Ausgabe 
12.10.1938
 
Einzelbild herunterladen

sie auch!

1 und

Q UALITXTS - E RZ EU G NIS DER SIDOL-WERKE

(Nachdruck verboten!-

4. Fortsetzung.

Mich hat die Erde gesund gemacht. Nicht nur am Leib, nein, auch an Der Seele. Und das war meine

duldet er keine Unentschiedenheit.

Liebst du dieses Mädchen?

Nein, das ist's nicht allein, es ist etwas anderes. Wissen Sie, mein Vater hat mir oft erzählt, wie die Auswanderer kleine Kästchen mit sich führten, in denen Erde war, nichts als Erde ihrer Heimat. Die nahmen sie mit in die neue Welt übers Meer, und sie hüteten dies Kästchen über Tausende von Mei­len und hielten es in Ehren, solange sie lebten. Ich habe das früher nie so recht verstanden.- Erde ist schließlich Erde, dachte ich. Aber nun weiß ich es besser. Es war die Erde ihrer Heimat, die sie stark machte dort drüben. Die sie noch im Tode nicht ver­ließ, wenn der Sohn /»cm Vater drei Hände voll aus jenem heiligen Kästchen auf den Sarg warf.

tion seine Reaktionsfähigkeit mcht im geringen irn übrigen entsprechend der Anklage zu einer Ge- herab. Die Aeußerung des Angeklagten nach dem fangnisstrafe von drei Monaten. Die Unfall seine Begleiterin sei betrunken, Jet lediglich Untersuchungshaft wurde m Hohe von entern Monat ein nachträglicher Deutungsversuch des Angeklagten, I auf die Strafe angerechnet.

es tiefer?

Er ist kein oberflächlicher Mensch. Was er das tut er ganz, das muß sauber sein und klar

Reichsbahn baut und verbessert in Gießen

Neue und schöne llntertunstSmöglichkeiten für Bahnarbeiter.

ein sitzt

tut, und

Aus den Gießener Gerichtssälen

Er ist kein Jüngling mehr, den ein Lächeln ein­fangen kann. Er ist auch kein Mann, der viel mit Frauen zusammengekommen ist in seinem Leben, denn das war Arbeit und Manneswerk. Die einzige Frau die einzige, die er jemals glaubte zu lieben sie hat ihn betrogen und enttäuscht, und nun glaubte er, das Leben sei für ihn zu Ende in dieser Beziehung. Aber da läßt das Schicksal dieses Mäd­chen zu ihm kommen. Das greift mit fester Hand zu und alles, was er schon verschüttet glaubte, ist wie­der lebendig, ist wieder da

Ja, ich liebe sie, denkt er still. Es ist nicht die heiße, besinnungslose Leidenschaft wie damals, die blind macht und rasend zugleich. Nein, es ist ein wunderbares Gefühl der Zugehörigkeit, der Freude und des Glücks. Wenn sie da ist, bin ich ein ande­rer Mensch. Wenn sie geht, so ist's, als sei es dunkel geworden wie am Wend.

Aber was soll geschehen? Soll er es sagen? Er wartet damit nicht gern, wenn er selbst klar sieht. Er hat es nicht gern, wenn etwas in der Luft liegt. Er zieht jede Entscheidung dem Ausweichen vor.

Und am Samstag muß ich fort!" sagt er vor sich hin.

Das fällt ihm schwer aufs Herz drei Tage hat er noch drei armselige Tage. Die muß er be­nutzen oder seine Freunde hierherrufen. Das geht nicht, sagt er sich, das ist ausgeschlossen. Wenn Schorscb und Günther hierherkommen, muß ich ihr reinen Wein einschenken, weshalb ich flüchten wollte und mußte.

Er schließt die Augen und hört draußen den Nacht- wind in der Linde singen. Dom Kirchturm schlägt es Mitternacht. Langsam' und bedächtig. Selbst die Uhr hat hier Zeit.

Kann ich überhaupt noch länger schweigen? Ist es nicht hoch anzurechnen, daß bisher noch niemand eine einzige Frage an mich gerichtet hat? Könnte ich nicht ein flüchtiger Verbrecher gewesen sein? Ein Deoisenschmuggler ober sonst ein Halunke? Niemand hat bisher auch nur ein Wort darüber verloren, was mit mir los ist.

