Ausgabe 
12.12.1938
 
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Nr. 290 Erstes Matt

Montag, 12. Dezember 1938

188. Jahrgang

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Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die Alemelwahlen bei starker Wahlbeieiligung ruhig verlaufen.

Bekanntgabe der Wahlergebniffe erst in einer Woche zu erwarten.

Memel, 11. Dez. (DRV.) Das Memelland stand am Sonntag im Zeichen der Landtagswahl, die für alle Memellreutschen ein feierliches Bekenntnis zu ihrem Deutschtum und zur nationalsozialistischen Weltanschauung bedeutet. Schon in früher Morgen­stunde füllte eine freudig bewegte Menschenmenge die Straßen der festlich geschmückten Stadt Memel, und bei der Eröffnung des Wahlaktes um 8 Uhr standen bereits viele Tausende von Wählern iny langen Schlangen vor den Wahllokalen. Nicht an­ders war es auf demL ande. Der Andrang war überall so stark, daß trotz des umständlichen Wahlversahrens in der Stadt Memel um 11 Uhr bereits die Hälfte der Wahlberechtigten abgestimmt hatte, in den Land­kreisen im Durchschnitt sogar 70 v. H. Mehrere Dörfer in den Landkreisen Memel und Pogegen meldeten bereits um 10 Uhr, daß sämtliche Wähler abgestimmt hatten. In Mellneraggen stimmte als einer der ersten Wähler der Führer der Memel- deutschen Dr. Neumann ab. Hier hatten bereits nach einer Stunde 70 v. H. der Wahlberechtigten abgestimmt. Auch aus dem Reich und aus Litauen find wahlberechtigte Memeldeutsche trotz der teil­weise sehr weiten Reise zur Abstimmung nach Me­mel gekommen. Eine Verstärkung haben allerdings auch die litauischen Parteien erhallen: Tausende von Juden, insbesondere auch solche, die aus Groß-Litauen zugereist waren, sind, teil­weise sogar in geschlossenen Gruppen zur Wahl ge­gangen. Diese Juden, die sich bei der vorigen Wahl vielfach der Stimme enthielten, um es weder mll den Litauern, noch mll den Deutschen ganz zu ver­derben, haben jetzt zweifellos für die litauischen Listen gestimmt.

Die Wahlen wurden um20Uhrbeendet. Die verschlossenen Wahlumschläge wurden in den Wahl­lokalen gezählt, mit den Stimmlisten verglichen und aus allen Teilen des Landes noch rm Laufe der Nacht nach Memel geschafft, wo am Montag die Zählung sämtlicher Stimmzettel beginnt. Infolge des durch das litauische Wahlgesetz vorge­schriebenen umständlichen Verfahrens jeder Wähler gibt 29 Stimmzettel ab ist mit der Beendigung der Zählung und der Be­kanntgabe der Ergebnisse er st ungefähr in einerWoche zu rechnen. Schon jetzt liegen aller­dings an Hand der Zählung der abgegebenen Wahl­umschläge nahezu vollständige Feststellungen über

d i e H ö h e d e r W a h l b e t e i l i g u n g vor. Es ergibt sich daraus, daß die Wahlbeteiligung sowohl in der Stadt Memel wie in den Landkreisen be­reits um 19 Uhr f a st überall 95 v. H. und darüber erreichte. In einer sehr großen Anzahl von Orten ist eine Wahlbeteiligung bis zu 100 v. H. erreicht. Die Wahlbeteiligung, die bei der letzten Landtagswahl immerhin auch schon 91,3 v. H. be­trug, dürfte also erheblich überschritten werden.

Die Wahl ist ohne Zwischenfälle ver­laufen, bis auf einen Vorfall in Karrollischken

bei Memel, wo einige Litauer die Fenster des Wahl­lokals durch Steinwürfe zertrümmerten. Sie wur­den alle von der Polizei festgenommen. Vor dem Wahllokal der Memeldeutschen Liste, wo gleich nach Beendigung der Wahl durch einen Lautsprecher­wagen die ersten Zahlen über die Höhe der Wahl­beteiligung bekanntgegeben wurden, versammelte sich nach 20 Uhr eine große Menschenmenge. Um 21 Uhr marschierte der memeldeutsche Ordnungs­dienst unter begeisterter Anteilnahme der Bevölke­rung durch die festlich beleuchteten Sttaßen Memels.

Erneuter Ausnahmezustand in Kowno.

Die Regierung gegen Umtriebe von Woldemaras-Anhängern.

