spätere große Aufgaben. In diesem Sinne taufte Beigeordneter Vogt den Kutter aus den Namen „Gießen" und übergab ihn dem Führer der MHI. Gefolaschaftsführer R u p p e l zu treuen Händen.
Kreisleiter Backhaus betonte u. a., wenn die Gießener HI. mit kleinem Schiffe auf kleinem Wasser fahre, so müsse sie sich bewußt sein, daß sich etwas so Großes wie die deutsche Kriegsmarine aus vielen kleinen Einzelheiten aufbauen müsse. Eine der Voraussetzungen für den Dienst in der Kriegsmarine fei diest Vorbereitungsarbeit im kleinen. Der Kreisleiter erinnerte an die Skagerrak- schlackt und forderte die jungen Kameraden auf, die Kameraden der alten Kriegsmarine stets als Vorbild zu betrachten.
Sturmbannführer Dr. Mettenheimer sprach von der Verbundenheit der Marine-SA. und der Marine-HI.; als Ausdruck dieser Verbundenheit stiftete er einen Wanderpreis, der der in der Gesamtleistung besten Kameradschaft zufallen soll, die den Preis zweimal hintereinander oder dreimal außer der Reche erringt. Der Preis stellt einen Mer in künstlerischer Gestaltung dar.
Schließlich trat noch der Führer der Gießener Marine-Kameradschaft Lich vor die Front der jungen Kameraden und überreichte einen Schiffskompaß, wobei er betonte, daß sich die alten Kameraden die Förderung der MHI. immer angelegen sein lassen würden.
Sodann wurde das Boot zu Wasser gebracht. Anschließend zeigte die Kuttermannschaft unter dem Kommando ihres Gefolgschaftsführers in hervorragender Disziplin einige Hebungen im Kutter.
Unser neuer Roman.
Nachdem wir iu der letzten Nummer des Gießener Anzeigers den Abdruck des Romans „Fäden hin und her" von Hedda Westenberger beendet haben, beginnen wir in der heute erscheinenden Ausgabe unseres Blattes mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, von dem wir uns einen nicht minder starken und nachhaltigen Erfolg versprechen dürfen. Der Autor dieses heute beginnenden Romans ist bis jetzt in unseren Spalten noch nicht zu Worte gekommen, aber seine zcchlreichen, früher erschienenen Arbeiten haben ihm allenthalben eine große und anhängliche Gemeinde von Leserinnen und Lesern geschaffen. Der neue Roman heißt
„Die Liebesfuge vom Gardasee" von Hans von Hülsen
und vereinigt in sich alle Vorzüge eines Liebes« und Gesellschaftsromans mit der kriminalistischen Spannung eines höchst merkwürdigen Falles. Hans von Hülsen versteht nicht nur unterhaltend und anziehend zu erzählen, sondern er kennt auch die eigentümlichen Erfordernisse des Zeitungsromans. Die Art, wie er ein musikalisches Thema und ein menschliches Schicksal miteinander in Beziehung zu setzen und romanhaft zu entwickeln weiß, verrät eine schriftstellerisch fruchtbare Phantasie, die den Leser sogleich gefangen nimmt. In einer roman- tischen Landschaft am Gardasee knüpfen und über- schneiden sich die zarten Faden einer Handlung, die ebenso unalltäglich wie an Heberraschungen und dramatischen Konflikten reich ist.
So dürfen wir gewiß sein, auch mit dem in dieser Ausgabe einsetzenden Roman allen unseren Leserinnen und Lesern in Stcütt und Land eine von Tag zu Tag mit Spannung erwartete und freudig begrüßte Lektüre zu bieten.
3n kameradschaftlichem Geiste.
Zahlreiche Kameraden des Sturmes 43/116 sind gegenwärtig damit beschäftigt, in Stunden ihrer Freizeit den Baugrund auszuheben für ein Wohnhaus, das sich einer der Sturmkameraden erbauen läßt. An mehreren Abenden der vergangenen Woche konnte man die Kameraden mit der Schaufel in der Hand auf dem Grundstück hinter der Liebigshähe eifrig schaffen scheu. Ein schöner Beweis der SA.- Kameradschaft der Tat!
