„Oie Fledermaus."
Lichtspielhaus.
Es ist bereits das zweitemal. daß der Film sich der berühmten Operette bemächtigt, und es ist auch diesmal etwas sehr Hübsches und Originelles daraus geworden. Die Drehbuchoerf-asser W. Wassermann und C. H. Silier waren gescheit genug, sich zu sagen, daß es mit einer einsachen text- und tongetreuen Verfilmung der „Fledermaus" nicht getan sei: sie haben natürlich die Hauptstücke der unverwüstlichen Musik von Strauß übernommen, auch charakteristische Partien des Librettos, teilweise wörtlich und mit den traditionellen Bühneneffekten und Pointen, die man aufs Stichwort erwartet, wie etwa den Quietfcher der Adele oder die Geschichte mit dem Hut im dritten Akt ... Aber sie haben den Bühnenvorgang mit einem originellen Einfall den Kulissen entrückt und ihn gleichsam auf einer anderen Ebene des Bewußtseins wieder auftauchen lassen: man sieht und hört hier die Operette nicht im Theater, vom Parkett aus, sondern als die Traumvision eines Darstellers, der den Eisenstein eben zum 300. Male gesungen hat und kurz vor der Jubiläumsfeier eingeschlafen ist — nur ein Diertelstünd- chen, aber es genügt, die „Fledermaus" dem Beschauer, der im Film mitträumt, auf eine neue und witzige Weise zu servieren. Daß dabei vom musikalischen Reiz des Originals nichts verloren geht, wurde schon gesagt; wohl aber wird der Film auf diese Art der stets peinlichen Notwendigkeit enthoben, bloß Theater zu photographieren, und die Kamera erhält außerdem lohnende Anregungen und Aufgaben. Der Spielleiter Paul Verhoeven, früher ein geschätztes Mitglied des Frankfurter Schauspielhauses, hat die Intentionen des Drehbuches mit Schwung, Heiterkeit und einem prickelnden, spritzigen Temperament ins Bild umgesetzt und — mit Hilfe des sehr begabten Kameramannes Bruno Mondi — dem Bilde auch jene schwebende Wandelbarkeit und Transparenz verliehen, die der Einfall der Autoren erfordert. So entstand nicht nur eine Verfilmung, sondern ein richtiger Film, der besonders in den ersten Teilen mit einer bestechenden Leichtigkeit auf der schmalen Grenze zwischen Ku- lissenwelt, Traum und Realität spielt, der durch die Einkleidung auch szenisch eine feste Rahmung und durch die Musik (Alois M e l i ch a r mit den Berliner Philharmonikern) eine musikalische Fundierung erhält, die überaus füllig und elegant wirkt Einen ebenso erfreulichen Eindruck hinterläßt allenthalben die Besetzung; es wird mit jener heiter angesäusel
ten, allen Verwandlungen und Ueberraschungen gewachsenen Champagnerlaune gespielt, deren jede gute „Fledermaus"-Aufführung bedarf. Lida B a a - rova, die man sonst in einer weit seriöseren Umgebung antrifft, ist eine blendend aussehende, scharmante und amüsante Rosalinde, Hans S ö h n t e r als Eisenstein so locker und schwungvoll im Spiel, wie man ihn selten sah. Friedl C z e p a macht die muntere Adele; die Herren Frank und Falk sind mit Georg Alexander und dem kürzlich zum Intendanten ernannten Harald P a ulfen blendend besetzt. Gut auch Karl St e panek als Orlowsky; und daß für Hans Moser die Verwandlung vom Garderobier Huber zum Gefängniswärter Frosch mit Verlaub ein gefundenes Fressen sein würde, war ohne weiteres vorausyusehen. Daß auch an der Ausstattung nicht gespart worden ist, bedarf kaum ausdrücklicher Versicherung. — (Tobis.)
Hans Thyriot.
Oberhessischer Kunstverein.
Ausstellung Georg Nöder:
„Deutsche Landschaft."