Ich liebe dieses Mädchen. Das weiß ich. Ich werde ihr das sagen müssen. Vielleicht bringt sie es übers Herz, zu warten, bis ich sie holen kann, vielleicht gönnt mir das Schicksal noch einmal so etwas wie einen Zipfel vom Glück?

Dann aber muß ich sprechen. Liebe ohne 93er- , trauen ist unmöglich.

Da steht vor seinem Blick das Bild ein andern Frau auf schlank, sehr elegant, sprühend vor Witz und hinreißend temperamentvoll

Schwurgerichtsutteil in einem ToMlagsprozeß bestätigt.

Die Iustizpresiestelle Darmstadt teilt uns mit:

Die von dem Angeklagten Adolf D. aus Bad- Nauheim gegen das Urteil des Schwurgerichts Gießen vom 7. Juli dieses Jahres eingelegte Re- vision ist nunmehr vom Reichsgericht als offen­sichtlich unbegründet verworfen worden. D. hat im Verlaufe eines Streites in einer Gastwirt­schaft in Bad-Nauheim den Johann Karl E. durch einen Pistolenschuß getötet und war von , dem Schwurgericht wegen Totschlags unter Zubilligung miDernder Umstände zu drei Jahren Ge­fängnis verurteilt worden.

der sich den Unfall überhaupt nicht habe erffäreft können. Ursache an dem Unfall seien die beiden nächtlichen Passanten gewesen, die allen Grund hätten, unerkannt zu bleiben. Die Geschwindigkeit sei sicher nicht zu hoch gewesen, da der Angeklagte bereits andere Kurven glatt durchfahren hatte. Der Angeklagte sei auch nicht gegen einen Daum ge­fahren, sonst hätte man neben starken Beschädigun- qen an der Maschine auch Spuren am Baume fest­stellen müssen. Die Kausalität des abgeblendeten Lichtes und des Unfalles sei zweifelhaft. Außerdem führte der Verteidiger aus, die Strafe sei zu hoch bemeffen. Die Getötete habe durch ihr Mitfahren ein Teil des Risikos übernommen. Sollte man bte Schuldfraqe bejahen, dann sei der Angeklagte ae» mäß § 27 b StGB, mit einer Geldstrafe zu be­legen. Schließlich sei der Angeklagte auch teilt »e« rufsfahrer, da er sich durch das Fahren mrt feuiem Motorrad an seine Arbeitsstätte seine Berufsaus­übung nur ermöglicht und nicht erleichtert habe.

Das Gericht verneinte die Berufsfahrereigen­schaft des Angeklagten und das Dorliegen der Paragraphen 2 und 71 der Straßenverkehrszu­lassungsordnung und verurteilte den Angeklagten übrigen entsprechend der Anklage zu einer @ e

ist alles getan worden, was die Arbeitsfr^idigteit hebt. Wie wir schon bei früherer Gelegenheck be­richteten, hat auch das Zugpersonal, das während mancher Nachtstunde im Bahnhof Gießen feftge- halten ist, zweckmäßige und gute Unterkunftsmög­lichkeiten.

lieber diese Einrichtungen hinaus wurden in der jüngsten Zeck zwei weitere Bauvorhaben im Bereich des Bahnhofs durchgeführt. In erster Linie ist es der Erweiterungsbau des Hauses Frankfurter Straße 20, in dem die Bahn­meistereien I, II und III ihre Büro- und Dienstraume haben. Das Gebäude wurde erheblich verlängert und damck mehr Raum geschaffen. Eine Wohnung im Obergeschoß dieses Hauses wurde freigemacht und für Diensträume der Bahnmeistereien umge- ftaltet In erster Linie diente dieser Erwetterungs-

Große Strafkammer Gießen.

