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Regierungswechsel in Ungarn

wirtschaftlichen Kreisen ungeteilte Sympathie findet.

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Budapest, 13. Mai. (DNB.) Das in den letzten Wochen im Parlament und in der Oeffentlichkeit heiß umstrittene Juden gesetz ist heute im Ab­geordnetenhaus mit überwältigender Mehrheit a n - genommen worden. Für das Gesetz stimmten geschlossen die Partei der nationalen Einheit (Regie­rungspartei) und die unabhängige Kleinlandwirte­partei. Das Judengesetz, das einen ersten entschlosse­nen Schritt zur Regelung der das gesamte nationale Leben Ungarns seit Jahrzehnten schwer belastenden Judenfrage darstellt, führt im gesamten wirtschaft­lichen Leben sowie für alle fteien Berufe den Nume­rus clausus von 2 0 d. $). für die Beteiligung der jüdischen Bevölkerung ein. Die Verhältniszahl von 20 v.H. gilt nicht allein für die zahlen­mäßige Vertretung des Judentums, sondern beschränkt in dem gleichen Maße das Gesamt­einkommen der Juden in den einzelnen Unter­nehmungen und Betrieben.

Vor der Abstimmung erklärte Justizminister Dr. Mikecz, dieses Gesetz yätte eigentlich schon vor 50 Jahren geschaffen werden müssen. Wäre schon

Oer Vormarsch östlich von Teruel.

Salamanca, 14. Mai. (Europapreß.) Dos nationalspanische Hauptquartier erklärt: An der Front von Teruel haben die nationalen Truppen im Kampfabschnitt von Cantavieja, 40 Kilometer nordwestlich von Albocacer, den Widerstand des Feindes gebrochen, der die Stellungen auf der Straße von Villafranca del Eid besetzt hielt. Die Schwierigkeiten, die das Gelände dem Vordringen der nationalen Truppen in den Weg legt, find außerordentlich. Ein Berggipfel nach dem anderen muß genommen werden gegen einen sich hartnäckig verteidigenden Feind, der immer erst dann seine Stellungen aufgibt, wenn er umfaßt zu werden droht. Neben der Schwierigkeit des Kampfgeländes haben die nationalen Truppen auch noch Nachschub- schwierigkeiten, die ihnen durch das unwegsame Ge­lände bereitet werden. Die Lebensmittel müssen fast immer auf Saumpfaden durch Maultiere heran­gebracht werden.

Wendung- ihres Statuts verlangt, wenn dies den Interessen der westlichen Demokratien strikt zu- widerläuft und daraus sich die gefährlichsten Kom­plikationen ergeben. Aber das ist ja Litwinow- Finkelstein und seinem Moskauer Herrn grade recht. So wird in seinen Händen die Genfer Liga zum Werkzeug, um eine Verständigung der West­mächte mit den autoritären Staaten, zu der der englisch-italienische Ausgleich der erste Schritt ist, zu durchkreuzen. Die Abessiniendebatte in Genf wird Franzosen und Engländern einen Vorge­schmack gegeben haben, wessen sie sich noch von Moskau zu versehen haben werden, wenn sie bei ihrem Wunsch nach europäischer Zusammenarbeit Phantom und Wirklichkeit nicht säuberlich ausein- anderzühalten vermögen. Dr. Fr. W. Lange.

DieTimes" meint, daß Henlein in London vor allem klarmachen wolle, daß die Autonomie das unentwegte Ziel der Sudetendeutschen _ sei. Daily Telegraph" schreibt, man könne nicht über­sehen, daß Henlein seit seinem letzten Besuch in London seine politischen Ansichten völlig gewandelt zu haben scheine. Damals habe er nämlich mit Nachdruck erklärt, daß die Sudetendeutsche Partei keine Autonomie wünsche und die Außenpolitik der Tschechoslowakei nicht beeinflussen werde, daß sie sich ebrnjo mcht um einen Anschluß an das Reich

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Hoüza, die Einzelheiten in einer Rundfunkan­sprache bekanntzugeben. Am 24. Mai wird Außen­minister Dr. Krosta im Prager Parlament Bericht erstatten. Später soll eine Aussprache dar­über stattfinden. Jedoch wird schon jetzt daraus hin­gewiesen, daß di« Regierung an den wesentlichen Grundgedanken der Vorlage festzuhalten be­absichtige. Werden in der Parlamentsaussprache von den Parteien Aenderungswünsche oorge- bracht, so will die Regierung sie n u r d a n n berück­sichtigen, wenn sie nicht di« grundsätzliche Stellungnahme betreffen. Das heißt mit an­deren Worten, daß die Prager Regierung die Na­tionalitätenfrage regeln will, ohne die Vertreter der Nationalitäten selbst zur Mitarbeit heranzu- ziehen.

