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Südamerikanische Probleme.

Man stellt sich fälschlicherweise Lateinamerika vielfach als eine Einheit vor. In Wirklichkeit aber umfaßt es zwanzig Nationen, die in ihrer rassischen Zusammensetzung und in ihrer poli­tischen Ausrichtung nicht weniger vielgestaltig sind, als die romanischen Staaten Europas. Gemeinsam ist ihnen nur die katholische Religion und von dem portugiesisch sprechenden Brasilien abgesehen die spanische Sprache. Aber während z. B. Argentinien als Ganzes ge­nommen ein rein weißes Land ist, hat Ekuador nur eine dünne Oberschicht von weißen Bewohnern, die nicht acht o. H. übersteigt, 30 o. H. sind Mestizen, 48 v. H. Indianer und 14 v. 5). Neger. In Peru liegen die Dinge ähnlich, nur daß dort der Hundert­satz der Neger geringer ist. Zudem gibt es in beiden Ländern viele Asiaten, Syrier, Japaner und Chi­nesen. Paraguay und Bolivien sind indiano- amerikanische Staaten. In Paraguay wird z. B. außerhalb der Städte nicht spanisch, sondern Guarani gesprochen.

Zu den rassischen kommen die geographischen und wirtschaftlichen Unterschiede. Die Staaten des Nor­dens liegen in den Tropen, es gibt dort noch weite, zum Teil unerforschte Urwaldgebiete, in denen wilde Jndianerstämme streifen, die, wie z. B. die Jibaro am Oberlauf des Amazonas, den Fremden mit ihren Giftpfeilen verfolgen und ihn am Lager­feuer verzehren. Argentinien, Uruguay, der aller- arößte Teil von Chile und weite Gebiete von Brasi­lien, mit Ausnahme des Amazonasbeckens, sind ganz der Zivilisation erschlossen. Es ist' begreiflich, daß solche Unausgeglichenheiten auf dem Halb­kontinent auch eine gewisse politische Labilität be­dingen.

Die Mehrzahl der zwanzig lateinamerikanischen Staaten wird diktatorisch regiert, entweder von Militärs oder von gewandten Politikern. Uru­guay wurde lange Zeit hindurch als ein Beispiel lateinamerikanischen Fortschritts hingestellt. Seine soziale Gesetzgebung und seine offiziellen Einrich­tungen wurden mit denen Neuseelands verglichen, aber diese liberal-demokratischen Einrichtungen drohten es an den Rand des Verderbens zu führen. Moskau nistete sich in Montevideo ein, ein Streik jagte den andern, die Sowjetgesandtschast unter Minkin versorgte die Revolutionäre in den Nachbar­ländern mit Geld und Waffen, bis es schließlich zum blutigen Kommuni st enputsch in Bra­silien kam. Nun machte der Präsident von Uruguay diesem Treiben ein plötzliches Ende. Prä­sident Terra schloß im Jahre 1934 dieCasa de Pueblo", löste das Parlament auf, schickte den Sowjetgesandten außer Landes und brach alle Ve- Ziehungen zu Moskau ab. Sein in diesem Jahr gewählter Nachfolger B a l d o m i r setzt die ener­gische Politik seines Vorgängers fort.

Der Gedanke einer kontinentalen Z u - sammenarbeit hat im Laufe der letzten Jahre in Lateinamerika, namentlich seit Roosevelt auf die Politik desbig stick verzichtete und die Politik der guten Nachbarschaft proklamierte, erhebliche Fortschritte gemacht. In Rio de Janeiro wurde vor zwei Jahren zwischen den Präsidenten von Argen­tinien und Brasilien ein Freundschafts- und Nicht­angriffspakt geschloffen, dem sich die meisten Staaten freiwillig anschlossen. Die Annäherung unter den Einzelstaaten wurde durch wirtschaftliche und zollpolitische Abmachungen erleichtert, und schließlich hat sich nach dem kommunistischen Auf­stand in Brasilien und nad) der bolschewistischen Verschwörung unter Barcos und Frontera in Argentinien eine gemeinsame Abwehr- front gegen den Kommunismus gebil- oet. Kommunismus und Sozialdemokratie sind in ßateinamerifa. Importware. Sie stehen im Wider­spruch zur Lebensauffassung der Mehrheit der Be­völkerung. Im Laufe der Jahre freilich haben sich viele Nachkommen der fpanischen, russischen, jüdi­schen Einwanderung zum Marxismus bekehren lassen, sie bilden in Buenos Aires und in einigen anderen Städten Südamerikas einen recht beträcht­lichen Wahlblock. Im allgemeinen kann man die Behauptung aufstellen, daß die radikalen Phrasen in Südamerika ihre Werbekraft verloren haben. Nicht einmal mehr Lippendienst von Amts wegen roeröen ihnen geleistet, Lateinamerika orientiert sich immer mehr auf den nationalen Gedanken. Diese (Anstellung hat ihre Vorteile und ihre Nachteile, die sich bei den verschiedenen Volksgruppen, die Süd­amerika bevölkern, empfindlich bemerkbar machen.