Zahrestagung der Gießener Hochschulgeseffchast
Oie Freunde und Förderer der Universität Gießen halten Rückschau.
Am Samstagnachmittag fand im Gebäude der Hniversität die übliche Hauptversammlung und Festsitzung der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Hniversität Gießen (Gießener Hochschulgesellschaft) statt.
Nach der Sitzung des Verwaltungsrates unter Leitung des Vorsitzenden Dr. Meesmann fanden sich die Mitglieder zunächst zur
Hauptversammlung
zusammen. Der Vorsitzende, Dr. Meesmann, begrüßte hierbei neben den Mitgliedern besonders Se. Mignifizenz den Rektor Professor Dr. ©eifer und sprach dem kürzlich aus dem Rektoramt geschiedenen Professor Dr. Baader noch den Dank der Hochschulgesellschaft für die gute Zusammenarbeit aus. Hierauf erstattete Dr. leesmann den Jahresbericht des Vorstandes. Aus diesen Darlegungen sei folgendes mitgeteilt:
Zunächst wird in dem Bericht des im abgelaufenen Jahre 1937 verstorbenen Geheimrats Prof. Dr. Dr. h^c. Martin als langjährigen Mitarbeiters der Hochschulgesellschaft mit herzlicher Dankbarkeit gedacht. Dann wird mitgeteilt, daß an Stelle des verstorbenen Geheimerats Behaghel Professor Dr. K ü st von der Hniversität in den Vorstand entsandt worden ist.
Durch Tod oder Wegzug hat die Hochschulgesellschaft im verflossenen Jahre eine Anzahl Mitglieder verloren. Ende 1937 gehörten der Hochsckulaesell- schaft 405 Mitglieder an. Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß eine von der Hochschulgesellschaft in Gemeinschaft mit dem Rektor und dem Oberbürgermeister eingeleitete Werbung zu einer Vermehrung der Mitgliederzahl führen wird.
Die Einnahmen aus Mitaliederbeiträgen beliefen sich 1937 auf 5108,70 RM. An Zinsen gingen 1005,93 RM. ein. Die laufenden Einnahmen stellten sich hiernach auf 6114,63 RM. Die Zuwendungen an eine Reihe von Hniversitätsinstituten im Berichtsjahr 1937 beliefen sich im ganzen auf 4097,11 Reichsmark. Vom Jahre 1924 bis zum Jahre 1937 hat die Hochschulgesellschaft rund 1 8 7 0'0 0 RM. für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung st eilen können. Einschließlich der Aufwendungen für die Hochschul
nachrichten, für Vorträge und Versammlungen und für Derwaltungskosten beliefen sich die Gesamtausgaben auf 7075,44 RM. Dazu kommen noch die Aufwendungen aus Anlaß des Preisausschreibens für den Vierjahresplan mit 4993,93 RM. hinzu, ferner eine Ausgabe für das Studentenwerk in Höhe von 3014 RM. Die beiden letzgenannten Beträge, sowie die Mehrausgaben für laufende Anforderun- gen konnten dem Vermögensbestande entnommen werden. Das Vermögen stellte sich Ende des Jahres auf 47 735,75 RM. gegen 51 748,75 RM. Ende 1936.
Der Jahresbericht wurde einstimmig genehmigt und Vorstand und Verwaltungsrat ebenso einstimmig Entlastung erteilt.
Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Seifer brachte sodann der Hochschulgesellschaft urrb besonders auch ihrem Vorsitzenden Dr. Meesmann den herzlichen Dank der Hniversität für die tatkräftige Förderung rm verflossenen Jahre zum Ausdruck.
Bei den Wahlen wurde der turnusmäßig aus dem Vorstand ausscheidende Fabrikant L. Rinn einstimmig wieder- und Kreisdirektor Dr. Lotz und Fabrikant Karl Bänninger ebenso einstimmig neu in den Vorstand gewählt. Die aus dem Dermal- tungsrat turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder wurden gleichfalls einstimmig wiedergewählt.
