Aus der engeren Heimat
einer
andern und Reisen
Cltrovin-Fabrik G.nü>.tt Frankfurt M.
Landkreis Glesien.
Licht auf dem Nachhousemeo befand. Der Radfahrer erlitt bei dem Unfall so schwere Verletzungen. daß er bald nach dem Unfall verstarb.
Oer Rehbock mit dem Feldstecher.
LPD. Dillenburg. 12.Aug. Eine Geschichte, die nach Jägerlatein klingt, aber nach einwandfreien Feststellungen aus Wahrhett beruht, ereignete sich im Jagdrevier des Kreisorts Offdilln. Während der Jagdpächter auf einen im Feld stehenden Rehboa anlegte, sprang von der Seite eine Ricke, gefolgt von einem Bock, über ihn hinweg. Der Bock riß den Jagdpächter um, stteiste, wahrscheinlich mit dem Gehörn, das Fernglas des Jägers von dessen Hals und nahm es in voller Flucht mit sich. Als der Bock dann in 80 Meter Entfernung kurz verhasste, brachte ihn der Jäger zur Strecke. Der Bock konnte aber erst am anderen Morgen gesunden werden. Er hatte noch das Fernglas des Jägers unchängen. Auf der Straße ums Leben gekommen.
dann über das hohe Feld mit hübschen Ausblicken nach Bellersdorf, wo wir gelbe liegende Kreuze an« treffen. Diese führen uns über Bermoll und die große Heide, später am Altenberg vorbei nach unserem Endziel Bieber. Marschzeit 5 Stunden.
Bieber — Dünsberg — Waldhaus— Ruttershausen — Lollar.
Diese Wanderung ist, da sie meist durch Wald führt, namentlich für die heiße Jahreszeit zu empfehlen. Dom Bahnhof Bieber wandern mir, nachdem wir das Dorf durchschritten haben, durch das anmutige Biebertal bis zur Obermühle, die wir zur
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LPD. Frankfurt a. M., 12. Aug. In der Darmstädter Landstraße wollte eine 18jährige Radfahrerin eine Zugmaschine ntit Aithänger überholen. Dabei kam sie auf dem nassen Boden ins Rutschen. Das Mädchen stürzte, wurde überfahren uttd auf ber Stelle getötet. Bei der Verunglückten handelt es sich um eine sudetendeutsche Schillerin, die sich mit — Freundin auf einer Ferienftchrt zmn Rhein
Alsfeld, 13. Aug. Die von dem hiesigen Verkehrs - und Verschönerungsverein im vergangenen Frühjahr beschlossene B i l d p o st - kartenwerbung kommt nunmehr zur Durchführung. Die bei der Deutschen Reichspost-Reklame in Auftrag gegebene Auflage von 50 000 Stück Postkarten ist jetzt erschienen und gelangt in den namhaft gemachten 12 Städten an den Postschattern zur Ausgabe. Die drucktechnische Wiedergabe des Titelbildes, der Alsfelder Marktplatz, ist sehr gut geworden. Die Kosten für die Herstellung der Bildpostkarten hat Fabrikant Hans Jakob B ü ck i n g in Alsfeld in dankenswerter Weife übernommen.
* Alsfeld, 13. Aug. Im benachbarten Kreisorte Breitenbach wurde zu nächtlicher Stunde und _______________ in der Dunkelheit von einem Lastkraftwagen ein außer^dem^zuletzt Amähten' Hafer kaum noch etwas lRadfahrer angefahren, der sich ohne
Linken lasten, kommen durch eine Pappelallee am Forsthaus Dünsberg vorbei auf die schwarze Punktmarkierung, die uns in langsamem Anstieg über den Kreuzbuchenplatz auf den Gipfel des Dünsbergs bringt. Dieser Weg ist der bequemste Aufstieg zur Höhe. Nachdem wir uns oben erfrischt und die herrliche Aussicht vom Turm bewundert haben, gehen wir nun roten Keilen nach in steilem, aber kurzen und aussichtsreichen Abstieg über die Frankenbacher Straße in der Richtung Krumbach. Kurz vor dem Tannenhof wenden mir uns rechts und gelangen in den großen Krofdorfer Forst. An zahlreichen alten Grenzsteinen an der ehemalig preußisch-hessischen Grenze entlang führt uns das Zeichen am Forsthaus Waldhaus vorüber, stets durch prächtigen Hochwald nach Ruttershausen. Wir überschreiten die Lahn und kommen an dem altersgrauen Gotteshaus von Kirchberg vorbei nach unserem Endziel Lollar. Wanderzeit 4% Stunden.
