Ausgabe 
14.9.1938
 
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Aus der engeren Heimat.

Keldfcheuerbrand bei Bad-Nauheim.

* Bad-Nauheim, 14. Sept. Heute nacht geaen 3.10 Uhr wurde in der zum Gut L o u i s a gehörenden Feldscheune in der Nähe der Gradierwerke von Bad-Nauheim ein Brand ent­deckt. Dem Feuer sind nach den bisherigen Fest­stellungen 30 bis 40 Morgen ungedroschene Frucht zum Opfer gefallen. Für die Annahme einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Brandstiftung liegen bis jetzt keine Anhaltspunkte vor. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sind noch im Gange.

Unfälle auf dem Lande.

Der Hilfsarbeiter Ludwig Sommer aus Wat­zenborn-Steinberg stürzte bei der Arbeit von einer Leiter ab und erlitt dabei Gesichts- und Oberschenkelverletzungen. Mit einem Schädel- und einem Rippenbruch mußte der 59 Fahre alte Arbeiter Johannes Rehm aus Homberg-, der an der Reichsautobahn beschäftigt ist, in ärztliche Behandlung gebracht werden. Er stürzte von einem Laufbrett ab. Einen rechtsseitigen Oberschenkel­bruch erlitt der 35 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Rieß aus Ober-Ofleiden. Beim Abloden in der Scheune stürzte der 64 Jahre alte Landwirt Heinrich Seipp aus Berns selb mit der rech­ten Brustseite auf ein Gerüst ab und erlitt mehrere Rippenbrüche. Der 28 Jahre alte Arbeiter Ernst Schneider aus Rodheim a. d. Bieber stürzte bei der Arbeit von einem Gerüst ob und mußte mit einer schweren Brustquetschung in ärztliche Behandlung gebracht, werden. Durch einen Un­fall bei der landwirtschaftlichen Arbeit erlitt die 24 Jahre alte Helferin Anna Pfeiffer aus Ober- Seemen einen Halswirbelbruch. Sämtliche Ver­unglückte wurden in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 12. Sept. Am Samstag fand eine Inspektion der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und der Pflichtfeuerwehr durch den Kreisfeuerwehrführer Bouffier statt. Dazu waren die Wehren unter dem Kommando des Hauptbrandmeisters Ludwig Schmidt mit sämtlichen Geräten auf dem Sportplotz angetreten. Zunächst wurde in schneidiger Weise Gruppenexer­zieren gezeigt, dem sich in guter Durchführung das Zug- und Abteilü°ngsererzieren anschloß. Ausge­zeichnet war auch das Exerzieren an den Geräten. Dieser Teil der Besichtigung schloß'mit einem Vor­beimarsch der Wehren ab. Sodann folgte unter dem Kommando des Stellvertreters des Hauptbrandmei­sters, Oberbrandmeister Karl Sack, ein Drand- angriff, der an den Gebäuden der Heuchelheimer Mühle als reine Schulübung durchgeführt wurde. Zu dieser Hebung, die zunächst einen stillen Alarm eines Stoßtrupps mit einem Hydrantenwagen, so­dann Großalarm der beiden Heuchelheimer Wehren mit gleichzeitigem Einsatz der Bezirksmotorspritze aus Lollar vorsah, rückten die Heuchelheimer Feuer­wehrmänner mit sämtlichen Geräten in schneller Folge an, ferner war schon nach 18 Minuten die Bezirksmotorspritze aus Lollar auf dem Hebungs­platze zur Stelle. Im Verlaufe dieser Schulübung zeigten die Feuerwehrmänner in vielseitigen Hebun­gen ihre Schlagfertigkeit und volle Einsatzbereit­schaft. Nach dem Abschluß dieses Brandangriffs folgte auf dem Heuchelheimer Mühlchen die kritische Besprechung des gesamten Hebungsverlaufes. Hier begrüßte der Wehrleiter eine Reihe von Gästen, Vertreter der Partei, die Gemeindevertretung und Personen der Heuchelheimer Industrie. Dann be­sprach Kreisfeuerwehrfuhrer B o u f f i e r die Lei­stungen der beiden Wehren, die er als sehr zufrie­denstellend anerkannte, gleichzeitig auch den guten Geist in den beiden Wehren mit ehrenden Worten würdigte. Ferner sprach er noch über die Ausbil­dung als Einheitsfeuerwehrmann, die von besonde­rer Wichtigkeit ist. Der offizielle Teil der Bespre­chung und damit der gesamten Hebung fand mit dem Gruß an den Führer seinen Abs hluß. Die Feuerwehrkameraden verblieben sodann in Gemein­schaft mit den Gästen noch einige Zeit in froh- gestimmter kameradschaftlicher Hnterhaltung bei­sammen. ______________

Kannst du ziM, Dm?