Gestern hatten sich vor der Großen Strafkammer der G. L. und die A. G. aus Vilbel wegen Blut- schände zu verantworten. Bei den Angeklagten han­delt es sich um Stiefgeschwister, die seit 1934 einen gemeinsamen Haushalt führen. In der Hauptver­handlung zeigten sich beide restlos geständig. Mit Rücksicht hierauf hielt das Gericht eine Verhältnis- mäßig geringe Strafe für ausreichend und erkannte auf j e 3 M o n a t e Gefängnis. Die Unter­suchungshaft wurde ihnen in Höhe von 6 Wochen in Anrechnung gebracht. Beide Angeklagten nah­men das Urteil sofort an.

rab auch zum Aufsuchen seiner Arbeitsstätte ver­wende. Er sei deshalb als Berufsfahrer anzu­sprechen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten wegen Uebertretung und Vergehen gegen § 1 und 9 Abf. 1, 7 Abs. 3 S. 2, 49 der Straßenverkehrsordnung vom 13. November 1937, 8 2 und 71 der Straßenzulassungsordnung vom 13. November 1937 und § 222 I und II, 73 StGB, eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Die Unter­suchungshaft könne dem Angeklagten in Höhe von einem Monat angerechnet werden.

Der Verteidiger stellte in feinem Plädoyer fest, daß der Nachweis der Fahrlässigkeck nicht lücken- los geführt sei. Insbesondere fei auch nicht der Nachweis geführt, daß der Angeklagte und die Ge­tötete stark unter dem Einfluß des Alkohols ge- standen hätten. Auf die Aussagen der jugendlichen Wirtshausbesucher sei nichts zu geben, da diese angetrunken gewesen seien. Eine Zeugin, die in dem Lokal keinen Alkohol zu sich genommen habe, hätte von Trunkenheit der Getöteten mchts ge­merkt. Es könne niemand sagen, daß ber Ange­klagte auch nur angeheitert gewesen sei. tfünf bis sechs Glas Bier setzten bei seiner starken Konstttu-

An der Talsperre liegt ein kleines Gasthaus. Da wird Kaffee getrunken, und dann marschieren sie ein Stück rund um den Stausee.

Sie sind so anders, Doktor Karajan", sagt Karola, ich weiß es auch nicht recht. Manchmal lustig, daß man kaum Atem holen kann vor Lachen, und bann gehen Sie wieder umher und sind ernst und in Ge­danken! Kann ich Ihnen irgendwie helfen? Fehlt es 3bnen an irgend etwas bei uns?"

Da hascht er ihre Hand, beugt sich darüber, haucht einen ganz kleinen scheuen Kuß darauf. Hastig sieht er wieder beiseite, als schäme er sich schon.

Törichtes kleines Fräulein! Was soll mir hier fehlen? Ich habe nie gedacht, daß es mir in meinem Leben noch mal so gut gehen würde! Aber Sie dürfen nicht vergessen, daß das nun alles bald zu Ende ist. Am Sonntag muß ich in Dresden fein. Ich habe meine Freunde dahingebeten."

Warum nach Dresden? Konnten Sie das nicht hier besprechen? Ich hätte mich gefreut. Ihnen ge­fällig und behilflich fein zu können."

Wirklich?"

Sehe ich wie eine Lügnerin aus? Also bitte schreiben ober telephonieren Sie! Die Herren sollen gut aufgehoben sein!"

Ich danke Ihnen! Sie sind sehr großzügig zu mir. Wir gern innen den Sonntag aber am Mon­tag muß ich doch fort."

(Fortsetzung foljtl)

und Neubau aber ber Schaffung von^besseren Rau­men für die Bahnhofskasse. Für diese wurde zu ebener Erde, fast die ganze Grundfläche des Neubaues in Anspruch nehmend, ein Kassenraum eingerichtet, der in Form und Ausstattung durchaus dem Geiste unserer Zeck entspricht. 2)ie 3aH e sind in einfachsten Linien gehallen, jegliche Glas­verschalung, wie man sie häufig in den Kassenräu­men von Geldinstituten findet, ist vermieden, so daß ber Raum vollkommen zu überblicken ist. Säu­len, bie die Decke tragen, sinb mit feinfarbigem Holz verschalt, bas zu ben hellen Mauerflächen in scho- nem Kontrast steht. Der gesamte Anbau würbe was das Aeußere anbetrifft in der gleichen archi­tektonischen Form gehallen, die dem Haus bisher zu eigen war. Da das Haus insgesamt einen neuen Verputz erhalten hat, nimmt es sich im Straßen- bilb ausgezeichnet aus. Durch gärtnerische Anlagen wirb ber gute Gesamteindruck noch vervollständigt werben.

