Ein deutsches Flugzeug erobert die Welt.
Von Dr. Ernst Kredel.
Auf der Pariser Luftfahrtausstellung im November 1934 hatte Deutschland außer anderen auch sein damals repräsentativstes Verkehrsflugzeug, das drci- motorige Junkers-Großflugzeug J u 52, ausgestellt. Von der Ausstellungsleitung war ihm ein bevorzugter Stand gegeben worden, wo es außerordentlich zur Wirkung kam. Deutschland war noch mit manchen sehenswerten Typen und anderen Luftfahrterzeugnissen vertreten, die Beachtung fanden. Eine der jüngeren Einsitzerkonstruktionen, die Bücker-„Jungmann", war sogar auf dem Militär- Flughafen Orly oorgeflogen worden und wurde auf der Ausstellung für viele Interessenten das Ziel, allerdings mehr deshalb, weil man hinter ihr die vermutete Eigenschaft als Jagdflugzeug suchte. Ebenso hatten andere Länder manches Interessante ausgestellt. Aber nichts schien jung und alt mehr zu fesseln als das deutsche Ganzmetallflugzeug, das zu gewissen Zeiten der Anziehungspunkt der gan, zen Ausstellung zu sein schien. Lag der Grund hierfür im Aufbau und in der gleichmäßig beruhigenden Linienführung oder in der Konstruktionsart und in dem Ruf des Konstrukteurs, Professor Junkers? Doch das alles wäre wohl nicht ausreichend gewesen, das Interesse so vieler nach verschiedenen Richtungen denkender Bewunderer zu wecken. Tatsächlich war es ja etwas anderes.
Im Auslande wurde das schärfer gefüllt, und so wußte man dort auch, daß ein Luftfayrtministcr wie Hermann Göring der Luftwaffe im Rahmen der Mehrheit eine tragende Rolle geben würde. Zwar war das deutsche Großflugzeug als friedlicher Sendbote, als vollendetes Verkehrsflugzeug, nach Paris geschickt worden; aber die Mehrzahl der Besucher hat Ausschau gehalten noch den MG.s, den Kanonen und der militärischen Ausrüstung oder zum mindesten nach den Einrichtungen für deren Aufnahme. Mit diesem Vorurteil gingen sie an die Besichtigung der Maschine heran, dem einige Monate vorher auch in England bei der Besichtigung eines Militärflughafens der uns führende Oberstleutnant Ausdruck gab, als er zu englischen Bombenflugzeugen die Ju 52 in Parallele stellte und diese einen „famous Domber“ nannte. Wenn die Ju 52 kein Bomber wäre, dann müßten die Deutschen sich sehr geändert haben, meinte er.
Wir waren eigentlich damals über dieses Lob ganz stolz gewesen, und ähnlich war das Gefühl jetzt in Paris, das noch verstärkt wurde durch ein achtungsvolles Verhalten der Pariser uns Deutschen gegenüber und durch gelegentliche Aeuße- rungen, die wir von Leuten aus dem Volke als Urteil über das neue Deutschland hören durften. Da war der Portier unseres Hotels in der Nähe der „Champs Elys&s“, ein würdiger, weißhaariger starker Männ mit gemessenen Bewegungen und beinahe deutscher Haltung. Wir verplauderten manche Stunde auf der Diele des stillen, hauptsächlich von Provinzgutsbesitzern besuchten Hotels. Es war in unseren Unterhaltungen gelegentlich bei aller Vorsicht auch das heimatliche, Deutschland gestreift und über den Führer gesprochen worden. Eine Gelegenheit kam, wo der Portier, der uns aufmerksam umsorgte, sich in ein Gespräch einschaltete. Und da kam es heraus, daß er ein elsässischer Deutscher war, der lange schon in Paris lebte, die Stadt liebte, in der er eine neue Heimat gefunden, von der aus er aber niemals die starken Bande innerlichen Zusammenhangs mit Deutschland zerschnitten hatte.
