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Geschichten aus aller

elt

;u «macht den Wohlstand

Seit etwa 150 Jahren setzten in der Chemie jene Anstrengungen methodisch ein, zwischen dem kritisch messenden und wägenden Erforschen des Wesens der Stoffe und der chemisch-technischen Produktion einen Bund zu stiften, der zur Wechselwirkung der geistigen und technischen Kräfte im Gesamtprozeß des chemischen Schaffens führen sollte Die chemische Industrie als eine wissenschaftlich ge­leitete Fabrikation im großen Stil wurde damals geboren, als man die Ueberzeugung gewann, durch planmäßige theoretische Vorausberechnung müsse es möglich sein, Voraussagen zu «machen über das, was man Herstellen könne, um den Wohlstand des Volkes zu vermehren und auch Ware abzu­setzen. Es war deshalb ein entscheidender Augenblick in der Geschichte der chemischen Industrie, als die Wirren der französischen Revolution die spanische Zufuhr von natürlicher Soda nach Frankreich ab­

schimmert. Die Haare sind im Nacken kurz ge-schnit- ten, während der Schädel mit weichen Locken ge­schmückt ist, die zeigen, daß die Dauerwellen keines­wegs eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts find. Der Sarkophag enthielt außerdem ein vollständiges

V.

DieGeburtt stunde einerMustrie

Chemie erschließt die Welt.

Von den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters.

Zeitschriften.

Der Beitrug von Hans Henning Frhrn. Grote in der Novemberfolge von W e st e r m a n n s Monatsheften" beweist nicht nur die Gefähr­lichkeit der gegnerischen Propaganda im Weltkriege, sondern untersucht auch Mittel, Wege und Wir­kungen der Propaganda in früheren Zelten. Dr. Ulrich Lübbert schreibt über das Winterhilfswerk und seine Sammelabzeichen. All die kleinen kunslle- rischen Plaketten und Abzeichen in Holz, Kunstharz vver Bernstein, die jeder am Tage der Reichs­straßensammlungen bisher getragen hat, um einen kleinen Teil beizutragen zu den Aufgaben und Zie­len, die das WHW. verfolgt, finden wir m den Originalfarben wiedergegeben. Hjalmar Kutzleb schreibt über das Kameradschaftshaus Windhos Weilburg, in dem der künftige Volksschullehrer seine entscheidende Ausbildung empfängt. -Liele Bilder zeigen die Umwandlung des alten .Schloßes und zeugen davon, daß junge Menschen in Weu- burg eine Ausbildungsstätte erhalten haben, wie sie zur Vorbereitung für den Lehrerberuf besser wohl nicht gefunden werden kann.

Geschichte zurückgehen muß, um etwasNeues UHU ter der Sonne" zu finden.

Owen ihr zufällig in Paris begegnete, forderte sich sie zum Pistolenduell heraus; der Kampf fand wirk* lich in Versailles statt und endete mit einer schweren Verwundung der Verleumderin. Das Gericht Der* urteilte Lady Owen zu fünf Jahren Gefängnis, die ihr jedoch zum großen Teil erlassen wurden.

Nach diesen Ereianissen begann die leidenschaftliche Künstlerin ein verschwenderisches Leben, kaufte die kostbarsten Toiletten und schmückte sich mit Juwelen aller Art, so daß sie bereits nach wenigen Jahren vor dem Nichts stand und nicht nur alle ihre Ju* welenschätze verpfänden, sondern wegen ihrer Schul* den auch vor Gericht erscheinen mußte. Die Zeitun* gen, die diese Geschichten ausführlich berichteten, kamen irgendwie auch an den Millionär MacCal, der, der mondänen Welt überdrüssig, in Honduras lebte. Er verliebte sich in die launische Witwe. Tag für Tag bestellte er telegraphisch bei einem großen Londoner Blumenhändler einen riesigen Orchideen­strauß, der ihr in das Gerichtsgebäude gebracht werden mußte, und schließlich machte er ihr einen Heiratsantrag. Die heute 42jährige Frau nahm seinen Antrag an und entschied sich für das primitive Leben, für immer Verzicht leistend auf das ihr jetzt eitel erscheinende Treiben der vornehmen Welt.

D*r Ruf der Wälder.