In jüngster Zeit würbe auch noch eine weitere Bauaufgabe gelöst, bie allerdings nach außen hin kaum in Erscheinung tritt Die Küche ber Bahn­hofswirtschaft, bie bisher reichlich beengt untergebracht war, hat eine Erweiterung und Um* geftaltung erfahren. Nach einem Jnnenhof zu wurde

Sltioe 3tou mit groBem M

Roman von Kurt Riemann

Copyright by 93erlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

Wegen jahrlässiger Tötung und Uebertretung der Reichsstraßenoerkehrsorbnung und der Straßenver- kehrszulassungsordnung hatte sich ber A. P. aus Großen-Buseck zu verantworten. .Der Angeklagte war an einem Abenb im Juni dieses Jahres rnck einem Mädchen aus Reiskirchen, ber Getöteten, mit seinem Motorrab nach dem benachbarten Hat­tenrod gefahren. Die beiden kehrten dort in einer Gastwirtschaft ein, bie sie gegen 1 Uhr verließen. Der angeheiterte Angeklagte wollte mit seiner stark unter dem Einfluß des Alkohols stehenden Beglei­terin nach Reiskirchen zurückfahren. Auf ber kur­venreichen Strecke kam es nach dem Passieren einer Linkskurve in der Nähe des Waldes auf ansteigen­der Strecke zu einem Unfall. Der Angeklagte will nach dem Verlassen ber unübersichtlichen Linkskurve plötzlich in einer kurzen Entfernung zwei entgegen» kommende Passanten gesehen haben. Es seien Dies ein Radfahrer und ein Fußgänger gewesen. Der Radfahrer sei mit seinem unbeleuchteten Fahrzeug rechts von dem Fußgänger im Schritt gefahren und habe sich mit seinem Arm auf bte Schulter seines Begleiters gestützt. Im letzten Augenblick hätten diese berben Wegebenutzer die im schlechten Zu­stande befindliche Straße geräumt, ber Fußgänger sei quer über die Straße in ben Wald gelaufen. Er sei durch deren Verhallen etwas zu weit rechts auf die Straßenseite gekommen, > bie Maschine habe etwas geschleudert. Wie der Angeklagte weiterhin angibt, ist er mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilo­meter und mit abgeblendeten Lichtern gefahren. Außerdem habe er, kurz bevor er bie beiden ent­gegenkommenden Wegebenutzer bemerkte, von dem 3. in ben 4. Gang geschaltet. Wie der Unfall sich im einzelnen zutrug, wird nie genau geklärt wer- den können, denn ber Fußgänger und der Rad­fahrer konnten ttotz langer Ermittlungen nicht aus­findig gemacht werden, andere Passanten kamen erst nach dem Unfall an die Stelle des traurigen Geschehens. Dort lag, röchelnd und aus Kopfwun­den stark blutend, das junge Mädchen am Boden. Der von dem Angeklagten aus Reiskirchen herbei- geholle Arzt erkannte sofort die Schwere der Ver­letzungen und wies das Mädchen in bie Klinik ein, wo es am 3. Juni verstarb.

Die Vormittags- und die Nachmittagssitzung waren mck der Vernehmung des Angeklagten und der zahlreichen Zeugen ausgefüllt. In ben Abend­stunden erstattete ber Sachverständige fein Gut­achten. Er ging davon aus, baß ber Angeklagte, ber, wie feine Begleiterin, vorher dem Alkohol

O nein", sagt er und sieht bas Mäbchen verstoh­len an.Das ist gar nicht ulkig, das ist wunder­schön, so eine Träume spazierenzufahren Uebn- gens, hat Ihnen der liebe Gott bie Wunsche er­füllt?"

Zuerst ja. Später mürbe bas aiwers. _

,Sinb Sie so anspruchsvoll geworben, Fräulein Karola?" v ...

Nein!" entgegnete sie kurz, ^ebenfalls nicht, was Äußerlichkeiten betrifft Man lernt mit ber Zeck hinter bie Außenhaut ber Dinge und der Men- schen zu blicken. Ich bin fast dreißig Jahre, das dürfen Sie nicht vergessen. Außerdem solche Wunschschifflein kommen nur wohlbehalten im Him­mel an, wenn ein frommer Glaube ihre Segel füllt. Üas aber ist das Vorrecht ber Kinder."

