Einzelbild herunterladen

-Md, 1« im 10.1" . mitto 6« Wechandler

|h«r»o"

KL

tz-r öa S.S "Ä?

y-S»

"."'s« E,rt Lus

täten ttwf1 s? rff konnnt aus Oer den

t6 Ö£

* liunen hielt jPL dos rMsr gesprochen Son geinb« furchtdarstei

Samstag,

auf die tIege fflontag um fptud) NW tfunfien M gen zu erreic Mthsetzung abzufchließen. tigt eine Dep zur Uilteizeic

Um 2.15 : die entscheid« haben Sie ' auch genüge: ral Weygau Dolmetscher alle Artikel Haftesten Artikel - al b, h. der l fronen und jeligkeiten, gt bas nicht ja: regt Hervorst los unsere § serung wirt Gegner, Dei mit fiebensi Yens dauer an den Fr 11 Uhr fto

Um 520 Zuerst unt Deutschen, selow habe §eber greift tiem Mme fritf ift -beer. verei verhänc hebt sich zu abschieden \\t den Sitzen, Vill Uhr ti für Deutschs fensWstand, terhändlern rangen der 11 Uhr sah «onderzug aus allen Z Knter 156 Armeen ift

Mer zu "ach bem »wem wirö & 3*, r Gewalt seine 1* tviedergen nen wird an S8*

Vor 20Iahren im Wald von Compiegne!

rsT&E aSÄSsr.AU * e^ja»a«ÄW.*Ä

Es ist eine allgemeine Gewohnheit geworden, Fluß- und Bachtäler zur Sommerzeit zu besuchen, wenn der Fimmel mit blauen Farben schmeichelt und die Sonne die gnädige S)uID ihrer Wärme ver­schwendet. Aber auch im vorgeschrittenen Herbst hat eine auf wässerige Ziele gerichtete Fahrt höchst ro­mantischen Reiz: die Sonne leuchtet zwar schon blaß, ihr Bogen ift kürzer, ihre Kraft geringer, ihr Schein wärmt noch, aber er erhitzt nicht mehr, lieber den Wäldern, im Sommer eine gewaltige grüne Woge, kraftstrotzend und üppig, liegt schon eine Ahnung vom Sterben, zittert die gelassene Müdigkeit eines zu Ende gehenden Jahres Wie farbenselig doch das Sterben der Natur ist! Eine glühende Lust strömt von den Hügeln und brennt in den Alleen. In den Baumwipfeln hat sich die Todesflamme festgenistet

sie, und bald sind alle Wälder eine einzige Farben­flut aus Braun, Gold und prächtigem Purpurrot. Wo eine Schlucht sich öffnet oder ein Tal sich galtet, weht die Kühle, sticht ein geheimer Frost. Eine Kühle, die merkwürdig jäh über die Haut läuft und den

an den Südseiten abgefucht, um diese dem Gott der Heilkunst geweihte Natter zu finden, sozusagen am Busen der Natur vergeblich, welchen Stein ich auch umdrehte, und welchen Blattmulm ich auch durchstöberte eine freie und lebendige in der Hitze fchlafende Natter fand ich nirgends. Aber ich ent­deckt sie später, allerdings tot, sorgfältig in mit Spi­ritus gefüllte Gläser gelegt, in schönen runden Schlangenwindungen konserviert. Als Reklame für Aeskulap waren sie im Schaukasten der Apotheke ausgestellt, Symbol für die heilenden Wasser, die in vielen Quellen der Boden von Schlangenbad aus-

schüttet, ein Segen für die kranke Menschheit. Es gab auch hölzerne Schlangen, Nachbildungen in ver­schiedenen Größen, grün und gelb gestrichen, mit rvsaroten Mäulchen, ähnlich dem Mäulchen des zier­lichen schwarzen Mädchens, das diese Schlangen, zu­sammen mit Ansichtskarten, Gläsern, Ketten und an­derer Massenware der Fremdenindustrie, verkaufte. Es sah sehr hübsch aus, wenn sich so ein geschickt geschnitztes Schlänglein auf den sonnenbraunen Armen des Mädchens ringelte oder sich um den Hals der Evastochter legte. Und man wußte nicht, welche

jedenfalls unterlag man dem listigen Blick des Mäd­chens und ließ sich ein geschnitztes Schlänglein ver-

jahrzehntelang mit sich geschehen lasten. Die Bade- gäste wurden schließlich aber immer mehr und dem­entsprechend die Aeskulapnatter immer seltener