Konrad Henlein in London.

Aussprache mit Churchill und Bansittart.

London, 13. Mai. (Europapreß.) Der Führer der Sudetendeutschen Partei, Konrad Hen­lein, der sich zur Zeit auf einer Privatreise in London aufhält, wurde am Freitagmittag von Winston Churchill zu einem Essen in dessen Privatwohnung empfangen. Zu dem Besuch, der etwa zwei Stunden dauerte, war auch der Frak­tionsvorsitzende der unabhängigen Liberalen, Sir Archibald Sinclair, erschienen. Reuter meldet, daß Konrad Henlein noch eine private Aussprache mit benr Diplomatischen Berater der britischen Re- gierung, Sir Robert Bansittart, haben werd«. Henlein ist heute abend Gast des Unterhausabge­ordneten Harold Nicholson. Henlein erklärte der Presse, er sei von guten alten Freunden nach England eingeladen worden. Seine Unterredungen seien rein privater Natur gewesen. Die tschechoslo- wakische Frage hätte bei diesen Gesprächen natürlich im Vordergrund gestanden, denn die Haltung Eng­lands zur politischen Entwicklung in Europa sei von allergrößter Bedeutung. Der tschechoslowakische Ge­sandte in London, Masaryk, hatte eine längere Unterredung mit dem ständigen Unterstaatssekretär im Außenministerium, Sir Alexander C a d o g a n, sowie mit Bansittart.

damals die (Einwanderung des Judentums nach Ungarn gesetzmäßig geregelt worden, so hätte die Entwicklung einen anderen Verlauf genommen. Das Judengesetz suche jetzt die Entwicklung in g e * sünde,re Bahnen zu lenken, da die überhöhte Verhältniszahl der Juden in Ungarn eine fast un­erträgliche Spannung geschaffen habe. Man könne nicht daran zweifeln, daß das Judentum ein eigenes von den übrigen Völkern abweichendes Dolkselement darstelle. Daran könne die Taufe nichts ändern, die lediglich den israelischen Juden zu einem getauften Juden mache. Die Taufe bedeute noch keine Assi­milierung. Eine Assimilierung der großen Masse des Judentums sei keineswegs zu wünschen. Das Juden­gesetz sei durchaus human, da der fünfprozen­tigen jüdischen Minderheit in Ungarn eine 20° v. - H. -Beteiligung am Wirt­schaftsleben eingeräumt werde. Die gesetzliche Regelung der Judenfrage solle dem ungarischen Volk das natürliche Gleichgewicht sichern, damit es im Donauraum seine geschichtliche Mission erfüllen könne.

bemühe. Das habe sich aber geändert. Der Besuch Henleins habe in politischen Kreisen Londons Inter­esse hervorgerufen, weil man vielfach die Ansicht vertrete, daß die Forderunaen der ungarischen Minderheit in der Tschechoslowakei a u f die­selbe Grundlage gestellt werden sollten wie die der Deutschen.

EinSreewilliger Deutscher Schuh­dienst $.©.* des Sudetendeutschtums.

Prag, 13. Mai. (DNB.) In Eger fand die GründungsversanTmlung des vom Prager Innen­ministerium genehmigten VerbandesFreiwil­liger Deutscher Schutz dien st F. S." statt. Henlein hat zu seinem Stabschef den Verbands- turnwart Willi Brandner ernannt. Der Schutz­dienst ist keine Paradetruppe, sondern eine Kämp - ferschicht, die die Ordnung und Zucht der großen Kundgebungen zu wahren hat. Sie muß das stets wache Gewissen des Sudetendeutschtums sein im Kampf für Reinheit, Schlagkraft, Zucht und Un­erschütterlichkeit der Volksgruppe.

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Rücktritt -er belgischen Regierung

Außenminister Gpaof mit der Kabinettsbildung beauftragt.

Das Wengefetz vomunganschenAbgeordnetenhausangenommen

einsrechts ahndet.

