Ausgabe 
14.3.1938
 
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Militärische Heldengebenkfeier in Gießen

Bei herrlichem Vorsrühlingswetter vrretmgten sich am gestrigen Sonntagvormittag große Mengen der Gießener Volksgenossen mit den Soldaten der Garnison Gießen zu der militärischen Heldengedenk­feier aus dem weiten Platze des vorderen Trieb. Die Truppen hatten in einem großen offenen Vier­eck Aufstellung genommen, die Fahnen und die Fahnenkompanie standen am rechten Flügel parallel zur Volkshalle. Entlang der Grünberger Straße, als Abschluß des Vierecks, war den Ehrengästen, dabei auch den Kriegsopfern und den Kriegerhinter­bliebenen, den Formationen der Partei und ihrer Gliederungen, den Kameradschaften der alten Sol­daten und der großen Menge aller übrigen Volks- genossen Gelegenheit gegeben, der eindrucksvollen Feier beizuwohnen.

Zwischen 9 und 10 Uhr rückten die zahlreichen Ehrenformationen an, während die Truppen auf dem bestimmten Platze bereits Ausstellung ge« nommen hatten. Bei den Formattonen wurde be« sonders der Ehrensturm der SA. bemerkt, da in ihm alle SA.-Männer mit dem Eisernen Kreuz aus den Gießener Stürmen der Standarte 116 unter dem Befehl des Brigadeadjutanten Obersturmbann­führer M ü n k e r als geschlossene Einheit der SA., aber auch zugleich als Vertreter der alten Feld­soldaten bei der Feier mit in den Vordergrund rückten, neben ihnen natürlich auch die übrigen alten Soldaten der verschiedenen Soldaten-Kamerad- schaften. Die Fahnenkompanie mit den Fahnen der Infanterie und der Standarte unserer Gießener Artillerie-Abteilung marschierten wenige Minuten vor 10 Uhr auf dem Platze auf. Kurz darauf nahm die Feier ihren Anfang. Der Befehlshaber der Paradeaufstellung, Oberst und Regimentskomman­deur H e r r l e i n , meldete dem Standortältesten und Kommandeur der 9. Division, Generalleutnant O ß w a l d , die Paradeaufstellung. Generalleutnant Oßwald schritt hierauf unter den Klängen des Präsenttermarsches in Begleitung des Befehls­habers der Luftwaffe unseres Luftgaues, General­major Millich, des Kreisleiters Backhaus als Vertreters der Partei und des Generalmajors a. D. Gros als Vertreters der alten Armee die Fronten der Truppen ab. Anschließend begrüßte er die Formationen der Partei und der alten Soldaten, die Kriegsopfer und alle übrigen Gäste.

Feierliche Musik des Musikkorps unserer 116er leitete die Gedenkstunde ein. Dann sprach

Generalleutnant Oßwald:

,Pelden-Gedenktag."

Mieder ist der Tag des Gedenkens an die ge­kommen, die ihre Gesundheit oder ihr Leben ließen

bei der Erfüllung ihrer Pflicht für ihr Vaterland.

Gar viele sind geblieben mit einem Hurra auf den Lippen beim Sturm auf die feindliche Stellung, beim Kampfe Mann gegen Mann.

Der Rhythmus der Kampfbegier begeisterte sie, einer riß den anderen mit, und so geriet selbst der ernde m Angriffsschwung und Kampfeswut. roß und heldenhaft sind die Leistungen dieser

Hunderttausende gewesen.

Ihr Heldentum wurde belohnt; blieben sie am Leben, mit äußeren Ehren, Beförderungen, loben­der Erwähnung, fielen sie, dann mit Hervorhebung ihrer Taten in Berichten, Tagesbefehlen, Regi­mentsgeschichten, mit Eintragung ihres Namens auf der Ehrentafel ihrer Truppe und ihres Heimat­ortes.

Von ihren Taten, von ihrem Ruhm sprechen noch die Enkel und Urenkel.

Dieser Hunderttausende unserer Brüder, die als Helden fielen, gedenken wir heute in tiefer Weh­mut, aber zugleich auch in stolzer Dankbarkeit.

Und dies mit Recht. Denn sie haben sich um ihr Vaterland verdient gemacht und sollen fein ein Vor­bild für die Jungmannschaft unseres Volkes, zu der ihr jungen Soldaten auch gehört. Sie kämpften, bluteten und starben, auf daß Deutschland lebe.