Einer der leidenschaftlichsten Liebhaber der Aes­kulapnatter war der Graf K. von Görtz, der sich in den Jahren 18531854 ungefähr vierzig Nat­tern in Schlangenbad fangen ließ, um sie dann auf seinem Landgut Richthof bei Schlitz in Hessen anzu- siedeln, wo sie sich auch vermehrt haben sollen und geblieben sind. Die Natter ist eine anmutige und flinke Römerin, von der ein Beschreiber vermerkt, daß ihre Leibesgestalt und ihre Bewegungen fast etwas Gelecktes, Elegantes und Hofmäßiges hätten.

Ein kleiner Wasserlauf hat auch seine Eigentüm­lichkeiten, nicht nur die großen und mächtigen Flüsse.

Als ich im Sommer durch das Tal fuhr, da war es mit Blumen geschmückt, das Grün war saftig und verlockte zum Derweilen. Nun schwebt der Nebel­duft des Herbstes über bem Wambachertal, wo die kleine Wambach, die spätere Walluff von einer lie­benswürdigen Nymphe an das Tageslicht geschöpft wird. Die Quelle ist rein, wasserkristallen, wirklich ein Geschenk der schönen Erde.

Bei SMngeybgd wird die Adex oder d-g

Signale. Nach 150 Meter schon tauchen die ersten blauen Uniformen auf. Dann strömen von allen Seiten französische Soldaten herbei:Finie la guerre? Händeklatschen undVive la France!"- Rufe. Zwei höfliche Offiziere geleiten die Wagen ins nahe La Capelle, lieber dem stattlichen Haus mit der Aufschrift .Kaiserliche Kreiskommandantur" weht die Trikolore. Seit dem Nachmittag erst sind die Franzosen eingerückt. Hier bleiben die deut­schen Wagen zurück, jeder Bevollmächtigte erhält ein französisches Auto und einen französischen Offi­zier zum Begleiter.50 Kilometer noch wird die Fahrt dauern."

Nachts 1 Uhr wird Station in einem einsam zer­schossenen Bauernhof, dem Sitz eines Armeeober, kommandos gemacht. Hier steht ein Abendessen be­reit. Die Haltung derGastgeber" ist äußerst kühl. Dann Weiterfahrt durch zerstörte Dörfer. Kein Lebewesen zeigt sich. 3m Licht des inzwischen auf- gegangenen Mondes ragen die Ruinen gespenstisch in die Luft. 4 Uhr morgens: Bahnhof Tergnier. Hier steht ein Sonderzug, Reiseziel unbekannt. Drei Stunden Fahrt, dann hält der Zug, 7 Uhr morgens, in einem Walde. Drüben auf dem andern Gleis steht ein ähnlicher Zug. Auf dieser Waldlichtung, in diesem Eisenbahnzug wird sich das Schicksal des Zweiten Deutschen Kaiserreiches entscheiden. Wo liegt dieser Wald? Wohin hat man die deutschen Unterhändler geführt? An unbefaimtem Ort werden sie den Spruch der Sieger erfahren, in einem Eifenbahnwaggon auf einer Waldlichtung irgendwo in Frankreich.