Der Maler und Zeichner Georg Röder, dessen Kollektivausstellung „Deutsche Landschaft" am Sonntagvormittag vom Oberhessischen Kunstverein der Oeffentlichkeit übergeben wurde, ist gebürtiger Gießener, lebt und wirkt aber seit mehr als einem halben Jahrhundert in. Wuppertal. Weihnachten vorigen Jahres feierte er den 70. Geburtstag; er begann, wie wir hören, als Zeichner und Lithograph und hat auch als Büchillustrator und auf dem Gebiete des Werbebildes bemerkenswerte Leistungen aufzuweisen.
Die im Kunstverein vereinigte Kollektion beschränkt sich auf reine Malerei und Zeichnung; sie enthält Oelgemälde, Tempera-Blätter, farbige, Federund Rötel-Zeichnungen und wird unter dem gemeinsamen Titel „Deutsche Landschaft" zusammengefaßt. Was man hier vereinigt findet, rechtfertigt die summarische Bezeichnung durchaus und scheint der thematischen Vorliebe wie der malerischen Eigenart Röders zu entsprechen. Abgesehen etwa von dem stillen und sachlichen Gemälde „Meine Mutter" (Privatbesitz), das auf den ersten Blick kaum wie ein Porttät wirkt, begegnet man so gut wie nirgends figürlichen Themen, dagegen immer neuen landschaftlichen Motiven aus den verschiedensten Gegenden unserer deutschen Heimat.
Will man den Gesamteindruck formulieren, so wird man sagen dürfen, daß hier eine ruhige,
Ur. 62 Zweites Blaff
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Dienstag, 15. Marz M8
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Die Tiroler in herzlicher Freundschaft mit unseren Soldaten.
Wie herzlich die deutschen Soldaten in Innsbruck und den umliegenden Orten empfangen wurden, beweist dieses Bild: alt und jung sitzen mit ihnen zusammen, der eine eine gemütliche Pfeife rauchend, der andere mit dem Klampfe ein heimatliches Lied begleitend, und die Jungen alle erwartungsvoll dem lauschend, was die Soldaten aus dem Reich erzählen. — (Scherl-Pilderdienft-M.)
Aus der Siadi Gießen.
Nerven.
Die Straße war angefüllt von einer Unsumme lärmender Verkehrsgeräusche. Wie das verworrene Brausen einer Brandung schluaen sie vom Fahrweg zu den Bürgersteigen, auf denen sich die Fußgänger in gewohnter Sicherheit fühlten. Manche schritten so unbekümmert, als wären sie zu Hause. Andere blieben sogar beieinander stehen, obschon man das mit Rücksicht auf feine Mitmenschen, die es vielleicht eilig haben, nicht tun soll, und sie taten höchst entrüstet, wenn sie einmal unsanft einen Ellenbogen zu spüren bekamen. Aber im allgemeinen waren die Haster und Dränger in der Minderzahl. Es gab soviel zu sehen,unb zu spähen, man konnte sich ebensowenig die neuen Auslagen der Geschäftshäuser entgehen lassen, wie die Vor- überwandelnden, unter denen einem vielleicht Bekannte grüßten oder die gegrüßt fein wollten, und man mußte auch die Vorgänge auf dem Fahrdamm ein wenig miterleben.
Manchen Gesichtern, die Augen und Ohren für alles, auch das Nebensächlichste offen hielten, sich gleichsam auf Schritt und Tritt verloren, anstatt sich beherrscht und auf das Wesentlichste gesammelt in der Gewalt zu haben, konnte man ansehen, daß die Fülle der Eindrücke ihnen einen leisen Schwindels erregte und daß die Atmosphäre für sie geradezu' etwas Beklemmendes hatte. Es ging ihnen wie Gefangenen etwa, die aus dämmeriger Stille in einen sonne- und vogelfrohen Frühlingstag befreit werden: die Helle blendete, die Stimmen betäubten sie.
Plötzlich liefen die Menschen am Rande des 23ürgerfteigs zusammen, wie ein Wirbel in der Strömung die Wasser in seinen Strudel zieht: eine junge Frau war mit blassem Antlitz und geschlosse
nen Augen in die Arme eines Mannes gesunken. Ihren spitzen Schrei und das fast gleichzeitige Knirschen des bremsenden Straßenbahnwagens hatten nur die Nächsten ihrer Umgebung gehört. Diese wußten auch, was geschehen war: Die junge Frau hatte etwas überstürzt die Straße überquert, und dabei war es von ihr gar nicht bemerkt worden, daß ihr Bübchen, das ein Handwägelchen hinter sich Herzog, ihre Hand losgelassen hatte. Erst auf dem Bürgersteig hatte sie den Kleinen vermißt und mit entsetztem Mick bedächtig über die Gleise trippeln gesehen, kaum ein paar Schritte von der Straßenbahn entfernt. Der Schreck Hatto die Auf- schreiende wie gelähmt, sie war halt- und besinnungslos zusammeusinkend von einem Manne ersaßt und vor dem Sturz bewahrt worden.
