Ausgabe 
13.7.1938
 
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Mittwoch, sZ.Zuli 1938

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesjen)

Nr. 161 Zweites Blatt

Drei Lagdjahre im Kreise Gießen

ni (W. 226) eng. » X » » ; ünb, unb auch der einzelne Säger, fei er JaM°.

Ä Mrfer ®ilbart wider. Wald- sitz-- -der J°adp°ch.er. wird für sein ergene- Ke-

vier manche Lehre aus ihnen ziehen können.

und

N Bruhns und Capriccio ^n des Reichsinnungsverbandes war durch Geschäfts- Veide Werke ergreifend und!führer Meier (Kassel), die Kreishandwerkerschaft

LPD. Eigentlich sollte sich diese Mahnung er­übrigen, denn für viele wird es eine Selbstverständ­lichkeit sein, Obst vor dem Genuß zu säubern. Den­noch kann man es jetzt oft genug sehen, daß die Leute mit einer frisch gekauften Dute Obst durch die Straßen wandern und das Obst daraus ver­zehren, es also nicht obwarten können, bis sie die Möglichkeit haben, die Früchte zu waschen. Ganz abgesehen davon ist mit dem sofortigen Verzehren des Obstes auf der Straße auch die Unmanier .ver­bunden, glitschige Steine auf die Straße zu roer» fen, so daß das eilige Verzehren nicht nur für Öen Genießenden, sondern auch für Mitmenschen gefähr­lich ist. __________________

Am 3. Juli 1934, also vor vier Jahren, verab­schiedete das Reichskabinett das Reichsjagdgejetz, das am 1. April 1935 im ganzen Reichsgebiet in Kraft getreten ist. Da das Jahr des Jagers vom 1. April bis zum 31. März läuft, liegen seitdem drei Jagdjahre hinter uns. Es ist nicht die Ab­sicht, an dieser Stelle die vielseitigen Auswirkun­gen dieses Gesetzes zu würdigen. Rur unter einem Gesichtspunkt soll Rückschau auf diese drei Jagd­jahre gehalten werden, unter dem derJahres­strecke". Alle früheren Versuche einer Wertberech­nung der deutschen Jagd scheiterten daran, daß nur ganz unvollständige Unterlagen vorhanden waren. Sie fußten meist auf den Aufzeichnungen der Staatsforstverwaltungen, während die große Masse der Privat- und Pachtjagden nur schätzungs­weise erfaßt werden konnte. Heute ist jeder Jagd­bezirk verpflichtet, am Ende des Jagdjahres seine gesamte Strecke dem Kreisjägermeister zu melden, der das Ergebnis feines Kreises an den Jagdgau weiterleitet. Dieser aber gibt mit der Gaumeldung dem Reichsjagdamt die Möglichkeit, unter Hinzu­nahme der Strecken der Länderforstverwaltungen, die Gesamtreichsstrecke zu erfassen, Zahlen, die all­jährlich im Herbst der Öffentlichkeit bekanntgegeben

werden.

Es ist ober sicherlich für Jäger wie Nichtiger, in denen ja vielfach auch noch etwas von dem Jä­gerblut unserer Ahnen steckt, nicht ohne Interesse, sich an Hand dieser Streckenzahlen ein Bild von den Erträgnissen der Jagd in unserer Heimat, in die­sem Falle im Jagdkreis Gießen, machen zu können. Der Jagdkreis Gießen deckt sich mit ganz unwesent­lichen Ausnahmen mit dem Verwaltungskreis Gie­ßen. Die nachstehenden Zahlen enthalten die Strecken aus den privaten Eigenjagden und aus den verpachteten gemeinschaftlichen Jagdbezirken (Gemeindejagden), nicht aus den Staatsforsten, die vom Staate selbst besagt werden oder verpachtet ^Zur Verfügung stehen die Zahlen der Jagdjahre 1935/36, 1936/37 und 1937/38. Dabei ist zu be­merken, daß die Unterlagen von Wildarten, ine nicht zum Schalenwild (Rot-, Reh- und Schwarz­wild) gehören, für 1935/36 nicht ganz vollständig sind, weil der Zwang zur Führung eines Schuß­buches noch nicht bestand. Die Zahlen vor der Klammer bedeuten 1937/38, in der Klammer 19&5/36 und 1936/37.