Um 9 Uhr morgens erreicht die Delegierten die Nachricht, daß Marschall Fach bereit sei, sie um

3m Paradies der Aeskulapnat er»

Von Anton (Schnack

Am 6. November 1918, mittags 12 Uhr, fyat die Regierung des Reichskanzlers Prinz Max von Ba­den die Mitglieder der Waffenstillstandskommission berufen. Zum Leiter bestimmt ist der seit vier Wochen zumStaatssekretär ohne Portefeuille" ernannte Abgeordnete Erzberger; ihm beigeordnet sind: General v.Gündell für die Heeresangelegen- heiten, Kapitän z. S. Banselow für Marinefragen, Gesandter Graf Oberndorfs für die Fragen der äußeren Politik. Am Abend fährt die Delegation mit Offizieren der Obersten Heeresleitung im Son- derzug nach Spa. 8 Uhr vormittags läuft der Zug dort ein. Kurz darauf ist Besprechung im Sitzungs- faal der Obersten Heeresleitung. An die Stelle v. Gündells ist General v. Winterfeldt, früher Mili­tärattache in Paris, getreten.

Bevor die Kommission die Wagen besteigt, er­scheint Generalfeldmarschall v. Hindenburg und sagt: ..Reifen Sie mit Gott und suchen Sie das Beste für unser Vaterland herauszuholen!" Mittags er­folgt die Abfahrt. Zuerst ein böses Omen: das erste Auto wird in einer scharfen Kurve gegen ein Haus geschleudert, das zweite fährt in das erste hinein; aber niemand wird verletzt. Langsame Fahrt durch Belgien, unaufhaltsam strömen den Wagen zu­rückflutende deutsche Heeresmassen entgegen. Bei an- brechender Dunkelheit Ankunft in Chimay. Um 9.20 Uhr wird die deutsche Front passiert. Ein biederer feldgrauer Schwabe fragt:Wo wollen Sie hin? ^Waffenstillstand schließen!"Das werdet ihr zwei grab fertig bringen!"

Die Wagen fahren in die Dunkelheit hinaus. Eine große weihe Flagge flattert über dem ersten Wa­gen, der mitgenommene Trompeter bläst fortgesetzt

Spätere Jahrhunderte haben die Aeskulapnatter nicht so heilig gehalten, man machte Jagd auf die schöne Natter, man zähmte sie und die ärmeren Leute führten sie den reichen Kurgästen vor, die es gruselte, wenn die heilige Schlange am Arm oder an der Hand des Fängers sich ringelte und zischte. Es gab auch Liebhaber, die sich eine Natter kauften und als Babeerinnerung Mitnahmen. Am Schluß der Badezeit wurden die übriggebliebenen und nicht- verkauften Revtllien wieder in Freiheit gesetzt, um nach langem Winterschlaf non neuem gefangen und, vorgrWtt weü>LL DLL lmchtes die. 'Luttern

genbach genannt, der eine wärmere Schwester, die sogenannte Warmbach, zusließt. An der Mündung, am Rhein, heißt der Wasserlauf die Walluff und ist ein schmächtiges und schmutziges Rinnsal, das man für Abfall und Ueberflüssigkeiten benutzt.

Im Sommer standen ein paar Angler an der Stelle, wo die Walluff,ber Bach", auf Nimmer­wiedersehen im großen Rhein verschwindet. Der Rhein ist wirklich ein mächtiger Vater, der die vielen kleinen Rinnsale mit Behagen schlürft. Im Herbst standen wieder Angler an der gleichen Stelle. Waren es immer noch dieselben? Bei Anglern kann man das nicht wissen. Sie hoben die GeduL, die ihre Stärke im Zeithaben hat. In ihren Augen spiegeU sich ber bleierne gewaltige Gang bes Rheines, herbst- grau und silberdunstig. Aus den Gaffen von Wallufs kommt ber Duft geschwefelter Fässer Trauben­maische und Keller sind in Betrieb. Ein kühler Windstoß fährt durch die Trauerweide am Ufer ein leichtes Geschwader von klirrenden Blättern, vom Sommer zermürbt und von den kühlen Näch­ten verwelkt, flattert aus dem Baumwipfel. Wie Perlmutter siebt ber Himmel über den Rebhügeln bei Rouental. Das liebenswürdige Tal des Schlan­genbaches hat einen Nebelstreifen im Abend auf- gehängt.

Lochschulnachrichten.

