Ausgabe 
15.6.1938
 
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Fremdenverkehrs kann mit Recht die Reihe der neuen Bauwerke im Inneren von Berlin eröffnen. Denn alles, was wir bauen, wird insgesamt dazu führen, daß in der Zu­kunft ein unermeßlicher Zustrom von Fremden nach Deutschland kommen wird. Das wir heule im Reich Großes schaffen, es macht sich aber auch dadurch bezahlt, daß Deutschland immer mehr zu jenem großen Reiseland wird, das uns vorschwebt. D i e Welt wird zu uns kommen und sich vor allem davon überzeugen, daß dieses Deutschland ein Hort europäischer Kultur und damit menschlicher Zivilisation ist."

Nachdem der Führer unter stürmischen minuten­langen Beifallskundgebungen seine Ansprache ge­schlossen hatte, nahm er mit folgenden Worten die G r um d st e i n l e g u n g vor:Ich lege den Grund­stein zum Neubau des Hauses des Fremdenverkehrs in Berlin und befehle damit zugleich ten Beginn der Arbeit des Umbaues von Groß-Berlin!" Im gleichen Augenblick stoßen die Arbeitsmänner auf dem Platz den Spaten in die Erde, rollen Lastkraft­wagen auf den Platz, rasseln die Transportbänder; wie an dieser Stelle, so erklingt an allen 16 Bau­stellen das erhebende Lied der Arbeit mit dem Dröhnen der Dampframmen, dem Dröhnen der Preßlufthämmer, dem Lärm der Bagger und dem Surren der Transportbänder. Das Sieg-Heil, das Staatsminister a. D. Esser auf den Führer aus­bringt, findet ein jubelndes Echo; die Lieder der Nation beenden die denkwürdige Stunde.

Nassaus

der deutschen Selbstverwaltung.

Im gleichen Augenblick, in dem der Führer am Runden Platz die Grundsteinlegung zumHaus des Deutschen Fremdenverkehrs" vollzog, begannen auch anden übrigen 15 Großbau st eilen die Arbeiten, die das städtebauliche Antlitz Berlins neu formen. So gab eine Feierstunde, in deren Rahmen Reichsinnenminister Dr, Frick und der Präsident des Deutschen Gemeindetages, Reichsleiter Oberbürgermeister Fiehler, sprachen, den Auf­takt zur Schaffung des neuen Verwaltungsgebäudes, des Deutschen Gemeindetages in der Nähe des Bahnhofs Tiergarten. Es wird bei einer Frontlänge von 260 Meter neben großen und kleinen Sitzungssälen 300 Büroräume besitzen imd das Zentrum der deutschen Selbstverwaltung von 57 000 deutschen Gemeinden und Gemeinde- Verbänden bilden. Es wird von dem Architekten Stadtbaurat Prof. Dr. El kart (Hannover) und Diplomingenieur S ch l e m p p (Berlin) Unter Be­treuung von Prof. Speer geschaffen. Der Bauplatz hat für öi£ Feierstunde eine prächtige Ausschmückung erfahren. Unter den Ehrengästen befanden sich 1000 deutsche Bürgermeister aus allen Gauen des Reiches.

Reichsinnenminister Dr. Frick schritt in Be- gleitung von Oberbürgermeister Fiehler die Front der angetretenen Formationen ab. Hierauf trat Oberbürgermeister Fiehler an das Rednerpodium und eröffnete die Grundsteinlegung. Anschließend nahm Reichsinnenminister Dr. -Frick das Wort.