Roman von Hedda Lindner.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

14 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Vera von Petry war em bildhübsches, reichlich exzentrisches Mädchen gewesen, das eine Zeitlang «llen Klatschbasen Hnterhaltungsstoft gab, besonders, als sie plötzlich den um zwanzig Jahre älteren Herrn von Petry auf Weiga heiratete. Den Grund begriff kein Mensch; denn Petry war weder wohl­habend noch hatte er äußere Reize aufzuweisen. Dagegen galt er charakterlich als einwandfrei und außerordentlich gutmütig. Vielleicht hatte sie das zu der Heirat veranlaßt; denn nicht jeder Mann hätte seiner Frau so weitgehende Freiheiten in der Ehe gestattet: sie brachte einen großen Teil des Jahres auf Reisen zu und ließ sich auch keine Berliner Saison entgehen.

Im übrigen war das Leben, das sie führte, reich­lich kostspielig für Weigaer Verhältnisse, und der gutmütige Clemens hat manche Schneid"rrechnung für die elegante Schwester bezahlt. Darum war sie ganz zufrieden, ihm gefällig sein zu können, und gab sich wirklich Mühe um den jungen Neffen.

Aus dieser Tanzstunde nun lernte Gerald seinen Detter Gunther kennen und traf zum ersten Male auf Carola Schäfer.

Carola Schäfer war die Tochter des Arztes aus der benachbarten Kreisstadt. Sie war eine Schön­heit, wie man sie eigentlich nur auf den Bildern der Märchenbücher sindet: und dieses Mädchen wurde die große Liebe des jungen Gerald, eine Liebe, von deren Hnwert er sich erst überzeugte, als er fast daran zerbrochen war.

Carola hätte den ernsten Jungen wohl kaum be­achtet bei der Auswahl an jungen Männern, die diese Tanzstunde bot aber das einzige Gefühl, das neben der Anbetung ihrer Schönheit in ihrem Innern Raum hatte, war der brennende Ehrgeiz, dieser geliebten Schönheit einen würdigen Rahmen zu schaffen. Sie wußte sehr genau, daß der große, noch etwas schlacksige junge Mensch einmal der Erbe von Rehwaldau, Jägerhof und den ungarischen Be­sitzungen der Familie fein würde.

Unb so zu Geralds Hnglück behandelte sie ihn mit bezaubernder Freundlichkeit. Sie verloren sich aus den Augen, als er erst auf eine landwirt- jchaflliche Schule und dann nach Ungarn geschickt

Der Gebieisstand Hessens am 1. Oktober 1938.

Lpd. Mit dem Inkrafttreten der neuen Kreisein- teilung und der Errichtung der fünf selbständigen Stadtkreise am 1. Oktober 1938 wird die Ge- bletsgliederung des Landes Hessen folgendermaßen sein:

hestehen an Stelle von bisher 18 Kreisen bei Auflösung der Kreise Bensheim, Schotten und Oppenheim und Neubildung der'Stadtkreise Darm­stadt, Gießen, Mainz Offenbach und Worms 2 0 Kreise. Nach der letzten Volkszählung vom 16.Juni 1933-zählte Hessen eine Wohnbevölkerung oon 1 429 048 Seelen, wovon der Berufsgliederung nach 21,5 d. H. auf Land- und Forstwirtschaft, 41,1 d. H. auf Industrie und Handwerk, 15,3 v. H. auf Handel und Verkehr, 7,5 v. H. auf öffentliche Dienste und private Dienstleistungen, 1,6 o. H. auf häusliche Dienste entfielen, während der Rest von 13 v. H. als ohne Beruf gemeldet war.

Für die neuen Stadtkreise ergibt sich nach her letzten Volkszählung eine Gesamtbewoh­nerschaft von rund 436 000; davon entfallen auf Mainz 150 800, Darmstadt 110 740, Offenbach 87 050, Worms 51430, Gießen 35 910. Den größten Flächeninhalt hat Darmstadt mit 116,3 qkm; es folgen Mainz mit 93,12, Gießen mit 41,76, Offenbach mit 41,68 und Worms mit 30,59 qkm.