Dem Konservator Dozenten Dr Karl W e tz 1 e r wurde unter Ernennung zum ordentlichen Profes­sor der Lehrstuhl für animalische Physiologie an der Universität Frankfurt übertragen.

Der ao. Professor Dr. Lothar Wickert an der Universität Königsberg übernimmt im Win­tersemester an der Üniversttät Kölndie Vertretung ber durch das Ausscheiden von Professor Dr. Hase- broek freigewordene Professur für alte Geschichte

Der Dozent Dr. Werner Frauendienst an ber Universität Berlin, Legationssekretär im Aus­wärtigen Amt, würbe auf den freien Lehrstuhl für mittlere und neue Geschichte an der Universität Halle berufen.

Der o. Professor Dr. Eugen Mattiat an ber Universität Berlin wurde in gleicher Diensteigen- schäft an die Universität ttingen berufen; ihm wurde ein Lehrstuhl für deutsche Volkskunde mit be­sonderer Berücksichtigung ber niedersächsischen Volks­kunde übertragen.

wahrnehmen.

Der nb. ao. Professor Dr. phil. Hermann H e ue r in Kiel wurde ersucht, die Vertretung ber freien Professur für englische Philologie an ber UMversi- tut ffltütiUi to üteaämök

kaufen.

Die Aeskulapnatter ist ein verwunschenes Wesen. Sie hat einen recht amüsanten Roman. Die Natter (Coluber longissimus) haben die badefreudigen Rö­mer ihrem Gotte Aeskulap geweiht, ber mit einem Stab in der Hand dargestellt wird, um den sich eben diese besagte Natter ringelt, well sie ein vor­zügliches Klettertier ist. Die Römer waren nicht nur kühne Eroberer und prächtige Soldaten, sie waren auch etwas abergläubisch und liebten im nebel- und regenreichen Deutschland die warmen Naturbäder. Und in dem Mauerwerk ber Bäder ließen sie die heilige Aeskulapnatter wohnen, um der Gnade des Gottes immer teilhaftig zu fein. Die Aeskulapnatter hat sich in den warmen Bädern wohlgefühlt, hat sich vermehrt, und so geschah es, daß Schlangenbad im Taunus die meisten Aeskulapnattern aufwies.

10 Uhr zu empfangen. Als die Zett um ist, gehett sie, die Offiziere in Felduniform, zu Fachs Salon- wagen. Darin steht ein breiter Tisch, mit vier Plätzen auf jeder Seite, die eine ist für die Deut­schen bestimmt. Hinter ihren Stühlen stehend, er­warten sie den Gegner. Kurz daraus erscheint der Generalissimus der Alliierten. Ein kleiner Mann mit harten, energischen Zügen, die auf den ersten Blick die Gewohnheit zu befehlen verraten. Mtt ihm kommen ein französischer General und drei englische Seeoffiziere. Der Marschall grüßt milttärisch kurz. Kaum angedeutete Verneigung, Vorstellung der Delegierten, Ueberreichung der Vollmachten in die Hand des Marschalls, der auch die Namen seiner Begleiter nennt. Der General ist Weygand, ber Generalstabschef des Höchstkommandierenden, die Engländer sind der Erste Seelorb Abmiral Wemyß, Admiral Hope und Commander Bagot. Zugegen sind ferner je ein deutscher, ein französischer und ein englischer Dolmetscher. Amerikaner, Italiener

und Belgier find nicht vertreten; hier spricht für alle Alliierten nur das Oberkommando Frankreichs und Englands.

