Nr.188 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
lZ./14.August 1958
Mlionenschäden durch spielende Kinder!
Aus der Stadt Gießen.
Wind über Stoppeln.
In den Hausgärten stehen die Rosen in der zweiten Blühte, Dahlien und Astern prangen in allen Farben. Nelken, Löwenmäuler, Levkosen und Glockenblumen leuchten uns entgegen. Es ist wie ein großes Farbensest. Auf Wanderungen sehen wir Bauerngärten mit alten, lieben Blumen, die uns an die Jugendzeit erinnern. Nur schwer können wir uns von dem Anblick dieser Blütenpracht trennen.
Aber draußen im Felde hat sich vieles geändert. Die Gräser und Wiesenblumen sanken unter dem Schnitt der Sensen, würziges Heu wurde eingefahren: der Sommer war da! Als aber die Wiesen geleert waren und da, wo die bunten Blumen gestanden hatten, nur eine gleichmäßig grüne Fläche erschien, ahnten wir, daß mit dem Anfang des Sommers schon sein Ende gekommen war. Wohl grünten die Wiesen von neuem, der zweite Schnitt reifte heran, und überall blühten die Blumen wieder auf. Die Sonne, die große Zauberin, schuf täglich neue Wunder, bleichte aber auch das Getreide. Die Schnitter kamen ...
Nun ist auch das Getreide geschnitten. Der Segen ist fast geborgen. Mit dem Getreide starben fast alle leuchtenden Feldblumen da draußen auf den Aeckern. Kalt schauen uns die kahlen Stoppelfelder an. Wo einst wogende Saaten sich leise im Winde bewegten, da gähnt die Leere, und nur kurze, harte Reste starren uns entgegen. Der Sommer nimmt Abschied.
Wohl werden die rauhen Stoppeln umgebrochen, aber selbst durch die braune Erde dringen die letzten Zeugen eines reichen Sommers. Sie wollen nicht weichen, nicht untergehen.
Aber die Sonne steht noch hoch am Himmel. Sie sorgt für neues Leben, für junges Grün. Die Stoppeläcker, die nicht gepflügt werden, zeigen bald ein anderes Aussehen. Nach einem erquickenden Regen drängt sich überall schwellendes Grün zwischen den Halmen durch. Der junge Klee, der im Schutz des Getreides keimte und seine zarten Blätter entfaltete, hat nun Luft und Licht und strebt in die Höhe. Es ist ein erfrischendes Bild, wenn wir sehen, wie aus den gelben Trümmern kräftiges Grün nach- dränqt und bald alles bedeckt. Noch starren die harten Reste der Halme heraus und schützen die jungen Pflänzchen, aber bald werden diese hinausgewachsen sein über die letzten Zeugen der Sommerherrlichkeit. Die überquellende, überströmende Kraft alles Jungen bricht sich sieghaft Bahn über das Alte. Auch die neu eingesäten Aecker zeigen bald wieder junges Leben. Stoppelrüben und Erbsen wachsen heran. Es gibt keinen Stillstand in der Natur.
Doch die Buben haben etwas gemerkt. Wenn der Wind über die Stoppeln fährt, holen sie ihren Drachen hervor. Die leeren Felder locken. Nun können sie kreuz und quer laufen und ihre Drachen in der Luft hin- und herschaukeln lassen.
Der Sommer nimmt Abschied, wenn uns auch die Sonne noch einige Wochen täuscht. Die leeren Aecker druußen zeigen es am ersten. H.
Dornoiizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Schwarzfahrt ins Glück".
Tageskalender für Sonnlag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Schwarzfahrt ins Glück".
USD., Ortsgruppe Gießen Nord.