Wie in einem der ersten Grundgesetze des natio­nalsozialistischen Staates, der Deutschen Gemeinde­ordnung, die Selbstverwaltung deutscher Gemeinden neu gestaltet und für alle Zeiten als eine der Grundlagen unseres Volks- und Staatslebens über­haupt anerkannt wurde, so wird heute am Beginn einer neuen Bauepoche der Reichshauptstadt dem Deutschen Gemeindetag als dem Berater der deut­schen Gemeinden und Gemeindeverbände an dieser repräsentativen Straße Berlins eine neue Stätte bereitet. Ich kann-in dieser denkwürdigen Stunde mit Freude und Genugtuung seststellen, daß der Deutsche Gemeindetag in nunmehr fünfjähriger Ar­beit seine ganze Kraft in den Dienst der ihm zu- gewiesenen Aufgaben gestellt hat. Wer immer in seinem Dienst steht, der mag sich bewußt sein, daß er mitzuwirken berufen ist an einer glücklichen Zu­kunft unserer Gemeinden und Gemeindeoerbände, daß er mit zu wahren hat das hohe Gut unserer Gemeindeselbstverwaltung, der muß aber auch da­von durchdrungen fein, daß die Arbeit des Ge­meindetages sich allezeit einordnen muh in die von der Staatsführung gewiesenen Ziele. Hingebungs­voller Dienst an der deutschen Selbstverwaltung, treue Verbundenheit mit unserem Staate, das sollen die Richtpunkte sein, die die Arbeit des Deutschen Gemeindetages für alle Zeit bestimmen!"

Zusammen mit Oberbürgermeister Fiehler und dem gefchästsführenden Präsidenten des Deutschen Gemeindetages, Jeserich, begibt sich dann Reichs­innenminister Dr.' Frick an den Grundstein, um die drei symbolischen Hammerschläge zu vollziehen.

Die Feier am Kömgsplatz

Heber den Tribünen am Nordrand des Platzes bilden inmitten eines riesigen goldenen Hoheits­zeichens auf dunkelrotem Grund hochragende Ban­ner eine leuchtend rote geschlossene Fahnenwand. Noch einmal gleiten die Blicke der Tausende über den Königsplatz, über dessen Mitte die goldene Sie­gesgöttin nur noch für kurze Zeit thront. Auf der rechten Seite des Platzes, vor dem Reichsministe­rium des Innern,haben sich die Gefolgschaftsmit­glieder der Reichsbahn formiert, während zur Linken, nach dem Reichstag zu, die Angehörigen der Wasserbaudirektion Kurmark und der Binnenschiffahrt aufmarschiert sind. Auf dem Mit­telstreifen dazwischen stehen zwei graublaue Kran­bagger. Sie sind mit frischem Laub, Fähnchen und Girlanden geschmückt. In der Nacht haben an die 40 Fahrzeuge im Spreebogen zwischen der Moltke- und Kronprinzenbrücke an den Ufermauern festgemacht. Kurz vor Beginn der Feier marschiert je eine Ehrenkompanie des Reichsbahnschutzes unter Gewehr mit Stahlhelm und der in Naumburg (Saale) stationierten Reichsschule für Wasserstraßen­sicherung auf, deren schmucke hellgrüne Uniformen man zum ersten Male in Berlin sah.

Die Feier auf dem Königsplatz begann mit der Rede des Reichsverkehrsministers Dr. Dorp- müller.

In unmittelbarer Nähe dieser Stelle, so erklärte er, beginnen die Arbeiten für den Ausbau und Umbau der Wasserstraßen und fast der gesamten Reichsbahnanlagen der Hauptstadt. Ein Drittel des Berliner Güterverkehrs wickelt sich auf dem Wasser- wege ab. Mit Vollendung hes Mittellandkanals ist Berlin in das gesamte Wasserstraßennetz des Reiches mit Ausnahme der Donau einbezogen. Der Aus­bau der Berliner Gewässer mit seinen neuen und erweiterten Fahrwasserstrecken und den neuen gro­ßen Schleusen wird den neuen Wasserverkehrsauff gaben Berlins Rechnung tragen. Die großen Pläne sehen neue Wasserflächen in reicher Gliederung vor,

die In engem Zusammenhang mH der Spree stehen. Gleichzeitig mit dem Spreedurchstich wird hier die Erweiterung der Nord-Siid-8-Bahn eingeleitet, durch die die beiden neuen Zentralbahnhöfe Berlins, der Südbahnhof und der Nordbahnhof, und darüber hinaus die südlichen Vorortstrecken mit den nörd­lichen und nordwestlichen verbunden werden sollen. So mögen nach dieser denkwürdigen Feier die Ram­men und Bagger nunmehr beginnen, auf daß in wenigen Jahren die Anlagen der Berliner Wasser­straßen und die der Reichsbahn von vollendeter

Form als Sinnbildes deutscher Technik und deut­schen Schaffens erstehen.

