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Nr.l2 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Samstag, 15.3anuar 1958
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Ichiffe ihren Weg durch die „weniger bequem" ge-1 über und langsam setzt sich die „Kitsunn-Maru . Namen trgenb eines anderen westlichen Dampfers -nannte Region nehmen. Dasselbe würde für die | in Bewegung. Und mit ihr die tausend Zurück-! gleicher Große tragen so daß wir also beruyigt
Homer
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rnend, sondern ftiU und edel ausgestreckt —, gebend
und weisend.
cher bei demjenigen Hasen des östlichen Mittelmeeres, Her allein in sicherem englischen Besitz ist: Haifa. ’5Bon Port Said und von Haifa müssen die Oel- j
erkannt hat. ,
In der schwülen Brutluft des Schulraumes, in -er müden verbrauchten Atmosphäre des Klassen- nmmers einer späten Stunde wird es mir deutlich: Weil du dort stehst in dem reinen Lichte einer Erkenntnis des Ewig-Schönen, im Grunde nur Dies t«ermitteln wollend, haben wir dich oft gchanselt, leben im Benehmen oft an die Grenzen des pada- svgisch Tragbaren gestoßen, — denn es hielt dich tfc von den maßregelnden, knüppelnden Gesten des Qltagserziehers. Die Hand da neben meinem Buche
Pfeile Apolls und ... Gestalten. Gestalten voll einer berauschend klarsichtigen Bewegungsfreiheit und Denkweise. Sie kämpfen, lieben, grollen und — Wunderbarstes! — sie reden. Sie schütten die Seelen tönend aus wie goldene Gefäße ein trunkenmachendes Naß, das die Hekdenfonne verdampft zu götterbergendem Gewölk. Fern, schicksalsschwanger reiht es sich in unerhört visionärer Stufung über den Bildern auf, über den Siegenden, Sterbenden, Liebenden, Opfernden. Und das natürliche Kolosseum dieser Landschaft wieder hat seine donnernde Sprache, mit der es den Hsldenschicksalen antwortet, erhebend, einschüchternd, lockend, rufend ...
Schuhe werden auf dem Boden laut. Ich stehe langsam auf und treibe m Strudel der Kameraden aus der Klasse heraus. Doch ich treibe zugleich aus einem alten Leben heraus; in meinem Herzen ist etwas angezündet fürs ganze Leben: Entzückungszauber. Er ging von einer Hand aus, von der Hand eines, der ihn auch kannte; eines, der nun
gegen
Katarrhe
Husten
Heiserkeit
Hauptniederiage: Jean Weisel, Gießen.
Sonnenstraße 6. Telephon 38^8
Anläßlich der Hochzeit des Kronprinzen von Griechenland gab die griechische Postverwaltung diese Gedenkmarke mit dem Bilde des neuvermählten Kronprinzenpaares heraus. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Anschließend erster Besicht^gungsbum- m e l durchs „Schiffchen". Dreidecker von 7000 Tonnen, nur aus japanischem Material von japanischen Ingenieuren erbaut — Besichtigungsergebnis: „Japan hat nichts mehr zu lernen!" — Und beim Gedanken an diese japanische Technik und an die ungeheure chinesische Weite mit ihren unerschöpflichen
„So. reich ist diese Sprache Homers", höre ich die Stimme des „griechischen" Professors über mir. „Nerithon einosip'hyllon“ —, das Waldgebirge des Nerichon, — einosiphyllon, das „innen-Blätter- schüttelnde". Bedenken Sie, ein einziges Schmuckwort, geladen mit der Tiefe eines ganzen jahreszeitlichen Naturvorqangs von so überzeugender, malerischer Wucht. Ein einziges Wort wie der Got- terbote einer wahrhaft lebenden Menschenzeit..."
Aber die Stimme über mir bricht plötzlich ab und kommt nach einer Pause wieder, bitter, entsagend, wie verscheucht aus lichteren Bezirken.