Dann gibt es eine zweite Art von Helden,stille Helden" möchte ich sie nennen.

Diese hatten keine Gelegenheit, sich beim Sturm­angriff besonders hervorzutun, kein Hurra kam über ihre Lippen, kein Tagesbefehl kündet von ihrem Ruhm.

Sie taten ihre Pflicht nicht unter den Augen von Vorgesetzten, sondern allein auf sich selbst ge­stellt; sie konnten sich unbeobachtet, unbeauf­sichtigt der drohenden Gefahr entziehen, die Ge­fahr meiden. Und doch hielten sie durch.

Das waren sie, die wir Männer des Krieges von draußen kennen, die Meldegänger, die Stö­rungssucher, die dutzendmal allein in und durch schwerstes Feindfeuer hindurch mußten mit einem Auftrag, einem Befehl, einer Meldung, die Horch­posten in den Sappen, in den Minengängen tief unter der Erde und viele, viele andre mehr.

Sie alle, auch viele Hunderttausende, leisteten oftmals Uebermenschliches, Unerhörtes, ihrer Pflicht getreu bis zum Tode.

Nur wenig kündet von ihrem Ruhm. Und doch ist ihr Heldentum manchesmal größer gewesen, als das der anderen.

Hier sitzen und stehen unter uns in dieser feier­lichen Stunde die Helden, die kampfgestählt und erprobt in tausend Schlachten und Gefechten ihren Mann standen, ihre Pflicht erfüllten, ihr Leben einsetzten und ihre Gesundheit dahingaben für ihr Vaterland.

Wir gedenken ferner am heutigen Tage auch all derer, die als Angehörige der Wehrmacht im Frie­den in treuer Erfüllung ihrer beschworenen Pflich­ten ihr Leben ließen zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Das Opfer all dieser toten und lebenden Hel­den legt uns die heilige Verpflichtung auf, ihnen nachzueifern im Leben wie im Sterben.

Und so wollen wir in dieser feierlichen Stunde in tiefer Wehmut und Trauer, aber voller Stolz, all der Millionen bekannter und unbekannter Hel­den der deutschen Wehrmacht gedenken, die in Er­füllung ihrer Pflicht Gesundheit oder Leben ließen für ihr Vaterland.Ihr bleibt im ew'gen Leben ein guter Kamerad!"

Während die Fahnenkompanie präsentierte, die übrigen Truppen stillstanden, die Fahnen sich senk­ten und die Menge den deutschen Gruß darbrachte, wurde der Gefallenen gedacht. Danach sagte Gene­ralleutnant Oßwald weiter:

Und noch andrer deutschen Helden gedenken wir heute.

Es sind die Hunderte von Toten und Zehntausen­den von Verletzten der Bewegung, deren Opfer an Blut und Leben für die Idee ihres Führers, heute unseres Führers, die Grundlage war, daß em neues Deutschland erstehen konnte, eine wahre Volksge­meinschaft, ein Reich der Kraft, der Ehre, ein Volk voll fanatischen Glaubens an den, der es führt zu neuem Glück und neuer Größe.

Dieser Helden Opfer verdanken wir auch, daß wir wieder eine starke Wehrmacht haben, bereit, ihr Schwert in die Wagschale der Entscheidungen zu legen.

Und so wollen wir Soldaten auch ihrer heute in Stolz und Ehrfurcht gedenken.

Auch sie fielen, auf daß Deutschland lebe und wieder groß und stark und glücklich werde.

In dieser feierlichen und zugleich auch ernsten Stunde soll euch Soldaten das Opfer der Millio­nen des großen Krieges und der Zehntausende aus der Zeit des Aufbruchs der alten Nation zum neuen größeren Reich eine Mahnung und ein An­sporn sein, es ihnen gleichzutun in der Erfül­lung ihrer Pflichten im Leben wie im Sterben, wenn der Tag kommt und der Führer uns ruft.

Wiederum präsentierte die Fahnenkompanie und standen die übrigen Truppen still. Nun sagte der General:

Unser Gelöbnis zum Einsatz unsres Lebens, uns­ren Glauben an unsres Reiches Größe, Kraft und Herrlichkeit und unsre Treue zu Eid und Pflicht bekräftigen wir durch den Ruf:

Unser Führer, der oberste Befehlshaber der Wehr­macht,^ und unser Volk und Reich:

Sieg-Heil!