Der größte Beifall wurde dem Blinisterpräsi- denken jmredy zuteil, als er fein Sozial­programm bekanntgab, das in den Haupt- ° punkten vorsieht: Berstaaklichung der Ar­beitsvermittlung; Einführung des obli­gatorischen Arbeitsdienstes; Errichtung einer ungarischen Freizeitbewegung nach Art der deutschen OrganisationKraft durch Freude" und der italienischen Bewegung Dopolavoro, wobei aber diese ausländischen Borbilder den ungarischen Berhältnissen an­gepaßt werden sollen; soziale Fürsorgemaß­nahmen für die Landbevölkerung. Anpassung der Löhne der landwirtschaftlichen Arbeiter an die gesteigerten Preise und Hebung der Bolksgesundheit auf dem Lande; Einfüh­rung des Berufskammernfystems auf allen Gebieten der Erzeugung.

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Das Prager Aattonalttatenslailtt

Hebet denKoPf der Nationalitäten hinweg!

Prag, 14. Mai. (DNB.) Eine amtliche Meldung über die Sitzung des Ministerrates am Freitag besagt, daß ein Referat über das Ergebnis der Be­ratungen des Ministerausschusses zur Abfassung eines Nationalitätenstatuts entgegengenommen wurde. Es könne festgestellt werden, daß die Vor­bereitungen im wesentlichen fertig seien. Die Regie­rung sei daher in der Lage, an die Verwirklichung ihrer Pläne und Vorschläge durch Verhandlungen mit. den interessierten Faktoren wie auch auf legis­lativem Wege zu gehen. Die Regierung habe weiter beschlossen, daß ihre Mitglieder an Wahlversamm­lungen im Lande Böhmen und Mährisch-Schlesien nicht teilnehmen. Der Minister des Innern erörterte dann die Maßnahmen, die in den national gemisch­ten Gebieten ,yur Sicherstellung von Ruhe und Ord­nung getroffen werden.

Wie verlautet, wird das Nationalitätenstatut aus einem Hauptgesetz mit etwa 80 Paragraphen und einer Reihe von Sondergesetzen über ein­zelne Fragen der nationalen Angelegenheiten be­stehen. Dem Gesetz wird eine historische Einleitung vorangehen, in der die Lage der Nationalitäten in der Tschechoslowakei vor und nach dem Weltkriege geschildert wird und die heutigen Beziehungen zwi­schen Tschechen und Slowaken und den übrigen Volksgruppen dargestellt werden. Die Durchführung der Bestimmungen des Nationalitätenstatuts soll durch ein eigenes Inspektorat über­wacht werden, zu dem auch Vertreter der Nationalitäten herangezogen werden. Am A. Wsi llEchM MmPerxcMcltt Dl

Zmredys Programm.

Budapest, 13. Mai. (Europapreß.) Der neu­ernannte Ministerpräsident Jmredy hat im Klub der Regierungspartei seine Pläne bekanntgegeben. Nach der Hervorhebung des ch r i st l i ch - n a t i o . nalen Charakters seiner Regierung und nach einem Hinweis .auf die unverändert« Fortsetzung der bisherigen Außen­politik des Ministers Kanya kündigte Minister­präsident Jmredy bereits für Samstag die Vorlage von zwei Gesetzentwürfen im Parlament an, durch die d i e innere Ruhe und Ordnung wiederhergestellt werden soll. Der erste Gesetzentwurf verschärft die Strafmaßnahmen des Gesetzes über den wirksameren Schutz der staat­lichen und gesellschaftlichen Ordnung, während der zweite Mißbräuche des Versammlungs- und 23er=

Der neue Ministerpräsident Jmredy, der bereits als Finanzminister der Regieruna Gömbös an­gehörte und sodann die Leitung Der Ungarischen Nationalbank übernahm, genießt den Ruf eines befähigten Wirtschafts, und Finanzmannes von nationaler Weltanschauung. Die Weiterführung der ungarischen Außenpolitik in dem bisherigen Geist ist durch das Verbleiben des Außenministers von Kanya gewährleistet. Der neue Ackerbauminister Sztranyavsky spielte bereits seit Jahren als Präsident der Regierungspartei und sodann als Präsident des Reichstages eine hervorragend« Rolle und galt als ein enger Mitarbeiter und Freund des verstorbenen Ministerpräsidenten Gömbös. Zu

Brüssel, 13. Mai. (Europapreß und DNB.) Die belgifd^e Regierung Janson ist zurückgetre- ten. Der Rücktritt ist durch die Demission der drei katholischen Mini st er verursacht wor­den, di« angesichts des Konflikts der katholischen Parlamentarier mit der Regierung über die Finanz­fragen ein weiteres Verbleiben in der Regierung nicht mehr für möglich erachtet hatten. Die Katho­lischen Parlamentarier hatten mehr Einspa­rung e n gefordert, als sie das Regierungsprvjekt vorsah, dafür aber feine Steuererhöhun- gen bewilligen wollen.