Im Anschluß an die geschäftliche Versammlung fand die gut besuchte
Festsitzung
hn Großen Hürsaal statt. Nach kurzen Eröffnungs« warten des Vorsitzenden Dr. Meesmann brachte das Collegium musicum der Hniversität unter Leitung von Professor Dr. Temesvary einen Orchestervortrag.
Hierauf hielt Professor Dr. Reinhold (Gießen) den Festvortrag über das Thema „Die Forst- und Holzwirtschaft im Großdeutschen Reich". Der Dor- tragende gab feinen Hörern ein umfassendes und interessantes Bild über diesen wichtigen Zweig unserer Volkswirtschaft. Wegen Mangels an Raum in unserer heutigen Ausgabe werden wir morgen über diesen Vortrag berichten.
Mit einem weiteren Orchestervortrag des Collegium musicum unter Leitung von Professor Dr. Temesvary und mit Daniesworten von Dr. Meesmann fand die Festsitzung ihren Abschluß.
Hauptversammlung -es VHC.
Der Vogelsberger Höhen-Club hatte zu seiner diesjährigen 57.Hauptversammlung Bad Vilbel als Tagungsort gewählt. Der Zweigoerein Vilbel unter Leitung seines Vorsitzenden I. O h l e • mutz hatte für die schöne Ausschmückung der Stadt aeforgt Von den oberhessischen Zweigvereinen, besonders aber von den Zweigvereinen Frankfurt am Main, Offenbach, Darmstadt, Worms, Friedberg und Bad-Nauheim war die Tagung stark besucht.
Den Auftakt der Verhandlungen brachte am Samstagnachmittag
die Beiralssitzung.
Der Vorsitzende Dr. Bruchhäuser (Hlrich- stein) begrüßte die Dertteter von 37 Zweigvereinen. Die Rechnungen samt dem Voranschlag wurden, da der verdiente Rechner Glock (Schotten) durch Krankhett am Erscheinen verhindert war, vom Revisor Burk (Darmstadt) verlesen. Einnahmen 1937 -- 11326,45 Mark, Ausgaben: 7632,85 Mark, so daß ein Heberschuß von 3693,60 Mark verbleibt. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. *
Aus dem Voranschlag ist bemerkenswert, daß die beiden Club Häuser auf dem Hoherodskops nunmehr mit einem mustergültigen Wasserwerk (6000 Mark) ausgestattet werden sollen.
Im Anschluß an den Voranschlag wurde die Frage einer Hüttengebühr (für Nichtmitglieder) besprochen und dem Vorstand zur Erledigung überwiesen.
Aus den weiteren Besprechungen seien folgende Punkte besonders erwähnt: Es wird den Zweigvereinen empfohlen, Büchereien einzurichten. Zum Wandertag in Stuttgart (Beginn 21. August) wird vom Vereinsführer dringend ein- geloben. Auf Vorschlag des Reichswanderführers Dr. W e r n e r soll in den Wertungs-Bestimmungen der Wanderungen einheitlich vorgegan- gen werden; Tageswanderung -- 1 Punkt, Halb- tageswanderung -- V- Punkt. Bei zahlreichen Wanderungen eine Sonderauszeichnung. Werberat Seibel (Butzbach) forderte die Dertteter auf, weiter zu werben für den DHC. Wie im vorigen Jahre, soll auch heuer wieder das Hoherods- kopffest des VHC. mit dem Bergfest des DRfL. verbunden werden. Für diesen Tag dürfen keine Wanderungen angesetzt werden. Dom Landesfremdenverkehrsverband wird demnächst eine Werbeschrift über Ober- Hessen erscheinen, worin Wanderkamerad H i tz (Gießen) für Den Vogelsberg und seine Schönheiten wirbt. Den Wandervereinen wurde das W e g e • bezeichnungs-Monopol übertragen. Ein Zuschuß vom Laickesfremdenverkehrsverband ist sicher. Apotheker S c r i b a (Schotten) gab einen Bericht über den Stand der Wegebezeichnungsarbei- ten, besonders über die West-Ost-Linie. Dabei wurde auch die Arbeit des Zweigvereins Gießen lobend erwähnt. Die Arbeitsgemeinschaft der Wandervereine Rhein-Main umfaßt 34000 Mitglieder. Der Zusammenschluß hat sich segensreich ausgewirkt.
