Ausgabe 
15.2.1938
 
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Nr. 58 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Dienstag, 15. Februar 1938

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Techniker an die Front!

Die Maschinenstürmerei, die sich mit den über­spannten Ideen von Naturschwärmern und Primiti­vitätsaposteln seltsam verband, war ein Angstpro­dukt entseelter Menschen im materialistischen Zeit­alter vor 1933. Erst der Nationalsozialismus hat den Menschen wieder zum Herrn derMaschine gemacht und damit eine neue Epoche des technischen Aufschwungs in die Wege geleitet. Ging diese Um­wertung aller technischen Dinge zunächst vom Welt­anschaulichen aus, so hat sie heute auch im Bereich der praktischen Wirtschaftspolitik allerhöchste Bedeu­tung erlangt. Wir sehen das am Beispiel der gro­ßen nationalsozialistischen Arbeitsprogramme, die infolge des eingetretenen Facharbeiterman­gels nur noch durch Rationalisierung, d. h. durch weitgehende Verwendung der Maschinen statt der Handarbeit, bewältigt werden können. Wir sehen das aber auch in der Außenhandelspolitik, die einerseits bestimmt ist durch unseren Mangel an gewissen Rohstoffen und anderseits durch die Not­wendigkeit der Devisenbeschaffung. Der Ausfuhr­erfolg der deutschen Maschinenbau-Industrie in den letzten Jahren zeigt, daß von hier aus ein wesent­licher Teil des Außenhandelsproblems gelöst wer­den kann. Dank des außerordentlich hohen Standes der deutschen Qualitätsarbeit und der deutschen Jn- genieurkunst ist es gelungen, den Maschinenexport so sehr zu steigern, daß er uns im vergangenen Jahre einen Gegenwert von 700 Millionen Reichsmark in Devisen einbrachte. Wie der Leiter der Außenhan­delsabteilung der Wirtschaftsgruppe Maschinenbau, Otto Q u i t t m a n n, mitteilt, trägt Deutschland heute zu einem Drittel zu der Weltmöschinenausfuhr bei, während sein Gesamt-Außenhandel nur etwa ein Zehntel des Welthandelsvolumen ausmacht. In der Rangfolge der Maschinenausfuhrländer stand Deutschland 1936 sogar an erster Stelle vor Ame­rika und England, während uns die Vereinigten Staaten 1937 infolge ihrer günstigeren Produk- tions- und Absatzbedingungen etwas überflügeln konnten. England dagegen ist noch weiter zurück­gefallen. Allein von den drei Ländern Deutschland, USA. und England werden etwa ungefähr 80 v. H. der Weltmaschinenausfuhr bestritten.

Es ist klar, daß uns sehr viel daran liegen muß, diese hervorragende Stellung des deutschen Maschi­nenbaus in der Welt künftig zu erhalten, wenn nicht noch zu verbessern. Zahllose Schwierigkeiten stehen diesem Ziele entgegen: die außerordentlich starken Kapitalreserven der Amerikaner urti> Eng­länder, ihre Rohstoffreichtümer und ihre Vorzugs­zollsysteme, die Versuche zum Aufbau heimischer Maschinenfabriken in den überseeischen Agrarlän­dern, die Konkurrenz hochwertiger Erzeugnisse aus kleineren europäischen Industriestaaten. Um in die­sem großen internationalen Wettbewerb siegreich zu bestehen, gibt es jedoch für den deutschen Maschinen­bau immer einen gangbaren, wenn auch steinigen Weg. Bezeichnenderweise war nämlich auch im ver­gangenen Jahre das industriell hochentwickelte E u ropa ein weitaus besserer Kunde für unsere Maschinen als der übrige Teil der Welt, denn über 60 v. H. aller deutschen Maschinen blieben in unse­rem Erdteil. Das heißt mit anderen Worten, daß wir unsere Ueberlegenheit auf den Absatzmärkten vor allem der höchstspezialisierten S p i tz e n l e i - st u n g der deutschen Maschinenindustrie verdanken. Solange also Deutschland seine führende Stellung im Bau von Qualitätsmaschinen behauptet kann, wird es um den Absatz nicht besorgt zu sein brau­chen. Ja, voraussichtlich wird sich das Schwergewicht unserer Maschinenproduktion immer mehr auf das Gebiet der hochwertigen S p e z i a l m.a s ch i n e n verlagern, nicht nur um große Außenhandelsumsätze zu erzielen, sondern auch für den inneren Gebrauch unserer Wirtschaft.

