Amerika in Waffen.
Don Otto Eorbach.
Die Zeiten, wo der Durchschnittsbürger der Vereinigten Staaten von Nordamerika Fragen der Wehrkraft und Landesverteidigung nur geringes Interesse entgegenbrachte, sind unwiederbringlich dahin. Einst glaubte man im Schutze zweier Ozeane, auf die militärischen Anstrengungen europäischer Völker, ihr gegenseitiges Säbelrasseln und Wettrüsten, als Reste „mittelalterlicher Barbarei" herabsehen zu können. Im eigenen Heerwesen sah man fast eine müßige Spielerei, eine Einrichtung, die allenfalls den Nutzen hatte, jugendliche Raufbolde und Taugenichtse einer heilsamen Disziplin zu unterwerfen oder im Bedarfsfälle für den inneren Frieden zusätzliche Polizeikräfte abzugeben. Aehnlich sah man in der eigenen Kriegsflotte nur eine Art Seepolizei, für außenpolitische Zwecke nur brauchbar, übelwollenden ibero - amerikanischen Regierungen Schrecken einzuflößen.
Der Krieg mit Spanien 1898 änderte kaum etwas an dieser Auffassung. Zu leicht war der Sieg, den man über eine verkümmerte europäische Kolonialmacht errang. Den „Boxerkrieg" 1900 machte man mehr zum Schein mit, stets darauf bedacht, zu den europäischen Kolonialmächten Abstand zu halten, und den friedfertigen Charakter amerikanischer Fernostpolitik demonstratio zu offenbaren. In den Weltkrieg ließ man sich hineinziehen, weil man wähnte, von der Vorsehung berufen zu sein, die Kulturvölker vom „Militarismus" als einem Erbübel der Alten Welt zu erlösen und den ganzen Erdkreis für eine, den dauernden Frieden verbürgende Demokratie „sicher zu machen". Als die Art und Weise, wie Präsident Wilson bei den Friedensverhandlungen von den „Alliierten" genasführt wurde, grausam enttäuschte, zog sich Onkel Sam schmollend auf seine panamerikanischen Angelegenheiten zurück, in der Hoffnung, nunmehr in glänzender „Isolation" den Händeln anderer Erdteile wirklich fernbleiben zu können.
Erst die große Weltwirtschaftskrise brachte eine endgültige Ernüchterung. Man machte die schmerzhafte Erfahrung, daß gerade das unerhörte Glück Amerikas als Kriegsgewinnler fein Wirtschaftsleben zum Seismographen machte, der jegliche Gleichgewichtsstörung in irgendeinem Winkel der Erde anzeigte. Da die Versuche, solche Gleichgewichtsstörungen mit Worten zu beschwören, immer wieder kläglich scheiterten, erwachte man zu der bitteren Erkenntnis, daß die großen Ozeane aufgehört hatten, trennende Schranken zu bilden und daß man fich aus allen Kräften stark und immer stärker machen müsse, um bei allen Entscheidungen das eigene Gewicht mit in die Waagschale werfen zu müssen. Senator Borah sprach 1930 die Befürchtung aus, daß die Union sich bald genötigt sehen würde, „dem Durchschnittsbürger eine solche Angst vor überseeischen Gefahren einzuimpfen, daß er nicht ruhig schlafen fönne, solange er sich nicht durch eine Flotte geschützt wisse die jeder denkbaren Gruppierung fremder Seestreitkräfte überlegen wäre". Nicht nur geschieht das heute in überreichlichem Maße, sondern man ist aus dem besten Wege, dem Volke der Vereinigten Staaten eine kriegerische Reizbarkeit gegenüber Vorgängen in andern Erdteilen anzuerziehen, die den Frieden der Neuen Welt wirklich nicht im geringsten zu stören brauchten.
Einst prägte Präsident Harbin g das Wort von der Flotte der Union als „Amerikas großer Mauer". Ihre Hebungen galten vorwiegend dem Zweck, den Panamakanäl und die pazifische Küste Nordamerikas zu schützen. Auch die großen Flottenmanöver, die in diesem Jahre zwischen dem 15. März und 28. April abgehalten wurden, fanden im Pazifischen Ozean statt, aber in einem Raume von 33 Millionen Quadratkilometer zwischen der Küstenlinie von Panama bis hinauf nach Alaska, der Kette der Aleuten, den Hawaiischen Inseln und den amerikanischen Aequätorialinseln, einschließlich Can- ton unb Enderbury. Der ganze Verlauf der Manöver drückte den Grundsatz aus, daß die beste Deckung der Hieb. ist. Damit aber im Volke der Vereinigten Staaten ja nicht das Gefühl aufkomme, daß es sich nach der atlantischen Seite hin verhältnismäßig sicher fühlen dürfe, sollen sich in Kürze Flottenübungen entsprechenden Ausmaßes im Atlantik abspielen.
