KMWWMWM
AS.-Gememschaft „Kraft durch Freude".
Fuhboll-Läaderkampf Deutschland — Portugal am 24. April 1938 in Frankfurt a. M. Fahrpreis einschließlich Eintritt 5,— RM. Kartenverkaufsstelle Settersweg 60. 2513V
Urlaubsreifen.
Für nachstehende Urlaubsreisen bis Ende Mai werden noch sofortige Anmeldungen angenommen:
11$. 10: vom 22. April bis 30. April 1938: Rothen- bürg o. d. T. = 32,50 RM.
11$. 11: vom 3. Mai bis 13. Mai 1938: Schwäbische Alp = 40,— RM.
H$. 13: vom 21. Mai bis 29. Mai 1938: Sächsische Schweiz = 40,— RM.
11$. 14: vOm 26. Mai bis 4. Juni 1938: Bodensee = 39,— RM.
In den Preisen eingeschlossen sind: Fahrt, Unterkunft, Verpflegung. 2512V
Unsere Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60, ist Ostersamstag, den 16. 4.38, geschlossen.
Gießener Dochenmatktpreise.
* Gießen, 14. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, vollfrisch, Klasse S 13, Klasse A 12^, Klasse B 12, Klasse C 11H, Klasse D 10^, Enteneier 12, Wirsing, % kg 15 bis 18, Weißkraut 12, Rotkraut 14 bis 15, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Unterkohlrabi 8, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 50, Zwiebeln 18, Meer» rettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Aepfel, % kg 12 bis 40 Pf., Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, dos Stück 30 bis 50 Pf., Salat 10 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 12 bis 15 Pf.
*
** Straßensperre. Wegen Arbeiten an der Autobahn wird die Landstraße Atzenhain—Berns- seid vom 19. April bis zum 31. Juli für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Mer- lau—Rieder-Ohmen. — Die Straßensperre auf der Landstraße Rieder-Ohmen—Bernsfeld ist aufgehoben.
** Achtet auch a u f kleine Wunden. Dieser Tage war ein lOjähriger Junge gestürzt und hatte dabei eine anscheinend geringfügige Wunde erlitten, die nicht weiter beachtet wurde. Nunmehr aber mußte der Knabe in die Chirurgische Klinik gebracht werden, da sich eine schwere Infektion eingestellt hatte. Die ärztliche Untersuchung stellte eine Starrkrampfinfektion fest. Das bedauernswerte Kind liegt schwer darnieder.
** D i e Industrie- und Handelskammer Gießen gibt bekannt, daß ihre Geschäftsräume am heutigen Donnerstag ab 13 Uhr geschlossen werden und am kommenden , Samstag, 16.April, überhaupt geschlossen bleiben.
anstaltete Umtauschaktion nicht statt. Diese Aktion, die im Vorfahr zweifellos einen bedeutenden Erfolg brachte, war niemals als eine Dauereinrich- tung gedacht. Sie diente vielmehr dazu, die überfüllten Lager der Industrie und des Handels zu räumen. Da nun aber inzwischen viele Kaufinter- essenten in der Erwartung einer neuen Umtauschgelegenheit mit ihren Kaufplänen zurückzuhalten beginnen, ist das Ergebnis nur eine Verschiebung der toten Saison. Im Interesse des Rundfunkwesens kommt es aber unter ollen Umständen darauf an, den Rundfunkmarkt möglichst stabil zu halten und eine gleichmäßige Entwicklung zu sichern. Der Beschluß der marktregelnden Verbände, die Umtauschaktion in diesem Jahre fallen zu lassen, ist vom Reichskommissar für die Preisbildung, vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und vom Präsidenten der Reich'srundfunk- kammer ausdrücklich gebilligt worden.
RSG. Zeppelinbesichtigung auch während der Osterfeiertage. Die Zeppelin- Reederei Frankfurt teilt auf Grund wiederholter Anfragen mit, daß das Luftschiff „Graf Zeppelin", das in der Luftschiffhalle I des Flug- und Luftschiffhafens Rhein-Main liegt, auch während der Osterfeiertage in der Zeit von 8 bis 17 Uhr zur Innen- besichtigung freigegeben ist.
