Nr.IO Erstes Blatt
188. Jahrgang
Donnerstag, 15. Januar 1938
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Ministerpräsident Görings Geburtstag.
Herzliche Anteilnahme in allen Kreisen des deutschen Volkes.
Berlin, 13. Ian. (DNB.) Daß der gestrige Tag, an dem Ministerpräsident Generaloberst Göring sein 45. Lebensjahr vollendete, weit über Familie, Freunde, Kameraden und Mitarbeiter hinaus freudigen Widerhall finden würde, war bei der Volkstümlichkeit Hermann Görings selbstverständlich. Nach den Gratulationen im engsten Familienkreis nahm der Ministerpräsident, begleitet von dem Chef der Polizei Reichsfuhrer ff Himmler, dem Chef -der deutschen Ordnungspolizei General D a l u e g e und dem Chef der Sicherheitspolizei ---Obergruppenführer Heydrich, den Vorbeimarsch zweier Abteilungen der motorisierten Gendarmerie in Paradeuniform ab Nach dem Vorbeimarsch riefen die Angestellten und Arbeiter aus dem Reichsluftfahrtmini'sterium dem Generalobersten in Sprechchören ihre Glückwünsche zu, für die er mit freundlichem Winken dankte.
Kur; vor Mittag erschien der Führer in der Wohnung des Ministerpräsidenten, um seinem getreuen Mitarbeiter persönlich seine Glückwünsche auszusprechen. Als Geschenk überreichte der Führer Hermann Göring ein prächtiges Gemälde des Malers Hans Makart, nach dem eine Stilepochs der bildenden Kunst ihren Hamen erhalten hat. Das in wundervollen Farben gehaltene Bild stellt eine Falknerin in dem Jagdkostüm der Mitte des 19.
Jahrhunderts dar.
In seinem Arbeitszimmer nahm der Ministerpräsident die Glückwünsche seines Stabes entgegen. Er empfing dann eine Abordnung des R e - giments General Göring sowie das Führerkorps der SA.-Standarte Feldherrn- Halle, dessen Chef dem ersten SA.-Führer den neuen SA. - Dolch in Silber überreichte. Im Garten des Hauses hatten inzwischen eine Kompanie des Regiments General Göring, ein Sturm der SA.-Standarte Feldherrnhalle, ein Sturm der Leibstandarte und eine Hundertschaft der Polizei Aufstellung genommen. Der Ministerpräsident schritt unter den Klängen des Präsenttermarsches die Front der aufmarschierten Formationen ab und dankte ihnen mit einer kurzen und herzlichen Ansprache. Vor dem Hause brachten die vereinigten Musikkapellen der Luftwaffe, des Heeres, der Polizei, der SA., der SS., NSFK., des Arbeitsdienstes mit Fanfaren und Schellenbäumen unter Leitung des Musikinspizienten der Luftwaffe Prof. Husadel ein Ständchen. Auch das Jungvolk wartete mit einem schmissigen Ständchen eines Fanfaren- und Trommlerkorps auf, für das ihnen der Ministerpräsident freundlich und humorvoll dankte.
Im Vorraum des Arbeitszimmers des Ministerpräsidenten hatten sich inzwischen die Mitarbeiter aus den ihm unterstehenden Ministerien und Behörden, dem preußischen Staatsministerium, dem Reichsluftsahrtministerium, dem Wirtschaftsministerium, die Gruppenleiter des Vier- zahresplanes, die Mitarbeiter aus dem Peichsforst- emt der Reichsjägerfchast, dem Geheimen Staatspolizeiamt, die Generalintendanten der Staatstheater und eine Abordnung des Reichstages versammelt. Als ihr Wortführer sprach Staatssekretär General der Flieger Milch das Gelöbnis weiterer treuer Mitarbeit für Führer, Volk und Reich aus.
