M.29I Erstes VM
188. Jahrgang
Dienstag, 13. Dezember (938
Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle
Monatr vezugspreir:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr . . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Sieben
Postscheckkonto:
Zranlsurt am Main 11688
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
druck und Verlag: vrShlsche Univerfitätsdruckerei «.Lange in Sieben. Schristleitung und Seschästrftelle: Schulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Text« anzeigen von 70mm Brette 50Rpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg.250/o mehr.
Lrmätzigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemein« nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Oer Jude als Zerstörer des völkischen Gedankens.
„Das Ludenproblem ist für uns erst gelöst, wenn der letzte Lude Deutschland verlassen hat."
Gauleiter Sprenger sprach in der Frankfurter Universität.
LPD. Frankfurt a. M., 12. Dez. Im Wintersemester 1938/39 veranstaltet die Johann-Wolfgang- Goethe-Universität eine aktuelle Vortragsreihe über das Judentum. Von maßgebenden Sachkennern werden vier Vorträge gehalten, deren erster am Montagabend von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger über „Der Jude als ewiger Zerstörer des völkischen Gedankens" gehalten wurde. Der Vortrag begegnete außerordentlichem großem Interesse. Die Aula war überfüllt, so daß der Vortrag in weitere Hörsäle der Universität, die ebenfalls vollkommen besetzt waren, übertragen werden mußte. Nach einführenden Worten des Rektors der Universität, Prof. Dr. P l a tz h o f f, führte der Gauleiter folgendes aus:
Es gibt eine Judenfrage, solange es Juden gibt. Es ist ein I r.r t u m , wenn behauptet wird, daß sich die Juden gegen ihren Willen über die ganze Welt hätten verbreiten müssen. Vor dem Auszug aus Jerusalem und vor der Zerstörung. Babylons waren schon jüdische Bankiers in Meso-' potamien ansässig. Auch nach Kleinasien waren sie ausgewandert urtb kamen mit den Phöniziern bis nach Spanien. In ^Jerusalem mußten sie Ackerbau und Viehzucht treiben, ihnen ging es aber darum, anderswo leichtere Geschäfte zu treiben. Auch nach Rom kamen sie schon 131 vor der neuen Zeitrechnung.
3n der Folgezeit nahm die Auswanderung aus Jerusalem immer größere Formen an, aber sie war immer freiwillig, kein Volk hat die Juden gerufen oder sie gar gezwungen, sich in ihrem Lande festzusehen. Ls ist kein Zufall, daß sie immer von großen Handelszentren angelockt worden sind, dort
sen Abwehrmaßnahmen blieb der Erfolg versagt, weil sie zu keiner Tiefenwirkung kamen. Der Führer hat das Judenproblem erkannt. In seinem Buche „Mein Kampf" sagt er klar und deutlich : „M it den Juden gibt es kein Paktieren, sondern nur das harte Entweder-Oder." Das Judenproblem ist eine Auseinandersetzung Rasse gegen Rasse, Volk gegen Volk. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit hat jetzt zu dieser Frage Stellung genommen. Das Entscheidende in diesem Kampfe war, eine Massenbewegung durchzusetzen. Das Vorgehen der Partei hatte e i n Volks erwachen zur Folge und gleichzeitig eine positivere Bewertung der eigenen Rasse. Nicht nur das Verhalten der Suben hat den Kampf gegen sie heraufbeschworen, sondern die Grundlage zu diesem Kampfe war die positive Forderung, daß das deutsche Volk nur aus sich selb st heraus regiert werden kann. Der Partei gelang es, in ihren Reihen eine innere Scheidung zum Judentum herbeizuführen, dadurch wurde es möglich, den Juden das Ende zu bereiten. Mit wunderbarer Klarheit hat der Führer bereits im Jahre 1922 in einer Rede ausgeführt: „Es gibt zwei Möglichkeiten: Sieg der arischen Rosse oder ihr Niedergang und Sieg des Judentums. Der Jude wird immer und ewig geborener Privatkapitalist allerschlimmster Art sein." Ueberall legte dann das Wissen um die Rassenverschiedenheit den Weg in die Neuordnung frei. Oberflächliche Beobachter haben festgestellt, daß die wirtschaftliche Auseinandersetzung dabei im Vordergründe stände. In Wirklichkeit ist aber die Auseinandersetzung auf wirt
schaftlichem Gebiete der Schlußstrich einer fast zum Abschluß gekommenen Entwicklung. Vor dem 10. November begann die Ausschaltung der Juden aus dem Staate und dem Kulturleben. Dann schafften die Nürnberger Gesetze die Reinerhaltung des Blutes und die wirtschaftlichen Maßnahmen der neuesten Zeit sind nur der logische Abschluß. Unter großem Beifall schloß der Gauleiter seine Ausführungen mit den Worten: „Wir sind auf der Wacht. Das Judenproblem wird in Deutschland aelöst; für uns ist es aber erst gelöst, wenn der letzte Jude Deutschland verlassen hat."