Für kurze Zeit verläßt Fach «mtt seinem Gefolge den Raum, um die Vollmachten zu prüfen. Dann kommt er zurück und fragt in französischer Sprache: Was führt die Herren hierher? Was wünschen Sie von mir?" Der Delegationsführer erwidert, sie seien gekommen,um den Vorschlägen für einen Waffenstillstand zu Lande, zu Wasser, in ber Lust und an allen Fronten entgegenzusehen". Foch er- wibert kurz:Ich habe keine Vorschläge zu machen!" Der Hinweis auf die letzte Note Wilsons wirb mit Schweigen beantwortet, dann befiehll Foch General Weygand, dieBedingungen" des Waffenstillstandes zu verlesen. Die Dolmetscher über­setzen sogleich den Text. Der Marschall sitzt mit steinerner Ruhe am Tisch, nur manchmal zupft er energisch seinen Schnurrbart. Admiral Wemytz täuscht große Gleichgültigkeit und Nichtachtung vor, kann aber durch sein Spielen mit Monokel und Hornbrille die innere Aufregung nur schlecht verbergen. Wäh­rend des Lesens schweigen beide Delegationen, bann bitten die Deutschen um Gelegenheit, durch Radio- Telegramm mit Regierung und Hauptquartier in Verbindung zu treten. Marschall Foch lehnt öffent­liche Weitergabe durch gewöhnlichen Funkspruch ab und stellt chiffrierte Absendung frei, eventuell Ent­sendung eines Sonderkuriers: 72 Stunden hat Deutschland BedMkfrist für Annahme oder Ableh­nung. Die deutschen Delegierten bitten um Verlänge­rung auf 96 Stunden. Ein Kurier brauche allein für den Hinweg zum Hauptquartier 12 Stunden, Chif­frierung des ganzen Textes komme nicht in Frage. Aber Foch lehnt die Fristverlängerung ab, desgleichen vorläufige Waffenruhe für die Zeit der Prüfung. Er fei durch feste Richtlinien der Allierien gebun­den; Verhandlungen über die Bedingungen feien unter keinen Umständen zugelassen; es gäbe nur Annahme oder Ablehnung, kein drittes.

Dreiviertel Stunden dauert die Sitzung, aber we­nigstens ist erreicht, daß am Nachmittag zwilchen den deutschen Delegierten und den Begleitern Fochs prinate" Besprechungen stallfinden dürfen. Um 1 Uhr reift Rittmeister von Helldorf, Dolmetscher- Offizier der deutschen Kommission, mtt dem furcht­baren Dokument der Bedingungen zum Großen Hauptquartier ab. Das Oberkommando verspricht Er­leichterung beim Ueberschreiten der Linien, fünf Stunden nur werde die Fahrt zur deutschen Front dauern. So hat man also in der Nacht zuvor die deutschen Delegierten kreuz und quer durch Nord­frankreich gefahren, um ihnen den Verhandlunas- ort zu verschweigen. Schnell gelangt der deiche Offizier zur französischen Front, aber fünf Stunden lang glückt es ihm nicht, zur deutschen Linie hinüber­zukommen. Unter Nichtachtung jeder Lebensgefahr habe er es immer wieder versucht, sagt der fran­zösische Begleitoffizier später, aber die deutschen

her nur auf deutschem und niederländischem Boden geführt worden war. Jakob wurde nach Frankreich zurückgeworfen. Dor allem aber gelang es der eng­lisch-holländischen Flotte, die französische bei dem Vorgebirge La Hogue an der französischen Ka­nalküste so vernichtend zu schlagen, daß damit die englische Seeherrschaft ein für allemal als begründet galt. Wilhelm III. sah vor seinem geistigen Auge schon den Endkampf gegen Frankreichs Vorherr­schaft in Europa, wenn er auch fühlte, daß es ihm nicht vergönnt sein würde, sein glückliches Ende zu erleben. Aber er traf seine Maßnahmen für alle Fälle. Er sicherte die prote st antische Erb­folge in England ebenso sehr, wie er noch kurz vor feinem Tode 1702 ein Bündnis aller Frank­reich umgebenden Staaten für den eben anhebenden Spanischen Erbfolgekrieg zustande brachte. Ja, er dachte auch schon an den Friedensschluß, der 1713 endlich in Utrecht erreicht wurde. Dieser wurde zum Vorbild aller englischen Friedensschlüsse. England vertrat hier zum erstenmal den Standpunkt des europäischen Gleichgewichts, d. h. es war gewillt, hinfort nicht mehr die Vorherrschaft einer einzigen Macht zu dulden. Die Festlands­mächte sollten untereinander das Gleichgewicht halten.