Sowohl in Brasilien als auch in Argentinien und in einigen anderen Staaten, die alle ein Raum o h n e V o l k sind und die dringend der Einwande­rung bedürfen, um das leere Oedland aufzufüllen, macht sich Die Tendenz geltend, die völkische Ent­wicklung der Einwanderer zu hemmen und aus ihnen, zum mindesten in der zweiten Generation, Brasilianer, Argentinier ufw. zu machen, die sich assimilieren und ihrem Ursprungsland fremd gegen­überstehen. Es treten deshalb bedauerliche Behinde- rungen in der Entwicklung des Schulwesens und der Erziehung ein. Ein geschlossenes fremdes Ein­wanderungsgebiet, wie es z. B. Südbrasilien in Blumenau besitzt, wird möglichst vermieden, die Rassenfrage darf nicht aufgeworfen werden.

Argentinien, das eine Fläche einnimmt, die etwa vier Fünftel Europas gleichkommt, hat nur rund 12 Millionen Einwohner, wovon ungefähr die Hälfte auf Buenos Aires und die anderen größeren Städte entfällt. Brasilien, das größer als die Vereinigten Staaten ist, hat keine 50 Mil­lionen Einwohner gegen 123 Millionen in USA. In Argentinien leben rund 100 000 Deutsche, von denen sich der größte Teil gegenüber den anderen Einwanderern durch gehobenere soziale Stellungen auszeichnet. Die deutschen Kolonien in der Provinz Missiones zählen etwa 20 000 Einwohner. Diese Kolonien genießen eine hohe Anerkennung. Der frühere Präsident von Argentinien, General I u ft o, hatte für die deutschen Kolonisten, die sich in Mls- siones, Eldorado, Monte Carlo oder San Alberto niederlassen wollten, die hohen Visagebühren von 35 Goldpesos pro Person aufgehoben und die Em- wanderersperre, die 1933 beschlossen war, fallen ge­lassen. Diese Maßnahme wurde dadurch motiviert, ' daß sich die Regierung Argentiniens davon über« Zeugt habe, daß in den oben genannten Kolonien ein hervorragend tüchtiges und für die Siedlung besonders geeignetes Einwandererelement nieder­gelassen habe, das vorbildlich sei und durch Aus­dauer und Fleiß viel zum Segen der neuen Heimat beigetragen habe. In derNacion" berichtete der damalige Direktor der Nationalbank, Uriburu, der die Kolonien am Anto Parana besucht hatte, daß die Leistungen der deutschen Einwanderer nicht hoch genug eingefchätzt werden könnten. Die Wert- sckätzung des Deutschen als Einwanderer schließt aoer nicht das Verlangen aus, ihn zu entnationa« lisisren, d. h. aus ihm einen guten Argentinier, Chilenen oder Brasilianer zu machen, der sich dem großen Dälkergemisch der südamerikanischen Staaten anschließt und in ihm auf geht.

