Ausgabe 
12.9.1938
 
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Rr.2'3 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Montag, 12.September 1938

Deutschland ist das Land der Arbeit.

Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring spricht auf der Iahrestagung der Deutschen Arbeitsfront in Nürnberg.

Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) In der bis in I den letzten Winkel besetzten Kongreßhalle wurde am Samstagvormittag bie VI. Jahrestagung ber' Deutschen Arbeitsfront eröffnet. Im Mit­telpunkt ber Tagung stand neben dem ausführlichen Rechenschaftsbericht Dr. Leys, der von Reichs­amtsleiter Dr. Hupfauer verlesen wurde, eine Rede des Beauftragten des Führers für den Vierjahres­plan, Ministerpräsident Generalfeldmarschall Gö­ring. Aus dem Podium der festlich geschmückten 5)aUe hatten neben dem gesamten Führerkorps der Partei die Betriebsführer der 103 nationalsozia­listischen Musterbetriebe Platz genommen. Auf den Stufen der Stirnwand standen die Fahnen der DAF., 800 Werkscharmänner umrahmten das Reichs- sinfonie-Orchester.

Nach einem Dorspruch und dem doW den Werk­scharmännern gesungenen LiedeWir sind des Werktags Soldaten" eröffnete Reichshauptamtsleiter Claus Selz ne r die Tagung. Dann gab Claus Selzner dem Reichsamtsleiter Dr. Hupfauer das Wort zur Verlesung des Rechenschaftsberichtes Dr. Leys. Nach der Verlesung ergriff, stürmisch begrüßt, der Beauftragte des Führers für den Vierjahres­plan Hermann Göring das Wort.

Göring svrM.

Meine lieben Volksgenossen und Volksgenossinnen! Parteigenossen?

Zunächst darf ich Ihnen wie in allen vergange­nen Jahren auch heute die Grüße des Füh­rers überbringen, insonderheit an die Kameraden der Arbeitsfront aus der O ft mark, die heute zum ersten Male hier am Kongreß teilnehmen dür­fen. Dis Schaffenden der Ostmark haben bisher die Fäuste geballt gegen ein System ber Unterbrückung, ber Not, des Terrors, gegen ein System, bas sich fälschlich noch außen beutsch gebärben wollte, das aber rücksichtslos alles unterdrückte, was wahrhaft deutsch empfand, deutsch fühlte und deutsch handelte. Jetzt, ihr Schaffenden ber Ostmark, sollt Ihr wie­der dle Fäuste ballen, aber diesmal an dem Spaten, der Art 'linb bem Schraubstock zur Arbeit für bas Volk unb für den Führer.

Ihr seid als Angehörige der Ostmark jetzt nicht nur hineingestellt in unsexe große deutsche Volks­gemeinschaft, ihr seid als Schaffende auch hinei'nge- stellt in die deutsche Arbeitsgemeinschaft, in die Deutsche Arbeitsfront. Das Gespenst der Arbeits­losigkeit ist auch ' in der Ostmark verschwunden. Kraftvoll spannen sich die Arme, überall regt sich die Arbeit, hoffnungsvoll sehen die einst stumpfen und trüben Blicke klar in die Zukunft. Der Kampf, den ihr geführt habt, war nicht umsonst. Eu->r Ver­trauen ist heute gerechtfertigt worden. Die Ostmark ist alücklich, die Ostmark ist wieder im Rei-^

Wir aber im Altreich vergessen oft, daß auch bei uns einst der Fluch der Arbeitslosigkeit geherrscht hat, wir vergessen zu leicht jene furchtbaren Z-i^en, da mir treffauf, treppab um Arbeit betteln mußten, da jene furchtbare Zeit der Not und des Elends eine alltägliche Erscheinung in unserem wa^

Wir vergessen zu leicht, daß in der Zeit vor der Machtergreifung im deutschen Volk üb°rall ein un­geheurer Mangel an Arbeit ronr, ein Mangel an Arbeit, d^m heute der Mangel n n Arbei­tern gegenübersteht. Wo gibt es noch einmal ein Volk von 75 Millionen, dos noch nicht einmal ge­nügend Arbeiter stellen kann, um all der brenn"n- ben Probleme Herr zu werben, bie uns unsere Be­wegung gestellt hat.