„Kotulla, ich muß Sie zum letztenmal ausfor- dern, Ihre Automobilzeitschrift unter der Bank zu lassen. Wir treiben hier Homer und nicht Verkehrs^ Wissenschaft!..."
Ich sehe die blasse Hand neben rheinem Buche schmerzlich zucken; sie trümmfr sich ein wenig zusammen; ich möchte sie streicheln. Was ist das Entsetzliches, durchfährt es mich, daß die Größe, die Schönheit so ewigem Kampfe gegen die dumpfe Bosheit ausgesetzt ist? Und schon läutet in die Zerrissenheit meines Herzens die Glocke das Ende der Stunde. Verzicht, weher Verzicht ist der Ausdruck der blassen, ringenden Hand, die sich nun von der schrägen Fläche meiner Bank wie mit einem Seufzen hebt. .
Die Frühstückspapiere knistern auf, Ile vielen
Goe he-Bund.
IV. Dichter-Abend: Kuni Tremel-Eggert.
Der vierte der vorn Goethe-Bund und dem Kaufmännischen Verein in Verbindung mit her Volksbildungsstätte der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstalteten' Dichter-Abende war dem Schaffen von Kuni Tremel-Eggert gewidmet. Aus bäuerlichem Geschlechte stammend, wurde Kuni Tremel-Eggert in dem fränkischen Städtchen Burgkunstadt geboren, lernte nach dem Tode der Mutter früh den Ernst des Lebens kennen, mußte einen großen Haushalt selbständig betreuen und sand daneben Zeit, viel zu lesen und sich zu bilden. 1917 heiratete sie; aus dem Erlebnis des Krieges und der Nachkriegszeit, aus der Liebe zu Deutschland und zur fränkischen Heimat entstanden ihre Bücher, Erzählungen und Romane, von denen die „Barb", der Roman einer deutschen Frau, wohl die weiteste Verbreitung und volkstümlichste Wirkung gefunden hat.
Kuni Tremel-Eggert begann den Abend mit einer kleinen persönlichen Einführung in ihre Welt und ihr Werk; sie plauderte ungezwungen davon, „wie sie zum Schreiben kam", von der Entstehung, dem Schicksal und dem anfänglich geringen Widerhall ihrer Bücher, auch von der fränkischen Landschaft als dem eigentlichen Muttergrunde ihrer Gestaltungen, von den „Rotmansteinern", dem „Fazer Rapps", der „Sanna- Spitzenpfeil" und der „Straße des Lebens". Einen tiefen Eindruck in ihren Werde- und Reifejahren hinterließ eine Begegnung mit Dietrich Eckart in München, der sie in ihrem Schaffen bestärkt und ermutigt hat, auf dem einmal eingeschlagenen Wege weiterzugehen.
Nach dieser Einleitung las Kuni Tremel - Eggers zunächst drei Kurzgeschichten aus benr
auf eine Beschreibung der Einzelheiten verzichten können. Jeder KdF.-Madeira-Fahrer weiß da besser Bescheid ...
Nur schade, daß das Schiff so schwach besetzt ist... das Fürchten kann man in den leeren Hallen und auf den verlassenen Promenadendecks lernen. Beinahe mehr Stewards als Gäste — am gemütlichsten ist es -noch im großen Lesesaal, der in eine Art „Propaganda-Zentrale" umge« wandelt ist. Berge von amtlichen Flugschriften in englischer Sprache find hier aufgeftapelt, in denen Sinn, Zweck, Grund und Ursache des javanisch- chinesischen Krieges geschildert wird. Dazu Ausrufe des Ministerpräsidenten, Fürst.Konoye, „die Ohren steif zu halten, alldieweil es im nächsten Jahre hart und scharf hergehen wird" und der Krieg sich am Ende des Jahres 1937 erst im Anfangsstadium befindet. Dazu Stapel von illustrierten Zeitschriften aller Formate mit Kriegsbil- dern, deren Realistik — die japanischen Kriegsphotographen und Kameramänner sind ob ihres Schneids bekannt! — auch die ausschweifendste Phantasie nicht mehr übersteigen kann — Kriegsbilder und immer wieder Kriegsbilder... unvor- stellbar, was für unersetzbare Werte materieller und ideeller Art dieser Krieg vernichtet hat und weiter
Eine Mise nach Tokio
Don unserem H. Tr.-Äerichierstaiier.
vernichten wird! Front- und Vormarschkarten und alle Augenblicke schreit der Lautsprecher die neueren Kriegsmeldungen dazwischen: „Nan- fing ... Nanking ... Italia ... Doitsch, dazwischen wieder Börsennotierungen'... wieder Kriegsberichte ... wieder Ansprachen.