C. K. Bukare st.

Ein seltsamer Vorfall, der in der ganzen Gegend das größte Aufsehen hervorrief, hat sich in Susag, einem Dorf in den transsiloaniscl)en Alpen, ereig­net. Vor drei Jahren hatten einige Holzfäller, als sie von der Arbeit nach Hause zurückkehrten, misten im Walde ein Wesen erblickt, daß ein Mensch zu sein schien, das ober, als es ihrer ansichtig wurde, schleunigst zu fliehen versuchte. Die Leute hatten es jedoch verfolgt und eingefangen und brachten es nach Susag. Hier konnte man feststellen, daß man die damals 15jährige Ioana Mandria, die Tochter eines Dorfbewohners, vor sich hatte, die zehn Jahre vorher als kleines Kind eines Tages aus dem Elternhause verschwunden war. Auf alle Fragen der Familienangehörigen antwortete sie nur, indem sie unverständliche Worte stammelte und Laute aus­stieß, die merkwürdig dem Geheul der Wölfe ähn­lich klangen. Man nahm daher an, daß das Kind die ganze Zeit über gemeinsam mit den Tieren des Waldes gelebt hat. Allmählich begann jedoch dos völlig verwilderte Mädchen sich an die menschliche Gesellschaft zu gewöhnen, und dank den liebevollen Bemühungen ihrer Umgebung lernte sie sprechen, später auch lesen und schreiben. Sie schien so völlig dem Leben wiedergegeben, daß sie sich vor einigen Monaten mit Joan Petrovici verheiratete, und sie erwies sich auch als eine gute Hausfrau, die sich große Mühe gab, alle ihre Pflichten zu erfüllen.

Da trat vor einigen Tagen eine sensationelle Wendung ein. Sie ging mir ihrem Manne durch den Wald, in dem sie vor drei Jahren wieder­gefunden worden war, als plötzlich in größerer Ent­fernung das Geheul eines Wolfes herüberklang. Kaum hatte sie dieses vernommen, als die Frau einen Augenblick stehen blieb, dann gab sie ihrem Manne, der sie untergefaßt hatte, einen Stoß und rannte in wildem Laufe durch den Wald davon, in der Richtung, von der das Geheul des Wolfes gekommen war. Der Mann eilte ihr nach, ober sie war bald seinen Blicken entschwunden. Er lief dar­auf nach Susag zurück, und auf seinen Bericht machten sich verschiedene Gruppen von Dorfbewoh­nern auf und durchstreiften tagelang die Wälder der Gegerü), es war ihnen jedoch nicht möglich, von Ioana eine Spur zu finden...

Schneiderkünste in Hollywood.

C. K. Hollywood.

Alle Schneider in den Werkstätten von Hollywood haben ständig eine schwierige Aufgabe zu lösen: sie müssen die Starsvergrößern". Genauer gesagt, ie müssen den Anschein erwecken, daß sie größer ind, als es die Natur vorgesehen hat.Es ist eine unserer schwersten Aufgaben", erklärte Mr. Orry Kelly, der bei den Warner Bros seine Schneider­künste zu betätigen hat,die Stars von kleinem Wuchs für den Eindruck um einige Zentimeter grö­ßer zu machen. Die meisten der weiblichen Stars von heute sind recht klein. Das ist gewiß ein großer Vorteil, wenn die jugendlichen Liebhaber neben ihnen erscheinen und Nun besonders stattlich und gut gebaut wirken. Aber es gibt genug dramatische Sze­nen, in denen auch die Heldinnen genügend Größe hoben müssen, um Eindruck zu machen. Denn es da fehlt, muß man sich an den Schneider um Hilfe wenden. Wir müssen für Stars wie Bette Davis, Olivia de Havilland und Priscilla Lane Kleider ent­werfen, in denen sie gut zehn oder zwölf Zenti­meter größer aussehen als sie wirklich sind, wenn sie in den Szenen die Hauptrolle spielen. Wenn man ihre Bllder in Filmen sieht, wird man kaum glau­ben, daß die drei Genannten unter 1,57 Meter messen.