„Sie werden verstehen", so betonte der Ministerpräsident in feiner Antwort, „daß mich die
Glückwünsche, die Sie mir durch General Milch aussprechen ließen, besonders bewegen. Sie, meine engeren Mitarbeiter, sind diejenigen, mit denen ich nun seit Jahren Zusammenarbeiten darf, vielfälttg sind die Gebiete, die Sie vertreten und die sich in der Zusammenarbeit mit mir konzentrieren. So verschieden sie aber auch sein mögen, meine Sorgen und meine Anteilnahme an allen diesen Aufgaben sind gleich st a r k, an allen bin ich nicht nur mit dem Verstände, sondern auch mit dem Herzen beteiligt. Wenn ich so oft im Auslande gefragt werde, wie ich die gewaltige Arbeit durchführen kann, dann kann ich immer wieder mit Stolz und erfüllt von innerem Glück und tiefer Dankbarkeit antworten: »Das find meine Mitarbeiter!' Diese enge Zusammenarbeit ist das größte Glück, das uns heute im Reich Adolf Hillers erfreut, uns alle entflammt und erfaßt, jene wunderbare Treue und Loyalität, die vom Führer ausgeht, hier gibt es keine Intrigen, ein jed-r weiß, daß ein festes Vertrauen uns verbindet und durch gar nichts zu erschüttern ist."
Zu den persönlichen Gratulanten gehörte auch das gesamte Reichskabinett mit'ben Staatssekretären, viele Rei chsleiter und Gauleiter, das Führerkorps der Kampfformationen der Bewegung und ihrer Gliederungen, die gesamte Generalität der Luftwaffe, eine Abordnung des Heeres und der Marine unter Führung des Generalobersten Freiherrn von Fritsch, Vertreter aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft, Industrie, Handel und Handwerk, viele Abordnungen der Arbeiterschaft, Vertreter der Ver-
Sine Ansprache des Gauletters.
RSG. Als Auftakt zur Arbeit im neuen Jahr 1938 vereinigen sich am Sonntag, dem 16. Januar, 11 Ahr, alte hoheitsträger und politischen Leiter der Partei sowie die Führer der Gliederungen und der angeschlossenen Verbände des Gaues Hessen-Nassau zu einem Führerappell. Mit dieser Großaktion wird die Propaganda-Arbeit für das neue Jahr eingeleitet.
Der Führerappell wird in den 26 Kreisen unseres Gaues durchgeführt. Die Führer der Bewegung versammeln sich jeweils in den Städten, die Sih der Kreisleitung sind. 3m Mittelpunkt der Großaktion steht der Appell des Kreises Groß-Frankfurt in der Gauhauptstadt, wo der Gauleiter im Hippodrom zu den versammelten Parteigenossen spricht. In seiner Ansprache, die durch ein Fernkabel der Deutschen Reichspost in die 2-5 Kreisstädte des
waUungen der Provinzen und Städte. Staats- minister Prof. P o p i tz gratulierte als der dienst- älteste preußische Staatsminister für alle preußischen Minister und Staatssekretäre und überreichte dem Ministerpräsidenten einen kunstvoll gearbeiteten bronzenen Jagdbecher. Stöße von Telegrammen, Blumen über Blumen häuften sich im Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten, wahre Berge von Glückwunschschreiben aus dem In- und Auslande. Auch zahlreiche selbst gefertigte Geschenke, so eine selbstgeferttgte Ledermappe, die die Schüler der Hermann - Göring - Meisterschule hergestellt hatten, Federzeichnungen, handgebundene Bucher, Arbeiten aus getriebenem Metall und aus den neuen Werkstoffen. Besondere Freude bereiteten dem Ministerpräsidenten eine Anzahl antiker Kunstwerke, darunter ein prachtvolles Frauenbildnis Geiseneggers (1505 bis 1567) aus Holz, einige Darstellungen alter Iagdszenen, antike Holzplastiken, keramische und bibliophile Seltenheiten. Reichsminister Dr. Goebbels machte dem Ministerpräsidenten eine wundervolle Tierplastik, einen mit einem Bären kämpfenden Wisent, und Reichsleiter Amann eine Kassette mit Adolf Hitlers „Mein Kampf" in den Sprachen der Welt zum Geschenk. Der Stabschef der SA. Viktor Lutze überbrachte vier achtkerzige Leuchter, als Sinnbild der 32 SA.-Gruppen, Reichsführer ff H i mm l e r eine vorzüglich erhaltene Ausgrabung, das Führerkorps der ff einen Adler aus der ---Porzellanmanufaktur Allach. Die Stadt Köln hatte in einer meisterlich gearbeiteten Schatulle einige alte germanische Schließen überreichen lassen.
