Nr.12 Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Von der Zuckerrübe zum Rohzucker
In den riesigen Kesseln wird der Zuckersaft eingedickt.
Auf vielen Wagen kommen Tausende von Zentnern Rüben an.
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An der Difsusion-Batterie. Jrn Hintergrund die Schnitzelmaschine.
Im Laboratorium werden die Produkte kontrolliert.
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Berhe von Rohzucker harren der Versackung und des Versandes.
Ströme goldgelben Dunnsastes verlassen tue Filterpressen.
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Bauern Zeiten
Trockenschnitzel das Vieh des über futterarme ernähren.
Oer Intendant.
(Sine Anekdote von Karl £ert>&
Der Intendant einens norddeutschen Staatsthea- lsrs. ein heiterer, rühriger und geistvoller Mann, satte einmal, als er während einer Opernprobe auf tinen Stuhl gestiegen war, das Unglück, fehlzutre- ten und auf die Rampe zu stürzen: so daß er, ! rur noch durch ein klammerndes Bein auf den Jrettern, die seine Welt bedeuteten, festgehalten, i ber dem Orchester schwebte, gerade über der Stelle, do die Harfenistin, in fließende Gewänder ge- Imllt, schwermütig ihre Weisen zupfte. Zwei in der fSähe aufgebaute Chorherren eilten herzu, zogen ,h |hr He|m Jen bedrohten Intendanten rpieder auf die Bühne *— ; inb richteten ihn mit sachgerechten Griffen und
Am anderen Morgen hielten sie die briefliche Antwort in Händen. Es sei, schrieb der Intendant, cnzuerkennen, daß die menschlich lobenswerte ^.at richt unter die vertraglich ohne Sondervergütung leistende Arbeit falle-, doch müsse er die Berech- tgung des Anspruchs auf ein Sonderhonorar trotz- tsm als fraglich ansehen, da er eine Errettung aus f iner gefährlichen Lage keineswegs gefordert habe, de Arbeit also vollkommen freiwillig und obendrein rührend einer eigenmächtigen Unterbrechung der is robentätigkeit geleistet worden sei. Abgesehen davon, sei es auch strittig, ob die Rettung des Intendanten aus Leibes- und Lebensgefahr unmittelbar ä-im Theaterbetriebe gehöre und zu seiner unge-
dungszwecke weiterverarbeitet wird. Die Jahresproduktion des Werkes beträgt 175 000 Zentner Rohzucker! Darüber hinaus hat die Zuckerfabrik die für die Landwirtschaft besonders bedeutungsvolle Aufgabe, mit Hilfe ihrer Einrichtungen Zucker-
rüben-Trockenschnitzel in erheblicher Menge für Futterzwecke herzustellen. Diese Trockenschnitzel stellen ein wertvolles und viel begehrtes Viehfutter dar, von dem mancher Bauer für sein Vieh mehr haben möchte, als er von der Fabrik bekommen kann. Diese Trockenschnitzelherstellung ist ein wesentlicher Beitrag zur Ernährungsschlacht, denn die
drücke von fast visionärer Gewalt! In einem großen Raum überrascht die verwirrende Vielfalt der maschinellen Einrichtungen, ein vorbildlich eingerichtetes blitzsauberes Laboratorium läßt auf verantwortungsbewußte wissenschaftliche Ueberprüfung des Erzeugnisses schließen, und in wieder anderen Teilen des Werkes gerät man zwischen nahezu zehn Meter hohe Kessel, in denen der Zuckersaft brodelt. An anderer Stelle befindet man sich an den von Wasserdampf umwogten Filtriergeräten, inmitten einer fast tropischen, feuchtwarmen Atmosphäre. Schließlich steht man vor unheimlich surrenden Zentrifugen, und in letzter Etappe vor Bergen oder einem großen Lager sackverpackten Rohzuckers. Auf dem Weg durch das Werk begleitet den Besucher ein für den Laien geheimnisvoll verschlungenes Retz von Röhren und Leitungen. Allenthalben lassen beleuchtete Manometer an den Kesseln die tätigen Gewalten vermuten und Thermometer die herrschenden Temperaturen erkennen.«
knüpften Tüchern fischten, sie verbeugten sich dabei unzählige Male. Hieravf kam — bis dahin vom weiten Aermel verborgen — das hölzerne Sakeschälchen zum Vorschein, und aus einem braunen Flaschenkürbis gossen die Männer nun den geliebten Reiswein, eine helle, etwas grünliche Flüssigkeit, in die bereitgehaltenen Schalen. „Dozo!" und eine tiefe Verbeugung begleitete die Uebergabe. „Domo Arigato!" und verbunden mit dem. Danke und dem anmutigen Heben 'sind Senken der Schale erfolgte wieder eine tiefe Verbeugung. Jedesmal wurde dann die Tasse mit einem Papiertaschentuch ausgewischt und die daran befestigte Schnur mit verziertem Querhölzchen in den Aermel versenkt. Aber schon nach dem nächsten Kuchen wiederholte sich der Vorgang.
