Ausgabe 
14.9.1938
 
Einzelbild herunterladen

Amerika in Waffen.

Don Otto Eorbach.

Die Zeiten, wo der Durchschnittsbürger der Ver­einigten Staaten von Nordamerika Fragen der Wehrkraft und Landesverteidigung nur geringes Interesse entgegenbrachte, sind unwiederbringlich dahin. Einst glaubte man im Schutze zweier Ozeane, auf die militärischen Anstrengungen europäischer Völker, ihr gegenseitiges Säbelrasseln und Wett­rüsten, als Restemittelalterlicher Barbarei" herab­sehen zu können. Im eigenen Heerwesen sah man fast eine müßige Spielerei, eine Einrichtung, die allenfalls den Nutzen hatte, jugendliche Raufbolde und Taugenichtse einer heilsamen Disziplin zu unter­werfen oder im Bedarfsfälle für den inneren Frie­den zusätzliche Polizeikräfte abzugeben. Aehnlich sah man in der eigenen Kriegsflotte nur eine Art See­polizei, für außenpolitische Zwecke nur brauchbar, übelwollenden ibero - amerikanischen Regierungen Schrecken einzuflößen.

Der Krieg mit Spanien 1898 änderte kaum etwas an dieser Auffassung. Zu leicht war der Sieg, den man über eine verkümmerte europäische Kolonial­macht errang. DenBoxerkrieg" 1900 machte man mehr zum Schein mit, stets darauf bedacht, zu den europäischen Kolonialmächten Abstand zu halten, und den friedfertigen Charakter amerikanischer Fern­ostpolitik demonstratio zu offenbaren. In den Welt­krieg ließ man sich hineinziehen, weil man wähnte, von der Vorsehung berufen zu sein, die Kulturvölker vomMilitarismus" als einem Erbübel der Alten Welt zu erlösen und den ganzen Erdkreis für eine, den dauernden Frieden verbürgende Demokratie sicher zu machen". Als die Art und Weise, wie Präsident Wilson bei den Friedensverhandlungen von denAlliierten" genasführt wurde, grausam enttäuschte, zog sich Onkel Sam schmollend auf seine panamerikanischen Angelegenheiten zurück, in der Hoffnung, nunmehr in glänzenderIsolation" den Händeln anderer Erdteile wirklich fernbleiben zu können.

Erst die große Weltwirtschaftskrise brachte eine endgültige Ernüchterung. Man machte die schmerz­hafte Erfahrung, daß gerade das unerhörte Glück Amerikas als Kriegsgewinnler fein Wirtschaftsleben zum Seismographen machte, der jegliche Gleich­gewichtsstörung in irgendeinem Winkel der Erde anzeigte. Da die Versuche, solche Gleichgewichts­störungen mit Worten zu beschwören, immer wieder kläglich scheiterten, erwachte man zu der bitteren Er­kenntnis, daß die großen Ozeane aufgehört hatten, trennende Schranken zu bilden und daß man fich aus allen Kräften stark und immer stärker machen müsse, um bei allen Entscheidungen das eigene Gewicht mit in die Waagschale werfen zu müssen. Senator Borah sprach 1930 die Be­fürchtung aus, daß die Union sich bald genötigt sehen würde,dem Durchschnittsbürger eine solche Angst vor überseeischen Gefahren einzuimpfen, daß er nicht ruhig schlafen fönne, solange er sich nicht durch eine Flotte geschützt wisse die jeder denkbaren Gruppie­rung fremder Seestreitkräfte überlegen wäre". Nicht nur geschieht das heute in überreichlichem Maße, sondern man ist aus dem besten Wege, dem Volke der Vereinigten Staaten eine kriegerische Reizbarkeit gegenüber Vorgängen in andern Erdteilen anzuerziehen, die den Frieden der Neuen Welt wirklich nicht im geringsten zu stören brauchten.