Die strategischen Probleme, die die Manöver im Pazifik aufrollten, wurden von der amerikanischen Presse in einer Breite und mit einer Gründlichkeit erörtert, die in früheren Zeiten undenkbar gewesen wären. Kaum hatte das öffentliche Interesse dafür nachgelassen, als die in diesem Monat beginnenden großen Land - und Luftmanöver im Südwesten der Union, also im Raum von Kalifornien und Texas, in den Spalten der Presse ihren Schatten vorauswarfen. Es wirb darauf hingewiesen, daß es sich „um bie größte Truppen-Konzentra- tion und die ausgedehntesten Friedensübungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten" handele. 30 000 Mann sollen allein um St. Antonio zusammengezogen werden, um in dieser Gegend drei Wochen lang ihre Kriegsspiele abzuhalten. .Andere größere Truppenmassen sollen an verschiedenen Stellen längs der Südwestgrenze, vom Mississippi bis zum Pazifik, zusammengezogen werden.
Das Interesse der amerikanischen Oeffentlichkeit gilt aber weniger der Stärke der an den Manövern beteiligten Truppen, als den gewaltigen Veränderungen, die in der Wehrmacht vor sich gegangen sind. „Ein Veteran von St Mihiel oder den Argonnen", meinen New Port Times, „würde kaum manche der Einheiten roiebererfemrfn, die bei den kommenden Hebungen in Aktion treten werben." Während des Weltkrieges waren die amerikanischen Divisionen große und' schwerfällige Einheiten von ungefähr 22 000 Mann. Versuche, die im vorigen Jahre mit kaum halb so großen Divisionen angestellt wurden, brachten vielen Ofsizieren die Heberzeu- gung bei, daß bei der fortschreitenden Motorisierung der Truppen eine Division von nur 10 000 > Mann bei größerer Beweglichkeit und stärkerer Mechanisierung den Anforderungen eines modernen Krieges besser entsprechen würde. Die Manöver werben reichlich Gelegenheit geben, diese Erfahrung neu .zu erproben.
Besonderes Gewicht soll auf das Zusammenwirken zwischen den Landtruppen und den Luftstreitkräften gelegt werden. Die Schnelligkeit der Flugzeuge hat sich seit dem großen Kriege verdoppelt, „fliegende Festungen" traten in Erscheinung, Bomber großen Umfangs mit schwereren und vernichtenderen Bomben, als man je für möglich gehalten hatte. Jagdflugzeuge mit einer Geschwindigkeit von 480 Kilometer in der Stunde. Ein Arme'e- führer braucht nicht mehr durch Reiter den Standort feindlicher Truppen auskundschaften zu lassen. Selbst in den Fällen, wo solche von den Fliegern nicht gesichtet werden verrät sie die B'ldanfnahme aus der Luft.
Trotzdem treten bei den Manövern „Kavallerie-
Rekognoszierung-Schwadronen" in Tätigkeit. Sie bestehen aus je 15 Offizieren und 195 Mann. Eine jede gehört einer der verkleinerten Versuchs-Divisionen an. Eine solche „Schwadron" ist aber nicht beritten, sondern verfügt über besonders leistungsfähige, schnellfahrende Kraftwagen, in denen sie mit dem Wagemut herkömmlicher Reiterscharen als Kundschafter und Stoßtruppler der Division weit vorauseilen. Jeder Wagen ist mit 30 bis 40 Maschinengewehren ausgerüstet. Um das Gewicht zu verringern, verzichtete man auf das Verdeck, legte aber um so mehr Wert auf Schutzausrüstung gegen Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Auf langen Märschen ist die Schwadron der Division ost zwei bis drei Tagesmärsche voraus. Jeder Wagen hat eine Funkeinrichtung, so daß alle Beobachtungen prompt den betreffenden StabsguarUeren übermit- ielt werden können. Solche Schwadronen haben freilich gegenüber der Kavallerie alten Stils eine Schwäche: sie können bei heftigen Regenfällen über aufgeweichtem, schlammigem Gelände nicht wirksam operieren. Eine andere neue motorisierte Einheit bildet das sogenannte „antimechanische Bata i l l o n", das aus fliegenden Stabsquartieren und drei Batterien 37-mm-Geschützen besteht. Diese Geschütze sind technisch so entwickelt, daß sie imstande sind, die schwersten Tanks außer Gefecht zu setzen und einen heftigen feindlichen Tank-Angriff zum Stehen zu bringen.