Der Fläche nach ist der Landkreis Büdingen mit 730,34 qkm der größte, der Kreis Bingen mit 264,8 qkm der kleinste Kreis. Dazwischen liegen der

Hitler-Jugend

Gefolgschaft 6/116

Am Samstag sand im HJ.-Heim zu Großen-Buseck eine Führertagung der Gefolgschaft 6/116Wilhelm Belloff" statt.

Gefolgschaftsführer B r ü cf 'eröffnete die Tagung mit einem kurzen Bericht Über die Arbeit im ver­gangenen Sommerhalbjahr und dankte den Führer­kameraden für die tatkräftige Hntei stützung, um einen immer geregelten Dienftbetrieb, auch während der Erntearbeiten, aufrecht erhalten zu können. Zum Schlüsse seiner Ausführungen gab er noch einige formelle Angelegenheiten bekannt. Dann gab er dem Stammführer Dr. Schneider das Wort. Dieser verstand es vortrefflich, die Arbeit eines Führers in der jungen Garde des Führers zu schildern. Er hob immer wieder das Pflichtbewußtsein und das Ver­antwortungsgefühl hervor, das ein Führer gegen­über seinen ihm anoertrauten jungen Kameraden zu zeigen hat. Am Schluffe dankte er der Führerschaft für ihre Einsatzbereitschaft und konnte im Auftrage des Bannführers einige Bestätigungen und Beför­derungen vornehmen.

Am Sonntag fand ein Gefolgschaftsappell statt. Schon in den frühen Morgenstunden man konnte kaum etwas sehen durch den dichten Nebel fuhren die einzelnen Standorte in einer Sternfahrt nach Burkhardsfelden, um hier ihrem Sonntagsdienst nachzukommen. Auf der höchsten Kuppe einer 2In= höhe mar ein Fahnenmast aufgestellt, von dem aus nach oer Flaggenhissung die Fahne der Jugend weit in das Busecker Tal 'hineinleuchtete. Nun begann der Dienstbetrieb. Es wurde zuerst mit den Schar­bewertungen innerhalb der Gefolgschaft begonnen. Kritische Augen musterten die einzelnen Scharen auf Uniformierung, Ordnungsübungen, weltanschauliche Fragen, und jede im Wettbewerb (außer Großen- Bufeck) liegende Schar gab sich die beste Mühe, um den ausgesetzten wertvollen Preis heimzuführen. An-

Größe nach die Landkreise Alsfeld (694 qkm), Gießen (653), Lauterbach (594), Erbach (593), Perg- straße (592), Friedberg (573), Dieburg (458,5), Worms (440), Groß-Äerau (426), Alzey (418), Offenbach (335), Mainz (313) und Darmstadt (280).

Anders sieht es bei den Landkreisen der Zahl der kreiszugehörigen Gemeinden nach aus; dann ist die Reihenfolge: Kreis Büdingen mit 102 Gemeinden, Bergstraße 101, Erbach 98, Als­feld 97, Gießen 86, Lauterbach 74, Friedberg 71, Alzey 60, Dieburg 57, Worms 44, Darmstadr, Mainz und Bingen je 39, Offenbach 32 und Groß- Gerau 31. Und wieder anders stellt sich die Vertei­lung nach den zuletzt gezählten Einwohner­zahlen dar: Landkreis Offenbach 97 990, Berg­straße 96 095, Friedberg 93 481, Worms 81646, Gießen 74 420, Groß-Gerau 69 957, Dieburg 63 964, Büdingen 60 707, Bingen 58 215, Darm­stadt 57 745, Alzey 55 577, Mainz 55 258, Erbach 49 968, Alsfeld 44 140, Lauterbach 33 959.

Der Bevölkerungsdichte nach kommen Einwohner auf den qkm; in den Stadtkrei­sen: Offenbach 2089, Worms 1681, Mainz 1619, Darmstadt 952, Gießen 860; in den Landkrei­sen: Offenbach 293,, Bingen 220, Darmstadt 207, Worms 185, Mainz 176, Groß-Gerau 164, Fried­berg 163, Bergstraße 162, Dieburg 140, Alzey 133, Gießen 114, Erbach 84, Büdingen 83, Alsfeld 64, Lauterbach 57.

im Buseckerial.