Zum Abschluß der Geburtstagsfeier gratulierte Reichsminister K e r r l noch einmal im Namen aller anwesenden Gäste und sprach seine besten Wünsche für eine zukünftige glückliche Aufbauarbeit aus.
Gaues übertragen wird, gibt er den Führern der Partei die Richtlinien für die Arbeit, die sie im Jahre 1938 für Führer und Volk zu erfüllen haben. Vor der Rede des Gauleiters, die allen führenden Parteigenossen des Gaues Ziel und Ansporn geben wird, ergreifen Gaupropagandaleiter Stöhr und SA.-Obergruppenführer Bek- ferle das Wort.
Heirat des Reichskriegsniinisters.
Berlin, 12. Jan. (DRB.) Der Reichskriegs- minifter, Generalfeldmarschall von Blomberg, hat sich am Mittwoch, dem 12. Januar, mit Fräulein G r u h n vermählt. Der Führer und Reichskanzler und Generaloberst Göring waren Trauzeugen. — Das deutsche Volk wird die Nachricht von der heirat des Reichskriegsminislers, der sich um den Aufbau der neuen deutschen Wehrmacht in hervorragendem Maße verdient gemacht hat, mit herzlicher Anteilnahme enlgegennehmen.
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Götzendämmerung in Südamerika.
Von Otto Corbach.
Das Gespenst der „Heiligen Allianz" soll in der Alten Welt umgehen und finstere Pläne aus- brüten. „Möge sich niemand einbilden", warnte Präsident Roosevelt auf der panamerikanischen Konferenz in Buenos Aires, „daß Amerika entrinnen wird, daß es Schonung zu erwarten hat, ' daß diese westliche Erdhälfte nicht angegriffen werden wird." Neuyorker und Londoner Blätter riefen ihren südamerikanischen Freunden diese Aeußerung feierlich in die Erinnerung zurück, als der brasilianische Bundespräsident Getulio Vargas durch seinen neuen Staatsstreich einen Strich durch alle Rechnnungen machte, die auf Grund aufgewandter oder bereitgestellter fremder Wahlgelder gemacht worden waren. Nicht lange vorher hatte man sich nicht gescheut, Deutschland geheimer Absichten auf Erwerbung brasilianischen Gebietes zu verdächtigen. Darauf wurde im Monat August von Washington aus angespielt, als man Brasilien Kriegsschiffe anbot, im Monat September von London aus, als es galt, aus harmlosen deutschen Kolonisten in Südbrasilien Aufruhr brütende Hochverräter zu machen. Der wirkliche Kummer nordamerikanisch»r Beschützer südamerikanischer „Demokratien" besteht darin, daß die Südamerikaner um so weniger Verständnis für die „geopolitische" Bedeutung des geographischen Zusammenhanges ihrer Länder mit der nordamerikanischen Union mehr aufbringen, je eifriger Washington durch „gute Nachbarschaft" frühere imperialistische Aufdringlichkeiten vergessen zu machen sucht.