Voraussetzung für eine solche wünschenswerte Entwicklung aber ist das Vorhandensein einer ge­nügenden Anzahl von Menschen, die diese Aufgabe z u l ö s e n vermögen. Es handelt sich also um das N a ch w u ch s p r o b l e m für den Beruf der Techniker und Ingenieure. Der Bedarf an wissenschaftlich gebildeten Technikern, die Mut und Ausdauer zu großen Leistungen haben, die zum Teil auch befähigt sein müssen, die deutsche Ma­schinenindustrie mit kaufmännischem Geschick im Auslände werbend zu vertreten, ist ungeheuer groß. Aber dieser Bedarf steht leider im umgekehrten Verhältnis zur Ziffer der jungen Männer, die in Deutschland den Beruf eines Ingenieurs ergreifen wollen Auf den deutschen Technischen Hochschulen waren zwischen 1925 und 1930 durchweg 20 000 Studierende immatrikuliert. Nachdem 1930 em Höchststand von 23 749 Technikstudenten erreicht war, ging ihre Zahl in den folgenden Jahren dauernd zurück, bis im vorigen Jahr nur noch 9602 Studenten dem technischen Studium oblagen. Ein ähnlicher Rückgang ist auf den Fachschulen zu verzeichnen.

Es gibt für diese Erscheinung verschiedene Gründe vor allem die Aussichtslosigkeit «ller geistigen und naturwissenschaftlichen Berufe in der Zeit des wirt­schaftlichen Niedergangs vor 1933^ Dazu kamen später die Anforderungen, die nach dem Umvrucy von anderen Berufen an die junge Mannschaft ge­stellt wurden. Aber so einleuchtend diese Grunoe auch sein mögen, so können wir uns doch mit dem Tatbestand nicht einfach abfinden. Der Nachwuchs- manqel für Ingenieure und Techniker mutz cmoe- dingt behoben werden, weil davon die ro,rt^a£ liche Zukunft unseres Volkes in weitestem Mage abhängt. Es werden verschiedene Maßnahmen nor- wendig sein, um für den jungen Mann das tech­nische " Berufsziel lockender zu machen. Dazu ge­hört die Erleichterung des Ausbil­dungsganges. dazu gehört eine früh z e, - tige und bessere Bezahlung, dazu gehört

Die Landwirlschast braucht Facharbeiterinnen.

Ein Aufruf der Reichsreferentin für den BNM.

Berlin, 14. Febr. (DRB.) Die Reichsreferentin für den BDM. beim Reichsjugendführer, Jutta Rüdiger, wendet sich mit folgendem Aufruf an alle vor der Berufswahl stehenden Mädel:

Deutsches Mädel! Willst du einen ländlichen Beruf ergreifen oder willst du Bäuerin werden, dann gehörst du in die ländliche haus- arbeilslehre. Für alle deutschen Mädelberufe in der Landwirtschaft ist heute die Hausarbeitslehre in einem ländlichen haushalt der notwendige A n - fang der fachlichen Ausbildung.

Deutsches Mädel, das Land, das unser Volk er­nährt und erhält, deine Heimat, ruft dich! Daß du diesem herrlichen deutschen Land angehören darfst, danke ihm durch Einsatz und Arbeit.

Im Kampf um wirtschaftliche Freiheit unseres Volkes spielt, wie der Reichsjugendpresse- dienst hierzu schreibt, die Ernährungsfrage eine bedeutende Rolle. Eine intensive Bewirtschaftung des Bodens ist aber nur möglich, wenn dem Lande A r- beitskräfte in genügender Anzahl zur Verfügung stehen. Dem Lande geeignete junge Kräfte zu gewinnen und für dauernd zu erhalten, ist daher» Hauptziel der heutigen Berufslenkung. Auch die Landfrau steht mit ihrer Sorge für den ländlichen Haushalt an verantwortungsvoller Stelle. Um ihr für diese Arbeit das nötige Rüstzeug mitzugeben, wurde die ländliche Hausar­beitslehre geschaffen. Alle Mädel, die bereits in einem ländlichen Haushalt beschäftigt sind, wer­

den sich nunmehr ihre Tätigkeit durch den Ab­schluß eines Lehrverhältnisses zum 1. April 1938 als Berufsausbildung a n = erkennen lassen. Auch eine nachgewiesene Ar­beitszeit wird nachträglich als Lehrzeit angerechnet.

