König Friedrich Wilhelm I. von Preußen.
Von Siaaisminister Prof. Dr. Paul Schmitihenner.
Vor 250 Jahren, am 15. August 1688, wurde Friedrich Wilhelm I. geboren. Er gilt in der landläufigen Auffassung als ein mangelhafter Diplomat und Außenpolitiker, als ein fanatischer Soldat und als. der klassische Verwaltungsfachmann des Königreichs Preußen. Die Er- inntrungen an die überaus große Härte, mit der er Familie und Staat wie eine Kompanie Soldaten kommandierte, sowie an feine fast närrische Passion für die „Langen Kerls" hat sich hartnäckiger behauptet als das Andenken an feine leidenschaftliche Liebe zum Volk, an feine staatsmännische Weisheit und an seine wahrhaft deutsche Art, die er stolz und hart durch das französelnde Jahrhundert trug. So bedarf die landläufige Auffassung mancher Berichtigung. Es ift zwar wahr, daß Friedrich Wilhelm gegen Ende feines Lebens trotz langer kaisertreuer Politik von der überlegenen Wiener Diplomatie um feine Ansprüche auf Jülich und Berg betrogen wurde; auch führte er selbst keine eigenen Kriege und suchte feinen soldatischen Dämon im Friedens- drill auszuleben. Dennoch war auch er ein Mehrer des Staates. Bei Beginn seiner Regierung sah er sich in die beiden großen Kriege verwickelt, die damals Europa erschütterten: den spanischen Erbfolgekrieg und den Nordischen Krieg. Erst 1720 konnte er zum vollen Frieden kommen. Aber das Ergebnis jener siebenjährigen, ihm von der Vergangenheit aufgezwungenen Kriegszeit war der Gewinn des Herzogtums Obergeldern an der Maas, sowie des Landes zwischen Oder und Peene nebst den Inseln Usedom und Wollin. So festigte und mehrte er die Macht Preußens im Westen und im Osten zugleich, im Gebiet der Maas und in Pommern an der Ostsee. Seine innenpolitische Be- deutung gar geht weit hinaus über den Ruhm eines klassischen Verwaltungsfachmannes. Er war und wurde nicht nur der zweite gewaltige Preuße in der Reihe der vier großen Hohen- zollern, sondern zugleich, ohne es freilich selbst zu wollen und zu ahnen, eine der wichtigsten Lebenskräfte des deutschen Reiches
lichung. Friedrich Wilhelm I. verstand es, die alte deutsche Wehrhaftigkeit, die seit Jahrhunderten die politische und sittliche Verbindung zum Staate verloren hatte, endlich wieder mit ihm zu versöhnen. Ihm gelang es, im preußischen Heere die deutsche Wehrhaftigkeit politisch einzuspannen und weltanschaulich zu binden, und zwar in einem doppelten Sinn: Die Jndividualtreue, die bisher das deutsche Wehrtum söldnerisch entadelt hatte, wurde zur Arttreue des preußischen Königsstaates veredelt, und zugleich wurde der wehrhafte Brotberuf in einen sozialistischen Gemein- schaftsdienst verwandelt. Ueber allem stand der heilige Pflichtgedanke. Der Dienst wurde zur sittlichen Pflicht an Staat und Volk. Der König selbst war der oberste Diener und verlieh dem Wehrwesen zum ersten Male eine im Staate gebundene weltanschauliche Grundlage. Er trug selber den blauen Rock innen und außen. Im Geist des altarischen Kriegerbundes entstand in Preußen eine echte Kampfgenossenschaft, vom germanischen Wehrwillen beseelt und fest an Staat und Volk gebunden. Gewiß konnte Friedrich Wilhelm I. an das noch unvergessene Lebensgefetz des einstigen deutschen Ritterordens anknüpfen. Wir alle stehen ja auf den Schultern unserer Ahnen. Auf die Tat kommt es an. Sie aber war gewaltig und entscheidend für alle deutsche Zukunft. So wurde das altpreußische Soldatentum geboren als Dolks- pflicht, Lebensberuf und Gestaltungswille. Wie es staatsschaffend Preußen die inneren Formen grub, so wurde es zur Kraft feiner Erhaltung. Damit trat das deutsche Soldatentum, zunächst noch im preußischen verkapselt, feine edle geschichtliche Rolle an, im deutschen Raum nicht durch äußere Eroberung, sondern durch innere Durchdringung das Reich zu schaffen und
Immer wieder zu erhalten. Der Gefreite des Weltkrieges, in dem jene Kraft in wunderbarer Weife geläutert, veredelt und, ins Großdeutsche gewandelt, lebendig wurde, hat in der Schaffung des Dritten Reiches und in der Befreiung des deutschen Volkes die ewige staats erhaltende Verpflichtung deutschen Soldatentums aufs neue, und wie wir felsenfest glauben, für immer erfüllt.
