Ausgabe 
14.9.1938
 
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Nr. 215 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 14. Septemberi938

Aus der Stadt Gießen.

Altweibersommer.

Er steht zwischen den Jahreszeiten, der Altweiber­sommer. Wie ein letztes Aujglühen der sommerlichen Herrlichkeit ist die Schönheit seiner Tage, die doch schon die stille Melancholie herbstlichen Vergehens in sich trägt. Der Altweibersommer kommt plötzlich, als würde er beseelt vom Feuer jugendlicher Ve- schwingthtzit, und er vergeht wie ein leise verklingen­des Lied, dessen letzte Takte zu einem neuen be­wegten Spiel überleiten.

Es sind die Tage, die mit Nebelschwaden am frühen Morgen beginnen, gegen die das Himmelslicht sieghaft anzukämpfen sucht. Milchig-weiß steht die Sonne hinter den Schleiern, während die Fluren im feuchten Dunst liegen. Je mehr das Sonnenlicht sich Geltung verschafft, um so strahlender erhebt sich der junge Tag, der mit seiner Farbe und seinem Geruch der Reife alle Sinne zu betören vermag. Lockt er nicht unwiderstehlich hinaus? Läßt er nicht gleich Vorstellungen wach werden von herrlichen Ausflügen? Wohin der Blick geht, zeigt sich die Natur noch einmal in ihrem schönsten Kleide, in einem Kleide allerdings, an dem die ^glänzenden Spinnfäden haften.

Diese Spinnfäden sind das Wesensmerkmal des Altweibersommers. Von ihnen sind am Morgen die Stoppelfelder und Wiesen in erstaunlicher Menge überzogen. Sie hängen im Blattwerk der Bäume und Sträucher, sie fliegen tagsüber durch die Luft, sie setzen sich ins Haar des Spaziergängers und sind überall zu finden, wohin der Fuß sich auch wenden mag. Dieses feine weiße Gewebe ist das Erzeugnis kleiner Feldspinnen, die sich samt ihren Fäden vom Winde treiben lassen, weshalb der Volksglaube in ihnen früher das Gespinst von Elfen und Zwergen oder von Schicksalsgöttinnen zu sehen glaubte. Da diese kleinen Spinnen nur bei gutem Wetter spinnen, steht die Erscheinung der Spinnfäden tatsächlich im Zusammenhang mit den schönen Tagen, die den Namen Altweibersommer tragen.

In Bayern heißt der Altweibersommer Aehnl- summer, und in der Schweiz nennt man ihn Witwen- sömmerli. Alle Bezeichnungen vergleichen diesen kurzen, aber schönen Zeitabschnitt also mit später Frauenliebe. Wie es damit aber auch bestellt sein mag, sicher ist, daß diese flüchtigen Tage noch einmal alle Schönheit des Sommers hervorzaubern, ehe der Herbst endgültig feine Herrschaft antritt. Ji.W.Sch.

Dornotizen.

Tageskalender für NMlwoch.

Gloria-Palast, Seltersweg:Diskretion Ehren­sache". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Verwehte Spuren".

NSDAP. Amt für Aolkswohlfabrt.

Gießen-Nord.

Am Dienstag, 13. September, und Mittwoch, 14. September, wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord der Lebensmittelopferring durchge- führt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfund­päckchen bereitzulegen und den Inhalt auf die Um­hüllung zu schreiben.

Gießen - Ost.

Die Sammlung wird Mittwoch, 14. September, und Donnerstag, 15. September, von der NS.-- Frauenschaft durchgeführt. Die Spende wird öem' HilfswerkMutter und Kind" zur Verfügung ge­stellt. Es wird deshalb um reichliche Zuwendungen gebeten.

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 2. bis 8. September ein: gegen Kraft­fahrzeugführer mit 4 Anzeigen und 9 Verwar­nungen'und Belehrungen; gegen sonstige Fahrzeug­führer mit 1 Anzeige; gegen Radfahrer mit 2 An­zeigen und 13 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Fußgänger mit 1 Anzeige und 1 Verwar­nung und Belehrung.

Reitersiandarte 147 unter neugeweihter Standarte.