Fauchend und zischend beginnen nun auch hier am Königsplatz die Greifbagger zu surren, um den Sand in die Lastwagen zu verladen, von denen die ersten schon nach wenigen Minuten die Fahrt zum Spreeufer antraten. Unter ohrenbetäubendem Ge­dröhn bohren die 70 Preßlufthämmer den Asphalt auf. Das große Werk der Erneuerung der Reichs­hauptstadt hat begonnen.

1 Oie tschechische Wirtschaft

fordert gutes Verhältnis zu Deutschland.

Wirtschaftskrisis durch Mobilmachung erheblich verschärft.

Prag, 14. Juni. (Europapreß.) Am Dienstag fand hier die Haupttagung des Zentraloerbandes Der Industriellen statt, der sowohl die tschechischen, als auch die sudetendeutschen Jndustriellenverbände umfaßt. Der Präsident Preiß erklärte, die gegen­wärtige gespannte Lage sei für die Dauer unhalt­bar. Sie stelle an das Wirtschaftsleben und an Die Industrie Ansprüche, die sehr schwer zu meistern seien. Daher wünsche man einen günstigen Verlauf der Verhandlungen zwischen Den sude­tendeutschen und Den tschechischen Vertretern. Bei aller Treue zu den Verbündeten sei ein aufrich­tiges und freundschaftliches Verhält­nis besonders zu Deutschland und 3u Italien wünschenswert. Ein Staat wie Der tsche­choslowakische sollte keine andere Politik haben, als auf allen Seiten Freunde zu suchen, ohne ideologische Voreingenommenheit. Der Vorsitzende des sudentendeutschen Hauptverbandes der Indu­strie, der Reichenberger Textilindustrielle Liebig, erklärte, noch keine Regierung des tschechoslowa­kischen Staates habe ihr Wirtschaftsprogramm so ausgestellt, daß die sudetendeutsche Be­nachteiligung wesentlich gemildert worden

wäre. Die Verhältnisse hätten sich für Das Wirt­schaftsleben in Den Randgebieten während den letz­ten Wochen durch die tiefgreifenden militärischen Maßnahmen noch wesentlich verschärft. Die hierdurch hervorgerufenS Unsicherheit hätte eine Zeitlang zu einem regelrechten Käuferstreik geführt.

Besprechung zwischen Hodza und den Gudetendeutschen.

p rag, 14. Juni. (DRV.) Entsprechend den in den letzten Wochen getroffenen Vereinbarungen fand eine längere Aussprache zwischen dem Minlsler- präsidenten Dr. h o d z a und den bevollmächtigten Vertretern der Sudetendeutschen Partei, den Abgeordneten kundl, Dr. Rosche, Dr. peters und den Führungsratsmitgliedern Dr. Sebekowski und Dr. Schickedanz statt. Die Besprechung wird fortgesetzt. Ls wurde vereinbart, über den Verlaus der Aussprache am Mittwoch eine Verlaut­barung auszugeben.

Heftige Kritik an der britischen Kolonialverwaltung.

Jamaika und Palästina die Gefahrenpunkte des Empire.