Mit diesem Schritt gab England nicht nur seine insulare Abgeschlossenheit auf, es übernahm auch da­mit Europa gegenüber eine Verpflichtung hinsicht­lich. der von ihm mit geschaffenen und gebilligten politischen Verhältnisse. Dies geschah allerdings in erster Linie, um in seinen überseeischen Absichten möglichst wenig gestört zu werden. Schon auf dem Frieden zu Uttecht zeichneten sich die Zukunstslinien ber englischen Weltpolitik ab: einmal durch den Ausbau der englischen Stellung auf der amerikani­schen Gegenküste dadurch wurde der Nordatlantik ein ausgesprochen englisches Meer und zum an­dern durch den endgültigen Erwerb der Felsen­festung Gibraltar am Eingang des Mittelmeeres. Damit tauchte Indien am Horizont auf. Mit der Nennung dieses Namens ist das Wesentliche über das englische Weltreich in seiner heutigen Gestalt gesagt. Zugleich wird die Berechtigung erkannt, je­nes 5. Novembers 1688 zu gedenken, an dem eine wohl einzigartig kühne Tat unter glückhaften Zeit- Verhältnissen geschah, wo jedoch mehr noch die sitt­liche Haltung des Helden geiftige und seelische Vor­aussetzungen für eine beispiellose Entwicklung schuf.

W. H. Dreyhaus.

Oer Geburtstag -es modernen Englands DieGlorreiche Revolution" vor 25vJahrcn Am 5. November 1688 landete der holländische Statthalter Prinz Wilhelm von Oranien mit 600 Schiffen, darunter 50 Kriegsschiffen, in der Tor Bay an ber Südwestküste Englands. Er folgte einem Ruf des englischen Parlaments, den Thron Jakobs II. Stuart, (eines Schwiegervaters, für sich und seine Gemahlin in Besitz zu nehmen oder, wie die Umkleidungsformel damals hieß,das Land von Papismus und der Sklaverei zu be­freien". Die unblutige Durchführung dieses Unter­nehmens, das äußerlich in erster Linie einen dyna­stischen Charakter trägt, hat schon die Zeitgenossen zu der BezeichnungGlorreiche Revolution" ver­anlaßt. Tatsächlich darf aber dieser 5. November, im Zusammenhang der Dinge betrachtet, eine weit höhere Bewertung beanspruchen. Die sich aus ihm herleitende Entwicklung berechtigt dazu, in ihm den Geburtstag des modernen Englands ZU sehen.

Die Zeit zeigte sich dem Unternehmen Wil­helms III. günstig. Ludwig XIV. hatte soeben den sogenannten pfälzischen Raubkrieg begonnen, im Deutschen Reich aber einen nicht erwarteten Wider­stand gefunden. Er fesselte ihn derart, daß Holland vor einem Angriff geschützt erschien. Da außerdem in eben diesem Augenvlick eine persönliche Span­nung zwischen Jakob II. und Ludwig XIV. ent­stand, so kam eine Hilfeleistung des letzteren so schnell nicht in Frage. Wilhelms Vorgehen in Eng­land führte deshalb zu raschen (Erfolgen. Dabei zeigte sich die sittliche Größe des Dramers in be­merkenswerter Weise. Jakob war von seinen An­hängern aufs schmählichste verlassen und schließlich sogar gefangen bem König Wilhelm zugeführt wor­den. Dieser ließ ihn aber nach Frankreich ent­weichen. Er wollte seinen Schwiegervater nicht als Hochverräter vor Gericht sehen. Dieser menschliche Zug kennzeichnete wie kein anderes Ereignis die Sachlage: England sollte einer neuen Zeit in der inneren wie der äußeren Politik zugeführt werden. Es begannen sich Lebensgesetze durchzusetzen, die auf beiden Gebieten bis heute im wesentlichen ihre Gültigkeit behalten haben.

