M.88 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Donnerstag, 14-WH938
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Die der
Als Mussolini die Kraft der gestärkten italienischen Waffe in Abessinien erprobte, war er ich bewußt, und sprach es aus, daß er in Abes- inien gewissermaßen mit der Genfer Liga um die Wette liefe. Er siegte. Eden gab in Genf als der eigentliche Urheber der verfehlten Wirt- chastssanktionen zu, sie müßten abgeblasen werden, weil Italiens Waffen schneller gewesen waren als die ligamäßigen Bemühungen, sie zu tören. Damit war die Niederlage der englischen Ligapolitik offenbar geworden. Italien verließ den Genfer Verein, weil sich Genf nicht juristisch mit der Anerkennung des Imperiums befassen wollte, andern so tat, als ob Halle Selassie noch immer Herrscher in Aethiopien wäre. Eden hat dann gegenüber Italien trotz des von Ciano und ihm abgeschlossenen Gentleman-Agreement vom 2. Ian. 1937 die Politik d e r Nadelstiche gegen Mussolini fortgesetzt. Das Abkommen blieb unfruchtbar, und der hervorragendste Publizist Italiens zieh England einfach des mangelnden guten Willens. Mussolini hatte in seiner Mailänder Rede vom 1. November 1936 den Engländern begreiflich zu machen versucht, daß das M i t t e l m e e r „das Leben" für Italien bedeute, für England aber nur einen der vielen ihm zur Verfügung stehenden Seewege. Es war vergeblich. Ein volles Jahr verging mit dem Irrsinn der vergeblichen Illusionspolitik Edens gegen Italien, während die Italiener zurückschlugen, Mussolini nach Libyen ging und das Schwert des Islam nahm. Der Sender von Bari entfaltete eine Tätigkeit, die England schließlich auf die Nerven ging. Italien begann seine mohammedanische Politik.
Darüber ist es zu der entscheidenden Auseinandersetzung zwischen Chamberlain und Eden gekommen. Eden handelte wie ein Spieler, der einige Einsätze um Abessinien, in Genf und gleichzeitig auch gegen Deutschland verloren hatte und nun, da die Spannung zwischen England und Italien ihren Höhepunkt erreicht hatte, gewillt war, die englische Politik bis zu dem von Moskau und gewissen französischen Volksfront kreisen gewünschten Knalleffekt eines neuen Krieges weiterzutreiben. Dies Risiko war dem Premierminister zu groß. England steckte mitten in der größten Aufrüstung, die jemals-ein Land vorgenommen hat. Also entschied sich Chamberlain für einen Verständigungsversuch. Dieser neue Weg hatte ganz selbstverständlich zur Grundlage die Anerkennung der italienischen Tatsachen und der Achse Ber!in — Rom als notwendige Folgerung der Politik der beiden europäischen Großmächte. Nach einem Jahr fruchtlosen Anrennens gegen den Tatsachenblock mußte Eden gehen, und Chamberlain warf das Steuer des britischen Staatsschiffes wieder in den alten Kurs. Im Februar bekannte sich Chamberlain zu Verhandlungen mit Deutschland und- Italien. Die Opposition Edens und der Labour Party aber war der klarste Beweis dafür, mit welchen kleinlichen Mitteln eine Politik bekämpft wurde, die aus dem Zusammenbruch des Kollektivitätswahns die Folgerungen ziehen mußte, wenn sie es nicht zu einer Katastrophe kommen lassen wollte.
Das Gentlemen-Agreement ist die gemeinsame Grundlage geblieben, aber es ist erweitert worden. England erkennt jetzt das italienische Imperium an. Es hat einen entsprechenden
bevölkerung im Hinterland von Aden als „die wirksamste und humanste Methode, um mit der Lage fertig zu werden", eingesetzt und die Araber gewaltsam unterworfen. Es hatte sich also s e l b st gegen die Genfer Satzungen vergangen, die es für andere Staaten durchzuführen versuchte, wobei Eden und Genossen sich als „Retter der Humanität" in die Brust warfen.
Das Abkommen, das in diesen Tagen unterzeichnet werden soll, ist nur durchführbar, wenn auf beiden Seiten guter Wille dazu vorhanden ist. Italien hat ebensowenig wie Deutschland Konfliktspunkte mit England, wenn sie von den Briten nicht selbst geschaffen werden. Daß es ost nur böser Wille war, der die Konflikte im Mittelmeergebiet hervorrief, wird am besten die rasche Erledigung der englisch-italienischen Verhandlungen beweisen, nachdem Englands Premierminister entschlossen an sie herangetreten ist. Auf die gesamteuropäische Entwicklung ergeben sich mit dieser Einigung neue, hoffnungsvolle Ausblicke. —rt.