„Wenn ich noch vor einigen Jahren", meinte er, „gelegentlich zu Franzosen äußerte, daß ich zu des Alten Kaisers Zeit vor 88 in der preußischen Garde gedient habe, dann behandelte man mich spöttisch und hielt es für eine geringe Ehre. Wenn ich heute davon spreche, daß ich Gardesoldat in Berlin gewesen bin, dann begegne ich achtungsvoller Aufmerksamkeit. Und warum? Weil ihr jetzt einen
Hitler habt! — Versteht ihr das? — Damit kann ich auch die Frage beantworten, warum die Franzosen manchmal euren Hitler beschimpfen, warum gerade in Frankreich immer noch eine von euch nicht begriffene Gehässigkeit lebt, während umgekehrt in Deutschland neben der Verehrung für euren Hitler Verständnis für die Franzosen Raum gewinnt. Das kommt aber nur davon, — und er lächelte mit einem zugekniffenen Auge — daß sie selbst keinen Hitler haben, aber nichtsdestoweniger gern einen haben möchten."
Nun, kehren wir zurück zur Luftfahrtausstellung oder zur Ju 5 2, denn von ihr soll ja die Rede sein. Deutschland hat sich im Wettbewerb mit den anderen Völkern als Luftfahrtnation seinen Platz erobert. Es hat neben der international anerkannten Handelsluftfahrt seine Luftwaffe aufgebaut, die jedem Angriff auf das luftgefährdete Deutschland zu begegnen in der Lage ist. Auf beiden Seiten hat die Ju52 an der Entwicklung Anteil genommen; aber in erster Linie ist sie seit 1932 ihren Weg als Verkehrsmittel der Handelsluftfahrt gegangen, und hier hat sie eine Bedeutung auf der Erde erlangt, die im internationalen Luftverkehr einzig dafteht und ihr unter den Großluftverkehrsflugzeugen eine bisher nie gekannte Stellung gibt. Keine Nation, die Flugzeuge baut und Luftverkehr unternimmt, kann sich rühmen, ein Verkehrsflugzeug zu besitzen, das eine Verbreitung gewonnen hat wie die Ju 52. Es fliegt für Luftverkehrsgesellschaften aller Erdteile und ist iry modernen Luftverkehr Vorbild geblieben für Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit.
In Nordamerika begegnen wir ihr, in Kanada; in Südamerika sind es die Luftverkehrsgesellschaften Argentiniens, Uruguays, Brasiliens, Boliviens und Kolumbiens, die mit Flugzeugen dieses Typs fliegen. Nicht leicht ist es, in Südamerika Luftfahrt verkehrsmäßig auf organisierten Strecken zu betreiben, ihn sicher, pünktlich und regelmäßig durchzuführen. Die Hochgebirge Boliviens und die unbewohnten, wasser- und fieberreichen Länder zwischen Bolivien und Brasilien sind nicht nur für unsere Begriffe unwegsam und verkehrsfeindlich. Ueber sie hinweg führt ein Luftweg von Cocha- bamba —Santa Cruz—Corumba nach Rio de Janeiro mit Anschluß an die Transozeanstrecke Natal— Bathurst.
Ein Beispiel mag für viele von den Gefahren der tropischen Länder, aber auch von der Wetterbeständigkeit des Flugzeugmaterials zeugen: W ä h - rend des Gran Chaco-Krieges zwischen Paraguay und Bolivien hatte eins der vom Lloyd Aero Boliviano der bolivianischen Regierung zur Verfügung gestellten Junkers Ju-52-Flugzeuge eine Anzahl von Passagieren nach Trinidad an der Nordküste zu fliegen. Der Flugzeugführer verlor bei starkem Nebel die Orientierung und mußte eine Notlandung im Sumpfgebiet des Jbariflusses vornehmen, die glatt verlief. Es war Regenzeit, und die Maschine drohte einzusinken. Auf dem Wasserwege mußte eine Anzahl leerer Benzinfässer herbeigeschafft werden, die unter Rumpf und Tragflächen gelagert wurden und das Flugzeug vor dem Absacken bewahrten. Erst nach drei Monaten mit Beendigung der Regenzeit trocknete der Boden soweit ab, daß^ne Maschine von einer mit etwa 60 Tierhäuten belegten Startbahn abheben und in den Heimathafen zurückkehren konnte.