Wilhelm Belloff".

schließend wurde das Gelände- und Geschicklichkeits­fahren durchgeführt, um die beste Kameradschaft der Gefolgschaft herauszustellen. Dies ging durch schwie­riges Gelände und verlangte Mann und Material alles ab. Die gestellten Bedingungen wurden in tadelloser Disziplin erfüllt. Die beste Mannschaft stellte der Standort Großen-Buseck, die mit weitem Vorsprung ins Ziel kam. Es war eine Freude, mit anzusehen, mit welchem Geist und mit welcher Ge­schicklichkeit diese Fahrt durchgeführt wurde. Wäh­renddem legte eine Nachrichtenkameradschaft des Standortes Großen-Buseck in Burkhardsfelden unter schwierigen Verhältnissen eine Fernsprechleitung, woran Die Bevölkerung regen Anteil nahm und staunte, was alles im Dienstbetrieb der Hitler-Ju­gend getrieben wird. Nach Beendigung der Gelände­fahrt wurde im Handball um den Wanderpreis ge­kämpft, der nach zwei schönen Siegen des Stand­ortes Großen-Buseck über Standort Beuern 8:3 und über Burkhardsfelden 3:2 in den Besitz der Busecker ging. Dieser Preis muß fünfmal erkämpft werden, bis er in den Besitz des Siegers übergeht.

Stammführer Dr. Schneider, der zur Freude aller Hitlerjungen im Busecker Tal anwesend war, überzeugte sich von den einzelnen Dienstauzschnitten und konnte sich nur zufriedenstellend ausdrücken. Anschließend besichtigte er die Fernsprechanlage in Burkhardsfelden; er war selber erstaunt, mit wel­cher Geschicklichkeit diese gelegt war. Am Dienstende meldete ihm Gefolgschaftsführer Brück die Schar 2 Beuern-Bersrod, unter ihrem bewährten Scharfüh­rer B e l l o f f, als beste Einheit (ausgeschl. Großen- Buseck) der Gefolgschaft 6/116Wilhelm Belloss". Ein wertvoller Preis wurde verliehen.

Dieser Dienst war jedem Jgg. ein Erlebnis und gab ihm neuen Ansporn für den ferneren Dienst­betrieb.

CO Klein-Linden, 14. Sept. Am kom­menden Freitag, 16. September, feiern die Eheleute Heinrich Wahl und Frau Marie, geb. Jung, in geistiger und körperlicher Frische ihre Goldene Hochzeit. Herr Wahl, gebürtig aus dem benach­barten Großen-Linden, wohnt seit seiner Verheira­tung in unserm Dorfe und nahm sehr regelt Anteil dm dörflichen Leben unserer Gemeinde. 25 Jahre lang war er Vorsitzender des hiesigen Männer- gesangoereinsHarmonie", um dessen Entwicklung er sich bleibende Verdienste erworben hat. Diele Jahre lang gehörte er dem Gemeindevorstand als

wurde, um sich mit den dortigen Verhältnissen ver­traut zu machen; aber als er sie fünf Jahre später wiedersah, flammte auch sofort die alte Liebe auf. Er setzte die Verlobung durch, obwohl sein Onkel wenig erbaut von dieser Verbindung war, und hei­ratete ein Jahr daraus. Unb da Carola immerhin klug genug war, den alten Herrn mit äußerster Zuvor­kommenheit zu behandeln, ging soweit alles ganz gut.

Fünf Jahre lang. Fünf lange Jahre war Gerald zufrieden, ausgefüllt von einem Beruf, der ihm lag, und in dem er Ausgezeichnetes leistete, und zufrieden auch im Besitz der Frau, die er liebte trotz all der Fehler, die ihm beim engen Zusammenleben nicht verborgen bleiben konnten.

Gerald gehörte zu den Menschen, die nicht leicht­fertig mit Gefühlen umgehen und durchaus nicht ein­fach zu gewinnen sind. Haben sie sich aber für einen Menschen entschieden, so gehört unendlich viel dazu, diesen Menschen wieder aus ihrem Herzen heraus- zureißen.

