Ausgabe 
14.9.1938
 
Einzelbild herunterladen

Nr.2'5 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhchen)

Mittwoch, (4. September 1938

Wir ziehen um und richten ein!

Kleine Ratschläge für den 1.Oktober.

Großer Umzug ein Schreckenswort für Haus­wirte und Mieter, für Ehegatten und Kinder! Und nur die Hausfrau selbst darf wieder einmal nicht Mut und Uebersicht verlieren und muß die Orga­nisation des ganzen fest in der Hand behalten!

Natürlich freut tfian sich auf die neue Wohnung. Man freut sich auf die Sauberkeit und Frische der neuen Räume, auf die mancherlei Annehmlichkeiten, die die Wohnung bietet. Und es liegt nahe, daß man die alte Wohnung fluchtartig verläßt, ohne daran zu denken, daß die Nachmieter ihrerseits oder der Hauswirt das Recht haben, eine zwar leere, aber ordentliche Wohnung und kein verlassenes Zigeuner­lager vorzufinden. Die alte Wohnung mußbesen- rein" übergeben werden, d. h. weder unbrauchbares Gerümpel in den Ecken noch Kisten mit Holzwolle und herumgestreutes Papier werden mitübernom­men".

Am zweckmäßigsten und menschenfreundlichsten ist es, wenn beide Mieterparteien die alten und die neuen Mieter sich in Verbindung setzen und den Umzug gleichsam gemeinschaftlich in Szene setzen. Da gibt es so viele Handreichungen, die auf diese Weise eine Ersparnis bedeuten. Wenn beispielsweise ein Installateur die Lampenglocken abnimmt und die Zuleitung sichert, so spart man Zeit und Geld, wenn der gleiche Handwerker im Anschluß daran gleich die neuen Leuchtkörper anbringt. Aehnliches gilt für die Einrichtung der Badezimmer, für die Gardinen­stangen und die verschiedenen eingebauten Möbel.

Daß die Familienmitglieder sich alle am Umzug beteiligen und etwa Spiegel und andere Sachen einzeln ins neue Heim, tragen, hat sich als unzweck­mäßig erwiesen. Praktischer ist es, die liebe Familie für diesen Großkampftag ein wenig aus dem Schlachtfeld zu räumen und bei Freunden oder Be­kannten unterzubringen, sofern nicht noch tatkräftig zupackende Hände gebraucht werden. Auch Haustiere und Pflanzen werden ein paar Tage zuvor bereits vor der Verwirrung, die mit dem Umzug verbunden ist, in Sicherheit gebracht und in Pflege gegeben. Zieht ein großer Haushalt um, so ist das Selbst­packen von Geschirr und wertvollen Einrichtungs- gegenständen nicht zu empfehlen. Wichtiger ist es, daß die Hausfrau das gesamte Inventar nach beson­deren Gebieten ordnet und zusammenstellt Ge­schirr, > Glas, Küchengeräte, Bilder damit beim Packen später Zeit gespart und nichts übersehen oder vergessen wird. Auch der Inhalt der Schränke muß von der Hausfrau aeordnet und zum Packen bereit­gestellt werden. Zuletzt wird die kluge Hausfrau erst die Betten in die Möbelwagen befördern lassen, denn sie sind es, die im neuen Heim zuerst aufgestellt wer­den müssen, damit nicht improvisierte Nachtlager auf kalten Dielen geschaffen werden, weil man sich mit der Zeit für das Einräumen verrechnete.