** Die Köln-Düsseldorfter Rheindampfschiffahrt nimmt, wie üblich, an Karfreitag die Personenfahrten auf dem Rhein auf. Don Mainz fährt täglich um 9.15 Uhr ein Schnelldampfer bis Köln. Das von Köln kommende Gegenschiff bietet ab Koblenz günstige Rückfahrgelegenheit am gleichen Tage nach Mainz. Sonntags fährt außerdem um 11 Uhr ein Personenschiff bis Köln und um 14.30 Uhr ein Dampfer bis Aßmannshausen, der um 19.45 Uhr wieder in Mainz eintrifft.
Rundfunkprogramm
Karfreitag, 15. April.
6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Ev. Morgenfeier; 9.10: Mozarts „Requiem". 10: Chor- gesang. Besinnliche Volkslieder. 10.30: Ulrich von Hutten: Ich hab's gewagt". 11.15: Mensch zwischen Zeit und Ewigkeit. 12: Mittagskonzert. 14: Innere Einkehr. 15: Reservisten des Spatens. 15.45: Sport-
creigniffe des Tages. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Erster Aufzug aus „Parsifal". Ein Bühnenweihfest- fpieL 19.10: Nachrichten. 19.20: Sportspiegel. 20: Orchesterkonzert. 22: Nachrichten. 22.15: Deutsche Boxmeisterschaften in der Festhalle Frankfurt a. M. Erster Teil der Titelkämpfe. 22.30: Zur guten Nacht. 23.45: Deutsche Boxmeisterschaften in der Festhalle Frankfurt a. M. Titelkämpfe und Schluß. 24 bis 1: Nachtkonzert: Anton Bruckner.
Samstag, 16. April.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Deutschland — Kinderland. 11.40: Der Sinn des Dorfbuches .... 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Wie wohl ist tffir am Wochenekid! 15: Bilderbuch der Woche. 15.30: Wenn die Stürme Leben wecken .<. Alte Spielmusik und neue Lieder.16: Nachmittagskonzert. 18: Halli, hallo, wir fahren, wir fahren in die Welt. Die Rundfunk- spielfchar der 8 Ffm. der RIF. singt alte und neue Wanderlieder. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.50: Sport an den Feiertagen. 19: Nachrichten. 19.10: Militärkonzert 20: Großes Unterhaltungs- konzert. 22: Nachrichten. 24 bis 2: Nachtmusik. 3m* Ueberfchwang der Freude!
SerLebensmiiielmarkivorOsiernreichlich versorg!
Eine Marktübersicht.
Das kalte Wetter brachte eine Verringerung des Trinkmilchoerbrauchs, aber bei schwächeren Milch- anlieferungen auch eine kleine Abnahme der Butter erzeugung, so daß zur Deckung der Versorgung nach wie vor Zusatzmengen aus Kurhesien und auch aus dem Auslände durch die Hauptvereini- gung abgegeben werden müssen.
Die Legetätigkeit der Hühner erreicht jetzt in kurzem den Höchststand, so daß für die nächste Zeit noch mit einer reichen Anlieferung von Eiern zu rechnen ist. Da auch die Hauptvereinigung für die Osterzeit Ueberschüsse aus arideren Gebieten trotz der bereits begonnenen Einlagerung von Kühlhaus- eiern abgab, konnten die Verbraucher ihren Bedarf weitgehend befriedigen.
Mit Beginn der Frühgemüseernte wird das Ge- schäst in Ä e p f e l n ruhiger, zumal jetzt auch Rhabarber als Frischobst genoffen werden kann; infolgedessen waren nur gute einwandfreie Qualitäten begehrt, wobei die obere Preisgrenze erreicht wurde. Apfelsinen und Bananen kommen nur in kleinen Ladungen heran. Die Beschickung der G e - müfemärtte ist reichlich. Gemüse alter Ernte ist bis auf wenige Sorten ausreichend und preiswert erhältlich, besonders Wurzelgemüse, aber auch Weißkraut knapp geworden und auch Zwiebeln stehen nur in kleinen Mengen zur Verfügung. Kopfsalat sowie andere Treibgemüse stehen für die Feiertage in großen Mengen zur Verfügung.