Dank an die GA.
Berlin, 13.April (DNB.) Der Stabschef der SA. bringt in der NSK. durch folgenden Tagesbefehl den Führern und Männern der SA. für ihren vorbildlichen Wahleinsatz seinen Dank zum Ausdruck:
- „SA.-Führer und -Männer! Ein geschichtlicher einziger Erfolg krönt Eueren rücksichtslosen und opfervollen Einsatz der letzten Wochen und Jahre im Ringen um das Großdeutsche Reich.
Es drängt mich daher, Euch allen, meine Kameraden, ganz besonders aber den Führern und Männern der österreichischen Sturmabteilungen, meinen Dank und meine Anerkennung für die gezeigten Leistungen auszusprechen.
Ihr habt, an der Spitze der Bewegung kämpfend, dem Erfolg die Bahn gebrochen, und in diesem Sinne soll Euch die künftige Zeit auf dem Posten finden.
Heil unserem Führer und unserem Großdeutschen Reich."
Ostasien, unter der Wirkung des „machtpolitischen Dreiecks". x ,
Englische Politik ist immer Strategie, rote auch die französische, ganz anders als die deutsche, der dies zu Unrecht unterstellt wird, während sie, ost vom Führer erläutert und durch die Geschichte erhärtet, nur das Ziel der Erhaltung von Volk und Rasse im angestammten und oft geplünderten Raum kennt ohne Gedanken an Ausbreitung und Eroberung. Der Zwiespalt Eden-Chamberlain und die Regierungserklärung gestatten keine Rückschlüsse auf eine Aenderung der strategischen Endzwecke, wie sie sich ausprägen in der nie vorher gesehenen Ausrüstung und der diplomatischen Arbeit, zunächst am Ausgleich" mit Italien. Kommende Tage erst können zeigen, ob England seine Furcht vor dem neuen Mitteleuropa überwindet, die grundlegende Aende^ runq der Machtverhältnisse und zugleich den Friedenswillen der führenden Kräfte anerkennt und sich mit ihnen im gleichen Geiste auseinandersetzt, anstatt die alten Wege der Gewaltanspannung zu Ende zu gehen, wie sie von den Alt-Konservativen und der englischen Linken blind gefordert werden, und die seine Kräfte vielleicht doch übersteigen.
Mailand, 14. April (DNB. Funkspruch.) Turiner „Gazetta del Popolo" erblickt in Regelung der Beziehungen zwischen Italien und Großbritannien die Anzeichen für eine neue europäische Polt tt k. Die Nachricht von der bevorstehenden Unterzeichnung des Abkommens habe die internationale Presse zu einer weniger pessimistischen Beurteilung der Lage geführt. Eine Hinauszögerung- der Annäherung, wie Eden sie betrieben habe, hätte den geraden Weg zum Krieg bedeutet. Die Verständigung wäre nicht möglich gewesen wenn Chamberlain vorher nicht eine klare Ueberstcht über die Lage und die Möglichkeiten sowie die Kraft gehabt hatte, sich Edens zu entledigen und
Frankreich schaltei sich ein.
Daladier und Bonnet fahren zu Ministerbesprechungen nach London.
England und Italien ziehen einen Schlußstrich
Anerkennung der italienischen Tatsachen und der Achse Berlin—Nom.
