Ausgabe 
13.12.1938
 
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M.29I Erstes VM

188. Jahrgang

Dienstag, 13. Dezember (938

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Oer Jude als Zerstörer des völkischen Gedankens.

Das Ludenproblem ist für uns erst gelöst, wenn der letzte Lude Deutschland verlassen hat."

Gauleiter Sprenger sprach in der Frankfurter Universität.

LPD. Frankfurt a. M., 12. Dez. Im Winter­semester 1938/39 veranstaltet die Johann-Wolfgang- Goethe-Universität eine aktuelle Vortragsreihe über das Judentum. Von maßgebenden Sachkennern werden vier Vorträge gehalten, deren erster am Montagabend von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger überDer Jude als ewiger Zerstö­rer des völkischen Gedankens" gehalten wurde. Der Vortrag begegnete außerordentlichem großem In­teresse. Die Aula war überfüllt, so daß der Vor­trag in weitere Hörsäle der Universität, die eben­falls vollkommen besetzt waren, übertragen werden mußte. Nach einführenden Worten des Rektors der Universität, Prof. Dr. P l a tz h o f f, führte der Gauleiter folgendes aus:

Es gibt eine Judenfrage, solange es Juden gibt. Es ist ein I r.r t u m , wenn behauptet wird, daß sich die Juden gegen ihren Willen über die ganze Welt hätten verbreiten müssen. Vor dem Auszug aus Jerusalem und vor der Zerstörung. Babylons waren schon jüdische Bankiers in Meso-' potamien ansässig. Auch nach Kleinasien waren sie ausgewandert urtb kamen mit den Phöniziern bis nach Spanien. In ^Jerusalem mußten sie Ackerbau und Viehzucht treiben, ihnen ging es aber darum, anderswo leichtere Geschäfte zu treiben. Auch nach Rom kamen sie schon 131 vor der neuen Zeitrech­nung.

3n der Folgezeit nahm die Auswanderung aus Jerusalem immer größere Formen an, aber sie war immer freiwillig, kein Volk hat die Juden gerufen oder sie gar gezwungen, sich in ihrem Lande festzusehen. Ls ist kein Zufall, daß sie immer von großen Handels­zentren angelockt worden sind, dort

sen Abwehrmaßnahmen blieb der Erfolg versagt, weil sie zu keiner Tiefenwirkung kamen. Der Füh­rer hat das Judenproblem erkannt. In seinem BucheMein Kampf" sagt er klar und deut­lich :M it den Juden gibt es kein Pak­tieren, sondern nur das harte Entweder-Oder." Das Judenproblem ist eine Auseinandersetzung Rasse gegen Rasse, Volk gegen Volk. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit hat jetzt zu dieser Frage Stellung genommen. Das Entscheidende in diesem Kampfe war, eine Massenbewegung durch­zusetzen. Das Vorgehen der Partei hatte e i n Volks erwachen zur Folge und gleichzeitig eine positivere Bewertung der eigenen Rasse. Nicht nur das Verhalten der Suben hat den Kampf ge­gen sie heraufbeschworen, sondern die Grundlage zu diesem Kampfe war die positive Forderung, daß das deutsche Volk nur aus sich selb st heraus regiert werden kann. Der Partei gelang es, in ihren Reihen eine innere Scheidung zum Ju­dentum herbeizuführen, dadurch wurde es möglich, den Juden das Ende zu bereiten. Mit wunderbarer Klarheit hat der Führer bereits im Jahre 1922 in einer Rede ausgeführt:Es gibt zwei Möglichkei­ten: Sieg der arischen Rosse oder ihr Niedergang und Sieg des Judentums. Der Jude wird immer und ewig geborener Privatkapitalist allerschlimmster Art sein." Ueberall legte dann das Wissen um die Rassenverschiedenheit den Weg in die Neuordnung frei. Oberflächliche Beobachter haben festgestellt, daß die wirtschaftliche Auseinan­dersetzung dabei im Vordergründe stände. In Wirk­lichkeit ist aber die Auseinandersetzung auf wirt­

schaftlichem Gebiete der Schlußstrich einer fast zum Abschluß gekommenen Entwicklung. Vor dem 10. November begann die Ausschaltung der Juden aus dem Staate und dem Kulturleben. Dann schaff­ten die Nürnberger Gesetze die Reinerhaltung des Blutes und die wirtschaftlichen Maßnahmen der neuesten Zeit sind nur der logische Abschluß. Unter großem Beifall schloß der Gauleiter seine Ausfüh­rungen mit den Worten:Wir sind auf der Wacht. Das Judenproblem wird in Deutschland aelöst; für uns ist es aber erst gelöst, wenn der letzte Jude Deutschland verlassen hat."