Die Landwirtschaft bringt immer noch kleine Mengen von Brotgetreide zur Ablieferung, die von den ländlichen Mühlen aufgenommen wer- den. Besonders Weizen ist.begehrt, während in Roggen die Bestände der Mühlen aufgefüllt sind. Futtergerste ist kaum erhältlich, dagegen können die Pferdehalter kleine Mengen von Hafer beziehen. Weizenmehl behält sein ruhiges Bedarfsgeschäft bei. Die Bezüge in Roggenmehl, besonders ostdeutscher Herkunft sind kaum gestiegen; nur die hiesigen Mühlen bringen ihren Mehlanfall ohne Schwierigkeiten unter.
Die lebhafte Frühjahrsnachfrage in Futtermitteln, die durch das Nachlasien der eigenen Futtervorräte ausgelöst wird, kann mit wenigen Ausnahmen befriedigt werden. In Rauhfutter da- gegen sind die Kaufwünsche der Verbraucher nur schwer zu erfüllen.
Von den Verkaufsmeldungen in Schlachtvieh kann der größte £eil an den Schlachtviehmärkten untergebracht werden, zumal sich im Hinblick auf die Festzeit ein stärkerer Verbrauch zeigte, so daß die Verarbeiter glatt ihr Rindfleischkontingent auf« nehmen. Mit Beginn der Grünfütterung dürfte ein Nachlassen der Auftriebe eintreten. An den Kälbermärkten war das Geschäft bei dem einsetzenden Fremdenverkehr sowie für den Feiertagsbedarf lebhaft.
Auf zum Maikäfer-Krieg?
-1938 wird voraussichtlich ein großes Klugjahr. — Schädlinge, gefräßig wie Heuschrecken. — Kangkolonnen müssen gebildet werden'
Wer noch kein richtiges Maikäferflugjahr mit» erlebt hat, der sollte nicht über Maikäfer reden. Denn nur wer einmal 5000 Engerlinge in einem einzigen Baumwurzelballen versammelt sah, wie es 1934 aus der Pfalz von Augenzeugen berichtet wurde, oder wer 5000 schwärmende Käfer erblickte, die gleichzeitig um einen einzigen Schwarmbaum flogen, oder ganze Bäume und Sträucher, an denen doppelt soviel Käfer traubenweise aufeinanderhockten, als Blätter daran gezählt wurden, nur der tann sich ein Bild davon machen, wie aus einer „Maikäferkomödie — so heißt ein Theaterstück — eine Maikäferkatastrophe wird.
In Schlesien hat es — ebenfalls 1934 — so viele Maikäfer gegeben, daß ihre Flüge den Umfang und
die Folgen der Heuschreckenplage frember Länder annahmen. Auf den mit zerquetschten Maikäfern bedeckten Sttaßen blieben Kraftwagen und Radfahrer buchstäblich stecken. Alle diese Flüge sind durch Zahlen belegt und erwiesen, genau so wie der zahlenmäßige Erfolg der Maikäferfangzüge des Forstmeisters Puster in den Schwarmjahren 1903 und 1907, der sich auf 22,5 Millionen Stück belief, was einer Nachkommenschaft von einer halben Milliarde Engerlingen entsprochen haben würde.
Diese trockenen Zahlen lassen den Laien ahnen, daß gerade im Zeichen der forst- und landwirtschast- lichen Leistungssteigerung umfasiende Maßnahmen notwendig sind, um dem gefährlichen Maikäferschaden wirksam zu begegnen. Schon ftüh jm Jahre
müssen Hilfskräfte, Gerätschaften und FanHvorrich- tungen bereitgestellt werden, um bei Beginn der Massenflüge, also ab Ende April, im ganzen Be- fallgebiet umfasiend, schlagartia und rechtzeitig mit dem Einsammeln der Käfer beginnen zu können. Weiras.