Mütter legten ihre Kinder, die schon allein gehen konnten, an die Brust. Großmütter mit schwarzpolierten Zähnen zogen die Beine behaglich auf den Sitz hinauf. Rur Europäer konnten mit solch baumelnden Beinen behaglich sitzen ... Run holte aus den unergründlichen Tiefen eines Kimonoärmels ein junges Mädchen die Pfeife hervor, die wie ein Bleistift mit Silberkapsel aussah, und sofort sah man überall Pfeifen auftauchen, manche kürzer, manche länger, aber alle mit so winzigem Kopf, daß zwei bis drei Züge ihn schon leerten. O, die tiefe Freude, solch eine Pfeife sorgfältig zu stopfen, anzuzünden, an die Lippen zu führen, zwei tiefe Züge mit geschlossenen Lippen zu tun, sie dann auszuklopfen, auszuwischen und neuerdings im Aermel zu versenken! Man merkt, daß im Osten die Zeit noch nicht Geld ist.
Draußen an dem offenen Fenster flog die Landschaft der Gegend um Yokohama vorbei. Fernes, niederes Hügelland, Lotosteiche, Reisfelder, ein kleiner, scharlachroter Fuchsschrein, halb vom hohen Bambus verborgen, eine Bogendrücke über ein Wässerchen, die einfachen, grauen Holzbauten der japanischen Häuschen. Künstliche Felsen und Zwergbäume, Wasserfälle und schüsselgroße Teiche bildeten reizende Gärten.
Es ging gegen Mittag, und. aus netten weißen Holzschachteln wurden Reisrollen genommen, die wie Würste in einer Haut steckten und mit allerlei gefüllt waren: Fischen, Susukibohnenbrei und ähnlichem. Eifriges Schmausen begann. Niemand sprach, denn japanischer guter Ton verlangt, daß
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welcher, zum Theaterbetriebe gehörender Personen riicht verpflichtet, und die rechnerische Einbeziehung ( ner solchen Tat in die kontraktgemäß zu leistende Arbeit sei ihnen daher nicht zuzumuten.
Zeitschriften.
— Im „H e s s e n l a n d", Heimatzeitschrift für Kurhessen, herausgegeben von Dr. C. Hitzeroth, Marburg, lesen wir in Heft 11/12 u. a. einen interessanten bebilderten Beitrag „Aus der Geschichte eines oberhessischen Erbhofes" von Karl von Baumbach. Heinrich Diefenbach untersucht die Frage „Wie alt ist Gladenbach in Oberhessen?" Weitere Aufsätze handeln von neuen Funden auf dem fränkischen Gräberfeld in Goddelsheim, von der Kulturgeschichte eines Kasseler Exerzierplatzes und von kurhessischen Familien (mit Bildern aus der Ausstellung im Hessischen Landesmuseum). Dr. E. Hüls- meyer berichtet über Leistung und Erfolg der kur- hessischen Gaukulturwoche. Gespenstergeschichten aus der Schwalm, die reichhaltige Bücherschau, die Personalien und die Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde runden den Inhalt ab.