Die ländliche Hausarbeitslehre umfaßt eine Lehrzeit von zwei Jahren. Lehr- oder Kostgeld darf nicht erhoben werden, dagegen erhält der Lehrling Tariflohn. Die Tätigkeit im Landjahr oder im Landdienst wird auf die ländliche Hausarbeitslehre angerechnet. Der zweijährigen ländlichen Hausarbeitslehre, möglichst bei gleichzeitigem Besuch einer ländlichen Berufsschule oder der zusätzlichen Berufsschu­lung des Reichsnährstandes, folgt die Anerkennung als ländliche Hausgehilfin. Hier bieten sich dem Mädel auf Jahre hinaus gute Anstellungsmöglich­keiten in allen bäuerlichen und landwirtschaftlichen Betrieben mit guten Löhnen bei freier Unterkunft und Verpflegung. Außerdem besteht die Aufstiegs­möglichkeit zur geprüften Wirtschaftsgehil­fin, zur geprüften Wirtschafterin, landwirt­schaftlichen Rechnungsführerin, ländlichen Haushaltspflegerin u. a. Auch verantwor­tungsbewußte Mädel aus der Stadt, die Lust und Liebe zum Landhaushalt haben, werden sich da­her einem dieser Berufe zuwenden: nicht aus einer falschen, romantischen Einstellung dem bäuerlichen Leben gegenüber, sondern in dem Bewußtsein, mit der Arbeit auf dem Lande einen wichtigen Beitrag zur Freiheit und Unabhängigkeit unseres Volkes leisten zu können.

3m Reichsberufswettkampf.

Im ganzen Reich steht jung und alt im Reichsberufswettkampf. Hier sieht man einen Lehrling des ersten Lehrjahres in einer Lehrwerkstätte eines großen Jndustriewerkes beim Drehen eines Scherenbolzens, was zu einer feiner Prüfungsaufgaben gehört. (Scherl-M.)

Warmes Essen im Betrieb."

Das AmtSchönheit der Arbeit" in der Deutschen 21 r b e 11 s fj o n t beginnt heute mit einer neuen Werbeaktion, die darauf hinzielt, m möglichst vielen Betrieben die Einrich­tung eines warmen Mittagessens in der Kantine oder im Gemeinschaftsraum zu erreichen. In kleineren Orten besteht dieses Problem selten. Dort erreicht der Angestellte oder Arbeiter seine nahegelegene Wohnung früh genug, um ein regel­mäßiges Mittagessen einzunehmen, in vielen Be­trieben wird es ihm vom Hause aus zur Arbeits­stelle gebracht. Anders liegen die Dinge für solche Arbeitnehmer, die weit entfernt von ihrer Wohnung den Arbeitsplatz haben. Hier ist die Gefolgschaft meist auf das Butterbrot angewiesen, das der ein­zelne von Hause mitgebracht hat.

Das Bestreben'der neuen Aktion geht dahin, in möglichst vielen Betrieben die Errichtung von Küchenanlagen zu erreichen, damit die Ver­sorgung der Belegschaft mit einem warmen Mittag­essen durchgeführt werden kann Die warme Mahl­zeit bat vom ärztlichen Standpunkt aus den Vor­zug der besseren Verdauung. Das Mittagessen in einem Raum, der vom Arbeitsplatz getrennt liegt, entspannt Körper und Nerven. Nach der Essens­pause geht der einzelne mit um so größerer Spann­

kraft wieder an das Tagewerk. Auf die Dauer ge­sehen, wird auch die Hausfrau finden, daß ein war­mes Essen für ihren Mann billiger ist, weil es zu­träglicher ist und seine Arbeitskraft der Familie länger erhält. Die Veranstalter der Aktion rechnen mit einem Preise von 35 bis 40 Pf. für das Mittag­essen. Auf die Preisgestaltung und die dafür ge­botene Qualität kommt es natürlich entscheidend an; denn der Volksgenosse will nicht, daß dem Fami­lienhaushalt ein zu großer Wochenbeitrag entzogen wird.

Für Betriebe, die diesen Anregungen folgen, er­gibt sich naturgemäß eine Reihe von Fragen, deren Beantwortung zunächst von der Stärke der Gefolg­schaft abhängig sein wird. Die Auswahl des rich­tigen Personals für die Küche, feine Befähigung im Einkauf, in der Aufbewahrung und Verwertung der Vorräte und andere Einzelfragen spielen eine Rolle. Für Architekten und Bauherren ergeben sich neue Aufgaben in der Errichtung von Küchen und Kan­tinen. Es ist aber kein Zweifel, dgß hier ein Weg beschritten wird, der immer größere Nachfolge fin­den muß. Für die Gesundheit des Volkes, für die Verwertung der Lebensrnittel und für die Arbeits­freudigkeit der Belegschaften werden sich daraus wichtige Folgerungen ergeben. B. R.

vor allem auch die Steigerung des Ansehens, das der Ingenieur als Schrittmacher des deutschen Wie­deraufstiegs heute schon im Volke genießt. Gerade fetzt veranstaltet der NS. - Bund Deutscher Technik, der unter der Führung von Dr. Todt steht, unter dem MottoJugend, die Technik ruft e u ch" eine große Werbeaktion, der man

nicht nur im Hinblick auf unsere großen nationalen Aufgaben, sondern auch im Interesse der technisch begabten deutschen Jungen den besten Erfolg wün­schen muß. Denn wer sich heute dem Beruf eines Ingenieurs verschreibt, wird es im späteren Leben bestimmt nicht zu bereuen haben.