Man kann manchmal heute die Frage hören, ob die politische Erziehung eines ganzen Volkes, wie sie im Dritten Reich vom Nationalsozialismus durchgeführt wird, möglich und auf die Dauer haltbar fei. Das Leben und das Werk König Friedrich Wil- Helm I. von Preußen beantworten diese Frage in unzweideutiger Weise. Ihm ist vor mehr als 200 Jahren die Erziehung seines Volkes in vorbildlicher und bisher unerhörter Weise gelungen, ganz und gar und dauerhaft für alle Zeiten, großartiger und bleibender als er wohl selber es glaüben und hoffen konnte. Was damals gelungen ist, muß und wird auch heute gelingen. Dies um so mehr, als die sittliche Kraft unserer Zeit im Lebens- werke Friedrich Wilhelms I. eine ihrer Wurzeln besitzt. Neben der Erziehung des japanischen Volkes feit 1867 ist die Erziehung des preußischen Volkes durch Friedrich Wilhelm I. das gewaltigste und geschichtliche Beispiel dafür, daß ein volkserziehe- rtsches Bemühen dann zum Erfolge führen kann und muß, wenn das Ziel der Erziehung dem Lebensgesetz und dem Wesen des Volkes entspricht. So wird sich auch heute die politische Erziehung des deutschen Volkes glückhaft vollenden. Denn wie damals in Preußen, so ist heute im Großdeutschen Reiche das Ziel der Erziehung richtig erkannt: das Glück, das Leben und oie Ewigkeit des Volkes. Friedrich Wilhelm I. aber, vor u n - serem Führer und seiner gewaltigen großdeutschen Erziehungsaufgabe der einzige große polittsche Erzieher im deutschen Raum, ist eingegangen in die heilige Schar der größten Deutschen.
Italienische Bevölkerungspolitik.
Oer besondere Einsatz des Hilfswerkes: »Mutter und Kind''.
und Volkes und seiner Zukunft überhaupt.
Denn Friedrich Wilhelm I. schuf mit dem preußischen Staate auch das Preußentum, jene politische Sittlichkeit, in der sich in der Epoche der Reichszersetzung das deutsche Lebensgefetz barg, um zunächst im preußischen Gewände im engen Rahmen des preußischen Staates sich zu neuer Kraft zu sammeln, sodann, von Friedrich dem Großen ruhmvoll verteidigt, von Bismarck und König Wilhelm I. glorreich genutzt, zum Zweiten Reiche vorzustoßen, bis es sich schließlich in der Seele des Führers, zusammengeballt und im volksdeutschen Sinne veredelt, zur staatssittlicben Kraft des Dritten Reiches vollendete. Dies Preußentum war nie im eigentlichen Sinne preußisch- parti- kulordstisch. Dies mochten die außenpolittschen Methoden und Ziele der preußischen Staatsregierung fein; die sittlich-politische Kraft aber, durch die Preußen heranwuchs, war deutsch schlechthin, und Friedrich Wilhelm I. mar ihr künstlerischer Gestalter. Die neue preußische Sittlichkeit, mit der er seinen Staat durchtränkte, war nun freilich kein geschriebenes Gesetz auf Gesetzestafeln, sie wirkte sich vielmehr im Handeln aus. Darin lag ihre hohe zeitliche Bedeutung für Preußen, aber auch ihr Ewigkeitswert für das deutsche Volk. Denn nicht die Sittenlehre an sich überzeugt und reißt vorwärts, sondern allein die aus ihr geborene Tat. Was Friedrich Wilhelm I. aus naturhafter deutscher Sittlichkeit in unerhörtem Tatdrang äußerlich und innerlich aus Preußen machte, wird immer einer der wunderbarsten menschlichen Leistungen bleiben. Die leuchtende Ruhmessonne feines großen Sohnes, Friedrich II., der die Saat des Vaters erntete, konnte dessen Wert und Bedeutung wohl im Fühlen der Menschen, nicht aber in der Geschichte überstrahlen. Denn ohne diesen Vater ist Friedrich der Große undenkbar, und alles, was er vollbrachte, beruht auf dessen Werk. Selbst die brutale Lehrzeit seiner Jugend findet darin ihre Berechtigung.