Am Montag, 15., und Dienstag, 16. August, wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord von der NS.-Frauenschaft die Pfundsammlung (Lebensmittelopferring) für den Monat August durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzuhalten. ______________________
Es ist für die überlastete Landfrau gewiß nicht immer leicht, chren großen Pflichtenkreis so zu richten, daß alles zu feinem Recht kommt. Küche, Haus, Kinder, Garten, Vieh, Feldarbeit — das alles soll in den Tageslauf eines einzigen Menschen hineinpassen. Für die städtischen Hausstauen ist es völlig unfaßbar, wie die Landfrau eine solche lieber» fülle an Pflichten bewältigen kann, zumal dort, wo sie ohne Hilfskräfte werken muß.
Daß dabei hier und da einmal etwas liegen bleibt, daß, zumal' in der Haupterntezeit im Sommer und Herbst eine dringende Arbeit vor einer anderen noch dringenderen zurücktritt — wen darf das wundern! Aber so groß die Arbeitslast auch sein mag: einer Pflicht muß genügt werden, und diese Pflicht ist die Aufsicht über die Kinder. Nicht allein um der Kinder willen darf hier nichts vernachlässigt werden,. sondern auch wegen der Gefahren, die Haus und Hof von unbeaufsichtigt spielenden Kindern drohen. Immer und immer wieder muß davor gewarnt werden. Denn auch heute noch entstehen
täglich durchschnittlich 13 Brände durch Kinderhand!
Was sollen nun die Eltern, vor allem die Mütter, tun, um solches Unglück einzudämmen? Bei den Großen sollen sie die Verantwortung wecken, sollen sie in einer ruhigen Stunde auf die drohenden Gefahren Hinweisen, sollen ihnen von der Notwendigkeit der Erhaltung aller Nahrungsgüter erzählen. Das braucht nicht lehrhaft und trocken zu geschehen; im Gegenteil: an Hand eines Erlebnisses, am Beispiel eines Brandes, der irgendwo in der Nachbarschaft ausgebrochen ist, lassen sich diese Dinge auch dem kindlichen Verständnis nähebringen. Hat man aber erst einmal das Interesse unserer Jugend geweckt, so ist es nur noch ein Schritt zu dem Ver- antwortungsbewußLsein, das bereits sehr ausgeprägt in unseren Jungen und Mädeln ruht. Denn die Jugend von heute lebt ja nicht mehr gedankenlos in den Tag hinein, es ist vielmehr erstaunlich, wie oft schon die Jüngsten sich mit ernschaften Fragen beschäftigen. Wer sie zu packen versteht, kann so ziemlich alles erreichen — sehr viel mehr jedenfalls, als durch strenge Verbote, gegen die sie sich innerlich ausbäumen. .
Wird man im Kampf gegen Brände durch Kinderhand bei den Größeren am ehesten mit Vernunft Franken-Großschrl der
HI.-Oorfgemeinschaftsabend im Frankenland.
Hollfeld, den 11. August 1938.
Ruhetag in Plankenfels! Die eintägige Rast fand ihren Höhepunkt in einem Dorfgememschaftsabend. Der Ort wimmelte von Kurgästen, so daß wir Zuschauer aus allen Teilen Deutschlands hatten. Wir schmückten uns den Raum, in dem der Abend stattfinden sollte, zweckentsprechend aus. lieber zwei Stunden nahm das Programm in Anspruch, das in manchen.Teilen die Lachmuskeln der Zuschauer sehr in Anspruch nahm. Nach der Begrüßungsansprache des Bürgermeisters und einigen Worten des Fayrt- gruppenfuhrers zeigten wir einige Szenen aus unserem Dienst- und Lagerbetrieb. Lustige Lieder erklangen, die von den Zuschauern mitgesungen wurden. Wir hatten eine Kapelle „organisiert , Die schnell die nötige Stimmung in die Bude brachte. Ein Zirkusdirektor ließ seinen Floh (der überhaupt nicht vorhanden war) ganz tollkühne Kunststücke vollführen. Als am Ende der Floh noch durchgiupg und in den Zuschauerraum flüchtete, fehlte nicht viel an einer allgemeinen Panik. Doch die Kapelle beruhigte die Massen schnell wieder mit einem Wiener Walzer. Natürlich mußte auch ein Ansager da sein, der die Pausen zwischen den einzelnen Nummern füllte. Mit großem Talent widmete sich unser „Mister Pitt" dieser Aufgabe. Er war auch
zum Ziele gelangen, so verfängt diese Methode bei den Kleinen natürlich nicht. Denn beim Kleinkind, zum mindesten bis zum schulpflichtigen Alter, reizt was verboten ist doppelt.