Die Grundsätze, nach denen wir arbeiten, um einen solchen Eindruck hervorzurufen, können jeder Frau von kleiner Statur, in Hollywood und auch anderswo, nützlich werden. Vor allem ist es die Linie der hohen Taille, dis den Eindruck von Große her­vorruft. In dem FilmDark Victory" legte Bette Davis besonderes Gewicht darauf, größer auszu­sehen als sie wirklich ist. Alle ihre Kleider, übrigens die ersten Gesellschaftskleider nach der jetzigen Mode, die sie seit über einem Jahr in den Filmen getragen hat, haben die hohe Taille und lassen chre Beine lang erscheinen. Enganschließende Röcke verstärken den Eindruck noch. Wir sind gehalten, einheilliche Töne für die Röcke zu wählen, mit Füllungen an den Seiten über die ganze Länge. Hüte, die mög­lichst hoch sind, ungewöhnlich hohe Absätze und dicke Sohlen tragen gleichfalls dazu bei, der Hohe einige Zentimeter der Erscheinung der Bette Davis hinzu­zufügen. Das sind Anregungen, die allen Frauen dienen können."

Eingeborenen dargebracht wurden, bestanden in Zuckerrohrstücken, exotischen Früchten, Eiern, einem Schwein, einem wilden Pferde und zahlreichen Amuletten. Das Ehepaar wird in dem kleinen Fort Puntagorda wohnen und hat feierlich geschworen, nie wieder in die zivilisierte Welt zurückzukehren.

Es ist eine abenteuerliche Laufbahn, die eine Frau dazu gebracht hat, nachdem sie auf den Bühnen der englischen Hauptstadt auch wegen ihrer Schönheit Triumphe gefeiert hatte, als sie noch Edmee Dor- meuil hieß, schließlich in der Einsamkeit des Ur­walds enden läßt. Damals hatte sich der Millionär Sir Theodore Owen in sie verliebt und sie gehei­ratet; als er im Jahre 1926 starb, erbte seine Witwe das stattliche Vermögen von 100 000 Pfund. Eines Tages erfuhr sie, daß eine Dame der englischen Gesellschaft sich in wenig schmeichelhaften Ausdrücken über ihre eheliche Treue geäußert habe. Als Lady

Dauerwellen vor 3vvv Jahren.

B. Paris.

Eine Gruppe von Archäologen, die Ausgrabungen in Südarabien im Palast derKönigin von Saba" unternommen hatte, ist jetzt nach Paris zurückge­kehrt und bringt in ihrem Gepäck einen außerordent­lich kostbaren Fund mit, die Mumie einer Prinzes­sin, die Zeitgenossin der berühmten Königin gewesen ist. Nach den Untersuchungen, die die Gelehrten an der Mumie angestellt haben, ist diese Prinzessin vor etwa 3000 Jahren in blühender Jugend gestorben. Ihre Hände sind vollkommen erhalten und zeigen noch die Spuren der sorgfältigen Maniküre, die in jener Zeit ausgeübt wurde. Ebenso überraschend ist die Tatsache, daß der Schädel noch mit einer wun- derbaren Haarfülle bedeckt ist, die ganz mahagonirot

Im Herzen des Urwaldes von Britisch-Honduras, in Stann Creek, hat kürzlich eine romantische Ehe­schließung stattgefunden. Lady Edmee Owen, die vor zwanzig Jahren ein leuchtender Stern am Theater- 4jer ounupyug eiuyieu uußcivcm «m uvu|iutiyiac= Himmel Londons war, hat Captain Werner MacCal, Toilettennecessaire jener Zeit: Nagelfeilen, Haar- einen Multimillionär und Dlstriktsgouverneur von nadeln in Elfenbein, winzige Scheren, eine Pm- Honduras, geheiratet. Kein Weißer, außer dem die zette für die Entfernung der Haare, Schnunktöpfe Trauung vollziehenden Priester, nahm an der Feier und ehren Bronzespiegel. Man muß sich angesichts teil. Die Hochzeitsgeschenke, die ausschließlich von dieser Funde wirklich fragen, wie weit man m die

Soldaten hätten geschossencomme les diables, wie die Teufel.