Lassen wir nun das Federwild folgen, so stehen obenan 1898 Rebhühner (702 1383), 209 (16, 152) Fasanen folgen nach den Wild­enten mit 216 (60, 223) Stück. Der Rmgel-

Zum Schluß noch einige Zahlen aus dem Jagd­schutz und seinem Kampf gegen tierische Feinde des Wildes. 144 (31, 104) Sperbern und Habichten und 124 (16, 61) Mäuse- und Rauhsußdussarden gesellen sich 639 (460, 355) Krähen und E l st e r n zu. Vor allem aber betrug die Strecke an wildernden Hunden 24 (8, 4), ein Zeichen für die von dieser Seite immer mehr drohende Gefahr und für den Abwehrwillen der Jägerschaft. Ganz beträchtlich gewachsen ist die Zahl der Katzen, die 580 (180, 266) betrug und dem zu denken geben muß, der Wildhege und Vo­gelschutz treiben will.

Solange es Wild gibt, wird es auch Wild­schaden geben. Denn überall nimmt der Mensch den Lebensraum des Wildes für sich und seine Kulturpflanzen in Anspruch und hat die Wälder so umgestaltet, daß sie allein das Wild nicht zu ernähren vermögen. Rach dem Reichsjagdgesetz wird der Grundeigentümer für den Wildschaden ja ent­schädigt, wenn er wirtschaftlich überhaupt ins Ge­wicht fällt. Gezahlt wurden 704 Mark (?, 331), wovon der größte Teil auf Konto Schwarzwild geht. Ueberschlägt man demgegenüber den Wert der gesamten Strecke an Nutzwild und Haarraubwild, so ergibt sich unter Zugrundelegung der verhältnis­mäßig niedrigen Wertzahlen der Reichsjagdstatistik ein Gesamtertrag von rund 50 000 Mark aus den Jagden des Kreisgebietes, wozu noch die Ertrag- nifse der Staatsja'gden kämen.

Der Wert der Jagd beruht zwar nicht auf sol­chen finanziellen Erwägungen, er ist vor allem ein hoher sittlicher. Sie soll natur- und heimatverbun­dene, wind- und wetterharte Männer mit gesunden Sinnen heranziehen, berufen, Treuhänder für die Erhaltung des deutschen Wildes und Weidwerks als Volksgut, von den Ahnen ererbt, zu sein. Wenn daneben solche Zahlen beweisen, daß der Jagd auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung zukommt (die sich ja in den Streckenzahlen allein bei weitem nicht erschöpft), dann wird die Bedeutung des Reichsjagdgesetzes um so größer. Vor allem aber sind sie für die Jagdbehörden ein Fingerzeig, ob sie mit ihren Maßnahmen auf dem rechten Wege

Im Saale Faulstich fand dieser Tage e'ine aus den Kreisen Gießen und Friedberg gut besuchte Zimmermeister-Versammlung statt. Die Bezirksstelle

taubem

gelt die Zunahme dieser Wildart wider. Schnepfen mit 15 (20, 17) zeigen auch em ziem­lich gleichmäßiges Bild.

Wenden wir uns dem Haarraubwild zu, so sind die Fuchsstrecken merkwürdig gleichmäßig: 270 (283, 285). Trotzdem die Bejagung des Fuchses von Jahr zu Jahr eine Steigerung erfahren hat, bleibt diese Gleichmäßigkeit als auffallendstes Ergebnis. Hätte der Fuchsbestand sich wirklich gehoben, wie vonTellereisenfreunden" gern behauptet wird, bann hätte bei der stärkeren Bejagung die Strecke selbst steigen müssen. Anders beim Dachs mit 118 Stück (42, 53). Die erhöhte Zahl ist einmal bedingt durch den angewachsenen Bestand und zum andern durch die Erkenntnis, daß der Dachs für die Niederjagd doch nicht gleichgültig ist, wenn er in zu starkem Maße vorhanden ist. Von Edelpelztra- gern kamen 5 Steinmarder (1, 2) zur Strecke. 20 Iltisse (4, 15) und 140 Wiesel (30, 117) erscheinen zu wenig, wenn man die Zahlen mit dem Auge des Hegers betrachtet, der die Gefahr kennt, den dieses Kleinraubwild für eine Niederjagd dar­stellt.

gewaltig in ihrer Schönheit, wurden dankerfüllten Herzens ausgenommen.

