'licht ganz „westlerisch". Sie ist aber tatsächlich freier, als es früher die geheimen Abstimmungen waren, bei denen durch verschiedene Manöver die größten Schwindeleien begangen wurden. Der behördliche Druck, der für Beamte und Staats an gestellte bei einer öffentlichen Abstimmung zweifellos vorhanden ist, roirb aber mehr als wettgemacht durch den Terror, mit dem die Oppositionsparteien ihre Anhänger zur Abstimmung zwingen. Bor
Paris, 11. Dez. (DNB.) Der „Paris Soir" veröffentlicht eine Meldung, die geeignet fein dürfte, dem sich im Gestrüpp der Zeugenaussagen und des hartnäckigen Leugnens der Plewitzkaja hinschleppenden Skoblin-Prozesses eine neue Wendung zu geben. Eine Pariserin, Frau Elise Goby, die eine chemische Reinigungsanstalt und Färberei betreibt, hat verlangt, als Zeugin bei dem Prozeß verhört zu werden. Frau Gody, die zwölf Jahre lang mit einem weißrussischen Emigranten in Paris namens Theodor Gen f o zusammenlebte, war eng befreundet mit einem früheren russischen Obersten Tschirner in, der in Paris als Taxichauffeur lebte. Nach der Entführung des Generals von Miller teilte Tfchimerin Frau Gody mit, daß e r e b e n- falls Gefahren für fein Leben fürchte, da er um das Geheimnis der Entführung Millers wisse. Ende 1937 wollte Tfchimerin Frau Gody die in feinem Besitz befindlichen Dokumente in dieser Angelegenheit zur Aufbewahrung übergeben. Er tarn jedoch nicht mehr dazu, da er auf geheimnisvolle Weise ftarb. Man fischte seinen Leichnam am 22. Februar 1938 auf. Die Untersuchungsstellen kamen zu dem Ergebnis: „Selbstmord infolge einer geistigen Störung". Frau Gody versichert, daß Tfchimerin nicht verrückt gewesen, sondern ermordet worden sei.
Eines Tages habe auch Senko gesagt, wenn man wüßte, daß er das Geheimnis Tschirn e r i n s kenne, wäre er ein verlogener
Washingtons Wünsche.
Lima, 10. Dez. (DNB.) Staatssekretär Hüll hielt in der ersten Arbeitssitzung der panamerikanischen Tagung in Lima eine lange programmatische Rede, in der er alle die Ideen zusammenfaßte, die er und Roosevelt in den letzten Jahren wiederholt gepredigt haben. Allerdings war die Form, in der sie vorgetragen wurden, dieses Mal vorsichtiger als sonst, da der Staatssekretär offenbar bemüht war, auf die Bindungen Argentiniens und anderer lateinamerikanischer Länder zur alten Welt Rücksicht zu nehmen. Hüll warnte daher o d r „g e- wissen Staaten", ohne sie zu nennen, obwohl jeder Zuhörer wußte, daß damit Deutschland, Italien und Japan gemeint waren. Gleichzeitig forderte er alle Länder Europas auf, sich der „panamerikanischen Weltanschauung" anzuschließen. Zur Erläuterung dieses nebelhaften Begriffes entwarf der nordamerikanische Vertreter ein Phantasiebild der „ideal gesinnten, glücklichen, friedlichen^ und demokratischen" Völker der westlichen Halbkugel, die sowohl völkisch wie wirtschaftlich mit den Ländern Europas nicht verglichen werden könnten. , lieber Öen jahrelangen Chacokrieg und andere Schönheitsfehler in diesem Idealbild glitt Hüll mit einigen bedauernden Worten hinweg. Dann ließ der Staatssekretär seiner Phantasie völlig freien Lauf und schilderte in den düstersten Farben die furchtbaren Gefahren, die dem amerikanischen Erdteil angeblich drohen. Panamerika dürfe nicht zulassen, daß die bewaffnete Macht eines fremden Staates oder einer Kombinatton von fremden Staaten Amerika überfalle (!). Natürlich müsse jeder amerikanische Staat selbst entscheiden, was er tun wolle, um diesen An-
allem gilt dies für Kroatien, wo die Bauernwehr Dr. Matscheks alle Einwohner zur Abstimmung für die Opposition zwingt, anderssalls ihnen das Leben mit Boykott, Prügeleien und Verwüstung ihres Eigentums unerträglich gemacht wird. Dagegen bieten die gesetzlichen Vorschriften genügend Schutz gegen unerlaubten behördlichen Druck, außerdem ist rn solchen Fällen eine Anfechtung des Wahlergebnisses möglich.
