Ausgabe 
13.1.1938
 
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angelsächsischer .Zivilisation" für rückständige Kon- tinentaleuropäer über die Länder der Neuen Welt verhängten Gewiß: neue Kolonialgründungen auf der westlichen Erdhalbkugel waren nach den napo­leonischen Kriegen für kontinentaleuropäische Länder nicht mehr gut möglich, aber die Gleichsetzung eines entsprechenden Verzichts mit einer A n e r k e n - nuna anglo amerikanischer Vorherr­schaft über Gesamtamerika war ein Taschen­spielerkunststück. auf das selbst die kontinentaleuro­päische Diplomatie nur in der traurigen Verfassung hineinfallen konnte, in der sie die napoleonischen Kriege zurückließen.

Die maßgebenden Kreise in Brasilien sehen sich geradezu gezwungen, in der Lenkung des Ge­samtschicksals einer stark gemischten Beoölke- runa verschiedenartiger Wohngebiete innerhalb eines Riesenreichs einen immer autoritäreren Kurs ein« Zuschlägen, weil der gefürchtete Nachbar im Süden auf der Bahn moderner Entwicklung einen großen Vorsprung voraus hat. Argentinien hat eine ganz überwiegend weiße Bevölkerung, die fortgesetzt aus Europa neuen wertvollen Zuwachs erhält. Für die Entfaltung einesDranges nach Westen" lie­gen auf den Pampas ähnlich günstige Bedingungen vor wie einst auf den Prärien Nordamerikas. Uru­guay, Paraguay und selbst Bolivien, Gebiete, die während der Kolonialzeit teils mit Argentinien zum Vizekönigtum La Plata, teils zum Dizekönigtum Lima mit seinem Schwerpunkt an der fernen West­küste gehörten, bilden heute Pufferstaaten, die Reibungen mit Brasilien vermeiden lassen, aber eine weit vorgeschrittene wirtschaftliche Durchdrin­gung von Buenos Aires aus läßt voraussehen, daß sie möglicherweise eines Tages als Gliedstaaten in einem größeren Argentinien aufgegangen wären, wenn Brasilien.fortgefahren wäre, als modernes Staatswesen weit im Rückstände zu bleiben. Brasi­lien hat erst in jüngster Zeit angefangen, mit sei­nem Verkeyrssystem an die Mineralreichtümer Bo­liviens heranzukommen. Vorläufig wird das meiste, was an Zinn und Silber und Petroleum in boli­vianischen Bergwerken gewonnen wird, über Buenos Aires ausgeführt. Durch die Vergün­stigungen, die Argentinien dafür bieten konnte, war es ihm möglich, Bolivien einigermaßen dafür zu entschädigen, daß Paraguay während des Krieges die größeren Vorteile aus feiner Nachbarschaft ziehen konnte.

Brasilien bedarf um so mehr einer straff organi­sierten starken Zentralgewalt, weil sich in den Glied­staaten von jeher mächtige Sonderbestre­bungen regten, die das nationale Cinheitsbe- wußtsein mit der Zeit fast völlig überwucherten. Auf dem Umwege über einzelstaatliche Lotterwirt­schaft können bei allgemeinen Wahlen am leichtesten willfährige Werkzeuge fremder Interessen an maß­gebende Stellen der Bundesregierung in Rio de Janeiro geschoben werden. Diese Gefahr lag 1930 vor, als Julio P r e st e s zum Präsidenten gewählt worden war, der vorher auf Reisen nach den Ver­einigten Staaten und Europa mit fremden Banken Beziehungen angeknüpft hatte, deren Eigenart in eingeweihten Kreisen der brasilianischen Gesellschaft tiefe Unzufriedenheit und lebhafte Beunruhigung hervorrief. Nur deshalb konnte eine revolutionäre Bewegung den im Wahlkampf unterlegenen Kan­didaten Getulio Vargas an die Spitze des Staa­tes bringen, und nur, weil heute wiederum fremde Gelder das Wahlergebnis noch mehr zu beeinflussen drohten, als politische Leidenschaften, mußte eine Verlängerung des Mandates des amtierenden Prä­sidenten in Verbindung mit einer weiteren Erleich­terung des Aufstiegs der Bundes-Gondel durch Ab­wurf demokratischen Ballastes als ratsam erscheinen.