Kling-klang-klong-klung ... Essenszeit! Eben wandert der Steward mit seinem melodischen Aeols- harfenbrett durch die langen Korridore, und gleich darauf ist alles im großen Speisesaal versammelt. Der Käpten begrüßt feine Gäste, er sieht, wie alle japanischen Kapitäne, ausgezeichnet aus und auch hier bekommen die „Dschoermens“ einen Bückling „extra". Denn sie sind augenblicklich „Noember won“ in Japan. „Nummer eins!"
Sonst ab^r ist streng nach Nationalitäten gebest. Die Japaner für sich, irgendwo die Engländer, ebenso die Deutschen. Denn die fern- östliche Welt ist mit Elektrizität geladen, jeder mißtraut jedem, keiner gönnt dem andern das „bißchen Leben" und das „liebe Brot". Wenigstens im Speisesaal soll Ruhe und Ordnung herrschen... wie lange allerdings noch, das wissen die Götter! Denn die apokalyptischen Reiter sind zu Pferde gestiegen v und immer weiter frißt der Steppenbrand..,
ketten sollen.
„Tsching-d-ra-tatta — bunvjbum! Plem-Plemm — taratata" — grab 9 Uhr und Abfahrtszeit! Irgend einer hat den Schiffslautsprecher angestellt, 3.v— .. . . , ,
der mit höchster Lautstärke das japanische „Muß Rohstoffen, ihren allerbilligsten Arbeitskräften und i denn muß i denn!" intoniert, an Land rufen der sprichwörtlichen Anspruchslosigkeit becher Vol- tausend Stimmen „Banzai! Banzai! Ban-za-i i i i!", ker, kann es einem als Europäer angst und bange schwenken tausend Fahnen und Fähnchen, die werden. — Wie .gesagt: Die „Kitsurin-Maru Schiffssirene heult, die Musik geht in einen Marsch könnte genau so gut „Ozeana heißen ober Den
1. Abfahrt von Dairen.
Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
2) a i r e n (Mandschukuo), Ende Dezember 1937.
„Entfernungen in Fernost" — bas ist auch so ein Problem, bas man im „Fernen Westen" bei ber Beurteilung ber „allgemeinen" unb ber „besonberen Kriegslage" viel zu wenig in Rechnung stellt. Japan unb bie Manbschurei — nach ber länbläufigen Auffassung ist bas ein „kleiner Katzensprung" wie etwa von Italien nach Albanien — in Wirklichkeit dauert bie Reise vom manbschurischen „Hamburg" — sprich „Dairen" bis Tokio brei v 0 lleTage! 48 Stunben mit dem Schnellbampfer und 24 mit dem Schnellzug — auf europäische Verhältnisse übertragen würde das etroof ber Strecke Berlin- Athen—Via Triest entsprechen. Unb nun erst Tokio —Schanghai! Tokio—Peking! Tokio—Nanking! Tokio—Kalgan ... rechnen wir lieber erst gar nicht nach, auf baß es uns nicht schwinblig werbe!
„Kitsurin-Maru" heißt der neue 7000-Tonnen- Dampfer, der erst kürzlich auf der mandschurisch- japanischen Uebersee-Strecke eingesetzt worden ist, aber diesmal ist das Luxus-Schiffchen nur schwach besetzt. Vier Europäer, ein paar Dutzend Japaner — bas ist alles! Denn der Krieg.die allgemeine Unsicherheit... die empfindlich anziehenden Preise — all das trägt wenig zur Steigerung ber Reiselust bei.