Am frühen Nachmittag treten die Delegierten beider Seiten zur Sitzung zusammen. Schnell zeigt sich, daß die Feinde, mißtrauisch und immer noch furchtsam vor einer Wideraufnahme des deutschen Angriffs jede Verhandlung, es sei denn über prak­tische Fragen und untergeordnete Einzelheiten, ab- lehnen. Auf den Hinweis, daß die Alliierten das gleiche täten, was sie früher, beim Frieden von Brest-Litowsk, den deutschen Siegern gegenüber dem unterlegenen Rußland oorgeworfen hätten, kommt aus englischem Munde die kalte Antwort: Wer den Wind in den Segeln hat, hat den Er-

&t5 die deutschen Unterhändler an diesem Abend schlaflos auf den schmalen Betten ihres Schlaf­wagens liegen, wissen erst ganz allein von 75 Mil­lionen Deutschen, sie und der Rittmeister, der um diese Zeit noch im Feuer der deutschen Front auf französischer Seite wartet, daß an diesem Tage das Todesurteil über die Großmacht Deutschland gesprochen ist, die vier Jahre lang einer Welt von Feinden siegreich getrotzt hat, um nun den furchtbarsten Kanossagang der Geschichte anzutreten.

Samstag, den 9., übergibt die Delegation den Franzosen deutsche Gegenvorschläge, am Abend überbringt ein französischer Offizier einen Funkspruch des Reichskanzlers, der Kaiser habe ab­gedankt, der Kronprinz auf den Thron verzichtet. Am 10. sind Besprechungen des deutschen Kapitäns mit den britischen Seeoffizieren. Abends geht den Unterhändlern Fachs ablehnende Antwort

winterhilfswerk" tm Begriff sozialen handelns?

auf die Gegenvorschläge und ein Mahnschreiben zu: Montag um 11 Uhr laufe die Frist ab. Ein Funk- fpruch Hindenburgs fordert den Versuch, in neun Punkten Erleichterung der gegnerischen Forderun­gen zu erreichen; der Funksprüch schließt:Gelingt Durchsetzung dieser Punkte nicht, so wäre trotzdem abzuschließen." Gegen Vzll Uhr nachts bevollmäch­tigt eine Depesche des Reichskanzlers die Delegation zur Unterzeichnung.

Um 2.15 Uhr nachts am 11. November beginnt die entscheidende Sitzung. Foch fragt:Messieurs, haben Sie unsere Antwort bekommen?"Ja, auch genügende Vollmachten 3um Abschluß". Gene­ral Äeygand verliest den Vertrag, der französische Dolmetscher überträgt ihn Punkt für Punkt. Um alle Artikel entsteht eine heftige Debatte, am leb­haftesten allein eine Stunde lang über diesen Artikel als es um die Fortsetzung der Blockade, d. h. der Aushungerungspolitik gegen Frauen und Kinder nach dem Ende der Feind­seligkeiten, geht. Graf Oberndorfs sagt:Mir scheint das nicht fair", worauf Admiral Wemyß sehr er­regt hervorstößt:Nicht fair? Sie haben auch wahl­los unsere Schiffe versenkt!" Eine wichtige Verbes­serung wird erreicht durch die Verpflichtung der Gegner. Deutschland während des Waffenstillstandes mit Lebensmitteln zu versorgen. Bis 5.12 Uhr mor­gens dauert die Debatte. Der Waffenstillstand tritt an den Fronten sechs Stunden später, vormittags 11 Uhr französischer Zett, ein.

Um 5.20 Uhr beginnt die Unterzeichnung. Zuerst unterschreiben Foch und Wemyß, dann die Deutschen. General v. Winterfeldt und Kapitän Dan- fetoro haben Tränen in den Augen, als sie zur Feder greifen. Und dann stehen alle Namen unter dem Dokument, jetzt ist es geschehen. Der Welt­krieg rft beendet, aber über Deutschland die Skla­verei verhängt. Der deutsche Delegationsführer er­hebt sich zu einem Schlußwort. Um 5.30 Uhr ver­abschieden sich die Delegationen durch Erheben von den Sitzen, ein Händedruck wird nicht gewechselt. 1/2II Uhr vormittags empfängt die Delegation die für Deutschland bestimmte Originalurkunde des Waf­fenstillstandes. Wenigstens ist es den deutschen Un­terhändlern geglückt,' in etwa 15 Punkten Milde­rungen der Forderungen Fachs zu erzielen. Gegen 11 Uhr fährt, mit verhängten Fenstern, der deutsche Sonderzug nach Osten ab. Punkt 11 Uhr schweigt auf allen Teilen der Front das Feuer der Geschütze. Hinter 1562 Tage übermenschlichen Ringens der Armeen ist der Schlußpunkt gesetzt.