Als sehr brauchbares Einwandererelement wer­den auch die Japaner gewertet. Etwa 200 000 Japaner haben sich in Brasilien niedergelassen, da­von 93 v. H. in der Provinz Sao Paulo. Dort bilden sie ein eng zusammenhaltendes Klein-Japan. Sie gelten als die besten Farmer, fangen als Ar­beiter an, überflügeln aber schnell die weniger reg- amen Lateiner, Neger und Indianer und besitzen ehr bald eigenen Boden. Im Jahre 1934 gingen 82 v. H. aller japanischen Auswanderer nach Brasi­lien. Nun faßte die Regierung in Tokio den Be- chluß, mit Hilfe von vier großen Konzernen im Amazonasgebiet eine Million Hektar Boden zu er­werben. Eine Mustersiedlung wurde angelegt. Aber die brasilianischen Patrioten wurden unruhig: die Konzession wurde annulliert, Brasilien Dürfe keine Einwanderer aufnehmen, hieß es, die sich so schwer wie die Japaner assimilieren ließen. Für Japan wurde ein Kontingent von 3000 Einwanderern fest­gesetzt, die sich nicht in abgeschlossenen Gebieten niederlassen sollen. Auch Peru hat eine blühende japanische Kolonie, aber gleichfalls Die japanische Einwanderung kontingentiert und beschränkt. Das Bevölkerungsproblem ist in den großen südamerika­nischen Staaten sehr wichtig. Große und fruchtbare Landstrecken liegen brach, Die der Besiedlung harren. Aber erst die Zukunft wird zeigen, ob und wie sich rassische und völkische Klüfte in jenen Ländern über­brücken lassen. U. St.

Jugoslawien und die neue Lage.

Freundschaft mit allen Nachbarn.Schutz der Volksgruppen.

Belgrad, 13. Nov. (Europapreß.) Auf einer Wahlversammlung in Neusatz erklärte Ministerpräfi, dent Stojadinowitsch, Jugoslawien sei von Freunden und guten Nachbarn umgeben. In inter­nationaler Beziehung habe Jugoslawien von Frem- den nichts zu fordern, gebe aber auch keinen Fuß- breit jugoslawischen Bodens ab. Jugoslawien habe mit feinem einzigen Nachbarn über die gegenseitigen Grenzen zu feilschen. Daher werde es auch in Zu­kunft mit allen Nachbarn in besten Beziehungen leben. Vor kurzem sei in Bled eine Verständigung mit Ungarn erzielt worden. Jugoslawien könne jetzt auch hier mit Recht eine günstige Entwicklung Der gegenseitigen Beziehungen erwarten.

Ein Teil Der Bevölkerung Des Donau - Ba - n a t s, dessen Sitz Neusatz ist, setze sich aus ungari­schen und deutschen Volksgruppen zusam- men. Der Grundsatz seiner Politik sei die volle Gleichberechtigung aller Glaubensbekennt­nisse und Nationalitäten. Das sei Die beste Gewähr für die freie Entwicklung Der Volksgruppen, Deren Sprache, Glaube unD Kultur alle erdenkliche Unter­stützung finden werde. Der Ministerpräsident ist mit Den ÄbgeordnetenkanDtdaten Der deutschen Volks- gruppe in Fühlung getreten. Die Ausstellung von deutschen W a h l k a n d i da t e n in Drei Wahlkreisen ist bereits beschlossen. Die Ver­handlungen über Die Kandidatur weiterer deutscher Politiker werden fortgesetzt. Die deutschen Kandi­daten treten auf der Liste Der Regierungspartei auf.

Oie Neugliederung der Parteien in der Tscheche».

Prag, 13.Nov. (Europapreß.) Die tschechische Sonntagspresse beschäftigt sich mit Dem Beschluß der Vertreter Der Tschechischen Agrarpartei, Der Na­tionalen Vereinigung, Der Faschisten, Der Tschechi­schen Gewerbepartei und der Nationalen Liga, eine tschechische Partei der nationa­len Einheit zu bilden, der sich auch ein Teil Der Tschechischen Volkssozialiften angeschlossen hat. Ungewiß ist jeDoch, welche Persönlichkeit Die Füh­rung in der neuen Partei übernehmen wird. Un­klar ist weiter Die programmatische Grundlage Die­ses neuen Parteiengebildes. Man ist über den grundsätzlichen Beschluß zur Vereinigung nicht we­sentlich hinausgekommen. Die als Nachfolgeorgani­sation der Tschechischen Sozialdemokratie geschaffeneNationalpartei des arbeitenden Vol­kes" veröffentlicht in Dem Hauptblatt Der alten So- zialDemokratifchen Partei, dem Pravo Lidu", eine Kundgebung zur sofortigen Aktivierung Der Organi­sation Der neuen Partei. Dieser Beschluß ist offen- kundig Die Antwort auf Den Beschluß Der Rechts­parteien, sich zusammenzuschließen.

Neue Schikanen gegen die deutschen Kliniken in Prag.