Die äußeren Male dieser neuen politischen Sittlichkeit waren der Staat, das Beamtentum und das Heer. In ihnen kam die staatsschaffende Kraft des preußischen Sozialismus zur Wirkung. Nicht das mechanistische Kunstwerk des absolutistischen Einheitsstaates war das Entscheidende; denn dies war zeitlich bedingt und sterblich und hatte zudem überall sonst in der damaligen Welt seine Stätte. Unsterblich aber und für alle deutsche Zukunft entscheidend war die neue sittliche Kraft der Gemeinschaftsverpflichtung. Denn sie war es. die damals von dem großen Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. im Innersten ergriffen und bann in großartigster Weise nach außen verwirklicht wurde. Es war dabei wesenhaft, daß diese Gemeinschaftsverpflichtung aller Preußen nichts Künstliches war, sondern den Lebensbedingungen des allseits umfaßten und um Dasein und Zusammenhang ringenden Preußens naturhaft entsprach. Darin aber lag die deutsche Bedeutung alles preußischen Geschehens aufs tiefste begründet, daß das preußische Lebensgesetz im Kleinen dem deutschen Lebensgefetz im Großen auf ein Haar glich. Denn wie das preußische Volk, konnte auch das allseits umfaßte und um Raum und Zusammenhang ringende deutsche Volk nur bann zur Einheit durchdringen, wenn es die feiner Lage und feinem Schicksal gemäße politische Formkraft gewann: die Gemeinfchafts- Verpflichtung des Sozialismus. Wenn Oesterreich-Habsburg durch feine besondere Lage innerlich und äußerlich aus dem deutschen Volk und Reich hinauswachsen mußte, mußte Preußen als innerste Zelle im deutschen Kerngehäuse in das deutsche Volk und Reich hineinwachsen. So war die große Tat Friedrich Wil- Helm I. preußisch und deutsch zugleich. Er war der erste Deutsche, der die dem deutschen Volke gemäße politische Formkraft erkannte und für sein Preußen nutzte. Damit aber stellte er sie mitten hinein in die Welt, eine Kraft, die unsterblich sein mußte, wenn das deutsche Volk am Leben blieb. Damals fand sie in preußischer Enge in der absoluten Staatsform ihr äußeres Kleid, heute hat sie es in v o l k s d e u t s ch e r Weite gewonnen in der autoritären Führung des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches. Der Kerngedanke ist der gleiche geblieben: das Volk, sein Leben und seine Ewigkeit.
Im Rahmen dieses Lebenswerkes wurde Friedrich Wilhelm I. insbesondere auch der eigentliche Schöpfer des preußischen Heeres. Es war Teil- und Herzstück des Werkes zugleich. In ihm fand die sittliche Kraft des preußischen Sozialismus ihre zwar harte, aber vollkommendste Verwirk
Gerade angesichts des Interesses, das das Italien Mussolinis dem Rassen Problem entgegenbringt, ist es interessant, sich einmal mit der Vevölkerungspolitik des faschistischen Italiens zu deschäfttgen, da ja Rasse und Bevölkerung in unmittelbarstem Zusammenhang stehen.