Reisewmke.
Pauschalkuren
find keine Vergünstigungsfuren.
DD. Die Erfahrungen in der letzten Zeit haben gezeigt, daß sowohl beim Publikum als auch bei Kurverwaltungen noch nicht völlige Klarheit über die Preisgestaltung bei Pau schal kuren für voll- zahlerüre xurgäfte besteht. Der Reichsfremdenverkehrsverband weist darum nochmals besonders darauf hin, daß Pauschalkuren keine
♦ Heuchelheim, 13. August. Am morgigen Sonntag, 14.August, kann Frau Helen Rinn, Wwe.. geb. Siegfried, wohnhaft Braühausstraße, in körperlicher und geistiger Frische ihren 86. Geburtstag feiern.
s. Lang-Göns, 13. Aug. Sattlermeister Anton Karl B e p p l e r in der Breitgaste feiert bei großer geistiger und körperlicher Frische am 16. August seinen 81. Geburtstag. Herr Beppler ist Mitglied des Kirchenoorftanoes. Wr wünschen dem alten Herrn noch viele schöne Tage.
△ Langsdorf, 12. Aug. Unsere Getreideernte nähert sich ihrem Ende; der Schnitt aller vier Fruchtarten ist geschehen, begleitet von sehr günstiger Witterung. Bis Ende dieser Woche wird
Kreis Bübingen.
* Büdingen, 13. Aug. In einer hiesigen Hof- rette in der Schlachthausstraße ereignete sich dieser Tage ein Unfall. Ein junger Mann, der damit beschäftigt war, einen mit Getreide beladenen Söagen von der Zugmaschine abzuhängen, geriet, da der Anhänger nachrollte, zwischen die beiden Wagen und erlitt dabei eine Nierenquetschung und Rippenbrüche. Erst nachdem der Motorwagen wieder anfuhr, konnte der Verunglückte aus seiner tritt* schen Sage befreit werden. Der junge Mann mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.
kreis Alsfeld.
befand. — Der 68jährige pensionierte Friedhofti. Verwalter Eduard Rödel fuhr mit seinem Fahrrad am ©obener Bahndamm entlang. An einer unübersichtlichen Straßenkreuzung stieß er mit einem Lastkraftwagen zusammen. Rödel wurde zu Boden geschleudert und so schwer verletzt, daß er ntch einigen Stunden, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
S. TL Die Hohe des für Hypocheken gültigen Zinssatzes ist gesetzlich nicht festgelegt; er beträgt gegenwärtig zwischen 4,5 und 5,5 v. H.; ist zwischen den Vertragsteilen ein anderer Zinssatz vereinbart, so gilt dieser, es sei denn, daß er wucherisch und damit die Vereinbarung insoweit rechtsunwirksam ist. Ein Prozentsatz von 7 v. H. ist, falls hierin eine mindestens einprozentige Amortisation nicht enthalten sein sollte, für heutige Verhältnisse als ungewöhnlich hoch anzusprechen, falls die Hypothek an erster Stelle steht. Wucher wird jedoch nicht angenommen werden können. Die Frist zur Kündigung der Hypothekenforderung bestimmt sich in erster Linie nach den vertraglichen Abmachungen; ist eine solche nicht getroffen, beträgt sie bei einem Darlehen über 300 RM. drei Monate, bei Darlchen von geringerem Betrag einen Monat.