Prag, 12. Nov. (DNB.) Trotz Der Zusage Der Prager amtlichen Stellen, Die Deutschen Kliniken freizugeben und Den Zustand, wie er vor Der widerrechtlichen Beschlagnahme bestand, wiederher- zustellen, muß festgeftellt werden, Daß Die Schikanen gegert die deutschen Institute kein Ende neh­men. Im Allgemeine n Krankenhaus, wo Die deutschen und Die tschechischen Kranken gemein­sam untergebracht sinD, war Die Aufnahme Der Kranken seit Jahrzehnten so geregelt, Daß ay einem Tage Die Deutschen unD am anderen Tage Die tsche- schen Kliniken Die neueingelieferten Kranken behan- Delten. Die Deutschen Kliniken wurden allerdings wegen der hervorragenden Ausbildung der deutschen Aerzte von der tschechischen.Bevölkerung besonders gern ausgesucht. Neuerdings ist nun auf Betrei­ben des Chirurgen Prof. Ji raset, der als Deut­schenhasser in den letzten Wochen besonders in Er­scheinung getreten ist, unD des jüdisch versippten Krankenhausdirektors Dr, P u ch w e i n ein B o y - kott gegen die deutschen Kliniken ins Werk gesetzt worden. Die Krankenträger schaffen nach den Weisungen des Puchwein alle Patienten in bie tschechischen Kliniken. Durch Nichteinstellung und Nichtbezahlung von deutschen Aerzten und Schwestern versucht man ferner, die Arbeit Der deutschen Institute unmöglich zu machen. Es ist nun an der Zeit, daß die zuständigen Pra­ger Stellen dem Einhalt gebieten, soll ein Ver­hältnis zwischen Den beiden Völkern angeftrebt wer­den, wie es von beiden Seiten gewünscht wird.

Das Troppauer Landesmuseum ausgeräubert.

Reich-nberg, 12.(Rod. (DNB.) WieDie Zeit" aus Troppau berichtet, haben die Tsche­chen bei ihrem Abzug alle wertvollen Stucke des Landesmuseums mitgenommen. In der prähistorischen Abteilung fehlen prachtvolle illyrische Bronzen, seltene Stücke ihrer Art. Aus Der Goti­schen Abteilung ist der große Wollgobelin aus dem 16. Jahrhundert mit Darstellungen von Fabeltieren verschwunden, desgleichen die kleine Bozener Ma­donna aus dem 15. Jahrhundert.' weiter die sitzende Madonna mit Dem Kind, Die Tafelbilder mit Dar­

stellungen aus der Passion Christi von Hanns von Tübingen, zwei prachtvolle Tafeln mit der Dars­tellung des Marientodes. Im Barocksaal hatte man es vor allem auf die wundervollen Gold- unD Silberschmiedearbeiten abgesehen. Ebenso wurden Die berühmten vier Egerer Reliefs entwendet, Der prachtvolle große Heliaden-Gobclin, herrliche Elsen- beinarbeiten, DerPolen-Teppich", eine persische Arbeit aus dem 16. Jahrhundert.

Oer Sudetengau erhält einen eigenen Reichssender.

Berlin, 13. Nov. (DNB.) In einer Veranstal­tung des Reichssenders Breslau in Reichenberg er­klärte Reichsamtsleiter Krieg!er, Präsident Der RcichsrunDsunkkammer, daß Reichskommissar und Gauleiter Konrad Henlein an Reichsminister Dr. Goebbels herangetreten sei mit Der Bitte, unter Be­rücksichtigung der besonderen Verhältnisse im Su- Detenkmo und in Würdigung der politischen, kul­turellen und wirtschaftlichen Bedeutung des Rund­funks für Den sudetendeutschen Raum Dem Sudeten­gau einen eigenen Reichssender zu geben. Reichsminister Dr. Goebbels habe grundsätzlich zu­gestimmt. Bis der neue Reichssender in Betrieb genommen werden könne, würden mit einem Be- yelfssender vorläufige Sendungen von Karlsbad Durchgeführt. Außerdem werde der Sender Mäh- rifch-Oftrau den Namen Troppau erhalten. Dieser Nebensender Troppau werde künftig an den Reichssender Breslau angeschlossen und von Breslau mitbetreut werden. Die für dieses Jahr geplante Auflage von, 70 0000 Deutschen Kleinempfängern, Deren Auslieferung am 15. Dezember beenbet fein werde, werde durch eine zusätzliche Quote in Höhe von 300 000 Kleinemp­fängern erweitert werden. Ebenso werde die vorgesehene Produktion von 300 000 Volks­empfängern mit der neuen Typenbezeichnung VE 301 dyn a u f 450000 Stück erhöht werden, so daß insgesamt Die im laufenden Rund- funkjahr fabrizierten Volksgeräte Die Zahl von 1 450 000 Stück erzielen werden.