Und wie räumt man ein? Nach einem schemati­schen Plan, den die Familie rechtzeitig zuvor auf­gestellt hat. Jeder Mieter hat bei Abschluß des Miet­vertrages das Recht, einen genauen Plan, einen Grundriß der Wohnung, vom Vermieter zu fordern. Im Maßstäb dieses Wohnungsplanes werden nun von allen vorhandenen Möbeln der alten Wohnung ebenfalls kleine Grundrisse aus buntem Papier geschnitten. Mit diesenSchemamöbeln" reist man nun auf dem Plan der neuen Wohnung herum. Es ergeben sich hundert Möglichkeiten, von denen man die beste und günstigste wählt, und hundert Unmög­lichkeiten, denn sehr bald stellt sich heraus, daß manche Möbelstücke sich in den neuen Räumen nicht unterbringen lassen. In diesem Falle heißt es, sich von den Dingen trennen, die später nur störend herumstehen und auf dem Boden ode im Keller enden würden. Es zeigt sich bald, wieviel verkauft oder verschenkt werden muß, und t)as| Einräumen der neuen Wohnung ist beinah ein Vergnügen, wenn man an der Tür die Ziehleute an Hand des kleinen, wohldurchdachten Einrichtungsplanes genau anweist.

Gertrud Abel.

Die zweckmäßige Küche.

Biel Zeit und Mühe kann man sparen.

Wieviel Zeit und Mühe kann sich die Hausfrau sparen, wenn sie in ihrer Küche alles praktisch und zweckmäßig einrichtet! Namentlich bann, wenn die berufliche Arbeit im Vordergrund stehen muß, be­deutet eine zweckmäßig eingerichtete Küche eine wesentliche Erleichterung in der Wirtschaftsführung. Das braucht nicht etwa immer mit hohen An­schaffungskosten verbunden zu sein. Nicht, daß man meint, ohne Anschaffung neuzeitlicher Küchenmöbel ließe sich die Küche nicht umgestatten. Man kann auch ohnedem die Küche praktisch und zweckmäßig gestalten.

Vieles von dem, was in mancher Küche auf Re­galen und Wandbrettern herumsteht und -hängt, wird von der Hausfrau überhaupt nicht ge­braucht. Es ist überflüssiger Ballast, der der Hausfrau unnütze Arbeit und Mühe verursacht. Auf den Töpf­chen, Dosen usw. sammelt sich hartnäckiger Staub, der sich dem feuchten Lappen widersetzt und beim Abwischen schmierige Spuren ergibt, wenn nicht heißes Sodawasser genommen wird. Also weg mit diesen Dingen, die der Küche unserer Mütter und Großmütter zur Zierde gereichten, heute aber keine Daseinsberechtigung mehr haben!

Auch bei einer gründlichen Durchsicht des Küchenschrankes wird sich so manches finden, das des Aufhebens nicht verlohnt, m erster Linie fehlerhaftes oder veraltetes Kochgeschirr u. a. m. Es bedeutet verkehrte Sparsamkeit, veraltete, unzweck­mäßige Kochtöpfe mit Schneppen, aus denen der Dampf beim Kochen entweichen kann, oder schmale, yohe Töpfe, die viel mehr Beheizungskosten verur­sachen als breite, nur deshalb zu verwenden, weil sie nun einmal vorhanden sind. Ein überfüllter, unübersichtlicher Küchenschrank erschwert das Han­tieren. Es muß in der Küche alles so untergebracht sein, daß es möglichst mit einem Griff zu nehmen und wieder an den Platz zu bringen ist. Nicht, daß man nach dem, was man gerade schnell braucht, erst umständlich suchen muß, und inzwischen läuft das Essen über oder es brennt etwas an. Unpraktisch ist auch ein zu hoher Küchenschrank, dessen obere Fächer für die Hausfrau nicht ohne weiteres erreichbar sind. »Oft sind nämlich die alten Küchenschränke mit einem Zwischenaufsatz versehen, den man einfach entfernen kann, und schon rückt

Aus dem Reiche der Frau.

das oberste Fach in bequem greifbare Nähe, und ber ganze Schrank wirkt nicht mehr so altmodisch.