Namrgemäß drängten die innerpolitischen Schwie­rigkeiten am meisten zur Klärung. Ein solch folgen­schwerer Schritt wie die Ausschaltung der Stuart- dynastte wäre nicht notwendig geworden, hätte diese nicht selbst durch ihre Willkürakte und Uebergriffe trotz der durch Cromwell empfangenen Lehren das ganze Jahrhundert seit dem Tode ber großen Eli­sabeth in Aufregung versetzt. Wilhelm III. kenn­zeichnete seine Zukunftsabsichten auf der Fahnen­inschrift seines Admiralsschiffes:Für die prote­stantische Religion und für ein freies Parlament!" Ihren tiefsten Sinn entwickelte er jedoch erst bei der Durchführung. Er faßte den Kampf für den Pro­testantismus nicht als eine gewaltsame Durchsetzung dieser Lehre in England auf, wie es dem Wechsel­spiel der letzten 150 Jahre entsprach, wo die jeweils siegende Macht die unterliegende mit blutiger Strenge unterdrückte. Ja, er war sogar von Haus aus Calvinist und paßte eigenttich überhaupt nicht zu der in England herrschenden anglikanischen Hoch­kirche. Allein der Umstand, daß ihn diese nach Jahrzehnten sovielen Leids mitgerufen, und die Er­fahrungen seines eigenen Hauses in Holland brach­ten ihn von vornherein auf den Weg der religiösen Duldsamkeit,. den überdies auch die sich allmählich immer stärker durchsetzende Geisteshaltung der Auf­klärung forderte. Wilhelm III. erreichte im Augen­blick durch dieT o l e r a n z a k t e" zwar nur eine bedingte Duldung der Bekenntnisse, d. h. er ver­hinderte jene Rachepolitik, die vorher soviel eng­lisches Blut gefordert hatte. Aber er gelangte da­durch zuletzt doch auf den Weg zum Ausgleich der Gegensätze innerhalb des englischen Volkes Über­haupt.

Vor allem auf politischem Gebiet! Hier am ersten, weil die beiden großen englischen Parteien auch aus religiösen Wurzeln entsprungen waren. DieWighs" (nach den radikalen Anhängern Cromwells in Schottland so genannt) gingen zurück

auf die von ber Hochkirche nicht anerkannten D i s - f e n t e r s (Puritaner, Sekten u. a.), die Tories (Spitzname für die irischen katholischen Wegelage­rer), auf die Geistlichkeit der anglikanischen Hoch­kirch e. Die eine besaß ihre Anhänger vorwiegend in der Kaufmannschaft und dem gewerblichen Mit­telstand, die andere auf dem Lande bei dem Grund­besitz. Die Führer stellten indessen für beide der hohe Adel, je nachdem seine Vertreter sich der for­dernden Gruppe der Wiahs oder der verteidigenden der Tories anschlossen. Da die beiden letzten Stu­arts bei ihren Katholisierungsbestrebungen die Rechte des Parlaments oft genug mißachteten, sahen sich beide Parteien bedroht und auf Die gemein­same Verteidigung der 1 überkommenen Volksrechte und Freiheiten angewiesen. Damit fanden sie ge­wissermaßen ihr Vaterland.

Darüber hinaus aber noch mehr! Waren die Par­teien jetzt gleichberechtigt, bann mußte auch die Rechtsprechung unparteiisch geübt werden. Die Kritik am öffentlichen Leben genoß bes rechtlichen Schutzes, ja, man erörterte sogar schon dieFrei­heit des gedruckten Wortes" in England. Man fand, daß es zur unveränderlichen Natur des Menschen gehöre, in Fragen des Geistes verschiedene Mei­nungen zu haben. So bahnte sich die Gewis­sensfreiheit als der Urgrund aller Freiheit an. Wilhelm III. konnte sich aus ber holländischen Ucberlieferung solche ©ebantengänge leicht zu eigen machen. Tatsächlich wich die zermürbenbe Eifersucht zwischen Krone und Parlament einer verständnis­vollen Zusammenarbeit, in ber allerdings allmählich bas Parlament die Führung verlangte. Dem Aufklärer John Locke war unter Wilhelm ein schöner ßebensabenb beschieben. DieErklä­rung der Rechte" vom 13. Februar 1689 bradjte bem einzelnen Engländer größere Freiheit, als er sie je genossen, Staat und Reich aber verlieh sie neue Kraft. .