Die italienische Bevölkerungspolitik hat vor mehr als elf Jahren, am 26. Mai 1927, ihre schärfste und eindeutigste Formulierung durch eine große und grundsätzliche Rede des Duce erfahren, die unter dem Leitgedanken „höchste Geburtenzahl und geringste Sterblichkeit" stand und in der Mussolini zum Ausdruck brachte, daß Italien, wenn es etwas vorstellen wolle, mit einer Bevölkerung von nicht weniger als 60 Millionen Menschen über die Schwelle der zweiten Jahrhunderthälfte treten müsse.
Unter den zahlreichen Maßnahmen, die der Duce im Interesse der zielbewußten Förderung und Pflege der Bevölkerungspolittk in die Wege geleitet hat, verdient in erster Linie das H i l f s w e r k zum Schutze von Mutter und Kind her« vorgehoben zu werden. Es kommt jeder italienischen Frau zugute, es sorgt für Ernährung und Hygiene, es steht während der Geburt bei, indem es — selbstverständlich nur bei minderbemittelten Frauen — unentgeltlich in Instituten für die Pflege sorgt, es wacht darüber, daß das Kind gesund und kräftig heranwächst, es erzieht es, ernährt es und, wenn nötig, kuriert es.
Wie notwendig dieses Hilfswerk ist, erhellt zur Genüge daraus, wenn man sich vor Augen hält, daß in der Zeit vor Inkrafttreten dieses Hilfswerkes Jahr um Jahr 48 000 totgeborene Kinder und 3000 durch Krankheiten der Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbettes gestorbene Frauen gezählt wurden. Weiter starben ungefähr jährlich 200 000 Kinder im Alter bis zu 4 Jahren aus Mangel an hygienischer Pflege und weil sie schlecht aufgezogen wurden; 30 000 wurden sich selbst überlassen aufgefunden und 18 000 endeten in obligatorischer Unterkunft in Besserungsanstalten.
Durch den Faschismus wurde diese Lage vollständig geändert. Dieses Hilfswerk hat seit seinem Bestehen bis zur Gegenwart ungefähr 7,5 Millionen Müttern und Kindern geholfen, es hat dafür im ganzen mehr als eine Milliarde Lire ausgegeben. 42 v. H. der gesamten materiellen Fürsorge galt den Kleinen bis zu 3 Jahren; 13,87 v. H. den nährenden Müttern; 10,48 v. H. den Schwangeren; 28,66 v. H. den Kindern von 3 bis 6 Jahren; 4,34 v. H. den 6- bis 14jährigen; 0,35 v. H. den ! Jugendlichen ; und 0,30 v. H. den Neugeborenen der tuberkulösen Mütter.
Die Tätigkeit des faschistischen Regimes kennt auf diesem Gebiet kein Säumen. Im Juli 1936 wurde die schon für die Industrie- und Handelsarbeiterinnen bestehende obligatorische Mutterschaftsversicherung auf alle Kategorien der landwirtschaftlichen Arbeiterinnen ausgedehnt. Durch eine solche Erweiterung kann das nationale faschistische Institut für soziale Fürsorge, dem die be- sondere Versicherungsverwaltung anvertraut ist, jeder versicherten Frau bei einer Geburt 100 Lire
nm.
Sine Gefahr im Wandel Afrikas.
Vor Libreville, Französisch-Westafrika, 13. Juli 1938.
Jedesmal, wenn ich aus Afrika zurückkomme, fühle ich zwei Abschnitte der Heimreise sich besonders herausheben: das Passieren des Aequators und das letzte Emporsteigen des südlichen Kreuzes über den Horizont kurz vor den Kanarischen Inseln. Bis zu den Inseln ist es noch eine Weile hin, aber in der vergangenen Nacht, zwischen Port Gentil und Libreville, sind mir über d e n Aeguator gekommen, und nun, wo wir wieder auf der „heimatlichen" Halbkugel angelangt sind, fangen die Gedanken an, zur Rückschau zu neigen. ..Wenn wir die Einsichten und Eindrücke der letzten fünf Monate voneinander zu sondern uns bemühen, so liegen die wichttgsten wohl auf dem Gebiet der Eingeborenenfrage. Hier ist eine Gefahr im Anzuge, an der vor allen Dingen diejenigen
auszahlen; außerdem erhält die Versicherte eine vollkommen hygienische sanitäre Fürsorge.