Die Anordnung der Küchenmöbel ist natürlich in erster Linie von dem vorhandenen Platz abhängig. Am zweckmäßigsten ist es aber für die Hausfrau, roenn der Küchentifch frei in der Mitte stehen kann, von allen Seiten erreichbar, und zwar so, daß die Beleuchtung gerade über dem Tisch liegt. Steht der Tisch an der Wand, ist es meist so, daß man sich selbst im Licht steht und im Schatten hantieren muß. Das strengt Auaen und Nerven unnütz an, und es lohnt sich, in sol­chem Fall eine zusätzliche Wandbeleuchtung anzu­bringen. (Eine, wesentliche Erleichterung bei allen Küchenarbeiten, die besonders die Hausstau als sehr angenehm empfinden wird, die in ihrem Beruf viel stehen muß, bedeutet der nach allen Seiten dreh­bare und in verschiedene Höhen einstellbare neue

Küchen st uh l, der es der Hausfrau ermöglicht, Arbeiten wie Kartoffelschälen, Plätten und selbst Abwaschen im Sitzen zu erledigen. Dauernd gebücktes Stehen beim Geschirrabwaschen und an­deren Haushaltsarbeiten ist sehr anstrengend und ungesund.

Eine besonders wichtige Rolle für die berufstätige Frau spielt die Art der Kochgelegenheit, die so bequem wie möglich fein sollte. Auch hierin ist die Technik wesentlich fortgeschritten. Beim elek­trischen Herd mit automatischer Schaltung kann die Hausfrau ihr Essen früh vor dem Weggehen auf­setzen, und wenn sie zurückkommt, ist alles fertig. Die Verwendung von feuerfestem Glas- oder Por- zellangeschirr erspart noch die Mühe, alles erst in Schüsseln umfüllen zu müssen.

So kann die berufstätige Frau auf vereinfachte Weise ihrer doppelten Pflicht nachkommen. V. A.

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODE ZEICHNERS

b w

Drei Herb st hüte für 1938 zeigen wir heute.

Typisch ist der Hut links in neuartiger Her­renhutform mit großer Ripsbandschleife und dem eng um den Kopf gebundenen Schleier. Das Material ist hellbrauner, stumpfer Velours (Antilope) mit dunkelbraunem Band. Die Form paßt besonders gut zum Schneiderkleid. Der Hut rechts oben aus b l a ß g e l b e m H a a r f i l z mit dunkelblauer durchgezogener Bandschleife ist für

Leckere pilzgerichle.

23on Krida Aisch.

Ach, Sie sammeln wohl Pilze? Darf ich Ihnen diesen hier auch geben? Mit einem allein ist ja doch nichts anzufangen!" Und ich sacke vergnügt den prachtvollen Steinpilz ein.

O ja, es läßt sich allerhand damit anfangen. Erstens läßt er sich fein in Scheibchen trocknen. Später finden wir mehr, und wenn der Winter kommt, ist ein Säckchen voll Würzpilze da. Wollen wir ihn gleich verspeisen, machen wir P i l z k o t e l e t t. Die Löpfe großer Steinpilze oder ähnlicher Pilzarten, wie Semmelpilze, Kuhpilze, befreit man von den Lamellen. Die Haut bleibt drauf. Nur zerfaserte Ränder werden abgeschnitten. Die Köpfe und Stiele schneidet man die Quere in dicke Scheiben, wälzt sie in Ei und Reibebrot, bestreut sie mit Basilikum und Salz und bäckt sie wie Koteletts in heißem Fett auf beiden Seiten. Kalt als Brotbelag, warm als Mittag­essen zu Kartoffelbrei und Apfelmus.

Ein einzelner Champignon, kleingehackt, mit Zwiebeln in Butter gedämpft, über einem halbierten, weichgekochten Ei angerichtet, ist ein Leckerbissen zum. Frühstück.