Es wird bei den Manövern wenig marschiert werden. In Lastkraftwagen auf Bänken sitzend, werden die kämpfenden Mannschaften rasch von Ort zu Ort bewegt werden. Motorisierte „Schattenriß"- Maschinengewehrträger sind so eingerichtet, daß sich
Aus der Geschichte des Gordon-Vennett-Rennens.
In diesen Tagen wird in Lüttich zum 26. Mal das Gordon-Bennett-Rennen der Freiballone gestartet, der bedeutendste internationale Wettbewerb für Freiballone. Die Geschichte der Gordon-Bennett-Wettfahrt der Freiballone reicht erst 33 Jahre zurück. Als im Jahre 1905 der Internationale Luftsportverband, die F£d6ration Aero- nautique Internationale, gegründet wurde, stellte James Gordon-Bennett, der Herausgeber der amerikanischen Tageszeitung „New Port Herold" dem Verband einen Preis von 50 000 Franken zur Verfügung, um damit den sportlichen Freiballonfahrern einen materiellen und ideellen „Auftrieb" zu geben. Die auch heute noch geltenden Be- timmungen des Wettbewerbs waren deutlich und klar: Sieger des alljährlichen Rennens um den Wanderpreis sollte derjenige Teilnehmer sein, der mit einem Freiballon die längste Fahrt zurückge- legt hat, gemessen in der geraden, den Startort mit dem Landungsort verbindenden Luftlinie. Für den Fall, daß eine Nation dreimal hintereinander den Sieger im Wettbewerb gestellt hat, soll der Pokal in das Eigentum des Aeroklubs des betreffenden Landes übergehen.
Sechs Sieger-Nationen in 25 Rennen
Der Gorbon-Bennett-Preis wurde zum ersten Male von Paris aus am 20. September 1906 ausgetragen. Da der Weltkrieg in den Jahren 1914 bis einschließlich 1919 eine Durchführung des Rennens unmöglich machte und auch 1931 kein Rennen zuftandekam, sind bisher 25 Gordon-Bennett-Fahrten durchgeführt worden. Die Sieger dieser Wettfahrten teilen sich unter nur sechs Nationen auf, und zwar stehen die Vereinigten Staaten von Amerika mit zehn Siegen an der Spitze, davon sechs in ununterbrochener Reihenfolge in den Jahren 1926 bis 1932. Es folgt dann Belgien mit sieben Siegen, Polen mit drei, Deutschland und die Schweiz mit je zwei und Frankreich mit einem Sieg.
Der erfolgreichste / Gordon-Bennett-Fahrer ist der Belgier Ernst Demuyter mit sechs Siegen in den Jahren 1920, 1922, 1923, 1924, 1936 und 1937; ihm folgt der Amerikaner van Orman mit drei Siegen. Deutschland siegte in den Wettfahrten der Jahre 1907 und 1911 durch Erbslöh und Goericke. Der Startort des Wettbewerbes, der stets von dem -Sieger des vorjährigen Rennens bestimmt wird, lag achtmal in Amerika, sechsmal in Belgien, dreimal" in Polen und zweimal in Deutschland (Berlin und Stuttgart). Die längste Strecke wurde von dem Franzosen Bienaime 1912 von Stuttgart aus mit 2191 Kilometer zurückgelegt, während die längste Fahrdauer der deutsche Freiballonfahrer Dr. Kaulen (Elberfeld) erreichte, der 1913 volle 87 Stunden in der Luft blieb.
Um den fünften Pokal.
Der Pokal dieses Wettbewerbes ist schon längst nicht mehr der von Gordon-Bennett gestiftete. Dieser Pokal ging satzungsgemäß 1924 in den Besitz des Aeroklubs von Belgien über, nachdem die Belgier dreimal hintereinander im Rennen gesiegt hatten. Der Aeroklub von Belgien stiftete dann einen zweiten Pokal, der schon 1928 in den Besitz der National Aeronautic Association of USA. überging. Den dritten Pokal stiftete Henry Ford, den abermals die amerikanische Luftfahrervereinigung gewann, und zwar im Jahre 1932. Diesmal stiftete die „Chicago Daily News" den vierten Pokal, den 1935 der Aeroklub von Polen gewann, was ihn veranlaßte, nun Deinerseits einen neuen Preis zu stiften. Um diesen fünften Pokal geht es jetzt.