Der bisherige Außenminister S p a a k ist vom König mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt worden. Paul Henri Spaak ist mit 39 Jahren einer der jüngsten Staatsmänner Belgiens. Im zweiten Kabinett van Zeeland wurde er mit der Leitung des Außenministeriums beauftragt, das er im Kabinett Janson, im vergangenen November, beibehielt. Er war schon während der letzten Mi- nifterfrife mit der Neubildung des Kabinetts be­auftragt worden, scheiterte jedoch an dem Verhal­ten der Katholischen Partei. Als Außenminister ist Spaak der energischste Vertreter der belgischen Un­abhängigkeit, die er im Sinne König Leopolds ge­gen die Machenschaften der radikalen Marxisten durchzusetzen vermochte. Er ist an dem Zustande­kommen der deutschen Garantieerklärung für die belgische Ungbhäugigk-2 vom OIwb;r 1937 hervor­

ragend beteiligt. Durch feine Bemühungen um die Anerkennung des italienischen Imperiums gelang es ihm, die Beziehungen zu Italien wieder in ein freundschaftliches Fahrwasser zu lenken.

Die Hintergründe.

Don unserem Koc.-Korrespondenien.

Brüssel, 13. Mai.

Tatsächlich richtete sich der Kampf der Katholiken weniger gegen die neuen Steuermaßnahmen als gegen die Politik des Kabinetts Janson überhaupt und vor allem gegen den marxistischen Regierungsflügel. Die Zeiten, in denen Katholiken, Liberale und Sozialdemvkraten ein­mütig allen Reaierungsvorschlägen zustimmten, sind endgültig vorüber. Schon vor der gegenwärtigen Kri>e war es Janson nur durch ununterbrochene Manöver und Ueberrebungsfünfte gelungen, die nationale Koalition", die in allen Fugen und Ecken krachte, überhaupt zusammenzuhalten. Nicht nur in der Finanzpolitik, sondern auch in der Außenpolitik, in der Schulfrage und hinsichtlich des Sprachenprvblems und der Derwaltungspolitik herrschten unüberbrückbare Unstimmig­keiten zwischen den Katholiken und oen Marxi­sten. Die Katholiken drängten täglich mit ar öfterem Nachdruck auf die Entsendung eines belgischen

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zeugende Argument gefunden. Es kann indessen ich den Gutgläubigsten nicht mehr darüber täu­schen, daß die Genfer Liga selbst England und Frankreich unbequem zu werden beginnt, seitdem Litwinow-Finkelstein sie immer krasser für die Zwecke der bolschewistischen Dölkerverhetzung miß­braucht. Er wird zum Totengräber der Genfer Entente, indem er konsequent auch dann die An-

deutsch-italienische Solidarität, so wenig si« die Verständigung eines ihrer Partner mit einer drit­ten Macht ausschUeßt, durch einen solchen Ausgleich nicht berührt wird, der gefährliche Reivungsfiächen zu glätten unternimmt. Ja, solche Bemühungen liegen nur im Interesse beider Partner, denn es ist ja der Sinn ihrer politischen Grundauffassung und natürlich auch das Streben ihrer praktischen Politik, durch zweiseitige Verständigung stabile Vorausset­zungen einer auf Gleichberechtigung und Achtung der nationalen Lebensrechte eines jeden Volkes berüh­renden internationalen Zusammenarbeit zu schaffen. Denn so wenig bisher die Politik Deutschlands und Italiens, die das Großdeutsche Reich und das ita­lienische Imperium schuf, echte Lebensinteressen an­derer Völker irgendwo beeinträchtigt hat, so wenig wollen ja Deutschland und Italien die von ihnen verkündeten Prinzipien der Freiheit und Selbstbe­stimmung andern Völkern vorenthalten. Nein, gerade durch Verallgemeinerung dieser Grundsätze soll ja die neu« Ordnung ermöglicht werden, die einen wah­ren und darum allein dauerhaften Frieden verbürgt. Die deutsche und italienische Politik der letzten fünf Jahre gibt ja den Fingerzeig dafür, daß die noch bestehenden Gefahrenherde nur dadurch beseitigt werden können, daß den natürlichen Lebensrechten der Völker die Entwicklung freigegeben wird, statt sich ihr mit allen Mitteln entgegenzustemmen, um am Ende doch sich vor der Gewalt der politischen Wirklichkeit als geschlagen bekennen zu müssen.

