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Die am 16. November 1937 vom Volksgerichtshof wegen Landesverrats zum Tode unb zu dauerndem Ehrverlust verurteilten Georg und Anna Schwitzer sind heute morgen hü n gerichtet worden. Die Verurteilten waren jenseits ber beut- schen Grenze mit dem Nachrichtenbien st einer auslänbischen M a ch t' i n Berührung gekommen und alsbald bereitwillig auf besten Spionagcansinnen eingegangen. Heber zwei Jahre lang haben sie bann, zuletzt in Kraftwagen, ausgedehnte Ausspähungsreisen durch Deutschland unternommen unb über die Ergebnisse ihrem Auftraggeber regelmäßig Bericht er- stattet.
„Vorbildlicher Kleinbetrieb."
Dr.Leh stiftet ein neues Leistungsabzeichen.
Berlin, 14. Juni. (DNB.) Der Reichsorgani- sationsleiter und Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. N. L e y, hat ein Leistungsabzeichen „Vorbildlicher Kleinbetrieb", das im Rahmen desLei- stungskampfes der deutschenBetriebe verliehen wird, geschaffen. Der erste „Leistungskampf der deutschen Betriebe" hat gezeigt, daß auch der finanziell schwächere Betrieb jeden geeigneten Weg zur Förderung der Gemeinschaft geht. Eine große Anzahl kleinerer Betriebe hat die Auszeichnung „Nationalsozialistischer Musterbetrieb" erhalten. Unter den mit den einzelnen Leistungsabzeichen — „Kraft durch Freude", „Ve- rufserziehung", „Heimstätten und Wohnungen", „Volksgesundheit" — ausgezeichneten Betrieben befanden sich nur eine geringe Anzahl von Klein- und Kleinstbetrieben, da hie.r die Anforderungen in ihrer Spezialisierung nur von wenigen Kleinbetrieben erfüllt werden konnten. Um nun den ’3e» sonderheiten ber Klein- unb Kleinst- betriebe Rechnung zu tragen unb eine Belohnung für ihr besonders hoch zu wertendes Mit- fämpfertum im Leistungskampf der deutschen Betriebe zu schaffen^ hat ber Reichsorganisationsleiter bas Leistungsabzeichen „Vorbildlicher Kleinbetrieb" geschaffen.
Französische Innenpolitik.
Von unserem E. F.-Korrespondenien.
Paris, im Juni.
Der sozialistische Parteitag ist Royan hat außer der erwarteten Folge, daß dem Kabinett Dalad ier eine Gnadenfrist für seinen weiteren Fortbestand — mindestens dis zum Herbst — ein-, geräumt worden ist, noch die andere Folge gehabt, daß Frankreich um eine weitere Partei „bereichert" worden ist. Der „Sozialistl - schen Bauern- unb Arbeiterparte i", die sich unter Führung des ungebärdigen Marceau Pivert vom linken Flügel ber Sozialistischen Partei abgesplittert hat, steht ein ungewisses Schicksal bevor. Die Parteibürokratie ber SFJO. (Sec- tion Franxaise be ^Internationale Duoriere),. wie die Sozialistische Partei offiziell heißt, hat bei früheren Gelegenheiten den Verlust der vom rechten Flügel abgesplitterten Neusozialisten gut überstanden. Aber jetzt liegt der Fall wohl doch schwieriger, und man kann in ihm ein Generationenproblem sehen. Die Leute um Pivert wollen bie revolutionären Versprechungen erfüllt sehen, bie man ihnen einst gemacht hat, während bet Partei-Apparat selbst sich auf dem Weg zum Opportunismus und zur Regierungspartei befand. Heute ist die Frage, ob die Sozialisten auf diesem Weg bescheidener Mäßigung weitergehen ober sich roieber in ber Richtung zum Rabi- kalismus entwickeln werden, um möglichst wenig Mitglieder an bie Pivertisten zu verlieren.
Der „Parteiführer" L^vn Blum selbst hat in seiner großen Rechtfertigungsrede vor bem Parteikongreß bas Unmöglichste an Verdrehungen unb Entstellungen geleistet; die Widerspräche waren entsprechend. Nach seinen Darlegungen hätte sich Frankreich in ber Zeit seiner einjährigen Tätigkeit als Ministerpräsident 1936/37 in ein Paradies des Wohlstandes verwandelt — mit der Folge, daß heute eine Regierung unter sozialistischer Führung überhaupt nicht mehr in Frage kommt, weil so riemlich alle Parteien im Parlament ihr die Gefolgschaft verweigern würden.