Große Strafkammer Gießen.
Die Große Sttafkammer verhandelte in einer 15 Stunden dauernden Sitzung gegen den Wilhelm Schäfer aus Rendel. Der Angeklagte stand mit dem Juden Ballin Oppenheimer in Geschäftsverbindung, und zwar nahm er von diesem Wechsel in Zahlung, zuerst Kundenwechsel und dann auch eigene, und gab ihm hierfür etwa 10 000 Mark. Da der Angeklagte die schlechte finanzielle Laae des Oppenheimer kannte, ging sein Bestreben dahin, jemand zu finden, der für die Schutt des Oppenheimer einstand. Der Angeklagte hatte schon im Jahre 1927 dem Zeugen H. ein Darlehen von 300 Mark gegeben und, von diesem hierfür einen Schuldwechsel erhalten. Hierbei merkte der Angeklagte die Beschränktheit des H. und machte sich
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besser möglich als seither, Erdal ist ja billiger geworden! Die Normaldose kostet jetzt schwarz 20 Pfg., farbig 25 Pfg - Spart Schuhe durch ausreichende Erdal Schuhpflege. Die Schuhe halten dann länger und bleiben länger schön. hiB Erdal
diese zunutze- indem er ihn veranlaßte, die von Oppenheimer in Zahlung gegebenen Wechsel zu girieren. Als H. diese Wechsel indossierte, wußte er überhaupt nicht, daß es sich um- Wechsel handelte, insbesondere wußte er auch nicht, daß er hiermit für eine Schuld des Juden Oppenheimer haftete und daß es sich dabei um eine Summe von etwa 10 000 Mark handelte. Anstatt der Angeklagte, wie es feine Pflicht gewesen wäre, den Zeugen H. aufklärte, nutzte er dessen Vertrauen m feine Redlichkeit aus, um auf diese Weise einen Dummen zu finden, an den er sich halten konnte, wenn Oppenheimer feine Schuld nicht zahlte.
Die von Oppenheimer gegebenen Wechsel wurden jedes Vierteljahr prolongiert, ebenso auch der von H. für seine eigene Darlehensschuld gegebene Wechsel, der sich schließlich 1937. durch die ständig von dem Angeklagten gemachten Zuschläge auf 710 Mark belief. Bei der Erneuerung der Wechsel hatte auch H. jedesmal wieder giriert und, obwohl H. dies leugnet, ist anzunehmen, daß er doch im Laufe der 10 Jahre, "wahrend welcher die Wechsel ständig erneuert wurden, gewußt hatte, daß er feine Unterschrift auf Wechsel setzte, die die Schulden des Oppenheimer betrafen. Aber auch bei der Erneuerung wußte H. nicht die Höhe der Summe, für welche er gutschrieb.
Durch die vielen Unterschriften war H. endlich stutzig geworden und frug den Angeklagten eines Tages, als er wieder unterschreiben sollte, ob ihm auch nichts passieren könne. Darauf erwiderte Schäfer, das sei nicht möglich, er stehe ja dahinter. H. unterschrieb dann auch weiter.
Als sich hn Sommer 1937 H. endgültig weigerte, noch länger Unterschriften zu leisten, ließ der Angeklagte sämtliche Wechsel zu Protest gehen und forderte H. in einem äußerst groben Brief auf, binnen 48 Stunden 6000 Mark zu zahlen, anderenfalls würde er Wechselklage erheben, was auch geschah. Nachdem er diesen Brief erhallen hatte, zeigte H. den gesamten Sachverhalt an.
Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen fortgesetzten Bettugs zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und einer Geldstrafe von 500 Mk. unter Anrechnung der Untersuchungshaft.
Abenteuer in Paris
Roman von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa.
34. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Er brüllte auf und wollte sich auf sie stürzen. Doch er hielt ein, als er eine Pistole in ihrer,Hand auf» glänzen sah, eine kleine, fast wie ein Spielzeug aus» sehende Waffe.
„Ah, nun durchschaue ich Sie!" zischte er wutschnaubend. „Von Anfang an war alles ein infames Spiel! Alles Lüge! — Aber was wollen Sie eigentlich, schönes Kind? Wie lange wollen Sie mir das Dings unter die Nase halten?"
Pawla ließ keinen Blick von ihm, während sie beunruhigt lauschte. Nichts rührte sich, kein Geräusch deutete darauf hin, däß der ersehnte Beistand nahe sei.
Was sollte sie davon denken? Es war doch alles vereinbart worden! Oder — war etwa ihr Weggang von der Polizeistteife übersehen worden? Du lieber Himmel — was dann? ...
Czibulka bemerkte ihre Verlegenheit. „Aha — scheint nicht ganz zu klappen, die Geschichte! — Nun, ich verstehe Spaß! Legen Sie das Schießeisen weg, es ist viel Dernünftiger, wenn wir uns auf gütlichem Wege einigen!"
lieber Pawlas Züge glitt eine zähe Entschlossenheit. „Geben Sie sich keine Mühe, Herr Czibulka! Sie und Ihre beiden Komplicen haben das Spiel verloren."
„Ein bedauerlicher Irrtum, gnädiges Fräulein!" klang in diesem Augenblick eine Stimme von der Tür her.
Es war Töne Larrings.
Pawla wandte erschreckt den Kopf. In der gleichen Sekunde schnellte Czibulka vor und schlug ihr die Waffe aus der Hand. Dann hob er sie vom Boden auf und steckte sie lachend in die Tasche. „Fein hast du das gemacht, Töne! Dieses verdammte Weib!"
„Da solltest ganz still und bescheiden sein! Wie ein alter Esel bist du auf ihre Schliche herein- gefallen!"
„Du hast recht, Töne. Ra, es soll mir eine Lehre fein. Was machen wir nun mit dem Frauenzimmer?"
„Ueberflüssige Frage!" lachte Töne und heftete seine kalten, stechenden Augen auf Pawla. „Fürs erste ist sie mein!" Er umfaßte Pawlas Arm und zwang sie mit einem stählernen Griff an seine Seite.
Czibulkas Stirn verfinsterte sich. „Das könnte dir so passen, wie? Einfach daherkommen und mir mein Eigentum wegnehmen! Mir gehört sie!"
„Einfach daherkommen? Ich glaube, es war dir verdammt angenehm, daß ich gekommen bin,"
Pawla stand da, in den festen Zugriff des Mannes gefesselt, und es war ihr, als verblute sie von innen her.
Töne Larrings zerrte sie zur Couch, ftiefe sie auf das Lager nieder. Plötzlich aber wurde Töne Larrings von zwei kräftigen Armen gepackt und zurückgerissen.
33.
Als das Auto mit den Fluggästen vor dem Polizeipräsidium hielt, war Christian Herdegen mit dem Aussehen seiner Fingernägel eüblich zufrieden, mit deren Polieren er sich während der ganzen Fahrt die Zeit vertrieben hatte.
„Alles aussteigen!" rief er, nachdem er selbst den Wagen als erster verlasien hatte. Als alle ausge- ftiegen waren, warf er einen letzten prüfendn Blick über die Häupter seiner Lieben, stellte fest, daß nie» mand fehlte, und setzte dann dem diensttuenden Beamten auseinander, daß er mit seiner kleinen Schar das dringende Bedürfnis habe, noch in der Nacht ein Plauderstündchen mit dem Chef des Raubdezernates zu verbringen.
Der Beamte wollte Einwendungen machen, aber Herdegen hob in lächelnder Abwehr die Hand. „Sagen Sie dem Kapitän Feuillat, dafe Monsieur Christian aus Berlin ihm gern die Hand drücken möchte!"
Als -der Beamte zurückkam, strahlte fein Gesicht vor Freundlichkeit. Monsieur le capitain erwartet Sie!"