Deswegen m u ß das Kleinkind unter dauernder Aufsicht stehen, so hart dies der überlasteten Mutter oft auch ankommen mag.
Durch die Erntekindergärten der NSV., durch die Nachbarschaftshilfe und anderes gibt es ja heute auch manche Erleichterung für die Landfrau — aber die letzte Verantwortung bleibt bei ihr; darüber muß sie sich klar sein. Und diese Verantwortung ist so vordringlich, daß darüber alles andere in den Hintergrund zu treten hat. Denn Leben und Gesundheit des Kindes sind kostbarer als das, was sonst noch der Obhut der Bäuerin anvertraut ist. Und der Schaden, den ein unbeaufsichtigtes Kind in ein paar Minuten anzurichten vermag, kann unend- ich viel größer sein, as die gesamte Lebensarbeit einer noch so fleißigen und rastlos tätigen Mutter.
I. A. (RAS.).
Aufklärungsaktion in den Schulen.
DNB. Reichserziehungsminister Rust hat in einem Erlaß an die Schulen angeordnet, daß die im Auftrage des Reichsministeriums für Dolksaufklä- rung und Propaganda von der Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung in der Zeit vom 13. bis 20. August 1938 wieder durchgeführte Aufklärungsaktion „Schütze die deutsche Ernte vor Brandgefahr" im Unterricht in geeigneter Weise unterstützt wird.
Die Aufklärungsaktion hat sich zum Ziele gesetzt, jeden deutschen Volksgenossen über die hauptsächlichsten Brandursachen zu unterrichten und ihm die Mittelund Wege zurBrandverhütung zu zeigen. Die erforderliche Aufklärung über den Umfang der Erntebrandschäden und ihre Bedeutung für Die Sicherstellung Der Ernährung des deutschen Volkes wird nur von Erfolg sein, wenn sie — im Hinblick auf die große Zahl der Kinderbrandstiftungen, insbesondere bei den Kindern der unteren Jahrgänge — von einer dem Alter der Kinder entsprechenden starken erzieherischen Wirkung begleitet ist.
Gießener Wer-Ingend.
der Rundfunkreporter, als der Meister des Papiergewichtes gegen den des Fliegengewichtes kämpfte. Ein Zeitlupenboxkampf fetzte noch die Zuschauer in Erregung, Dann rourDe durch einen Rheinländer Der Tanz eingeleitet. DorfjugenD, Kurgäste unb Hitler- jungen Drehten sich im Takte Der Musik unD alle beDauerten es, als Der Zapfenstreich Diesem schönen AbenD ein Ende setzte. kp.
3n Bayreuth und Nürnberg.
Holl selb, 12. August.
Das schöne sonnige Wetter hat einem eintönigen Landregen Platz gemacht. In Hollfeld trafen nun sämtliche Fahrtengruppen wieder zusammen. Das gab ein großes Erzählen. Jeder wußte etwas anderes zu berichten! Einige Fahrtengruppen waren sogar in Bayreuth unD in Nürnberg. Die Strecke konnte natürlich nicht zu Fuß zurückgelegt werden, es mußten ein paar Kilometer Bahnfahrt eingelegt werden.
Gestern abend fand in Hollfeld ein Gemeinschaftsabend statt, an dem verschiedene Fahrtengruppen teilnahmen. In echter Kameradschaft verbrachten wir einige Stunden. Eine Fahrtengruppe marschierte schon die Nacht weiter bis Bamberg, während Die übrigen erst heute von Hollfeld bis Bamberg mit dem Omnibus fahren.