Mann. Einen Monat später habe man ihn an einem Haken seiner Stubentür erhängt auf- gesunden. Auch hier lautete das Ergebnis^ der gerichtlichen Untersuchung auf Selbstmord. Frau Gody versichert jedoch, daß Senko vergiftet worden sei. Am Tage seines Todes habe er ein Zusammentreffen mit einem gewissen Basil gehabt, der eine Garage leitet. Basil habe schon seit langer Zeit Frau Gody mit Fragen über die Angelegenheit Miller bestürmt. Als Frau Gody einem mit den beiden Russen befreundeten Polizeibeamten ihr Geheimnis mitteilte, hätte dieser ihr geraten, sich nicht weiter damit zu befassen, sonst würde sie Gefahr laufen, auch ermordet zu werden.
Paris Soir berichtet bann, der Gerichtsarzt, der die Autopsie Tschirner ins vorgenommen hat, stellt fest, daß in seinen Lungen fein Wasser festzustellen war, wie es sonst allgemein bei Ertrunkenen der Fall zu sein pflegt. Tfchimerin sei also schon tot gewesen als er ins Wasser geworfen worden fei. Der Gerichtsarzt, der den Selbstmord Gentes festgestellt hatte auf Grund der Lage des Leichnams und der Schnur, die zu seiner Erhängung diente, befinde sich im Widerspruch mit anderen Gerichtsärzten, die feftgeftein hätten, daß die Erhängung auch nach erfolgtem Tode ftattgefunben haben könnte. Die Autopsie Senkos sei nicht durchgeführt worden, man^wisse also nicht, ob in seinem Körper nicht die Spuren eines Giftes vorhanden gewesen seien.
griff auf die gemeinsamen amerikanischen Interessen abzuwehren. Die Vereinigten Staaten jedenfalls würben in angemessener Weise rüsten, solange biese Gefahr bestehe. Nach dieser eigenartigen Begründung für die gewaltige Aufrüstung der Ver- eirügten Staaten fügte Hüll noch hinzu, baß Waffengewalt nicht das einzige Werkzeug sei, durch das man Länder erobern könne. Auch die Propaganda von Weltanschauungen und „andere Mittel" könnten benutzt werden. In diesem Zusammenhang wandte sich Hüll vor allem gegen bie neuen Formen des Außenhandels, die gerade im Handelsverkehr zwischen Europa ' und Südamerika zusii Mißvergnügen der amerikanischen Geschäftemacher eine so erfolgreiche Anwendung
Uni) Lateinamerikas Antwort.
.Der peruanische Außenminister Dr. Concha wies darauf hin, daß die traditionelle Politik Amerikas roeUer darin bestehen müsse, ohne einen „engherzigen Nationalismus" allen Rassen und Völkern em wirtschaftliches Betätigungsfeld zu bieten. Darüber hinaus müsse Amerika darauf bedacht sein, das wirtschaftliche Gleichgewicht der Welt aufrechtzuerhalten, indem es den Austausch zwischen seinen Rohstoffen und den Reichtümern und der Jndustrie- erzeugung fremder Länder in Einklang bringe. Künstliche Handelsmethoden trügen nicht dazu bei, eine gesunde wirtschaftliche Zusammenarbeit zu'fördern. Die Monroedoktrin sei in einer für die kleinen Staaten Südamerikas politisch bewegten Zeit entstanden und habe eher die Möglichkeit geboten, die politische Vormachtstellung des mäch
tigsten Staates zu begründen, als den kleinen Ländern terrtorialen Schutz zu bieten. Die Unabhängigkeit und Sicherheit eines jeden einzelnen Staates sei die beste Garantie für den Frieden.