Wenig später stand Herdegen vor Kapitän Feuillat, und der herzliche Ton der Begrüßung liefe darauf schließen, daß die beiden Männer nicht nur durch eine flüchtige Bekanntschaft miteinander verbunden waren.
„Guten Abend, Kapitän, eine nette Ueberraschung, nicht wahr? Denken Sie, ich bin eigens herübergekommen, um den etwas überstürzten Abschied, der Ihren letzten Berliner Besuch beendete, wieder gut» zumachen. Sie erinnern sich, ich war dienstlich sehr in Anspruch genommen. Hatten Sie damals eine gute Reise?"
Feuillat erhob sich lachend von seinem Schreibtisch. „Sie sind immer noch der alte Spaßvogel, ich sehe schon! Wenn Sie mitten in der Nacht hier hereingeschneit kommen, dann ist doch was Besonderes los, und ich möchte fast annehmen, daß Ihr Besuch mij diesem Juwelenraub zusammenhängt. Ihr Kollege, Monsieur Stadler, steckt gerade mitten in der Arbeit."
"2lh, intereffant! — In der Tat, Sie haben richtig geraten, es ist dieser Fall, der den Anlaß zu meiner Reise gab. Im übrigen bin ich schon ein wenig flrihi^flemcfen. Darf ich Ihnen mein Gefolge vor-
(Fr wies mit einer umfassenden Handbewegung auf seine Begleitung, die teils gleichgültig, teils in großer Ueberraschung dem Gespräch gefolgt war.
„Dieser brave Großvater hier ist Herr Bargent. Lassen Sie sich aber durch fein harmloses Aussehen nicht beirren, er hat es faustdick hinter den Ohren. Er war es, der diesen jungen Mann, Herrn Willy Ruland, mit sanfter Gewalt an der Grenze festhielt und sich damit als Komplice der Juwelenräuber zu erkennen gab. Herr Ruland war nämlich mit der Aufgabe betraut worden, in Paris ---"
,Äh weiß!" unterbrach Feuillat. „Monsieur Stadler erzühtte mir." Er wandte sich an Ruland und drückte ihm die Hand. ,Hch hoffe. Sie werden sich den kleinen Mißerfolg nicht »allzu sehr zu Herzen nehmen, nachdem Ihre Aufgabe hier tatkräftig in die Hand genommen wurde. Insbesondere ist es Ihrem tapferen Fräulein Braut gelungen, einem der gefährlichsten Mitglieder der Bande das Handwerk zu legen!"
Ruland glaubte nicht recht gehört zu haben. „Was sagen Sie da — meine Braut? Gerda ist... in Paris?"
„Allerdings!" lächelte der Kapitän, während er Rui and s Paß vorn Schreibtisch nahm. „Hier — Ihre Papiere, deren Verlust Ihnen wahrscheinlich einige Unannehmlichkeiten verursacht hat. Ihre schnelle Wiederbeschaffung haben Sie einzig Made- mviselle Bosch zu verdanken, deren Mut und Geistesgegenwart die Verhaftung von Henry Claud^ ermöglichte."
„Also doch dieser Claude! Ich wußte es ja. 2lber, daß meine Braut — ich kann es immer noch nicht begreifen!"
„Die junge Dame ist im Hause. Sie macht gerade ihre Aussage vor dem zirständigen Beamten. Wenn Sie sich einen kurzen Augenblick gedulden wollen!"
Er drückte auf eine Taste und wies den ein» tretenden Sergeanten an, Herrn Ruland in das Zimmer von Kommisiar Noiron zu führen. Als Ruland den Raum verlassen hatte,- verband er sich telephonisch mit dem Kommissar. „Wie stehen die Dinge, Herr Kollege? — Ah, sehr schön. Hören Sie, ich schicke Jhyen eben einen jungen Mann, den Verlobten von Mademoiselle Bosch. Die Leutchen werden sich allerlei unter vier Augen — hm — erzählen wollen. Sie — verstehen, nicht wahr?"