Der Duce selbst läßt sich über alle diese Arbeiten und ihre Ergebnisse ständig auf dem laufenden halten, bei seinen Reisen versäumt er es nie, Krankenhäuser, Entbindungsanstalten usw. aufzusuchen und sich vom Stand der Einrichtungen persönlich ein Bild zu machen. Wie sehr er die Kinder liebt, ist bekannt; höchste Auszeichnung für eine italienische Mutter ist es, wenn der Duce einmal selbst ihr Kind auf den Arm nimmt.
Die Bevölkerungspolittk Italiens ist gerade in der jüngsten Zeit noch besonders durch die Gründung einer Zentralstelle für die einheitliche Bearbeitung aller bevölkerungspolitischen Probleme vereinheitlicht worden. Diese Stelle untersteht dem Präfekten Le Dera, einem alten Kampfgefährten Musslllinis. Sie ist als eine selbständige Abteilung im italienischen Innenministerium verankert und gilt in Staat und Partei als einzig zuständig für sämtliche bevölkerungspolitische Fragen.
Schon aus diesen Ausführungen geht hervor, daß die Bevölkerungspolittk Italiens doch anders geartet ist als in Deutschland, da sie in erster Linie ihr Hauptaugenmerk auf die Minderung der Säuglings- und Kindersterblichkeit zu richten hat und nicht so sehr auf die Geburtenpropaganda, da Italien bekanntlich nicht nur unter keinem Geburtenschwund zu leiden hat, sondern die Geburtenziffern die der Todesfälle stets in hohem Maße überstiegen haben und weiter übersteigen.
Wenn auch Staat und Partei sich alle Fragen der Bevölkerungspolitik ganz besonders angelegen sein lassen, so kann doch auf die private Jnittattve, auf die Mitarbeit des Volkes, nicht verzichtet werden. Genau so wie in Deutschland der Reichsbund der Kinderreichen eine segensreiche Tättgkeit entfaltet, so arbeitet in Italien die Vereinigung kinderreicher faschisttscher Familien, wobei ebenso wie in Deutschland besonders darauf geachtet wird, den Erbwert zu heben und das Wissen um die Wichtigkeit gesunden Erbgutes im Volke zu verankern.
Unter den Maßnahmen auf dem Gebiet der Be- völkerungspolitik verdienen gleichfalls auch die Ehestandsdarlehen hervorgehoben zu werden, die von Jahr zu Jahr eine Erweiterung erfahren. Die Gründung eines Hausstandes und die spätere Kinderzahl bringen mannigfaltige wirtschaftliche Vorteile mit sich, z. B. bevorzugte Beförderung in der Beamtenlaufbahn ober einmalige Prämien für Staatsbeamte, die im übrigen jetzt auch für weitere Kreise der Bevölkerung gesetzlich eingeführt werden sollen. Junggesellen hingegen müssen gerade in der Beamtenlaufbahn einschneidende Benachteiligungen in Kauf nehmen.
So kann die Bevölkerungspolitik des faschistischen Italiens eine stattliche Reche beachtenswerter Erfolge für sich buchen. Das italienische Volk weiß ebenso wie das deutsche, daß der Staat an allen Fragen der Ehe- und Familiengründung den stärksten Anteil nimmt und mit allen Mitteln zu helfen bereit ist. TI.