Wir bürfen mit Stolz von dieser gern fügen Aufbauarbeit und den Leistungen sprechen, denn jeder von uns hat seinen Anteil daran. Es kann niemand von uns diesen gewaligen Aufbau und diesen Erfolg für sich allein buchen. Nein, das ganze deutsche Volk in seiner Breite und Tiefe hat ein gerüttelt Maß Anteil am Erfolg die­ser Aufbauarbeit. Uns allen ist sie zugutegekommen. Wir alle haben sie aber auch leisten müssen. Als mir damals die Arbeit ergriffen, ja, da fanden sich manche Teile nur ungern damit ab. Auch im Aus­land sagte man: Das kann nicht von langer Dauer sein. Doch, sie mögen ja vielleicht ganz gute Poli­tiker fein, sonst wäre es ihnen ja schließlich nicht geglückt, das ganze Volk für sich zu gewinnen. Sie sind vor allem Trommler, Redner und ganz gute Propagandisten. Aber an einem müssen sie schei­tern: Von Wirtschaft haben sie keine Ahnung. Auf diesem Gebiet sind sie Phantasten. Schon allein die Tatsache, daß sie davon sprechen, das Problem der Arbeitslosigkeit in einigen Jahren vier Jahre nannten sie damals lösen zu wollen, ein Pro­blem, an das sich die besten Köpfe unserer Zeit ge­macht haben und keine Lösung fanden mie roob len diese Knirpse, die ja noch nie überhaupt Wirt­schaft getrieben haben, davon Bescheid wissen?

Nun aber, meine lieben Parteigenossen, war es ja gar nicht möglich, die Wirtschaft mit irgend­welchen Berechnungen höherer Wissenschaft zu ret­ten, sondern so weit wir in ber Wirtschaft das Le­ben und Gestalten und Gedeihen des Volkes sehen, konnte sie nur gerettet werden durch einen entschlos­senen Willen, mit dem Willen zur Tat.

Wie war das aber nun möglich? Um über­haupt die deutsche Wirtschaft wieder in Ord­nung zu bringen und das Volk wieder gesunden zu lassen, mußte die Führung vor allen Dingen das Vertrauen des Schaffenden, das Vertrauen des deutschen Arbeiters gewinnen. Denn nur mit dem deutschen Arbeiter konnte die deutsche Wirtschaft wieder aufgebaut werden. Nur durch das Vertrauen dessen, der schaffte und arbeitete; in seinem Glauben zur Führung, im Schaffen seiwer Fäuste und in der Leistung seiner täg­lichen Arbeit allein konnten wir zur Gesundung kommen. Auf der anderen Seite mußten wir uns darum bemühen, beim Unternehmer auch das notwendige Verständnis für die neue Zeil zu gewinnen, besonders bei der jüngeren Un­ternehmerschaft. Wir mußten sie loslösen von veralteten Vorstellungen, sie wieder in ihr Volk hineinslellen, sie wissen lassen, daß im Gegen­satz: Arbeitgeber und Arbeitnehmer keine Wirt­schaft blühen kann, sondern daß wie überall, wo Großes geschaffen wird, nur die Einheit die Voraussetzung für den Erfolg ist. Nur das Au-

sammenballen aller Energien kann große Taten vollbringen. So auch in der Wirtschaft.

Vertrauen des Arbeiters unb Derftänbnis bes Unternehmers waren hier Voraussetzung. So mußte sich ein Spiegelbild ber gesamtes Volksumwälzung bilben. So wie ynr im Gesamten bie Volksgemein­schaft schmiedeten, mußte nun hier im Speziellen bie Ardelts - unb Betriebsgemeinschaft gebilbet werben. Unb wenn man einmal bie Ge­schichte auch über bie Ardeij ber Deutschen Arbeits­front schreiben wirb, bann wirb sie festzustellen haben, baß bie Schaffung ber Betriebs- unb Arbeits­gemeinschaft über alle Dinge hinweg bas größte unb bleibenbe Verbienst ber Arbeitsfront ist.

