Ausgabe 
12.9.1938
 
Einzelbild herunterladen

tschechischen Motorradfahrer auf einen Ordner der Sudetendeutschen Partei ohne ersichtlichen Grund mehrere Revolver s ch üsse abgegeben, die jedoch glücklicherweise ihr Ziel verfehlten.

In der deutschen Gemeinde Triebendorf pflegt der dort amtierende tschechische chauvinistische Pfarrer Barak in der Kirche regelmäßig das Deutschtum zu beleidigen. Die Bevölkerung bemühte sich seit vielen Jahren bereits, diesen Geistlichen los zu werden. Eingaben blieben jedoch ergebnislos. Nunmehr traten einige Bürger des Ortes an Barak heran, um ihn zum Verlassen des Ortes zu veran­lassen. In der Nacht fuhr dieser fort. Darauf er­schien Militär und G.e n d a r m e r i.e in Trie­bendorf und nahm mehrere Mitglieder der SDP. in Haft. Der Ortsvorsteher wurde ebenfalls ver­haftet. Barak besaß die Unverfrorenheit, nach Trie­bendorf zurückzukehren und den Frühgottesdienst zu halten. Die empörten Kirchenbesucher verließen so­fort darauf das Gotteshaus.

Ohne Garantien wertlos.

Gerade die Meldungen über die von Dr. Hodza versprochene Liquidierung der Vorfälle von Mährisch-Ost rau zeigen an einer Ein­zelheit, auf welches Niveau die Tschechei gesunken ist: Die Sudetendeutschen sind heute nicht mehr in der Lage, die von tschechischer Seite genannten Un« tersuchungs, oder Disziplinarmaßnahmen gegen die Schuldigen als Tatsache anzusehen, wie das in einem Rechts- und Ordnungsstaat selbstverständlich wäre. Sie müssen sich vielmehr auf Grund jäh­riger Rechtsbrüche und Täuschungen die Kon­trolle der wirklichen Durchführung jener Maß­nahmen vorbehalten. Auch dadurch wird, wieder der

hohe Grad von Unglaubwürdigkekt tschechischer Ver­sicherungen gekennzeichnet, auf den wir hier schon wiederholt hingewiesen haben.

Der erwähnte Vorbehalt ist gleichzeitig das ent­scheidende Merkmal gegenüber dem Ende der Woche endlich bekanntgewordenen tschechischen Vor­schlag. Die Stellungnahme der Sudetendeutschen hat das Wesentliche daran bereits herausgehoben. Man könnte die tschechischen Punkte, Wendungen und Klauseln, die an einer Zubilligung der unein­geschränkten Gleichberechtigung vorbeigehen, gerade­zu an den Fingern aufzahlen.

3m übrigen ist vorläufig nur zweierlei als für die Bewertung der tschechischen Vorschläge ausschlag­gebend zu erwähnen. Einmal ist die Bearbeitung des tschechischen Textes das typische Produkt des Bestrebens, vor der Welt den Anschein der Ver­ständigungsbereitschaft und der Gebefreudigkeit zu erwecken, ein Bestreben, das ja während der gan- zen Dauer des Konfliktes um die Tschechei immer wieder erfolgreich gewesen ist. Man kann sich schon jetzt ausmalen, welche Lobsprüche und welch hohen Prozentsatz von Zugeständnissen man in Paris und London auf bewährtem Zeitungspapier den Tsche­chen bescheinigen wird. Und zweitens muß selbst ein hundertprozentiges Zugeständnis von tschechi­scher Seite nach allen Erfahrungen mit der Prager Illoyalität solange wertlos bleiben, als staatsrecht­lich bindende Sicherheiten für die Durchfüh­rung in keiner Weise gegeben sind. Im übrigen wird man in Westeuropa vermutlich kein Wort dar­über verlieren, daß selbst der unzureichende sach­liche Inhalt des Prager Vorschlages nur eine neue Bestätigung für das den Sudentendeutschen seit 20 Jahren angetane Unrecht ist. B. R.

Wir wollen die Selbstbestimmung!"

Gudeiendeutsche Abordnung von Lord ZRunrimon empfangen. Kundgebungen der sudetendeutschen Bevölkerung.

Karlsbad, 11. Sept. (DNB.) Lord Runci- man empfing auf dem Schloß des Grafen Czernin in Petersburg eine Abordnung der Ende­te n de utsch e n Partei unter Führung des Kreisleiters Abgeordneten W o l l n e r, der erklärte, das Sudetendeutschtum habe seit den Friedensver- Handlungen von St. Germain einen einzigen Lei­densweg erlebt. Als wir im Jahre 1918 in dem Glauben an die 14 Punkte Wilsons die Waffen streckten und in die Heimat zurückkehrten, taten wir das in der selbstverständlichen Hoffnung, daß die in den 14 Punkten festgelegte S e l b st b e st i m - m u n g auch unserem Volke zugute kommen wird. Wir wurden bitter enttäuscht. Nach jäh­riger Leidenszeit sei die Spannung auf das h ö ch st e gestiegen, die Sudetendeutschen schenk­ten den tschechischen Versprechungen keinen Glau­ben mehr. Zum Schluß appellierte Wollner an Runciman, alles in seinen Kräften Stehende zu tun, damit die Sudetendeutschen ihre Rechte er­hielten.