Das Lugendherbergswerk im Sudelenland.

Berlin, 12.Nov. (DNB.) Die Hitler-Jugend wird es im kommenden Sommer als ihre Aufgabe betrachten, bei Der Zusammenstellung Der Fahrtenprogramme besonders auch die sudetendeutschen Gebiete zu berücksich­tigen. 150 Herbergen stehen jetzt Dort zusammen mit einer Reihe von Häusern, die von anderen Or­ganisationen übernommen wurden, dem Wanderer

zur Verfügung. Wie bei Der Heimkehr Der Ostmark ist es jetzt Die Aufgabe des Jugendherbergs- wertes, auch das Herbergsnetz ün Sudetenland weiter auszubauen. Die ständige Zunahme des Fahrtenbetriebes der Jugend zeigt, daß die'Zahl der deutschen Jugendherbergen, die jetzt trotz weite­rer Ausscheidung unzulänglicher Unterkünfte die 2000 Grenze überschritten hat, längst nicht ausreicht. Im letzten Jahr mußten wegen Platzmangels fast zwei Millionen Absagen erteilt werden. Besonders groß ist der Platzmangel auch in den Winter­sportgebieten, wo die Jugendherbergen teil­weise schon seit Monaten bis April belegt sind. Das eigene Bauprogramm des Reichsverbandes für 1938 umfaßt 50 Neubauten, 13 Ausbauten von Herber­gen und 19 Richtfeste bis zum Schluß des Bau­jahres. Der Reichsverband appelliert besonders an die Gemeinden, den Ausbau des Herbergsnetzes nach Kräften zu unterstützen.

Oie Kämpfe in China.

Schanghai, 13. Nov. (DNB.) Die japani­schen Streitkräfte, die sich auf Tschangtscha zu bewegen, machen nach Den Meldungen des japa­nischen Hauptquartiers gute Fortschritte. Eine Säule bewegt sich von P o t s ch a u aus an der Hankau Kanton-Bahn entlang, eine andere östlich davon von T u n g t s ch e n g aus. Potschau liegt 225 Kilometer südlich von Hankau und 128 Kilometer nordöstlich von Tschangscha, der Hauptstadt der Provinz Hu­nan. An dem 1000 Quadratkilometer großen Tuna- schiangsee mit dem Fall von Potschau ist die wich­tigste Außenstellung der Chinesen für die Verteidi­gung von Tschangscha züsammengebrochen. Die japanische Flotte hat weiter die Kontrolle über die in den Tschungschiangsee mündenden Flüsse gewon­nen. Die bedeutenden chinesischen Stützpunkte im Gebiete des Tschungschiangsees, wie Siangyin, An- fiang, Hanschau, Jtschang und Tschangki sind nun von Den Japanern unmittelbar bedroht. Angesichts des Herannahens Der japanischen Truppen haben Die chinesischen Behörden Die Räumung Tschangtschas, Der Hauptstadt Der Provinz Hunan, angeordnet. Ein Teil der chinesischen Pro­vinzbehörden hat bereits die Stadt verlassen. Gleich­zeitig hat auch eine Massenflucht der Bevölkerung eingesetzt, die teils auf Dschunken, teils auf Fahr­zeugen aller Art oder zu Fuß davoneilke.

Nach bisher unbestätigten chinesischen Meldungen sollen Die chinesischen Truppen in, (SÜD- china in Den letzten 24 StunDen Tsungfa, Fahfien, Tanshui und Die beDeutenDe Stadt Weitschau besetzt haben. Die Japaner sollen 10 000 Mann Truppen aus Nordchina in das südchinesische Kampfgebiet ge­worfen haben.

Die größte Lnsektenbörse der Welt.