L -AM

Die Rückkehr der SA. der Brigade 147 von Nürnberg gestaltete sich gestern vormittag wir berichteten gestern bereits kurz darüber zu einem eindrucksvollen (Ereignis. Zahlreiche Volksgenossen hatten sich am Bahnhof eingefunden, um Zeuge des Aufmarsches der SA. zu sein. Kaum war der Zug im Bahnhof einge­fahren, da bestimmte auch schon die braune Uniform der SA. das Bild. In Marschdisziplin verließen die Männer den Bahn­steig und formierten sich dann auf dem Bahnhofs­vorplatz

Der Musikzug der SA.- Standarte 116 setzte sich an die Spitze, und unter Führung von Brigade­führer Schwarz be­gann nun der Marsch in die Stadt. Den Fah­nengruppen und der stattlichen Marschkolonne wurde neben den Stan­dartenWetterau" und Vogelsberg" erstmalig auch das durch den Füh­rer in Nürnberg ver­liehene und neugeweihte Feldzeichen der Reiter­standarte 147 vorausge­tragen. Der Marsch führte zunächst zum Standarten­hof in der Senckenberg­straße, wo die Standarte Wetterau" und die Fah­nen der Standarte 116 in den Fahnensaal ein- gebrgcht wurden.

Auf dem Landgraf-Philipp-Platz hatten sich wäh­renddessen die Kameraden des hiesigen SA.-Reiter- sturyis zu Pferde eingefunden. Sie ritten nun an die Spitze der Marschkolonne, nahmen das neue Feldzeichen zu Pferd, und nun wurde der Marsch fortgesetzt, der jetzt zum Wetzlarer Weg vor das Haus der Reiterstandarte 147 führte. Hier hielt Brigadeführer Schwarz eine kurze Ansprache, die er insbesondere der neugeweihten Standarte und

dem Reitersturm widmete. Er erinnerte an die Be­rührung des Tuchs der Standarte mit der Blut­fahne der Bewegung und wies auf die hohe, heilige und immerwährende Verpflichtung hin, die den SA.-Reitern mit der Verleihung des neuen'Feld­zeichens auferlegt sei. Mit der Einbringung her Standarte fand in üblicher Weise der Schlußappell sein Ende.

Verdunkelungsübungen überall im Reich

Wichtige Richtlinien zur sorgsamen Beachtung.

DNB. Von zuständiger ©eite wird mitgeteilt: Für die in nächster Zeit' überall in Deutschland überraschend zu erwartenden Verdunklungsübungen ist folgendes zu beachten:

Die Verdunklung ist so durchzuführen, daß Wirt­schaftsleben und Verkehr nicht unterbrochen werden. Sie ist so vorzubereiten, das sie jederzeit wirksam werden kann, sobald ihr Beginn durch die Polizeibehörden bekanntgegeben ist. Die Ver­dunklung ist ein Dauerzustand, der sich auf mehrere Nächte erstrecken kann. Die häufig ver­tretene Ansicht, daß die Verdunklung erst bei Flie­geralarm vollständig zu sein braucht, ist irrig.

Berkehröbeleuchtung.

Während der Verdunklungsübung wird die öffent­liche Straßenbeleuchtung gelöscht. An wichtigen Ver­

kehrspunkten bleiben abgeschirmte und abgeblendete Richtleuchten in Betrieb. Die Beleuchtung von Ver­kehrs- und Warnzeichen, Hinweisschildern und Halte­stellensäulen ist so herabzusetzen, daß diese Licht­quellen nur auf eine Entfernung' von 500 Meter sichtbar sind. Signale an Land- und Wasserstraßen, die auf größere Entfernung sichtbar sein müssen, sind gegen Sicht aus der Luft abzuschirmen, so daß sie nur in der verkehrstechnisch notwendigen Blick­richtung zu erkennen sind. Die zur Kennzeichnung von Bauarbeiten und ähnlichen Gefahrenquellen auf Straßen verwendeten roten Laternen sind ebenfalls gegen Fliegersicht abzuschirmen. Der Bevölkerung wird geraten, die Benutzung von öffentlichen Stra­ßen im eigensten Interesse und im Interesse der Sicherheit und Ordnung auf das notwendigste Maß zu beschränken.

ÄerkehrSmittelbeleuchtung.