Einst prägte Präsident Harbin g das Wort von der Flotte der Union alsAmerikas großer Mauer". Ihre Hebungen galten vorwiegend dem Zweck, den Panamakanäl und die pazifische Küste Nordameri­kas zu schützen. Auch die großen Flottenmanöver, die in diesem Jahre zwischen dem 15. März und 28. April abgehalten wurden, fanden im Pazifi­schen Ozean statt, aber in einem Raume von 33 Millionen Quadratkilometer zwischen der Küsten­linie von Panama bis hinauf nach Alaska, der Kette der Aleuten, den Hawaiischen Inseln und den amerikanischen Aequätorialinseln, einschließlich Can- ton unb Enderbury. Der ganze Verlauf der Manö­ver drückte den Grundsatz aus, daß die beste Deckung der Hieb. ist. Damit aber im Volke der Vereinigten Staaten ja nicht das Gefühl aufkomme, daß es sich nach der atlantischen Seite hin verhältnismäßig sicher fühlen dürfe, sollen sich in Kürze Flotten­übungen entsprechenden Ausmaßes im Atlantik abspielen.

Die strategischen Probleme, die die Manöver im Pazifik aufrollten, wurden von der amerikanischen Presse in einer Breite und mit einer Gründlichkeit erörtert, die in früheren Zeiten undenkbar gewesen wären. Kaum hatte das öffentliche Interesse dafür nachgelassen, als die in diesem Monat beginnenden großen Land - und Luftmanöver im Süd­westen der Union, also im Raum von Kali­fornien und Texas, in den Spalten der Presse ihren Schatten vorauswarfen. Es wirb darauf hingewie­sen, daß es sichum bie größte Truppen-Konzentra- tion und die ausgedehntesten Friedensübungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten" handele. 30 000 Mann sollen allein um St. Antonio zusam­mengezogen werden, um in dieser Gegend drei Wo­chen lang ihre Kriegsspiele abzuhalten. .Andere größere Truppenmassen sollen an verschiedenen Stellen längs der Südwestgrenze, vom Mississippi bis zum Pazifik, zusammengezogen werden.

Das Interesse der amerikanischen Oeffentlichkeit gilt aber weniger der Stärke der an den Manövern beteiligten Truppen, als den gewaltigen Verän­derungen, die in der Wehrmacht vor sich ge­gangen sind.Ein Veteran von St Mihiel oder den Argonnen", meinen New Port Times,würde kaum manche der Einheiten roiebererfemrfn, die bei den kommenden Hebungen in Aktion treten werben." Während des Weltkrieges waren die amerikanischen Divisionen große und' schwerfällige Einheiten von ungefähr 22 000 Mann. Versuche, die im vorigen Jahre mit kaum halb so großen Divisionen angestellt wurden, brachten vielen Ofsizieren die Heberzeu- gung bei, daß bei der fortschreitenden Motorisierung der Truppen eine Division von nur 10 000 > Mann bei größerer Beweglichkeit und stärkerer Mechani­sierung den Anforderungen eines modernen Krieges besser entsprechen würde. Die Manöver werben reichlich Gelegenheit geben, diese Erfahrung neu .zu erproben.

Besonderes Gewicht soll auf das Zusammen­wirken zwischen den Landtruppen und den Luftstreitkräften gelegt werden. Die Schnel­ligkeit der Flugzeuge hat sich seit dem großen Kriege verdoppelt,fliegende Festungen" traten in Erschei­nung, Bomber großen Umfangs mit schwereren und vernichtenderen Bomben, als man je für möglich gehalten hatte. Jagdflugzeuge mit einer Geschwindig­keit von 480 Kilometer in der Stunde. Ein Arme'e- führer braucht nicht mehr durch Reiter den Stand­ort feindlicher Truppen auskundschaften zu lassen. Selbst in den Fällen, wo solche von den Fliegern nicht gesichtet werden verrät sie die B'ldanfnahme aus der Luft.