Es war auch notmenbig, auf ben ganzen Linie ben Kampf gegen bie Verhetzung vorzu- nehmen. Ich brauche nicht mehr daran zu erinnern, wie ungeheuer die deutsche Arbeiterschaft verhetzt war, ging sie doch jahrzehntelang burch bie Lehren bes Marxismus unb Kommunismus hinburch. Wahrlich, es war schon schwer für ben Parteigenos­sen Ley unb feine Männer, nun auch bie richtige Führerschaft in ber Arbeitsfront auszubilden, konnte doch nicht Rücksicht genommen werden auf jene alten Lohntabellenbonzen, bie vorher bie Gewerk­schaften geführt hatten. Hier mußten vielmehr neue Männer unb vor allem Männer, die in ber Wolle gefärbte Nationalsozialisten waren, an bie Füh­rung. Denn nur im Zeichen bes Nationalsozialis­mus war der beutsche Arbeiter wieder für sein Volk und für sein Reich zu gewinnen. Die anderen Pro­bleme hatten wir längst abgetan. Mit dem Hinein­finden in unsere nationalsozialistische Ideenwelt be­gann bann auch bie praktische Arbeit der Partei unb bes Staates für ben Aufbau ber Wirtschaft. Ge­wiß, es war ein schwerer Weg, unb dieser Weg wurde begleitet von dem Tatwillen der Führung, begleitet aber auch bei allen unseren Gegnern von ber stillen Hoffnung eines balbigen Zusammen­bruchs. Unb nachdem sie auf nichts anderes mehr

hoffen konnten, nachbem auch ber Verrat zufchan- ben geworben war, bie Einheit bes Volkes nicht mehr gesprengt werden konnte, blieb immer noch bie Hoffnung auf ben wirtschaftlichen Zusammen-' bruch. Unb ba bie Dummen eine lange Leitung haben, besteht biese Hoffnung auch heute noch. (Hei­terkeit und Beifall.)

Gewiß, wenn man bie Grunbsätze unb die Ge­setze ber Wirtschaft, wie sie im Liberalismus Geltung hatten, oornimmt und mit ben Geschehnis­sen von heute bei uns vergleicht, bann findet man gar keinen Zusammenhang. Dann sieht alles bas, was wir machen, wie ein Chaos aus.

Aber wenn die Herrschaften bedacht hätten, daß hinter der deutschen Wirtschaft der unbän­dige Dille und Glaube und die Kraft des Führers standen und daß diese Wirtschaft nun von derPartei getragen wurde, dann hätten sie schon ahnen müssen, daß die Wirtschaft gefestigter steht denn je zuvor. Denn sie aber nebenbei nun auch noch die Wirtschaft in den Nachbarländern, be­sonders in den Ländern der großen Demokra­tien, die ja alles Wissen für sich gepachtet haben, mit unserer zu vergleichen beginnen, dann stimmt natürlich beides nicht überein. Nach ihrer Ansicht sind das natürlich alles nur Phan­tome, die den Zusammenbruch geradezu herbei­führen müssen. Und auf der einen Seite sehen sie ein Volk, das man staune und höre außer der Beschäftigung aller seiner schaffenden Menschen bereits aus anderen Ländern Arbeiter heranholen muß, und auf der anderen Seile Völker, wo die ungeheure Zahl der Arbeitslosen täglich noch weiter steigt und wächst. Wie will man das beides in Ein­klang bringen?

MAarbeit mir für die Sicherheit der Ration.