Schuld tragen, die sich angemaßt haben, uns Deutsche für unfähig zur richtigen Behandlung der Eingeborenen zu erklären. Wider besseres Wissen wird der Vorwurf hier und da immer noch wiederholt, darum sei hier an ein gewisses englisches Weißbuch über die Kolonialfrage erinnert, das im November 1922 erschienen und Anfang Dezember im Parlament besprochen wurde. Darin findet sich folgendes Bekenntnis:
„Die deutsche Verwaltung strebte danach, die Kolonien dadurch so fruchtbar wie möglich zu machen, daß sie ihre natürlichen Hilfskräfte entwickelte, und sie tat bas mit Erfolg. Sie verstand es weiter, den Bewohnern Achtung vor der Verwaltung einzuflößen, und ihr deutsches Ko- lonialsystem war den Lebensbedürf- niffen der eingeborenen Bevölkerung a n g e p a ß t."
Dieser letztere Satz, der allen kolonialen Schuldlügen ins Gesicht schlägt, enthält zugleich die Anerkennung, daß wir über alle Kolonial -Wirtschaft und Kolonial - P o li ti k hinaus auch ein
Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.
Briefe von einer Afrika-Reise.
Von Dr. Paul Rohrbach.
entscheidendes kolonial-psychologisches M- ment zu berücksichtigen mußten.
Darin, daß Engländer und Franzosen in Afrika eine Eingeborenenpolttik treiben, die der Psychologie des Negers entgegengesetzt ist und feine afrikanische Seele vergewaltigt, ohne ihm eine neue lebendig, brauchbare zu geben, liegt die Gefahr im Wandel Afrikas, von der wir hier sprechen. E. D. Morel, der Erlöser der Kongo-Eingeborenen von den Grausamkeiten des Leopoldinischen Regimes, zugleich der beste Kenner der Schwarzen, den England hervor- gebracht hat, sagt in seinem klassischen Buch „Nige. ria, seine Völker und feine Probleme": „Erziche- rische Einflüsse, deren vereinte Wirkung den West, afrifanern sein rassisches Einheitsbewußtsein verlieren läßt, müssen bei ihm ein Unbehagen und eine Unrast ohne kompensierende konstruktive Fähig« feiten erzeugen. In feiner berechenbaren Zeit wird es die innere Verfassung des westafrikanischen Negertums erlauben, die oberste regierende Gewalt zwischen beiden Rassen zu teilen."
Und an zwei andern Stellen: „Das beherrschende Kennzeichen unserer (englischen) offiziellen und nichtoffiziellen Erziehungsmethoden in Westafrika läßt sich bisher in das eine Wort Entnatio - naltfierung zusammenfassen. Das Ergebnis ist
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so offenbar unbefriedigend, daß es nicht besonders illustriert zu werden braucht."
Morel nennt das Kind beim rechten Namen, wenn er an beutet, daß die Entnattonalsierung des Schwarzen durch das englische Bttdunassystem not- wendig zum Rassenkonflikt führen muß. Der Neger wird durch europäische DiDung — besser Halbbildung — innerlich entwurzelt. Er hört seelisch auf, Neger zu sein, wird darum aber gleich dem Mischling, noch kein Weißer. Dagegen hält er sich für dem Weißen gleichwertig, und es kann nicht ausbleiben, ist auch schon tatsächlich dahin gekommen, daß er den Weißen als überflüssig ansieht und die Parole ausgibt: Afrika uns schwar- zen Afrikanern!