Der Gruß an den Führer fand allenthalben be­geisterten Widerhall. Damit endete die Feier auf 'dem Platze.

Links: Gefallenen-Gedenken während der Feier auf dem Trieb.

Rechts: Generalleutnant Oßwald nimmt den Vorbeimarsch ab.

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Oer Vorbeimarsch

vor Generalleutnant Oswald.

und dem in feiner Begleitung' weilenden Befehls- Haber der Luftwaffe, Generalmajor Millich, so­wie den Vertretern der Partei und der hiesigen Behörden bildete den Abschluß der Feier. Zuerst marschierte die Infanterie vorbei, dann folgte die Artillerie, anschließend die Männer der Luftwaffe. Die Ehrenformationen, mit dem SA.-Sturm der Eisernen-Kreuz-Träger an der Sitze, folgten; ihm schlossen sich die übrigen Ehrenabordnungen der Partei an, dann folgten die alten Soldaten der ver­schiedenen Kameradschaften, zum Schluß die For­mationen der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz.

(Aufnahmen |2J: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Gefährliche Autodiebe.

Die Täter vom Römerberg vor der Aburteilung.

LPD. Frankfurt a. M., 11. März. Die beiden aus Mannheim stammenden Burschen Sieber und Rod eck, die am 30. Januar mit einem ge­stohlenen Auto in Formationen der Bewegung auf dem Römerberg hineingefahren sind und zahlreiche SA.-Mäyner zum Teil schwer verletzt haben, wer­den sich demnächst vor der Strafkammer in Frank­furt a. M. verantworten müssen. Die beiden Bur­schen sind auch als gefährliche Autodiebe überführt. Die Kriminalpolizei in Frankfurt a. M. hat in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei in Mannheim und Ludwigshafen eine Bande von acht gleichaltrigen Burschen überführt, die monatelang in Mannheim und anderen Städten parkende Kraft­wagen gestohlen und zu Amüsierfahrten benutzt hat. Diese Fahrten waren wiederholt sehr ausgedehnt und mit Kinobesuchen und Zechgelagen verbunden. Mehrfach haben die Burschen auch Verkehrsunfälle verursacht und sich der Fahrerflucht schuldig gemacht. Handschuhe, Rauchwaren, Parfüm und sonstige Gegenstände, die sie in den Autos fanden, nahmen dieseHerrenfahrer" für sich oder ihre gelegentlichen Begleiterinnen mit. Auch an Musterkoffern haben sie sich verschiedentlich vergriffen. In Ludwigshafen haben Sieber und Rodeck, die als die Führer der Bande angesehen werden müssen, einen Schau­fenstereinbruch verübt. Mit den in Frankfurt und Mannheim erfolgten Festnahmen ist dem gefähr­lichen Treiben dieser Autodiebe ein Ende gesetzt, ehe sie weitergehende Pläne verwirklichen konnten.

Raubüberfall auf eine Frau.

Der Täter verhaftet. ;

Lpd. Frankfurt a. M., 10. März. Am Mitt- woch gegen 18 Uhr ging ein junger Mann in ein Haus in der Thomasiusstraße und verschaffte sich unter einem Vorwand Zutritt in die Wohnung einer älteren Frau. Kaum hatte er die Vov- platztür geschlossen, warf er die Wohnungsinhaberin zu Boden und steckte ihr ein Taschentuch als Knebel in den Mund. Der Bursche verlangte dann von der Frau die Herausgabe :hres Geldes. Da die Heber« fallene nicht sprechen konnte, deutete sie auf chre in der Nähe liegende Handtasche, aus der sich der Räuber das Geld nahm.

Nach dem Ueberfall flüchtete der Täter. Er wurde im Treppenhaus von einer Frau angehalten, ver­setzte ihr aber einen Stoß und lief in den Hof, wo er von einem Mann festgehalten und dem Ueber- fallkommando übergeben wurde. Bei dem Täter handelt es sich um einen 17 Jahre alten Burschen, der, wie die Polizei mitteilt, bereis am 28. Februar d. I. einen ähnlichen Ueberfall in der Hanauer Landstraße verübt hat.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung )

A. V. Wenn der Mietzins nach Monaten bemessen ist, so ist gemäß § 565 Abs. 1 die Kündigung nur für den Schluß eines Kalendermonats zulässig; sie hat spätestens am 15. eines Monats zu erfolgen.

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