Kowno, 11. Dez. (DNB.) Sonntag abend wurde über Stadt und Kreis Kowno der Aus­nahmezustand, der erst am 1. November aufgehoben worden war, für sechs Monate wieder verhängt. Von dem litauischen Propagandaamt wird dazu mitgeteilt, daß im Zusammenhang mit den Vorgängen im Memelland un­verantwortliche Elemente und einzelne Hitzköpfe, die sich teils als Woldemaras-Anhänger be­zeichnen, eine schädliche Tätigkeit entfalten, die auch inStudentendemonstrationen ihren Aus­druck finde. Außerdem versuche auch die Rechts- Opposition, durch eine Stimmungsmache für eine sogenannte nationale Konsolidierung für iyre Partei Geschäfte zu machen und persönliche Vorteile aus der ernsten Lage zu ziehen. Im Namen der Woldemaras-Anhänger sei in Memel ein regie­rungsfeindlicher Aufruf und ein Flugblatt in Form einer Zeitung verbreitet worden. Alle diese Ma­chenschaften sähen stark nach Provokation aus. Die Regierung werde in diesem ernsten Augenblick gegen derartige Umtriebe, von welcher Seite sie auch kom­men mögen, mit allen Mitteln streng voraehen. Da­her sei über Stadt und Kreis Kowno als dem in­tellektuellen und wirtschaftlichen Zentrum Litauens der Ausnahmezustand verhängt werden.

Nach Studentendemonstrationen in Kowno wur­den etwa 100 Studenten fe ftgenommen. Auch der Woldemaras-Anhänger Jwanauskas, der

bei dem Militärputsch 1934 eine führende Rolle spielte, wurde verhaftet. Die am Samstag begon­nen Wahl zur Studentenvertretung wurde unter­brochen. Bei den Kundgebungen der Studenten wurde der Rücktritt der jetzigen Regierung und die Uebergabe der Regierungsgeschäfte an Wolde- mar a s gefordert.

Das Echo in Marschen.

Warschau, 12. Dez. (DNB. Funkspruch.) Alle polnischen Blätter weisen in ihren Berichten über die Wahl im Memelland besonders aus die starke Wahlbeteiligung.hin und auf die Ruhe, die nicht gestört worden sei. Das Militärblatt Polska Zbrojna ieht einen vollkommenen Sieg der deut- chen Liste voraus. Expreß Porany schreibt, »er litauische Besitzstand im Memelgebiet wird durch die Wahl auf keinen Fall ver­größert worden sein. Eher sei damll zu rechnen, daß die Litauer die zwei Mandate, die sie bis jetzt hatten, verlieren. Der rechtseingestellteABC" lobt die mustergültige Ordnung, die überall ge­herrscht habe. Die Wahlbeteiligung sei überall außer­ordentlich stark gewesen, in einigen Bezirken hätten 10 0 vom Hundert aller Wahlberech­tigten abgestimmt. Die Bevölkerung sei sich der Bedeutung des gestrigen Tages voll bewußt gewe­sen.

Wahlsieg der Regierung in Jugoslawien.

Große Mehrheit für Gtojadinowiisch im neuen Parlament.

Belgrad, 11. Dez. (Europapreß.) In Jugo­slawien wurden am Sonntag die Parlamentswahlen abgehalten. Da die Abstimmung offen war, konnte das Kräfteverhältnis der drei Listen von Beginn der Wahl an ständig verfolgt werden. Auch die jugoslawischen Rundfunksender gaben laufend Be­richte über den Stand der Abstimmung.in den grö­ßeren Ortschaften. Aus den' bis zum Abend von der Regierung veröffentlichten Angaben ist schon ersichtlich, daß die Liste der Regierungs­partei eine gesicherte Mehrheit haben wird. In Belgrad selbst hat sie ungefähr drei Vier­tel aller abgegebenen Stimmen erhalten. In den Regierungsberichten wird erwähnt, daß in den kroatischen Gebieten von den Anhängern Dr. Matsch e ks ein starker Terror gegen jene Wähler ausgeübt wurde, die für die Regierungsliste stimmten. Es fei daher möglich, daß die so errunge­nen Mandate der Opposition bei der Nachprüfung für ungültig erklärt würden. Nach den bisher vor-, liegenden Ergebnissen scheint die f a s ch i st i s ch e Liste der Z b o r - B e w e g u n g Ljotitschs nur in Smederewo, dem Wohnort Ljotitschs, Er­folge erzielt zu Haden. Es erscheint zweifelhaft, ob Ljotitsch im ganzen Lande die 50 000 Stimmen zu- sammenbringen konnte, die zu seinem Einzug in das Parlament notwendig sind.