London, 14. Juni. (Europapreß.) Bei der Aus­sprache über Den Haushalt Des Kolonialminifteriums äußerte sich Der Kolonialminister Malcom Mac- Donald zu Den 'beiDen augenblicklichen Gefahren- herben im englischen Kolonialreich: Westindien und P a l ä st i n a. Es könne keinem Zweifel un­terliegen, daß die Unruhen auf Jamaika nicht auf irgendwelche Agitatoren zurückzuführen feien, son­dern tiefergehende Ursachen hätten, so­ziale Notstände, Unsicherheit am Arbeits­markt, unzureichende Löhne und unzulängliche Wohnverhältnisse. England würde nichts unversucht lassen, um diese Uebelstände auszurotten. Es sei aber in einem gewissen Grade durch die wirtschaft­liche Lage der Kolonie behindert. In Aussicht ge­nommen sei einmal die Hebung der Preise für die wenigen landwirtschaftlichen Ausfuhrerzeug­nisse der Insel, in erster Linie Zucker, und so­zialpolitische Maßnahmen für die Neger bevöl- ferung, soziale Gesetzgebung und umfangreiche Siedlungspolitik, durch Die ein schwarzes Bauern tu m geschaffen werden soll.

In P a l ä st i n a seien die großen Terrorbanden durch Polizei und Truppen zersprengt worden, aber noch immer tauchten neue kleine Banden auf. Die Voraussetzung für einen Erfolg Der Säuberungs­aktion sei Die Fertigstellung Des Drahtver­

haues an Der NorDgrenze Palästinas, über die noch immer Munition und Terroristen ins Land kämen. Die Regierung sei nach wie vor Der Ansicht, Die Aufteilung stelle die einzige Lösung Dar. Sie halte es für wünschenswert, jede Verzögerung auszuschalten. Nichtsdestoweniger müßte noch'einige Zeit vergehen, ehe die Vorschläge des Ausschusses in die Hände der Regierung gelangen könnten.

In der Aussprache waren sich Die AbgeorDneten aller Parteirichtungen Darin einig, Daß nicht nur auf Jamaika, fonDem auch in vielen gnderen briti­schen Kolonien unerhörte Zustände herrschten. Ein Oppositionsliberaler erklärte, in Uganda würden massenweise Kinder beschäftigt, weil sie billiger seien. Besonders heftig kritisierte Lloyd George Die rigorose Polizeiverwal­tung in Den Kolonien. Die Löhne seien unglaub­lich niedrig, und Die Arbeitsbedingungen unbe­schreiblich. Es sehe so aus, als wenn Das Britische Empire ein bankrotter Konzern sei. Nach den Zuständen in Westindien werde aber Die briti­sche Verwaltung beurteilt. Die Bevölkerung leide an schrecklichen., Seuchen infolge Unterernährung und ungesunder Lebensbedingungen. Der unab­hängig'? Labour - Abgeordnete MocGov^rn sprach von Ausbeutung, Plünderung und Mißhand- lung der Farbigen durch die britische Regierung,

Handel mit Rotspanien aus eigene Gefahr

Chamberlain über die Sicherung der englischen Handelsschiffahrt im Mittelmeer.

London, 14. Juni. (Europapreß.) Die von Der Opposition erzwungene Aussprache über Die Ver­wicklung Der englischen Schiffahrt in Die Bombar­dierungen sowjetspanischer Häsen durch national­spanische Luftstreitkräfte endete mit einer Nieder­lage der Opposition. Chamberlain begann mit einer Darlegung des Standpunktes der nationalspa­nischen Regierung, Die betont habe, daß sie die aus den Luftangriffen auf Valencia und andere Häfen entstandenen Menschenverluste aufs tiefste bedauere. Ihre Flieger eien keineswegs angewiesen worden, englische Schif e zum Ziel ihrer Angriffe zu machen, aber da engli che Schiffe zusammen mit Den Schif­fen anderer Nationen in Der Nähe militä­rischer Ziele ankerten, sei es Den Fliegern unmöglich, zwischen Den Schiffen unD Diesen mili­tärischen Zielen zu unterscheiden. Die nationalspa­nische Regierung sei nicht in Der Lage, auf Die An­wendung der Luftwaffe zu verzichten, da die Fort­dauer des Krieges ausschließlich Darauf zurückzu­führen sei, Daß englische und anDere Schisse Die sowjetspanischen Behörden ' laufenD mit Kriegsmaterial versorgten. Chamberlain erklärte, Daß Die englische Regierung Durch gesetz­geberische Maßnahmen Vorsorge dafür getroffen habe, daß keine englischen Schiffe Kriegsmaterial im eigentlichen Sinne des Wortes nach sowjetspanischen Häfen brächten. Dennoch seien. 22 englische Schiffe in die Bombardements verwickelt gewesen. Davon seien 11 Schiffe versenkt ober ernst­lich beschädigt worden. Angesichts dieser Umstände habe sich die englische Regierung die Frage vorge­legt. ob sie etwas zum Schutze der englischen Schiffahrt tun könne, ohne die Politik der Nicht­einmischung zu verletzen.