EierkuchenmitPilzfullung. 500 Gramm Kalbfleisch werden mit Suppengrün in Salzwasser halbweich gekocht. Nach einer viertel Stunde kocht man eine Kalbsmilch und 125 Gramm Hirn etwa 10 Minuten mit, nimmt alles heraus und schneidet in Würfel. Das Suppengrün bleibt zurück. 100 Gramm Butter oder Fett werden mit 3 Löffel voll Weizenmehl gelb geschwitzt, mit einem viertel Liter Weißwein oder weißem Traubenmost und etwas von der Fleischbrühe zu dicker Tunke gekocht, dann gibt man Pfeffer oder Basilikum und Salz, 100 Gramm ge­riebenen Schweizerkäse, 1 Tasse Sahne oder Milch, mehrere Sardellen oder ein Heringsfilet darunter. In dieser Tunke wärmt man das gehackte Fleisch. In der übrigen Brühe kocht man 500 Gramm in grobe Stücke geschnittene Pilze, Champignons ober Blutreizker, kleine Pfifferlinge, was gerabe ba ist, am besten gemischt, läßt sie abtropfen unb mischt sie unter bas Fleisch. Jetzt macht man einen Eierkuchen- teig aus 200 Gramm Mehl, 2 Eiern unb 2 Teelöffel Eiersparpulver, bas Weiße zu Schnee, knapp % Liter

jugenbliche Trägerinnen geeignet. Der kleibsame, mittelgroße Ranb fäJÜ hinten tief über bie Frisur. Der desonbers nahe Kopf ift in vier scharfe Kanten abgesteppt.

Für reifere Erscheinungen ist ber flache, hell­graue Velours- (Solei!-) H u t mit bem rund- um etwas aufgeschlagenen Ranb, den schmalen Rips­bandrollen und ber flachgelegten Feber in Dunkel­blau. H.

Wasser unb 1 Eßlöffel gehacktem Schnittlauch. Da­von werben zwei bis brei große Eierkuchen gebacken. Sie müssen berb fein, bamit sie beim Füllen nicht zerreißen. Das muß man ausproben, weil nicht alles Mehl gleichmäßig quillt. Die Füllung gibt man zwischen bie Kuchen, bie man entweder ganz offen läßt ober auf bie Hälfte klappt. Die Oberfläche wirb mit wenig Sahne bestrichen, bie mit Eigelb verrührt ist. Darauf streut man biet geriebenen Kräuterkäse unb feines Reibbrot. Alles wirb noch im Bratofen mit Oberhitze zu brauner Kruste gebacken. Gleich heiß anrichten!

Würzextrakt. Alle Sorten frischer Knochen werben mit ganz kleingeschnittenem Suppengrün unb wenig Fett langsam bunfelbraun geröstet, was man burch mehrere Tage machen kann. Dann gibt man orbentüd) Wasser barauf, etwas Salz, einige Zwie­beln, tüchtig Sellerieblätter unb möglichst ben ge­säuberten Abfall aller Arten Pilze, kocht alles zwei Stunben, gießt bie Brühe burch ein Sieb unb siebet sie auf bie Hälfte ein, füllt sie heiß in kleine Flaschen unb sterilisiert eine halbe Stunbe. Die Flüssigkeit muß bunfelbraun aussehen, hält sich' jahrelang unb ist eine gute Hilfe bei geschmacklosen Speisen.

Das Einmachen von Pilzen. Alle Pilze, bie man an einem Tag gesammelt hat, ganz gleich welche Sorten, werben mehrmals gewaschen, in größere Stücke geschnitten und in wenig Salzwasser abgekocht Sie werden in einen Steintopf gelegt und mit abgekochtem Essig, in dem etwas Einmachehilfe aufgelöst wurde, übergossen. Zwischen die Pilze gibt man etwas kleine Zwiebeln und Senfkörner, be­schwert sie mit einem Tellerchen und Stein, daß die Flüssigkeit darübersteht. Man kann den ganzen Som- fner über immer wieder genau so vorbereitete Pilze dazulegen. Der Topf wird gut mit Pergamentpapier zugebunden und an kühlem Ort aufbewahrt. Wird der Essig nach längerer Zeit schleimig, so muß er erneuert werden.