Amtsgerichtsdirektor Funk 70 Jahre alt.
Am heutigen 13. August wird der in Gießen int Ruhestand lebende Amtsgerichtsdirektor Funk m vollkommener geistiger und körperlicher Frische 70 Jahre alt Seit seiner Ruhestandsoersetzung vor 5 Jahren wohnt er in seiner Vaterstadt, wo er als langjähriger Amts- und Landrichter bei allen, die dienstlich und außerdienstlich mit ihm in Berührung tarnen, sich hohes Ansehen erworben hat.
Amtsgerichtsdirektor Funk erhielt nach verschiedenen richterlichen Verwendungen als Assessor (nament« lich in Mainz, Gernsheim, Groß-Gerau) seine erste Anstellung als Amts- und Dienstaufsichtsrichter m Homberg. Von dort kam er an das Amtsgericht Gießen, wo ihm lange Jahre die Zioilprozeßabteilung übertragen war. Dann erfolgte feine Ernennung zum Landgerichtsrat am Landgericht in Gießen, zuletzt im Jahre 1925 die Beförderung zum Amtsgerichtsdirektor und Vorsitzenden der Kammer für Handels« fachen in Worms.
In allen diesen Stellen verkörperte er das Vorbild eines mit gründlichem Wissen, großer Erfahrung und Menschenkenntnis ausgestatteten pflichttreuen deutschen Richters, dessen segensreiches, volksverbun- denes Wirken auch in den letzten acht Dienstjahren durch die Beförderung zum Direktor eines großen hessischen Amtsgerichts die Anerkennung der vorgesetzten Behörde fand. Zuverlässigkeit, Herzensgute und Menschenfreundlichkeit sind von jeher die Grund« zöge seines Wesens als Mensch und Richter gewesen. Zu diesen Eigenschaften kommt vor allem hinzü seine Liebe zur Natur. Kein Baum, keine Blüte, kein Tier des Waldes und Feldes feiner Heimat, die er nicht mit Namen nennt, an deren Gedeihen er nicht reges Interesse nimmt. Diese Freude an der Schöpfung treibt ihn auch zum Wandern, er kennt jeden Weg und Steg um Gießen und in weiterer Umgebung, als Vorstandsmitglied des Dünsbergvereins und Mitglied des Deutschen Alpenvereins findet er reichlich Gelegenheit, seine Erfahrungen auf diesem Gebiet zur Verfügung zu stellen.
Alle, die ihn kennen, wünschen dem Jubilar noch viele Jahre der Gesundheit und Rüstigkeit.
(Siebener Wochenmarkkpreise.
* Gießen, 13. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ausländische 12, Tauben 50 bis 60 Pf., junge Hähne, % kg 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner —,90 bis 1,05 Mark, Wirsing, grün 10 bis 12 Pf., Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12,
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gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 20 bis 25, gelb 20 bis 25, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 10 bis 14, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 50 bis 60, Kartoffeln, neue 5 bis 6%, 5 kg 50 bis 55 Pf., 50 kg 4,50 bis 5,20 Mark, Frühäpfel, % kg 40 bis 45 Pf., Falläpfel 10 bis 15, Pfirsiche 50 bis 65, Himbeeren 55 bis 60, Brombeeren 55 bis 60, Birnen 40 bis 50, Pflaumen 40 bis 60, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 2 bis 10, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf.
** Ein Achtzigjähriger. In körperlicher und geistiger Frische kann am morgigen Sonntag, 14. August, der hiesige Photographenmeister Ludwig Uhl, Frankfurter Straße 5, seinen 80. Geburtstag feiern. Dem alten Herrn, Der in weiten Bevölkerungskreisen bekannt und beliebt ist, auch unseren herzlichen Glückwunsch.