Dabei stellen noch bazu bas Hauptkontingent der Reisenden eingezogene Reserve-Offiziere. In funkelnagelneuen Uniformen, die noch nicht fo richtig „sitzen" wollen. Mit mächtigen Samurai- Schwertern, die an die Zwei-Händer der Ritterzeit erinnern, mit blitzenden Sporen und blankgewichsten „Langschäftigen" — so stehen fi\ an der Reling, während am Kai die zuständigen zivilen „Berufsvereinigungen" zur Verabschiedung aufmarschiert sind. Dazwischen weinende Frauen in bunten Kimonos, mit kleinen Kindern an der Hand, die starr und stumm mit großen Kinderaugen ins Leere starren. Und jeder dieser Menschen wirft fortgesetzt den „Uniformierten" an ber Reling eine Konfetti-Holle ober Papierschlange zu, fo baß in Kürze jeher ber Offiziere hunbert ober mehr bunte Bänber in ber Hand hält, deren andere Enden sich die Zurück- bleibenden ums Handgelenk geschlungen ^haben. Sieht sehr hübsch aus, diese Tausende von bunten, im Winde flatternden Papierbänder, die die Scheidenden symbolisch so lange wie möglich aneinander
Bande „Sonnige Heimat", der fünfzig ernste unb heitere Erzählungen vereinigt. In diesen schlichten, lebendig, nicht ohne Wärme und auch nicht ohne leisen Humor vorgetragenen Erzählungen äußert sich eine unverbildete Heimatkunst, und alle Schilderungen erwachsen spürbar aus naher Vertrautheit mit der Landschaft und den Menschen ihrer fränkischen Welt — fo gleich die erste Geschichte vom Schäfer Mendel, die ein bäuerliches Schicksal schildert, ein einfaches Leben, „ein Stück Natur". Die zweite, „Der Kapellmeister" überschrieben, führt in eine ganz andere Sphäre, sie berichtet von einem Kaffeehausgeiger, einem „Dilettanten des Lebens", der nicht die Kraft und die Einsicht in sich selbst besitzt, sein Dafein nach seiner Bestimmung, seinem Maß und Gesetz zu gestalten. Die dritte Kurzgeschichte des ersten Teiles, „Der Bauer in der Einöd", führte wieder in die bäuerliche Welt zurück, sie berichtet von einem alten Bauern, dessen letzter Sohn als einziges seiner Kinder innerlich entwurzelt aus dem Kriege heimkehrt, sich daheim nicht mehr zurechtfindet, in die Stadt zieht, arbeitslos wird ' unb endlich, von der großen Wandlung und dem Anbruch einer neuen Zeit ergriffen, zurücksindet in die väterliche Welt feiner Bestimmung. Der Geist unserer Gegenwart, ein neues, kraftvolles Lebensgefühl und die neugewonnene Erkenntnis vom Adel alteingesessenen Bauerntums geben ber Erzählung ihren Charakter unb eine lebenbige, zeit- unb volksnahe Wirkung.
Nach ber Pause las Frau Tremel-Eggert, roieberum aus dem Banbe „Sonnige Heimat", Kurzgeschichten heiterer Art, von welchen besonders bie erste, unter bem verlockenden Titel „Die Töchter von Madagaskar" ein fröhliches Kindheitserlebnis aus dem fränkischen Burgkunstadt schildernd, der Erzählerin Gelegenheit zu einer mimisch und dialektisch belebten, humorvollen Schilderung gab und schnell einen herzlichen Kontakt zwischen der Vortragenden und der heiter angeregten Hörerschaft herstellte. Auch die beiden folgenden Erzählungen, die Feuerwehr-, Helden- und Ehegeschichte vom Michel und seiner Kuni, und „Die Butterhex", fanden, selbst in den mundartlich gefärbten Partien, ein fröhlich dankbares und verständnisvolles Publikum.