— Eine dankenswerte Darstellung des Verhältnisses von Hunnen und Germanen, insbesondere eine treffende, auf zeitgenössischen Urteilen beruhende Charakteristik des Hunnenkönigs Attila gibt im Januar-Heft von „Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 15) Prof. Dr. W. Capelle. In einer Abhandlung, die durch mehrere Schaubilder erläutert wird, zeigt Alfred Csallner, wie man* durch vorsichtige Auswertung von Untersuchungen über „Schulzeugnisse von Eltern und Kindern" zu wertvollen Rückschlüssen auf die jeweilige Begabung der Eltern und Kinder kommen kann. Einen Einblick in das eigentümliche und fest im Alten wurzelnde Volkstum der „Menschen der Bretagne" vermittelt die bebilderte Schilderung von Dr. W. Petersen.
richtige Mahlzeiten schweigend eingenommen werden.
Da tauchten in der Ferne grüngraue Tempeldächer, hübsche Häuser und Gärten auf, licht- funkelndes Meer blendete herüber, und der Schaffner lächelte mir zu:
„Kamakura!"
„Domo arigato!" bedankte ich mich für die freundliche, doch unnotwendige Warnung, da der Zug ohnedies in Kamakura fein Endziel erreichte.
c_n5ter- I inb richteten ihn mit sachgerechten meinen uno *,n re' * tröftenbem Zuspruch rasch roieber auf; so baß die
Brobe fortgesetzt werben konnte.
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Ein Gang burch bas volkswirtschaftlich bebeut- same Werk zur Zeit der Zuckerrüben - Kampagne vermittelt eine Fülle, zum Teil großartiger Einbrücke. Schon die Rüben« anlieferung hat etwas Imponierendes an sich. In vielen Eisenbahnwag- gons rollen riesige Mengen von Rüben an, bie auf ben eigens für bie Zuckerfabrik angelegten Rampen ausgelaben und sofort Pom Bahnsteig aus in große Vorratskammern geschüttet werben. Viel Zuckerrüben - Material gelangt außerbem aus ben näheren Anbaugebieten mit Hilfe von Lastkraftwagen unb einer Unzahl bäuerlicher Fuhrwerke in bas Werk. Zur Zeit ber Kampagne folgt ein Wagen bem anberen; bie vollbelabenen Wagen werben gewogen, bie Rüben in bie große unb tief ausgemauerte „Rübenschwemme" ausgelaben, bie Wagen zurückgewo- gen unb immer neues Material angefahren. Die Zuckerrübe, bie im vergangenen Jahre in ber Wetterau angebaut würbe, war im Ertrag befrie» bigenb unb im Zuckerge
halt sehr gut.