Man sagt: In Deutschland rüsten sie gewal- i i g. Sie vergessen aber, baß f i e f e I b ft auch g e - walti g zu ft en'begonnen haben. Es kann also nicht daran allein liegen, sondern es müssen schon andere Kräfte und Triebfedern diesen gewal­tigen Umschwung herbeigeführt haben. Während draußen die Arbeitslosigkeit ansteigt, wächst die Krise. Wir lesen immer wieder davon. Es wächst aber nicht nur die Krise. Es steigen auch die Preise, es steigen bie Löhne, unb barauf roieber die Preise. Da muß ich nun schon sagen: Diese glorreiche Wirt­schaftsweisheit haben wir ja auch einmal burchexerziert. Als in Deutschlanb noch bie Scheide-, Raß- und anbere Männer" regierten, haben wir bas alles kennengelernt. Ich erinnere daran, daß diese einstigen Größen außerordentlich schnell den Weg ins Ausland gefunden haben. Viel­leicht haben sie dort Beraterstellen auf wirtschaft­lichem Gebiet, so daß sich dort dasselbe wiederholt, was uns einst geblüht hat.

Wir sehen auch bieliebgewordenen" Streiks im Auslände alle Augenblicke auftauchen. Auch bas kennen mir. Mir wissen ganz genau: Jeber Streik führt seldstverstänblich zurProbuktionssteigerung", jeber Streikfestigt" selbstverstänblich bie Wirtschaft.

§ Meine lieben Volksgenossen, mir haben Drbnung gemacht, unb barin liegt bas tiefere Gesetz unseres ! Erfolges. Wir haben dem Durch- unb Gegeneincm- ber ber Interessen ber einzelnen Halt geboten. Wir haben bas Gegeneinanoerstrahlen bieser Interessen abgebogen. Es gibt nur ein Interesse: Das deutsche Volk unb seine Zukunft, dem beugen sich alle. Gewiß, wir haben schwere Sor­gen gehabt, und gewaltige Schwierigkeiten türmten sich auf und mußten überwunden werden. Ich habe niemals behauptet, daß ich ein großes Wirtfchafts- genie bin. Ich habe nur behauptet, daß ich alle meine Kräfte, das Beste unb meine ganze Willenskraft baran setze, dort Drbnung zu schaffen, wo Ordnung geschaffen werben muß. Dabei bildet bie Wirtschaft keine Ausnahme; benn Drbnung ist ein allgemeiner Begriff, ben wir auf allen Gebieten un-1

frer Tätigkeit eingesetzt haben. Heute stehen wir, wie ich eingangs schon sagte, vor ber großen Schwierigkeit: Wie lösen wir bas große Problem bes Arbeitseinsatzes? Denn Arbeitseinsatz unb Arbeitsleistung zu regeln, ist heute bie große Schwierigkeit, unb es ist bie Kernfrage bes Vier- jahresplanes.

Die Sicherstellung der Reichsver­teidigung hat es notwendig gemacht, daß ich eine Verordnung erlassen mußte, die mir an sich nicht leicht geworden ist. Als es darum ging, meine schaffenden Volksgenossen, das Reich zu sichern, als es galt, im Westen eine unüberbrückbare Barriere auf­zubauen, da habe ich nicht gezögert, da habe ich die Pflichtarbeit eingeführt, und die Ar­beiter sind mir willig und freudig gefolgt. Hun­derttausende von Arbeitern sind aus ihren Be­trieben herausgezogen worden. Warum? Weil diese für staatspolitisch notwendige Aufgaben eingesetzt wurden. Ich möchte aber eines gleich betonen, um gar keine Zweifel aufkommen zu lassen: Der Einsatz der Pflichtarbeit darf nur für wirklich wichtige Vorhaben der Sicherheit des Reiches in Frage kommen. Die Entscheidung darüber habe ich mir allein in jedem Falle Vorbehalten. Sollte ich sehen, daß für eine Aufgabe auf dem üblichen Wege die Arbeitskräfte beschafft werden können, dann werde ich nie und nimmer einwilligen, daß für diese Arbeit Pflichlarbeiter zur Verfügung ge­stellt werden. Es darf kein Zweifel darüber be­stehen, daß diese Verordnung eine Sonder- maßnahme für ganz bestimmte Zwecke ist, für Bauvorhaben, von deren Durchführung das Schicksal der Nation schlechterdings abhängt. In der Regel muß der kräflebedars auf dem üblichen Wege gedeckt werden.