Der argentinische Außenminister Cantilo entwickelte ein Bild von der Kultureinheit Lateinamerikas, welche schon durch Sprache und Religion manifestiert werde. Diese Entwicklung habe zwangsläufig einen anderen Verlauf genommen als die Nordamerikas. Heber die Freundschaft zwischen Nord und Süd bestünden unbeschadet dessen jedoch keine Zweifel. Argentinien glaube aber, daß jedes amerikanische Volk seinen eigenen politischen Weg gehen müsse, ohne dabei seine natürlichen Interessengemeinschaften zu vergessen, Dazu bedürfe es aber keinerlei Pakte, da diese ausreichend in seiner Geschichte verankert seien. Die verschieden gerichtet en Handelsinteressen machten es erforderlich, die vorhandenen Friedenssicherungen weitgehend auszubauen. Daneben fei Amerika entschlossen, mit allen Mitteln den Versuchen des Eindringens artfremder Ideen zu begegnen, die die Moral der Völker und des sozialen Friedens untergraben. „Wir fühlen", so sagte Cantilo, uns mit Europa eng Der bum ben durch die Einwanderung, welche so viel zu unserer Größe beigetragen hat, welche unsere Landwirtschaft, unseren Verkehr und unsere Industrie durch europäische Kapitalien gefördert haben. Noch schwerer aber wiegt für uns die Erinnerung an die^Männer, welche diese Länder entdeckten, bevölkerten und ihre kulturelle Tradition brachten." Spanien habe Blut und Religion gegeben, und neben anderen europäischen Ländern hätten auch Italien und Deutschland in verschiedenen und wichtigen Punkten Südamerika beeinflußt.
Das SiidamerikaaesMst.
London, 11. Dez. (Europapreß.) Daß Präsident Roosevelt auf dem panamerikanischem Kongreß in Lima (Peru) eine panamerikanische A ch sie zu erzielen versuche, wird in einem Leitartikel der „Daily Mail" behauptet. Die USA. hoffen, so heißt es, auf dem Kongreß werde die Monroe-Doktrin eine erneute Stützung erfahren. Die Monroe-Doktrin ist jene berühmt gewordene Erklärung des Jahres 1823, worin Europa vor weiteren Kolonisationsversuchen auf gesamtamerikanischem Boden gewarnt wurde. Washington steuere darauf hin, Amerika in die Lage zu versetzen, einen Angriff von außen auf die beiden Amerika, notfalls mit Waffengewalt zurückzuweisen, was es auch schon in^bezua auf Kanada erklärt habe.
In Süd-Amerika seien eine Milliarde Pfund amerikanischen Goldes investiert, so daß auch noch der Schutz ihres Handels für die USA. als Grund für solche Absichten hinzukämen. In dem Riesengebiet von Süd-Amerika gebe es keine Politik „der geschlossenen Tür", so daß alle Länder mit diesen Ländern Geschäfte machen könnten: Nord-Amerika fühle jedoch Unruhe wegen der neuen Handelsmethoden der totalitären Staaten. Deutschland habe den USA. als größtes Ausfuhrland nachBrafilienund Chile bereits den Rang abgelaufen, während der „deutsche ökonomische Druck" auf Mexiko, Peru und Salvador sich zunehmend bemerkbar mache. Italien habe eine Flugzeugfabrik in Peru eröffnet und die gleiche Absicht in Venezuela. Noch stärker sei der Wettbewerb des dritten Achsenpartners I a p a n in Öen letzten fünf Jahren geworden. Das Blatt stellt öann ein wenig beunruhigt die Frage, was aus Englands Han - d e 1 mit Lateinamerika werden solle. Die englischen Ausfuhr-Unternehmungen sollten erneute Anstrengungen machen. Es sei wohl sicher, daß die Zusammenkunft von Lima dem keine Hindernisse in den Weg legen werde.
Skandal in Neuyork.