Jetzt aljo legt er die Kieselsteine auf das Mz unD bekommt einen „Kuchen'. In u ö kigen HänDen zerbröckelt das SanDklumpch , Artur kriegt eine LaDung Sand in die Schütz . > es Deshalb, oder warum wird Artur, Der S J unberechenbar ist, plötzlich so böse...? Auf klebt er Männe eine mitten auf Die Batfe. W ein Blitz aus heiterem Himmel kommt Das. 6 rennt schnell weg, Denn sie furchtet, auch abzubekommen.
Männes Mutter weiß genug:
„Du ganz schlechter Junge. Da hont du s \a, was du für einer bist. Die ganze Straße hat Angst vor Dir, Du Garstiger, pfui, „schäme Dich. Deiner Mutter werd' ich's sagen..."
So geht das weiter. Wölfchen steht da, ganz verlassen. Alle ziehen sich von ihm Zuruck .
„Kommt, Kinder", sagt Mannes Mutter zieht Den Kleinen, der sich inzwischen beruhigt hat, nut sich fort und fordert Artur und die beiden Leu- mundszeugen, Die gegen Wölfchen aus gejagt haben, auf, mit ihr zu gehen: „Ich habe Ap.elstrubel. Ihr lallt jeder ein Stückchen haben.
Die kleine Karawane zieht ab. Wölfchen sitzt im Sandhaufen und schaut hinterdrein ...
Nach fünf Minuten erscheinen die Kinder, die ihn schon vergessen haben, wieder. Jeder^hat em großes Stück Apfelstrudel in Der Faust und beißt herzhaft zu.
Männe brüllt. Mit Recht. Denn er ist sich keiner Schuld bewußt. Artur, der böse, guckt teilnahmslos und unschuldig in Die Lust. Männe brüllt weiter, so laut Daß seine Mutter Drüben am Fenster erscheint und ihn heranruft. Er geht aber nicht. Er brüllt mit wachsender Inbrunst, mit Der LeiDenschast zum Schmerz. Mama erscheint unD tröstet Das geliebte Kind. Dann blickt sie forschend m den Kreis der Spielgefährten, Der sich sofort gebilhet hat, unD fragt:
„Wer hat dich denn geschlagen?
Männe schweigt hilflos. „
„Sag's Doch Der Mama!"
Männe schluckt noch ein paarmal und schweigt weiter.
Artur tritt neben Die Frau und sagt, den Finger auf Wölfchen richtend: „Der war's. Er haut ^Wölfchen, fassungslos, findet kein Wort Der Erwiderung. Friedel, die für ihn zeugen konnte, ist noch immer nicht wieder zu sehen.
„Du ungezogener Junge!" prasselt es gleich aus ihn hernieder, „wie kannst du großer Bengel so einen Kleinen schlagen...!"
Jetzt mischen sich zwei andere Kinder em, m t Denen Wölfchen in Der vorigen Woche eine ernsthafte unD ehrliche Fehde ausgetragen hat, m Der sie Den Kürzeren zogen, obwohl sie zwei gegen einen standen. Sie hatten eine Katze gequält und Da ist Wölfchen wütenD geworben. In seinem Zorn hat er Die Kraft bekommen unD strenge Gerechtigkeit geübt. Das können sie nicht vergessen. Jetzt nehmen sie kalte Rache und wiederholen im Duett: „Ja, der haut immer."
Wölfchen will etwas ermiDern, etwas erklären... Aber er kommt nun nicht mehr zu Wort. Denn
Wölfchen Hai Kummer.
Von Günter Schab.
