tschechischen Motorradfahrer auf einen Ordner der Sudetendeutschen Partei ohne ersichtlichen Grund mehrere Revolver s ch üsse abgegeben, die jedoch glücklicherweise ihr Ziel verfehlten.
In der deutschen Gemeinde Triebendorf pflegt der dort amtierende tschechische chauvinistische Pfarrer Barak in der Kirche regelmäßig das Deutschtum zu beleidigen. Die Bevölkerung bemühte sich seit vielen Jahren bereits, diesen Geistlichen los zu werden. Eingaben blieben jedoch ergebnislos. Nunmehr traten einige Bürger des Ortes an Barak heran, um ihn zum Verlassen des Ortes zu veranlassen. In der Nacht fuhr dieser fort. Darauf erschien Militär und G.e n d a r m e r i.e in Triebendorf und nahm mehrere Mitglieder der SDP. in Haft. Der Ortsvorsteher wurde ebenfalls verhaftet. Barak besaß die Unverfrorenheit, nach Triebendorf zurückzukehren und den Frühgottesdienst zu halten. Die empörten Kirchenbesucher verließen sofort darauf das Gotteshaus.
Ohne Garantien wertlos.
Gerade die Meldungen über die von Dr. Hodza versprochene Liquidierung der Vorfälle von Mährisch-Ost rau zeigen an einer Einzelheit, auf welches Niveau die Tschechei gesunken ist: Die Sudetendeutschen sind heute nicht mehr in der Lage, die von tschechischer Seite genannten Un« tersuchungs, oder Disziplinarmaßnahmen gegen die Schuldigen als Tatsache anzusehen, wie das in einem Rechts- und Ordnungsstaat selbstverständlich wäre. Sie müssen sich vielmehr auf Grund jähriger Rechtsbrüche und Täuschungen die Kontrolle der wirklichen Durchführung jener Maßnahmen vorbehalten. Auch dadurch wird, wieder der
hohe Grad von Unglaubwürdigkekt tschechischer Versicherungen gekennzeichnet, auf den wir hier schon wiederholt hingewiesen haben.
Der erwähnte Vorbehalt ist gleichzeitig das entscheidende Merkmal gegenüber dem Ende der Woche endlich bekanntgewordenen tschechischen Vorschlag. Die Stellungnahme der Sudetendeutschen hat das Wesentliche daran bereits herausgehoben. Man könnte die tschechischen Punkte, Wendungen und Klauseln, die an einer Zubilligung der uneingeschränkten Gleichberechtigung vorbeigehen, geradezu an den Fingern aufzahlen.
3m übrigen ist vorläufig nur zweierlei als für die Bewertung der tschechischen Vorschläge ausschlaggebend zu erwähnen. Einmal ist die Bearbeitung des tschechischen Textes das typische Produkt des Bestrebens, vor der Welt den Anschein der Verständigungsbereitschaft und der Gebefreudigkeit zu erwecken, ein Bestreben, das ja während der gan- zen Dauer des Konfliktes um die Tschechei immer wieder erfolgreich gewesen ist. Man kann sich schon jetzt ausmalen, welche Lobsprüche und welch hohen Prozentsatz von Zugeständnissen man in Paris und London auf bewährtem Zeitungspapier den Tschechen bescheinigen wird. Und zweitens muß selbst ein hundertprozentiges Zugeständnis von tschechischer Seite nach allen Erfahrungen mit der Prager Illoyalität solange wertlos bleiben, als staatsrechtlich bindende Sicherheiten für die Durchführung in keiner Weise gegeben sind. Im übrigen wird man in Westeuropa vermutlich kein Wort darüber verlieren, daß selbst der unzureichende sachliche Inhalt des Prager Vorschlages nur eine neue Bestätigung für das den Sudentendeutschen seit 20 Jahren angetane Unrecht ist. B. R.
„Wir wollen die Selbstbestimmung!"
Gudeiendeutsche Abordnung von Lord ZRunrimon empfangen. — Kundgebungen der sudetendeutschen Bevölkerung.
Karlsbad, 11. Sept. (DNB.) Lord Runci- man empfing auf dem Schloß des Grafen Czernin in Petersburg eine Abordnung der Endete n de utsch e n Partei unter Führung des Kreisleiters Abgeordneten W o l l n e r, der erklärte, das Sudetendeutschtum habe seit den Friedensver- Handlungen von St. Germain einen einzigen Leidensweg erlebt. Als wir im Jahre 1918 in dem Glauben an die 14 Punkte Wilsons die Waffen streckten und in die Heimat zurückkehrten, taten wir das in der selbstverständlichen Hoffnung, daß die in den 14 Punkten festgelegte S e l b st b e st i m - m u n g auch unserem Volke zugute kommen wird. Wir wurden bitter enttäuscht. Nach jähriger Leidenszeit sei die Spannung auf das h ö ch st e gestiegen, die Sudetendeutschen schenkten den tschechischen Versprechungen keinen Glauben mehr. Zum Schluß appellierte Wollner an Runciman, alles in seinen Kräften Stehende zu tun, damit die Sudetendeutschen ihre Rechte erhielten.