auf den Feldern stehen. Auch der Ausdrusch des Getreides hat bereits begonnen. Das Ergebnis ist bis jetzt sehr befriedigend, sowohl was die Strohmenge anbelangt, als auch hinsichtlich der Güte und Menge der Korner. Soweit man zu be- urteilen vermag, steht der Ernteertrag weit über dem Durchschnitt. Die besten Ergebnisse brachte bis jetzt die Wintergerste, die ausgezeichnete Wachstumsooraussetzungen gehabt hatte; aber auch beim Weizen, der für unsere Verhältnisse die wichtigste Körnerfrucht ist, kann man mit sehr guten Erträgen rechnen. Da in der letzten Woche reichlich Niederschläge fielen, hoffen unsere Landwirte, daß auch die Hackfrüchte und das Herbstsutter noch eine gute Entwicklung nehmen werden.
oo Langsdorf, 12. Aug. Unsere Kindergärtnerin Henriette Hainer, die den hiesigen N S V. - K i n b e r g a r t e n seit seiner Begründung vor mehr als Jahresfrist geleitet hat, verließ uns in diesen Tagen, um eine Stellung bei der NSD. in Darmstadt anzutreten. Die besten Wünsche der Gemeinde begleiten sie in ihren neuen Wirkungskreis. Ihre Nachfolgerin hat unseren Kindergarten bereits übernommen. — Das Haus Philipp Schiel IV. in der Reichen Gaffe, über dessen Wiederherstellung bej „Gießener Anzeiger" in Nr. 182 vom 6./7. August berichtete, wurde dieser Tage durch den bekannten Maler Kienzle im Auftrag des Hochbauamtes ausgemalt. Die Profilierungen der horizontalen Langhölzer wurden durch besondere Färoung hervorgehooen, das Schnitzwerk und die erhabenen Girlanden und Traubengewinde der Eckpfosten erfuhren eine sehr ansprechende Behandlung, das Schriftband wurde durch weiße Farbe besonders betont. In unaufdringlicher Weise hat der Maler sein Können zurückgehalten, um nur das alte Kunstwerk zur Geltung zu bringen. Nun erst hat das alte Haus feine volle Schönheit und Wirkungskraft wiedergewonnen!
Kreis Friedberg.
♦ Münzenberg, 13. Aug. Am kommenden Montag, 15. August, kann der hiesige Landwirt Hermann Hitzel VIII., im Dorfe unter dem Namen „Ebelsoetter" betannnt, in geistiger und körperlicher Frische feinen 8 0. Geburtstag feiern. Noch heute heute vermag er in Haus und Feld mitzuhelfen. Trotz manchen Unfalles, den er erlitt, bewahrte er sich feine Lebensfreude. Insbesondere zeigt er sich noch heute jedermann gegenüber hilfsbereit und genießt aus diesem Grunde allenthalben besonderes Ansehen. Wir beglückwünschen!
Maschiueu-Gemeiuschast auf demOorfe
♦ Grünberg, 12. Aug. In dem Nachbarort Lauter haben sich, veranlaßt durch die Knaxp- heit an landwirtschaftlichen Ardettskräften, fünf Landwirte zu einer Maschinen - Gemeinschaft zufammengeschlosfen, die unter Mitverwendung eines Reichszuschusses eine Anzahl von land- wirftchaMchen Maschinen zur Erntearbeit und zur Bearbeitung der Aecker für die Aussaat angeschafft haben und jetzt auf Grund ihrer guten Erfahrungen weitere Maschinen erwerben wollen. Don dieser Einrichtung zur Erleichterung der landwirtschaftlichen Arbeit haben bereits zahlreiche Kleinlandwirte Gebrauch gemacht, und überall ist dieser Maschineneinsatz, besonders in der Erntezett, von großem Dor- teil gewesen.
Wochenendhaus-Einbrecher am Werk.
LPD. Butzbach, 12. August. In mehreren Wochenendhäusern in der Nähe von Lange nhain-Ziegenberg und Ober-Mörlen haben in den letzten Tagen Einbrecher wieder- holt ihre ungebetenen Besuche abgestattet. Dabei zertrümmerten sie in einem Wochenendhaus, dessen Tür sie nicht öffnen konnten, sogar eine Wand, um sich Eingang zu verschaffen! Regelmäßig hatten es die 'Einbrecher auf die in den Wochenendhäusern verwahrten Lebensrnittel, Gettänke und Rauchwaren abgesehen.