Carola behandelte ihren Mann nicht eigentlich schlecht; ihr Gefühl warnte sie davor, sich ihm gegen­über allzusehr gehen zu lassen. Es waren immer nur zwei Punkte, die zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen führten. Einmal ihre Ablehnung, vor ihrem dreißigsten Jahre ein Kind zu haben, weil nach ihrer Ansicht Kinder die Figur verdarben. Ge­rald hätte gern Kinder gehabt, und Rehwaldau brauchte einen Erben, und doch war diese Ablehnung später das einzige, wofür er Caryla von Herzen dankbar war. Der zweite Punkt war ihre Ver­schwendungssucht. Ihre persönlichen Ausgaben über­stiegen schon nach wenigen Jahren die Einnahmen ihres Vaters, der oft genug über seine Tochter den Kopf schüttelte, ohne sie beeinflussen zu können.

Gerald bezog auf Rehwaldau für seine Tätigkeit, die ungefähr der eines Oberinspektors ober, ba er sich auch um bie ungarische Verwaltung küm­merte Güterbirektors gleichzusetzen war, neben dem freien'Haushalt ein sehr ansehnliches Bargehalt oon seinem Onkel, mit bem er aber wegen Carolas Ansprüchen meist weit im Vorschuß war. Er selbst hatte keine befonberen Neigungen außer einer Lieb­haberei für edle Hunde; ba er aber gleichzeitig erfolg­reich züchtete, brachte biese Liebhaberei sogar noch etwas ein.

So lagen die Dinge auf Rehwahlbau, und sie wären woh noch lange so weitergegangen, wenn nicht im August ein Vorfall sich ereignet hatte der das Schicksal aller Beteiligten in eine völlig andere Bahn lenken sollte.

Carola war von der See zuruckgekommen. Sie

(Semeinberatsmitglieb an, lange Jahre zählte er auch zu den Vertretern der evangelischen Kirchen- gemeinbe. Bis zum heutigen Tage versieht er noch trotz seines hohen Alters von 75 Jahren mit gro­ßem Eifer bas Amt eines Felbgeschworenen in un­serer Gemeinbe. Von.Beruf Maurerpolier, war er den größten Teil seines Lebens in Gießen tätig. Ein großer Verwandten- und Bekanntenkreis nimmt an der Goldenen Hochzeit freudigen Anteil. Auch wir gratulieren dem Jubelpaar herzlich.

CO Klein-Linden, 12. Sept. Am Samstag konnte der Zugführer i. R. Georg Dönges in gei-

fuhr jeden Sommer allein an die See, Gerald kante sie wegen der Ernte nicht begleiten. Da er sich aus dem gleichen Grunde ihr auf bem Gut auch nicht viel widmen konnte, war es ihm lieber, sie reifte, als daß sie mißgelaunt zu Hause saß.

Diesmal war sie nach auffallend zärtlicher Be­grüßung ein paar Tage still und in sich gekehrt, um ihm schließlich zu gestehen, daß sie erhebliche Schulden hatte. Nicht nur, daß ihr Verbrauch auf der Reise sehr viel höher war als vorgesehen durch Spielschulden, wie sich nachher herausstellte, sie hatte auch feit langem große Beträge bei Schnei­derin unb Mobistin aufsummen lassen unb die Leute begannen ungemütlich zu werben. Schließlich kam heraus, daß alles in allem rund fünftaufcnb Mark zu zahlen waren.

Gerald wurde blaß, als er die Zahl hörte, der Betrag überstieg seine flüssigen Mittel erheblich, unb als er bebachte, wie sinnlos dieses Geld vertan war, ba wurde er seiner angebeteten Carola gegenüber so grob, wie sie ihn in ben Jahren ihrer Ehe noch nicht erlebt hatte. Aber zahlen mußte er doch, unb ba blieb ihm nichts anderes übrig, als sich aber­mals an seinen Onkel zu wenden.

Er traf eine besonders unglückliche Stunde. Er­stens hatte gerade eine Kuh verkalbt, worüber sich der alte Herr immer lehr aufregte, unb zweitens war durch die Anschaffung eines neuen Bulldogg mit Dreschkasten das Bargeld tatsächlich im Augen­blick knapp. Als nun sein Onkel erfuhr, wozu Ge­rald das Geld brauchte, gab es einen furchtbaren Krach.

Die Auseinandersetzung endete damit, daß er es schroff ablehnte, auch nur einen Pfennig herzugeben, und erklärte, wenn sein Neffe so ein Weiberknecht wäre, daß er die holde Gattin in ihren sinnlosen Ausgaben nicht bremsen könnte, bann solle er auch sehen, wo er bas Geld bazu hernähme.