Neuyork, 11. Dez. (DNB.) Die N'euyorker Juden oeranftatteten in der Carnegie-Halle unter der Devise „Gegen die rassische Unterdrückung" wieder einmal eine öer üblichen antideutschen Hetzkundgebungen. Besonders bemer- kenswert an dieser Judenversammlung war, daß an
ihr neben den Neuyorker Judenhäuptlingen auch zwei Bischöfe teilnahmen. Der eine von ihnen, Bischof D o n g h u e, hatte sogar die Geschmack- losigikeit, diesem üblen jüdischen Rummel, als dessen Hauptakteur öer hinlänglich bekannte Jude Laguar- öia fungierte, mit einem Gebet einzulei - t e n ! Ferner sah man bei dieser „Massenversammlung" neben dem Landwirtschaftsminister Wallace den ehemaligen amerikanischen Botschafter in Berlin, D o d d , dessen seltsames Gebaren selbst in den Vereinigten Staaten allmählich heftige Widerspräche auslost.
Sämtliche Redner stimmten ihr übliches moralisierendes Wehgeschrei und Haßgeheul an; sie geiferten in ohnmächtiger Wut gegen die autoritären Staaten und vor allem gegen Deutschland Ihre alten abgedroschenen Phrasen langweilten aber sichtlich die Versammlungsteilnehmer, soweit sie keine Juden waren. Unter den Rednern befand sich auch der Rektor der katholischen Universität in Washington, der zugeben mußte, daß er eine große Anzahl von Briefen erhalten habe, in denen k a - tholische Amerikaner gegen sein Auftreten in dieser deutschfeindlichen Judenkundgebung protestierten Im übrigen verlief diese „Massenversammlung" höchst undiszipliniert. Infolge des wüsten Durcheinanders konnten sich die einzelnen Redner kaum Gehör verschaffen. In katholischen Kreisen der USA. wird vor allem auf das unwürdige Bild hingewiesen, das der Bischof der Erzdiözese Neuyork inmitten dieser wild gestikulierenden Judenversammlung bot.
Marschall Blücher rehabilitiert?
Warschau, 11. Dez. (DNB.) Nach einer Meldung des Krakauer Kuriers aus Moskau hat Stalin den seit Monaten von der politischen Bildfläche verschwundenen Marschall Blücher in einer längeren Audienz empfangen. Blücher soll es gelungen sein, Stalin von seiner Unschuld zu überzeugen und die Vorwürfe zu entkräften, die der bisherigen GPU.-Chef Jeschow gegen ihn erhoben hatte. Unmittelbar nach der Audienz im Kreml habe sich Blücher in das Kriegskommissariat begeben, wo er von Woroschilow empfan - g e n worden sei.
Das Pariser „Journal" schreibt, man werfe I e. s ch o w vor, daß er zwei Verschwörungen gegen bas Regime nicht rechtzeitig au f g e b e tf t habe. Bei der ersten habe es sich um ein ukrainisches Komplott gehandelt, das über Verbindungen in öer Militärkommandantur von Kiew verfügt habe. Die Verschwörer hätten eine als „Brüderschaft Skryp- nik" bezeichnete Geheimorganisation gegründet im Andenken an den ukrainischen Volkskommissar Stryp- nik, der sich im Anschluß an eine heftige Auseinandersetzung mit Stalin in dessen Vorzimmer bas Leben genommen habe. Das Ziel dieser Brüberschast, bic in Beziehungen zu ben ukranischen Zentren Prag, Lemberg unb Chust geftanben habe, sei eine unabhängige Ukraine mit 40 Millionen Einwohnern gewesen.
Gleichzeitig habe sich in ben hohen Sphären des Kreml selbst eine zweite Verschwörung gebildet, deren Ursprung in der Behandlung oes Marschalls Blücher und in der Haltung der Sowjetunion während der tschecho-slowaki- scheu Krise gelegen habe. Gewisse militärische Führer seien der Ansicht gewesen, daß die Sowjetunion, soFar allein, der Tschecho-Slowakei hätte zu Hilfe eilen müssen. Die Verschwörer hätten sich die Gedankengänge Tuchcttschewskys zu eigen gemacht, wonach Stalin entfernt und das Regime um= geformt werden müsse, damit die Sowjetunion einen Krieg führen und gewinnen könne. General Cha- potschnikvw habe in der Verschwörung eine führende Stellung eingenommen. Anscheinend sei diese zweite Verschwörung so umfangreich gewesen und habe sich aus so hohe Persönlichkeiten erstreckt, daß Jeschow befürchtet habe, mit einer Aufdeckung des Komplotts einen gewaltigen Skandal vom Zaune zu brechen. Dieser Mangel an Entschlossenheit ljabe ihn feine Stellung gekostet, zumal manche behaupteten, daß er nvt seinem Zögern die Verschwörer habe schonen wollen.