Genau so viel natürliche Hindernisse, aber auch genau so wenig technische Hilfsmittel weist fliegerisch wie organisatorisch der verkehrsarme Süden des südamerikanischen Erdteils bis zum Feuerland auf. Junkersflugzeuge Ju L2 sind hier wie dort die Verkehrsmittel, die regelmäßig starten und landen, dabei wirtschaftliche Ausnutzung bieten und deren Sicherheit es ist, die ba<$ Vertrauen der Bevölkerung erwirbt und hält. Wie anders wäre es bei dem scharfen internationalen Wettbewerb möglich,
daß deutsche Flugzeuge seit 1923 in Südamerika Eingang fanden und Sieger blieben. Das mit der Deutschen Lufthansa zusammenarbeitende Kondorsyndikat in Brasilien, das soeben sein zehnjähriges Bestehen feiern konnte, verfügt über em Streckennetz von 15 000 Kilometer und zählt zu seiner Bodenorganisation 24 See- und 15 Land- fluqhäfen. In der Aufbauzeit beflogen es Junkersund Dornierflugzeyge, die hier ihren Ruf als Der- kehrsmittel gerade für Strecken mit schlechten geographischen und atmosphärischen Verhältnissen be», gründeten.
Heute fällt der Ju 52 noch ein wesentlicher Teil des Verkehrs des Kondorsyndikats zu, so zum Beispiel auf der Strecke, die als schwierigster Luftverkehrsweg überhaupt gilt, das letzte (territoriale) Glied in der Transozeanstrecke Europa- Brasilien—(Chile): Buenos Aires — Santiago d e Chile. Gerade auf diesem über Oie Anden führenden Langstreckenweg haben die drec- motorigen ju 52 im regelmäßigen Flugdienst ihre noch heute unerreichbare Betriebssicherheit beweisen können. Sobald die vorgesehene Linie von Buenos Aires nach dem Feuerland eingerichtet worden ist, kann beinahe das ganze Südamerika mit Junkersflugzeugen beflogen werden. Der erste deutsche Ganzmetall-Verkehrsflugzeugtyp, die' Funkers F 13 — deren erstes Muster, die D 1, 1920 in den Verkehr gestellt, noch heute wie am ersten Tage fliegt, ist der Vorläufer und Wegbereiter auch dieses internationalen Fluggemeinschaftsdienstes der genannten Länder mit Junkers geworden, der beständig war und geblieben ist, weil er bet r<t e b s- sicher, bequem und wirtschaftlich ist.
Neben Australien, Kanada, China finden wir eine weitere Bestätigung für die Eignung der ju 52 besonders in der Südafrikanischen Union, die seit langem aus ihren Erkenntnissen die praktischen Folgerungen gezogen hat. Der Flug der Leitung der Junkerswerke über Afrika nach Kapstadt und über Westafrika zurück nach Dessau hat erneut die Aufmerksamkeit auf das große Interesse gerichtet, das die Südafrikanische Union den deutschen Flugzeugen entgegenbringt. Die „South Africa Airways" hat etwa zwanzig zwei- und drei- motorige Junkersflugzeuge im Streckenvertehr der
Union eingesetzt. Mit der Ausdehnung der Strecken und dem 'Wachsen der Passagier- und Frachtbe- nutzunq ist diese Anteilnahme noch größer und sichtbarer geworden, derart/ daß das Ausland mit Mißtrauen die Flugzeugbeschaffungspolitik der Eisenbahnverwaltung (der in der Union das Flugwesen untersteht) betrachtet. Der Beweggrund hierzu entspringt den gleichen Konkurrenzregungen, dw auch in Südamerika gern eine Aenderung der Auffassung der maßgeblichen Luftverkehrsgesellschaften eintreten sähen. Die privat und öffentlich ausgesprochene Meinung, daß die in Südafrika im Verkehr fliegenden Junkersflugzeuge allein das Matz
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für alle Räume Balatum.
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PROSPEKT 61 DURCH BALATUM-WERKE . NEUSS
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von Sicherheit gewährleisten, auf das die Oefient- lichkeit im Verkehrsflugwesen mit Recht Anspruch hat, ist bisher unwiderlegt geblieben.
Selbst englische Fachleute, soweit sie kenntnisreich und unvoreingenommen sind, haben, wie der Herausgeber der englischen Luftfahrt-Fachzeitschrift „Aeroplane", Grey, den Tatsachen, wie sie geschildert sind, Gerechtigkeit widerfahren lassen. England hat selbst drei Maschinen des Ju-52-Typs imi Fracht- und Postverkehr der British Airways-Gesellschast auf der Strecke London—Amsterdam—Hamburg—- Kopenhagen—Malmö—Stockholm. Hier und auf den Strecken von London nach dem Kontinent hat Grey sie kennengelernt, und es ist mehr als em bloßes vornehmes Lob, es ist eine Rechtfertigung der Länder mit schwierigen verkehrsgeographischen Verhältnissen, die dreimotorige Ju 52 in den Luftverkehr eingesetzt haben, wenn er über diese Maschine sagt, England müsse einen langen Weg gehen, ehe es die Ju'52 schlagen könne.