Zum Schluß vernahmen wir noch zwei Gedichte, „Sommersegen" und „Hör zu, mein Junge", das, für den 14jährigen Sohn der Dichterin geschrieben, in ein gläubiges Bekenntnis der deutschen Frau und Mutter ausklingend, den Vortragsabend harmonisch beschloß. — Die Hörer brachten ihren Dank mit herzlichem Beifall zum Ausdruck.
. . v ▼ > Hans Thyriot
gebliebenen, die neben dem Schiff am Kai entlang marschieren und es an tausend bunten Bändern zu ziehen scheinen. Immer länger werden diese Bänder, rollen ab, spannen sich im Winde, platzen und flattern wie lange, lange, lange Zungen ober züngelnde Flammen hinter dem Schiff her. Von der Reling sieht es aus, als winkten die Menschen mit tausend roten, gelben, weißen, schwarzen, blauen, grünen Riesen-Taschentüchern.
Auch die japanischen Offiziere winken noch lange mit den dicken Papierbüscheln, betrachten bann nachbenklich einen Augenblick ben kümmerlichen Rest unb werfen ihn bann zusammengeballt kurzerhanb über Bord. Wie eine überflüssige Last ... aus! Schluß! Weg mit der Sentimentalität! — Und ohne sich noch einmal umzudrehen verschwinden sie in ihren Kabitten. In ber Bar. Im Rauchsalon. Mit breitbeinigen Schritten. Die Hände in ben Hosentaschen, bas breite baumelnbe Schwert an ber Seite —
In ber geräumigen, behaglichen, mit allen nur erbenklichen Bequemlichkeiten ausgestatteten Kabine finb für bie „Foreigners" ein paar Formulare zum Ausfüllen ausgelegt. Nr. 1 „Lifte ber mitgeführten Bücher". Titel, Verfasser und Tendenz soll angegeben werben. Tenbenz — tja bu lieber Gott, was trägt man ba nun ein, wenn man als geistige Nahrung sich für die Reise ausgerechnet die Textbücher „Aida" und „Rigoletto" eingepackt hat!?
Dann die Zollerklärung über eingeführte Zigarren und Zigaretten... Teufel auch! Im Freihafen Dairen kostet eine „gute Manila" 7 Pfennige und die besten englischen Zigaretten 25 Pfennige — die gleiche Marke in Japan mehr als das Doppelte. Hätte man sich doch mehr von dem Zeugs eingepackt, denn zur Bequemlichkeit der ehrenwerten Fahrgäste findet die Zollrevision gleich an Bord und zwar zu Beginn der Fahrt statt. Gerade tritt der Ober-Zöllner ein. „You are Dschoer- men?", fragt er. — „So ift’s, mein Herr!" — „Oh! Oh! ... Dschoermany verrrry gud!" sagt er, streckt den Daumen nach fernöstlicher Sitte in die Luft und wiederholt: „Dschoermany ... noember won!" ober „„Nummer eins!" beziehungsweise „Prima". Unb bann klebt er seine Marke auf ben nichtgeöffneten Koffer, macht eine ersterbende Verbeugung und verläßt das kleine Kabinchen. Das hätte man auch früher wissen fällen.
Oel in Krieg und Frieden.
. Don Or. Paul Rohrbach.
Die amerikanische Regierung hat in ihrem Budgetentwurf für bas kvmmenbe Finanzjahr bie Kosten für eine ganze Flotte von großräumigen „Oel- Tankern" eingestellt, b. h. Schiffen für ben ausschließlichen Transport von Erbölen, unb bie Standard Oil-Company hat die Verpflichtung übernommen, diese ihr von der Regierung zur Verfügung gestellten Schiffe dauernd in Betrieb zu halten. Da die Vereinigten Siaaten in unmittelbarer Nähe ihrer drei Seegrenzen — am Atlantischen Ozean, am Golf von Mexiko und am Stillen Ozean — reiche Petroleumfelder besitzen, handelt es sich bei diesem Etatsposten um Vorsorge für den Fall, daß die amerikanische Kriegsflotte sich eines Tages in entfernten ^Gewässer y^mit flüssigem Brennstoff versorgen müßte.