Ein Runbgang burch ben Betrieb vermittelt Ein-
Am Nachmittag fanb ber Intendant auf feinem «Schreibtisch zwei Zettel, aus benen hervorging, daß lie- beiden Chorherren em Sonderhonorar von je zwanzig Mark berechneten. Es war ein erklärender Brief beigefügt, in dem sie ihre Freude darüber ausbrückten, daß ihnen Gelegenheit geboten worden sii, ihren verehrten Intendanten aus einer gefähr- , l chen Lage zu retten; doch seien sie, wenn man die Sache vom Standpunkt des Dienstvertrages be- । Machte, zur Rettung des Intendanten oder sonst-
Mehrere Schornsteine stoßen zur Zeit der Zuk- kerrüben-Kampagne Tag und Nacht mächtige weiße Dampfwolken aus, und hinter den Fenstern der vielen Gebäudeteile «starker Betrieb, erk konnte übrigens vor einigen Jahren bereits auf em 50jähriges Bestehen zurückblicken. Die Aufgabe des Werkes besteht darin, aus ben an- gelieferten Zuckerrüben ben Rohzucker zu gewinnen. Dos Ergebnis ber Arbeit ist also ein Halbfertigfabrikat; fast bie gesamte Probuktion wirb an Raffinerien weitergeleitet, in benen ber Rohzucker für bie verschiedenartigsten Verwen-
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Der Werdegang von der Zuckerrübe bis zum versandfähigen Rohzucker vollzieht sich folgendermaßen: Aus der „Rübenschwemme" unb aus ben Lagern gerät bie Fülle ber Rüben in ben Bannkreis des zischenben Wasserstrahls ber „Rübenwäsche", von bort aus werben sie burch verdeckt angelegte Kanäle zu weiterer Reinigung in Bottiche gefüllt und bann über eine mächtige, schrägangelegte Transportschnecke triefenb naß ber Schnitzelmaschine zugeführt. Waagrecht unb rasch rotierenbe Messer schneiben bie Rüben in feine, kurze Schnitzel von etwa 3 Millimeter Durchmesser. Die Schnitzel werden bann über eine automatisch arbeitende Waage >n einer bestimmten, immer gleichen Menge der „Diffusions-Batterie" zugeführt, einem System hintereinanbergeschalteter großer Kessel, in benen bie Schnitzel unter Wasserzusatz unb bei verschieden hohen Temperaturen ausgelaugt, also allmählich ihres Zuckergehaltes beraubt werden. Stark zuckerhaltiger Saft ist das Ergebnis. Die ausgelaugten Rübenschnitzel werden ben Kesseln entnommen unb bilben für bie Lanbwirschaft ein begehrtes Futtermittel.
In Rohrleitungen wirb ber Saft bann ber ersten unb einer zweiten Saturation unterworfen. Dem Saft wirb in einer Scheibepfanne Kalkmilch bzw. Aetzkalk zugesetzt (bis zu 3 v. H.), benn es gilt, eine Reihe organischer Stoffe aus dem Dünn- jaft zu entfernen,' bie im Zucker nicht erwünscht sind. Der Kalk reißt biete Stoffe unter Zufuhr unb Mithilfe von Kohlensäure an sich („fällt" vfie, wie ber Chemiker zu sagen pflegt), und in umfangreichen Filterpressen wird der Kalk (einschließlich ber von ihm aufgenommenen Stoffe) bem Dünnsaft wieder entzogen. In festen feuchten Kuchen setzt sich der Kalk (ber, angereichert mit organischen Stoffen, übrigens ein ausgezeichnetes Düngemittel darstellt) in ben Filtern ab, unb ber Dünnsaft verläßt nach ber ersten Saturation kräftig braun, nach der zweiten Saturation aber in klarem Goldgelb, heiß unb sprubelnb bie Filter. Selbstverständlich unterliegt ber gereinigte Dünnsaft einer ständigen Kontrolle.
Weiter führt ber Weg bes Saftes in bie Verba m p f st a t i o n. Hier erfährt er unter bem Ein- (Aufnahmen [6]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Der Zuckerrübenanbau spielt in unserer oder- hessischen Heimat nicht bie überragenbe Rolle rote in mancher anderen deutschen Landschaft, insbesondere in Mitteldeutschland, Immerhin wird in der Wetterau doch mancher Morgen mit Zuckerrüben bepflanzt, und die Ernten sind recht befriedigend. In der Wetterau ist der Zuckerrübenanbau auch nicht, erst jüngeren Datums, vielmehr roirb er seit Jahrzehnten mit bem Ziel ber Verwertung ber Zuckerrübe zur Zuckergewinnung gepflegt. Die Zuckergewinnung ist selbstverstänblich nicht, bie Sache bes zuckerrübenbauenben Landwirtes, sondern Aufgabe der Zuckerfabrik.