Der Reichskriegsminister in Leipzig.
Generalfeldmarschall v. Blomberg und seine Gattin besuchten dieser Tage die Stadt Leipzig und besichtigten auch den Zoo, wo sie unser Bild zeigt. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Mamanten-Komödie
Roman von Horst Biernaih.
31. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Natürlich, das ist der Grundsatz jedes Mannes, der Erfolg haben will. Und außerdem konnte es nur dem Gehirn eines Ringkämpfers entspringen, mit dem Märchen von der bösen Schrotladyng, einem Kopfoerband und grünem Augenschirm den Eindruck von bedauernswerter Harmlosigkeit Hervorrufen zu wollen. Ein Esel kann sich zur Not in eine Löwenhaut zwängen — aber die Fabel vom Wolf im Schafspelz erschien mir schon als Kind höchst unwahrscheinlich. Ebenso gut könnte ja ein Elefant versuchen, inkognito spazierenzugehen ..."
,^d) verstehe ... .Also deshalb waren Sie so schnell, weil Sie fürchteten, die Konkurrenz könne Ihnen zuvorkommen?" , iti
Martini gähnte laut: „Gute Nacht, Trmperly! Und man hörte deutlich, wie er sich mit der flachen Hand tremulierend vor den Mund schlug. „Ach, ich schlafe schon halb. Es war ein anstrengender und aufregender Tag heute ..." Er drehte sich auf die Seite und streckte sich, daß das Bett trachte. Und nach einer Weile, schon aus dem Halbschlummer heraus, murmelte er: „Tolle Geschichten ... Die alte ,Catharina' ... Uno mitten im Ozean ... Ein Dampfer mit knapp dreißig Fahrgästen ... Und da, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ein geraubter Diamantenschatz — betäubte Wächter, lieber» fälle im Dunkeln, eine verwüstete Kabine ... Und da erzählen die Leute, die Zeiten der spannenden Abenteuer wären vorbei ... Nun, bitte sehr — sagen Sie selbst: Worüber beklagt sich eigentlich Ihre reizende Freundin? Wäre das nicht ein prächtiger Stoff für sie?"
Humphrey preßte die Finger zusammen, um der Versuchung zu widerstehen, den nächsterreichbaren Gegenstand in Martinis Richtung hinüberzufeuern. Je länger er darüber nachdachte, um so mehr kam er zu der Ueberzeugung, daß dessen niederträchtige Offenheit ihn auch nicht einen Schritt weiterbrächte. Was nützte es ihm, daß das Rätsel um den Unbekannten gelöst war? Dierenbrooks Drohung, Martini zu verraten, war nichts weiter als ein Erpres- sungsmanöoer und ein Druckmittel gewesen. Als Zeuge gegen Martini fiel er aus.
Humphrey entkleidete sich langsam. Sein Mut war gebrochen; seine Hoffnungen waren dahin. Er lag lange wach. Eine Niederlage nach der andern hatte dieser Tag ihm gebracht. Immer wieder war Martini ihm entglitten ...
Humphrey fand keinen Schlaf. Er wälzte sich nach links und nach rechts und erhob sich bald von feinem Lager. Ueberwach spürte er das leise rhyth- mische Stampfen der Maschinen und das sanfte Er
zittern des Schiffsrumpfes, wenn eine* Welle an )er Wandung emporspritzte. Er starrte in den tie- en, matt schimmernden Himmelsausschnitt, den das Fensterrechteck seinem Blick öffnete, und nahm jede Kursänderung des Schiffes wahr, wenn in lang- samem Wechsel gelbe und rote Sterne in den Rahmen glitten und vorüberzogen. Und dann fiel auch ein schmaler Streifen grünen Mondlichts in die Kabine und wanderte, blitzend wie der Messingschenkel eines gewaltigen Zirkels, um den kleinen Einfallschacht kreisend über die blanken Dielen, glitt auf Martinis Bett zu, streifte die Pfosten und kletterte mühelos über sie hinweg, kroch auf die Steppdecke und tauchte ihr buntes Blumenmuster in ein seltsames Licht.