Heinrich Evers.

Siam

und feine politische Bedeutung.

Japans gegenwärtige Kriegsoperationen in Süd- china und der chinesischen Südsee, die im Osten von Borneo, den Philippinen und Taiwan, im Westen von der indochinesischen und der Malakka-Halbinsel begrenzt wird, lenken den Blick auf das heute mehr denn je im Interessenbereich der Weltmächte liegende Königreich Siam.

Auf der Erdkarte des Ptolemäus aus dem zweiten Jahrhundert heißt der Golf von SiamMagnus Sinus und liegt in der Vorstellung der damaligen Zeit am Rande der Welt. Der große, 168 Millionen Quadratkilometer umfassendeStille Ozean" war damals noch ein mare incognitum. Das heutige Königreich Siam ist im Westen von der eng­lischen Kronkolonie Birma, und im Osten von Französisch - Jndo - China eingeschlossen. Im Süden, am Golf gleichen Namens entlang, reicht es über den Isthmus von Kra bis an die Grenzen Britisch - Malakkas (Kronkolonie

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Straits Settlements und Schutzstaaten), dessen süd­lichster Punkt die Panzerfeste Singapore ist. Die Bodenfläche Siams beträgt etwa 520 000 Quadratkilometer bei einer Bevölkerung von schätzungsweise 11 bis 13 Millionen, darunter ein recht erheblicher Prozentsatz Chinesen, deren Zahl infolge weiterer Abwanderung aus China sich noch erhöhen dürfte, ein Umstand, der von der argwöh­nischen Außenwelt bereits dazu benutzt wurde, die Siamesen mit dem Chinesenschreck mobil zu machen.

Siam mit seiner Hauptstadt Bangkok ist ein Königreich. Der Herrscher ist chinesischer Abkunft, und seit der Befreiung des Landes von den Birma­nen im Jahre 1768 auf Erhaltung der Unabhängig­keit feines Reiches bedacht. Er regierte in alter patriarchalischer Form mit einem Stab von Mini­stern prinzlichen Geblüts, so auch noch König Prajadhipok. Dieser stellte sich in kluger Ein­sicht im Interesse seines Landes auf den Boden der Tatsachen, als im Jahre 1932 eine unblutige Revo­lution, hervorgerufen von jungen Offizieren und Politikern, dem Königreiche eine neue staatspolitische Form gab und die Mitwirkung des Volkes bei allen Entscheidungen der Staatsführung verlangte. 1935 dankte König Prajadhipok zugunsten feines jetzt zwölfjährigen Neffen Ananda ab. Den noch unmündigen, übrigens irr Heidelberg geborenen. Kö­nig vertritt ein Regentschaftsrat, während die Re­gierung, der Senat und Vvlksportei zur Seite stehen, der General Phya Bahvl führt.

Das somit konstitutionelle Königtum will kein von der Gnade der Großmächte geduldeter Puffer- und Kolonialstaat sein, sondern ein völlig unabhän­giges Reich. Daher ist der Wehrpolitik der Pri­mat eingeräumt. Es gilt die allgemeine Wehrpflicht. Der Ausbau von Eisenbahnen, Strpßen und Ka­nälen, die Ausnutzung der Wasserkräfte durch Tal­sperren, für Schaffung einer eigenen Industrie, die Hebung des Handels Siam verfügt über wich­tige Rohprodukte, wie Zinn, Teakholz, Baumwolle berücksichtigen in erster Linie die Landesvertei­digung zur Wahrung der Neutralität im Falle krie­gerischer Verwicklungen. Reis ist nach wie vor Hauptausfuhrartikel.

Fühlten sich bis zum Weltkriege die europäischen Länder, insbesondere England, berufen, sich des Königreichs Siam anzunehmen, um ihrer selbst willen seine Unabhängigkeit zu hüten, auf den Zinn­bergbau im eigensten Interesse zu achten und Kriegsschiffe nach Bedarf zu liefern, so hat sich in­zwischen, namentlich seft 1932, das Verhältnis Siams zum Abendlande wesentlich geändert. Siam weiß, daß es im Schnittpunkt verschiedenartiger außenpolitischer Kraftlinien liegt, es sucht heut nicht mehr den Anschluß an eine Mächtegruppe, sondern verfolgt eine auf Neutralität bedachte, f e l b ft ä n = b i g e Politik. Als fernöstliches Land trägt es den Strömungen der Meltpolitik Rechnung und hat zum Aerger der abendländischen Welt, speziell Englands,