Lord Runciman zeigte 'regte Interesse. Durch die Fürsprache des Grafen Ezernin war es zum ersten Male möglich geworden, daß örtliche Vertreter ihre Wünsche und Beschwerden dem Lord direkt vortragen konnten. Lord Runciman ließ durch den Dolmetsch antworten, daß er die Fälle von Unrecht, die ihm zu Gehör gebracht wur­den, mit tiefstem Mitgefühl vernommen habe und das mitgebrachte Aktenmaterial studieren werde, doch bitte er, sich vor Augen zu halten, daß er nicht allmächtig sei. . _ , ,

Während der Vorsprache schallte in Sprechchoren der Rus der Menge:Wir wollen die Selbstbestimmung!" Als Lord Runciman mit Gattin und dem Kreisleiter Wollner auf die Terrasse trat, wollte der Jubel kein Ende nehmen. Die Menge formierte sich zu einem Vorbeimarsch im Schloßpark und sang nochmals das Deutschland­lied und das Horst-Wessel-Lied. In Sprechchoren rief man immer wieder:

Lieber Lord, mach uns frei von der Tschecho-Slowakei."

Lord Runciman dankte unzählige Male durch Aufheben der Hand. Da die Menge keine Anstalten traf, heimzugehen, bat Lord Runciman den Abge­ordneten Wollner, für ihn folgende Worte zu sagen: Im Auftrage Lord Runcimans soll ich euch den Dank aussprechen für euer Erscheinen. Lord Runci- man hofft, die tiefe Kluft, die die beiden Nationen dieses Landes trennt, zu überbrücken und beiden Nationen den Frieden zu bringen Tausendstimmig scholl aus der Menge der RufVolksabstim­mung" Lord Runciman entgegen. Abgeordneter Wollner fuhr dann fort:Kameraden, Kameradin­nen! Wir hoffen in beiderseitigem Interesse, daß das Recht Sieger bleiben wird. Wir glauben an dieses Recht, das anerkannt werden muß." Abgeordneter Wollner ersuchte dann Die Menge, in Ruhe und Ordnung auseinanderzugehen und brachte auf Lord Runciman ein dreifaches Herl aus. Lord Runciman sprach darauf noch in eng­lischer Sprache zu der Menge folgende Worte^ die Graf Czemin sofort ins Deutsche übersetzt^Meine lieben deutschen Männer und Frauen! Sie leben hier in einem wunderschönen Lande, wohl eines Der schönsten auf Erden. Möge Gott diesem lchonen Lande den Frieden geben." Die Menge brach in Jubelrufe aus und sang das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied.

Das Wochenende in Pons.

Paris, 11. Sept. (Europapreß.) Ministerpräsi­dent D a l a d i e r hatte am Samstagnachmittag eine Unterredung mit Generalstabschef GameIin sowie Besprechungen mit Innenminister Sarraut und dem Minister für öffentliche Arbeiten, d e M o n z i e, während Außenminister Bonnet Den Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses des Senates, M i st l e r , zu Rate zog. Als Hauptzweck der kurzen Reise nach Genf, die sonnet am Samstagabend antrat, werden vom -Paris-Mwi Verhandlungen mit dem sowjetrussischen Außenkom­missar Litwinow-Finkelstein und dem ru­mänischen Außenminister Eomnen angegeben. Auf alle Fälle wird Bonnet bereits am Montag- mittag wieder in Paris eintreffen und dem Kabi­nettsrat einen ausführlichen Bericht über die Lage erstatten. Am Mittwoch tritt bann unter dem Vor­sitz des Präsidenten der Republik ein Ministerrat zusammen.

Jour" stellt fest, Frankreich sei ganz und gor nicht durch das französisch-tschechische Abkommen zur Waffenhilfe gezwungen, wie man dies behaupte. Man brauche nur die Artikel 1 und 2 dieses Ab­kommens au lesen, um fefauftetfen. daß die ganze Angelegenheit vor einer Geste der Solidarität Prag gegenüber in Genf unterbreitet werden müsse und daß die Anwendung von Sanktionen vor einer Entscheidung der Genfer Liga lediglich eine

Möglichkeit" darstelle. Diese Tatsache sei zwar nur eine provisorische Barriere gegen einen europäischen Krieg. Frankreich und England aber hätten e i n kategorisches Mittel dagegen, nämlich die Tschecho-Slowakei zu zwingen, ihre Verspre­chungen von 1919 zu halten. Am 5. Fe­bruar 1919 habe Benesch die Schaffung des tschecho­slowakischen Staates durchzusetzen versprochen, eine verbesserte Schweiz" aus ihr zu machen. Jour" fordert schärfsten Druck von London und Paris auf Prag, um endlich den vor 20 Jahren akut gewordenen Forderungen zu entsprechen.