Schauplatz dieser Luftangriffe sind spanische Häfen. Hieraus ergibt sich schon Der gründ- sätzliche Unterschied von Dem Piraten­unwesen a u f hoher See, Das uns im ver­gangenen Sommer dazu nötigte, englische Seestreit­kräfte zu feiner Beseitigung einzusetzen. Die Schiffe könnten nur durch in der Nähe dieser Häfen be­findliche Kriegsschiffe oder Durch an Der Küste auf- gestellte Flakbatterien geschützt werden. Dagegen prüfe Die Regierung Die Schaffung von Sicher­heitszonen für die Schiffahrt in bestimmten Häfen unD Dis Bestimmung eines Hafens im Sow- jetspanischen Gebiet ausschließlich für englische Schiffe. Die zweite Anregung stamme von Der nationalspanischen Regierung, Die Dabei lediglich die Bedingung gemacht habe, daß Die einen solchen Hafen anlaufenden englischen Schiffe keinerlei Munition oder sonstiges Kriegs- material mit sich führen Dürften. Die Verwirk-

lichung Dieses Plans hinge davon ab, eine Ver­ständigung Über Die Liste Der verbotenen Güter her­beizuführen.

Abschließend stellte Chamberlain sehr eindeutig fest, daß abgesehen von den zuletzt ge­nannten Vorschlägen ein wirksamer Schuh der spanische Häfen anlaufenden englischen Schiffe während ihres Aufenthaltes in spani­schen Hoheitsgewässern nur dann möglich sei, wenn die englische Regierung bereit wäre, sich in die Feindseligkeiten ein- zumlschen. Die Regierung sei jedoch davon überzeugt, eine Einmischung in den spanischen Krieg sei nicht tragbar, da eine solche zu einer Erweiterung des ganzen Streit­falles führen mühte. Die englische Regierung mühte sich daher damit begnügen, die an die englische Schiffahrt ergangene Warnung 3 u wiederholen und erneut zu erklären, dah alle englischen Schiffe auf hoher See den Schuh Englands und seiner Flotte genössen, dah aber alle Schiffe das Anlaufen der im Kriegsgebiet liegenden Häfen auf eigene Rechnung und Gefahr tun mühten. Gleichzeitig dürfe aber nicht über­sehen werden, dah die anhaltenden Angriffe auf englische Schiffe auf die Dauer zu einer Trübung der freundschaftlichen Beziehungen führen mühten, die die Vurgos-Regierung nach ihrer eigenen Erklärung mit der englischen

Regierung aufrecht zu erhalten wünsche.

Chamberlains UnterljauserHärung wird von Den LondonerBlättern natürlich mit Aus­nahme Der beiDen Oppositionszeitungen begrüßt. DieTimes" sagt, wenn britische Kriegsschiffe im Kampfgebiet aktiv vorgehen würden, Dann könnte Das leicht zu einer Gegenaktion einer anDeren Macht fuhren, was schlimme Folgen mit sich bringen würbe. Auch berDaily Telegraph" schreibt, man müsse hoffen. Daß Die britische Regierung sich nicht von Dieser vorsichtigen Zurückhaltung Durch die ForDerung Der Opposition nachenergischeren Maß­nahmen" abbringen lasse. Die Oeffentlichkeit in England habe nicht Die gleichen Sympathien für alle Schiffe, Die geroinnbringenben Handel mit den rotspanischen Hafen trieben. Die öffentliche Meinung in England würde bestimmt nicht Maßnahmen gut» heißen, die England in Den spanischen Krieg hinein­ziehen würden.