Die Völker Jbero-Amerikas lassen sich nicht, mehr an panamerikanischen Gängelbändern lenken. Sie sind mündig geworden. Sie lassen sich auch nicht so leicht, wie früher, weismachen, daß jenseits der Ozeane furchtbare Räuber darauf sännen, ihnen Gebiet zu stehlen. Dafür lauern an ihren unbe- stimMen Grenzen in den Urwäldern genug Gefah­ren rur neue blutige Kriege untereinander. Die Völker der Neuen Welt, die so gern über die kriege­rische Vergangenheit Europas die Nase rümpfen, haben ihr kriegerisches Zeitalter noch vor sich, soviel sie sich vorläufig in weiträumigen Verhält­nissen auch auf gegenseitige Duldung zugute tun.

Zusammenkunft

Chamberlain-de Valera.

Irisch-englische Besprechungen in London.

Dublin, 13. Jan. (DNB.) Ministerpräsident de V a l e r a hat vor der Vertagung des Deal mit«, geteilt, daß am 17. Januar in London eine Z u - sarnmenkunft zwischen Vertretern der irischen und der britischen Regierung stattfinden wird, bei der offenstehende englisch-irische Fragen erörtert werden sollen. An der Spitze der irischen Abordnung wird de Valero selbst stehen. Die iri­schen Minister werden mit dem englischen Minister­präsidenten Chamberlain, Schatzkanzler S i - m o n, Innenminister Hoare und Dominion- minister Macdonald verhandeln. Reuter erklärt, die Beratungen hätten sich aus informellen Unter­redungen zwischen de Valera und Dominionrninister Macdonald ergeben. Die bevorstehenden Unterhal­tungen stellten seit langer Zeit wieder die e r st e n formellen Beratungen zwischen den beiden Ländern dar. Sollten die einleitenden Verhandlun­gen erfolgversprechend sein, würden V e r t e i d i« gungs - und Finanzprobleme erörtert werden. Außerdem sollen Frag en des Han­dels und der Landwirtschaft berührt wer­den. Es sei zu hoffen, daß auch dieTren - nungsfrage^ aufgeworfen werde. Sicherlich aber würde die Ernennung irischer diplomati­scher Vertreter im Auslande nicht ange­schnitten, weil das eine innere Angelegenheit Eires (Irlands) sei.

Das amtliche Organ" der Partei de Daleras, die Irish P r e ß", schreibt, man könne sicher sein, daß die Vertreter Irlands in London einen wahren Geist der Versöhnung und des guten Willens zeigen würden, gleichzeitig aber würden sie fest auf den vitalen Grundsätzen be­stehen. Das irische Volk zeige eine feste, ruhige und geduldige Haltung. Es hege nicht allzu große Er­wartungen, wenn es auch den Wunsch habe, daß die Gründe der Streitigkeiten zwischen den beiden Nationen beseitigt würden. Das Blatt hebt beson­ders die Erklärung de Valeras hervor, wonach die Frage der Teilung Irlands (die Abtrennung des vorwiegend protestantischen nordirischen Ulsters) auch angeschnitten werden solle. Diese Frage müsse bei allen Verhandlungen im Vordergründe stehen. Das hervorstechendste politische Problem sei vom irischen Standpunkt aus gesehen, so erklärt auch die englandfreundlicheIrish Time s", die Frage der Teilung. Jeder irische Patriot bedauere die Tei­lung seines Landes. Kindisch wäre es aber, sich ein­zubilden, daß dieses Problem durch ein Abkommen zwischen London und Dublin gelöst werden könne

Der Mer begiückrvünschi Alfred Rosenberg.

Unser Bild zeigt den Führer im angeregten Gespräch mit Reichsleiter Rosenberg, Brigadefuhrer Schaub und Reichsleiter Amann. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Berlin, 12. Januar. (DNB.) Nachdem Alfred Rosenberg im Außenpolitischen Amt der NSDAP, die Glückwünsche feiner Mitarbeiter ent­gegengenommen hatte, fanden sich schon früh die Gratulanten aus der Partei und ihren ©lieberun« gen in seiner Wohnung ein. Mit unter den ersten erschienen Obergruppenführer Herzog mit den Amtschefs der Obersten SA.-Führung und Grup­penführer Reimann mit den führenden Män­nern der SA.-Standarte Feldherrnhalle sowie eine Abordnung der Berliner Kameradschaft der Blut­ordensträger mit Pg. Dörfler an der Spitze. Hallenser Halloren mit Oberbürgermeister Dr. Weidemann beehrten den Reichsleiter mit einer symbolischen Gabe von Schlackwürsten und Soleiern sowie einer Kassette mit Halloren-Silber. Unter den vielen Gratulanten stellten sich auch der Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Dr. Ley, der Präsident der Reichspressekammer Reichsleiter