Kleine, weiße Perlboviste und Eierbo- v i st e schneiden wir in die Hälfte, kochen sie in dünnem Essigwasser mit reichlich Perlzwiebeln oder sehr kleinen Schalotten und Gewürzkörnern, sterili­sieren sie und geben sie an alle saueren Salate. Auch frisch schmecken sie gut, gemischt mit Champignons und Gulaschpilzen, in Fett mit Zwiebeln gebraten zu Pellkartoffeln.

Der Beruf der Kinderoä'rtnerin.

NSG. Im Mittelpunkt ber nationalsozialistischen Volkswohlfahrtspflege steht bie deutsche Familie. Die zahlreichen Einrichtungen, die ber Gesundung und Erstarkung der Mütter und Kinder dienen, sind in dem großen HilfswerkMutter und Kind" zu­sammengefaßt. Eines der wesentlichsten Teilgebiete dieses Hilfswerkes find die Kindertagestätten der NS.-Volkswohlfahrt. Sie ergänzen, unterstützen unb ersetzen, soweit als möglich und nötig, bie Erzie­hung burch bie Familie. Die Kindertage st ät- t e n, bie von ber NS.-Volkswohlfahrt teils neu geschaffen, teils übernommen ober nach national­sozialistischen Grundsätzen um- unb ausgestaltet werben, umfassen Säuglingskrippen, Kinbergärten, (Erntefinbergärten unb Horte.

Im Rahmen ber Kindertagestätten kommt den Kindergärten die größte Bedeutung zu. Sie dienen der Sorge für das Kleinkind im Alter von 3 bis 6 Jahren. Durch die Kindergärten, insbeson­dere auch durch die Erntekindergärten, wird die er­werbstätige Mutter von ihrer Arbeit im Haushalt entlastet. Sie kann beruhigt an ihren Arbeitsplatz oder auf das Feld zur Ernte gehen, wenn sie weiß, daß ihre Kinder während ihrer Abwesenheit wohl­behütet werden. Außer diesen sozialen Gründen sind aber auch erzieherische Gesichtspunkte bei der Auf­nahme in den Kindergarten maßgebend, so z. B. bei Einzelkindern, denen die Gemeinschaft mit Ge­schwistern ober Gleichaltrigen fehlt ober deren häus­liche Verhältnisse eine Herausnahme aus der Fa­milie erfordern. Weiterhin verfolgt der Kindergar­ten auch kulturelle Ziele, indem in ihm deutsche Sitte, deutsches Brauchtum und deutsche Sprache gepflegt werden.

Es kommt heute nicht in erster Linie daraus an, das Kind nur mit schönen Spielsachen zu beschäfti­gen, sondern die vornehmste Ausgabe des Kinder- bartens von heute besteht darin, Vorsorge zu tref­fen, daß körperliches Wachstum und geistig-seelische Entwicklung in harmonischem Einklang stehen. Da­mit ist das erzieherische Moment stark in den Vor­dergrund gerückt. Gleichzeitig wird aber auch in der umfassendsten Weise auf die Gesundheit der Kinder geachtet. So finden z. B. etwa alle 6 Monate in jedem NSV.-Kindergarten ärztliche Untersuchungen statt.

Die Kindergärten stehen unter der Leitung von staatlich anerkannten Kindergärtnerinnen. Durch die zahlreichen Maßnahmen, die seit der Machtübernahme auf dem Gebiete der Wohlfahrts­pflege und der Gesundheitsführung getroffen wor­den sind, ist naturgemäß der Bedarf an Kindergärt­nerinnen gewaltig gestiegen, so daß wir heute einen großen Mangel an ihnen haben. Diesen Mangel gilt es zu beseitigen, denn der Beruf der Kinder­gärtnerin ist von sehr großer Bedeutung für die körperliche und seelische Erstarkung unserer Jugend. Deshalb werden die Mädel aufgerufen, sich zur Kin­dergärtnerin ausbilden zu lassen.