Imkerversammlung in Homberg (Ohm).
—Homberg, 12. Aug. Die Ortsfach, gruppe, Zmker-Homberg-Oberhessen" hielt im Saale des „Frankfurter Hofes" eine Bienenzüchter-Versammlung ab. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung und begrüßte die anwesenden Mitglieder, insbesondere den Kreisfachgruppen-Vorschen- 6en, Lehrer Braun aus Rodheim v. d. H.
Auf der Tagesordnung stand der Dorttag des Kreisfachgruppenvorsitzenden über das Thema: ^Was wird heute vom Imker in der Bienenzucht verlangt?" Die interessanten Ausführunaen des Redners lassen sich in folgende Punkte zusammenfassen: 1. Gesteigerter Honigertrag durch Reinzucht, 2. Züchtung von nur besten Völkern, 3. Beisetzen von Edelköniginnen und 4. Ausnützung der Tracht- Verhältnisse durch Wandern. Die Imker müssen ülso in der Sage sein, den Bedarf an Honig selbst zu erzeugen, um nicht mehr vom Auslande abhängig zu sein. Deshalb ergeht an alle die Forderung, jeder stellt ein Dolk mehr auf!
Da die Reichsfachgruppe dem Reichsnährstände angeschlossen, mithin ein wichtiges ©lieb in der Landwirtschaft ist, so muß jeder nach Kräften mithelfen und seinen Stolz darin suchen, daß der Ertrag des echten, gesunden deutschen Honigs gesteigert wird. Ferner soll jeder Imker besttebt fein, durch Anpflanzung von honigreichen Sträuchern die Dienenweide zu verbessern; so kann ein kleines Eckchen im Garten mit Himbeer- oder Brombeersträuchern bepflanzt werden. Im Verlaufe der Tagung wurden von etlichen Mitgliedern noch besondere Fragen gestellt, die der Borttagende eingehend beantwortete. Anschließend fand auch eine Regelung der Beihilfen und Zuckerftagen statt.
Füssen im Allgau, das Tor nach Tirol.
Durch den Fortfall der deutsch-österreichischen Grenzen hat die alte Bergstadt Füssen im Allgau ihr fett Jahren versperrt gewesenes Ausflugs- gebiet wieder zurückerhalten. ,I>as Weißhau, die Wemmirtschaft „Zum Schluxen", das hochgelegene Reintal in den Thannheimer Alpen mit der Otto-Mayr-Hütte, der Urifee, der Plansee und der Heiterwangersee, all diese herrlichen Ausflugsorte sind wieder in halbtägigen Wanderungen von Füssen aus zu erreichen. Auf dem berühmten „SägerÜeig" kann man wieder von Hohenschwangau, an Schloß Neuschwanstein vorbei durch das Tal der Blöckenau zum „Ammerwald" und nach Schloß Linderhof oder zum Planfee wandern. Die Zugspitze tft um Stunden näher gerückt: kann man doch jetzt über Reutte und Ehrwald in zweieinhalb Stunden von Füssen aus auf der Tiroler Zugspitze sein, um von da durck den neuen Stollen zur bayerischen Seite zu gelangen.
Auch dem Kraftwagen sind neue abwechslungsreiche Touren erschlossen, lieber den Gaichtpaß gelangt man bereits nach eineinhalb Stunden von Füssen aus in das Thannheimer Tal, von da zum Oberjoch ynb über den Adolf-Hitler-Paß nach Hindelang. Schön tft auch die Drei-Päste-Fahrt, die durch das wild romantische Lechtal zum Flexenpaß und roeiter über St. Anton zum Arlbergpaß und über Landeck—Imst zum Fernpaß führt, von wo es über Lermoos am Fuß der Zugspitze vorbei nach Reutte urtb Füssen zurückgeht.
Wanderfahrten.
Weidenhausen — Ober- und Nieder - Weidbach — Bellersdorf — Bieber.