3n Arisierung begriffen/'

Berlin, 12. Dez. (DNB.) Amtlich wird mit­geteilt: Sofern an einem bishet jüdischen Geschäft der sichtbare Vermerk angebracht ist: In Arisierung begriffe n", kommen Käufe, die in diesen Geschäften getätigt werden, nicht mehr dem jüdischen Vorbesitzer, sondern dem arischen Treuhänder zugute. Sofern jüdische Geschäfte wieder eröffnet werden, handelt sich sich ent­weder um Geschäfte von Ausländern oder um solche Betriebe, die mit besonderer Geneh­mig u n a des Reichswirtschaftsministeriums wieder aufgemacht werden. Insbesondere wird zum Fall der Wiedereröffnung der E t a m - F i l i a l e folgen­des sestgestellt: Der Inhaber ist Ausländer. Die Arisierung der Firma ist vom Reichswirt- schaftsministermm auf Grund der Verordnung vom 3.12.1938 eingeleitet. Es ist bereits ein arischer Treuhänder für den Gesamtbetrieb vom Reichs- wirtschaftsministerium eingesetzt.

Antwort an Kowno.

Das Memelland hat am Sonntag ein Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt. Die französischen und englischen Blätter, die bezeichnenderweise jetzt nicht mehr von Klaipeda, wie die Litauer Memel um­tauften, sprechen, sondern die Memelländer plötzlich wieder mit ihrem deutschen Namen beehren, be­richten von einem Sieg der deutschen Idee und einer überwältigenden deutschen Mehrheit. Sie heben auch die mustergülliae Disziplin der Memeldeutschen hervor und die Tatsache, daß ein betrunkener ame­rikanischer Journalist herumkrakeelte, dabei ein blaues Auge davontrug, auf der Wache vernommen, aber bald wieder entlassen wurde. Dieser betrunkene Repräsentant der demokratischen Weltpresse läßt noch schärfer die Zucht der Memelländer in die Er­scheinung treten.

Zwölf Jahre hat das Memellcmd unter Kriegsrecht gestanden, obgleich die Garanten des Memelstatuts genau wußten, daß Dinge, die den litauischen Staat betreffen, nicht ohne weiteres auf das autonome Memelgebiet übertragen werden konnten. Aber alle Proteste fanden in London und Paris taube Ohren und die Litauer wüteten mit Verfolgung, Einkerkerung und Broilosmachung gegen die Memelländer, die von Deutschland nicht lassen wollten. Seit eine Probeabstimmung, um die sich allerdings niemand in denDemokratien" kümmerte, sogar im April 1919 nicht weniger als 85 v. $). aller abgegebenen Stimmen auf Deutsch­land vereinigte, ist das Memeldeutschland der Faust dieser Demokratien untertan gewesen, zuerst, am 15. Februar 1920, den Franzosen, dann, während des Ruhrkampfes, den Litauern, deren Freischärler am 10. Januar 1923 das Land besetzten, während gleichzeitig die Franzosen ebenso widerrechtlich ins deutsche Ruhrrevier einbrachen. Die Botschafterkon- ferenz vom 15. Februar 1924 unterwarf sich natür-

Ltaliensnatürliche Ansprüche".

Gayda fordert Erörterung des Guezkanal-problems und Ojibutis.

konnten sie Geld auf eine leichtere und ihnen gelegenere Art verdienen. And damit standen sie im Gegensatz zum nordischen Menschen, der den Boden bearbeitet und fruchtbar macht. 3n den großen Handelszentren fanden sie aber den geeigneten Boden für ihre Geschäftemacherei.

Mit den Römern kamen die Juden dann auch nach Deutschland. Als römische Bürger batten sie gleich ein großes Uebergewicht über die germanische Bevölkerung, die nach ihrer Unterwerfung im eige­nen Lande vollkommen rechtlos war. Als schließlich die Römer aus Germanien abzogen, blieben die Juden zurück.