Die Pariser Presse, an .ihrer Spitze der halb­amtlichePetit Parisien", betrachtet die Lage zur Zeit alsstationär". Im übrigen beschäftigt sich die Presse in rtidjt immer freundlicher Form mit der Wiedergabe der ity Nürnberg gehaltenen Reden. Die Rede Görings in Nürnberg brachten die Nach, Mittagsblatter in Extra-Ausgaben. Zu den Sätzen aus dem Schlußteil der Rede Görings, die in Sperr­druck auf den ersten Seiten hervorgehoben werden, gehören die Feststellungen, daß Deutschland die Ent- wjcklung mit. Ruhe gbwarte, daß Deutschland zum letzten Opfer bereit sei, und daß kein Angriff auf den deutschen Boden vorgetragen werden könne. Die Zeitungen bringen der Göring-Rede kein Der- ständnis entgegen und bezeichnen sie als außer­ordentlich heftig. Sie unterstreichen, daß die Ver­sicherungen der Macht und Unbesiegbarkeit Deutsch­lands bei den Massen in Nürnberg eine riesige Be­geisterung gefunden, haben Der Sonderbericht­erstatter derEpogue" schreibt, Göring fei un­bestreitbar ein großer Redner. Er besitze Kraft und Feuer und habe eine tiefe Wirkung gehabt.

M'm'sterbesprechUliaen in London

Starker Eindruck der Göring-Rede.

London, 11. Sept. (Europapreß.) Zur Er­örterung der im Zusammenhang mit der tschecho­slowakischen Frage stehenden Fragen hatten sich am Sonntagvormittag Lord Halifax, Sir John Simon, Sir Samuel Hoare, Sir Robert V a n s i 11 a r t und Sir Alexander C a d o g a n bei Chamberlain eingefunben. Dann begab sich Lord Halifax ins Foreign Office, um den früheren Außenminister Eden zum zweitenmale zu emp­fangen. der bei ihm fast eine Stunde blieb, wäh­rend Ministerpräsident Chamberlain am Samstag eine Unterredung mit Winston Churchill und dem Vorsitzenden der Arbeiterpartei, Attlee, hatte. In parlamentarischen Kreisen konnte man in Zusammenhang mit den Besuchen Edens, Chur­chills und Attlees das Schlagwort von derKon­zentration der Ärfiffe" hören. Sonntagabend suchte der amerikanische Botschafter Kennedy den Mi­nisterpräsidenten auf, nachdem er bereits am Nach­mittag eine längere Unterredung mit Außenminister Lord Halifax gehabt hatte.

In der englischen Sonntags presse ist ein pessi­mistischer Unterton nicht zu verkennen. Gleichzeitig geht aber aus den Londoner Sonntaasblattern her­vor. daß man sich nach wie vor bemüht, sich nach ke'n-r Wrhfuna hin festzuleaen.

Die Rede Görings in Nürnberg wird von der gesamten Sonntaasvresie ausführlich gebracht. Aus den Berichten geht hervor, daß die Rede einen starken Eindruck gemacht hat: jedoch liegen Kommentare bisher noch nicht vor. ..Sunday Times" weist besonders auf die aroßen Mengen an Lebensmitteln hin, die es Deutschland gestatteten, jeder Blockade zu trotzen. ImDMeroer" wird dar- auf hinaewiesen. daß Deutschland feine Verfolgung seiner sudetendeutschen Bruder dulden werde Der liberale . Sunday ChronRle" betont, daß Göring erklärt habe. Deutschlands Luftstreitmacht fei d i e größte der Welt.Sunday Erpreß" ver- öffentlicht die Rede unter der UeberfchristDeutsch­land ist unbesiegbar".

(Smpfotto ou^änbifcfw Journalisten durch den Bührer.

London, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter berichten über den Empfang einer Reihe von ausländischen Journalisten durch den Führer Sie bemerken dabei, daß sich der Führer in bester Laune mit den ausländischen Gästen, ins­besondere über Kunstfragen unterhalten habe. Im Nürnberger Bericht derTimes" wird von der Har­monie des Empfanges gesprochen, den der Reichs­außenminister veranstaltet habe, und bei dem der Führer eine freundliche Unterhaltung mit einigen feiner englischen Ehrengäste geführt habe. ImDaily Telegraph" heißt es, der Führer sei sehr guter Laune gewesen. Er habe die Politik vermieden und über die verschiedensten anderen Themen gesprochen .Daily Herold" (marxistisch) ist entrüstet, daß Adolf Hitler die Wißbegier der Auslandspresse dadurch enttäuscht habe, daß er unter anderem das Thema

U

.)///////«'

Nein - idi sagte 31

tTssgiSff *

6T10V