In Oberhessen gibt es nur eine Zuckerfabrik: Die Aktien - Zuckerfabrik Wetterau in Friedberg. Es handelt sich dabei um ein feinem Umfang nach bedeutendes Werk, das zu Zeiten der „Kampagne" eine Belegschaft von 300 Personen beschäftigt, also eine große Anzahl, wenn man bedenkt, daß die Gewinnung des Zuckers aus der Zuckerrübe ein ausschließlich chemisch-technischer Prozeß ist, der eine Fülle maschineller Einrichtungen voraussetzt. Die Belegschaft hat ausschließlich die Aufgabe, die technischen Einrichtungen zu be- jtreuen; der Werkstoff von der Zuckerrübe bis zum Rohrzucker kommt in keiner Phase des Verarbeitungsganges mit der menschlichen Hand in Berührung.
Die Zuckerfabrik Friedberg unb ihre volkswirtschaftliche Bebeutung kann im Ausmaß von ^ernerftehenben wohl nur schwerlich erfaß! werben. 3a, selbst in ihren äußeren Erscheinungsformen ist ’;ie ber Bevölkerung unserer Heimat (von der Friedberger Bevölkerung unb von benen abgesehen, die ils Lieferanten mit bem Werk zu tun haben), nur ®enig bekannt, obwohl sie sich recht einbrucksooll )arstellt! Wer von Gießen aus nach Frankfurt öhrt, kann sie im Grunbe nicht übersehen , sofern bem Reisenden bewußt ist, daß bas große lang- qeftreefte Werk unmittelbar links ber umfangreichen Gleisanlagen bes Bahnhofes Friebberg die Zucker- iabrif Friedberg ist!
störten Weiterführung unbedingt erforderlich sei; so daß er sich nicht ohne weiteres für berechtigt halte, die geforderte geldliche Aufwendung für eine solche LeistGng aus ben Betriebsmitteln zu nehmen. Bei einem Antrag an die verwaltende Behörde aber erscheine ihm die Bewilligung aus den bargelegten Gründen zweifelhaft, zumindest in der geförderten Höhe, die unter Umständen als eine übermäßig hohe Bewertung angesehen werden könne.
Doch fühle er sich, schloß ber Jntenbant, verpflichtet, bie Angelegenheit auf bem Wege privater Er- lebigung a'uszugleichen; unb obzwar, bei solcher Betrachtung, bie Einsetzung einer höheren Wertziffer ihn nicht unangenehm überrascht haben würde, so verbiete ihm doch die Bescheidenheit einen Widerspruch gegen die Einschätzung; weshalb er aus eigenen Mitteln das gewünschte Honorar bereitstelle und zur Abtragung seiner Dankesschuld beifüge.
Dritter Klasse
im japanischen Zug...
23 on Alma Karlin.
Wenn auch nicht sonderlich schnell, so doch billig und angenehm — kann man vom Reisen in Japan sagen. Da ich den Fahrpreis nach Kamakura kannte und meine bis' zu zehn reichende Zahlenkenntnis mich mühelos Schalter drei finden ließ, gelangte ich ohne Zwischenfälle in den Besitz der Fahrkarte. Um den richtigen Bahnsteig zu entdecken, zeigte ich zur Zeit und Unzeit die Karte vor, bis mich der Schaffner mit vielen Worten und einer Verbeugung, die einer Königin unb nicht einer Dritteklassereisenben roürbig gewesen, enblich in ben Wagen schob.
Neben mir saß ein älterer Mann unb jebermann zollte ihm Hochachtung, benn er hatte schon einen Bart, was bei ben Fernöstlern hohes Alter und damit gewonnene Weisheit andeutet. Aus diesem Grunde werden auch die Götter immer mit Bart dargestellt. Aus den übrigen Sitzen saßen Wallfahrer nach Maikura, Männer und Frauen in einfachen Kimonos, die ein rotes Papierzeichen an bie Brust geheftet hatten. Ihr Fahren war em ununterbrochenes Schmausen. Sie boten sich gegenseitig kleines Backwerk an, das sie aus seltsam ver-
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