Das ist bas Unheil, das eine Eingeborenenpotitik nach Art der englischen über Afrika herauf- zubeschwören droht. Auch die französische will den Neger zum „schwarzen Franzosen" machen. Sie ist geschmeidiger als die englische, aber sie verfolgt wie jene das von Grund auf verkehrte Ziel der Entnattonalisierung. Damit zerstört sie etwas Organisches und setzt etwas Halbes, Unorganisches an feine Stelle. Schon der Neger mit ScMps und fragen und die Negerin mit europäisch geschnittenem Seidenkleid und Lackschuhen sind Zivilisationszwitter. Dafür hat auch Morel ein fernes GefühL
Vielleicht ist es nicht ganz unmißverständlich, beim Neger von „Entnationalisierung" zu sprechen. Besser als den Begriff Nation sollte man den der Rasse, des Stammes ober der Sippe gebrauchen. Unter den Büchern, die wir auf die Reise mitgenommen haben, ist auch eins von Frau Hilde ThurnwaD: „Die schwarze Frau im Wandel Afrikas." Die Verfasserin hat ein Jahr in Deutsch-Ostafrika unter den Eingeborenen gearbeitet, und das Ergebnis ihrer Studien in dem genannten Buch ist gut durchdacht und begründet. Sie schreibt: „Der schwarze Afrikaner ist unendlich stärker sippenverbunden als der heutige Europäer. Man versteht fein Leben überhaupt nur, wenn man es unter dem Gesichtspunkt der Sippenverbundenheit betrachtet." Das ist von Grund auf richtig gesehen. Das Geld, schreibt Frau Thumwald, zerstört die Sippe, tnbem. es den einzelnen von ihr löst, und neben die Wirkungen des Geldes tteten die der Schulen, die bisher noch weder von den Kolonialverwaltungen (am wenigsten von der englischen), noch von anderer Seite den wirklichen Bedürfnissen des Negers im — notwendigen und unvermeidliche — Wandel Afrikas angepaßt worden sind. Die einzige Eingeborenenschule, die das Ziel begriff, den Schwarzen nicht zu einem seelischen Zwitter, sondern zu einem besseren Schwarzen zu machen — war die deutsche!
Die lebendige Illustrierung eines Wortes von Morel haben wir in Dfahanbfa m der Unterhaltung mit Einern ausgezeichneten Kenner der Hereros erhalten. Europäische Ehegesetze und dergleichen auf das Gemeinschaftsleben eines farbigen Volkes angewandt, heißt es bei Morel, können nur Unmoral erzeugen. Die Mandatsverwaltung von Südwestafrika hat eine Viegesetzgebung nach europäischer Art für die Hereros ein geführt, mit strengen Vorschriften über Registrierung, Scheidung usw. Die Folge ist, daß die Hereros, denen triefe Erschwerungen unnatürlich sind, überhaupt nicht mehr heiraten wollen, sondern daß die jungen Leute beiderlei Geschlechts wild durcheinander verkehren. Damit übertragen sich die Ge- sckflechtskrankheiten, und jede Volksvermehrung rft abgeschnitten.
Frau Thumwald hat recht, wenn sie sagt, die schwarze Menschheit sei unter dem Einfluß der Weißen in eine tiefe Lebenskrise ein getreten. Das beobachtet jeder in Afrika, südlich wie nördlich des „Aeguators". So unvermeidlich aber die sich verstärkenden zivilisatorischen Wirkungen des Zusam- m en treffens von Weiß und Schwarz sind, so klar hebt sich die Aufgabe hervor, dabei nicht bas Lebenselement des schwarzen Menschen, seine Bindung an ein Gemeinschaftsdafein in Stamm und Sippe zu zertrümmern.
Tabakautomaten vor Kolonialwarenläden.
Fwd. In Orten mit Spezialgeschäften für Rauch- und Tabakwaren dürfen Kolomalwarengeschäste nur bann einen Tabakwaren-Automaten, aus dem nach Ladenschluß weiterverkauft werden kann, aufstellen, wenn der jährliche Mindestumsatz in Tabakwaren sich nachgewiesenermaßen auf mindestens 6000 RM. im Jahre beläuft. Es ist nun möglich' daß der Umsatz in Tabakwaren unter diese Grenze herabsinkt, womit sich sofort die Frage erhebt, ob alsdann der Automat entfernt werden muß. Die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel hat diese Zweifels- frage nunmehr dahin geklärt, daß bei einer nur vorübergehenden Unterschreitung des jährlichen Mindestumsatzes von 6000 RM. der Automat bei- behalten werden darf, weil es eine unbillige Härte wäre, einen Automaten, der immerhin beträchtliche Anschaffungskosten verursacht Hot, sofort wieder zu entfernen, wenn einmal die Geschäftskurve nach unten weist. Erst wenn eine genügend lange Beobachtungszeit den Beweis erbracht hat, daß der Umsatzrückgang eine Dauererscheinung bleibt, ist der aittomatische Tabakwarenverkauf einzustellen.