Lord Runciman zeigte 'regte Interesse. Durch die Fürsprache des Grafen Ezernin war es zum ersten Male möglich geworden, daß örtliche Vertreter ihre Wünsche und Beschwerden dem Lord direkt vortragen konnten. Lord Runciman ließ durch den Dolmetsch antworten, daß er die Fälle von Unrecht, die ihm zu Gehör gebracht wurden, mit tiefstem Mitgefühl vernommen habe und das mitgebrachte Aktenmaterial studieren werde, doch bitte er, sich vor Augen zu halten, daß er nicht allmächtig sei. . _ , , „
Während der Vorsprache schallte in Sprechchoren der Rus der Menge: „Wir wollen die Selbstbestimmung!" Als Lord Runciman mit Gattin und dem Kreisleiter Wollner auf die Terrasse trat, wollte der Jubel kein Ende nehmen. Die Menge formierte sich zu einem Vorbeimarsch im Schloßpark und sang nochmals das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. In Sprechchoren rief man immer wieder:
Lieber Lord, mach uns frei von der Tschecho-Slowakei."
Lord Runciman dankte unzählige Male durch Aufheben der Hand. Da die Menge keine Anstalten traf, heimzugehen, bat Lord Runciman den Abgeordneten Wollner, für ihn folgende Worte zu sagen: Im Auftrage Lord Runcimans soll ich euch den Dank aussprechen für euer Erscheinen. Lord Runci- man hofft, die tiefe Kluft, die die beiden Nationen dieses Landes trennt, zu überbrücken und beiden Nationen den Frieden zu bringen Tausendstimmig scholl aus der Menge der Ruf „Volksabstimmung" Lord Runciman entgegen. Abgeordneter Wollner fuhr dann fort: „Kameraden, Kameradinnen! Wir hoffen in beiderseitigem Interesse, daß das Recht Sieger bleiben wird. Wir glauben an dieses Recht, das anerkannt werden muß." Abgeordneter Wollner ersuchte dann Die Menge, in Ruhe und Ordnung auseinanderzugehen und brachte auf Lord Runciman ein dreifaches Herl aus. Lord Runciman sprach darauf noch in englischer Sprache zu der Menge folgende Worte^ die Graf Czemin sofort ins Deutsche übersetzt^ „Meine lieben deutschen Männer und Frauen! Sie leben hier in einem wunderschönen Lande, wohl eines Der schönsten auf Erden. Möge Gott diesem lchonen Lande den Frieden geben." Die Menge brach in Jubelrufe aus und sang das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied.
Das Wochenende in Pons.
Paris, 11. Sept. (Europapreß.) Ministerpräsident D a l a d i e r hatte am Samstagnachmittag eine Unterredung mit Generalstabschef GameIin sowie Besprechungen mit Innenminister Sarraut und dem Minister für öffentliche Arbeiten, d e M o n z i e, während Außenminister Bonnet Den Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses des Senates, M i st l e r , zu Rate zog. Als Hauptzweck der kurzen Reise nach Genf, die sonnet am Samstagabend antrat, werden vom -Paris-Mwi Verhandlungen mit dem sowjetrussischen Außenkommissar Litwinow-Finkelstein und dem rumänischen Außenminister Eomnen angegeben. Auf alle Fälle wird Bonnet bereits am Montag- mittag wieder in Paris eintreffen und dem Kabinettsrat einen ausführlichen Bericht über die Lage erstatten. Am Mittwoch tritt bann unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein Ministerrat zusammen.
„Jour" stellt fest, Frankreich sei ganz und gor nicht durch das französisch-tschechische Abkommen zur Waffenhilfe gezwungen, wie man dies behaupte. Man brauche nur die Artikel 1 und 2 dieses Abkommens au lesen, um fefauftetfen. daß die ganze Angelegenheit vor einer Geste der Solidarität Prag gegenüber in Genf unterbreitet werden müsse und daß die Anwendung von Sanktionen vor einer Entscheidung der Genfer Liga lediglich eine
„Möglichkeit" darstelle. Diese Tatsache sei zwar nur eine provisorische Barriere gegen einen europäischen Krieg. Frankreich und England aber hätten e i n kategorisches Mittel dagegen, nämlich die Tschecho-Slowakei zu zwingen, ihre Versprechungen von 1919 zu halten. Am 5. Februar 1919 habe Benesch die Schaffung des tschechoslowakischen Staates durchzusetzen versprochen, eine „verbesserte Schweiz" aus ihr zu machen. „Jour" fordert schärfsten Druck von London und Paris auf Prag, um endlich den vor 20 Jahren akut gewordenen Forderungen zu entsprechen.