Es ist eine Weile still zwischen ihnen. Sie schauen hiyab auf bas Dorf. Aus ben Häusern steigt ber Rauch auf. Da ist man spät vorn Felde heirnge- kehrt unb kocht nun erst das Abendessen.

Karajan genießt dieses Bild in stiller Dankbarkeit.

Wissen Sie, daß ich nun wieder gesund bin, Fräulein Karola?" fragt er nach einer Weile.

Ich glaube!" nickt sie zur Antwort.Sie haben gearbeüet in diesen Tagen, als hätte Ihnen nie eine Kugel in ber Schuller gesessen."

Plötzlich ertappt er sich bei bem Wunsch, Karola einmal, nur einmal übers Haar zu streichen. Ganz plötzlich ist das da dieser Wunsch! Ganz plötzlich auch sieht er sie vor sich stehen, ein Bild des lachen­den Lebens. Herrgott, denkt er, ist bas nun Wunsch, der kommt und wieder vergeht, oder

zugesprochen habe, nach seinen Angaben auf der kurvenreichen Strecke HattenrodReiskirchen mit abgeblenbeten Lichtern mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern gefahren sei. Diese Geschwindig- keck sei im Hinblick auf die mäßige, unübersichtliche Straße, die Abblendung und starke Belastung der Maschine zu hoch gewesen. Insofern habe der An­geklagte fahrlässig gehanbelt. Weiterhin vertrat ber Sachverständige bie Ansicht, daß das Motorrad irgendwo angeschlagen sein müsse. Einmal sei die obere äußere Ecke des Nummernschildes umgebenen gewesen, was beim einfachen Sturz unmöglich |ei, zum anderen wären die schweren Verletzungen der Getöteten sonst nicht erklärlich. Wäre die Sozius­fahrerin nur durch das Bremsen gefallen, dann hätte sie sich nur leicht verletzen können. Der An­geklagte habe sich gleich am anderen Morgen an seiner Maschine zu schaffen gemacht. Außerdem hätte bie Gabelfeberung, die nicht nur von oben nach unten, sondern auch in horizontaler Richtung federe, ben Hauptanprall abgefangen. Der Sachver­ständige kam zu dem Ergebnis, daß der Ange­klagte für den Unfall unb seine Folgen verantwort- lich zu machen sei. Er stellte abschließenb auf Be­fragen des Staatsanwaltes fest, baß das Motorrad bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern einen

Dem Zuge ber Zeck, der Arbeiter- und Ange­stelltenschaft günstige Arbeitsbedingungen, freund­liche Aufenthaltsräume unb neuzeitliche Wasch- räume zu schaffen, folgt auch die Reichsbahn. In den vergangenen Monaten wurden in diesem Sinne auch im Bahnhof Gießen Verbesserungen durchge- führt, bie insbesondere von der Arbetterschaft, die im Dienst an den Maschinen, am Wagenpark, zwi­schen ben Gleisen und im Rangierverkehr steht, sehr begrüßt werden.

So hat bie Belegschaft bes Betriebswerks, ins­besondere die Arbetterschaft, die in ben großen Ma- schinenschuppen unweck der Frankfurter Straße be­schäftigt ist, neue und vorbildliche Unterkunftsräume erhalten. Bisher lagen Aufenthalts- und Waschraum zwischen den beiden halbrunden Schuppen. Da sich diese Lösung für die Dauer nicht als tragbar er­wies, wurde ein kleineres Werkstattgebäude unmit­telbar neben dem Schuppen frei gemacht und so § rundlegend umgestaltet, daß sowohl ein großer lufenthallsraum, der 160 Arbeitern Platz bietet, eingerichtet, als auch ein Waschraum geschaffen werden konnte, ber allen Anforderungen genügt Der Aufenthallsraum ist mit Tischen und Bänken, mit Bttdschmuck unb großen Lampen ausgestattet, so daß sich jedermann dort zur Mittags- ober zur Frühstückspause, wie auch in den Abendstunden wohlfühlen kann. Der neue Waschraum hat eine feine und zweckmäßige Gestaltung erfahren. Vier große kreisrunde Klinkerbecken stehen zur Ver­fügung, in bie ein dichter Strahlenkranz warmen Wassers sprüht. Der ganze Raum ist weiß gekachell und macht einen sehr freundlichen Eindruck. In einem wetteren Raume stehen etwa 200 Kleider- fpinbe, die zum Teil neu sind. Ferner besteht im gleichen Gebäude eine Küche, in der regelmäßig Suppe gekocht unb zu billigem Preise abgegeben wird.