Amann, der seinem alten Kampfgefährten eine Kassette mit dem Werk des FührersMein Kampf" in den hauptsächlichsten Sprachen der Welt über­reichte, und der Präsident der Reichsschrifttumskam­mer Staatsrat I o h st ein. Kurz nach 12 Uhr er­schien der Führer und brachte seinem getreuen Mitkämpfer als Geschenk eine von Ferdinand Lie­bermann geschaffene Dietrich-Eckart-Büste und fein Bild mit einer sehr herzlich gehaltenen Widmung. Nach dem Besuch des Führers begab sich Reichs­leiter Rosenberg zu einem Geburtstagsbesuch zu Ministerpräsident Generaloberst Göring. Mit sei­nen Mitarbeitern aus dem Außenpolitischen Amt der NSDAP, und anderen Gästen nahm Reichs­leiter Rosenberg anschließend einen Tee in seiner Wohnung ein. Der Musik- und der Spielmannszug der StandarteFeldherrnhalle" brachten dem Reichsleiter ein Geburtstagsständchen.

Deutsche Werkstoffe im Handwerk."

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Unter diesem Namen wurde in Berlin eine Ausstellung eröffnet Unser Bild zeigt den Chef des Amts für deutsche Roh- und Werkstoffe beim Beauftragten des Führers für den Vierjahresplan, Oberst des Generalstabes Fritz Lob, wie er eine Kostprobe von Back­waren nimmt, die unter Verwendung von Fischeiweiß hergestellt wurden.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Schärfster Kampf gegen die Diphtherie-Seuche.

von Professor Or. 3R. prigge, Frankfurt a. M.

NSG. Mit Rücksicht auf den ungewöhnlich hohen Stand, den die Diphtherie-Erkrankun­gen im letzten Jahrzehnt erreicht haben und über den wir bereits berichteten, hat man sich neuerdings bas Ziel gesetzt, nicht nur die Erkrankten zu behan­deln, sondern durck vorbeugende Maßnah­men beim Gesunden die Diphtherie-Seuche einzu­dämmen und nach Möglichkeit den Ausbruch der Erkrankung überhaupt zu verhindern. Schon seit langem sorgt man durch geeignete Verfahren, vor allem durch die Absonderung der Kranken, durch Schulschließungen und durch Desinfektion dafür, daß die Ansteckungsmöglichkeiten ver­ringert werden. Alle diese Maßregeln haben aber nicht ausgereicht, um die Ausbreitung der Diphtherie in befriedigender Weise zu hemmen.

Es hat sich gezeigt, daß Menschen, die eine Diph­therie durchgemacht haben, in der größten Mehr­zahl der Fälle für ihr weiteres Leben von einer zweiten Diphtherie-Erkrankung verschont bleiben. Sie besitzen nupmehr einen Schutz gegen die Diph­therie. Dieser Schutz beruht auf dem Vorhandensein von Schutzstoffen, sog. Antitoxinen, die der Körper beim Abheilen der Erkrankung bildet und die vor allem im Blut in größeren Mengen auf­treten. Diese Antitoxine machen das Gift des Diph- theriebazillus im Falle einer nochmaligen An­te ckung unwirksam. Der auf dem Vorhandensein der Antitoxine beruhende Schutz entwickelt sich nun nicht nur nach Ueberstehen einer Diphtherie, sondern auch bann, wenn man gewisse ganz ungiftige völlig um chübliche Umwandlungsprodukte des Diphtherie- bazillen-Giftes, sog.Toxoibe", in den Körper ein­bringt. Diese Toxoide dürfen nicht mit dem vorwie­gend bei Kranken verwandtenHeilserum" ver­wechselt werden: sie lassen sich durch einfache Ver­fahren im Laboratorium gewinnen. MU Hilfe der Toxoide kann man also eine Schutzimpfung durchführen, die mit keinerlei Störungen der Ge­sundheit verknüpft ist und trotzdem dem Körper

den gleichen Schutz verleiht, als ob er schon einmal eine Diphtherie-Erkrankung durchgemacht hätte.

Auf Veranlassung des Reicks- und preußischen Ministeriums des Innern find feit Beginn des Jahres 1934 in den von der Diphtherie besonders heimgesuchten Gegenden Deutschlands Massen- Impfungen mit Hilfe der Toxoide durchgeführt morden. Viele Hunderttausende von Kindern sind bereits geimpft morden. Dabei rnurde die völlige Unschädlichkeit der Impfung einmandfrei nachgerniefen. Und überall mar menige Monate nach dem Abschluß der Impfungen ein Rückgang der Erkrankungen und der Todesfälle festzustellen.