Als Solistin sang Frl. Eva von C o n t a (Er­furt) die ArienSchafe können sicher weiden , Komm in mein Herzenshaus" undJauchzet Gott von Joh. Seb. Bach, ferner die ArieO, hatt ich Jubals Harf" von G. F. Händel. Mit inniger Klang­wirkung fang sie ihre Partien, die Zuhörer schnell in ihren Bann ziehend. Ihre flötenreiche Koloratur läßt sie die schwierigsten Partien sicher und mit Leichtigkeit überwinden. Herr Wieder an der Orgel war ihr ein ebenbürtiger Begleiter. .

Zum Abschluß der Feierstunde bot Herr Wie­be r an der Orgel eine Improvisation, bei der er noch einmal seine Kunst ins rechte Licht stellte. Er holte aus der wunderbaren Orgel heraus, was nur möglich war, und ließ die Zuhörer die Große des Werkes voll und ganz erkennen.

Innungs-Versammlung der Zimmer­meister der Kreise Gießen und Friedberg

Gießen durch Kreishandwerksmeister Stühler (Gießen) vertreten. Nach der Begrüßung durch Obermeister Rohm (Wieseck) fand zunächst c*e Vorführung des Films Handwerk, Helfer des Bauern" statt. Anschließend sprach Gewerbelehrer Bühlau über das Thema:Holzersparnts im Zeichen des Vierjahresplanes." Der Redner wies zunächst auf den weitgehenden Holzverbrauch sowohl für Bauten als auch für die Industrie hin und betonte, daß nur zwei Drittel des Gesamtverbrauchs aus dem deutschen Wald gedeckt werden konnten, während das letzte Drittel aus dem Ausland be­zogen werden müßte. Aus dem neu angeschlossenen Oesterreich sei trotz der dortigen umfangreichen Waldbestände mit Rücksicht auf das Aufbaupro- gramm in Oesterreich und die notwendigen Neu- erschließungen keine Ergänzung unseres Holzbestan­des zu erwarten. Es fei Öal)er motroenöig, bei dem Verbrauch von Holz nach Möglichkeit zu sparen. Der Redner zeigte dann in längeren Ausführungen, in welcher Weise der Zimmermann Sparsamkeit im Holzverbrauch üben kann.

Ein zweites Referat brachte Ausführungen über den Schutz des Holzes durch Verwendung von be­stimmten Zusätzen. .

Zum Schluß sprach noch Geschäftsführer Meier (Kassel) über allgemeine Berufs- und Orgamsations-

Von Ernst Holzel.

Rotwild hat nirgends im Kreise seinen festen Stand und tritt nur gelegentlich als Wechselwild auf. 1937/38 wurden 2 Stück (0, 0) gestreckt. Cha­rakterisiert dagegen werden unsere Jagden wie alle oberhes fischen durch das Rehwild, wie eine Jahresstrecke von 1544 (953, 1227) am besten be­weist. Die hohe Zahl 1937/38 erklärt sich damit, daß auf Anordnung des Landesjägermeisters neben dem Abschuß des Zuwachses noch eine Bestands­oerminderung um etwa 10 v. H. durchzuführen war. Die Strecke von 1936/37 dürfte etwa normal sein. Schwarzwild, früher fast unbekannt, tritt im Osten und gelegentlich auch im Nordwesten des Kreises mehr wechselhaft auf. 7 Stück betrug der Abschuß (7, 3). Wirtschaftlich am wichtigsten ist neben dem Rehwild der Hase, der sich in vielen Revieren offenbar recht wohl fühlt. Denn 3736 Mümmelmänner lagen im letzten Jagdjahre auf der Strecke (2859, 2080). Die Zahlen veranschaulichen sehr gut den Ausfall eines schlechten Hasenjahres.

ficht.