Zum Schlüsse folgten noch einige Anregungen von den Zweigvereinen.x
Begrüßungsabend.
Im Kurhaussaal fand dann der Begrüßungsabend statt. Der große Saal war bis zum letzten Platz besetzt. Nach kurzer Ansprache des Vorsitzenden des Vilbeler VHC., O h l ö m u tz , rollte ein buntes Programm ab. Der Gesangverein „Lie° derzweig" trug Männer- und Gemischte Chöre vor, es gab Volkstänze, ein Theaterstück und vieles andere mehr. Der Vorsitzende Des Gesamtvereins, Dr. Bruchhäuser, dankte zum Schluß dem Vilbeler DHC. für den schönen Abend.
Die Hauptversammlung
fand wiederum im großen Kurhaussaal statt Nach dem Fahneneinmarsch konnte der Vereinsführer, Dr. Bruchhäuser, zahlreiche Vertreter der Behörden, der Stadt, der Bruderoereine usw. begrüßen. Für die Stadt Vilbel sprach Bürgermeister Seitz. Weiter sprachen als Dertteter des Kreis- direttors von Friedberg Reg.-Rat Bach, für den RfL. San.-Rat Kullmann (Vilbel), Gebiets- beauftraater Schuster (Gießen) im Namen des Vorsitzenden des Landesfremdenoerkehrsverdandes (Oberbürgermeister Ritter, Gießen), Vertreter des Taunusklubs, des Spessartbundes u. a. m.
An den Westerwald- und Taunusklub werden zu ihrem 40- bzw. 60jährigen Bestehen Glückwunsch« telegramme abgesandt.
Im weiteren Verlause der Tagung wurde der Toten gedacht. Dann gab Dr. Bruchhäuser einen kurzen Tättgkeitsbericht über das ab gelaufene Geschäftsjahr. 84 Mitglieder konnten vom Gesamtvorstand aus Anlaß ihrer 50°, 40- und 25jährigen Mitgliedschaft ausgezeichnet werden. Besonders beglückwünscht wurde der 86jährige Ehrenvorsitzende Julius Schwarz vom Zweigverein Vilbel, der vor 30 Jahren die Gründung in Vilbel vornahm. Der Reichswanderführer, Professor Dr. Werner, Breslau, hatte ein in herzlichem Ton gehaltenes Schreiben gesandt. Werbewart Seibel, Butzbach, konnte eine Anzahl Mitglieder verlesen, die m der Werbearbeit an erster Stelle stehen.
Die nächste Haupttersammluna (die 58.) findet auf dem Hoherodskops 1 93 9 statt.
Der Sietmart, Dr. Dambmann, Schotten, hielt sodann einen Dorttag „Heber die Bedeutung der Wandervereine". Dabei ging er u. a. auf Me Arbeiten innerhalb der Gebjrgs- und Wanderver- eine näher em. Der Vortrag fand reichen Beifall.
Zusammenfassend gab darauf der Vorsitzende ein Bild vom Werden des VHC., feinen Zielen und Aufgaben, wies auf die große Tat des Führers, die Eingliederung der Ostmark, hin und gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß es den Wander« vereinen ermöglicht sei, für ihre alten Ziele zu kämpfen und zu arbeiten im geeinten deutschen Vaterland. Dann wurde die Tagung in üblicher Weise geschlossen.
Oer Feffzug.
Nachmtttags ging der Festzug durch die Sttaßen der Stadt Vilbel. Hinter den bunten Wimpeln der Wandervereine sah man in lachende, frohe Gesichter. Die Sonne war auch noch hervorgekommen und übergoldete den Festzug und die geschmückten Sttaßen.
Don der Terrasie des Kurhauses sprach sodann der Vorsitzende Dr. Bruchh'äuser über die Wandervereine. Die Kundgebung fand damit ihren Abschluß.