Die eben eröffnete RatstagungderGenfer Liga ifrottiert auf eine für alle Beteiligten geradezu peinliche Weise dies Eingeständnis einer vergeblichen Jagd nach einem Phantom. Die Vertreter aller noch in Genf vertretenen Mächte beeilen (ich zwar, sich gegenseitig ihrer unwandelbaren und unerschütterlichen Treue zu den Grundsätzen derGenferLiga zuversichern, müssen aber dann, sobald sie von der Theorie in die Praxis kommen, einen wahren Eiertanz auf­führen, um zu begründen, warum in diesem beson­deren Fall, sei es nun Abessinien, Spanien oder der Ostasienkonflikt, die Grundsätze der Genfer Liga nicht anwendbar sind, weil sie der natürlichen Entwick­lung sowohl wie ihren eigenen nationalen Inter­essen entgegenstehen. England hat im Osterakkord von Rom das italienische Imperium in Ostafrika anerkannt, sich aber eines geordneten Rückzuges in den Augen der britischen Opposition wie der l'^a- treuen öffentlichen Meinung anderer Länder zuliebe das Joch auferlegt, erst in Genf die Freigabe der Anerkennung des Imperiums durchzudrücken. Lit- winow-Finkelstein, der sich in Genf wie immer in der Pofe des Gerechtigkeitsfanatikers gefällt, um eine Zusammenarbeit der europäischen Mächte und ein« Entspannung der politischen Atmosphäre zu hintertreiben, hat, wie Chinesen und Sowjetspanier, auch den Exnegus von Abessinien unter seine Fit­tiche genommen, und da es der britischen Diplomatie hinter den Kulissen nicht gelungen war, ihn mit dem Hinweis der Erfolglosigkeit seiner Intrigen zum Verzicht auf seine Schaustellung zu bewegen, mußte sich notwendigerweise jene amüsante Szene abrollen, die am Genfer Ratstisch den brittschen Außenminister als Widersacher des einst auch vom offiziellen Eng­land höchlichst hofierten und nun mit seinen eng­lischen Anwälten persönlich erschienenen Exnegus Halle Selassie auftreten sah.

Das Beschämende dieser Szene und das Bewußt­sein, eine nicht nur politische, sondern auch mora­lische Niederlage erlitten zu haben, die bei weniger Selbstqerechtigkeit und mehr Sinn für die politischen Wirklichkeiten hätte vermieden werden können, haben ober weder den britischen noch den französischen Außenminister daran gehindert, die falsche Abessinien- Politik entschlossen zu liquidierenangesichts der Tatsachen und auf Grund der Umstände", wie die in Genf übliche Formel für einen solchen Rückzug aus dem Reich der Phantome in die rauhe Wirk­lichkeit lautet.Frankreich glaubt", so deklamierte sein Außenminister Bonnet pathetisch,daß man vor allem dem Friedenswillen gehorchen müsse, der das Fundament und die Seele des Völkerbundes ist." So ist auch wieder für diesen peinlichen Salto mortale aus der Theorie in di« Praxis das über«

Der Rücktritt Darcmyis.