Christian Herdegen hatte das kurze Zwischenspiel mit verständnisvollem Schmunzeln verfolgt. „Es verspricht eine gute Ehe zu werden!"
„Sicher!" gab Feuillat zurück. „Und wer ist diese junge Dame hier? Doch nicht etwa Ihre--?"
„Mitnichten, Kapitän!" unterbrach Herdegen, komisch entsetzt, „Sie wissen, ich huldige dem Grund- satz, mir um der harten, kalten Pflicht willen die Annehmlichkeiten des Lebens vorerst noch eine Weile vom Leibe zu hatten! Das ist Lissy Bargent, die Tochter unseres reuigen Sünders. Sie steht zwar in keinem direkten Zusammenhang mit den Geschehnissen, aber sie bat mich so flehentlich, mitgenommen zu werden, daß ich bei meinem weichen
Gemüt nicht nein sagen konnte. — Uebrigens würde ich raten, Monsieur Julius gleich vernehmen zu lassen. Ich bin überzeugt, daß er einige werttolle Auskünfte geben kann."
Feuillat nickte und griff wieder nach dem Fern- sprechhörer. Alsbald traten zwei Polizisten ent, um Vargent in ihre Obhut zu nehmen.'
Der Abschied zwischen Vater und Tochter verlief ohne besondere Aufregungen, denn Lissy Bargent hatte in all den Jahren zu viel von dem Manne erdulden ntüffen, um den Augenblick der Erlösung nicht mit einem erleichterten Aufatmen zu begrüßen.
Der Kapitän berichtete nun seinem. deutschen Kollegen von den Ereignisien des Tages und fanb in ihm einen aufmerksamen Zuhörer.
„Fabelhaft!" lobte Christian Herdegen. .Heinzelmännchen- scheint ja wieder mal ganz groß in Form zu fein!"
Aber noch bevor Feuillat mit feiner Schilderung zu Ende war, wurde die Tür aufgeriffen, und Heinz Stadler stürzte herein, völlig atemlos und in einer Aufmachung, die eher einen Landstreicher als einen Kriminalbeamten in ihm vermuten liefe.
Als er seinen Kameraden Herdegen erblickte, leuchteten feine Augen freudig auf. „Christian, Mensch, wo kommst du denn her? Ist ja wunderbar!" Er drückte Christans zarte Hände mit solcher Heftigkeit, daß der losfluchte: „Mensch, so im Druck
Doch schon eilte Heinz Stadler auf Fsdillat zu, und fein Gesicht zeigte den gleichen gehetzten Ausdruck wie vorher.
„Ist die Sache — schief gegangen?" fragte der Franzose besorgt.
„Darum handelt es sich jetzt nicht, Monsieur le capitain! Wir haben eine ganze Menge Spitzbuben geschnappt, aber — Pawla Werzewira ist in der größten Gefahr!" Er schilderte kurz, was sich er» -eignet hatte.
„Ich beschwöre Sie, Monsieur Feuillat, lasten Sie sofort recherchieren! Vielleicht finden sich in den Akten oder im Meldeamt irgendwelche Hinweise, wo die Wohnung dieses Otto Czibulka liegt Wir müssen diese Wohnung ausfindig machen! Sofort! Jeder Augenblick ist kostbar — ach, vielleicht ist es schon zu spät!"
„Aber mein Lieber", entgegnete Feuillat bestürzt, ..wir haben doch bereits heute nachmittag mit aller Sorgfalt in dieser Richtung geforscht, als Sie die Namen der Verbrecher festgestellt hatten. Es findet üch feinerlei Angabe über ihren Aufenthalt, mir hät- t n uns sonst die Arbeit wesentlich erleichtern formen."
„Herrgott, es muß aber etwas geschehen! Christian, weißt du denn keinen Ausweg? Das junge Mädchen, das diese gefährliche Aufgabe auf meine Bitte hin übernommen hat — es ist eine Deutsche — Christian, ach wie soll ich es dir erklären—2*
-- - Schluß folgt