Im Kurhaus entwickette sich dann ein echtes Volksfest, das die wanderfrohen VHCer noch viele Stunden in geselliger Unter!)altung beisam. menhielt.
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria - Palast (Seltersweg): „Dreiklang". — Schützenverein Gießen: Schützenhaus 14 Hhr Fortsetzung des Schießens; 18 Hhr Konzert und Tanz; 19 Hhr Schluß des Schießen; 21 Hhr Verteilung der Ehrengaben für das Jubiläumsschießen. — Verein ehemaliger 116er Gießen: 20.30 Hhr hn „Auerhahn" Kameradschafts-Appell.
Vornan von Hans von Hülsen.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.
Nachdruck verboten.
Die großen Feuer des Hochsommers flammten über dem Gardasee, als Ottenrieth feinen Wagen von Naao über die breite neue Straße nach dem kleinen Kurort hinuntersteuerte.
Der weite Spiegel, den von drei Seiten riesige Gebirgsmassive umrahmen, stieg chm gleißend entgegen. Glatt wie eine gläserne Scheibe lag der See um diese Spätnachmittagsstunde. Die Ora, der Südwind, der ihn in der heißesten Tageszeit wohltätig kühlend aufrauhte, war schlafen gegangen.
Ottenrieth trank das schöne Bild, das er seit so vielen Jahren nicht mehr gesehen, durstig in sich hinein. Hier wollte er bleiben, bis die Saison wieder anging.
In der „Casa Rossa", die dem Baron Leutstetten gehörte, hatte er sich auf die Empfehlung eines Wiener Freundes Quartier bestellt. Als er nun das rote Haus mit den Bogenfenstern und den dicken Mauern, das noch aus der Zeit der venezianischen Herrschaft stammte, vor sich sah, erinnerte er sich seiner genau. Er war als Knabe einmal mit den Eltern hier unten gewesen, damals, als die Nord- spitze des Gardasees noch österreichisch war und Erzherzog Franz Ferdinand im nahen Arco eine Villa besaß. Damals hatten die großen Hotels von Torbole immer von österreichischen Offizieren gewimmelt — er erinnerte sich ganz genau.
Baron Leutstetten erschien selbst im gewölbten Hostor, als Ottenrieth den Wagen stoppte; ein grofjer, hagerer, kahlköpfiger Herr in rohseidenem Anzug, den seine Sprache sofort als Oesterreichek verriet.
Ottenrieth stellte sich vor.
Ein italienischer Hausdiener erschien und schleppte das Gepäck nach oben.
Die Fenster des geräumigen Zimmers gingen nach dem See hinaus. Drunten lag ein kleiner Vorgarten mit immergrünen Gewächsen hinter roten Mauern. Das Bett erwies sich als breit und weich. Ottenrieth war zufrieden.
Eine kleine Melodie vor sich hinpfeifend, die ihm unterwegs eingefallen war und chn die ganze Fahrt über nicht verlassen hatte, packte er seine Sachen in die Schränke. Er kleidete sich um, wobei er von Zeit zu Zeit am offenen Fenster stehen blieb und das prächtige Blld genoß. Dann ftieg er hinunter.
Sn der kühlen Halle machte chn der Baron mit
feiner Schwester, Frau von Lodesser, bekannt, einer schon verblühten Wienerin, die die Seele des ganzen, übrigens nicht unbedeutenden Pensionsbetriebs zu sein schien. Das Haus war voll von Menschen. Elliche Männlein und Weiblein, die, bronzebraun und hochsommerlich gekleidet, mit Badezeug durch die Halle liefen, sahen nach Künstlern aus: Schriftsteller, Maler,. Schauspieler, wie der Baron gesprä- chig erklärte.
„Unb Sie selber, Herr Ottenriech, nicht wahr?
Sie sind Musiker?"
Ottenrieth antwortete nicht sogleich. Es schmeichelte chm, daß sein junger Ruhm bis hierher gedrungen war; aber zugleich glaubte er,-diesen Ruhm doppelt genießen zu können, indem er sich, ganz wie die Meister, hinter einem Inkognito versteckte.
„Wie kommen Sie daraus, Baron?"