„3n Arisierung begriffen/'
Berlin, 12. Dez. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Sofern an einem bishet jüdischen Geschäft der sichtbare Vermerk angebracht ist: „In Arisierung begriffe n", kommen Käufe, die in diesen Geschäften getätigt werden, nicht mehr dem jüdischen Vorbesitzer, sondern dem arischen Treuhänder zugute. Sofern jüdische Geschäfte wieder eröffnet werden, handelt sich sich entweder um Geschäfte von Ausländern oder um solche Betriebe, die mit besonderer Genehmig u n a des Reichswirtschaftsministeriums wieder aufgemacht werden. Insbesondere wird zum Fall der Wiedereröffnung der E t a m - F i l i a l e folgendes sestgestellt: Der Inhaber ist Ausländer. Die Arisierung der Firma ist vom Reichswirt- schaftsministermm auf Grund der Verordnung vom 3.12.1938 eingeleitet. Es ist bereits ein arischer Treuhänder für den Gesamtbetrieb vom Reichs- wirtschaftsministerium eingesetzt.
Antwort an Kowno.
Das Memelland hat am Sonntag ein Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt. Die französischen und englischen Blätter, die bezeichnenderweise jetzt nicht mehr von Klaipeda, wie die Litauer Memel umtauften, sprechen, sondern die Memelländer plötzlich wieder mit ihrem deutschen Namen beehren, berichten von einem Sieg der deutschen Idee und einer überwältigenden deutschen Mehrheit. Sie heben auch die mustergülliae Disziplin der Memeldeutschen hervor und die Tatsache, daß ein betrunkener amerikanischer Journalist herumkrakeelte, dabei ein blaues Auge davontrug, auf der Wache vernommen, aber bald wieder entlassen wurde. Dieser betrunkene Repräsentant der demokratischen Weltpresse läßt noch schärfer die Zucht der Memelländer in die Erscheinung treten.
Zwölf Jahre hat das Memellcmd unter Kriegsrecht gestanden, obgleich die Garanten des Memelstatuts genau wußten, daß Dinge, die den litauischen Staat betreffen, nicht ohne weiteres auf das autonome Memelgebiet übertragen werden konnten. Aber alle Proteste fanden in London und Paris taube Ohren und die Litauer wüteten mit Verfolgung, Einkerkerung und Broilosmachung gegen die Memelländer, die von Deutschland nicht lassen wollten. Seit eine Probeabstimmung, um die sich allerdings niemand in den „Demokratien" kümmerte, sogar im April 1919 nicht weniger als 85 v. $). aller abgegebenen Stimmen auf Deutschland vereinigte, ist das Memeldeutschland der Faust dieser Demokratien untertan gewesen, zuerst, am 15. Februar 1920, den Franzosen, dann, während des Ruhrkampfes, den Litauern, deren Freischärler am 10. Januar 1923 das Land besetzten, während gleichzeitig die Franzosen ebenso widerrechtlich ins deutsche Ruhrrevier einbrachen. Die Botschafterkon- ferenz vom 15. Februar 1924 unterwarf sich natür-
Ltaliens „natürliche Ansprüche".
Gayda fordert Erörterung des Guezkanal-problems und Ojibutis.
konnten sie Geld auf eine leichtere und ihnen gelegenere Art verdienen. And damit standen sie im Gegensatz zum nordischen Menschen, der den Boden bearbeitet und fruchtbar macht. 3n den großen Handelszentren fanden sie aber den geeigneten Boden für ihre Geschäftemacherei.
Mit den Römern kamen die Juden dann auch nach Deutschland. Als römische Bürger batten sie gleich ein großes Uebergewicht über die germanische Bevölkerung, die nach ihrer Unterwerfung im eigenen Lande vollkommen rechtlos war. Als schließlich die Römer aus Germanien abzogen, blieben die Juden zurück.