Antrag beim Rat der Genfer Liga gestellt, der die juristische Voraussetzung hat, daß der Negus in Abessinien keine Regierung mehr ausübt, also seiner übrigens nur durch Ermordung des wirklichen „Königs aus Juda", Lidsch Jassu, gestohlenen Souveränität verlustig gegangen ist. Die Mittelmeerfrage wird im Sinne des Abkommens vom 2. Januar 1937 erledigt, die Spanienfrage dahin, daß Italien gar keine territorialen Ansprüche erhebt, wie Mussolini schon immer betont hat. Der Status quo im Mittelmeer greift aber auch auf die arabische Welt über. Es ist bezeichnend, daß Italien Englands Protektorat über das Hinterland von Aden anerkennt und damit auch die Annexion der vier bisher unabhängigen Sultanate von Hadramaut, eines bisher verschlossenen Gebietes von 151 000 Quadratkilometer mit mehr als 120 000 Einwohnern. Die Genfer Liga untersagt bekanntlich die Annexion. Im Falle Abessinien hatte England diese Genfer These zwar befolgt, aber gleichzeitig seine Lustgeschwader gegen die Zivil-
den Angriffen der internationalen Mächte Widerstand zu leisten. Chamberlain hätte aber auch nichts Entscheidenderes erreichen können, wenn er bei Mussolini nicht einen ebensolchen guten Willen und einen nicht geringeren Friedens- wünsch vorgefunden hätte. Zu den unmittelbarsten Folgeerscheinungen des bevorstehenden Abkommens" gehöre der Anfang einer Neuorientierung Frankreichs. Man spreche in Frankreich nicht mehr von Einmischung in Spanien und von einem „Zusammenschluß der großen Demokratien gegen die totalitäre Herrschaft", sondern beeile sich, dem Beispiel Englands zu folgen. Nach halbamtlichen Auslassungen habe die Regierung Daladier die Anerkennung des italienischen Imperiums, die Ernennung eines französischen Botschafters in Rom und die Wiederannäherung anJtalienim Programm. Auch in dieser Hinsicht werde das italienisch-englische Abkommen als ein entschiedener Beitrag zur Besserung der europäischen Lage anzusehen sein.
Freie Vahn für Datadm
Parts, 13. April. (DNB.) Nach den Abstimmungsziffern wurde das Ermächtigungsgesetz der Regierung vom Senat mit 290 gegen 0 Stimmen angenommen. 13 Senatoren der äußersten Rechten enthielten sich der Stimme, 8 weitere waren beurlaubt. In der Aussprache nahm auch Ministerpräsident Daladier .kurz das Wort. Er betonte, daß es sich bei der Abstimmung nicht um seine Person und um die Regierung, sondern um Frankreich handele. Nach der Annahme der Ermächtigungsvorlage beschloß der Senat einstimmig die Teilnahme Frankreichs an der Internationalen Ausstellung in Neuyork im Jahre 1939. Der Senat vertagte sich dann auf den 31. Mai.
Die Kammer war in den späten Abendstunden zu einer Sitzung zusammengetreten, um eventuell eine zweite Lesung der Regierungsvorlage über das Ermächtigungsgesetz vorzunehmen. Da diese Vorlage jedoch in unveränderter Fassung vom Senat angenommen worden war, erübrigte sich eine zweite Lesung. Die Kammer verabschiedete daher lediglich die Vorlage über die Beteiligung Frankreichs an der Internationalen Ausstellung Neuyork 1939 und vertagte sich bann ebenfalls auf den 31. Mai.
Arbeiter gegen StaA-Mbner.
Paris, 14. April. (DNB. Funkspruch.) 8000 Arbeiter und Techniker der Renault- und Caudron- Werke haben sich am Mittwochabend im Pariser Wagram-Saal versammelt, um gegen bie form
Haden.
Es fragt sich zunächst, ob bie Logik der neueren Geschichte der Logik dieser Gedanken entsprochen hat. Das Machtaufgebot gegen Deutschland im Weltkrieg lag zweifellos in dieser Linie. Die F r jede n s d i k t a t e und ihre Durchführung waren dagegen eine Inkonsequenz, denn sie hinterließen nicht nur ein übermächtiges Frankreich in Europa, sondern auch eine große Reihe nationaler Ungerechtigkeiten und Brandherde, darunter die völkische Zerstümmelung des Deutschtums, die verweigerte Selbstbestimmung für Oesterreich, aber auch anderer, wie Ungarns und Bulgariens. Der Zerrüttung des freien Welthandels.infolge der unsinnigen Reparationen und Kriegsverschuldung wurden keine Heilmittel geboten, sondern eigene Zollschranken des Weltteichs mit feinen Tochterstaaten entgegengestellt. Erst mit dem Erwachen des faschistischen Italiens und des nationalsozialistischen Dritten Reiches sieht man die alte Linie wieder ausgenommen. Hier sind Verneiner des Liberalismus, sie sind unbequem mächtig, sie streben zur Selbstversorgung, also muß England ihr Gegner sein.