Bei sämtlichen Kraftfahrzeugen, Straßenbahnen, Fahrrädern und Fuhrwerken sind sämtliche Außen- lichtquellen mit Verdunklungsvorrichtungen zu ver­sehen. Die Scheinwerfer von Kraftfahrzeugen und Straßenbahnen sind so abzudecken, daß nur ein wagerechter, 58 Zentimeter langer, 1,5 Zentimeter breiter Ausschnitt das Licht durchläßt. Bei Fcchr- radscheinwerfern . ist der Lichtaustritt auf einen wagerechten Schlitz von 4 Zentimeter Länge und 1 Zentimeter Breite zu 'begrenzen. Mit den Der- dunklungsvorrichtungen fahren Kraftfahrzeuge auf freier Landstraße mit Fernlicht, in geschlossenen Ortschaften mit abgeblendetem Licht. Schluß- und Bremslichter sowie sonstige Beleuchtungsvorrich­tungen sind so abzublenden, daß sie nur auf eine (Entfernung bis zu 500 Meter sichtbar sind. Die Fahrtrichtungsanzeiger ^sind auch während der Ver­dunklung zu benutzen. Bei öffentlichen Verkehrs­mitteln sind Nummern- und Zielschilder so schwach zu beleuchten, daß sie nur auf eine (Entfernung von 10 bis 15 Meter lesbar find. Nicht in Fahrt befindliche Verkehrsmittel (außer Fahrrädern) müs­sen auf öffentlichen Wegen vorn und hinten durch eine abgeblendete Lichtquelle kenntlich sein Bei Wasserfahrzeugen dürfen nur die Positions- und Ankerlichter in Betrieb bleiben, die aber gegen Sicht aus der Luft abzuschirmen sind.

Sonstige Auhenbeleuchtnng.

Lichtreklamen, Normaluhren sowie die Schau­fensterbeleuchtungen und jede sonstige, nicht zur Durchführung dringender Arbeiten im Freien not­wendige Beleuchtungen werden während der Ver­dunkelung gelöscht. Die notwendigen Lichtquellen sind so abzuschirmen und abzublenden, daß aus der Luft keine auffälligen Lichterscheinungen wahrzu­nehmen sind. Bei Außenarbeiten mit größerem Lichtbedarf oder Hellen Lichterscheinungen, z. B. Schweißarbeiten, müssen die Arbeitsstellen durch die Zelte oder ähnliche Maßnahmen lichtdicht abgeblen­det werden. Taschenlampen usw. dürfen nur abge­blendet benutzt werden. 1

Lnnenbeleucktuna.

In Räumen, in denen nur schwache Helligkeit zum Zurechlftnden notwendig ist, wie Flure, Treppen­häuser, Lagerräume, Aborte usw., ist zweckmäßig die Jnnenbeleuchtung zu verdunkeln. Die Helligkeit der Jnnenbeleuchtung ist in diesen Fällen soweit herab­zusetzen, daß keine aus der Lüft wahrnehmbare Lichterscheinungen ins Freie dringen können. Dies kann durch Herabsetzen j)er Stromspannung, Ver­wendung von Glühlampen und Glühkörpern ge­ringerer Lichtleistung oder von besonderen Luftschutz­glühlampen, durch Umhüllen der Lichtquellen mit lichtdämpfenden Abblendemitteln, schließlich durch Abschirmen der Lichtquellen erreicht werden. Hierbei sind helle Lichtflecke auf dem Fußboden oder an Wänden in Nähe der Fenster zu vermeiden.

In Räumen mit größerem Lichtbedarf sind die Fenster und Oberlichter so abzublenden, daß kein Licht ins Freie dringt. Hierfür können Klapp- untt Rolläden, Zug- oder Rollvorhänge aus Holz, Ge­webe, Papier oder anderen Stoffen verwendet wer­den. Häufig wird es zweckmäßig sein, nur die ein­zelnen Fensterflügel abzudecken und die hierfür verwendeten Blenden während der Verdunkelungs­übung ständig an den Oberflügeln der Fenster zu belassen. Es empfiehlt sich, die Blenden nach Zim­mer und Fenster zu bezeichnen.