Irland wählt.

Von unserem G.T.-Korrespondenien.

London, Juni 1938.

Zum zweitenmal innerhalb eines Jahres wandern am 17. Juni die Wähler Südirlands zur Urne. Als sie Ende Juni vergangenen Jahres Den gleichen Weg gingen, befanden sie sich noch in einem Glied­staat des englischen Weltreiches. Diesesrnal wählen sie als Bürger Des feit Dem 1. Januar bestehenden Staates Eire ober Irland, besten -Beziehungen zu England zwar nicht ganz einbeutig sind, Der aber Doch sehr viel weniger unselbstänbig ist, als Der einstige Irische Freistaat. Auch Dieser Zustand ist nur eine Zwischenlösung auf Dem Wege zu völliger Selbständigkeit, auf Dem Die Neuwahlen nach Dem Wunsche Des irischen Ministerpräsidenten de Valero ein weiterer Schritt sein sollen. Ihr un­mittelbarer Anlaß war eine unwichtige Nieder­lage der Regierung in einer Abstimmung im Dail, Dem irischen Landtag. De Valero war bei dieser Ab­stimmung nicht einmal zugegen und hätte, wenn er wollte, eist Vertrauensvotum fordern können und es zweifellos auch erhalten. Stattdessen benutzte er Die Niederlage zur Auflösung Des Landtages, In dem die Regierungspartei, Fionna Fail, nur über die gleiche Anzahl Sitze verfügte, wie alle anderen Parteien zusammen und daher stets bei wichtigen Entscheidungen auf die Unterstützung der Arbeiter­partei angewiesen war. Dieser Abhängigkeit wollte de Valero ein Ende machen, denn er braucht für die Durchführung feiner Pläne eine geschloffene Mehr­heit. Das Ziel wird erreicht, wenn Fianno Fail in diesen Wahlen auch nur zwei ober drei Sitze er­obert.

De Valero und seine Anhänger finb bavon über­zeugt, das ihnen das mühelos gelingen wird, trotz­dem die in Irland geltenden Verhältniswahlen Splitterparteien Vorschub leisten und sich gegen Die stärkste Partei auswirken. Der große Trumpf Fianna Falls in Diesen Wahlen ist Das englisch­irische Abkommen, mit Dem Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf eine neue Grund­lage gestellt worden sind und (was noch wichtiger ist) die letzten englischen Machtstellungen in Süd- irlanb, die Häfen Queenstown, Berehaven und Lough Swilly, an Irland zurückgegeben wurden. Sogar die führende südirische Oppositionspartei mit Dem einstigen Ministerpräsidenten Cosgrave an Der Spitze mußte, wenn auch nur zögernd und widerwillig, Dem englisch-irischen Abkommen zu- ftimmen und hat sich sogar jetzt feierlich verpflichtet, im Falle ihres Wahlsieges Das von Den Gegneyn abgeschlossene Abkommen durchzusetzen. Verständi­gung mit England war bisher die hauptsächlichste Forderung der Opposition, der de Valero mit die­sem Abkommen Das Wasser obgegroben hat und Deren Mühlen nunmehr leer klappern. Alles, wcis die Opposition in Dem mit steigender Erbitterung geführten Wahlkampf be Valero entgegenhalten kann, ist, baß er diktatorische Macht erstrebe, die so­genannten Pressefreiheit beschränken und das Vek- haltniswahlsystem abschaffen wolle. Irgendwelche weitgehenden wirtschaftlichen Fragen stehen in die­sen Wahlen ebensowenig zur Entscheidung, wie grundsätzliche politische Dinge.