Sie hätte sich die 'Aufregung ersparen können, meinte er, als sie eben wieder die Augen aufschlug und ihren Jungen an sich zog, zehn Meter weiter hätte sie die Straße unter dem sicheren Geleit eines Verkehrsschutzmannes wie auf einer Brücke überschreiten können.
„Meine Nerven!" stöhnte die Frau. „Ja", nickte der Mann, „der Straßenbahnschaffner hatte bessere, das heißt, er besaß jenen winzigen Bruchteil mehr an Selbstbeherrschung, auf den es im Leben immer antommt." P. B.
Dornoiizeri.
Tageskalender für Dienstag:
Stadttheater: „Die tote Tante und andere Begebenheiten." — Gloria-Palast (Seltersweg): „Das indische Grabmal." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Fledermaus." — Oberhessischer Kunst- oerein: 17 bis 18 Uhr Kunstausstellung im Turmhaus am Brand.
Ltadltheater Gießen.
Heute, um 20 Uhr, findet zum letztenmal eine Aufführung von „Die tote Tante und andere Begebenheiten" van Curt Goetz statt. Spielleitung Wolfgang Kühne, Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung finbet gleichzeitig als 22. Vorstellung der Dienstag- Miete statt. Ende 22.15 Uhr.
Mittwoch, 16. März, Anfang 19.30, Ende 22.15 Uhr, „Wilhelm Teil", Schauspiel von Friedrich von Schiller. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Mittwoch-Miete 24. Vorstellung.
Vortrag im Gießener Einzelhandel.
Am heuttgen Dienstagabend spricht in einer Versammlung der Kreisgruppe Gießen des Einzelhandels im Cafe Leib Professor Dr. R u b e r g über das Thema „Selbsthilfe des Einzelhandels durch Erhöhung der betrieblichen Leistung".
Keine eigenmächtige Rückkehr nach Oesterreich.
Das NSDAP.-Flüchttingshilfswerk, Berlin, teilt mit: Die dem NSDAP.-Flüchttingshilfswerk unterstehenden Flüchtlinge aus Oesterreich können eift dann in die Heimat zurückkehren und ihre Arbeitsstellen im Reich verlassen, wenn sie von den zuständigen Parteidienststellen in Oesterreich schriftlich der Leitung des NSDAP.-Flüchtlingshilfswerkes nachweisen können, daß sie in Oesterreich über eine gesicherte Existenz verfügen. In diesem Falle wird eine schriftliche Bescheinigung vom NSDAP.-Flüchtlingshilfswerk erteilt, die den Flüchtling ermächtigt, in die Heimat zurückzukehren. Flüchtlingen, ine in Oesterreich noch keine Existenz haben, ist es Der=, boten, nach Oesterreich einzureisen. Die Polittschen Leiter und die Angehörigen der ff, SA. und HI. erhalten von ihren zuständigen Gliederungsdienststellen im Reiche Sonderweisungen.
Reiterscheinprüfungen in den Wehrmeldeamtsbezirken Gießen und Alsfeld
NSG. In den Bereichen der Wehrmeldeämter Gießen und Alsfeld finden am Samstag, 19., und Sonntag, 20. März, nachstehende Prüfungen zur Erlangung des Reiterscheins durch den Beauftragten des Reichsinspekteurs für Reit- und Fahrausbildung statt:
Am Samstag, 19 März, um 14 Uhr, Prüfung Nr. 24 in Gießen, Universitäts-Reitinstitut, Brandplatz 5, und um 16.30 Uhr Prüfung Nr. 25 in Galgenberg bei Hungen, Reitplatz.