Aber zu gleicher Stunde beginnt der Krieg nach dem Krieg, der fast fünfmal so lange dauern wird, wie der Krieg der Waffen. Dann wird sich zeigen, daß das deutsche Volk ungeachtet aller Gewellt seine Freiheit und Einheit großartiger denn je wiedergewonnen hat; das Volk der 70 Millio­nen wird an den Leiden dieser .zwei Jahrzehnte nicht zugrundegehen, sondern durch sie zu dem lebendig­sten Leben feiner Geschichte erwachen. J. Möller.

schnitten und die Französische Akademie der Wis- enschaften einen Preis von 12 000 Livres aussetzte ür die Erfindung der künstlichen Herstel­lung der Soda aus gewöhnlichem Kochsalz. 1789 begann Nicolaus Leblanc mit seinem ersten Experiment, 1791 patentierte man sein Verfahren. Arn 16. Januar 1806 schoß sich der Erfinder im Ar­menhaus von St. Denis. Die Wirren der Zeit hatten ihn ruiniert, den ausgesetzten Preis hat die Fran­zösische Akademie dem großen und tragischen Manne nie ausgezahlt. Der Leblanc-Sodaprozeß, der zu einer großartigen Entfaltung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England kam, ist das aller­erste großtechnische Verfahren der anorganifch-chemi- chen Großindustrie.

Die rein forscherisch erzielte Erkenntnis Lavois- siers und anderer bildete die geistige Grundlage. Technisches Geschick und wissenschaftlicher Scharfsinn fanden ein reiches Feld der Betätigung, befruchteten sich gegenseitig, entwickelten das Verfahren zu einer Bedeutung, die ihm gestattete, die gesamte chemische Industrie aller Kulturländer und den Chemikalien­handel der ganzen Welt zu beherrschen. Es mußte aber noch der aus der allgemeinen Naturerkenntnis jener schöpferischen Geburtsstunde der Chemie stam­mende entscheidende Grundgedanke, daß im gesam­ten Haushalt der Natur kein Stoff wertlos sei und verloren gehe, zu einer klaren und formu­lierten Erkenntnis kommen, damit man, dem Vor­bild der Natur entsprechend, eine vollkommenere und rentablere Gestaltung der chemisch-technischen Pro­zesse in der Verwertung der Abfall- und Nebenpro­dukte planen konnte. Zum ersten Male hat beim Leblanc-Sodaprozeß eben diese Frage der Ver­wertung des Abfalls eine schöpferische Rolle gespielt.

Bei der Gewinnung der Soda aus Kochsalz wird d a s C h l 0 r des Kochsalzes in feiner Gesamtmenge a l s Salzsäure abgespalten. Riesige Mengen von Salzsäuregas entstanden. Man entließ dieses äußerst angriffslustige Gas zunächst in die Luft. So baute man die berühmten riesigen Schornsteine für die Sodafabrik. Das war aber feine befriedigende Lösung. 1863 griff sogar das englische Parlament ein mit der sogenanntenAlkali-Akte". Der erste

Schritt zu einer gewerbepolizeilichen Gesetzgebung, die wiederum das Bemühen verstärkte, das Neben­produkt nutzbar zu machen. Dabei konnte man auf frühere Forscherarbeit zurückgreisen. Der Deut­sche Scheele hatte schon 1774 als Salzsäure das Chlor dargestellt, und in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts hatte Bert hallet dessen bleichende Wirkung erkannt. Weiter hatte dann T e n n a n i im Chlorkalk ein Mittel gefunden, das Chlor in kon­zentrierter und leicht wieder freizumachender Form festzulegen. Somit war man einen Schritt weiter in der nützlichen Verwertung des Abfalles gekom­men.

Da fand sich aber noch der Schwefel als Ab­fallprodukt bei der Leblanc-Soda vor. In dem un­löslichen Calciumfulfid-Rückstand. Man erhielt ihn bei der Auslaugung der Sodaschmelze und stürzte ihn auf Halden ab. Man wußte nicht, was man anders damit hätte machen sollen. Die in dieser Hinsicht fehlende wissenschaftliche Erkenntnis hat sich aber schwer gerächt. Die Unterlassung der Auswer­tung dieses zweiten Nebenproduktes war einer der Gründe, die den Sturz der Leblanc-Sodaindustrie beschleunigten und sie in ihrem Kampf mit der Amoniaksoda- Industrie schwächten. Mit Beginn der 70er Jahre erschien die nach diesem inzwischen durch Solvay entwickelten Verfahren hergestellten Soda auf dem Markt. Bald war nur noch ein kleiner Teil von der alten Großmacht der Leblanc- Soda auf dem Markte.