Manchen sah ich auch schon betrübt von bannen ziehen, wenn der Postbeamte nur den Kops schüt­telte:Nichts da für Sie!" Und mag der Himmel noch so blau und strahlend sein: ein dunkler Schat­ten fällt auf feinen weiteren Reiseweg, von einer Etappe zur anderen: Aber dann hat diePost" ~ wer anders wäre auch daran schuld? boch ein Einsehen und liefert ihm den gewünschten Brief aus. Und ist auch kein greifbarer Reifezuschuß drinnen: eine seelische Wegstärkung hat oftmals größeren als Geldeswert!

Dornoiizen.

Tageskalender für IMllwoch.

Gloria-Palast (Seltersweg):Zwischen Haß . Liebe."

Wascht das Obst.

Wir Gartensportler.

- Von Otto Ilebelthau.

Wer kennt es nicht:Will mal ein Stündchen in den Garten gehen ..." Ein? Es werden zwei drei, vier daraus, und die dringendsten Arbeiten bleiben liegen Es ift so wie bei den Kartenspielern, die sichnur bis Schlag zehn Uhr.und unter gar kei­nen Umständen länger" an den Tisch setzen wollen, und lang nach Mitternacht erst wird die letzte Runde angesagt. . .. . ,

Wen die Gartenleidenschaft einmal erfaßt hat, der bleibt ihr verfallen. Einem Tennisspieler kann es geschehen, und er schraubt seinen Schläger m den Spanner und nimmt ihn nicht wieder heraus: em Schwimmer, den sie erwischt, begnügt fid) von nun ab mit dem Wasser, das er m ferne®ieß- könne füllt; ein Fußballspieler mag plötzlich den Ball nicht mehr stoßen, sondern tritt aus den

Aus der Stadt Gießen,

postlagernd.

Das kann man jetzt während der Reise- und Wanderzeit auf allen Postämtern im weiten deut­schen Vaterland erleben, daß der Schalter mit der Aufschrift:Postlagernd" und selbstredend auch der Beamte dahinter nicht zur Ruhe kommen vor den vielen Fragestellern, die vor Ungeduld brennen, bis sie die sehnlichst erwartete Briefschaft in Händen

wieder ins Ohr, wobei er mich sogar mit ver­schiedenen Tiernamen belegte, bis er mir schließ­lich in voller Ungeduld den Befehl erteilte: ,Na, du alter Affe, dann hol mal den wachhabenden Maschinisten an das Sprachrohrs Nun mußte ich also abtreten. Zu meiner großen Verwunderung verstand dann aber der Maschinistenmaat ganz er­staunlich schnell. Die Maschine wurde hieraus so­fort wieder in volle Fahrt gesetzt, ohne daß an dem Maschinentelegraphen überhaupt irgendwie ge­rührt wurde. Herr Kapitän! Meine Herren! Wenn mir dieses zunächst auch wunderbar und un­verständlich erscheinen mußte, so ist es das aber keineswegs mehr. Durch Befragen des Maschinen- personals habe ich nämlich sehr schnell feststellen können, daß hier an Bord der Name dieses großen Entdeckers in aller gröblichster Weise mißbraucht wird, um die von mir erteilten Befehle über spar­samen Kohlenverbrauch einfach zu umgehen. Und deshalb muß ich das Kaiserliche Kommando denn doch ganz energisch darauf Hinweisen, daß..

sfta und was wir Wachosfiziere dann noch von unfern Kommandanten zu hören bekamen...

gerne wollten. ir-n.wrf.itc"

So erfanden wir das ZauberwortC^umbus. Wenn dieses nach dem Legen des Maschln°nt-le- graphen durch das Sprachrohr m dre M°n°°r er- maschine. bei uns die Steu-rbokd-HauptmaMne. hinuntergegeben wurde, dann raste die Baschin ruhig weiter, um ohne Rücksicht ?uf "Sparbefehl den zu hohen Dampfökonomisch"auszunutzen. Wie wir gerade aufColumbus verfallen waren, weiß ich heute nicht mehr ganz genau, wahrscheim lich, weil wir annahmen, daßColumbus auch möglichst schnell nach Amerika kommen woll"

Eine Zeitlang bewährte sich dieses Verfahren ganz ausgezeichnet, ohne daß selbst unser Kom­mandant etwas hiervon merkte oder merkm wollte, dann aber nahte das Verhängnis fürchterlich.