Am Sonntag, 20. März, um 9.30 Uhr, Prüfung Nr. 26 in Schlitz, Reitplatz, um 12 Uhr Prüfung Nr. 27 in Alsfeld, Reithalle, und um 16 Uhr Prüfung Nr. 28 in Odenhausen (Lumda), Reitplatz, Wegekreuzung Kesselbach — Rüddingshausen — Wei- tershain.
Oienstjubiläum bei der Reichsbahn.
Am heutigen Dienstag, 15. März, kann der Bei triebsführer des Reichsbahnbetriebswerkes Gießen, Reichsbahn-Amtmann Richard G e l d s e tz e r, Wetzlarer Weg 44, auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Der Jubilar, der jetzt im 60. Lebensjahre steht, war in den Jahren 1901 bis 1911 schon einmal in Gießen tätig, wurde bann nach Dillenburg versetzt, wo er'26 Jahre lang dem borkigen Betriebswerk vorstanb, bis er am 1. Juni bes vorigen Jahres als Betriebsführer an bas
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hiesige Reichsbahnbetriebswerk versetzt wurde. In der kurzen Zeit seines Hierseins hat es Reichsbahn- Amtmann Geldsetzer verstanden, sich das restlose Vertrauen der 600 Mann starken Belegschaft zu erwerben. Die Gefolgschaft des Reichsbahnbetriebswerkes Gießen gratulierte ihrem Betriebsführer herzlich zu feinem heutigen Ehrentage und wünschte ihm auch für die Zukunft altts Gute.
Gießener Dochenmorktpreiie.
* G i e ß e n, 15. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, XA kg 147 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 12, Klasse C 11%, Wirsing, % kg 10 bis 14, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 14, gelbe Rüben und Karotted 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 18, Unterkohl- rabi 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 30, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 55, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Hähne 1,20 Mark, Suppenhühner 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 35 bis 50 Pf., Salat 10 bis 25, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 20 Pf.
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** Berlin erhält eine „Gießener Straße". Nach einer Mitteilung des Berliner' Stadtpräsidenten Dr. Lippert soll im nächsten Jahre iw dem Berliner Stadtteil Pankow im
SA bei der Altpapiersammlung.
Wir berichteten gestern bereits, daß die Alt- popier-Sarnrnelaktion der SA. zu einem großen Erfolg werden konnte. Unser' Bild zeigt die SA.- Kameraden in Gießen beim eifrigen Anschleppen des Altpapiers. Das Sammelergebnis erhöhte sich übrigens für den Bereich der SA.-Standarte 116 um ein Beträchtliches, denn auch auf dem Lande wurde eifrig gesammelt. Das Gesamtergebnis im Standartenbereich belief sich auf etwa 800 Zentner Altpapier.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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sichere, technisch ausgereifte Kunstübung am Werke ist, eine Malerei, welche die Dinge so sachlich sieht und miet)ergibt, wie sie sich dem unverbildeten Auge darbieten; eine künstlerische Auffassung, die jeglichen Experimenten abhold ist, aber Sinn hat für die Feinheiten und das charakteristische Gesicht eines bestimmten Landstriches. Das ist alles mit einem empfindlich reagierenden Farbengefühl und mit einem sehr bewußt aufnehmenden Blick für das Raumelement in der Landschaft, für Perspektive und Tiefenwirkung dargestellt. Solchen malerischen Tendenzen entspricht eine abwechslungsreiche Technik, die ihrer Mittel allenthalben gewiß ist. Die koloristisch feinsten Wirkungen ergeben sich in einer Gruppe von pastellähnlich locker und zart kolorierten Blättern, wie etwa in dem überaus delikat behandelten Motiv aus der Malerstadt Rothenburg ob der Tauber; auch die farbigen Zeichnungen „Aus Tirol" und „Schliersee" sind in diesem Zusammenhang zu nennen.