„Aber gehens, ich hab' doch den .Hellblauen Enge? g'hört, im Theater an der Wien, vorigen Herbst — eine scharmante Operette» wirklich ganz scharmant."
„Sehr freundlich, lieber Baron. Ich werde Ihr Kompliment weitergeben. Denn der .Hellblaue Enge? ist von meinem Vetter, der genau so heißt wie ich. Ich selber bin nur ein simpler Industrieller — we- niastens möchte ich hier als solcher gelten", setzte er rasch hinzu, denn es reute ihn bereits, sich verleugnet zu haben.
„Verstehe, verstehe vollkommen!" Der Baron feixte: „Sie brauchen Ruhe, wollen nicht belästiat werden, wollen sich zu neuem Schaffen rüsten. Also ich werde Sie allen Gästen als Industriellen vorstellen. Welche Firma nehmen wir? Denn die Leute sind ganz schrecklich neugierig, so in den Serien, und werden mir ein Loch in den Bauch fragen»"
„3a, lieber Gott, helfen Sie mir!"
„Wissens, Meister, ich hab' einen Onkel, der ist Direktor bei der Alpinen Chemie — abgekürzt Alchemie. Der kommt bestimmt nicht her zu uns. Wenn Sie also —"
„Schön! Ich figuriere also als Direktor der ,Al« d)emie‘. In Innsbruck, nicht wahr?" Sie find ein findiger Kopf, Baron!"
„Unb der .Hellblaue Enge? ist, wie Sie schon ganz richtig bemerkt, von Ihrem gleichnamigen Herrn Detter."
„Wir verstehen uns vollkommen, lieber Baron."
Bis zum Nachtmahl war noch eine gute Stunde. Ottenriech verbrachte sie, indem er durch den kleinen Ort lief, der aussah wie ein Kurort, und dem doch das uralte Fischerdorf aus allen Falten guckte. Es war hier alles noch, wie in feiner Kindheit, die paar engen Sttaßen unter dem allen Kirchlein auf dem Hügel, die kleine Piazza mit dem Brunnen und der Tafel, die an Goethes Aufenthalt erin- nerte. das Hafenbecken hinter feinem steinernen
Damm. Und doch hatte es sich hier gründlich verändert, denn um die ganze Bucht lief nun eine breite Autostraße, wo früher nur ein schmaler, schlechter Fußweg gewesen war: die berühmte „Gardesana", von der er gelesen ober gehört hatte; sie umrandete und umschloß ja wohl das ganze lange Ufer des Sees?
Die Sonne ging rotflammend hinter die düstere Felswand der Rocchetta, das Schneehaupt des Monte Valdo strahlte röttich wie ein kleiner Rosengarten, die vielen schmetterlingsförmigen Segel auf dem See wirkten plötzlich schwarz.
Die Uferpromenabe war nur mäßig belebt. In der Badeanstalt wurde noch gebadet, fröhliches Lärmen klang über das stille Wasser. Im Kaffeehaus Jdl machte das Radio Musik, drüben im „Benaco" spielte ein kleines Tanzorchefter.
Frieden war hier — genau der Frieden, den er gesucht hatte, als er dem heißen Wien unb ben ewigen Verhandlungen mit Agenten, Theatern, Sängern unb Sängerinnen entflohen war. Hier wollte er bleiben.
Man speiste im Garten ber „Casa Rossa". Die Windlichter auf den Tischen erhellten das Düster ber Oelbäume. Schweigenb unb nachtdunkel ftanben himmelhohe Zypressen wie ein Lanzengitter an der roten Mauer.
Neben Ottenrieth saß an ein/m kleinen Tisch ein Ehepaar, das feine Blicke auf sich zog. Eine Frau, Anfang der Vierzig, kaum aller, die einmal ungewöhnlich schön gewesen sein mußte. Italienerin offenbar, mit ganz großen dunklen, von Schwermut überfluteten Augen, mit Bewegungen, die sich niemals lernen unb studieren ließen, sondern altes Erbgut seit Generationen sein mochten. Als einzige in dem bunten Schwarm ber Gäste war sie in strenges Schwarz gekleidet. Neben ihr ein Mann, oen man nahezu nur als die Heberreste eines Menschen bezeichnen konnte, all, grau, verfallen — und übrigens ein Krüppel, wie die am Stamm des Maulbeerbaumes lehnenden Krücken verrieten. Die beiden sprachen wenia, in italienischen Lauten, mit gedämpfter Stimme. Als die Mahlzeit beendet war, reichte die Frau ihrem Gatten sogleich die Krücken, und er Humpelle neben ihr davon.