Allein auch nach diesem Verfahren gelang es nicht, restlos den Wert des Kochsalzes im Gang der Sodafabrikation zu erschöpfen. Wie der Leblanc- Sodaprozeß nichts mehr mit dem Schwefel anzu­fangen wußte, so ging es dem Ammoniak-Soda- prozeß mit dem Chlor. Das Chlor wurde preisge­geben. Somit wurde die Salzsäure seltener. Sie war kein Abfallprodukt mehr. Sie mußte durch ein be­sonderes Verfahren nun gewonnen werden.

Uralt ist die Gewinnung von Kochsalz. Die ewige Salzquelle ist das Meer. Es ist mühevoll, ins­besondere in den kälteren Ländern, aus dem Ozean das Salz zu sieben. Einfacher schon ist es, die kon­zentrierteren und reineren Salzwässer der häufig vorkommenden Solquellen zu benutzen. Der Bergbau hat dann die gewaltigen Steinsalzlager zutage geför­dert, aus denen der Salzgehalt dieser Quellen stammte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckte man in den Staßfurter Lager die. sog. Abraumsalze, die Kalium- und Magnesium­salze enchalten; Schichten, die man als wertlosen Ballast betrachtete. Das wichtigste dieser Salze ist der K a r n a 11 i t. Völlig unabhängig von diesen Dingen hatte nun Liebig die Ernährungsbedin­gungen von Mensch, Tier und Psianze erforscht. Er war darauf gekommen, daß für alle Landpflanzen Kaliumsalze so unentbehrlich sind wie für die Tiere das Kochsalz. Und somtt wurden die Staßfurter Ab­raumsalze zu einem Wert, zu einem hervor­ragenden Nahrungsmittel für unsere Pflanzen. Und auf dieser Erkenntnis baut sich die unerhörte Größe der deutschen Kali-Industrie auf. Will man nun aus dem Karnalltt das Ehlorkalium gewinnen, so ergibt sich Chlormagnesium. Und um dieses Nebenprodukt sinnvoll zu verwerten, verwendet man das in ihm enthaltene Chlor als Salzsäure. H. Schr.

Nackckruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Schwierige Rettung.

K. Sao Paulo.

Wie berichtet wird, hat der bekannte Flieger Pedroso unter den schwierigsten Umständen einen Forscher gerettet, der in einer einsamen Gegend des Motto Grosso krank geworden war. Der Forschungs­reisende Arens, der einer der angesehenen Familien in Sao Paulo angehört, war mit zwei Gefährten von dort in einem Kraftwagen aufgebrochen, ohne sein Unternehmen irgendwie bekanntzugeben. Nach einem Monat mußte er an einem einsamen Ort, etwa 70 Kilometer nördlich von San Rita de Ara- gucia, halt machen, da er schwer erkrankt war; er wäre sicher umgekommen, wenn es nicht einem sei­ner Gefährten gelungen wäre, nach einem äußerst anstrengenden und ermüdendem Marsche ein Dorf zu erreichen, durch das eine Telegraphenlinie geht, und in Sao Paulo den Fall zu melden. Die große (Entfernung und vor allem die Schwierigkeit, den Ort, an dem Arens sich befand, aufzufinden, da die Karten nur sehr unvollständig sind, schienen die Rettung fast unmöglich zu machen, aber trotz dieser Hindernisse unternahm der Flieger den Versuch. Zweimal flog er vergeblich, dann aber gelang es ihm den Aufenthaltsort des Forschers festzustellen, und bei einem neuen Versuch landete er in einem äußerst schwierigen Manöver auf einer kleinen, 30 Meter langen Fläche, die von den Gefährten des Kranken hergerichtet war. Er konnte den Kranken auch in seinem Flugzeug nach Sao Paulo zurück­bringen.

Die Diva im Urwald.

B. London.

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