Dies ist einstweilen nur die Lesart der O p p o - sition, jedoch ein wichtiger Bestandteil der derzeitigen Meinungsbildung. Betrachten wir, um der amtlichen Zielsetzung, die in Reden und Erklärungen nur verschleiert sein kann, auf die Spur zu kommen, den Verlauf der neueren Ereignisse und der Lage. Von England gesehen, müssen sich diese Ereignisse wie eine lange Reihe von Mißerfolgen und Rückschlägen ausnehmen. Da ist zunächst das katastrophale Versagen der Genfer Einrichtung. In der Genfer Liga seit 1933/34 sind noch zwei Großmächte, dazu Sowjetrußland, dessen Rolle nur zu gut erkannt wird: Abspringen der kleinen Neutralen, Auflehnung Belgiens 1936/37 gegen den Zwang des Durchmarsches und Ueberfliegens, damit die „Grenze am Rhein" zurückoerlegt. Der russische Partner, den Minister Eden 1935 neu entdeckte, von inneren Krämpfen geschüttelt, nur im Mittelmehr von Nutzen zur Beihilfe für Rotspanien, dem Englands Sympathie gehört. Aber Franco kommt durch, und auch diese Rechnung geht nicht auf, samt dem Zweifel über das Schicksal der englischen Bergwerke in Spanien, die spanisch-italienische Machtstellung und über bie Festigkeit des französischen Staatswesens, dem man sich auf Gedeih und Verderb verbunden fühlt.
Damit nicht genug, der Einbruch Japans in den chinesischen 'Interessenraum, Italiens in bie Zitabelle Norbafrika mit seiner Zangenstellung gegen ben Suban unb Aegypten, ber Schatten ber italienischen Macht über bem Mittelmeer unb Eng-
Der Ausgleich zwischen E n g I a n b unb Italien breht sich um bie Anerkennung der von Italien geschaffenen Tatsachen. Die Weltgeschichte verlief in der letzten Zeit gar nicht nach den englischen Wünschen. Deutschland unb Italien haben nicht um bie Gunst Englanbs geworben, fonbern „ihre Sache selbst" gemacht. Die englische Oeffent- lichkeit unb Politik hat sehr unwillig Abessinien zu Italien kommen sehen, genau wie sie den An- chluß Oesterreichs an Deutschland mit den üblichen Mätzchen, Falschmeldungen und Stimmungsmache- reien begleitete, die nun einmal in England zum Handwerk der Politik gehören. England hat aber chließlich unter der Führung des Realpolitikers Chamberlain nachgegeben.
lands Hauptverkehrsader, nicht mehr zur See leicht angreifbar und hörig wie 1914, sondern im Rücken aufs stärkste gedeckt 'durch das Deutsche R e i ch. Dieses selber mächtig gestärkt, zur Einheit geschmie- bet, zum Großreich erweitert, mit sicheren Wirtschaftsbeziehungen nach bem Süboften unb Süden, wo sich ein selbsttersorgter Wirtschaftsblock abzuheben beginnt, ber nicht nur krisenfest, sondern eines Tages auch wehrwirtschaftlich felbftgenügenb sein kann.
Hiermit zeichnet sich vor englischen Augen mit seltener Offenherzigkeit in einer Zuschr ii fit an bie „Times" beleuchtet, bas Bilb eines Mitteleuropa ab, bas sich ber englischen Machtsphäre zu entziehen droht, bas ber trabitionellen ©eroalt ber Blockabe, bie noch gegen Napoleon unb im Weltkrieg gewann, innere Wiberstanbskraft unb bie Luftwaffe entqegenftent. Das bebeutet, vom Weltreich her gesehen, bas Enbe bes Gleichgewichts unb bes englischen Uebergewichts in Europa, bebeutet für ein (fnglanb, bas'an jenem Axiom ber Gegnerschaft gegen eine solche „biktatonsche Machtbilbung festhalten will, hohe Rüstungslasten, schwere Bin- bungen unb nach wie vor eingeengte Handlungsfreiheit auf ben Weltmeeren, im Mittelmeer wie in
Englands politischer Weg.
Von Konteradmiral a. d. Gadow.
Die letzten amtlichen Erklärungen 'ber englischen Regierung zur europäischen Politik unb zu ben „automatischen Beistanbsverpflichtungen" haben eine so verschiebene Auslegung erfahren, baß es notwenbig ist, ihrem Grunbgehalt nachzugehen unb vor allem, sie in bas viel weiter gespannte System der Weltreichbebürfnisse einzuordnen. Dazu ist nicht nur ber Wortlaut der Chamberlain-Rebe vom 23. März, fonbern auch ber Tenor der Einwände der Opposition und die Fülle ber sonstigen öffentlichen Aeußerungen zu beachten. — Die Grundregel der großen englischen Politik bezieht sich stets a u f das Ganze d e s Weltreichs, auf die Sicherheit der Verbindungen zu den Außenteilen und der Außenteile selber, und damit auf die Sicherheit des unaufhörlich fließenden Handels als Quelle der Macht unb bes Wohlstanbes. Das Streben zur absoluten Seeherrschaft und zum Besitz einer allen Möglichkeiten gewachsenen Flotte, heute wieder mächtig erneuert nach einem Zeitraum geringeren Aufwandes, ist der unmittelbare militärische Ausdruck dieser Grundforderung. Als vertragliche Schutzobjekte wurden genannt: Frankreich, Belgien, .Portugal, Irak und Aegypten, dazu der Hinweis auf „mögliche" weitere Jnterefsennahme in Europa.