Ottenriech wunderte sich bei sich selbst, warum diese beiden sein Auge und seine Gedanken wäh» renb ber ganzen Zett viel mehr beschäftigt hatten, als die vielen Frauen und Mädchen, deren Zigaretten jetzt wie kleine Irrlichter durch bert dunklen Garten glühten.
Er trat durch das Gartentor auf die kleine Ufer- Promenade hinaus, an deren Bord sanft die Wellen des entschlafenen Sees glucksten. Es roch nach lang. An ber nachtbunklen Rocchettawanb blinkten die wenigen Lichter eines hohen Felsenortes. Drüben
lag Riva wie unter einem Diabem. Ein erleuchteter Dampfer mit lachenden unb jauchzenden Menschen fuhr quer über die Bucht.
Plötzlich stand eine schwarze Gestalt neben ihm, daß Ottenrieth fast erschrocken aus seiner Verlorenheit auffuhr. An der Stimme erkannte er ben Baron. Er trug jetzt die schwarze Uniform ber faschistischen Miliz, auf bem Kopf den Fez mit der großen seidenen Quaste — er mußte, erzählte er, noch zu einer Parteiversammlung nach Riva hinüber.
„Ja, da wundern sich der Herr Direktor", sagte er lächelnd. „Mein seliger Papa, der ein strammer alter Oesterreicher war, konnte sich noch den Luxus leisten, hier unten in diesem venezianischen Kastell seinen literarischen Neigungen zu leben. Der Sohn muß Zimmerchenvermieten spielen."
Ottenrieth kam sofort auf das, was ihn während des Abendessens so sehr beschäftigt hatte; er fragte nach der Dame in Schwarz und ihrem krüppel- haften Gemahl.
„Colonello Tudesco und seine schöne Frau", erwiderte der Baron. „Mein Lieber, Sie sind nicht der erste, der sich dafür interessiert. Die beiden sind interessant genug. Der arme Teufel ist iip Krieg am Jsonzo vollkommen zusammengeschosien worden, unb sie, sie muß mal ein ungemein schönes Weib gewesen fein. Jetzt hat sie ja etwas von einer Norne, aber man spürt es doch noch, wenn sie nur ben Mund aufmacht ober ihrem Mar^n die Krücken reicht. Steckt irgendeine Geschichte dahinter, möglicherweise auch ein Schicksal — ja, mit Näherem kann ich selber nicht dienen. Sie kommen jedes Jahr, seit der Krieg zu Ende ist. Die Signora scheint unser kleines Nest über alles zu Heben. Recht hat sie! Na, es gibt überhaupt interessante Sachen hier, Maestto, Sie werden schon sehen. Operettenftoffe und anderes. Aber jetzt muß ich fort Servus!"
Ottenrieth ging schlendernd noch die Hfersttaße entlang in das Kaffeehaus Jdl, ttank einen Schwarzen unb las die letzte Nummer einer Wiener Zeitung. Aber er legte sie weg, sobald ihm aus ber Spalte der Kunst- unb Theaternachrichten wieber alle Dünste in die Nase stiegen, die ihn aus Wien weg und in die Sommerfrische getrieben hatten.
Er ging früh zur Ruhe.
Als er in die leere Halle der „Casa Rossa" kam, sah er auf einer silbernen Schale einen Brief, ber dort hingelegt war, um gleich morgen ftüh zur Post befördert zu werden. Er beugte sich neugierig über die großformige, energische Handschrift uyd las die Adresse: Signorina Renata Tudesco, Wien VII, Burggasse 3, Pension Lanner.
(Fortsetzung folgt!}
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