Und darum war es Wilhelm III. in erster Lime zu tun. Er bemühte sich nicht sonderlich, die Zu­neigung des englischen Volkes zu gewinnen. Mehr lag ihm an seiner Achtung. Und diese gewann er durch seine Politik und den festen Willen, mit dem er sie durchführte. Die aus Hollands Abwehr gegen das Dordrängen Ludwigs XIV. zum Rhein sich er­gebende Frontstellung Frankreich gegenüber, mußte er in England verlängern, weil Jakob II. mit irischen und französischen Truppen in Irland einen neuen Schauplatz des Krieges schuf, der bis-

Nacken betastet.

Seltsam, lautlos und schläfrig ist ein berühmtes Bad im Herbst.

Als ich im Sommer Schlangenbad besuchte, standen die Portiers unter den Gasthof- und Hotel- türen und zeigten ein erwartungsvolles Lächeln, das bedeuten sollte: Steigen Sie aus und bleiben Sie, Herrschaften, trinken Sie von unseren warmen Quellen und unser gekühltes Bier; wir haben gerade noch ein Zimmer frei, Zimmer mit fließendem Was­ser und Ausblick auf den Wald!

Jetzt im Herbst sind die Läden an den hübschen; Hotels geschlossen und die angepriesencn Zimmer sind alle frei. Die sanften Mädchen und die unter­nehmungslustigen Herren, die im Sommer aus den Fenstern schauten und den Vorüberfahrenden unver­bindliche Grüße nachwinkten, sind in die vielen Städte oerwsht, sind wieder schreibmafchinenbeflissen, bürobefangen und arbeitswütig.

Wer nach Schlangenbad kommt, fragt nach den stinken, ungefährlichen und hübsch oeieichneten Aes- fulapnattern, die den Eroberungsrn-en her Römer in das deutsche Waldtal folgten. Bei meiaem Som- vierbejuch vpn Schlangenbad habe die HäM

Außer den heißen Quellen, deren Zahl ungefähr zehn beträgt, und außer den Aeskulapnattern hat das Schlangenbachtal auch eine literarische Merk­würdigkeit, den Musensitz. Das ist nun nicht so zu verstehen, daß in dem Aussichtstemvelchen mit schö­ner Sicht auf Wald, Bad und Tal, Die neun Musen, die Tochter Des Zeus und der Mnemosyne, Klio, Euterpe, Thalia, Melpornene zum Beispiel, die leicht­geschürzten, die heiteren und die ernsten. Darin sitzen und sich Gedichte und Epen erzählen nein, Liebes­paare schwelgen da, Die Verschollenheit aufsuchen und die vom Wald Durchrauschte Einsamkeit, Lie­bende, die mit den Lippen Die schörfften und nie veraltenden Gedichte Der Zärtlichkeit üben. Manch­mal versehen auch Feriengäste, angeregt von soviel romantischer Umgebung, ihre Ansichtskarten an Der- manDte und Büromitbewohner mit knorpeligen und eckigen Reimen. Aber Musensitz heißt Das Tempel- chen deswegen, weil hier der Dichter I. H. D. Z s ch o k k e gerne gesessen und gedichtet hat. Wer Zschokke war? Zschokke, ein ziemlich unruhiger und jäher Dichter, halb abenteuerlichen, halb bürger­lichen Wesens, war einmal ein geliebter und frucht­barer Sensattonsschriststeller, 1771 bis 1848, der mit seinem RomanAdällino, ber große Bandit" eine Lesewut sondergleichen entfachte und ein Reißer I für die Leihbibliotheken Der Damaligen Zeit war.

Steintjäqer-

Urquell

würzig müd_- mit dem bekannten Schinkenbilö i