Das Unglück wollte es nämlich, daß Großadmiral von Koester nach der Beendigung einer Schieß­übung ausgerechnet kurz vorher in den Steuer* bord-Mafchinenraum kam, in dem der Maschmen- telegraph aufhalbe Fahrt voraus" gelegt wurde.

Mit Interesse verfolgte er, wie durch schnelle Ab­sperrung der Dampfzufuhr die Gangart der voll laufenden Maschine gemäßigt wurde. Dann erregte das Helle Pfeifen des Sprachrohrs zur Kommando­brücke, neben dem er gerade stand, feine Aufmerk­samkeit, er wies den hinzuspringenden Heizer ab, um selbst den von der Brücke zu erwartenden Be­fehl entgegenzunehmen. Vorschriftsmäßig meldete sich der hohe Flottenchef:

Hier Steuerbord-Hauptmaschine!"

Hier wachhabender Offizier Columbus. Er­staunte Rückfrage! ,

Wie befehlen?" Schon lauter kam s zuruck: Columbus, du Schafskopf!"

Wie befehlen?"

Columbus, kannst du Ochse nicht verstehen?

Nein, Herr Oberleutnant!"

Na, du alter Affe, dann hol mal den wach­habenden Maschinisten!" Nun ging Der nächste Teil, aber nur der nächste, ruhiger vor sich:

bändigen Hochgefühl sprechen, das eine in wunder­vollen Farbenabstufungen leuchtende Blumenrabatte Hervorrufen kann, deren Pflanzen wir selbst aus­säten, verschulten und auf das Beet brachten, nickst der spätabendlichen untätigen Spaziergänge durch den Garten gedenken, wo alles, was dort wachst, uns als den Schöpfer anfpricht; nicht den allerdings höchst irdischen Genuß schildern, den ein selbst- gezogenes Gemüse bereitet nein, die .körperliche Durcharbeitung will ich preisen, die uns die Garten­

arbeit schafft! , . ...

Schlank wie Apfelstämme (etwa zuviel gesagt?) gehen wir Gartensportler in den Winter, denn wir haben die gewaltige Bein-, Rücken-, und Arm­muskeln bewegende Arbeit des Umgrabens hinter uns, bei der wir den Sweater ausgezogen und dennoch die Flut des rinnenden Schweißes nicht dämmen konnten. Mit Winterspeck bedeckt gehen wir in den Frühling, aber wie schwindet er, wenn wir den Grubber zur Hand nehmen und ihn durch die groben Schollen reißen, wenn wir nicht zwan- zig Kniebeugen (wie etwa bei einer unluftigen Mor­gengymnastik), sondern hunderte machen: Beim Beeteabschnüren, beim Samenlegen, beim Heraus­ziehen der letzten Kohlstrünke, die den Winter über­dauerten! Wie recken wir den ganzen Körper daß e5 in den Gelenken knackt, wenn wir auf der Leiter den hohen Zweig eines Obstbaumes erreichen wol­len den es abzuschneiden güt! Wie rüttelt es an den Schultern und Armen, wenn mir vom fernen Komposthaufen die hochgefüllte Karre zu den Beeten schieben! , , . .