Die Endergebnisse der Wahl in Belgrad er­geben für die Liste Stojadinowitsch 48 000, für die Liste Matschek 12 000 und für die Liste L j o- titsch 500 Stimmen. Alle fünf Belgrader Man­date fallen daher der Regierungsliste zu. Bei den letzten Wahlen im Jahre 1936 hatte die damalige Regierungsliste 32 000, die Matschekliste 9700 Stim­men errungen. In Agram, der Hauptstadt Kroa­tiens, wurden vorläufig 40 000 Stimmen für die Liste Matschek und 3000 Stimmen für die Liste Stojadinowitsch gezählt. Es erregte Aufsehen, daß der Erzbischof von Agram, Dr. Stepinac, seine Stimme für die Regierungsliste abgab. Für die Negierung stimmten auch der Erzbischof von Lai­bach und der Bischof von Marburg.

Um 20 Uhr wurde eine amtliche D a r st e l - lu n g herausgegeben, in der es heißt, die Regie­rungsliste habe einen klaren und unzweifel­haften Sieg errungen. Die große Mehrheit der von Serben, Slowenen und Mohammedanern be­wohnten Gebiete habe sich für die Regierungsliste ausgesprochen, aber auch in den kroatischen Gebieten sei trotz des Terrors der Anhänger Matscheks eine Zunahme der Regierungsstimmen zu beobachten. Es wird feftgestellt, das Volk habe sich in seiner großen Mehrheit entschieden für die Fort­führung der Politik ausgesprochen, die die Regie­rung Stpjadinowitsch seit dreieinhalb Jahren ver­folge. Die jugoslawische Nationalpartei der früheren

Ministerpräsidenten Z i v k o w i t s ch und I e f t i t s ch sei vollkommen geschlagen. Weder Zivkovitsch noch Jeftitsch hätten ein Mandat erringen können. Auch von den übrigen Vertretern der Opposition scheine nur Matschek s e l d st gewählt worden zu sein, während der frühere Ministerpräsident Da- vi d o witsch, der Führer der Demokrattschen Par­tei, nach einem harten Kampfe seinem serbischen Gegenkandidaten unterlegen sei. Soweit die bis­her vorliegenden Ergebnisse die Mandats ver- t e i l u n g in der neuen Kammer beurteilen lassen.

kann die Regierungsliste mit 300 bis 310 Abgeord­neten rechnen, während die gesamte Opposition nur 60 bis 70 Sitze erlangt haben dürfte. Sämtliche Sonntagszeitungen der ungarischen und der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien ent­hielten Aufrufe, geschlossen für die Regie- rungs liste zu stimmen. Diesen Aufrufen wurde im allgemeinen auch Folge geleistet: die Ergebnisse aus zwei Bezirken, in denen ein deutscher und ein ungarischer Kandidat auftraten, sind noch nicht be­kannt.

Wie Hm popowiisch gewählt hat.

Eigener Äericht des Gießener Anzeigers.

D. S. Belgrad, 11. Dezember.

Am Sonntag wurden in 7768 Wahllokalen Ju­goslawiens über 4 Millionen Wahlbe­rechtigte aufgerufen, ihre Stimme für eine der drei Landesliften abzugeben. Ministerprä­sident und Außenminister Dr. Milan Stojadino­witsch hatte 746 Kandidaten aufgestellt, wovon 595 seiner Partei, der Jugoslawisch Radi­kalen Gemeinschaft, 104 der Jugosla­wischen Volkspartei (Borbaschen) des Staatsministers Hodjera, 37 den Agrariern des Staatsministers Dschordschewitsch (Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbandes) und 5 der Radikals ozialen Bewegung ange­hören. Dazu kamen noch 5 parteilose Wirt­schaftler, die' in Belgrad kandidierten. Die Hauptoppositionsl ist e mit dem Präsiden­ten der Kroatischen Bauernpartei Dr. Matschek an der Spitze batte infolge der bunten Zusammen­setzung aus 11 verschiedenen Oppositionsgruppen von den Sozialisten bis zur äußersten Rechten noch mehr Kandidaten, nämlich 1013. Dazu kam noch die Liste des Führers der rechtsstehen­den ErneuerungsbewegungZ b o r" (Sammlung) und früheren Justizministers Dimitrije Ljotitch, der augenblicklich unter der Anklage der Störung der bürgerlichen Ruhe in Untersu­chungshaft sitzt, mit 242 Kandidaten. Gewählt wur­den insgesamt 381 Abgeordnete. In einzelnen Wahl­kreisen (jeder Wahlkreis hat im Durchschnitt einen Sitz zu vergeben, nur die Großstädte haben 2 bis 5 Sitze) stritten sich bis zu 6 Kandidaten einer Liste um den Sitz. Dazu kamen dann noch die Mitbewer­ber der Gegenlisten, so daß es bis zu 17 Kan­didaten wie z. B. in Serajewo für ein ein­ziges Mandat gab.