Bei industriellen Arbeitsräumen mit großen Fen­sterflächen und zahlreichen Oberlichtern ist das An­bringen von Verdunkelungsoorhängen oder ähn­lichen Vorrichtungen aus technischen und wirtschaft­lichen -Gründen vi'elfach nicht, möglich. Bei stärk­ster Einschränkung der allgemeinen Raumbeleuch­tung ist in solchen Fällen abgeschirmte Einzelbe­leuchtung der Arbeitsplätze zu empfehlen. Die Erfor­dernisse der Verdunkelung müssen hierbei mit einer möglichst geringen Beeinträchtigung der Arbeits­fähigkeit in Einklang gebracht werden.

Bei Türen, die aus beleuteten Jnnenräumen un-

Ereignis ans drei Türen.

Don Dr. Hans Arthur Thies.

Soeben sind die R e i ch s k l e i n o d i e n aus Wien nach Nürnberg zurückgekehrt. Im Jahre 1936 wurde der weltberühmte Wel - fen schätz aus Amerika, wohin er verkauft worden war, auf Veranlassung des Führers zurückgeholt. Im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen kommt den Veränderungen in der Münchener Residenz, von denen im folgenden berichtet wird, erhöhte Be­deutung. \

Nur wenige Orte gibt es in jedem Land, wo auf gedrängtem Raume der Schatz der völkischen Ge­schichte wie in einem Strahlenbündel zu leuchten beginnt und fein Licht nach allen Seiten streut. In Deutschland etwa die Schatzkammern der Hof­burg in Wien, das Grüne Gewölbe in Dres­den, der Welfen schätz in Berlin, jetzt in Nürn­berg und erst jetzt, seit der Erschließung von Teilen, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugäng­lich waren die Münchner Residenz.

Drei Türen vor allem sind es (wenn wir von einer Reihe andrer neuaufgestellter Dinge von höch­stem historischen Belang hier absehen wollen), deren Oeffnung getrost ein (Ereignis genannt werden darf. Daß sie aufgetan wurden, ist dem Ministerpräsi­denten von Bayern zu danken; Ludwig Siebert gab seine Zustimmung zu den Plänen, die ihm der neue Direktor der Residenz, Dr. Heinrich Kreisel, unterbreitete, und ermöglichte die Vollendung der umfangreiche Arbeiten in der verhältnismäßig kur­zen Zeit von zwei Jahren. Es sind die letzten Räume, die zu öffnen übrig blieben, und diese End­glieder bilden den krönenden Abschluß des Ganzen.

Die erste Tür führt uns in dieGeheime Kam­merkapelle" Maximilians I., die jetzt mit Recht die Reiche Kapelle" genannt wird. Bis zum vo­rigen Jahr eine verschlossene Stapelkammer der kirchlichen Hausschätze der Wittelsbacher, hätte die mit den gehorteten Gegenständen überfüllte Kapelle schon aus Sicherheitsgründen nie gezeigt werden können; so wurde denn für jene ein besonderes, mit allen erdenklichen Schutzmaßnahmen behütetes Gelaß eingerichtet, dieSchatzkammer der Reichen Kapelle". Diese Kapelle selber aber wurde mitsamt ihrer Ausstattung, so der kostbaren Orgel, dem ge­heimnisvollen Heiltums-Schrank und den Prunk­schreinen mit den schneeig schimmernden Kristall­schnitten, zu dem erstaunlichen Raumkunstwerk aus­gebildet, das sie nach ihrer Instandsetzung wieder darstellt. Kurfürst Maximilian L, der früheste leiden­

schaftliche Dürer-Sammler, ließ die Wände in Scagliola-Technik malerisch verwendetem Stuck­marmor mit Darstellungen aus Dürers Marien- leben ausstatten, und dieser Wandschmuck nun gibt dem Raum eine Weite und Blickfreiheit, daß man sich immer wieder aufs neue durch messende Schritte überzeugt, wie begrenzt er doch eigentlich ist. Zu­letzt aber wird der Blick hinangezogen und hinauf­gerissen in die steile Höhe der Kuppel, und die Be­trachtung steigt aus engstem Raume in die Unend­lichkeit auf.