Budapest, 13. Mai. (Europapreß.) Die alt- konservative Mehrheit des Oberhauses hat das Kabinett Dar ant)i gestürzt. Die Ober­hausmitglieder haben dem Ministerpräsidenten eine Forderung überreicht, bis zum 18. Mai Maß­nahmen zu treffen, die geeignet seien, d i e ö f f e n t» liche Ruhe und Ordnung gegen die extremen radikalen Strömungen zu sichern. Da Minister­präsident Daranyi in dieser Forderung einen 2111 ) e s Mißtrauens erblickt hat, hat er den Ge- amtrücktritt der Regierung bekanntgegeben. In Siner amtlichen Verlautbarung über die Gründe des Rücktritts heißt es, der zurückgetretene Mini- terpräsident habe sich bei der Uebernahme der Negierungsgeschäfte eine Reihe von Aufgaben ge­teilt, die nunmehr als gelöst angesehen wer- den könnten. Hierzu gehörten die verfassungsrecht­lichen und sozialen Reformen, die zur Wahrung der staatlichen Ordnung notwendigen pressepolizei­lichen Maßnahmen, das Gesetz über die Sicherung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gleichge­wichte (Judengesetz) und das große Investitions- Programm, das dem Aufbau der Honvedarmee und der Wirtschaft dient. All« dies« Reformen hätten ihre parlamentarische Erledigung ge« unden. Damit wäre ein fest umrittener Abschnitt in dem Aufgabenkreis und der gesamten Tätigkeit der Regierung eingetreten. Aus diesem Grunde habe ich Ministerpräsident Daranyi veranlaßt gesehen, dem Reichsverweser seinen Rücktritt anzu- bieten.

Das neue Kabinett Jmredy.

Reichsverweser Admiral von H or t h y hat auf Vorschlag Daranyis den bisherigen Wirtschafts­minister und Nationarbankpräsidenten Jmredy zum Ministerpräsidenten ernannt und mit der Neu­bildung der Regierung betraut. Die neue ungarische Regierung setzt sich wie folgt zusammen:

Ministerpräsident und Handelsminister: Adalbert Jmredy, bicher Volkswirtschaftsminister und Präsident der Ungarischen Nationalbank;

Innenminister: Franz Keresztes-Fischer, bisher Präsident der Geldinstitutszentral« und ehe­maliger Innenminister der Kabinett« Bechlen und Gönckos;

Außenminister: Koloman von Kanya (wie bisher);

Honvedminister: Generäl der Infanterie Eugen Ratz, bisher Generalstabschef der Honved;

Finanzminister: Ludwig Romenyi-Schnel- ler (wie bisher);

Kultus- und Unterrichtsminister: Gras Paul von T e l e k y, ehemaliger Ministerpräsident;

Justizminister: Edmund Mikecz (wie bisher); Jndustrieminister: Bornemisza (wie bischer); Landwirtschaftsminister: Alexander Sztrani- avszky, bisher Präsident des Abgeordnetenhauses;

Dolkserziehung und Propaganda: Valentin H o m a n , bicher Kultus- und Unterrichtsminister.

Das Kabinett Jmredy weist denselben Charakter auf wie das zurückgetretene Ääb'inett Daranyi. Der rechtsradikale Flügel der Regie­rungspartei hat seine Stellung noch er­weitert, indem zu den bisherigen rechtsradikalen Ministern Homan, Bornemisza, Mikecz nun als vierter der Führer des rechtsnationalen Flügels der Regierungspartei, Alexander Sztraniayfzky, hinzukommt. Die übrigen Kabinettsmitglieder ge­hören dem rechtsnationalen Zentrum der Regie­rungspartei an, wie dies schon bei dem zurück- getretenen Kabinett Daranyi der Fall gewesen war. Der ganze Wechsel gegenüber dem bisherigen Kabi- nett Daranyi besteht darin, daß das b i sch e r i g e Programm des Kabinetts Daranyi unter Ein­beziehung neuer Kräfte in einem noch stär­keren Tempo durchgeführt werden wird.

Das Kabinett Jmredy kann außer auf die Regie­rungspartei auch mit der wohlwollenden Neutralität der beiden rechtsgerichteten Oppositionsgruppen (Der.

der Ernennung des Generalstabschefs General Ratz zum HonvedMinister wird auf das unein­geschränkte Vertrauen hingewiesen, das ihm vom gesamten Offizierkorps entgegengebracht wird. Der neue Innenminister, Koresztes-Fischer, war bereits beim Abschluß der Regierungsepoche des Grafen Stefan Bechlen Innenminister. Der neue ---------- . ... . Y .. .

Unterrichtsminister, Graf Paul Teleki, der einigte Christliche Partei und Klein-Landwirte- vor der Regierungszeit des Grafen Bechlen einmal Partei) rechnen. Eine ruhige parlamentarische Ar- kürzere Zeit Ministerpräsident war, genießt den beit scheint also gewährleistet, um so mehr, als Rus eines der bekanntesten Wissenschaftler und Ministerpräsident Jmredy in allen politischen und Geschichtsforscher des ungarischen Geisteslebens. ®*"*"^** ,,*'2aA,r4'*

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