Es konnte gewiß den von spanischer und portugiesischer Kolonialherrschaft befreiten Völkern nur recht sein, daß England nach den napoleonischen Kriegen mit seiner Seeherrschaft die Mächte der „Heiligen Allianz" in Schach hielt; denn diese wollten ja verlorene koloniale Machtstel- l u n g e n in der Neuen Wett wiederherstellen oder unhaltbar gewordene sichern. Ganz anders verhielt es sich mit den immer anspruchsvolleren Folgerungen, die die Aankees aus ihrer „M onroe-Dok- t r i n" zogen. Dagegen begehrte man von Anfang an auf. Dennoch mußte man mit der-Zeit gute Miene zum bösen Spiel machen, weil das Pankee- land den lateinischen „Schwesterrepubliken" allzurasch und allzusehr über den Kopf wuchs. Das seebeherrschende Albion hatte ihm einen Freibrief für kontinentale Machtpolitik ausgestellt, um in Europa um so wirksamer gefährliche kontinentale Machtgestaltungen hintertreiben zu können. Gleichzeitia zog sich britisches Finanzkapital aus lateinamenkani- schen Ländern immer mehr zurück, um in I n - dien und M a l a y a, wo sich das Kuli-System ungehindert entfalten ließ, eine Plantagenwirtschaft aufzuziehen, wie sie sich nach Aufhebung der Neger- Sklaverei in den Ländern der Neuen Wett nicht mehr recht lohnte. So vegetierten die ibero-ameri- kanischen Länder nur kümmerlich im Schatten des „Kolosses des Nordens", der seine Produktivkräfte für die massenhafte Hervorbringung von industriellen Rohstoffen und landwirtschaftlichen Stapelartikeln einsetzte, die diejenigen der „Werkstätte der Wett" glücklich ergänzten.
Gewiß konnten manche idero-amerikanischen Länder schon vor dem großen Kriege durch ihre ,,M o - n o k u l t u r e n" zu beträchtlicher weltwirtschaftlicher Bedeutung gelangen, aber für eine wirklich selb- st ä n d i g e Entwicklung ihrer Produktivkräfte ergaben sich erst unter den Nachwirkungen des Weltkrieges und besonders der Weltwirtschaftskrise günstige Bedingungen. Das hatte seinen Hauptgrund gerade darin, daß man sich nach Ausbruch des großen Krieges gegenüber Europa, nach Durchbruch der Weltwirtschaftskrise auch gegenüber USA. oiet größere Freiheiten herausnehmen konnte als früher.
Wenn die argentinische Republik zwischen 1934 und 1937 ihre Dollar-Anleihen von 257 546 540 auf 152 600 000 Dollar abbauen und brittschen Gesellschaften Eigentumsrechte an 3200 Kilometer argentinischer Eisenbahnen a b - kaufen konnte, so kennzeichnet das die Abhängigkeiten, unter denen ibero-amerikanische Länder zu leiden hatten, solange sie von us-amerikanischem wie britischem Finanzkapital unter Einsatz politischer Machtmittel unter Druck gehalten wurden. Argentinien beherzigte, als es sich aus dem Weltkriege heraushielt, die Mahnungen der Vorväter des Volkes der Vereinigten Staaten, sich in die Händel der Alten Welt nicht verwickeln zu lassen, während Onkel Sam selbst sie in den Wind schlug. Nach dem Kriege schloß es sich dem Völkerbunde an, von dem sich USA. schmollend zurückzog. Es stand diesem gegenüber fester auf amerikanischer Erde und hoffte durch bessere europäische Verbindungen panamerikanische Beziehungen noch mehr entbehren zu können.
Die Bevölkerung Argentiniens ist vorwiegend italienischer und spanischer Herkunft; das bringt eine angeborene Abneigung gegen Anglo-Amerikaner mit sich. Aber auch materielle Gründe fehlen, den Ar- aentiniern panamerikanische Erwägungen nahezulegen. England kauft ihnen achtmal soviel ab wie die nordamerikanische Union und obendrein suchen sie auf dem Umwege über die Genfer Liga nach anderer europäischer Kundschaft, um sich für handelspolitische Zurücksetzungen schadlos zu halten, denen England sie wohl ober übel zugunsten seiner Dominien aussetzen muß. Im Rahmen „Panameri- kas" können sie am wenigsten hoffen, für Verluste auf europäischen ober asiatischen Märkten schadlos gehalten zu werden. Für den weltoffenen Sinn des Porteno, wie man den Bürger von Buenos Aires nennt, bedeutet die „Monroe-Doktrin" kaum etwas anderes als ein „tabu", bas die Medizinmänner