Der Gauleiter schilderte dann weiter den tiefen Trennungsstrich, der die Juden von den inzwischen zum Christentum übergetretenen Deutschen schied. Für die Juden war es auch kein verlockendes Geschäft, zum Christentum überzutreten, denn es bestand damals das Gesetz für sie, mit dem Uebertritt zum Christentum von den Handelsgeschäften zurückzutreten und ihren Besitzstand abzutreten. Dieses Gesetz war schon damals aus keiner anderen Sorge entstanden, als der der Reinerhaltung des deutschen Blutes. Diese Scheidung von Religion und Blut übertrug sich aber nicht auf die Wirtschaft. Da die Christen keine Geldgeschäfte machen durften, war dem jüdischen Wucher Tor und Tür geöffnet. Man kennt aus der damaligen Zett Zinssätze von 30 bis 120 v. H., vereinzelt noch darüber hinaus.
Das 17. und 18. Jahrhundert brachte dann die Entwicklung, deren Folgen man in der Gegenwart kennt. Es folgte die Gründung der großen jüdischen Banken, es entstanden die jüdischen Hofbankiers, die Kriegsliefe- i,ranten: diese wieder beschlagnahmten die Krsegs- 'beuten, ihnen wurden die Münzen übertragen und sie belegten alle Werte mit Beschlag. Mit ihrem finanziellen Einfluß wuchs auch das Vertrauen der Fürsten zu den Juden, die nunmehr neben ihrem wirtschaftlichen und finanziellen Einfluß auch politisch in den Vordergrund traten. Die geistige Aufklärung erfolgte nur im Sinne der Juden, die schließlich lange, bevor sie die Staatsbürgerrechte bekamen, bereits Barone waren. Mit der französischen Revolution und ihrer Gleichmacherei kam dann auch die Gleichberechtigung der Juden.
1918 nahmen sie bann eine Monopolstellung in Deutschland ein. Sie versuchten sich auf allen Gebieten durchzufehen, und es gelang ihnen nur zu gut. Namentlich die deutsche Wirtschaft wurde zur jüdischen Domäne, aber auch auf allen anderen Gebieten, nur nicht auf denen der Arbeit, waren sie tonangebend. Die Sysiemzeit wurde zur Zeit der ausgesprochenen 3ubeninflation. Aber nicht nur 3uden, sondern auch Nichtjuden nahmen an der Vergiftung des Volkstums teil. Der einzuschlagende Weg war für die 3uden klar: Immer hinter der Kampffront, die anderen arbeiten lassend, genau nach ihrer Kriegsparole: „Geh' zuletzt in den Krieg, damit du "zuerst wieder zu Hause bist."
Strömungen gegen die Juden machten sich zuerst im 12. und 13. Jahrhundert in Frankreich und England bemerkbar. Auch in Spanien und Portugal gab es Kämpfe gegen das Judentum, und auch in Deutschland regte es sich im Mittelalter, und bis in die Gegenwart haben auf dem Balkan und in Polen Judenpogrome stattgefunden. Aber all die
br. Rom. 12. Dezember.
Der Herausgeber des halbamtlichen „Giornale d'Jtalia", Gayda, setzt Jbie Auseinandersetzung mit Frankreich über die „natürlichen Ansprüche" Italiens in einem dem Suezkanalproblem gewidmeten Leitaufsatz fort. Bei der Vertretung seiner ständig wachsenden lebenswichtigen Interessen an dem wirtschaftlich, politisch und militärisch wertvollen Suezkanal, so schreibt Gayda, stoße Italien auf Frankreich, weil dieses die Verwaltung des Kanals mit 19 Aufsichtsratsmitgliedern, denen nur zehn Engländer, zwei Aegypter und ein Holländer gegenüberstünden, voll- ständia beherrsche. Die Riesengewinne der Gesellschaft hätten es ihr ermöglicht, das Aktienkapital bereits mehrfach zurückzuzahlen und auch 1937 wieder eine hohe Dividende (820 französische Franken gegenüber 600 Franken im Jahre 1936) auszuschütten. Der Gesellschaft gehe es mehr um die Profite ihrer Aktionäre, als um die lebenswichtigen Interessen aller Schiffahrt treibenden Völker. Durch die hohen Kanalgebühren würden gerade Waren geringeren Wertes, also vor allem Kolonialerzeugnisse, besonders stark belastet, so daß die Kanalgesellschaft die Kolonisierungsarbeit, die Beziehungen Afrikas mit Europa erschwere und nicht nur den Interessen der einzelnen See- und Kolonialmächte, sondern auch der zivilisatorischen Aufbauarbeit in Afrika entgegenwirke. Beispielsweise habe die Flotte Italiens im Jahre 1937, um die Verbindung mit dem Imperium aufrechtzuerhalten, ü b e r 17 5 Millionen Lire an Kanal gebühren bezahlen müssen. Gayda kommt zu dem Schluß, das Suezkanalproblem,sei heute von dem Gesamtproblem der europäischen Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gleichheit der Rechte, der Positionen und des Wertes aller ^Rationen im Verhältnis ihrer Interessen nicht mehr zu trennen.