Die Aachwuchssrage muß gelöst werden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch einer Aus- landshetze entgegentreten, bie verleumderisch be= hauptet, in Deutschland würde nach- und nach die Zwangsarbeit eingeführt werden. Sie verstehen nicht, Zwang und P f l ichit unter einen Hut zu bringen. Was für uns Pflicht. >st, mag ihnen als Zwang erscheinen. Sie vergessen aber, daß auch der deutsche Arbeiter heute den kategori­schen Imperativ ber Pflicht als Richtungsnabel >n sich trägt, unb baß er auch bereit ist, Zuerst seine Pflichten zu erfüllen. Unb bie höchste Pflicht ist bie Sicherheit bes Reiches, barüber bisfutieren wir mit niemanb in ber Welt. Ich weiß ganz genau, daß man mit Zwang nichts Besvnberes erreicht Ich weiß zu genau: Zwang tötet bie tfreubigEeit ab- babei mürben nur mittelmäßige Leistungen her­auskommen. Ich habe auch gewußt woran ich appelliere, wenn ich ben beutschen Arbeiter z u r Pflicht für bie Sicherheit ber Nation aufrufe. Ich hätte gern gewünscht, daß -bie auslän­dischen Journalisten sich bie Züge angesehen hatten, bie aus allen Teilen bes Deutschen Reiches mit bte= sen sogenanntenZwangsarbeitern" nach bem ! Westen fuhren. Das waren nicht Zwangsarbeuer, sie fuhren jubelnb hin, benn sie wußten: Sie sl- Ichern jetzt bie Grenze bes Reiche?. ! Gottlob zählt bei uns Deutschen bas Eintreten für I bie Sicherheit ber Nation, sei es mit ber Axt ober bem Spaten, mit bem Schwert ober bem Gewehr, ! immer noch zu ben höchsten unb erstrebenswertesten : Pflichten bes beutschen Mannes.

Ich glaube, baß in diesem Augenblick die ganze Umgebung, in ber wir hier sind, uns zu hoch steht, als daß ich auf alle die Kleinigkeiten emgehen kann. Gewiß, es wird immer gewisse Uebergangs- schwierigkeiten geben, daß der eine mal warten mußte, bis bie Baracke gebaut war, daß bem einen bas Fleisch und bem anberen bas gewohnte Gemüse fehlte, bas finb Dinge, bie sich jo nebenbei losen lassen, ^ber es kommt immer nur daran, an. Was soll

hier überhaupt geschafft werden? Und da ist die Willenskraft und bie freudige Einsatzbereitschaft der Hunderttausende wirklich so wunderbar gewesen, daß man immer wieder fragen muß: Was ist diesem Volke überhaupt noch unmöglich? Ich wollte mal sehen, ob eine Nation es fertigbringen kann, in wenigen Tagen und Wochen ein Arbeiterheer von Hunderttausend en aufzustellen, an einem Platze zu vereinigen unb dort eine Arbeit zu vollziehen, von beren Ausmaß sich bie anderen hoffentlich nicht zu überzeugen brauchen.

Wir bekennen es ganz offen: Deutschlanb ist heute bas Land der Arbeit geworden. Wenn es uns an Kräften fehlt, meine lieben Volksgenossen, dann kann ich nicht etwa sagen: Es fehlt an Kräften, also kann die Arbeit nicht getan werden. Sondern ich muß mir dann noch überlegen, was noch Zusätz­liches geschehen kann. Und ihr wißt es selbst: Wenn eine hohe Aufgabe gestellt ist, und ich kann sie nicht durch bie Masse der Arbeiter schaffen, bann muß ich sie burch höhere Leistung unb Mehrarbeit bes einzelnen bewältigen. Hier muß bann bie Qua­lität bie Quantität ersetzen. Und schon aus diesem Grunde ist es unendlich notwendig, baß wir unser Augenmerk auf ben Fach­arbeiternachwuchs richten.