Darauf geschah zwei Tage nichts. Der junge Baron lief mit finsterem Gesicht umher, bie Gnäbige spielte bie Beleibigte unb blieb in ihren Gemächern. Am britten Tage fuhr ber alte Herr in bie Kreisstabt, kam in furchtbarer Aufregung zurück unb ließ sofort seinen Neffen rufen.

Es gab anscheinenb mieber eine böse Szene, eine Tür schlug bann mit lautem Krach zu, dann kamen ein paar Augenblicke Stille, unb bann fiel ein Schuß. Die entsetzt Herbeieilenben fanden ben alten Baron blutenb unb bewußtlos am Boben liegen, unb über ihn gebeugt seinen Neffen unb ben Förster, der gerade zur Berichterstattung ins Schloß gekom­men war.

Als man Gerald verhaftet hatte, reichte seine Frau

ftiger unb körperlicher Frische im Kreise seiner Fa­rn el, seinen 60. Geburtstag feiern. Herrn Schimmel, selben Tage konnte ber Kamerabschaftsführer der hiesigen Kriegerkamerabschaft, Friebrich Schim­mel, seinen 60. Geburtstag feiern. Herr Schimmel, ber feit Jahren unseren Kriegeroerein geleitet hat, mürbe vor einiger Zeit für seine Verbienste um bas Kriegerkameradschaftswesen das Ehrentreuz zweiter Klasse des Kyffhäuserbundes überreicht. Bei­den Geburtstagjubilaren wurden von vielen Seiten Glückwünsche übermittelt.

Lang-Göns, 12. Sept. Am Samstagnach- mittag überfuhr ein leeres Lastauto an ber Kurve bei Kaufmann Wilhelm Müller ben Bord­stein und streifte dabei ein Wohnhaus. Durch den Anprall wurde bie Vorberachse des Autos zer« brochen und das Auto selbst stark beschädigt. @Iüdh licherweise waren zur Zeit des Unfalls keine Per­sonen auf dem Fußsteig, da sonst ein großes Un­glück hätte entstehen können. Das Haus wurde leicht beschädigt. Die Polizei nahm sich des Fah­rers air.

s. Lang-Göns, 12. Sept. Am Samstag wurde vom hiesigen G e f l ü g e I z u ch t v e r e i n- ein Schulungsabend durchgeführt. Nach einleiten­den Worten des Vorsitzenden May, der auch die Vereinsführer von anderen Orten begrüßte, sprach der Kreisvorsitzende H e ß (Watzenborn-Steinberg) über die Aufgaben, die den Geflügelzüchtern inner­halb des Vierjahresplanes erwachsen. Er ordnete seine Ausführungen nach vier Punkten: Stallung, Fütterung, Tiermaterial, Leistung. Besonderen Wert legte er auf die Forderung, daß sich alle organisier­ten Geflügelzüchter beratend betätigen und andere Geflügelhalter aufklären. Die Ausführungen wur­den durch wirksame Anschauungsbilder ergänzt.

4= Aus dem Hü11enberg, 12. Sept. Der ZweigvereinH ü 11 e n b c r g" vom VHC. unternahm am . gestrigen Sonntag seine letzte dies­jährige Tageswanderung. Die Bahn brachte die Teilnehmer zunächst ins Bufeckertal nach der Sta­tion Großen-Buseck. Von da führte der Weg bei schönstem Herbstwetter über Beuern, durch herrlichen Hochwald nach Allertshausen, und dann steil ab ins Lumdatal nach Londorf. Nach einer Mittags­rast wurde bie schöne Kirche in Lonbors besichtigt. Am Nachmittag ging es zum Sickler Teich (Wasser­scheide zwischen Ohm- und Lumdatal), der unter Naturschutz steht, bann weiter durch schönen Wald nach Nordeck, dem Endziel der Wanderung. Die Rückreise erfolgte von Londorf mit der Bahn.

$ Steinbach, 13. Seot. Am Donnerstag, 15. September, kann Heinrich Arnold IV., von Beruf früher Maurer, seinen 8 0. Geburtstag feiern. Der Gesundheitszustand des alten Herrn ist noch so gut, daß er immer noch von früh bis spät tätig sein kann. Vor vier Jahren konnte er das Fest ber Goldenen Hochzeit feiern; seine Ehefrau Caro­lina Sophie, geb. Roth, ist 79 Jahre alt.