Gayda befaßt sich in einem weiteren Aufsatz auch mit Djibuti, der französischen Kolonie am Ausgang des Roten Meeres zum Golf von Aden, von wo die einzige Bahn nach Abessinien hineinführt. Gayda betont, diese Frage bestehe nicht etwa erst seit heule, sondern sei jetzt nach der Eroberung des Imperiums lediglich aktuell geworden. Djibuti sei für Frankreich stets nur eine Basis für seine Expansionspolitik in Afrika gewesen, von dem aus es von jeher unentwegt gegen die italienischen Interessen vorgegangen sei. Während des Aethiopien-Konfliktes habe Djibuti die Flanke des italienischen Heeres bedroht und sei zugleich Ausgangspunkt für Waffenlieferungen an den Negus gewesen. Nachdem heute mit der Eroberung des Imperiums alle Probleme zwischen Rom und Paris offen stünden, bedürften die Beziehungen einer Klärung. Das Problem Djibuti stelle sich für Italien heute sowohl vom politischen wie vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus habe Djibuti lediglich den Wert einer äthiopischen Z u - fahrtsstraße, und zwar heute den eines u n - ter fremder Kontrolle stehenden Ein- und Ausfalltores des italienischen Imperiums. Weder der ungenügende Hafen, noch die mehr als primitive Eisenbahn von Djibuti nach Addis Abeba entsprächen den heutigen Anforderungen des italienischen Imperiums. Beide zögen jedoch durch untragbare Gebührensätze ausschließlich aus dem italienischen Verkehr Nutzen. Mehrfach habe Italien Frankreich zu Verhandlungen eingeladen. Stets sei es jedoch auf juristische Vorbehalte und auf sonder
bare Mentalität gestoßen. Die eigentlich Italien zustehenden Eisenbahnaktien der ehemaligen äthiopischen Regierung würden immer n o d) zurückgehalten, für die Konzession der Eisenbahn werde im Gegensatz
zu früher fein Pfennig gezahlt. Das „Gior- nale d'Jtalia" schließt, daß es nicht mehr als recht und billig fei, das Problem von Djibutt zur Klärung der italienisch-französischen Beziehungen und der europäischen Interessen in Angriff zu nehmen.
Frankreichs Standpunkt in der Tunis-Frage.
E. F. Paris, 13. Dezember.
In der Umgebung des Quai d'Orsay dementierte man die Nachricht, wonach der französische Ge- neralresident von Tunis, L a b o n n e, nach Paris berufen worden sei, um über die Lage in Tunis Bericht zu erstatten. Man betont, daß in Tunis wieder vollkommene Ruhe herrsche, und daß während der Demonstrationen der letzten Tage kein Kundgeber verletzt worden sei. Immerhin gibt man zu, daß hie Beunruhigung, die insbesondere in London sich wegen der Sage im Mittelmeer bemerkbar mache, nunmehr auch auf französische Kreise überzugreifen beginne. Einen Beweis dafür sieht man in der Schwäche der Pariser Montag s b ö r s e. Nach Auslassungen der Umgebung des Quai d'Orsay steht die französische Regierung auf dem Standpunkt, daß der Vertrag Laval-Mussolini vom Januar 1935 seinen vollen Wert behalten habe. Man spricht in Paris von den Vorteilen, die durch diesen Vertrag Italien eingeräumt worden feien, die im Falle feiner Aufkündigung wieder hinfällig würden. Ader man verkennt nicht, daß die Tunis-Frage durch die Abkommen vom Jahre 1935 keineswegs endgültig geregelt worden fei, und daß damals ausdrücklich weitere Verhandlungen zur Regelung des Statuts der Italiener in Tunis i n Aussicht genommen wurden. Zu diesen Der-
Die Verteidigung Tunesiens.
Gedanken eines französischen Flottensachverständigen.