Trotzdem treten bei den ManövernKavallerie-

Rekognoszierung-Schwadronen" in Tätigkeit. Sie bestehen aus je 15 Offizieren und 195 Mann. Eine jede gehört einer der verkleinerten Versuchs-Divi­sionen an. Eine solcheSchwadron" ist aber nicht beritten, sondern verfügt über besonders leistungs­fähige, schnellfahrende Kraftwagen, in denen sie mit dem Wagemut herkömmlicher Reiterscharen als Kundschafter und Stoßtruppler der Division weit vorauseilen. Jeder Wagen ist mit 30 bis 40 Ma­schinengewehren ausgerüstet. Um das Gewicht zu verringern, verzichtete man auf das Verdeck, legte aber um so mehr Wert auf Schutzausrüstung gegen Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Auf langen Märschen ist die Schwadron der Division ost zwei bis drei Tagesmärsche voraus. Jeder Wagen hat eine Funkeinrichtung, so daß alle Beobachtungen prompt den betreffenden StabsguarUeren übermit- ielt werden können. Solche Schwadronen haben frei­lich gegenüber der Kavallerie alten Stils eine Schwäche: sie können bei heftigen Regenfällen über aufgeweichtem, schlammigem Gelände nicht wirksam operieren. Eine andere neue motorisierte Einheit bildet das sogenannteantimechanische Ba­ta i l l o n", das aus fliegenden Stabsquartieren und drei Batterien 37-mm-Geschützen besteht. Diese Geschütze sind technisch so entwickelt, daß sie im­stande sind, die schwersten Tanks außer Gefecht zu setzen und einen heftigen feindlichen Tank-Angriff zum Stehen zu bringen.

Es wird bei den Manövern wenig marschiert werden. In Lastkraftwagen auf Bänken sitzend, wer­den die kämpfenden Mannschaften rasch von Ort zu Ort bewegt werden. MotorisierteSchattenriß"- Maschinengewehrträger sind so eingerichtet, daß sich

Aus der Geschichte des Gordon-Vennett-Rennens.

In diesen Tagen wird in Lüttich zum 26. Mal das Gordon-Bennett-Rennen der Frei­ballone gestartet, der bedeutendste internationale Wettbewerb für Freiballone. Die Geschichte der Gordon-Bennett-Wettfahrt der Freiballone reicht erst 33 Jahre zurück. Als im Jahre 1905 der Inter­nationale Luftsportverband, die F£d6ration Aero- nautique Internationale, gegründet wurde, stellte James Gordon-Bennett, der Herausgeber der amerikanischen TageszeitungNew Port He­rold" dem Verband einen Preis von 50 000 Fran­ken zur Verfügung, um damit den sportlichen Frei­ballonfahrern einen materiellen und ideellenAuf­trieb" zu geben. Die auch heute noch geltenden Be- timmungen des Wettbewerbs waren deutlich und klar: Sieger des alljährlichen Rennens um den Wanderpreis sollte derjenige Teilnehmer sein, der mit einem Freiballon die längste Fahrt zurückge- legt hat, gemessen in der geraden, den Startort mit dem Landungsort verbindenden Luftlinie. Für den Fall, daß eine Nation dreimal hintereinander den Sieger im Wettbewerb gestellt hat, soll der Pokal in das Eigentum des Aeroklubs des betreffenden Landes übergehen.

Sechs Sieger-Nationen in 25 Rennen

Der Gorbon-Bennett-Preis wurde zum ersten Male von Paris aus am 20. September 1906 ausgetragen. Da der Weltkrieg in den Jahren 1914 bis einschließlich 1919 eine Durchführung des Ren­nens unmöglich machte und auch 1931 kein Rennen zuftandekam, sind bisher 25 Gordon-Bennett-Fahrten durchgeführt worden. Die Sieger dieser Wettfahrten teilen sich unter nur sechs Nationen auf, und zwar stehen die Vereinigten Staaten von Ame­rika mit zehn Siegen an der Spitze, davon sechs in ununterbrochener Reihenfolge in den Jahren 1926 bis 1932. Es folgt dann Belgien mit sieben Siegen, Polen mit drei, Deutschland und die Schweiz mit je zwei und Frankreich mit einem Sieg.