Humphrey sah deutlich und scharf Martinis unbedeckte, ruyig atmende Brust und das schlafgelöste Gesicht seines Gegners. Er schlief wie ein Kind, die Fäuste an den Ohren. Er schlief so fest, daß ihn auch nicht das hell auf seine Augen fallende Mondlicht störte ...
Humphrey erhob sich lautlos. Wie ei;n Schatten löste er sich aus dem weißen Leinen. Die Zimmerecke, in der sein Bett stand, lag in tiefem Dunkel, und die samtschwarzen Vorhänge der Nacht hüllten ihn dicht ein. Geduckt und unhörbar leise schlich er Martini an. Als wäre er ohne Schwere, so weich und schwebend nahm er seinen Weg.
In fieberhafter Spannung beugte er sich über Mdrtini, die Augen von den Lidern halb verdeckt, aber scharf spähend und bereit, in jedem Augenblick davonzuhuschen. Mit dünnen, spitzen Fingern, behutsam und weich, streifte er die leichte Decke noch weiter von der Brust des Schläfers ab. Dunkel und tief senkte sich das Dreieck der Magengrube vor seinem Blick — und ^atmend und bräunlich hob sich die Brust und senkten sich die schlafgelösten Muskeln.
Ein merkwürdiges Geheimnis aber birgt diese Stelle des menschlichen Körpers — ein Geheimnis, den Zauberern oer hochgewachsenen Basutos und den Medizinmännern der tapferen Swasis wohlbekannt und Humphrey durch einen alten Diener des Hauses verraten, nämlich, daß jeder Schläfer, leise und ohne Nennung seines Namens angerufen, Antwort geben muß auf jede Frage und, so besprochen, seine tiefsten Geheimnisse verrät, gegen seinen Willen ...
Humphrey beugte sich tiefer herab. Seine Lippen berührten fast Martinis Haut. Auf seiner Stirn perlte Schweiß. Er starrte in das dunkle, tief verschätzte Dreieck der Magengrube hinein. Seine Augen saugten sich fest. Seine Lippen formten die brennende, quälende Frage: „Wo, wo sind die Diamanten?" Er lauschte.
Der Schläfer krümmte sich, als wehre er sich dagegen, das Geheimnis preiszugeben.
„Wo sind die Diamanten?
Und endlich Antwort! Dumpf und gepreßt aus dem schlafenden Wundl Antwort —; ,Hn meinem
Bauch, Humphrey! Ich habe sie verschluckt, Humphrey!" Und ein Höllengelächter.
Und Martini richtete sich auf. • Jrn schmalen Mondkeil stand sein Gesicht grün und grinsend vor Humphreys Augen. Näherte sich. Wuchs entsetzlich und unaufhaltsam. Eine schreckliche Last, die sich über Humphreys Brust wälzte. Die ihm den Atem abschnürte, ihn zerquetschen wollte... „Hilfe!!!!" brüllte Humphrey. Er schrie: „Hilfe!!!" und schlug wild um sich.
Drüben sprang Martini aus seinem Bett. Licht flammte auf.
Humphrey blinzelte verstört in die schmerzende Helligkeit.
„Was ist los? Was haben Sie?"
Humphrey schoß das Blut ins Gesicht. „Entschuldigen Sie, bitte!" stammelte er verwirrt und noch immer unter dem Alpdruck nach Atem ringend. „Ich habe geträumt — ich habe scheußlich geträumt."
Martini löschte das Licht und kroch wieder unter seine Decke. „Könnten Sie nicht lieber schnarchen?" fragte er dösig. ,;2)a weiß man doch wenigstens, woran man ist."
*
Mit etwa dreißig Fahrgästen an Bord und mit einer Ladung eiserner Träger für Freetown in Sierra Leone schwamm die „Catharina" auf ihr fernes Ziel zu. Stetig, unermüdlich und mutig nahm sie ihren Weg. Ein winziger Punkt auf diesem riesigen Ozean, dessen Wellen drei Erdteile bespülten. Ein kleiner Dampfer wie tausend andere, deren Rauchfahnen alltäglich zum Horizont wehten... Nein, es war nichts Besonderes an diesem belanglosen Schiff. Nichts, was einen Außenstehenden hätte bewegen können, auch nur drei Sätze darüber zu reden.