420000 Exemplare in Frankfurt a. M. Sin seltener Schmetterling kostet ein paar hundert Mark. Don Jürgen Rauch.

Aus der ganzen Erde gibt es schätzungsweise 50 000 Jnsettensammler, ungefähr 10 000 davon in Deutschland. Der größte Markt, auf dem die Sammler kaufen und tauschen können, findet ein­mal im Jahre, im November, in Frankfurt am Main statt. In diesem Jahre wurden etwa 120 000 I n f e k t e n ausgefteßt, Die unter Glas und Torf aus der ganzen Welt ankamen. Die Frank­furter Entomologen hatten zuihrer" Insektenbörse Der größten der Erbe eingetaDen. Dem nichtforschenden oder sammelnden Besucher kommt die Sache zunächst etwas komisch vor. Falls er die Nummer Des Ausstellungsgebäudes am Sandweg vergessen haben sollte, fönen ihm die vielen Fuß­gänger, die, ob alt oder jung, ob schlicht oder ele­gant, mit einem oder mehreren Kistchen oder Schachteln bewaffnet sind, als Wegweiser dienen: sie streben alle eifrig und erwartungsfreudig der Börse" zp.

Auf langen Tischen sind da köstliche Farb­wunder aus aller Herren Ländern ausgebreitet: bald mit dem schimmernden Glanz von Perlmutt, bald mit dem warmen Schmelz des Samtes. Drumherum stehen ernschast und manch­mal rührend weltverloren in den Anblick vertieft dieInteressenten". Man muß wieder mal an Das Kind im Manne denken, wenn man hier erwachsene Männer mit Dem Eifer ihrer Knabenzeit, mit dem­selben Eifer wie ihre Kinder, Die sie vielfach mit­brachten, so andächtig beim Studium sieht. Doll Interesse wird Da ein besonders wertvolles Exem­plar besichtigt, Das unter seinen Artgenossen, einer gewöhnlichen Falterart aus Dem Westerwald, Dem Kenner sofort auffällt; feine blauenSpiegel" sind ein wenig Heller als bei seinen BrüDern, eine Nuance nur in ein leuchtendes Türkis abgewandelt. DieseF e h l f a r b e", wie Der Fachausdruck Dafür heißt, macht ihn zu einer gesuchten und gutbe­zahlten Rarität. Gespannt hört man zu, wie Der stolze Besitzerseine" Fehlfarbe erklärt: ein glück­liches, keineswegs vorher zu bestimmendes Zucht- ergebnismitHilfe von Eisschrank und Brutofen! Hitze und Kälte sind die Helfer des Züchters. Auf diese Weise werden z. B. die Rau­pen der Alpenschmetterlinge, die oft drei Jahre zur Verpuppung brauchen, in wenigen Wochen zum Ausschlüpfen gezwungen, indem man ihnen durch Temperaturwechsel Sommer und Winter vortäuscht. Dabei ergeben sich Denn auch gewisse Abweichun­gen wie Diese Fehlfarbe. Ein großes Tier fällt be- sonDers durch seine ungewöhnlich einfache und von den anderen abweichende Flügelform auf. In Ame­rika, in dem (Schmetterlingsparabies Brasiliens, ist er gar nicht so selten. Aber er ist der einzige Ver­treter seiner Familie und hat wohl die älteste Tra- dition, die ein Lebewesen auf unserer Erde nach­weisen kann: seine typische Flügelform hat man an versteinerten Schmetterlingen aus der Eiszeit festgestellt.

Nach solchen Entdeckungen ist man gespannt, was wohl Die private Sammlung eines Entomologen Darüber hinaus noch zu bieten hat. UnD Dann sieht man zehntausend bunte Falter im Tresor, in freund­lich hellen Glaskasten nach wissenschaftlichen Ge­sichtspunkten nebeneinander aufgereiht. Aber diest Sammlung ist nicht in schrulliger Hamsterwut, wie man mißbilligend oder achselzuckend annehmen könnte, zusammengetragen: nein, sie ist Die einge­fangene Erinnerung eines naturbegeisterten Her­zens an viele schöne Reisen, an mühevolle und doch köstliche Schmetterlingsjagden; Da wird ein schöner Ferientag bei Zermatt z. B. wieder lebendig, wo ganze Schwärme Dieses kleinen, goldgelb gesprenkel­ten Fallerpaares vor uns wie Nebel über einer Wiese auf und nieder wogten. Wie habe ich jenen Darmstädter Sammler beneidet, Der in einer auf Der Börse aufliegenden Entomologischen Zeitschrift bekanntgab, daß er während feiner Sammeltätigkeit

im «Sähen leider jede Korrespondenz unbeantwortet lassen müsse.