Wird es dann heiß, so haben wir dreifache Ar­beit. Zuerst die Erde um alle Pflanzen zu lockern, damit die Erde saugen kann, dann zu den Gieß­kannen zu greisen, den beiden, je fünfzehn Vier sa senden, und sie, michin sechzig Pfund an me Beete zu schleppen, dort nicht auf einmal, sondern der Brause nur ein sanftes Strahlen gewahrend, auszugießen, zehn-, zwanzigmal hin und zuruck, und zum Schluß die Erde nochmals lottern, damit das eingedrungene Wasser nicht alsbald wieder verdampft, sondern durch die geschaffene Krurnel- schicht nicht so schnell wieder emporfteigen kann! Wir haben Shorts an und sind ohne Strumpfe, die Füße stecken allenfalls in Sandalen, alten Tennis­schuhen ober Holzpantoffeln. Wir platschen durch Nässe, feuchtes Gras und Erde, ganz nebenhertnei-

Hier wachhabender Maschinist.

Hier wachhabender Offizier Columbus. Columbus, oerftänben!"

Flinke Hände drehten dann die eben erst ge­drosselten Dampfabsperrventile wieder voll auf, und mit höchsten Umdrehungen raste die Maschine weiter dem Hafen zu. Nun war alles verdaten! Das erfuhren wir bei der Schlußkritik. Nach vorherge­gangener wohlmeinender Anerkennung der guten Schießleistungen ging es weiter:

Herr Kapitän! Meine Herren! Dann aber ging ich in die Steuerbord-Hauptmafchme. Kaum war ich dort, als der Mafchinentelegraph aulautete und fein Zeiger auf ,Halbe Fahrt voraus gelegt wurde, was ein Maschinistenmaat repetierte. Un­mittelbar darauf ertönte die Pfeifenlestung des Sprachrohres zu der Kommandobrücke. Ich ging selbst heran, um mich einmal persönlich davon zu Überzeugen, ob die Sprachrohre wirklich fo mangel­haft funktionieren, wie es nur von verschiedenen Kommandos berichtet wurde. Herr Kapitan Meine Herren! Ich muß sagen, daß auch mir tat­sächlich der von der Kommandobrücke herunterge­gebene Befehl zunächst vollkommen unoerstandlich blieb, aber, Herr Kapitän, meine Herren, allerdings aus einem ganz, ganz anderen Grunde. Ich horte nämlich vollkommen deutlich den Namen eines großen Entdeckers, des Herrn Columbus, und konn^ mir hieraus kein rechtes Bild machen weshalb ich mit ,Wie befehlen?' um eine Wiederholung bitten mußte. Trotz mehrfacher Rückfragen rief mir Der wachhabende Offizier aber nur in .^mer gereiz­terem Tone den Namen dieses großen Entdeckers

Sind es denn alte Männer nyr, dieihren Kohl bauen"? Eine ganze Schar von jungen hat sich Dem Gartensport verschrieben, jung, etwa von dreißig ab, und bei den Frauen ist es meist schon viel fru-

Columbus und Großadmiral v. Koester.

Von G. G. Irhr. von Forstner.

Unser Flottenchef, Großadmiral von Koester be­liebte es, bei Gesechtsbesichtigungen oder Schieß­übungen allein in einzelne Räume des Schiffes zu gehen, um die dort stationierten Mannschaften m der Gefechtstätigkeit zu überwachen und nach ihren Obliegenheit auszufragen. Dann kam bei der Kritik hinterher manche ergötzliche Antwort etwas ver­wirrter Matrosen oder Heizer zutage. Mit feinem und stets treffendem gütigen Humor wurden alle ihm aufgefallenen Unstimmigkeiten oder Versehen gerügt. Meist schloß er Dann mit Den Worten. Herr Kapitän, meine Herren! Aus diesem Falle ersehe ich wiederum, daß..." und dann ging s los.