Ganz anders ist der Geist, der uns beim Durch­schreiten der zweiten Türe empfängt: es ist der Geist der Erde, das Reich dieser Welt, der Glanz und das Gefunkel irdischer Macht, die uns erwarten. Die niedern Gewölbe dieser weltlichen Schatz­kammer sind nur spärlich erhellt; aber an den Wänden, in den gläsernen Schreinen, klettert das Licht gleichsam die Glasfächer hurtig hinan, als wollte es in atemloser Eile mit dem Glanz der Kronen und Geschmeide, der Bergkristalle und Po­kale wetteifern. Was für Ereignisse, was für ein Gewicht an Geschichte trägt dieser Raum! Dinge tragen leicht an der Last des Gewesenen; fortft würde dieser Boden einbrechen. Dort liegen die Kronen der einstigen Könige und Königinnen von Bayern. Jener wundersame St. Georg, schimmernd von Gold und Glasfluß, funkelnd von Smaragden und Rubinen, war das mystische Kleinod des St.- Georg-Hausordens der Wittelsbacher. Die edelstein- befäten Dolche dort stammen aus der Beute des Türkensiegers Max Emanuel, der dem Prinzen (Eugen Waffenhilfe leistete. Das Fränkische Schwert trug der Würzburger Fürstbischof; ihm allein war es unter den geistlichen Fürsten Vorbehalten, ein Schwert zu führen, seit ihn Friedrich Barbarossa als Herzog von Franken bestätigte. So geht es Schritt um Schritt weiter hinab in die Tiefe der Zeiten, und wir könnten lange erzählen von Dingen, die Geschichte sprechen ...

Aber schon öffnet sich die dritte Tür. Schwer wälzt sich der Stahlblock von dem (Eingang fort, und man härt von Sicherheitsvorkehrungen reden, wie sie sonst nirgends in dem weitläufigen Schlosse zu finden sind. Hier in derSchatzkammer der Reichen Kapelle" wird der Atem leise und das Wort verstummt. Sie verwahrt einige der weihevollsten Erbstücke, die der deutsche Lebensraum birgt. Ein volles Jahrtausend deutschen Kunsthand­werks ist hier gesammelt; das Barock, die Renais­sance diese vor allem mit neuerkannten Augs­burger Goldschmiedearbeiten, die Gotik sind mit beispielhaften Zeugnissen vertreten; die letzte Höhe aber wird erreicht in den Schautümern aus dem romanischen Zeitalter. Zwischen dem Kreuz der Kö­

nigin Gisela von Ungarn, das ein Goldschmied kurz nach dem Jahre 1000 schuf, und dem Gebetbuch Kaiser Karls des Kahlen erhebt sich ein ehrwürdiger Gegenstand voll,Glanz und Ernst, voll Kostbarkeit und Strenge. Als Kaiser Arnulf sich diesen Trag­altar bei den berühmten Goldschmieden von St. Denis bestellte, schrieb man noch nicht das Jahr 900 wir erwägen, daß die ältesten Stücke des Welfenschatzes, das Kuppelreliquiar und der Ger- trudis-Tragaltar, nur bis ins 11. Jahrhundert zu­rückreichen. Mächtiger noch als das Alter aber rührt uns die reine Form an. Was die Goldschmiede des 9. Jahrhunderts in diesem Tragaltar schufen, ist .gleichsam ein Inkarnat des romanischen Form- 'gefüges, ein Goldkristall jener einfachsten Grund­formen, aus denen der deutscheste Baustil hervor­ging; hier ist heiliger Bezirk des frühen deutschen Mittelalters.

Dieses ehrwürdige Stück stand zusammen mit andern vor mehr als hundert Jahren in Gefahr, in die Münze zu wandern und dort zu Dukaten­gold eingeschmolzen zu werden. Daß der ideal ge­sinnte Kronprinz, später Ludwig I., damals allen Einfluß und alle Mittel aus feiner Privatschatulle aufwenden mußte, um das Wertvollste vor schmäh­lichem Untergang zu retten, will uns heute un­begreiflich erscheinen. Denn wir leben in einer Zeit, der ein neuer Sinn, ein neuer Auftrag ein­geboren ist: alles Hohe und Heilige der Ahnen wieder einzuholen rief doch der Führer selber im Jahre 1936 auch den Welsenschatz aus Amerika zurück und uns daran gleichsam ihres großen Atems frisch zu bemächtigen. Die Oeffnung der Schatzkammern der Münchner Residenz liegt im Verzüge dieser Bemühungen Der Weg zu ihnen ist ein Weg zu uns selber, und die Aufschließung der drei Türen ein (Ereignis der völkischen (Erneuerung unserer Tage.