Dom Bahnhof Weidenhausen, bis wohin mir über Nieder-Walgern die Bahn benutzt haben, gehen mir auf der Herborner Straße, die sich anfangs mit der Talbahn um den Petersberg windet, aufwärts und genießen unterwegs schöne Blicke nach dem Rachels- Häuser Kopf oder Daubhaus, nach Racheishausen und Dernbach. Nach Ueberschreiten eines hübschen Wiefen- tälchens zieht sich die Straße, die durch Fußpfade abgekürzt werden kann, über die Schneeberge durch Ober-Wetdbach, sodann dem Tälchen des Weidbachs entlang nach Nieder-Weidbach, das mit feiner schönen Kirche malerisch an einem Hügel angeschmiegt liegt. Vor der Kirche haben wir einen feinen Blick in das Aartal, auf Hohensolms und den Altenberg. Wir verfolgen nun die Straße nach Mudersbach zu, kommen durch die Dörfchen Ahrdt und Altenkirchen, so-
Das Holzweib und der reumütige Schneider.
Ein Schelmenmärchen von Hans Friedrich Blunck.
„Nein, nein, nein-, sagte der Schneider eigensinnig und stampfte mit jedem Wort vernehmsicher durch den blauen Abendwald. „Einen Schatz, der ums Hexen weiß, will ich nicht, und wenn's zehntausendmal ein guter Besen ist." Er nickte nachdrücklich mit dem Kopf dazu, war stolz, daß er fein Mädchen verlassen hatte, und sah sich herausfordernd um, auf daß sie's hören möchte, wenn sie chm heimlich folgte.
Gerade da humpelte eine kleine Holzfrau vor ihm über den Weg, so rasch es ging. Der Schneider griff sie mit zwei Fingern unb kniff sie herzhaft, weil es auch ein Weibsbild war, die er heut nicht ausstehen konnte. Und hatte schon wieder Mitleid, als die Alte erbärmlich zappelte und schrie, sie sei aus dem Daum gefallen und hätte sich Arme und Deine verrenkt. Er solle ihr lieber beistehen, statt ihr weh zu tun. Auch als er sie darauf sorgsam auf den Boden setzte, hörte sie nicht auf zu jammern, er müsse ihr wieder in ihre Wohnung helfen, sie käme sonst um und dergleichen.
Der Schneider hatte im Grund ein gutes Herz, er ließ sich zu einer dünnen Ha seigerte fuhren, die absonderlich schief hn Boden stand, und bog sie nach der Weisung des Holzweibes herunter, so daß es wie auf einem Stecken darauf reiten konnte. Und bann — hui — und der Schneider hatte wohl nicht rechtzeitig losgelaffen; da hockte er selbst mit dem Weiblein zusammen ganz hoch in einer riesigen Buchenkrone.
Das hatte er nun davon. So armselig die Holz- ftau unten auf dem Boden getan hatte, so knochig und grob war sie oben. Half gar nichts, daß der Schneider alle Langhaarigen, alte unb junge, drei Klafter unter die Erde wünschte. Er erfuhr bald, daß er gefällig tun, dem Weib seine Stube kehren, die Fenster putzen und Geschirr spülen mußte. Und er bekam so recht zu fühlen, wie klein alle Menschen oben in den Zweigen sind, die auf Erden fün Schuh fein wollen, und wie klotzig stark ein altes Holzweijh neben ihnen sein kann. Mit vielen Seufzen dachte er nun an das Leben, das er verlassen hatte. Hätte er rechtzeitig gewußt, daß alles Weibs- tum feine Hexerei an sich hat, er hätte sich vielleicht bejokmen und wäre bei seiner Brgut geblieben,
Ein Tag verging, noch einer und bald eine ganze Woche. Bucheckern bekam der Schneider zu elfen und alte Tannenzapfen. Unb zum Sonntag brachte das Weib wohl einen Holzwurm und rote Ameisen zur Abwechslung mit. — Einmal fing er sich selbst einen verwehten Schmetterling, aber er ließ ihm das Leben, er klagte ihm sogar fein Leid unb bat ihn, zu Haus feine Grüße zu bestellen.