Mit dem zu 'Pfingsten abgehaltenen Parteikon- areß fielen bie Bombenab wür f e in dem sübfranzö si schen ©ren3bepartement Kriege am Pfingstmontag zusammen. Man hat erst jetzt barauf hingewiesen, baß bie Urheber dieser Provokation der spanischen Bolschewisten zweifellos beabsichtigt hatten, den Kongreß gegen General Franco noch einmal besonders scharf zu machen. Aber das Manöver ist nicht recht geglückt. Die. kommunistischen und sozialistischen Blätter , stimmten wohl ihr bekanntes Wutgeheul gegen die nationalspanische Regierung Franco an, die sie auch ohne weiteres für die Bombenabwürfe oeralttwort- lich machten. Aber der Eindruck hat nicht sehr lange vorgehalten; bie Wahrscheinlichkeit, daß es sich um eine burchtriebene Herausforderung bes Valencia-Ausschusses hanbelt, leuchtet heute auch vielen Franzosen ein und wird burch mancherlei Beobachtungen bestätigt. Die unmittelbare Folge der Besichtigungsreise des Ministerpräsidenten D a - lab ier in das Grenzgebiet in ben Pyrenäen war jebenfalls bie, daß von den Bombenabwürfen nicht mehr gesprochen wird, denn auch so, wie die Regierung Daladier heute zusammengesetzt ist, kann sie es sich nicht gut leisten, den Leuten um Negrin besonders weh zu tun ...
Wirb sich dieser Kurs in absehbarer Zeit änbern? Da alles von der parteipolitischen Zusammensetzung dec Regierung und den Rücksichten,^ bie sie nach links hin zu nehmen hat, äbhängt, sind die Aussichten hierfür denkbar gering. Bei der äußer st en Rechten hat man zwar gerade jetzt b^r Un- zufriebenheit mit dem außenpolitischen Kurs ber Regierung und ben Fehlern aller Volksfrontregierungen gegenüber Italien unb bem nationalen Spanien ben lautesten Ausdruck gegeben. „Actton Fran- ?aise", Doriots Volkspartei und Taittingers „Nationale unb Soziale Partei" haben am Mittwoch im Velodrom d'Hiver gegen die Italien- und Spanienpolitik der Regierung in einer Massenversammlung p r o t e ft i e r t, die eine ber wirkungsvollsten Kundgebungen der Nationalisten seit dem Kriege war. Aber man darf nicht unter bem frischen Eindruck solcher Erlebnisse sich zu voreiligen Schlüssen verleiten lassen. Redner wie Doriot, Taittinger, Daudet, reißen die Zehntausende von Zuhörern zu einem Begeisterungstaumel hin, der zu Ueberschätzungen der tatsächlichen Kraft dieser Bewegungen führen kann, die zum Teil, wie die „Action Fran^aise", noch nicht einmal Parteien sind. Diese Strömungen müßten sich zu mehr als gelegentlichen Kundgebungen zusammenffnden, wenn sie Bewegungen ber Massen werben unb dauernden Einfluß gewinnen wollen.
An sich war es ein Schauspiel von eigenartigem Reiz, Männer wie die Leiter ber „Action Fran- ?aise", Charles Maur ras und Läon Daube t, die jahrzehntelang Generationen junger Offiziere unb Akademiker im Sinn eines materialistisch gefärbten Nationalismus beeinflußt haben, zusammen mit bem jungen, stiernackigen, bebrillten, von den Kommunisten hergekommenen Volksmann Doriot fau5 bem Vorort St. Denis auf ber Rebnenribüne stehen zu sehen. Die Hänbe flogen immer roieber zum faschistischen Gruß empor; aber genügt bieses äußerliche Kennzeichen wirklich? Ist dazu nicht eine tiefergehende geistige Umwandlung notwendig? Steht Frankreich oder ein Teil von ihm vor dieser Umwälzung? Nur die Zukunft roipb die Frage beantworten können, ob eines Tages alle diese Energien zu einer engen Verbindung zu- sammengesührt werden können, ohne die heute'politische Erfolge auch in Frankreich nicht mehr denkbar sind. Vorläufig machten sich auch in dieser Versammlung die Unterschiede gleichnishaft bemerkbar, das elegante, aristokratische und bürgerliche Publikum im Saal unb in ben Logen, bie Anhänger ber „Action Franxaise", die von einem König träumen; auf den Tribünen die Arbeiter, die „ihren". Führer Doriot beklatschen. Auf dem Rednerpodium neben Doriot und den anderen Rednern sehr gepflegte Herren, das Verzeichnis führte die Namen von etwas vielen Herzöaen und Marquis auf...
Was als Ziel in diesen Kreisen ausgestellt wird, - ist nicht frei von Hintergedanken. Freilich, das drohende Kriegsgespenst, von ben Ideologien ber Volksfront in ber Spanien- unb Jtalienpolitik her- aufbeschworen, soll burch bie (Ernennung eines Botschafters in Rom unb eines biplomctzischen Vertreters in Burgos unschädlich gemacht werden, an schmeichelhaften Worten für Mussolini (und den toten d'Annunzio) hat es nicht gefehlt. Aber bie
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