zwei Mann auf ihnen in liegender Stellung verhalten können, während der eine das Gefährt lenkt, der andere feuert. Hauptquartiere in alten Schlössern oder sonstigen festen Gebäuden sind zur Sage geworden; auch die Stäbe sind motorisiert und befinden sich in fortwährender Bewegung, wobei ihnen die modernsten Radioeinrichtungen ,^ur Verfügung stehen. Schützengräben werden nicht mehr mühsam mit Schaufeln ausgehoben; auch dafür stehen besondere Maschinen zur Verfügung. Der Nachschub von Lebensrnitteln und Munition wickelt fich mit ungeahnter Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen Verhältnisse in der Kampfzone ab.
Bei allem Stolz auf solche Spitzenleistungen der Kriegstechnik hütet sich die amerikanische Wehrpropaganda, den Eindruck zu erwecken, als hielten die Fortschritte der Aufrüstung mit der wachsenden Bedrohlichkeit der Weltlage Schritt. Die hohen Militärs hüllen sich nach jedem Manöver in geheimnisvolles Schweigen und trageh besorgte Mienen zur Schau, als habe vieles nicht geklappt und als habe in mancher Hinsicht zuviel geknausert werden müssen. Heber die großen Flottenmanöver und ihr Endergebnis wurde bisher überhaupt fein klarer und ausführlicher amtlicher Bericht ausgegeben; man nährte vielmehr Gerüchte, als könnten die vorgeschobenen Stellungen im Pazifik, im besonderen auf den Hawai-Jnseln, im Ernstfälle nicht behauptet werden. In Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um einen geflissentlich zur Schau getragenen Zweck-Pessimismus. Es kommt alles darauf an, für neue Rüstungsforderungen eine günstige Stimmung in den breiten Massen des Volkes der Vereinigten Staaten vorzubereiten.
Neun'Ballone haben diesmal für das Gordon- Bennett-Rennen aemelöet, und zwar je drei belgische und polnische Ballone, zwei französische und ein schweizerischer Ballon. Die genaue MeldeUste ist: 1. „Maurice Ballet" (Frankreich), Führer: Charles Dolsus; 2. „La France" (Frankreich) Mit Jean- Marie Crombez; 3. „Copp" (Polen) mit Kapitän A. Janusz; >4. „Lopp" (Polen) mit Kryszkowski; 5. „Polonia II" (Polen) mit Koblanski; 6. „Zürich III" (Schweiz) mit Dr. E. Tilgenkarnp; 7. „Belaica" (Belgien) mit Ernst Demuyter; 8. „Wallonie" (Belgien) mit Qu et f in; 9. „S II" (Belgien) mit Thon- nard.
Warum Deutschland nicht dabei ist.
Deutschland befindet sich diesmal nicht unter den Wettbewerbern. Das hat feinen Grund in den schlechten Erfahrungen, die die deutschen Mannschaften bei dem vorjährigen Rennen machen mußten. Bekanntlich wurden damals die beiden deutschen Ballone „Chemnitz 10" und. „Alfred Hildebrandt" burji) tschecho-slowakische Militärflieger zur Landung gezwungen, obwohl deutlich zu sehen war, daß es sich um die am Gordon-Bennett-Rennen teilnehmenden Ballone handelte. Durch diese erzwungene Landung wurden die beiden deutschen Ballone, die noch genügend Ballast an Bord hatten, um die Fahrt noch eine ganze Zeit fortzusetzem um ihre Gewinnaussichten gebracht, was zu einem deutschen Protest führte, der aber keinen Erfolg hatte.
Schon das Mißgeschick, das den beiden deutschen Ballonen im Vorjahr durch die Unoernunft tschechoslowakischer Militärflieger zustieß, zeigt, daß die Teilnehmer am Gordon-Bennettt-Rennen manchen Zufälligkeiten ausgesetzt sind. Das weiß man auch bei der Organisationsleitung. Man händigt deshalb jedem Teilnehmer einen Paß aus, der in Den letzten Jahren in neunzehn Sprachen vier- undzwanzig europäische Visen enthielt, und in dem die Behörden gebeten wurden, dem Inhaber des Passes jede Hilfe angedeihen zu lassem Aber selbst solch ein mehrsprachiger Paß schützt nicht vor den Hebergriffen allzu eifriger Soldaten, zumal wenn die Hebergriffe in der Luft erfolgen, wie der Fall der beiden deutschen Ballone gezeigt hat. Auch andere Fälle aus früheren Jahren bewiesen das. Die Räterussen z. B. ließen es nicht nur an der nötigen Höflichkeit und Hilfsbereitschaft fehlen, sondern schossen sogar mit Gewehren nach den Ballonfahrern, um sie zur Landung zu zwingen. Vollends unwirksam aber ist der Paß gegen die Naturgewalten, die den Gordon-Bennett-Fahrern oft schwer zu schaffen machen.