Wendung im Gkoblin-Prozeß?
Zwei Mitwisser des Verschwindens des Generals von Miller wurden ermordet.
Argentiniens Absage an Roosevelts Paktidee.
Der erste Arbeitstag der Panamerikanischen Konferenz.
*
Schwarzkittel.
Uon Karl Scherer.
Nun ist der Einwechsel mit gutem Wind in laut-- wser Stille ereicht: Der revierkundige Forster stellt die Schützen an. Eine Stunde frierender Ungeduld ein kurzer Hornruf durch das winterliche Schweigen — die Hunde sind auf der Wechselfahrte in die Dickung entlassen! Bald kündet ihr Helles Geläut, daß die aus dem Kessel gesprengte Rotte von der Meute gejagt wird Auf dem Stand des Jagdleiters spricht die Büchse in rascher Folge zweimal. Die Sauen wollen die deckende Dickung nicht verlassen; bald stärker, bald schwacher, bald oben am Hang, bald tief unten bringt der giftige Hetzlaut der Rüden aus dem schneeverhangenen Bestand. Jetzt verstummt er ganz, als läge die Meute außer Sicht. Auf dem entlegensten Stand im Zal fallt noch ein Schuß, dann Stille
schneedichte Nadeldach durchbricht, spielen goldene Lichter über die weiße Decke. Meisen zirpen, quar= renöe Krähen stechen sich in der schimmernden Lust, über die sich der frostig-blaue Himmel spannt.
ct,2)ie Herbststürme peitschen Regenschleier über F^r und Wald, bas Laub flattert zu Boden Busch und Baum stehen blattlos und kahl. Die Frischllng? schnell herangewachsen und in ihrem Kleid ben an» beren gleich, sind als Ueberläufer in die Rotte ausgenommen Der September hat reirfn? Eichelmast gebracht. Unter einer breitastigen Wintereiche in» mitten halbhoher Fichten die rundliche Früchte in Masse verstreut, fummelt sich in der Abenddämrne-
Zeitschnffen.
~ 'Aus. der Natur (Der Naturforscher"), Hugo Bermuhler Verlag, Berlin-Lichterfelde Breis vierteljährlich 2,50 RM., Einzelheft 1 RM — Maßgebende Sachkenner führen im Dezember-Heft neue Ergebnisse deutscher Naturwissenschaft unb ihre Anwendungen in Technik und Volkswirtschaft vor Augen. Forstverwalter Heuson mahnt, einen natur- baften, umsichtigen Waldbau zu schaffen um die Bodenkultur der Zukunft natUdjer unb «folg!
3UÄten' ?r' M. Wfentraut weift - unter- ftuiit durch Naturaufnahmen von Ernst Krause — die große forstwirtlchastliche Bedeutung unserer Fledermäuse nach. Professor Dr. W. Goetsch berichtet an ^0^0 JeinerJBi ber von ben Eindrücken und wissen- schaftlichen Erlebnissen auf seiner kürzlich vollendeten ^orschungsfahrt durch die Patagonische Steppe zur Hochkordillere. Dr. Franz Bettenstaedt kann auf @runb feiner Ausgrabungen im Geiseltal zuverlässige Angaben über das Klima öer Braunkohlenzeit
nSecr- Ornithologe Dr. Glasewald von der Reichsstelle für Naturschutz läßt in Wort unb Bild öte gefieberten Wintergäste der Havelgewässer in ihrem Artenreichtum vorüberziehen. I. Groterhell gibt einen Bericht über ein neues Elektronenmikroskop. Sr. non Frankenberg gibt Anregungen zur Naturbeobachtung am Frostspcmner. Kleine Beiträge und x^E/aßte Forschungsergebnisse aus allen Gebieten . ^Naturwissenschaften, eine diesmal besonders reich- haltige Bucherfchau, unb die Preisfrage beschließen