Wölfchen, vier Jahre alt, blond, braungebrannt unD struppig, hockt in Der SanDkUhle Des großen Spielplatzes, mitten in Der luftiggrünen SieDiung, draußen vor Der Stadt. Er formt Sandklumpchen auf SanDklümpchen, pappt sie, so sauber wie es geht, auf Das breite Holzbrett, Das Den Sandhaufen einzäunt, und verkauft Das Werk seiner kleinen HänDe für glatte Kieselsteine an FneDel, Manne ^FrüD^'das kleine MäDchen, ist Gast in Diesem Kreise, Denn sie wohnt in Der Krausenstraße unD gehört eigentlich auf Den anDern Spielplatz, rechts neben Der Straßenbahnhaltestelle. Wölfchen, Manne unD Artur aber sinD hier zu Hause. Denn gleich über Den Platz weg, Lindenallee 16, m Dem meD- lichen kleinen Dreifamilienhaus, wohnen ihre Elterm
Das Geschäft geht gut. D.e.Kau er zahlen Dem Herrn Bäckermeister jeben gewünschten Preis. Das heißt- Männe, Der mit seinen knapp zwei Jahren gerade so weit' ist, daß er sich auf seinen krummen Beinchen selbständig vorwärts bewegen kann seine geistigen Fähigkeiten smD auch noch höchst unzulänglich entwickelt - tut beDmgungslos m t was ihm Artur, Der FÜnfiährige im mrchsten Jahr schon zur Schule kommt, gebieterisch Vormacht. Richtig felbständig und im Zusammenhang frechen kann Männe überhaupt nach nicht. Er wäre z nichts weiter zu gebrauchen, besäße er nicht hübsche Spielsachen, einen großen bunten Ba , einen Satz Murmeln, dazu Reisen imd Kreisel d, man ihm bei Bedarf wegnehmen kann ahne d tz
er einen Mucks sagt. Dafür wird er dann nan Fall zu Fall gnädig zugelassen, wenn d.e andernm,J einen Ersatzmann brauchen. —
stehen, bis mir Dich rufen. Jetzt bist du Haltestelle^ Männe steht unD sieht Die „Eisenbahn sich vor überschnaufen. Er steht unD wartet. Dbet er ift „Tor" beim Fußball ober „Ziel beim Wettrennen. Er läßt alles mit sich geschehen, Der kleine Dumm
Gerade ApfelstruDel ißt Wölfchen für sein Leben gern.
Das größte Stück hat Artur.
Wölfchen aber, vier Jahre alt, blond, braungebrannt und struppig, hockt mit verweinten Augen in her Sanbkutzle und zweifelt zum ersten Male in seinem kleinen jungen Leben Daran, Daß es in Der Welt immer ganz richtig zugeht.
Innen Drin tut etwas weh, sehr weh...
Der Kavallerist JL G 25.
Erinnerung an Rudolf G. Binding.
Im Verlag Robert Lutz Nachfolger, Otto Schramm, Stuttgart, erschien „D a s neue Reiterbuch" (Reitkunst unD Reitkultur in Vergangenheit und Gegenwart) von Dr. Anton Mayer, Rittmeister her L. K. a. D. Dem mit 32 Bildern geschmückten Werke, das „den deutschen Reitern geroihmet" ist, entnehmen wir die folgenhe Anekhote, in deren Mittelpunkt her verstorbene Dichter Ruhols G. Binding steht.
Die Reserveoffiziere waren eingezogen; unter ihnen befand sich her Oberleutnant R. G. B., genannt „her Göttergleiche" — er zählt zu Den be- heutenhften Dichtern unserer Zeit. Zu den Hebungen brachte er stets Vollblüter mit, hie sich nicht ganz exerzierfest betrugen, aber von ihrem Besitzer, her ein ungewöhnlich begabter Reiter war, vor hem Zuge gemeistert wurden. Nun hielt der ganz hohe Vorgesetzte, vom Kommandierenden General bis zum Regimentskommandeur in her Mitte hes Exerzierplatzes, hie behaglichen Jnfanteriegeneräle auf ben ruhigsten Sdjmahrönern, hie aufzutreiben waren. Die Schwahron, bei her R. G. B. stanh, galoppierte; her Göttergleiche führte hen ersten Zug unb freute sich von Herzen, einen wie schönen unb langen Sprung sein Vollblüter unter ihm entwickelte. Leiber bebachte er nicht, baß eine kleine Husarenkatze sich schon ziemlich anstrengen muß, um mit einem erstklassigen Hürbenpferb Schritt zu halten, wenn bieses nur kontert; so ritt benn R. G. B. fröhlich vor her Zugkolonne her Eskabron her, die alle Mühe hatte, bas Tempo zu halten.