(Gefährliche Abenteuer.
1930 geriet der deutsche Ballon „Barmen" mit Dr. Kaulen als Führer bei dem von Cleveland (USA.) ausgetragenen Rennen in große Schwierigkeiten. Schwere Fallböen drückten den Ballon so tief, daß die Besatzung sich gezwungen sah, mit allem Ballast auch die überflüssig erscheinenden Kleider über Bord zu werfen, um wieder hochzukommen. Als dann aber der Ballon bis über 6000 Meter hochstieg, fror die Besatzung so, daß sie sich schließlich zur Landung entschließen mußte.
1934 machte der deutsche Ballon „Wilhelm von Opel" unter der Führung von Dr. Zinner eine tolle Sturmfahrt. Schon die Nachtfahrt war sehr stürmisch. Am frühen Morgen wurde der Ballon durch Regenschauer auf den Boden gedrückt und gegen eine Baumgruppe geschleudert, wodurch das Radiopeilgerät zertrümmert wurde. Infolge der Regenbelastung und der starken Böigkeit war nachts ein erheblicher Teil des Ballastes verbraucht worden.
Dieses Jahr ist Deutschland nicht dabei.
Ein schöner Blick auf den Startplatz von Lüttich. Einer der Ballone ist bereits gestartet. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Plötzlich wurde der Ballon durch eine Sturmböe herabgeworfen, er verfing sich mit der Antenne des Kurzwellensenders, Der Verschluß des Wasser, ballastsackes klemmte, und schließlich drohte der Bal- Ion gegen ein in der Fahrtrichtung liegendes Haus zu prallen, so daß man schleunigst landen mußte. u r W/i-Kn
Ungarns Weg zur Unabhängigkeit.
Mit einer Rede in Kaposvar hat der ungarische Ministerpräsident Jmredy durch die Ankündigung der allgemeinen Wehrpflicht für Ungarn die Wiedergewinnung der Wehrhoheit und damit die Wiedergewinnuna her vollen Souveränität und Unabhängigkeit oes ungarischen Staates bekundet. Damit ist Ungarn, eins der unglücklichsten Opfer der Pariser Vorortdiktate von 1919, in ein neues Stadium nationalpolitischen ^luf- chwunges eingetreten. Nicht weniger als acht -tage hat der ungarische Ministerrat vor der Verkündung jener weittragenden Beschlüsse zusammengesessen, ein Zeichen des ernsten Verantwortungsbewußtseins der ungarischen Staatslenkung, ein Zeichen aber auch für die gar nicht zu unterschätzende Bedeutung der ungarischen Maßnahmen. Diese müssen zweifellos betrachtet werden auf dem Hintergrund' der freundschaftlichen Anlehnung Ungarns an die Achse Berlin—Rom. Die Deutschlandreise des Reichsverwesers, Admirals von Horthy, bekundete das in augenfälliger Weife.
Es ist ein schier endlos langer Weg der Mühsal und Geduld, der Entbehrungen und Opfer, der Demütigungen und des nationalen Stolzes zwischen jenem 24. Juni 1919, an dem die Lehrer und Schüler der Budapester Offiziersschule, der Hon- ved-Akademie Ludovika, den ersten gegenrevolutionären Versuch gegen die rote Herrschaft in Ungarn und zugleich gegen das Diktat von Trianon unternahmen, bis zu dem Septembertag von 1938, an dem Ministerpräsident Jmrsdy in einem diktatfrei gewordenen Europa die Wiederherstellung der vollen Souveränität Ungarns verkünden konnte. Nur 35 000 Mann alles in allem Durfte das um zwei Drittel seines Bestandes verstümmelte Ungarn als stehendes Heer unterhalten. Generalstab, Flieger, schwere Arttllerie, Tanks usw., alles war ihm durch die erpreßte Unterschrift von Trianon verboten. Das freilich hatten die rühmlosen Sieger von 1919 nicht gedacht, daß die rigorose zahlenmäßige Beschränkung des ungarischen Heeres genau wie im 100 000-Mann-Heer des früheren Deutschland naturnotwendig eine aller- strengste Auslese für Mann und Offizier nach Charakter, Körperanlagen und geistiger Befähigung zur Folge hatte. An der Geburtsstätte jenes 'kleinen Nationalheeres aber, aus dem nun die künftige Wehrmacht eines frei gewordenen Ungarn hervorgehen soll, stehen die Namen zweier Männer, die für immer in die Geschichte des Lanhes eingetragen bleiben werden, des Admirals von Horthy, der die Sammlung eines kleinen Heeres 1919 von Szeged aus geleitet hatte und des damaligen Hauptmanns (späteren Ministerpräsidenten) Julius von Gömbös, der $ur gleichen Zeit in Wien aus ungarischen Offizieren ejnige Kaders aufstellte.