Der Gauleiter schilderte dann weiter den tiefen Trennungsstrich, der die Juden von den inzwischen zum Christentum übergetretenen Deutschen schied. Für die Juden war es auch kein verlockendes Ge­schäft, zum Christentum überzutreten, denn es be­stand damals das Gesetz für sie, mit dem Uebertritt zum Christentum von den Handelsgeschäften zurück­zutreten und ihren Besitzstand abzutreten. Dieses Gesetz war schon damals aus keiner anderen Sorge entstanden, als der der Reinerhaltung des deutschen Blutes. Diese Scheidung von Re­ligion und Blut übertrug sich aber nicht auf die Wirtschaft. Da die Christen keine Geldgeschäfte machen durften, war dem jüdischen Wucher Tor und Tür geöffnet. Man kennt aus der damaligen Zett Zinssätze von 30 bis 120 v. H., vereinzelt noch dar­über hinaus.

Das 17. und 18. Jahrhundert brachte dann die Entwicklung, deren Folgen man in der Gegenwart kennt. Es folgte die Gründung der großen jüdischen Banken, es entstanden die jü­dischen Hofbankiers, die Kriegsliefe- i,ranten: diese wieder beschlagnahmten die Krsegs- 'beuten, ihnen wurden die Münzen übertragen und sie belegten alle Werte mit Beschlag. Mit ihrem finanziellen Einfluß wuchs auch das Vertrauen der Fürsten zu den Juden, die nunmehr neben ihrem wirtschaftlichen und finanziellen Einfluß auch po­litisch in den Vordergrund traten. Die geistige Aufklärung erfolgte nur im Sinne der Juden, die schließlich lange, bevor sie die Staatsbürgerrechte bekamen, bereits Barone waren. Mit der französi­schen Revolution und ihrer Gleichmacherei kam dann auch die Gleichberechtigung der Juden.

1918 nahmen sie bann eine Monopolstel­lung in Deutschland ein. Sie versuchten sich auf allen Gebieten durchzufehen, und es gelang ihnen nur zu gut. Namentlich die deutsche Wirtschaft wurde zur jüdischen Domäne, aber auch auf allen anderen Gebieten, nur nicht auf denen der Arbeit, waren sie tonange­bend. Die Sysiemzeit wurde zur Zeit der aus­gesprochenen 3ubeninflation. Aber nicht nur 3uden, sondern auch Nichtjuden nahmen an der Vergiftung des Volkstums teil. Der ein­zuschlagende Weg war für die 3uden klar: Im­mer hinter der Kampffront, die anderen arbei­ten lassend, genau nach ihrer Kriegsparole: Geh' zuletzt in den Krieg, damit du "zuerst wieder zu Hause bist."

Strömungen gegen die Juden machten sich zuerst im 12. und 13. Jahrhundert in Frankreich und England bemerkbar. Auch in Spanien und Portu­gal gab es Kämpfe gegen das Judentum, und auch in Deutschland regte es sich im Mittelalter, und bis in die Gegenwart haben auf dem Balkan und in Polen Judenpogrome stattgefunden. Aber all die­

br. Rom. 12. Dezember.

Der Herausgeber des halbamtlichenGiornale d'Jtalia", Gayda, setzt Jbie Auseinandersetzung mit Frankreich über dienatürlichen Ansprüche" Ita­liens in einem dem Suezkanalproblem gewidmeten Leitaufsatz fort. Bei der Vertretung seiner ständig wachsenden lebenswichtigen Inter­essen an dem wirtschaftlich, politisch und militärisch wertvollen Suezkanal, so schreibt Gayda, stoße Ita­lien auf Frankreich, weil dieses die Ver­waltung des Kanals mit 19 Aufsichtsrats­mitgliedern, denen nur zehn Engländer, zwei Aegypter und ein Holländer gegenüberstünden, voll- ständia beherrsche. Die Riesengewinne der Gesellschaft hätten es ihr ermöglicht, das Aktien­kapital bereits mehrfach zurückzuzahlen und auch 1937 wieder eine hohe Dividende (820 französische Franken gegenüber 600 Franken im Jahre 1936) auszuschütten. Der Gesellschaft gehe es mehr um die Profite ihrer Aktionäre, als um die lebenswichtigen Interessen aller Schiffahrt treibenden Völker. Durch die hohen Kanalgebühren würden gerade Waren geringeren Wertes, also vor allem Kolonial­erzeugnisse, besonders stark belastet, so daß die Kanalgesellschaft die Kolonisierungsarbeit, die Be­ziehungen Afrikas mit Europa erschwere und nicht nur den Interessen der einzelnen See- und Kolonialmächte, sondern auch der zivilisatorischen Aufbauarbeit in Afrika entgegenwirke. Bei­spielsweise habe die Flotte Italiens im Jahre 1937, um die Verbindung mit dem Imperium aufrecht­zuerhalten, ü b e r 17 5 Millionen Lire an Kanal gebühren bezahlen müssen. Gayda kommt zu dem Schluß, das Suezkanalproblem,sei heute von dem Gesamtproblem der europäischen Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gleich­heit der Rechte, der Positionen und des Wertes aller ^Rationen im Verhältnis ihrer Interessen nicht mehr zu trennen.