Der Rittmeister, im vorgeschriebenen Abstanbe nebenher galoppierenb, bemerkte mit Entsetzen, baß das Tempo bereits viel zu stark war, um irgenb- eine Schwenkung ober einen Aufmarsch vorzu- sühren; so gab er verzweifelt Zeichen, um ben Offizier bes Tetenzuges zu veranlassen, Das Tempo zu mäßigen. R. G. B. aber. Der sich nach dem ruhigen
Galopp seines Siegers in manchem Rennen richtete, verstanb nicht, was her „Ritter" wollte, brehte sich vorsichtig um unb rief dem Führer bes zweiten Zuges — jenem Kirsten, her mit Fillis*) gereift war — zu: „Was will er?" Kirsten aber, her, wie allgemein bekannt, nur zu gern einen Schabernack losließ, rief zurück: „Schneller sollst Du reiten — schneller!" So, so, dachte sich R. G. B., roenn's weiter nichts ist — bas können wir machen. Damit legte er bie Beine an und ließ ben Vollblüter in ein gelinhes Renntempo übergehen.
Nun aber bekamen es bie Gäule unb die Reiter her Schwahron mit hem Ehrgeiz; sie wollten sich nicht lumpen unb von so einem hergelaufenen Rennpferb blamieren lassen. Also sausten sie los, „was haste, was kannste" — immer schneller hinter hem Göttergleichen in Zugkolonne her, bis Die ganze Gesellschaft im vollen Attackentempo durchging unb um ben Exerzierplatz brauste. R. G. B. bekam nun aber selbst bei biefer Steigerung bes Tempos bie Hänbe voll, her Rittmeister galoppierte, stumm vor Entsetzen, neben Der Schwadron her, bie nicht mehr zu stoppen war. Kirsten grinste..-
So ging es eine Zeitlang immer am Ranbe des Exerzierplatzes entlang, bis bie Schwabröner bas Tempo nicht mehr halten konnten unb langsamer würben. Nicht so her Göttergleiche; her Vollblüter glaubte wahrscheinlich nun hoch, auf einer Art von Rennbahn zu fein, unb tat fein Bestes, um ben hinter ihm herkommenben vermeintlichen Gegnern bavonzulaufen. Das besorgte er gründlich; nachdem der Rittmeister endlich die Schwadron wieder in der Hand hatte und ein Kommando gegeben worden war, sauste nunmehr R. G. B. ganz allein im vollen Renntempo weiter und konnte sein Tier nicht mehr in die Hand bekommen. So wußte er sich schließlich nicht mehr zu halten unb Dirigierte Den völlig vom Rennfimmel besessenen Gaul auf hie Gruppe her Besichtigenben zu, welche her seltsamen Vorstellung mit sprachlosem Erstaunen gefolgt war, unb nun mit Grausen ben heransprengenhen Oberleutnant b. R. betrachtete. Es Dauerte nicht lange, unD Der Sieger Des Tages zischte wie eine Granate in die Generalität hinein; auch Die gutmütigsten SchwaDröner nahmen Das übel, machten kehrt, Korps unD Division kamen in bebenkliche Schwulitäten, währenD Der KommanDeur mit tzerausquellen- Den Augen sich Dicht vor Dem erlösenDen Schlägen- fall befanD.
Wenigstens hatte R. G. B. sein PftrD nun parieren können. Aber bie Kritik soll an jenem Tage nicht zu ben freunDlichsten gehört haben.
♦) James Fillis, berühmter englischer Reitlehrer