Denn der Schneider fürchtete sehr, daß er sein Leben hier oben nun würde beschließen müssen. Das Holzweib formte sich von Ast zu Ast schnellen wie ein Vogel, ging morgens auf Bekanntschaft unb Freundschaft unb nachmittags auf Eiersuche. Er selbst war hungrig und plump, so klein er war, mußte die Kammer reinigen unb mit Schweiß im Angesicht an einer zweiten schnitzen.
Gut, daß es Sommer blieb. Wenn ber Schneider tagsüber ein Stündlein rastete, blickte er sehnsüchtig auf den Waldboden, über dem die Sonnenflecke spielten, horchte auf die Vögel, die sich über ihn unterhielten, für urtb gegen ihn sprachen und meist bitterbös schalten, weil er von ihren Eiern annähm. Nachts aber schreckte er vor jedem Marder auf, der in fein Loch blinzelte, träumte, eine alte Eule würfe ihr/in hohem Bogen zur Buche hinaus, oder er wurde gar krank wie ein Schiffsjunge, wenn der Wind die Bäume bewegte. Ein elendes Leben war's.
Da geschah es eines Morgens, gerade als das Holzweib mit einem neuen Klatsch zu Gevattern gegangen war, daß sich ein großer Vogel im Wipfel verfing. Der Schneider konnte ihn nicht sehen, er hörte nur das Rauschen und Schlagen. Ehe er aber noch darüber nachdenken konnte, wer es wohl gewesen sei, fiel langsam kreisend — was denkt ihr — ein Rosenblatt zu ihm nieder, gerade so, daß er es mit den Händen greifen konnte.
Er freute sich darüber, nahm es sorgfältig in beide Hände und suchte den Dust aufzufangen. In dem Augenblick kam die Holzftau zurück, und der Schneider warf das Blatt rasch fort. Aber die Alte hatte es noch gesehen, wurde puterrot, schalt den Armen und hieß ihn zur 6träfe m das dunkelste Loch kriechen.
Am anderen Tage, als er wieder allein war, fiel noch einmal ein gleiches Blatt dicht am Daum vorbei, unb am dritten Tag noch einmal. Das letzte konnte er fangen, betrachtete es heimlich und auf» merksam unb sah in kleiner Kritzelschrist eine Zeile darauf. Ehe er sie aber entziffert hatte, dehnte sich das Blatt unter der Wärme seiner Hände, wurde größer unb immer größer. Schon war es wie eine Kappe, wie em holländischer Teller alsdann. Unb
schließlich, als der Schneider mit aller Kraft darauf blies, wurde es die rote Schürze feiner Liebsten, die sich ausbreitete, um sich selbst kreiste unb wie ein Schiff in ber Lust vor feinem Loch anhielt.
Nun, das war ja eine sehr erstaunliche Sache. Der Mann sah sich das Ding noch eine Weile an unb setzte bann vorsichtig ein Bein darauf. Wirklich, ihr könnt mir’s glauben, die Schürze trug bas Schnei- derbem. Da versuchte er’s mit dem andern; unb auf einmal hatte er den Halt verloren, rutschte und saß mitten in der Schürze — wie ein Wurm im Blumentopf. Nur daß sein Sitz sich wie ein Kreisel unter ihm drehte, immer schneller, so baß ihm Hören und Sehen verging.
Oben über ihm aber flatterte ein Vogel; ber hatte Augen, als vergnügte sich ein böser Schelm recht herzhaft über des Mannes Läuterung.
Mitten durch den Wall» führte das mahlende Schiff den Schneider; und immer blieb das Gesicht lustig und schadenftoh oben auf dem Rand. Der Mann erboste sich und hatte doch auch eine erbärmliche Sehnsucht, es leibhaftig und näher zu spüren. Aber jedesmal, wenn er sich zu ihm hob, rutschte er wieder kopfüber in den Trichter des Schürzenschiffs zurück.