Es ist notwendig, auch den Nachwuchs an gutgualifizierten Kräften auf allen Gebieten, nicht nur der Facharbeiter, auch auf den Technischen Hochschulen, den Universitäten, an Ingenieuren und Chemikern und anderen Berufen heranzubilden. Die deutschen Hoch­schulen müssen heute alle Kräfte aufbieten, um in dieser Zeit ihren Aufgaben gerecht zu werden. In der wissenschaftlichen Forschungs­arbeit und Schulung des Nachwuchses stehen wir voran. Auch die Hochschulen müssen ver­stehen, daß heute die Zeiten einer rührseligen

Altheidelberg-Romanlik vorbei sind, sondern Arbeit heißt das Gesetz der Stunde. Der Deutsche muß heule zeitnah denken, und ich möchte an die deutsche Jugend den Appell richten, sich vor der Berufswahl zu überlegen, welche Berufe das deutsche Vaterland heute am n o 1 w e n dJ g si e n hat. Denn es ist immer höchste Erfüllung eines Berufes, wenn man versieht, daß man in diesem Beruf auch höchsten Dienst für sein Volk leistet.

Diese allgemeine Arbeitsanspannung wirkt sich na­türlich auch in der Arbeitszeit aus. Unb es ist schon notwendig, baß vorübergehend zehn unb mehr Stunben gearbeitet wirb, ünb ich barf euch ver­sichern, Schaffende, bas ist nicht nur bei euch so. Wenn bereinst in ben Ministerien und Amtsstuben ein wohliges Dahindämmern zu Hause war und mitten im Wort Punkt sechs ber Feberhalter weg­gelegt wurde, bann ist bas heute vorbei.

Das Ausland hat es leicht, hier seine Glossen darüber zu machen. Viele europäische Staaten lassen in ihren überseeischen Besitzungen Millionen Misch- , farbiger aller Schattierungen für sich arbeiten. Die Peitsche hinter bem Sklaven herrscht bort immer noch. Ihr Wohlstanb stützt sich nur auf bie Hilfs­quellen bes Mutterlandes. Auch gewaltige Kolonien stehen zu ihrer Verfügung. Das deutsche Volk aber muß auf einem dichtbesiedelten Boden alles aus ft d) allein heraus schaffen, aus seiner Arbeitskraft, aus seiner Hingabe, aus dem deut­schen Boden. Denn man hat uns bie Voraus­setzungen in einem schmachvollen Friedensbiktat ge­nommen. Wenn wir unsere Kolonien be­halten hätten, bann brauchtet ihr, meine Her­ren, euch nicht so viel anzustrengen, barüber nach- zubenken, ob bas beutsche Volk Zwangsarbeit leistet. Wir wissen, wir dürfen nur von unserer eigenen Hände Arbeit leben, nichts können wir ver- brauchen, was wir nickst selbst erzeugt haben. Ungeheure Lücken des Weimarer Systems können nur allmählich wieder geschlossen werben. Trotzbem ist hier, ich möchte sagen. Unwahrscheinliches ge­schehen. Wir, bas heißt unsere Generation, wir wollen unsere besondere Verantwortung fühlen, wir wollen dieser Verantwortung nicht feige ausweichen unb nicht unseren Kindern und Nachkommen über­lassen, was wir selbst tun können. Wir sind bereit und müssen bereit fein, alle Hilfsmittel lethnischer und organisatorischer Art einzusetzen für die Wirt­schaft, damit sie bie Grundlage unseres Lebens beschaffen kann.