E. F. Paris, 12. Dezember.
Der bekannte französische Flottensachverständige Rene la Bruyöre — hinter «diesem Decknamen verbirgt sich ein ehemaliges Mitglied der französischen Admiralität — veröffentlicht im „Petit Parisien" einen Artikel über T u - ni s, in dem zum erstenmal auch Angaben über die sog. „tunesische M a g i n o t - L i n i e" gemacht werden, die in den letzten Tagen öfters in den französischen Blättern erwähnt wurde. Diese Linie scheint jedoch noch nicht gebaut, oder zumindest e r st im Bau begriffen au fein, denn Renö la Bruyöre schreibt, die französische Regierung habe allen Grund, um im Skden von Tunis und unter Benutzung der natürlichen Verteidigungsmittel eine zweite Verteidigungslinie zu schaffen, hinter der die Mobilmachung in den übrigen nordafrikanischen Besitzungen sich vollziehen müsse. Die Grenze zwischen Tuinis und Libyen sei eine „wunderbare natürliche Verteidigung mit ihren hohen Dünen und ihren schwer zugänglichen Gebirgskämmen", die Trogloditenberge seien sehr leicht zu verteidigen.
Wenn man diese Sicherheitszone hergeben würde, um die Grenze an den Golf von Gabes (die .Kleine Syrte" dicht an der libyschen Grenze).anzunähern, jo würde man Gefahr laufen, die Sicherheit von Tunis aufs Spiel zu fetzen. Der Golf von
Handlungen ist es allerdings infolge des Sturzes Lavals nicht mehr gekommen.
Eine dem Quai d'Orsay nahestehende Nachrichtenagentur schreibt, zwischen Frankreich und Italien gebe es kein Problem, das auf der Grundlage der Freundschaft, der Achtung und des gegenseitigen Vertrauens nicht gelöst werden könnte. Die Hoffnung bleibe daher, daß durch die Kaltblütigkeit und die Vernunft der beiden Regierungen-in Paris und Rom der gegenwärtige Tumult sich wieder legen werde. Italien und Frankreich seien groß genug, um auf direktem diplomatischen Wege ihre Streitigkeiten zu regeln, ohne zur Vermittlung dritter Mächte greifen zu müssen, so freundschaft« lich diese Vermittlungen auch gemeint fein könnten. Ein italienisch-französischer Konflikt, unter welchem Vorwand er auch ausbrechen würde, würde vollkommen unsinnig sein. Die beiden Länder hätten Botschafter.ernannt, die als die bedeutendsten Diplomaten ihrer Länder betrachtet würden, damit sie i n Verhandlungen einträten und nicht, damit sie gegenüber dem gegenwärtigen Pressefeldzug untätig bleiben. Dieser offiziöse Kommentar hat in politischen Kreisen starke Beachtung gefunden, da insbesondere in dem Schlußsatz der Wunsch der französischen Regierung zum Ausdruck zu kommen scheint, mit Italien in Verhandlungen einzutreten.
Gabes sei durch die Insel Djerba geschützt. Die südliche Grenze von Tunis stelle daher eine bemerkenswert natürliche Verteidigung dar, und es könne nicht die Rede davon fein, an diese Grenze zu rühren. Der Ausbau der Verteidigung von Tunis habe nicht zum Ziel, in Libyen einzufallen, sondertt. die tunesische Grenze zu vermauern, um ohne Störung die französischen Kolonialtruppen aus den übrigen afrikanischen Gebieten im Kriegsfälle auf die Operationsfelder werfen zu können.
Der Artikel kommt bann auf die Lage des französischen Flottenstützpunktes von B i z e r t a am Golf von Tunis zu sprechen, hinsichtlich der Verteidigung der großen Verkehrsstraßen in der Welt teile er vielleicht eine der bestgelegenen Flotten- tützpunkte dar. Der Besitz von Tunis sei daher chon aus diesem Grunde für Frankreich unerläßlich, um die Freiheit im Mittelmeer sichern zu können. Wenn Bizerta in den Händen der Italiener sein würde, dann würde das alte Wort von dem „Mare nostrum" verwirklicht, denn dann wäre es jedem anderen Staat unmöglich, die Meerenge ohne Erlaubnis Italiens zu durchfahren. Dadurch, daß Bizerta in französischem Besitz sei, werde die Hegemonie eines einzelnen Staates im Mittel« meer verhindert. Frankreich werde niemals erlauben, daß an Tunis gerührt werde.