#Daubringen, 13. Sept. Unsere Krieger­kameradschaft führt zur Zeit ein öffentliches Scheibenschießen durch. Es wirb auf eine Entfer­nung von 100 Meter mit Wehrmannsbüchse geschos­sen. Bis jetzt ist Schießleiter Heinrich B i e r a u von hier der beste Schütze. Mit 12 Schuß schoß er 140 Ringe.

CO Beuern, 12. Sept. Der hiesige Konsum­verein hielt bei Mitglied Gastwirt Ranft eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der eine Namensänderung des Vereins beschlossen wurde. Entsprechend einem einftimntigen Beschluß führt die Genossenschaft in Zukunft den NamenLand­wirtschaftliche Bezugs - unb Absatzge - nossenschaft Beuern". Direktor Schwalb gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Mitglieder auch fernerhin der Genossenschaft die Treue halten möch­ten und die Genossenschaft auch in Zukunft bie gleich günstige Entwicklung nehme, wie seither. Im weiteren Verlaus wurden noch Fragen ber Saat- gutbeschoffung besprochen. Die Schulkinder unseres Ortes haben sich wieder in den Dienst der Erzeugungsschlacht gestellt. Sie sind gegen­wärtig damit beschäftigt, den von der Gemeinde gebauten und geernteten Flachs in der Gemeinde- scheuer zu rjffeln.

Kreis Alsfeld.

A Alsfeld, 13. Sept. Am Sonntag veranstal« tete ber hiesige G e s ch i ch t s - unb Altertums­verein in Gemeinschaft mit dem Zweigver­ein Alsfeld des VHC. einen Ausflug nach

sofort bie Scheibung ein, bie ausgesprochen wurde, während er noch in Hntersuchungshaft saß.

Er hatte keinerlei Widerspruch erhoben, sondern die Angelegenheit nach Möglichkeit erleichtert. Daß diese Scheidung ihn in ber Öffentlichkeit stark be- lastete, schien ihm gleichgültig zu fein, um fo mehr erbitterte es seinen Onkel, dessen stille Abneigung gegen bie Frau des Neffen sich nunmehr in Haß verwandelte.

Als Geralb zuerst nach Rehwaldau kam, war Friedrich Clemens zu sehr getroffen von dem Ver­lust seiner Familie, zu sehr verbittert durch das Schicksal, um seinen Neffen irgend welche Emp­findungen entgegenbringen zu können. Im Gegen­teil, er mußte zuerst immer ein wehmütiges Gefühl Niederkämpfen, wenn er ihn an hem Platz sah, der eigenttich feinen Söhnen gehörte.

Die Zeit linderte sein Leid, und im gleichen Maß wuchs das Interesse für ben Jungen, ber einmal auf dem altererbten Besitz ber Herr fein würde, und allmählich kamen sich Onkel und Neffe näher. Wenn bas Schicksal ihm auch die Söhne enttissen hatte, so hatte es ihm doch einen würdigen Erben gelassen, davon konnte er sich von Jahr zu Jahr mehr überzeugen.

Die Heirat mißbilligte er, aber er versuchte nicht, sie zu verhindern. Er wußte, Gerald war von seiner Art, und was die Heßlings sich einmal in den Kopf gesetzt hatten, das kämpften sie durch. Unb es war mehr, um Gerald aufzurütteln, als um ihm Schwie­rigkeiten zu machen, daß er ihm das Geld ver-- weigerte; nach ein paar Tagen hätte er es doch gegeben.

Da kam dieser Zwischenfall. Seine Wunde war nicht tödlich, nicht einmal schwer. Aber bei seinem Alter mußte man vorsichtig fein, unb es dauerte fast vier Wochen, bis er erfuhr, daß fein Neffe in Hntersuchungshaft faß und Carola bie Scheidung ein gereicht hatte. Er regte sich derart auf, daß man mehr für feine Gesundheit fürchtete als unmittelbar nach dem Schuß, und trat sofort auf das entschie­denste für seinen Neffen ein.

Friedrich Clemens wußte, was der Verrat ber geliebten Frau für diesen Mann bedeutete, auch ehe Gerald ihm sagte, daß er sofort nach Erledigung des Falles Europa für immer verlassen wollte.

Der alte Clemens hatte bisher Carola geduldet, weil fein Neffe sie liebte. Daß ihn diese Frau jetzt wieder in die Einsamkeit zurücksinken ließ, ihm den Nachfolger verjagte, den er längst als Sohn be- ttachtet hatte, das war es, was seine Abneigung in offenen Haß verwandelte.

(Fortsetzung folgt!)