Da wird es unversehens in halber Höhe der wej- ™ wendig- Schnee stiebt auf, bas tiefe
„ffiuff Muff eines fluchtigen Hauptschweins kommt rasch naher, und in wilder Flucht überfällt der Keiler die Schneise, dicht hinter ihm eine Bache unb ein Ueberläufer. Drei Schüsse, beren einer ben Nachher auf den Kopf stellt unb im Knall verenden aßt Der Keiler nimmt noch die angrenzende Kiefernschonung an; doch der hellrote Schweiß der doppelten Rotfährte im Schnee verrät den tödlichen durch^n chu^I b,e Sad)e kommt mit heiler Schwarte
Stoßgebet in der pöflkuische
..himmlischer Vater, du weißt, baß ich biefe meine Reife nicht aus Leichtfertigkeit. Fürwiß unb ®eift, sondern aus dringender Not unb Crforbe- Enes Berufs auf mich genommen; darum bitte ich dich, bewahre mich auf Straßen vor Räu- beim böser Gesellschaft, Vergiftung und dergleichen Gefährden. Item vor ungeschlachten Wettern, qe- sahrlichen Unwittern und vor Verirrung und gar dunklen Nachten. Hieneben beschirme mich auch' in ?nb Wirtshäusern vor Dieben und chalkhaften Wirten, bösem Geruch und allen an- Ullenden Seuchen auf daß ich meinen angesetzten Gluck unb Leidesgesunbhett erreichen möge. Unterbeffen, o Herr, siehe auch daheim wohl zu, bewahre meine Armut vor Feuer und all die Meinigen vor Krankheit unb einem schnellen Tob Zu bieiem g-tb auch, Herr, deine Gnade, baß ich b.^,Hänbel, Sachen und Gewerbe, so ich auszu- nchten habe, glücklich durchbringe und mit Nutzen
Heber den Hang des lichten Buchenholzes kommt im Morgengrauen ein dunkles Gewimmel herab. Das grunzt und bläst, schmatzt und prüftet, daß es aurch den Wald hallt — ein fröhliches Rubel wochenalter Frischlinge, von der Bache sorglich behütet, sucht gegen die schwüle Sommerhitze bie kühlende Suhle in der morastigen Senke des Talkessels zwi- ^mgeftrüpp und dichten Jungfichten. Nun em schrillendes Aufquieken: ein vorwitziger Borsten- trager ist zurückgeblieben, um einen Wurzelstock zu Ü^Äuchen; mit zornigem „Wuff, Wust" jagt ihn die Alte auf und treibt ihn zur Rotte, denn Reineke Fuch der an der Lehne feinen Bau hat und jetzt viel Fraß für fein Geheck braucht, könnte dem Keiler- faughng gefährlich werden.
Die neun Rekruten stecken alle im „bunten Rock"; Ichwarzbraun die Grundfarbe, lichte ßängsftreifen, wie mit der Elle gezogen, die sich nach zwei Mo- naten verlieren, laufen von Nacken und Muttern ßum Bürzel. Die ganze Rotte wühlt sich einträchtig in den nassen Grund, die Kleinen sorglos unb unbeschwert, die Bache aber hebt immer von neuem bas Gebrech unb windet aufmerksam nach allen weiten. Nach einer halben Stunde wird sie wieder ö;^rmh-^ere5 Y°sU sührt sie bas quecksilbrige K •bld, 9eftrt?en sanften Hang unter ben s b!nauf' Arst dem Hügelrücken verhosst sie mnb9c0cn das Tal — was war das für ein tn der Tiefe? Ein leiser Warnlaut, die Rotte ist weggewischt. Alle drücken sich platt auf ben »oben, reglos unb ohne Laut liegen sie zwischen SfPtnhfnrfnn o-vt n . ' .
vollführe, und wann nun das geschehen ist, so führe mich den Weg sicher wiederum zurück und bringe mich in aller Fröhlichkeit gesund und frisch zu ben Meimgen."