Die Pariser Presse, an .ihrer Spitze der halbamtliche „Petit Parisien", betrachtet die Lage zur Zeit als „stationär". Im übrigen beschäftigt sich die Presse in rtidjt immer freundlicher Form mit der Wiedergabe der ity Nürnberg gehaltenen Reden. Die Rede Görings in Nürnberg brachten die Nach, Mittagsblatter in Extra-Ausgaben. Zu den Sätzen aus dem Schlußteil der Rede Görings, die in Sperrdruck auf den ersten Seiten hervorgehoben werden, gehören die Feststellungen, daß Deutschland die Ent- wjcklung mit. Ruhe gbwarte, daß Deutschland zum letzten Opfer bereit sei, und daß kein Angriff auf den deutschen Boden vorgetragen werden könne. Die Zeitungen bringen der Göring-Rede kein Der- ständnis entgegen und bezeichnen sie als außerordentlich heftig. Sie unterstreichen, daß die Versicherungen der Macht und Unbesiegbarkeit Deutschlands bei den Massen in Nürnberg eine riesige Begeisterung gefunden, haben Der Sonderberichterstatter der „Epogue" schreibt, Göring fei unbestreitbar ein großer Redner. Er besitze Kraft und Feuer und habe eine tiefe Wirkung gehabt.
M'm'sterbesprechUliaen in London
Starker Eindruck der Göring-Rede.
London, 11. Sept. (Europapreß.) Zur Erörterung der im Zusammenhang mit der tschechoslowakischen Frage stehenden Fragen hatten sich am Sonntagvormittag Lord Halifax, Sir John Simon, Sir Samuel Hoare, Sir Robert V a n s i 11 a r t und Sir Alexander C a d o g a n bei Chamberlain eingefunben. Dann begab sich Lord Halifax ins Foreign Office, um den früheren Außenminister Eden zum zweitenmale zu empfangen. der bei ihm fast eine Stunde blieb, während Ministerpräsident Chamberlain am Samstag eine Unterredung mit Winston Churchill und dem Vorsitzenden der Arbeiterpartei, Attlee, hatte. In parlamentarischen Kreisen konnte man in Zusammenhang mit den Besuchen Edens, Churchills und Attlees das Schlagwort von der „Konzentration der Ärfiffe" hören. Sonntagabend suchte der amerikanische Botschafter Kennedy den Ministerpräsidenten auf, nachdem er bereits am Nachmittag eine längere Unterredung mit Außenminister Lord Halifax gehabt hatte.
In der englischen Sonntags presse ist ein pessimistischer Unterton nicht zu verkennen. Gleichzeitig geht aber aus den Londoner Sonntaasblattern hervor. daß man sich nach wie vor bemüht, sich nach ke'n-r Wrhfuna hin festzuleaen.
Die Rede Görings in Nürnberg wird von der gesamten Sonntaasvresie ausführlich gebracht. Aus den Berichten geht hervor, daß die Rede einen starken Eindruck gemacht hat: jedoch liegen Kommentare bisher noch nicht vor. ..Sunday Times" weist besonders auf die aroßen Mengen an Lebensmitteln hin, die es Deutschland gestatteten, jeder Blockade zu trotzen. Im „DMeroer" wird dar- auf hinaewiesen. daß Deutschland feine Verfolgung seiner sudetendeutschen Bruder dulden werde — Der liberale . Sunday ChronRle" betont, daß Göring erklärt habe. Deutschlands Luftstreitmacht fei d i e größte der Welt. — „Sunday Erpreß" ver- öffentlicht die Rede unter der Ueberfchrist „Deutschland ist unbesiegbar".
(Smpfotto ou^änbifcfw Journalisten durch den Bührer.
London, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter berichten über den Empfang einer Reihe von ausländischen Journalisten durch den Führer Sie bemerken dabei, daß sich der Führer in bester Laune mit den ausländischen Gästen, insbesondere über Kunstfragen unterhalten habe. Im Nürnberger Bericht der „Times" wird von der Harmonie des Empfanges gesprochen, den der Reichsaußenminister veranstaltet habe, und bei dem der Führer eine freundliche Unterhaltung mit einigen feiner englischen Ehrengäste geführt habe. Im „Daily Telegraph" heißt es, der Führer sei sehr guter Laune gewesen. Er habe die Politik vermieden und über die verschiedensten anderen Themen gesprochen .Daily Herold" (marxistisch) ist entrüstet, daß Adolf Hitler die Wißbegier der Auslandspresse dadurch enttäuscht habe, daß er unter anderem das Thema
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