Kindergärtnerin kann jedes junge Mädel wer­den, das bas 17. Lebensjahr vollendet hat und die charakterliche, pädagogische und gesundheitliche Eig­nung für diesen Beruf besitzt. Ihre Ausbildung ge­nießen die Mädchen in einem sozial-pädagogischen Seminar. Als Voraussetzung für bie Ausnahme wirb u. a. verlangt: bas Schlußzeugnis eines Ly­zeums oder einer anerkannten neunklassigen Mittel­schule (Volksschülerinnen müssen eine schulwissen­schaftliche Prüfung ablegen), ein Jahr hauswirt- schastliche Vorbildung (Betätigung in der Familie, davon mindestens ein halbes Jahr in fremder Fa­milie, ober Hauspraktikantin in einem Heim ober Frauen- ober Haushaltungsschule) unb ein amts­ärztliches Gesundheitszeugnis.

Durch bie Ausbildung soll bie Kinbergärtnerin in alle Zweige ber sozial-pädögoischen Arbeit eingeführt werben. Neben ben theoretischen Fächern nimmt ber künstlerische und handwerkliche Unterricht einen großen Raum ein. Sehr stark be­tont wird bei der Ausbildung auch die Frage der Gesundheitsführung und 'Körperertüchtigung durch Sport und Gymnastik. Großer Wert wirb natürlich weiter auf bie praktische Ausbildung gelegt. Darum werden die Schülerinnen van vornherein in den praktischen Einrichtungen eines Kindergartens, Säuglings- und Erholungsheimes für ihre spätere praktische Arbeit vorbereitet. Die letzte weltanschau­liche Erziehung erhalten die Schülerinnen der NSV.- Seminare in Kameradschaftsheimen, bie ben Semi­naren angegliebert sind. Hier sollen sie das Leben »in der Gemeinschaft kennenlernen. Die Ausbildungs­kosten auf den NSV.-Seminaren belaufen sich auf 80 bis 90 Mark monatlich. Es sind eingeschlossen, Schulgeld, Wohnung und Verpflegung. Ermäßigung der Ausbildungskosten ist möglich.

Nach zweijähriger Ausbildungszeit beginnt die praktische Tätigkeit in einem Kinder­garten oder in einem Erntekindergarten. Die NSV. ist stets bemüht, die tüchtigen Erntekindergärtnerin­nen auch während des Winters in einer anderen Arbeit zu verwenden. Ein großer Teil von Kinder­gärtnerinnen wird auch in den Erholungs­heimen beansprucht. Vor allem sei noch darauf hingewiesen, baß jebe Kindergärtnerin die Möglich­keit hat, sich in ihrem Beruf weiter ausbilden zu lassen. Sie kann z. B. Jugendleiterin werden >und als solche einer großen Kindertagestätte, einem Erholungsheim, Jugend- und Mütterheim vorstehen oder als L e h r k r a f t d e s Reichsmütter- d i e n st e s oder der sozial-pädagogischen Seminare wirken. Die Ausbildung der Jugendleiterin dauert ein Jahr. Weiterhin kann eine Kindergärtnerin auch als Werklehrerin oder als Volkspf lege- r i n ausgebildet werden.

Man kann sagen, daß gerade der Beruf als Kin­dergärtnerin ein wirklich schöner und glücklicher Be­ruf ist. In dem ständigen Umgang und der erziehe­rischen Einwirkung auf die Kinder kann sie alle ihre seelischen Kräfte entfalten. Das trifft vor allen Dingen auch für Mädchen zu, die Begabung in kunstgewerblicher Hinsicht haben, die gerne zeichnen, modellieren, fingen und musizieren. Der Beruf ver­langt freilich viel Idealismus, Aufopferung unb Verantwortungsbewußtsein. Es ist aber fajsch zu sagen, er sei ein zu schwerer Beruf für ein gesundes Mädchen. Bei der Berufswahl sollte jedes gesunde Mädchen, das die notwendigen charakterlichen Eigen­schaften besitzt, an den Beruf der Kindergärtnerin denken. Auch die Eltern sotten in dieser Hiäsicht auf ihre Tochter einwirken, denn es ist ein Beruf, der dem Wesen der Frau entspricht und ihr viel Glück, Frohsinn und Freude bringt