Die südbayerische Gebirgs- und Seenlandschaft lieferte Georg Röder überhaupt, wovon die Ausstellung vielfach Zeugnis ablegt, eine Anzahl der dankbarsten Motive; vor allem 'gehört hierher das die Rückwand des Saales beherrschende, große, wuchtig komponierte und sorgfältig durchgearbeitete Königsee-Bild, ohne Zweifel das repräsentativste Werk der gesamten Gießener Kollektion. Idyllischer wirkt daneben, ohne die herben Konturen und die dramatischen Akzente der benachbarten Arbeit, die weich gegliederte Schliersee-Landschaft, während auf der anderen Seite die Komposition „Hochofen bei Haspe" einen lebhaften Kontrast ergibt: dies ist ein Bild von farbig eigentümlich zarter Mischung, das dem sehr sachlichen und nüchternen Gegenstände eine fast lyrische Stimmung abgewinnt.
Aus der Fülle der übrigen Arbeiten seien ferner die durch ein vielfältig gestuftes, lichtes Frühlingsgrün sich charakterisierende farbige Zeichnung „Eifelvorland" und die dem Königsee-Bilde gegenüber angeordnete große Komposition „Aus dem Hinterland" („Einsamkeit") hervorgehoben. Ein schönes, in sich ruhendes Bild, das ebenfalls an den heimatlichen Ursprung des Malers zurückführt, ist die „Ruine Münzenberg".
Eine interessante Ergänzung be? Gesamteindruckes der Ausstellung liefern die in einer Vitrine vereinigten Feder- und Rötel-Zeichnungen, von welchen etwa das leicht und sicher fonturierte und bedachtsam ausgesparte Blatt „Aus der Eifel" notiert fei. — Es ist zu erwarten, daß die zum 70. Geburtstage des Gießener Künstlers zusammengestellte Auswahl aus seinem Lebenswerk sich eines lebhaften Besuches zu erfreuen haben wird. Hans Thyriot.
Der hitzige Händel.
„St. Grobianus mit dem Taktstock" — diesen Titel hat man einmal Händel beigelegt, dessen Grobheit allgemein gefürchtet war. Der Meister war in zahllose „Händel" verwickelt; das paßte zu seinem Namen. Einmal hatte er einem Tenor eine 2lrie in seiner Oper „Alcina" zu fingen gegeben; aber dieser sandte sie ihm mit dem Bemerken ,31^ rück, sie sei zu leicht und zu gewöhnlich für ihn. Händel stürzte in die Wohnung des Widerspenstigen und schleuderte dem erstaunten Italiener die Worte entgegen: „Du Hund! Weißt du nicht besser, was du fingen kannst und was du nicht fingen kannst? Du wirst diese Arie singen, ober ich schieße dich tot!" Die Arie wurde gesungen und der Tenor blieb am Leben. Ein andermal begleitete Händel einen Sänger am Harpsichord (Klavizimbel), und dieser beklagte sich bitter, daß Händel nicht Takt halte. Er erklärte schließlich wütend, wenn er ihn nicht besser begleite, so werde er auf das Harpsichord herunterspringen und es kaputt treten. Worauf der Meister mit Donnerstimme erwiderte: „Teile uns nur vorher mit, wann du springst^ und ich werde die Sache im Programm ermähnen. Da werden wir doch endlich mal ein volles Haus haben, denn alle werden kommen, um dich springen zu sehen, während keiner kommt, um dich fingen zu hären!"
Zeitschriften.
— Alle Mütter wird es interessieren, was die Zeitschrift „Mutter u n d K i n d" (Verlag Elwin Staude KG., Berlin \V 30) über die Ernährungsfrage im Kleinkindesalter schreibt. Vom ersten Frühstück bis zum Abendbrot findet die Mutter in diesem lehrreichen Artikel alle Speisen angeführt, die dem Kleinkinde dienlich sind. — Weitere Beiträge: „Allerlei Nachdenkliches über die Fußgesundheit unserer Kinder", „Erziehung zur Ordnungsliebe des Kindes im Spielalter", „Eine Anregung zum Frühjahr", „Frohe Morgenstimmung im Heim" und „Lustige Bekannte aus dem Märchenlande".
Hochschulnachrichten.
Der Lehrstuhl für organische Chemie an der Technischen Hochschule Karlsruhe ist dem bisherigen nichtbeamteten außerordentlichen Professor Dr. Rudolf C r i c g e e an der Universität Marburg unter Ernennung zum ordentlichen Professor übertragen worden. Criegee habilitierte sich 1932 für Chemie in Marburg, nachdem er vorher am Chemie scheu Institut in Würzburg tätig gewesen war.