Der erfolgreichste / Gordon-Bennett-Fahrer ist der Belgier Ernst Demuyter mit sechs Siegen in den Jahren 1920, 1922, 1923, 1924, 1936 und 1937; ihm folgt der Amerikaner van Orman mit drei Siegen. Deutschland siegte in den Wettfahrten der Jahre 1907 und 1911 durch Erbslöh und Goericke. Der Startort des Wettbewerbes, der stets von dem -Sieger des vorjährigen Rennens be­stimmt wird, lag achtmal in Amerika, sechsmal in Belgien, dreimal" in Polen und zweimal in Deutsch­land (Berlin und Stuttgart). Die längste Strecke wurde von dem Franzosen Bienaime 1912 von Stuttgart aus mit 2191 Kilometer zurückgelegt, während die längste Fahrdauer der deutsche Frei­ballonfahrer Dr. Kaulen (Elberfeld) erreichte, der 1913 volle 87 Stunden in der Luft blieb.

Um den fünften Pokal.

Der Pokal dieses Wettbewerbes ist schon längst nicht mehr der von Gordon-Bennett gestiftete. Dieser Pokal ging satzungsgemäß 1924 in den Besitz des Aeroklubs von Belgien über, nachdem die Belgier dreimal hintereinander im Rennen gesiegt hatten. Der Aeroklub von Belgien stiftete dann einen zwei­ten Pokal, der schon 1928 in den Besitz der National Aeronautic Association of USA. über­ging. Den dritten Pokal stiftete Henry Ford, den abermals die amerikanische Luftfahrervereinigung gewann, und zwar im Jahre 1932. Diesmal stiftete dieChicago Daily News" den vierten Pokal, den 1935 der Aeroklub von Polen gewann, was ihn veranlaßte, nun Deinerseits einen neuen Preis zu stiften. Um diesen fünften Pokal geht es jetzt.

zwei Mann auf ihnen in liegender Stellung verhal­ten können, während der eine das Gefährt lenkt, der andere feuert. Hauptquartiere in alten Schlös­sern oder sonstigen festen Gebäuden sind zur Sage geworden; auch die Stäbe sind motorisiert und be­finden sich in fortwährender Bewegung, wobei ihnen die modernsten Radioeinrichtungen ,^ur Verfügung stehen. Schützengräben werden nicht mehr mühsam mit Schaufeln ausgehoben; auch dafür stehen be­sondere Maschinen zur Verfügung. Der Nachschub von Lebensrnitteln und Munition wickelt fich mit ungeahnter Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen Verhältnisse in der Kampfzone ab.

Bei allem Stolz auf solche Spitzenleistungen der Kriegstechnik hütet sich die amerikanische Wehrpro­paganda, den Eindruck zu erwecken, als hielten die Fortschritte der Aufrüstung mit der wachsenden Be­drohlichkeit der Weltlage Schritt. Die hohen Mili­tärs hüllen sich nach jedem Manöver in geheimnis­volles Schweigen und trageh besorgte Mienen zur Schau, als habe vieles nicht geklappt und als habe in mancher Hinsicht zuviel geknausert werden müs­sen. Heber die großen Flottenmanöver und ihr Endergebnis wurde bisher überhaupt fein klarer und ausführlicher amtlicher Bericht ausgegeben; man nährte vielmehr Gerüchte, als könnten die vor­geschobenen Stellungen im Pazifik, im besonderen auf den Hawai-Jnseln, im Ernstfälle nicht behaup­tet werden. In Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um einen geflissentlich zur Schau getragenen Zweck-Pessimismus. Es kommt alles darauf an, für neue Rüstungsforderungen eine günstige Stimmung in den breiten Massen des Volkes der Vereinigten Staaten vorzubereiten.