Am 15. Juni 1932 schenkte Mussolini Ungarn ein neues Sportflugzeua, das den symbolhaften Namen „Giustizia per l’Ungharia — Gerechtigkeit für Ungarn" trug. Längst kämpfte Ungarn für eine Beseitigung der militärischen Sperrklauseln von Trianon. Aber noch stand ihm bis ms Jahr 1937 hinein Die Kleine Entente gegenüber, Die bemüht war, sich einen ungarischen Revisionsoerzicht durch eine neue Bekräftigung Der Unterschrift von Trianon zu verschaffen. In Budapest ließ man, je mehr /die Pariser* Vorortdiktate ■ zersplitterten, immer deutlicher merken, daß man sich die Wehrhoheit notfalls auch durch eine einseitige Erklärung wieder zu nehmen gedachte. Diese Entschlossenheit der ungarischen Regierung wurde gesteigert einmal durch die vielfache Ueberlegenheit der Ungarn umgebenden Armeen und vor allem durch die zunehmende Bedrohung Ungarns im Zusammenhang mit dem Moskauer Paktsystem. Schon der frühere Ministerpräsident Graf Stephan B e t h l e n hatte gegen Ende 1935 in einem aufsehenerregenden Artikel die völlige Verschiebung der Machtverhält- nisse in Mitteleuropa durch das Moskauer Paktsystem aufgezeigt. Es konnte Ungarn keineswegs gleichgültig jein, wenn auf Grund des sowjet- russisch-tschechischen Militärabkommens die russischen Fliegergeschwader plötzlich eine neue, um 1300 Kilometer nach Westen verschobene Basis in der Tschechei bekamen, die ihnen überdies noch einen Spielraum von 1000 Kilometer Länge in Ostwestrichtung gewährt. Der Ausbau der sowjet- russischen Fliegerstützpunkte im Gebiet Der Tschecho- Slowakei tat ein übriges; schließlich liegt die ungarische Hauptstadt Budapest nur 60 Kilometer, also für Flieger nur eine knappe Viertelstunde von der tschechischen Grenze entfernt und kann von den nächstgelegenen fremden Militärflughäfen in knapp 20 Minuten erreicht werden.
Im Juni 1937 gab es in Ungarn zum ersten« mal einen Begeisterungssturm der Zuschauermenge, als man bei einem Vorbeimarsch plötzlich motorisierte Kolonnen und schwere Arttllerie sah., Noch im gleichen Monat erklärte Honvedminister Wilhelm von Roeder, die Regierung werde die Wehrhoheit des Landes „im gegebenen Zeitpunkt" wiederherstellen. Am 6. März d. I. machte dann Ministerpräsident D a r a n y i in Raab die konkrete Mitteilung der bevorstehenden Wiederaufrüstung, für die u. a. eine einmalige Vermögensabgabe von 8 v. H. zu Zwecken der nationalen Verteidigung während der nächsten fünf Jahre vorgesehen war. Als dann vor einigen Wochen die Konferenz der Kleinen Entente in Bled begann, war das Thema der ungarischen Wehrhoheit längst seines Charakters als Konfliktstoff entkleidet.
Die Wiederherstellung der Wehrhoheit und damit der vollen Souveränität Ungarns bedeutet naturgemäß zugleich eine Normalisierung der ungarischen Beziehungen zu den Nachbarn. In absehbarer Zeit wird Ungarn im europäischen Völkerkonzert auch machtpolitisch wieder die Rolle spielen, die dieser ruhmreichen und tapferen Nation zukommt. B. R.
Dos fiilfetDtrh JDultet und Kind" ift 6it Gotntinyiafieoufoab» des ganzen deutschen Volkes.
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