Für die Haltung Englands gegenüber dem e u r o- päifchen Festland, das durch die Frage „Tschechoslowakei und Frankreich" im Vordergrund steht, entspringt aus der gleichen Ursache das Bestreben, dort die Karten so zu mischen, daß die maßgeblichen Kräfte einander das Gleichgewicht halten. England unterstützt das friderizia- nische Preußen gegen eine zu mächtig erscheinende Koalition und stellt die Zahlungen ein, als Preußen die Anzeichen überlegener Großmacht erkennen läßt. England bekämpft das dourbonische und napoleonische Frankreich und das kaiserliche Deutschland, dem es vom Tage seiner Gründung an abgeneigt ist, es maßt sich das göttliche oder Naturrecht an, bie ihm zu hoch wachsenden Bäume kappen zu helfen und richtet danach (eine Bündnisbeziehungen ein.
Daneben zieht sich durch seine Politik ein weltanschaulich getarntes zweites Prinzip, niedergelegt in der grundlegenden Denkschrift von Sir Eyre C r o w e, einem der geistigen Urheber des Weltkrieges, vom Jahre 1907 und heute wieder stark beachtet: England, als Inhaber riesigen Besitzes und Reichtums, fast ohne Ausnahme erworben auf Kosten anderer, muß mit Neid unb Eifersucht im weiten Umkreise rechnen. Es muß seine politische Moral unb Geschäftsführung baher in Ueberein- ftimmung mit ben vorherrschenden allgemeinen Idealen der Menschheit bringen. Diese Ideale sind, kurz zusammengefaßt: Liberalismus der Regierungsform, Freihandel -der Wirtschaft, Schutz der schwächeren Nationen. Gegen jede politische Diktatur ober übermäßige ©ruppenbilbung, sagt diese Ueberzeugung, muß England daher fast naturgesetzmäßig in Gegnerschaft stehen unb wird dabei die Mehrheit in der Welt auf feiner Seite
London, 14. April. (DNB. Funkfpruch.) Die Londoner Morgenpresse beschäftigt sich ausführlich mit einer angeblich bevorstehenden Zusammenkunft britischer unb französischer M i - n i ft e r.
Die „Time s" beschränkt sich babei auf einen Bericht ihres Pariser Korresponbenten, wonach D a - lädier und Bonnet voraussichtlich mit Chamberlain unb Lorb Halifax eine Reihe europäischer Fragen besprechen würben, die eine englisch-französische Zusammenarbeit erforderten. Als Zeitpunkt werde das Wochenende nach Ost e r n genannt. Cs fei aber nicht bekannt, ob bie Besprechungen in Lonbon ober in Paris ftattfinben.
Der diplomatische Korresponbent bes „Daily Telegraph" schreibt, bie Besprechungen würben sich wahrscheinlich um bie gemeinsame 23er- teibigung ber beiben ßänber brehen. Man nehme allgemein an, daß Frankreich unter feiner neuen Regierung bereit sei, mit Englanb bei ber Zusammenfassung ber Hi 1 fsquel - 1 e n zusammenzuarbeiten.
Nach bem biplomatischen Korresponbenten ber „Daily Mail" soll auch bie Zujammenarbe i t ber britischen und der französischen Marine besprochen werden. Das englisch-italienische Abkommen werde einen weiteren Verhanblungs- gegenftanb bilden, und es bestehe kein Zweifel, daß die französischen Minister Englands Wunsch nach einer baldigen Anerkennung der italienischen Herrschaft in Abessinien unterstützen würden. Frankreich sei allem Anschein nach zu sofortigen Verhandlungen mit Italien bereit.
Der politische Korrespondent des „Daily Expreß" nennt bereits genaue Pläne für eine weitgehende politisch-technische Zusammenardeitder G e ° n e r a 1 ft ä 'b e.
„Anzeichen für eine neue europäische Politik "