Neun'Ballone haben diesmal für das Gordon- Bennett-Rennen aemelöet, und zwar je drei bel­gische und polnische Ballone, zwei französische und ein schweizerischer Ballon. Die genaue MeldeUste ist: 1.Maurice Ballet" (Frankreich), Führer: Charles Dolsus; 2.La France" (Frankreich) Mit Jean- Marie Crombez; 3.Copp" (Polen) mit Kapitän A. Janusz; >4.Lopp" (Polen) mit Kryszkowski; 5.Polonia II" (Polen) mit Koblanski; 6.Zürich III" (Schweiz) mit Dr. E. Tilgenkarnp; 7.Belaica" (Belgien) mit Ernst Demuyter; 8.Wallonie" (Bel­gien) mit Qu et f in; 9.S II" (Belgien) mit Thon- nard.

Warum Deutschland nicht dabei ist.

Deutschland befindet sich diesmal nicht unter den Wettbewerbern. Das hat feinen Grund in den schlechten Erfahrungen, die die deutschen Mannschaften bei dem vorjährigen Rennen machen mußten. Bekanntlich wurden damals die beiden deutschen BalloneChemnitz 10" und.Al­fred Hildebrandt" burji) tschecho-slowakische Militärflieger zur Landung gezwungen, obwohl deutlich zu sehen war, daß es sich um die am Gordon-Bennett-Rennen teilnehmenden Ballone handelte. Durch diese erzwungene Landung wurden die beiden deutschen Ballone, die noch genügend Ballast an Bord hatten, um die Fahrt noch eine ganze Zeit fortzusetzem um ihre Gewinnaussichten gebracht, was zu einem deutschen Protest führte, der aber keinen Erfolg hatte.

Schon das Mißgeschick, das den beiden deutschen Ballonen im Vorjahr durch die Unoernunft tschecho­slowakischer Militärflieger zustieß, zeigt, daß die Teilnehmer am Gordon-Bennettt-Rennen manchen Zufälligkeiten ausgesetzt sind. Das weiß man auch bei der Organisationsleitung. Man händigt deshalb jedem Teilnehmer einen Paß aus, der in Den letzten Jahren in neunzehn Sprachen vier- undzwanzig europäische Visen enthielt, und in dem die Behörden gebeten wurden, dem Inhaber des Passes jede Hilfe angedeihen zu lassem Aber selbst solch ein mehrsprachiger Paß schützt nicht vor den Hebergriffen allzu eifriger Soldaten, zumal wenn die Hebergriffe in der Luft erfolgen, wie der Fall der beiden deutschen Ballone gezeigt hat. Auch andere Fälle aus früheren Jahren bewiesen das. Die Räterussen z. B. ließen es nicht nur an der nöti­gen Höflichkeit und Hilfsbereitschaft fehlen, sondern schossen sogar mit Gewehren nach den Ballon­fahrern, um sie zur Landung zu zwingen. Voll­ends unwirksam aber ist der Paß gegen die Natur­gewalten, die den Gordon-Bennett-Fahrern oft schwer zu schaffen machen.

(Gefährliche Abenteuer.

1930 geriet der deutsche BallonBarmen" mit Dr. Kaulen als Führer bei dem von Cleveland (USA.) ausgetragenen Rennen in große Schwierig­keiten. Schwere Fallböen drückten den Ballon so tief, daß die Besatzung sich gezwungen sah, mit allem Ballast auch die überflüssig erscheinenden Kleider über Bord zu werfen, um wieder hochzu­kommen. Als dann aber der Ballon bis über 6000 Meter hochstieg, fror die Besatzung so, daß sie sich schließlich zur Landung entschließen mußte.