In Jugoslawien hat nämlich jeder Listenführer das Recht, im selben Wahlkreis auf feiner Liste be­

liebig viele Personen kandidieren zu lassen. Für das Gesamtergebnis entscheidend ist die Summe aller auf die verschiedenen Kandidaten einer Liste abge­gebenen Stimmen, während das Abgeordneten­mandat jener erhält, der von der siegreichen Liste die meisten Stimmen erhalten hat. Die Sache kompliziert sich dadurch noch mehr, daß jene Landesliste, welche die meisten Stimmen (und sei es auch nur eine einzige mehr als die nächstfolgende) auf sich vereinigt, automa­tisch drei Fünftel aller Sitze bekommt. Die übrigen zwei Fünftel werden dann im Verhältnis der abgegebenen Stimmen diesmal unter die drei Listen verteilt. So kann es denn vorkommen, daß in einem Wahlkreis der Kandidat der Liste A 5000 ! Stimmen erhielt, der eine Vertreter der Liste B 900, der andere dieser Liste B 850 und der dritte der Liste B nur 500, während der Bewerber der Liste C vielleicht 1000 Stimmen auf sich vereinigte, und daß dann trotzdem der erste Vertreter der Liste B als Abgeordneter dieses Bezirkes in die Skupschtina einzieht, weil seine Liste im ganzen Lande die meisten Stimmen auf sich vereinigte und er unter den drei Fünfteln automatisch zufallenden Sitze einen erhält. Aus diesem Grunde wird ge­wöhnlich das Wahlergebnis erst einige Tage nach der Absttmmung bekannt. Früher war dann in die­ser Zeit auch immer noch für die jeweiligen Macht­haber Gelegenheit, Korrekturen anzubringen, indem vielerorts Abwesende als Ja - Stimmende gezählt wurden. Wie der LaibacherSlovenc", das Blatt des Innenministers Dr. Koroschetz, unlängst mel­dete, haben bei den Wahlen vom 5. Mai 1935 so­gar Tote für die damalige Regierung Jeftitsch ab­gestimmt.

Daß die heutige Regierung Dr. Stojadin o » witsch auf solch anrüchige und letzten Endes unwirksame Methoden zu verzichten gewillt ist,

Das Echo des Ribbentrop-Vesuches.

Was sagt der Mann im Kaffeehaus?

E. F. Paris, 11. Dezember.

Diegroße" Politik wird in Paris und in der französischen Provinz auch heule noch im Kaffee­haus gemacht. Das verpflichtet zu nichts und trotz­dem ist es die Stimme des Volkes, die hier spricht. In der Stehkneipe von Menilmontant und imCaf6 de Cornrnerce" von Arles wird dasselbe Thema in der gleichen Steigerung durchgepaukt, wie sich die Zahl der leergetrunkenen Gläser auf dem kleinen marmornen Tisch häuft. Der Franzose ist Individualist und als solcher gerät er gerne in Widerspruch mit der offiziellen Politik feiner Re­gierung. Wenn der Stammgast des Provinzcafes und der Pariser Vorortskneipe diesmal mit der Politik der Regierung Daladier einig geht, so ist das in erster Linie auf die Friedens­liebe des französischen Volkes und nicht minder auf die Sympathie zurückzuführen, die der Durch­schnittsfranzose der Person des Reichsaußenmini-- fters von Ribbentrop in den Tagen feines Pariser Aufenthaltes entgegenbrachte.