Besonders lehrreich finb l)ie an verschiedenen Or­ten durchgeführten Vergleiche zwischen den Erkrcm- kungs- und Todesziffern, die bei der Gegenüber­stellung von durd)geimpften und nichtdurchgeirnpf- ten Gebieten bzrn. von geimpften und nichtgeimpf­ten Kindern im gleichen Gebiet gefunden murden. Auf Grund dieser Erfahrungen find die Aerzte und die Gesundheitsbehörden darum bemüht, die Imp­fungen immer roeiter auszudehnen. In einigen Landesteilen versucht man bereits, durch alljährliche Erfassung der nachmachsenden Jahrgänge den Schutz der Bevölkerung möglichst dauerhaft zu gestalten. Außerdem find die Verfahren zur Herstellung der Impfstoffe in den letzten beiden Jahren in unge­ahnter Weife verbessert morden. Die Impfstoffe, die heute zur Verfügung stehen, finb etroa 50m al s o mirksam wie diejenigen, die zu Beginn des Jahres 1936 vorhanden waren. Wissenschaftlichen Untersuchungen, die im Staatlichen Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M. durch­geführt morden finb unb die bie Entwicklung von geeigneten Verfahren zur Messung der Wirksamkeit der Diphtherie-Impfstoffe ermöglicht haben, ist die­ser Aufschwung in erster Linie zu verdanken. Die neuen Impfstoffe lasten nicht nur einen wesentlich höheren Schutz erwarten, sondern haben es bereits ermöglicht, daß man die früher dreimalige

nunmehr burch eine nur zweimalige Impfung er­setzen kann, welche mit einem Zwischenraum von mindestens vier Wochen burchzuführen ist. Wir dürfen heute mit Sicherheit darauf vertrauen, daß der Seuchenzug der Diphtherie, dem in den letzten Jahren so viele blühende Menschenleben zum Opfer gefallen sind, jetzt nicht nur zum Stillstände kommen wird, sondern daß die Zahl der Erkran- kungs- unb Tobesfälle in den nächsten Jahren ganz erheblich zurückgehen wird.

DerArbeitseinsah im Dezember.

Frost unb Schnee beschränkten bie Anhenarbeit.

Berlin, 12. Jan. (DNB.) Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung teilt mit: Die geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit in den Monaten Oktober und November 1937 um insgesamt 104 000 war ein deutlicher Beweis dafür, daß die deutsche Wirtschaft bei dem gegenwärtig angespannten Besckäftigungs- grab in diesem Winter Freisetzungen erst bann unb nur in bem Maße vornehmen würbe, in bem das Wetter eine Stillegung der Arbeiten erzwingt. Das frühe Einsetzen des Frostes unb Schneewetters im ganzen Reich hat allerdings bereits im Dezem­ber zu vorübergehenden Einstellungen zahlreicher Außenarbeiten gezwungen. Die Zahl der Arbeits­losen stieg infolgedessen um 422 000 auf 995 000. Die winterliche Zunahme der Arbeitslosigkeit bat damit bis jetzt eine Hohe von 526 000 erreicht. Der Gesamtumfang der winterlichen Zunahme der Ar­beitslosigkeit betrug 1935/36 814 000, 1936/37 818 000.

Die Hauptbelastung ging vom Baugewerbe aus. Bei bem außerordentlichen Umfang der Bau­vorhaben insgesamt waren im Laufe der letzten Jahre zahlreiche berufsfremde Arbeits­kräfte eingestellt, bie bei ihrer Entlastung in der alten Berufsgruppe ihres erlernten Berufes als Arbeitslose erfaßt werben. Die Zunahme her Arbeitslosigkeit in diesen Berufsgruppen ist also nur eine scheinbare, in Wirklichkeit geht sie ganz überwiegend auf Entlassungen aus den Außenberufen zurück. Die Rückwirkung auf das Baustoffgewerbe war geringfügig unb kam eigentlich nur dort zum Durchbruch, wo Witte- rungsgrünbe die Weiterarbeit nicht zuließen.

Erfreulicherwise hielt der Rückgang der Ar« b e i t s l o s i g k e i t in der Berufsgruppe der An­gestellten an. Insgesamt wurde noch eine Ab­nahme um 2500 erzielt, bie nicht unerheblich grö­ßer gewesen märe, wenn bie Berufsgruppe der technischen Angestellten nicht durch bau­bedingte Entlassungen eine vorübergehende Zu­nahme um 1500 erfahren hätte. Die Zahl der II n terstützungsempfänger der Reichsanstalt stieg um 278 000, sie betrug somit Ende Dezember 578000. Die Zahl der Notstandsarbeiter ging infolge der Witterung von 52 000 auf 35 000 zurück.