1934 machte der deutsche BallonWilhelm von Opel" unter der Führung von Dr. Zinner eine tolle Sturmfahrt. Schon die Nachtfahrt war sehr stürmisch. Am frühen Morgen wurde der Ballon durch Regenschauer auf den Boden gedrückt und gegen eine Baumgruppe geschleudert, wodurch das Radiopeilgerät zertrümmert wurde. Infolge der Regenbelastung und der starken Böigkeit war nachts ein erheblicher Teil des Ballastes verbraucht worden.

Dieses Jahr ist Deutschland nicht dabei.

Ein schöner Blick auf den Startplatz von Lüttich. Einer der Ballone ist bereits gestartet. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Plötzlich wurde der Ballon durch eine Sturmböe herabgeworfen, er verfing sich mit der Antenne des Kurzwellensenders, Der Verschluß des Wasser, ballastsackes klemmte, und schließlich drohte der Bal- Ion gegen ein in der Fahrtrichtung liegendes Haus zu prallen, so daß man schleunigst landen mußte. u r W/i-Kn

Ungarns Weg zur Unabhängigkeit.

Mit einer Rede in Kaposvar hat der ungarische Ministerpräsident Jmredy durch die Ankündi­gung der allgemeinen Wehrpflicht für Ungarn die Wiedergewinnung der Wehrhoheit und damit die Wiedergewinnuna her vollen Souve­ränität und Unabhängigkeit oes ungarischen Staa­tes bekundet. Damit ist Ungarn, eins der unglück­lichsten Opfer der Pariser Vorortdiktate von 1919, in ein neues Stadium nationalpolitischen ^luf- chwunges eingetreten. Nicht weniger als acht -tage hat der ungarische Ministerrat vor der Verkün­dung jener weittragenden Beschlüsse zusammen­gesessen, ein Zeichen des ernsten Verantwortungs­bewußtseins der ungarischen Staatslenkung, ein Zeichen aber auch für die gar nicht zu unter­schätzende Bedeutung der ungarischen Maßnahmen. Diese müssen zweifellos betrachtet werden auf dem Hintergrund' der freundschaftlichen Anlehnung Un­garns an die Achse BerlinRom. Die Deutsch­landreise des Reichsverwesers, Admirals von Horthy, bekundete das in augenfälliger Weife.

Es ist ein schier endlos langer Weg der Mühsal und Geduld, der Entbehrungen und Opfer, der Demütigungen und des nationalen Stolzes zwischen jenem 24. Juni 1919, an dem die Lehrer und Schüler der Budapester Offiziersschule, der Hon- ved-Akademie Ludovika, den ersten gegenrevolu­tionären Versuch gegen die rote Herrschaft in Un­garn und zugleich gegen das Diktat von Trianon unternahmen, bis zu dem Septembertag von 1938, an dem Ministerpräsident Jmrsdy in einem diktatfrei gewordenen Europa die Wiederherstel­lung der vollen Souveränität Ungarns verkünden konnte. Nur 35 000 Mann alles in allem Durfte das um zwei Drittel seines Bestandes verstüm­melte Ungarn als stehendes Heer unterhalten. Ge­neralstab, Flieger, schwere Arttllerie, Tanks usw., alles war ihm durch die erpreßte Unterschrift von Trianon verboten. Das freilich hatten die rühm­losen Sieger von 1919 nicht gedacht, daß die rigo­rose zahlenmäßige Beschränkung des ungarischen Heeres genau wie im 100 000-Mann-Heer des früheren Deutschland naturnotwendig eine aller- strengste Auslese für Mann und Offizier nach Charakter, Körperanlagen und geistiger Befähi­gung zur Folge hatte. An der Geburtsstätte jenes 'kleinen Nationalheeres aber, aus dem nun die künftige Wehrmacht eines frei gewordenen Ungarn hervorgehen soll, stehen die Namen zweier Män­ner, die für immer in die Geschichte des Lanhes eingetragen bleiben werden, des Admirals von Horthy, der die Sammlung eines kleinen Heeres 1919 von Szeged aus geleitet hatte und des da­maligen Hauptmanns (späteren Ministerpräsiden­ten) Julius von Gömbös, der $ur gleichen Zeit in Wien aus ungarischen Offizieren ejnige Kaders aufstellte.