Erstaunlich ist es überhaupt, welche Reisen diese Sammler machen, um ihre Schätze zu erweitern. Da fahren sie sogar bis zum Roten Meer, wenn Die Beute sie lockt, so wie vor nicht allzu langer Zeit Gustav Lederer, Der Leiter Der Jnsektenbörse. Nun versteht man auch, warum für einen sel­tenen Schmetterling 3 0 0 bis 400 Mark bezahlt werden. Ja, einem deutschen Sammler, Dem es gelungen war, auf Den Paßübergängen Des Himalaja in 5000 bis 6000 Meter Höhe Das Männchen des Parnassus autocrator zu fangen, wurden mehr als tausend Mark dafür geboten, ohne daß der Be­sitzer sich entschließen konnte, Diese seltene Schmet- terlingsart ins Ausland zu verkaufen.

Besonders erstaunt sind immer wieder die Be­sucher Der Jnsektenbörse über DieSchmetter­lingsflugkarte", auf der die Flüge Der welt­reisenden Schmetterlinge ausgezeichnet sind. Nun, wenn man Friedrich Schnacks scyönes BuchIm Zauberreiche Der Falter" kennt, weiß man schon mehr von den Geheimnissen des Schmetterling­fluges der Distelfalter, der Totenköpfe, der Postil­lone, Die einen Sommer lang auf Der Weltreise leben unD Deren Kinder nach ihrem Tode die Reise fortsetzen. Wenn sich nun auch die Falterforscher be­mühen, das Geyeimnis Der Schmetterlings-Flug­straßen ganz zu entwirren, so ist es ihnen noch nicht restlos gelungen. Sie merDen weiter forschen müssen, ebenso wie ihre Kollegen immer noch den Geheimnissen Der Vogelflug-Bahnen nachspüren.

Für Den Fachmann gibt es auf der Börse erst recht interessante Neuigkeiten. Da bringt ein Samm­ler aus ZürichHebriden" mit: Bastarde aus der Kreuzung eines nordamerikanischen mit einem Schweizer Falter. Bei einem Sammler aus Spa­nien ist im Tresor derSpanische Gabel­schwanz" in mehreren Exemplaren vertreten. Die erhietten seinerzeit von ihrem Entdecker einen falschen Pflanzennamen beigelegt, damit kein an­derer Sammler die Raupen finden sollte. Neuent­deckte Schmetterlinge erhalten nämlich zuerst als vorläufigen Namen den der Pflanzen, auf Denen sie und ihre Raupen gefunDen wurden. Eigent­lich braucht sich aber derSchmetterlingsmensch" gar nicht so sehr um dieAusländer zu bemühen, zählt man doch allein in unserer engeren Heimat ungefähr 700 Schmetterlingsarten, ganz zu schweigen von den Kleinschmetterlingen und Motten. Verschiedene davon stehen unter Natur­schutz wie beispielsweise der hessische schwarze Apollo aus dem Vogelsberg. Niemand Darf ihn fangen.

Aber yeißt es denn nicht jnsektenbörse" auf dem großen SchilD über Dem Eingang?! Und außer den Schmetterlingen sind Doch auch andere Tiere Insek­ten?! fiaben wir doch in der Schule von 750 000 verschieoenen Insekten gehört! Gewiß, wenn auch acht Zehntel auf Der Börse Schmetterlinge sind, so sieht man doch auch Käfer, lang und breit wie eine Hand mit ihren mächtigen Chitin-Panzern und- ihren Fühlern, die fast viermal so lang wie ihre Körper sind. UnD Heuschrecken von bibli­scher Größe, wie wir sie Gott sei Dank in Europa nicht kennen. Dicht Daneben hat ein Samm­ler seine Spinnen-Sammlung, eine der größten der Welt, ausgestellt. Die benachbarten Skorpione haben unter Dem Glasdach all ihre Schrecken verloren.

Lieber jedoch werfen wir noch einmal einen Blick auf die über zwanzig Meter langen Tische, darauf Kasten an Kasten mit Den herrlichsten Faltern ruhen, goldenen, violetten, ockergelben, nachtschwar­zen, tiefroten ... Schmetterlingen aus Den Urwäl­dern Südamerikas, die uns einen Abglanz von Ur­waldatmosphäre, von tropischer Farbenpracht in unsere Herzen zaubern,