Eine wettere Neugestallung hat auch der Aufent- Haltsraum für Rangierer unb Hemmschuhleger ge- funben. Unweit bem Rangierberg wurde, so breit unb so groß es bie Gleisanlage gestatteten, ein Häuschen gebaut, bas einen zu ebener Erde gelege­nen und vom Rangierberg aus unmittelbar zu er­reichenden Aufenthallsraum für die Rangierer und Hemmschuhleger birgt Der Raum ist in hellen Farben gehallen, mit Bildern geschmückt, mit be­quemen Tischen und Stühlen ausgestattet und wirb von ben Arbeitern ebenfalls gern in Anspruch ge­nommen. Die bisher vorhandenen Aufenthalts. unb Diensträume an bieser Stelle wurden gründlich überholt unb machen nun gleichfalls einen sehr freundlichen Einbruck. Im ersten Obergeschoß hat die für ben Güter- unb Rangierverkehr zuständige Oberaufsicht ihre Diensttäume erhallen. Auch hier

Bremsweg von 30 Metern gehabt, während das Standlicht der Maschine nur ein Blickfeld von 25 Metern geschaffen habe.

Der Staatsanwalt stellte in seinem Plädoyer eingangs fest, daß der Angeklagte ttotz ber aus­einandergehenden Zeugenaussagen an dem frag­lichen Abend angeheitert gewesen sei. Der herbei- genrfene Arzt habe den Eindruck gehabt, baß ber Angeklagte leicht beschwingt unb angeheitert ge­wesen sei. P. habe in der Gastwirtschaft in Hatten­rod mindestens 5 Glas Bier, wahrscheinlich noch mehr, getrunken. Betrunken sei der Angeklagte nicht gewesen, sondern er habe sich in bem fipr den Kraft­fahrer gefährlichen Stadium des Angehettertseins befunden, in dem bekanntlich Hemmungen fchlten. Nach feiner Ansicht sei der Unfall auf ben Alkohol­genuß zurückzuführen. Der Angeklagte habe gemäß § 7 Absatz III der Reichsstraßenverkehrsordnung bas stark angetrunkene Mädchen nicht mit auf fein Motorrad nehmen dürfen. Aus der Aussage ber Zeugin S. gehe außerdem hervor, daß bie Ge­tötete zunächst nicht habe mttsahren wollen. Weiter­hin hätte der Angeklagte wegen seines eignen ßu- standes die Fahrt überhaupt nicht antreten dürfen. Schull) an dem Unfall trage neben bem Alkohol­genuß die zu hohe Geschwindigkeit unb die Ab- blenbung der Maschine. Trotzdem man an der Dar­legung bes Angeklagten, baß er nach der Links­kurve plötzlich zwei Passanten bemerkt habe, durch die Aussage des Zeugen W. Zweifel haben könne, müsse man doch von der Schilderung des Ange­klagten ausgehen, da ihm das Gegenteil nicht nach- gewiesen werden könne. Gewiß sei bie vor der Unfallstelle liegende Linkskurve eine unübersicht­liche Wegstrecke. Der Angeklagte hätte aber seine Geschwindigkeit so einrichten müssen, daß er selbst mit einem Betrunkenen auf bem Soziussitz feine abgeblendete Maschine rechtzeitig hätte zum Stehen bringen können. Der Vertreter der Anklage machte wetter darauf aufmerksam, in, ber Verhandlung habe sich ergeben, baß der Angeklagte sein Motor-

ber Durchführung von Buchsührungsarbeitsgemern- schäften.

**SperrzeitfürTauben. Dom 13. Oktober bis 19. November müssen die Besitzer von Tauben im Hinblick auf bie Saatzeit ihre Tauben in ben Schlä­gen bebalten.