Am 15. Juni 1932 schenkte Mussolini Ungarn ein neues Sportflugzeua, das den symbolhaften NamenGiustizia per lUngharia Gerechtigkeit für Ungarn" trug. Längst kämpfte Ungarn für eine Beseitigung der militärischen Sperrklauseln von Trianon. Aber noch stand ihm bis ms Jahr 1937 hinein Die Kleine Entente gegenüber, Die be­müht war, sich einen ungarischen Revisionsoerzicht durch eine neue Bekräftigung Der Unterschrift von Trianon zu verschaffen. In Budapest ließ man, je mehr /die Pariser* Vorortdiktate zersplitterten, immer deutlicher merken, daß man sich die Wehr­hoheit notfalls auch durch eine einseitige Erklärung wieder zu nehmen gedachte. Diese Entschlossenheit der ungarischen Regierung wurde gesteigert einmal durch die vielfache Ueberlegenheit der Ungarn um­gebenden Armeen und vor allem durch die zu­nehmende Bedrohung Ungarns im Zusammenhang mit dem Moskauer Paktsystem. Schon der frühere Ministerpräsident Graf Stephan B e t h l e n hatte gegen Ende 1935 in einem aufsehenerregenden Artikel die völlige Verschiebung der Machtverhält- nisse in Mitteleuropa durch das Moskauer Pakt­system aufgezeigt. Es konnte Ungarn keineswegs gleichgültig jein, wenn auf Grund des sowjet- russisch-tschechischen Militärabkommens die russi­schen Fliegergeschwader plötzlich eine neue, um 1300 Kilometer nach Westen verschobene Basis in der Tschechei bekamen, die ihnen überdies noch einen Spielraum von 1000 Kilometer Länge in Ostwestrichtung gewährt. Der Ausbau der sowjet- russischen Fliegerstützpunkte im Gebiet Der Tschecho- Slowakei tat ein übriges; schließlich liegt die unga­rische Hauptstadt Budapest nur 60 Kilometer, also für Flieger nur eine knappe Viertelstunde von der tschechischen Grenze entfernt und kann von den nächstgelegenen fremden Militärflughäfen in knapp 20 Minuten erreicht werden.

Im Juni 1937 gab es in Ungarn zum ersten« mal einen Begeisterungssturm der Zuschauermenge, als man bei einem Vorbeimarsch plötzlich motori­sierte Kolonnen und schwere Arttllerie sah., Noch im gleichen Monat erklärte Honvedminister Wil­helm von Roeder, die Regierung werde die Wehrhoheit des Landesim gegebenen Zeitpunkt" wiederherstellen. Am 6. März d. I. machte dann Ministerpräsident D a r a n y i in Raab die konkrete Mitteilung der bevorstehenden Wiederaufrüstung, für die u. a. eine einmalige Vermögensabgabe von 8 v. H. zu Zwecken der nationalen Verteidigung während der nächsten fünf Jahre vorgesehen war. Als dann vor einigen Wochen die Konferenz der Kleinen Entente in Bled begann, war das Thema der ungarischen Wehrhoheit längst seines Charakters als Konfliktstoff entkleidet.

Die Wiederherstellung der Wehrhoheit und damit der vollen Souveränität Ungarns bedeutet natur­gemäß zugleich eine Normalisierung der unga­rischen Beziehungen zu den Nachbarn. In abseh­barer Zeit wird Ungarn im europäischen Völker­konzert auch machtpolitisch wieder die Rolle spielen, die dieser ruhmreichen und tapferen Nation zu­kommt. B. R.

Dos fiilfetDtrh JDultet und Kind" ift 6it Gotntinyiafieoufoab» des ganzen deutschen Volkes.

Durch deine Mitgliedschaft in der YLK dieyp Du diesem gr-SeokUsLiusrir.