Zeitschriften

lieber die Abwehr der Tuberkulose im Kindes­alter bringt das neue Heft der ZeitschriftMut­ter und Kind" (Verlag Elwin Staude, KG., Berlin W 30, und Osterwieck am Harz) einen lehr­reichen Beitrag. Auch der übrige Inhalt des Sep­temberheftes ist interessant und lehrreich.Mein Kind ist ein Brustkind",Ersatz für Obst",Gesunde und ungesunde Kinderspiele",Abhalten oder nicht", Lass' deine Kinder Fragen stellen",Woher kommt unser schönstes Spielzeug" usw., das sind Beiträge, die jede junge Mutter und alle, denen die Pflege eines Säuglings oder Kleinkindes obliegt, gern lesen werden. Wie immer ist auch das neue Heft reich bebildert.

Afrikanisches Iagdparadies.

Die Verhältnisse im afrikanischen Jägerparadies haben sich dadurch sehr geändert, daß an die Stelle derSafari", der schwerfälligen alten Karawanen­reise, das bewegliche Auto getreten ist. Wie leicht dadurch das Großwild zugänglich geworden ist, schildert sehr anschaulich ein englischer Säcjer. Früher war es der Ehrgeiz jedes Jägers in Afrika, einen Löwen zu töten, und sicher war es in den Tagen, in denen man ihn zu Fuß in dem Buschlande auf­suchen mußte, mit manchen aufregenden Augen­blicken verknüpft. Heute, wo man mit dem Kraft­wagen kommt, ist es leicht, Löwen zu sehen, die so sehr daran gewöhnt sind, daß es die einzige Schwierigkeit ist, wie man sie dazu bringt, aus dem Wege zu gehen. Das Schießen vom Wagen aus ist streng verboten. Es geschieht heute viel, es den Besuchern leicht zu machen, so daß sie Großwild, wie Elefanten, Rhinozerosse und Büffel, in aller Bequemlichkeit und Sicherheit sehen können. (Ein1 unternehmender Mann in Nyeri hat Hochsitze in Bäumen gebaut, von denen aus die Besucher nicht nur Elefanten und Rhinozerosse, sondern auch Giraffen, Antilopen und manchmal auch Löwen beobachten können.

Es gibt zwei große Wildschutzgebiete \n Ostafrika, von denen das eine sich an der Eisenbahn zwischen Nairobi und Mombasa hinzieht. Da kann man vom Eisenbahnsenster aus Herden von Zebras, Gnus, Gazellen und alle möglichen anderen Tiere sehen. Während früher die Safari dreißig bis hundert Träger erforderte, braucht man heute ein Auto und ein paar Lastkraftwagen. Die große Gefahr beiin Jagen im dichten Busch ist immer das unge­schlachte Rhinozeros gewesen, und wenn ein solches Tier auf eine Trägerkette traf, dauerte es nur Augenblicke, bis jeder Träger auf den nächsten Baum geklettert war. Daß ein Rhinozeros ein Auto angegriffen hätte, hat der Jäger jedoch noch nicht erlebt, aber wenn es sich in den Weg stellt, wird es immer ein schweres Hindernis sein. Das gefährlichste Tier in Kenia ist aber doch der Ele­fant, und nach ihm kommt gleich der Büffel. Die Elefanten find so viel intelligenter als andere Tiere, daß sie sich bald darüber klar sind, was ein Schuß bedeutet, und statt daß sie fortläuft, wird eine wildgewvrdene Herde einen Angriff in der Rich­tung machen, aus der der Schuß gefallen ist. In den Bambuswäldern an den Abhängen des. Kenia hielt sich gewöhnlich eine Elefantenherde aiif, die einen ganz besonders bösen Ruf in dieser Bezie- hung hatte. Das meiste Großwild wird nur an­griffslustig, wenn es verwundet ist, aber einer Elefantenkuh kann man niemals trauen. B.