Gayda befaßt sich in einem weiteren Aufsatz auch mit Djibuti, der französischen Kolonie am Aus­gang des Roten Meeres zum Golf von Aden, von wo die einzige Bahn nach Abessinien hineinführt. Gayda betont, diese Frage bestehe nicht etwa erst seit heule, sondern sei jetzt nach der Eroberung des Imperiums lediglich aktuell geworden. Djibuti sei für Frankreich stets nur eine Basis für seine Expansionspolitik in Afrika gewesen, von dem aus es von jeher unentwegt gegen die ita­lienischen Interessen vorgegangen sei. Wäh­rend des Aethiopien-Konfliktes habe Djibuti die Flanke des italienischen Heeres bedroht und sei zu­gleich Ausgangspunkt für Waffenliefe­rungen an den Negus gewesen. Nachdem heute mit der Eroberung des Imperiums alle Pro­bleme zwischen Rom und Paris offen stünden, be­dürften die Beziehungen einer Klärung. Das Pro­blem Djibuti stelle sich für Italien heute sowohl vom politischen wie vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus habe Dji­buti lediglich den Wert einer äthiopischen Z u - fahrtsstraße, und zwar heute den eines u n - ter fremder Kontrolle stehenden Ein- und Ausfalltores des italienischen Imperiums. Weder der ungenügende Hafen, noch die mehr als primitive Eisenbahn von Djibuti nach Addis Abeba entsprä­chen den heutigen Anforderungen des italienischen Imperiums. Beide zögen jedoch durch untrag­bare Gebührensätze ausschließlich aus dem italienischen Verkehr Nutzen. Mehrfach habe Italien Frankreich zu Verhandlungen eingeladen. Stets sei es jedoch auf juristische Vorbehalte und auf sonder­

bare Mentalität gestoßen. Die eigentlich Italien zustehenden Eisenbahnaktien der ehe­maligen äthiopischen Regierung wür­den immer n o d) zurückgehalten, für die Konzession der Eisenbahn werde im Gegensatz

zu früher fein Pfennig gezahlt. DasGior- nale d'Jtalia" schließt, daß es nicht mehr als recht und billig fei, das Problem von Djibutt zur Klä­rung der italienisch-französischen Beziehungen und der europäischen Interessen in Angriff zu nehmen.

Frankreichs Standpunkt in der Tunis-Frage.

E. F. Paris, 13. Dezember.

In der Umgebung des Quai d'Orsay dementierte man die Nachricht, wonach der französische Ge- neralresident von Tunis, L a b o n n e, nach Pa­ris berufen worden sei, um über die Lage in Tunis Bericht zu erstatten. Man betont, daß in Tunis wieder vollkommene Ruhe herrsche, und daß während der Demonstrationen der letzten Tage kein Kundgeber verletzt worden sei. Immerhin gibt man zu, daß hie Beunruhigung, die insbesondere in London sich wegen der Sage im Mittelmeer bemerk­bar mache, nunmehr auch auf französische Kreise überzugreifen beginne. Einen Beweis dafür sieht man in der Schwäche der Pariser Mon­tag s b ö r s e. Nach Auslassungen der Umgebung des Quai d'Orsay steht die französische Regierung auf dem Standpunkt, daß der Vertrag La­val-Mussolini vom Januar 1935 seinen vollen Wert behalten habe. Man spricht in Paris von den Vorteilen, die durch diesen Vertrag Italien eingeräumt worden feien, die im Falle fei­ner Aufkündigung wieder hinfällig würden. Ader man verkennt nicht, daß die Tunis-Frage durch die Abkommen vom Jahre 1935 keineswegs end­gültig geregelt worden fei, und daß damals ausdrücklich weitere Verhandlungen zur Regelung des Statuts der Italiener in Tunis i n Aussicht genommen wurden. Zu diesen Der-

Die Verteidigung Tunesiens.

Gedanken eines französischen Flottensachverständigen.