Endlich, als es schon dunkel wurde unb ber Schneider sich durch und durch zerknirscht unb geschlagen fühlte von all den gerechten Strafen, die über ihn gekommen waren, landete die Schurze in dem Dorf, von dem er ausgewogen war. Gerade vor dem Haus, aus dem er fortgelaufen war, ging .sie zu Boden. Und der Vogel wartete bereits auf ihn.
Der Schneider war ja eigentlich heilfroh, daß alles so gut abgelaufen war, er wollte noch erklären und begründen, warum er fortgegangen war. Man ließ ihm indes keine Zeit dazu. Noch ehe er begonnen hatte, kriegte eine Hand ihn am Kragen und eine im Kreuz; wie der Wind flog er in die Stube hinein.
Es ist ihm das nicht einmal leib gewesen. Bester zu Haus als auf dem Buchenbaum. Und wenn die Frauen nun einmal Zauberei treiben müssen, sagt der SchneQer, es ist doch gut, daß die Jungen kluger sind als die Alten.
Man erzählt auch, daß es eine glückliche Ehe zwischen ihm und feinem Mädchen geworden ist. Aber es blieb im Schneidergewerbe doch seitdem, daß die Frauen listiger sind als die Männer und daß sie in allen verzwickten Dingen die Oberhand haben.
Stoßseufzer im Hofbräuhaus.
„In München steht ein Hofbräuhaus ..." Drinnen sitzen Einheimische so besessen und ingrimmig vor ihrer Maß, so andächtig und gerührt, wie das nur einer kann, der mit Jsarwasser getauft und mit Münchner Gerstensaft großgezogen worden tft Wir setzen uns zu einem besonders Gewichtigen, der den Schnauzbart tropfenb in den Maßkrug hängt als Opposition gegen unser glattrasiertes Zeitalter. Wir reden ihn nicht an, denn wir misten ohnedies, daß er bald mit uns reden wird. Neben ihm sitzt eine Dame, die, halb voll Entzücken unb halb voll Entsetzen, das Trinkgelage beobachtet Wie sie je mit ihrem Maßkrug fertigwerben soll, das weiß sie selbst nicht, sie nippt nur daran. Schon beginnt der Bayer auszupacken: „Wie du's machst, ist es verkehrt. Steht da doch vorhin vor einem Charcutier-Laben eine Frau unb schaut nach die Würscht. I pirsch mich an unb frag, was sie denn gerne möcht'. Sie ruckt ab. I ruck nach. Freilein, sagens hatt, was' mögen, sag i. Lassen Sie mich in Frieden, fährt sie auf. Wie sie weg- geht, lauf i ihr nach, ber Norddeutschen, und frag' sie zum drittenmal, ob sie was möcht, und ob i ihr behilflich sein könnt'. Zudringlicher Mensch, sagt sie zu mir unb läuft davon. Da willst höflich sein zu die Fremden, unb da werbens glei grob." So erzählt ber Bayer, schüttelt den Kopf unb nimmt einen langen Schluck aus bem Krug.
Hochschulnachrichten.
Der em. orb. Professor Dr. Aböls Jülicher (Neues Testament unb Kirchengeschichte) an ber Universität Marburg unb ber o. Professor Dr. Max Käppis (Chirurgie) an der Universität Würzburg find g e st o r b e n.
Das Breslauer Universitätsinstitut für gerichtliche Medizin, besten Leitung jetzt von dem aus Jena berufenen Professor Dr. Gerhard Buhtz übernommen wurde, soll zu einem der modernsten wissenschaftlichen Institute auf dem Gebiet der Kriminalistik ausgebaut werden, das nicht nur der Rechtssicherung bient, sondern auch wichtige poli- tische unb bevölkerungspolitische Aufgaben zu lösen hat Es werden neue, mit den besten Apparaten ausgestattete Laboratorien eingerichtet. Hauptsächliche Arbeitsgebiete werben auch die Blutgruppen-, Blutalkohol-, Schrift-, Brand- unb Giftuntersuchum gen sein. Der Lehrauftrag von Professor Buhtz umfaßt außer ber gerichttichen Medizin auch die Der- sicherungsmebizin, die ärztliche Rechts- und Standes- kunde unb naturwissenschaftliche KrimmatiM.