Dr. Filchner in Berlin herzlich empfangen.

Berlin, 12. Jan. (DNB.) Dr. Wilhelm Filch­ner traf in Begleitung seiner Tochter in der Reichshauptstabt ein. Auf dem Anhalter Bahnhof hatten sich u. a. Staatssekretär Hanke vom Reichs- propaganbamimfterium, Hauptamtsleiter Claus Selzner von der DAF., der Kommandant von Berlin, Generalmajor Seifert, Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichserziehungsministe- riums ufw. etngefunben. Die Bahnhofshalle war mit den Farben des Reiches geschmückt. Als der Zug einlief, spielte der Gaumusikzug der Werkscha­ren. Staatssekretär Hanke hieß den Forscher in der Reichshauptstadt willkommen unb überreichte ihm ein Handschreiben des Reichspropaganbaministers.

In bem Schreiben von Dr. Goebbels heißt es: Als Sie im Jahre 1928 von Ihrer Expedition durch China, Tibet und Indien nach Berlin zu­rückkehrten, fanden sich nur wenige getreue Freunde zum Empfang ein. Heute umfängt Sie voll Be­geisterung das ganze deutsche Volk. Nicht nur die Wissenschaft, die Ihnen hervorra­gende Beiträge zur Losung des Antarktisproblems, die Erforschung vielerweißer Flecke" auf der Erd­kugel unb wichtige geophysikalische Untersuchungen oerbantt, feiert Sie an Ihrem Ehrentage. Die deutsche Jugend, der Sie durch ihre Ent­schlußkraft, ihren unbeugsamen Mut und chre an­spruchslose Bescheidenheit ein Beispiel echten deut­schen Mannestums find, verehrt Sie als Vorbild. Am 3 0. Januar, dem 5. Jahrestage der Macht­übernahme durch die nationalsozialistische Bewe­gung, wird Ihnen der Führer unb Reichs­kanzler selbstden deutschen National­preis für Kun st unbWissenschaft über­reichen unb damit vor aller Welt kunb tÜn, daß das deutsche Volk seine besten Söhne zu würdigen weiß.

Dr. Filchner, der einen außerordentlich fri­schen Eindruck machte, dankte für den überaus freundlichen Empfang und gab feiner Freude dar­über Ausdruck, nach vierjähriger Abwesenheit die Reichshauptstadt wieberzusehen. Bei seinem Eintritt in die Hauptstadt des Dritten Reiches wisse er nichts Besseres, als in tiefer Dankbarkeit ein Sieg- Heil auf den Führer auszubringen. Begeistert stimmten die Anwesenden in den Ruf ein.

Vor bem Bahnhof hatten sich zahlreiche Volksge­nossen versammelt, bie den Forscher mit stürmischen Heilrufen begrüßten.

böswillige Sensationshascherei.

Kindisch' ist der Versuch gewisser Auslandsblatter, die Ansprache des Päpstlichen Nuntius beimBer­liner Empfang des Diplomatischen Korps als eineWarnung des Papstes an Hitler" hinzustellen. Die Anspielung des Nun- tius auf den inneren Frieden innerhalb jeden Vol­kes muß für diese Irreführung der ö f - entlichen Meinung des Auslandes herhal- en. Der Unsinn widerlegt sich von selbst. Denn er» tens ist bie Päpstliche Diplomatie unter ihrem Chef, bem Karbinalstaatssekretär Pacelli, viel zu ge­witzt, um einen solchen lächerlichen Dreh ausge­rechnet in einem ßanbe loszulassen, bas für bie Festigkeit unb Einheitlichkeit feines inneren Friedens nun bald fünf Jahre in der Welt bekannt ist. Zwei­tens würde die Kurie sich schwer hüten, eineWar­nung" in Bezug auf den inneren Frieden gerade* bann vorzunehmen, wenn die Vertreter von fünfzig Staaten als wohl unterrichtete Zeugen dieses Frie­dens dabei im Halbkreis Herumstehen und der Päpstliche Nuntius lediglich als ihr Beauf­tragter spricht, da er, wie in allen Staaten, bie biplomatische Beziehungen mit dem Vatikan unter­halten, nach altem Brauch Doyen des Diplomatischen Korps ist. Und drittens weiß ja gerade der Kardinal- Staatssekretär sehr genau von seiner Frankreich­reise her, wie es mit bem Frieden in einem bet