Das französische Volk, das in seiner großen Mehr­heit die Münchener Besprechung nicht etwa als eine moralische Niederlage für Frankreich, son­dern als eine Befreiung vom Gespenst der drohen­den Kriegsgefahr bewertete, erblickte in der am 6. Dezember 1938 im Uhrensaal des Quai d'Orsay abgegebenen deutsch-französischen E r - klärung einen Garanten für den guten Willen der beiden Völker, zukünftige Streitfragen auf güt­lichem Wege zu regeln.Deutschland ist ein Land der Disziplin, der Ordnung und der Arbeit", ist der Kehrreim, den der Mann von der Straße in diesen Tagen im Mund führte.Wir Franzosen haben uns mit dem einstigen Erbfeind auf den Schlacht­feldern des Weltkrieges gemessen, und in Ehren be­standen. Heute ist Deutschland Italiens Freund und Frankreich darf auf Englands Hilfe im Ernstfälle rechnen. Eine Achse braucht der anderen nicht in die Quere zu kommen, ja man kann sie sich beide recht gut als zwei Parallelen denken, die in harmonischem Zusammenwirken die Geschicke Europas lenken und damit Garanten des Friedens sind."

<5rafßfafy ungarischer Außenminister

Budapest, 10. Dez. (DNB). Zum ungarischen Außenminister, als Nachfolger von Kanyas, ist der bisherige Kabinettschef im Außenministerium, Graf Stephan Csaky, ernannt worden. Graf Csaky, 1894 geboren, stand seit 1919, wo er seine Studien in Wien an der Konsular-Akademie sowie an der staatswissenschaftlichen Fakultät be­endet hatte, ohne Unterbrechung im ungarischen auswärtigen Dienst. Der erste Auslandsposten, den Csaky bekleidete, war der eines Legattonssekretärs bei der ungarischen Gesandtschaft am Vatikan. Nach einjähriger Verwendung im ungarischen Außen­ministerium kam er an die Bukarester ungarische Gesandtschaft, wo er von 1924 bis 1926 als Lega­tionssekretär tätig war. Nach 7jähriger Dienst­leistung im Inland, während der Gras von 1930 bis 1933 das Presseamt im Außenministerium lei­tete, wurde er 1933 als Legationsrat nach Madrid versetzt, wo er bis 1935 Geschäftsträger war. Seit 1935 war Graf Csaky Kabinettschef im Außen­ministerium und genoß als solcher das besondere Vertrauen des früheren Außenministers von Kanya.

ging schon aus dem ganzen Wahlkampf hervor, der saft keine der sonst an der Tagesordnung befind­lichen Zwischenfälle brachte. Die Opposition konnte völlig ungehindert ihre Versammlungen abhalten. Jeder Wahlberechtigte hatte einen Stimmschein er­halten, auf dem sein Wahllokal genau verzeichnet mar. Das ist für die Großstädte wichtig, weil näm= lich dort alle Leute alphabetisch abstimmen, wobei höchstens 1000 Abstimmungsberechtigte auf ein Lo­kal entfallen. So kam also der Belgrader Bürger Nikolaus Popowitsch vor das für seine Namens­vettern allein vorbehaltene Wahllokal (denn Popo- witsch gibt es in Belgrad im Verhältnis ebenso viel wie in Berlin Müllers oder Schulzes) in der König-Alexander-Straße. Wie in Deutschland hatte man den Raum einer Gastwirtschaft, diesmal das KaffeehausTopola" genommen. Man konnte dies umso eher, als von Samstag bis Montag unter schweren Strafen verboten ist. Alkohol auszu­schenken. Gendarmen sorgten für Ordnung.

Die Wähler werden der Reihenfolge nach, ein­zeln oder mehrere, jedoch nicht mehr als fünf auf einmal, eingelassen. Drinnen sitzen an einem Tisch der Vorsitzende mit zwei Beisitzern und den Auf­passern der verschiedenen Parteien. Der Wähler nennt feinen Vor- und Zunameki und bei den vielen Popowitschs auch den seines Vaters oder einen Bein amen, Beruf und Wohnung. Nach­dem auch sein Name in der Wahlliste festgestellt ist, zeigt ihm der Vorsitzende die au stiegen Öen drei Landeslisten. Daraufhin fragt er laut, denn e s wird öffentlich a b g e ft i m m t, für welche Liste er stimmen wolle. Der Wähler antwortet beispielsweise:Ich stimme für die Liste des Ministerpräsidenten Dr. Stojadinowitsch." Darauf­hin nennt er unter den verschiedenen Kandidaten dieser Liste den ihm genehmsten, z. B. in Belgrad den Namen des Oberbürgermeisters Ilitsch. Der Vorsitzende trägt in die Wahlliste ein, daß Nikolaus Popowitsch für die Liste Stojadinowitsch und den Kandidaten Ilitsch gestimmt hat. Daraus verläßt der Wähler das Lokal.

Natürlich ist eine solche Abstimmungsmethode