Eine Höchftbeanspruchung ber Arbeitskraft setzt natürlich, auch in ber Jbeenwelt bes Nationalsozia­lismus begründet, eine entsprechend Sozial­politik voraus. Sozialer Fortschritt muß auf weite Sicht stets gewährleistet bleiben. Nur bann, wenn ich bereit bin, Aeußerstes an sozialer Leistung zu geben, kann ich auch Aeußerstes an Einsatz- dereitschaft und Pflichterfüllung von euch fordern. (Beifall.) Ich erinnere an die Verordnung zur Be­zahlung der Feiertage, an bie erfolgreichen Bestre­bungen ber Deutschen Arbeitsfront unb befonbers an den Leistungskampf der Betriebe, diesen großen sozialen Wettstreit. Auch meine Verordnung, bie die Aufgaben der Reichstreuhänder ber Arbeit er­weitert hat, möchte ich erwähnen. Die Reichstreu- händer der Arbeit können sich heute praktisch um bie gesamten Arbeitsbedingungen im Betriebe küm­mern. Auf Grund dieser Verordnung wirb es bem Betriebsführer zur Pflicht gemacht, jede Aenderung der Betriebsordnung vorher anzumelden. Ich möchte aber darauf mit Nachdruck Hinweisen, baß diese Verordnung niemals mißbraucht werben barf, ben sozialen Rückschritt zu proklamieren. (Beifall.) Wenn ich die Reichstreuhänder ber Arbeit ange­wiesen habe, sich nicht nur um ben Arbeits­lohn, sondern darüber hinaus auch um die an­deren Arbeitsbedingungen zu kümmern und nötigenfalls einzugreifen (natürlich nur ba, wo die Linie der Staatspolitik überschritten wird), bann heißt bas nicht ohne weiteres, daß sozial­politischDas Ganze halt" geblasen wirb. Noch viel weniger wollen wir den gewaltigen Ausstieg, ben unser soziales Lebern in den letzen Jahren erreicht hat, künstlich wieder zurückschrauben. Nur eines muß unter allen Umständen erreicht werden: Die gegenwärtige Knappheit an Fachkräften darf nicht dazu führen, baß bie Betriebsführer sich durch ungewöhnliche Versprechungen, durch über­steigerte Löhne ober soziale Zuwenbungen gegen­seitig die Arbeiter abjagen. Das allein ist der Sinn ber Verordnung.

Meine Volksgenossen? Ihr wißt es selbst, wenn ich em berartiges Wegengagieren ober solche Ver­tragsbrüche bulben würbe, bann hätten wir in kür­zester Frist auf bem Gebiet bes Arbeitseinsatzes ein Chaos ohnegleichen, unb bie Durchführung all un­serer großen staatspolitischen unb sicherheitswichti­gen Aufgaben wäre auf bas höchste gefährdet. Heber* treibungen können nun einmal immer mehr schaben als nutzen, unb beshalb barf ich sie nicht bulben. Daß aber bie Lebenshaltung tatsächlich in biefem Jahre gestiegen ist, bas können Sie auf allen Ge­bieten sehen.

Mag ba unb bort auch manches zu wünschen übrigbleiben man soll immer wünschen so ist boch vieles geschehen, unb bas Abbild dieses Geschehens zeigt sich ja auch überall. Ganz abgesehen von der Beseitigung ber Ar­beitslosigkeit sehen wir fortgesetzt sieigevbe Um- sahziffern auf allen Gebieten. Wir sehen eine Zunahme bes Verkehrs, bes Besuches ber Gast­stätten, Theater unb Kinos, ber Väber unb ber Kurorte. Wie klein finb demgegenüber Einzel­fragen, bie einmal hier, einmal bort auftreten unb vorübergehenb etwas verstimmen.

Schon möglich, baß mal jemanb nach Hause kommt unb lagt:Ich habe statt eines halben Pfundes nur ein Viertelpfund Butter heute bekommen." Es kann sein, baß statt einem Schwein ein Ochse verkauft wird ober umgekehrt. Der eine will nun mal gerabe Schweinefleisch, wenn es nur Ochsenfleisch gibt, und ber anbere will bas Umgekehrte. Aber bas sind ja alles so nebensächliche Dinge. Der soll hier aufstehen, ber mir erklärt:Ich kann im Dritten Reich nicht satt werben." Den möchte ich sprechen. Ich jeden­falls bin glücklich, bas muß ich euch versichern, baß ich weiß: Das deutsche Volk lebt heute viel besser