©o heißt es in einem Stoßgebet aus einem Reisebuch aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Heberrnaßig behaglich scheint also das Reisen in der Postkutsche trotz aller romantischen Lieder rund um den Postillon nicht gewesen zu sein! Post-
j e ist ein Teil der allgemeinen Kulturgeschichte. Im Jahre 1922 wurde die „Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in Bayern" gemundet. Diese Gesellschaft hat Hefte hrausgebracht in denen einzelne Kapitel aus der Postgeschichte .erörtert werden. Im Zusammenhang damit ist auch em Postarchiv in München errichtet worden, in dem Diel interessantes Material lagert. Auch bas Stoßgebet stammt aus biesem Archiv, das uns zeigt wie gut es ist daß wir heute nur noch zum Vergnügen gelegentlich in einer Postkutsche fahren, aber nicht mehr auf sie angewiesen sind.
pH -'s. ' vycijuie eme moire von
Sir SS festgemacht darunter ein Hauptschwein." r,^t ^me Anordnungen, die er» ^d)U^en werden durch Fernruf benach-
b*o loa'nbuchen am Steinkovf"
Hohen Fichten geht's bergan. Wilbfähr- *eP !^fen über ben Weg, auch eine Mardersour Schweißtropfen, bie wohl von einem Obcr Specht herrühren, ben b-r Nänber m der Dämmerung überraschte. Wo bie Sonne bas
rung eine Rotte Wildschweine, Bachen, Ueberläufer unb cm wuchtiger vierjähriger Keiler. Krachend zermalmen die starken Gebreche die Eicheln samt der Hulse und nicht eher wird die Suche nach der leckeren Kost eingestellt, bis blanker Tisch gemacht und die letzte Frucht verschwunden ist. Dann tut sich die Jiotte m einer windgeschützten Senke dichtgedrängt - dj- Sckiüken nn ' f nieöer, denn fern anderes Wild ist so windempsind- vöraeht Da hallt lief) wie bas Schwarzwilb. «•* rA! .
..Der Himmel hat sich aufgeklärt, funkelnd stehen Schwei
die Sterne über den nachtschwarzen Bergen. Eulen geistern lautlos über die Blöße, in den Lärchen bellt em hungriger Fuchs. Mitternacht ist nicht mehr fern. Da wird die Rotte wieder hoch. Unter Füh- rung einer alten Bache trollen die Sauen wie dunkle Schatten durch den nächtlichen Wald, jede Lichtung vermeidend. Bergauf, bergab, bis der matte 2)äm= mer ber Feldmark durch die Stämme lugt. Einen Büchsenschuß weit vom Waldrand verhoffen sie, die führende Bache windet lange; dann zieht 'bas schwarze Gewimmel, Rücken hinter Rücken, auf bie Kartoffelbreite hinaus unb pflügt sie grünblid) um.
bei ttefer Nacht wechselt bie Rotte zurück unb schiebt sich in eine undurchbringliche Fichtenjuqend
Der erste Schnee ist gefallen. In ber Nacht hat öer toturm den Himmel reingefegt unb klarer Frost ä'-9cfom™n- Silberweiß glänzen Höhen unb Xaler, auf Aesten unb Zweigen liegt es hoch unb flodig, unb baruber strahlt bie Wintersonne — ein kul-n ^Ä^fen zum Weidwerk auf ben Schwarz- fittel. Fahrtenkunbige Grünröcke spüren bie Dickungen und Nadelholzschonungen ab, und wenn bas , -------..... „e iwnmen! ^Ebnis der Spurfahrt bestätigt, daß zwar ein
Stemblorfen, Farnbüscheln und Föhrenboschen. 2Iuf {bar™^ Auswechsel im Schnee erkenn-
dern Abfuhrweg schwankt ein mit mächtigen Stäm- Nu?" emgespurte Rotte als sicher eingefreift ist, men beladenes Gefährt in Sehweite vorüber Mi- r kurzer Frist in der Forftrneisterei der nutenlang rasten die schweißfeuchten Pferde auf öer n ,,8Inl AÜbf)a,Jfl des Wenkerbergs,
£ ve^t sich das Gespann unter ben 2?^ Gehilfe eine Rotte von
Baumen. Da wird bie kleine Herde von neuem --- -------
rege, fangt im Moos Raupen unb Erbqrillen 'Knappt nach Doruberfurrenben Käfern, bricht und wühlt an Wurzeln und Stauden.