** ReichsPost gewährt Fahrpreis- ermäßigung für Kinberreiche. Die An­gehörigen von Familien mit mindestens vier unver­heirateten Kindern bis zu 21 Jahren, die im Haus­stand der Eltern leben, erhalten bei Benutzung der Kraftposten auf Einzelfahrscheine, gewöhnliche unb Sonntagsrückfahrscheine eine Fahrpreisermäßigung von 50 v. H., wenn sie beim Lösen ber Fahrscheine bie bei ber Reichsbahn für Kinderreiche gebräuch­lichen ortsüblichen Bescheinigungen vorzeigen. Der Mindestfahrpreis beträgt 20 Rpf. Kinder bis zu vier Jahren werden frei befördert.

unb bunflen Walb in ber Ferne.Das isfsl. Das hat mich ans Herz genommen unb ich hab's ge­fühlt, wie mir neue Kräfte gewachsen sinb. Ich hab's gefühlt, wie bie Erinnerungen an Zeit unb Menschen versanken unb nur ber Wunsch übrig blieb, bieser Erde, meinem Daterlanbe, zu dienen. Ich ver­baute Ihnen viel, Karola, unendlich viel."

Karola ist rot geworden, sie schämt sich. So kennt sie Karajan noch gar nicht, so, wie er jetzt ist. Der oerträumte Zug und bas glückliche Lächeln, bas über seinen Augen liegt, ach, es macht ihn so jungen- haft unb liebenswert, daß sie im Augenblick fast erschrocken über sich ist.

Was ist nur mit mir, denkt sie, was ift nur mtt mir? Bin ich ein kleines Schulmädel, das Bange hat? Oder warum schlägt mir bas Herz so bei seinen Worten? Und warum kann ich chn nicht ansehen? Warum werde ich rot unb blaß dcchei? Gott sei Dank, in einigen Tagen wird das hier alles vorbei sein unb ich bin wieder in Dresden

Ader daran mag sie jetzt noch nicht denken. Sie kann es sich gar nicht recht vorstellen, wie das ein­mal fein wirb, wenn er nicht mehr am Morgen da ist unb sie nicht mehr hier oben sitzen, hoch über ben Häusern ber Menschen, ganz allein, und mit­einander sprechen unb auch manchmal nichts ande­res tun, als nur stumm in ben Abenb schauen.

Es wirb kühl, wir müßen nun wohl ins Haus!" Sie steht auf, unb er folgt ihr langsam.

Ihr Gang ift stark unb fest.

Da geht ein Mensch, ber weiß, was er will! bentt Karajan.

Die Abendsonne legt einen hellen Schein um ihre Haare, bie flimmern nun wie flüssiges Metall. Er nimmt dies Bilb in sich auf wie ein schönes, herr­liches Gemälbe. Es bleibt in seinem Herzen unb er sieht es noch immer, als er längst bie Lampe in seinem Zimmer gelöscht hat und draußen bie Lin­den im Nachtwind rauschen.

Kleine, tapfere Karola, lächelt er. Kleiner, tapferer Kamerad!

schlimmere Krankheit. Ich kam voller Haß. Nun ohne Makel, und in seinem Herzen vor allem, da aber ruft mich nur noch bie Arbeit." xtfS^ ****" iTM-mHAUhonfitii

Er weist auf Berg und Tal, auf Wolkenhimmel

Irene!

Ah, es schmerzt, daran erinnert zu werben. Aber wenn erVertrauen" denkt, bann kommt ber Name Irene" ungerufen in feine Gebauten, ungebeten, aufdringlich. Denn auch dieser Frau hat er einmal' vertraut, auch dieser Frau hat er einmal sein Herz unb fein Geheimnis geschenkt. Sie hat beides verraten.

Nein, ich darf es nicht tun! überlegt er in ver­zweifelter Ratlosigkeit. Ich darf nicht alles sagen! Was geschehen ist, soll sie erfahren aber was noch werden soll, muß Geheimnis bleiben. Schluß!

Ja, bas ist ber beste, endgültige Schluß. So muß ers tun. Sie darf nicht wissen, was er plant vielleicht glaubt sie auch so an feine Kraft und seinen Glücksstern.

Morgen werde ich sie fragen morgen!" flü­stert er.

Noch in seinen Schlummer hinein Hingt dies Morgen" wie ein zukunftsfroher Glockenschlag.

Vom Kirchturm schlägt bie erste Morgenstunde.

daß si betet fuhren, Wi zunachj Straße damit; Dort hi auf. Dl fdbbieb heimlich Tante Wer sie sich in eine wanbei Dort mit de Wend Echem sie in and) l sack, \ W für t den mit nach kirch nach dem den Dii blic nach