Dasselbe Problem beschäftigt jetzt die Geister i n England. Der englische General Sir Herbert Richmond hat kürzlich gesagt, es sei eine durch nichts gerechtfertigte Annahme, daß in einem künftigen Kriege „unter völlig geänderten Verhältnissen sowohl was die Stärke zur See betrifft, als auch bie Geographie" ber Verkehr Englanbs unb feine Versorgung mit Oel noch ebenso sicher sein würben wie 1918. Die „oeränberte Geographie" bes Abmirals ist vor allen Dingen ein Ausbruck dafür, daß feit bem Anwachsen ber Luftwaffe Englan,b keine Insel mehr ist, ferner aber auch bafür, daß in einem zukünftigen Kriege England es mit anderen Gegnern zu tun haben würde, als im Weltkrieg, insbesondere mit einer Gegnerschaft im Mittelmeer, durch das die bekannte Lebenslinie des Imperiums zwischen dem Mutterlande und Indien—Ostasien—Australien hindurchführt.
Man müßte sich, heißt es, folgende Tatsachen gegenwärtig halten: 1. Die Kriegsmarine hängt ganz und gar von der freien Zufuhr des Oels ab, das sie unter ihren Kesseln verbrennt. 2. Die Hälfte der Handelsflotte fährt gleichfalls mit Oelfeuerung, viele ihrer Schiffe überdies mit Dieselmotoren, für die nicht jede Art Oel geeignet ist. 3. Die Luftmacht ist ebenso abhängig von flüssigen Treibmitteln, und zwar solchen höchst differenzierter Art, wie die Marine. 4. Bei der Armee nähern sich die Verhältnisse reißend schnell denen der Flotte und Luftmacht. 5. Ein großer Teil der Zivilbevölkerung w^re von ihrer täglichen Beschäftigung abgeschnitten, wenn der Verkehr mit Fahrzeugen aufhörte, die auf flüssige Treibstoffe angewiesen sind.
Manche Leute in England sagen, bas Land brauche trotzdem nicht in Sorge darüber zu sein, ob es sich in Zeiten der Gefahr mit Oel werde versorgen können .da Oel aus allen Weltgegenden nach England kommen und die englische Flotte stark genug sein werde, die Zufuhr zu sichern. Hierzu nimmt ein zweiter Admiral, Sir Howard Kelly, noch etwas deutlicher als sein Kollege Richmond das Wort. In Kriegszeiten, sagt er, würde der buchmäßige Besitz von überseeischen Oelfel- bern nicht basselbe bebeuten, wie materielle Kontrolle, unb: „Das Maß von Schutz, das der Uebersee-Zufuhr 1918 von der Kriegsmarine gegen einen Feind jenseits der Nordsee geleistet werden konnte, wäre nicht ohne weiteres auf die Gefahr von einem Feind her zu übertragen, der weniger b e*q u e m f ü r England liegt, und zudem bei einer Marine, die durch eine zwanzigjährige Sparsamkeit heruntergebracht worden ist."
Die Oelfelder, die England gehören und auf die. chier angespielt wird, liegen in Süd-Persien -und im M 0 s s u l g e b i e t. Vom Persischen Golf -her führt der Weg um Arabien herum durch dcks Rote Meer und den Suezkanal ins Mittelmeer, und ebenso mündet die Leitung von den Mossul-Feldern
für ungenügend im Kriegsfall gehalten.
Die „Times", die sich alle diese Argumente zu eigen macht — sie hält offenbar mit Admiral Richmond auch die transozeanische Oelzufuhr für gefährdet — faßt die Lage dahin zusammen, daß man sie „nicht anders als beunruhigend" ansehen könne. Auf Rückkehr zur Kohlenfeuerung für die Marine oder auf doppelte Feuerungsanlagen könne man sich nicht einlassen, Kohlenverflüssigung sei nicht entfernt imstande, das Notwendige zu liefern; 1903 habe die Regierung eine Königliche Kommission eingesetzt, um die Frage ber Lebensmittelversorgung im Kriege zu ftubieren; heute sei bie Sicherung ber Oelzufuhr noch wichtiger. Schlußfolgerung: das „Komitee für bie Reichs- verteidigUng" habe keine dringlichere, eiligere Aufgabe vor sich, als Englands Oelverforgung im Kriegsfall!