Das einzige, was Irländer de Valero heute vor­werfen können und was ihm-tatsächlich auch von den Extremisten zum Vorwurf gemacht wird, ist, daß er bei der Trennung zwischen Irland und England noch nicht weit genug gegan­gen sei. Der einstige Vorkämpfer für Irlands völ­lige Unabhängigkeit von Dem Erbfeind England, lo behaupten Die Extremisten, sei immer mehr zu einem Opportunisten geworDen,. und statt Der an« gestrebten Republik/sei Irland heute ein völkerrecht­liches Zwitterding, weder Fisch noch Fleisch noch Plumpudding. Auf alle solche Vorwürfe antwortet be Valero stets, daß er sich nicht geändert habe, seit er in Dem DfteraufftanD 1916 auf. Den Barrikaden Dublins gegen England kämpfte, daß Irland aber seitdem unter seiner Führung ein gutes Stück vorwärtsgekommen fei und daß.man auch weiter schrittweise vorgehen müsse, um das große Ziel, Die Einigung und schließlich Die völlige Los­lösung Der ganzen irischen Insel zu erreichen. Der Nachdruck liegt dabei auf Dem WortEinigung", D. h. Dem Anschluß Des n o rdiri sch en Z w e r g st o a t e s an Südirland. De Valero Hot nie, auch in London nicht, ein Hehl Daraus gemacht, daß dieser Anschluß die Voraussetzung für die völlige Unabhängigkeit Irlands sein müsse, und er weiß auch genau, daß dieser Anschluß, wenn über­haupt, nur auf friedlichem W eg e Durchzu­führen ist. So nachsichtig England in Den letzten Jahren Den südirischen Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber gewesen ist, so energisch könnte es sein, falls Südirland in Ulster einmarschieren sollte.

Zu hastigen Schlüssen neigende englische Blätter haben in Den letzten Tagen wieDerholt Parallelen gezogen zwischen der Entwicklung Der tschecho- fl o w a k i s ch e n Frage und dem Verhältnis von Südirland zu Ulster, wobei man sogar soweit geht, die in Ulster lebenden und für einen Anschluß kämpfenden Südiren alsSudeten-Iren" zu be­zeichnen. Augenscheinlich ist man in diesen Kreisen noch nicht einmal bis zu der Erkenntnis vorge- Drungen, daßSudeten" der Name eines Gebirges ist und nicht ein Eigenschaftswort fürabgetrennt". Diese Verwechslung allein erhellt bereits Die Tief­gründigkeit, mit der solche Parallelen zusammenge­klaubt werden. Wenn man jedoch zwischen ber Ent­wicklung in Irland und in Mitteleuropa Vergleiche ziehen will, so könnte man sagen, daß in Irland bereits das geschehen ist, was in der Tschechoslo­wakei noch geschehen muß, nämlich die Schaffung rassisch begrenzter, autonomer Gebiete, von Denen eins, nämlich SüDirlanD ober Eire, allein steht (bas wäre Dos Gegenstück zu -einem rein tsche­chischen Staat), während bas anbere, Norbirland ober Ulster, sich an bas stammverwandte Groß­britannien anlehnt und damit Das erreicht hat, was Der sudetendeutsche Volksteil Der Tschechoslowakei noch anstrebt. Man könnte Diesen Vergleich noch weiter führen und behaupten, daß Südirlands Be­strebungen auf die Einverleibung Ulsters zugleich auch auf die Einverleibung einer Minderheit ab» Zielen, also die Entwicklung zutückdrehen wollen und damit auf Die Bildung eines der Tschechoslo­wakei ähnlichen Staatsgebildes hinauslaufen.

Aber alle solche Vergleiche lahmen auf beiden Seinen. -Die Voraussetzungen für Die Beurteilung ber ganzen Entwicklung in Jrlanb und Der Tschecho­slowakei sind so grunblegenb verschieden, Daß ober- flächliche Aehnlichkeiten nichts bedeuten. Irland, und zwar Die ganze Insel Irland, war Jahrhunderte hindurch eine englische Kolonie mit einer rein keltischen Bevölkerung, die bis in Die Nochkriegs- jähre hinein von den Engländern mit allen Mitteln unterdrückt wurde. Dabei wurde Nordirland, mit der Hauptstadt Belfast, zur Zentrale der Unter» druckungspolitik, in ber England protestantische Einwanderer aus England und Schottland ansie-