E. F. Paris, 12. Dezember.

Der bekannte französische Flottensachverständige Rene la Bruyöre hinter «diesem Decknamen verbirgt sich ein ehemaliges Mitglied der französischen Admiralität veröffent­licht imPetit Parisien" einen Artikel über T u - ni s, in dem zum erstenmal auch Angaben über die sog.tunesische M a g i n o t - L i n i e" ge­macht werden, die in den letzten Tagen öfters in den französischen Blättern erwähnt wurde. Diese Linie scheint jedoch noch nicht gebaut, oder zumin­dest e r st im Bau begriffen au fein, denn Renö la Bruyöre schreibt, die französische Regierung habe allen Grund, um im Skden von Tunis und unter Benutzung der natürlichen Verteidigungsmit­tel eine zweite Verteidigungslinie zu schaffen, hinter der die Mobilmachung in den übri­gen nordafrikanischen Besitzungen sich vollziehen müsse. Die Grenze zwischen Tuinis und Libyen sei einewunderbare natürliche Verteidigung mit ihren hohen Dünen und ihren schwer zugänglichen Ge­birgskämmen", die Trogloditenberge seien sehr leicht zu verteidigen.

Wenn man diese Sicherheitszone hergeben würde, um die Grenze an den Golf von Gabes (die .Kleine Syrte" dicht an der libyschen Grenze).anzu­nähern, jo würde man Gefahr laufen, die Sicher­heit von Tunis aufs Spiel zu fetzen. Der Golf von

Handlungen ist es allerdings infolge des Sturzes Lavals nicht mehr gekommen.

Eine dem Quai d'Orsay nahestehende Nachrich­tenagentur schreibt, zwischen Frankreich und Ita­lien gebe es kein Problem, das auf der Grundlage der Freundschaft, der Achtung und des gegenseitigen Vertrauens nicht gelöst werden könnte. Die Hoff­nung bleibe daher, daß durch die Kaltblütigkeit und die Vernunft der beiden Regierungen-in Paris und Rom der gegenwärtige Tumult sich wieder legen werde. Italien und Frankreich seien groß genug, um auf direktem diplomatischen Wege ihre Streitigkeiten zu regeln, ohne zur Vermittlung dritter Mächte greifen zu müssen, so freundschaft« lich diese Vermittlungen auch gemeint fein könnten. Ein italienisch-französischer Konflikt, unter welchem Vorwand er auch ausbrechen würde, würde voll­kommen unsinnig sein. Die beiden Länder hätten Botschafter.ernannt, die als die bedeutendsten Diplo­maten ihrer Länder betrachtet würden, damit sie i n Verhandlungen einträten und nicht, damit sie gegenüber dem gegenwärtigen Pressefeldzug untätig bleiben. Dieser offiziöse Kommentar hat in politi­schen Kreisen starke Beachtung gefunden, da ins­besondere in dem Schlußsatz der Wunsch der fran­zösischen Regierung zum Ausdruck zu kommen scheint, mit Italien in Verhandlungen einzutreten.

Gabes sei durch die Insel Djerba geschützt. Die südliche Grenze von Tunis stelle daher eine bemerkenswert natürliche Verteidigung dar, und es könne nicht die Rede davon fein, an diese Grenze zu rühren. Der Ausbau der Verteidigung von Tunis habe nicht zum Ziel, in Libyen einzufallen, sondertt. die tunesische Grenze zu vermauern, um ohne Stö­rung die französischen Kolonialtruppen aus den übrigen afrikanischen Gebieten im Kriegsfälle auf die Operationsfelder werfen zu können.

Der Artikel kommt bann auf die Lage des fran­zösischen Flottenstützpunktes von B i z e r t a am Golf von Tunis zu sprechen, hinsichtlich der Ver­teidigung der großen Verkehrsstraßen in der Welt teile er vielleicht eine der bestgelegenen Flotten- tützpunkte dar. Der Besitz von Tunis sei daher chon aus diesem Grunde für Frankreich unerläß­lich, um die Freiheit im Mittelmeer sichern zu können. Wenn Bizerta in den Händen der Italiener sein würde, dann würde das alte Wort von dem Mare nostrum" verwirklicht, denn dann wäre es jedem anderen Staat unmöglich, die Meerenge ohne Erlaubnis Italiens zu durchfahren. Dadurch, daß Bizerta in französischem Besitz sei, werde die Hegemonie eines einzelnen Staates im Mittel« meer verhindert. Frankreich werde niemals er­lauben, daß an Tunis gerührt werde.