Zufuhr von russischem Oel aus den Schwarzmeerhäfen gelten.
Es gibt große Petroleumlager in Nordamerika, in Mexiko, in Columbia unb Venezuela, in Peru und Ecuador, in Niederländisch-Jndien und in anderen, minder wichtigen Gebieten, von wo aus die Zufuhr nach England überden freien £) 3 e a n ftattfihben kann. Dazu macht Admiral Kelly daraus aufmerksam, daß die englische Tankerflotte zwar an sich genügen würde, das notwendige Oel zu transportieren, daß sie aber vyn der Tonnage der Handelsmarine abgezogen werden müsse, wenn es sich darum handle, in Kriegszeiten den überseeischen Gesamtbedarf des Landes heranzuschaffen. Im ganzen, so heißt es weiter, sei die englische Handelstonnage heute um 2000 Schiffe ober mehr als 2 Millionen Tonnen kleiner als 1914, und bas werde von maßgeblichen Autoritäten
ist eines liebenden Geistes Kind; sie ballte sich nie zur drohenden Faust, sie trommelte nie im Zorne , auf eine Bank; sie ist nur die zarte Verteidigerin
(Sine (Erzählung von Karl Ludwig Gkutsch. eines sich wie oft, wie oft! vergeblich kündenwol-
lenden Wissens um bas ferne, beglückende, grie-
Es ist mir wie heute: Auf bas unschöne blanke Wunder, bem die Seelen einer Handvoll Se- Holz der Schreibplatte meiner Schulbank stützt sich xundaner so schmerzlich verschlossen sind ... die gepflegte, blasse Altmännerhand bes „ariechi-, sichen" Professors. Ein Siegelring ist an ihr mit dunkelgrünem wappenförmigem Stein. Sie ist eine mngewohnlich feine Schulmeisterhand; sie deutet ge- ivisiermaßen über alles Enge, Derbe hinaus, über «alles Reale,' bas ein Schüler immer mft ben Wesen bes Schulmannes oerbinbet. Eble, wgiße Hand, denke ich, beglückt wie von einer Entdeckung unb gänzlich im Banne einer sträflichen „Beschäftigung mit fremden Dingen".
Die Stunde liegt spät; in der Gemeinschaft der über ihre Homertexte geneigten Schülerköpfe ist litumpfe, gleichgültige Hinnahme bes gesagten Wortes; unb wie in unglücklicher Auflehnung gegen biefe oller Lehrsamkeit löblichste Erscheinung im Hörer- ffreife bebt bie blasse, schön geformte Hanb bes alten Mannes auf meiner Bank plötzlich, sie wiro unruhig; ich sehe mit bislang unbekannter Rührung, wie eine spielende Sehne unter der weißen Haut eine tiefblaue Aber bewegt. Was dich an einer dumpfen Menge unwegsamer Hirne errege, edle Hand? Frage ich's noch? Schon bin ich mit dir oerbünbet. Geist, Wunder des Geistes —, flum *rften Male geht es mir an der zuchtooll-zagen Ab- »ehrbewegung dieser Altmännerhand eines einsam wehrenden auf. Glühendes Liebesmitleid für einen, Her sich aus innerer Wahl der verzweiflungs- 7eichen Aufgabe bes Ewige-Werte-Vermittelns »echte pack mich; unb ein winziges heiliges Bündnis hat sich gebildet: Ich höre auf eine ganz neue Weife, höre gleichsam mit dem zweiten Gehör auf jien, der diese Wandlung im Hörenden jahrein, -chraus sehnlichst erfleht und erwartet; nicht um keiner selbst willen, nicht um der „Erziehung wil- en erwartet, sondern um bes Schönen willen, Das