Der Diamantenschatz? Was war denn das schon? Für ein Schiff, das Südafrika als Ausgangspunkt hatte, eine Alltäglichkeit, so wie für Ceylon Teekisten oder für Bahia Kaffeesäcke. Mit dem Unterschied allerdings, daß hier ein großer Wert in einer kleinen Masse steckte. In vier ober fünf eiergroßen Rohsteinen. Ohne Glanz und ohne Schliff übrigens, wie sich das für Rohsteine versteht. Lägen sie auf der Straße, so würde man wahrscheinlich mit ihnen gedankenlos Fußball spielen ...
Und trotzdem: Tatsache war jedenfalls, daß — vielleicht durch die Plaudersucht eines Beamten im Funkdienst, vielleicht durch die Unvorsichtigkeit eines Direktors der Minerüa-Mine oder auch durch die Findigkeit eines Berichterstatters — die Kapstädter Presse Wind von der Geschichte dieses Diamantendiebstahls bekam und daß Kapitän Zantens sachliches Telegramm bereits am zweiten Morgen nach der Tat in gedrängtester Fassung als Schlagzeile über den meisten Zeitungen Kapstadts stand und von dort aus durch die gesamte südafrikanische
Kein Wunder, daß die Presseleute Europas und der übrigen Welt aufhorchten, als ihre südafrikanischen Berichterstatter, selbst unsicher und fast entschuldigend, daß sie nicht mehr und nichts Besseres 3u berichten hätten, eine kurze Mitteilung über dieses Kapstädter und südafrikanische Tagesgespräch nach Europa kabelten. Eine Sensation dritten Ranges! Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
So kam es, daß die kleine „Catharinb" plötzlich in das Schaufenster der Weltneugier gestellt war, mitten ins Scheinwerferlicht des Tagesinteresses^ Denn, wie gesagt, am zweiten Morgen nach der Tat liefen bereits die ersten Nachrichten über den Diebstahl an Bord durch die Blätter. Und die Abendausgaben hatten auch nicht mehr zu vermelden, als daß über der Tat und dem Täter noch immer der Schleier eines Rätsels läge.
Nun, wahrscheinlich hätte nach einem gleichartigen Hoteldiebstahl oder Bankraub kein Hahn gekrähtt Die örtlichen Blätter hätten sich mit einem Hinweis begnügt, wie das in solchen Fällen zu geschehen pflegt. Dieser Diamantenraub aber auf dem großen, internationalen Spielfeld des Ozeans, auf jenen Straßen, die allen Völkern der Erde gemeinsam gehören, fesselte die Einbildungskraft in ungleich höherem Maße und beschwor gleichzeitig die lockende und vom Reiz des Abenteuerlichen umwobene Umwelt von Salzwassergeruch und Jan Maats grüner Wunderkiste, von Einsamkeit und fremden Himmeln. )
Wie klein und reizvoll die Bühne, auf der die Ereignisse sich abspielten! Zwei oder drei Dutzend Menschen, auf engem Raum zusammengedrängt, eine vom Zufall zusammengewürfelte Gesellschaft, durch nichts miteinander verbunden als durch ein gemeinsames Reiseziel und durch den Zwang, nach Möglichkeit miteinander auskommen zu müssen. Man stelle sich doch einmal vor: Dreißig Fahrgäste an Bord — das Schiff selbst ein Schauplatz ohne Ausgänge — der Dieb ein Hecht, der in einer Reuse räubert.... Wie war es möglich, daß man ihn noch immer nicht entdeckt hatte? Und was für eine unangenehme Lage für die Mitreisenden! Einer aus ihrem Kreise mußte es sein. Aber wer? Verdacht aller gegen alle!
Die Scheinwerfer sausten umher. Aus allen Himmelsrichtungen fielen ihre Fänge über das kleine Schiff her und zerrten es in den Blickpunkt der Oefientlichkeit. Und die Funkstationen überschütteten den fern und einsam seine Straße ziehenden Dampfer mit einer Sturzflut neugieriger Fragen.
Zanten antwortete knapp und mürrisch. Ja, der Dieb führe noch immer mit mehreren Längen. Im übrigen aber sei er Kapitän und nicht Presseberichterstatter! Man mußte ihn erbarmungslos schrauben, ehe er sich zu einer Antwort bequemte. Er hatte nicht die geringste Veranlassung, die Namen seiner Fahrgäste xreiszugeben. Und er hatte leinen Der«
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