Unter anderm bestand ein strenger Befehl, daß nach beendeten Hebungen, bei Denen stetsDampf auf in allen Kesseln!" gehalten werden mußte, nur noch mithalber Fahrt" in Den Hafen einaelau en werDen durfte, um Kohlen zu sparen Schade blieb es nur, daß wir bei genauer Befolgung Dieser Maßnahmen Den hohen Dampf nutzlos aus Dem Schornstein auspuffen lassen mußten. Emer unserer Ingenieure kam Daher auf Den schlauen Gedanken, mit uns Wachoffizieren die p?uktifche Derwe^ung Des überflüssigen Dampfes doch noch zur Beschien nigung Der Maschinenleistung zu vereinbaren um - schneller nach Hause zu kommen, was wir fa alle

^Und^der^Zwang, Des Nachts nicht über Büchern unD Karten zu sitzen, weil am Morgen ganz in der Frühe aufgestanden sein muß! Diese frühen Mor- u c ... c-___it CUnrion fit» iino

Die Vortragsfolge brachte eine Reihe auserlese­ner Kompositionen unserer bekannten Kirchenmusi­ker Zu Beginn hörte man auf Der Orgel Das Pra- luDium unD Die Fuge c-moll von Joh. Seb. Bach, dem größten Tonmeister unserer evangelischen Kirche Dem VortragenDen, ADvls lieber, Dem Organisten Der Lutherkirche zu Wittenberg, einem Sohn Des in unserer Stadt seinen LebensabenD ver- bringenben Dekans i. R. Wieder, gelang es vortreff­lich, auf Dem großen Orgelwerk Die Komposition mit Der wunderbaren Führung Der einzelnen Stimmen, Deren jeDe ihre eigene MeloDie singt, Die sich aber zu einem herrlichen Gewebe verschlingen, wieDerzugeben. Der Künstler spielte ferner Das PräluDium e-mol! von R, *«**'***'

d-dur von G. Böhm. BeiDe Werke, ergreifenD

Geistliche Abendmusik in der Iohanneskirche.

Zu der geistlichen Abendmusik am gestrigen Abend in Der Jvhanneskirche hatte sich eine statt­liche Hörerschar eingefunden. Die Besucher hatten Gelegenheit, Die vor einiger Zeit umgebaute Orgel Der Jvhanneskirche in ihrer Große und Schönheit kennenzulernen.

Zn weltmännischer Haltung, Die ihn auch in Der , ftremDe nicht verläßt, sagt sein Sprüchlein Der noble ; weisende auf: Er ift draußen mit Dem Wagen Vor­jahren und kann es sich leisten, feine Neugier hin­ter einer undurchdringlichen Maske zu verbergen. Zudem besitzt er Reiseschecks und Bankverbindun­gen, Die ihn vor unliebsamen Zufällen so gut wie unabhängig machen.

Dagegen die Jugend, Die Wanderer zu Fuß und auf Rädern, sie besonders sieht man hier endlos bunte Reihe machen. Der Reisepaß, von verschwitz­ten Händen umklammert, ist ihr einziges Wertstück, bevor ihnen die postlagernde Sendung ausgehän- Digt wird. Und da geschäftliche Briefe nur aus­nahmsweise in Frage kommen wozu ist man Denn in Den Ferien? finD es, etwas anderes bleibt nicht übrig, heimliche Liebesbriefe ober solche von der Mutter baheim. Oft stehen gerabe biefe von allen am höchsten im Kurs, Dann nämlich, wenn sie von der handgreiflichen Sorge ums leibliche Wohl­ergehen beschwert finD.

Ich stehe mit ihnen am gleichen Schalter, obwohl mein Wunsch nur nach ein paar Briefmarken geht. Aber ich trete gern vor Dem Ansturm Der fremDen Wandersleute zurück. Dafür habe ich Das Ver­gnügen ganz umsonst, von Den verschiedenen Dia­lekten, Die jeweils mit ihrem Sprüchlein an Der Reihe finD, auf Die Dazugehörigen Gesichter, sowie Art und Inhalt Der erwarteten Post zu schließen. Der eine steckt Den Brief errötend gleich in Die Tasche, als müsse er fürchten, daß man ihn samt seinem Liebesbrief Durchschaue. Ein anDerer hat es eilig, Die Nachrichten von zu Hause zu erfahren, Daß er Den Brief noch vor Dem Schalter erbricht unD im langsamen Weggehen auch die Umstehenden an dem frohen oder traurigen Inhalt teilnehmen laßt, so temperamentvoll spiegelt er sich auf feinem Ge-

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