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Zreitag, 12. August 1938
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
jrr.iSZ Zweites Blatt
in den fallen. ,
Der Einblick in die Gesamtplanung und Gestaltung vermittelte einen imposanten Eindruck von
Aus der Stadt Gießen
Spinne am Morgen ...
„Aha! Jetzt weiß ich auch, warum ich heute die-
jagt Frau Meier mit bedeutungs- ihrer Auffassung ganz unzweifelhaft daß gel-gent-
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Kummer und Sorgen.
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Oer Gauleiter in der Bau- und Giedlungöauöstellunq.
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Oer Maler Oelacro x.
seinem 75. Todestage am 13. August.
Wemilig!
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Allerdings, der Ders ist erstaunlich weit verbreitet, und sobald irgendwo etwas schief geht, dann wird es auf das Konto der armen Spinne geschrieben. Und doch hat sie wirklich nichts mit der angebrannten Milch zu tun. Ja, sie ist in Wahrheit die verkörperte Unschuld, denn es besteht zwischen ihr und der sprichwörtlichen Redensart nicht einmal ein Zusammenhang. Tatsächlich bezieht sich nämlich jener Vers auf die Tätigkeit des Spinnens. Spinnen am Morgen, das war in früheren Zeiten gleichbedeutend mit kärglichen und sorgenvollen Verhältnissen, weil das Spinnen gewöhnlich abends geschah. Abends wurde es zu einer in Gesellschaft ausgeübten angenehmen Beschäftigung, die man wohl als „erquickend und labend" ansehen konnte.
Und eben darum verdient die Spinne auf der Fensterbank eine Ehrenrettung. Aber es ist ja gemeinhin recht bequem, für ein eigenes Versehen nach einem Uebeltäter zu suchen, und darin teilt die Spinne ihr Schicksal mit der schwarzen Katze. Was die eine durch ihr Dasein auf dem Fensterbrett oder sonstwo verursacht, ruft die andere durch ihr Spazierengehen auf der Straße hervor. Wieviel Jäger hätten eine weit bessere Jagdbeute nach Hause gebracht, wieviel Geschäfte hätten einen glänzenden Erfolg gehabt, wenn nicht die schwarze Katze auf dem Wege gewesen wäre. Dabei ist die brave Miez gewiß nur ganz zufällig des Weges gekommen und ahnt nicht einmal, welche raffinierte Boshaftigkeit und teufliche List ihr unterschoben wird.
Aber die Leute, die sich solchermaßen auf die dä-
dieser gewaltigen Schau, die in der Größe ihrer Anlage^ wie in der gründlichen Behandlung von Einzelfragen des Siedlungswesens erstmalig ist. Schon jetzt kann von der Deutschen Bau- und Siedlungsausstellung, die am 3. September ihre Tore öffnet, gesagt sein, daß sie für die weitere praktische Verwirklichung des Siedlungsgedankens einen wich-
erschöpft. Aber jetzt hatte auch er Augen für die betörende Aussicht, die im lieblichen Tal, tief unter uns, das sonntäglich stille Städtchen zeigte, eingebettet in der sanften Delle eines dicken Kissens von Buckelwiesen.
Warum wir denn durchaus weiter wollten, fragte unser ratbereiter Führer, der sein Englisch aus siebenjährigem Aufenthalt in Amerika hatte und nun wieder ein handfestes Bayerisch sprach. Wir müßten doch wohl erst heute abend die Weißenburger Waldoper sehen. Weißenburger Waldoper? Wir sahen uns zweifelnd an. Er aber fuhr gleich schweres Geschütz auf: erste Kräfte aus Hamburg und Wiesbaden, dazu das NS.-Frankenorchester, wir würden ja sehen.
Da fuhren wir schnell entschlossen in die Stadt — es lebe der Zufall! —, fielen aus einem Erstaunen ins andere, als wir die behagliche Eleganz des kleinen Hotels von innen sahen, und standen eine halbe Stunde später an der Kasse der Waldoper, vor der Hunderte von Autos und Autobussen standen — jawohl Hunderte. Drinnen war der schönste Theatersaal, den man sich wünschen kann. Der
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vollem Nicken zu ihrer Nachbarin. „Jetzt ist es mir ganz klar. Erst brennt mir die Milch an, und nun läßt mich auch noch meine Schneiderin im Stich. Alles nur wegen dieser dummen Spinne heute früh. Direkt auf der Fensterbank sah ich sie krabbeln. Die Nachbarin versteht selbstverständlich. Wenn es so ist, dann natürlich. Jeder kennt doch den weit verbreiteten Vers: „Spinne am Morgen bringt
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belehren. Sie wissen auch ganz genau, daß dritte Personen von einem Menschen reden, der gerade ein Klingeln im Ohr verspürt. Ebenso ist es nach
versicht gründen, — aber eines Tages läuft dem einen ein Mädchen übern Weg, im wahren Sinne des Wortes, und schon ist der Teufel los. Wie sehr er los ist, mag sich jeder selbst ansehen-, manche werden vielleicht sagen, dies sei ein Roman, aber wir finden, daß solche Romane im Leben öfters vorkommen. Uebrigcns haben die Autoren, der Regisseur und die Darsteller Humor; das ist allemal ein Gewinn; und außerdem wird ausgezeichnet gespielt. Man sieht z. B. Volker v. Collande und Rene Deltgen, zwei Freunde, zwei anständige, brauchbare, junge Leute. Man sieht den Komiker Rudolf Platte und sieht mit Vergnügen Ernst Waldow von einer ganz neuen Seite, ohne Schärfe, Kanten und Hemmungen, sehr menschlich und beinah ein bißchen rührend. Dor allem aber: Ruth H e l l b e r g; wir sahen sie zuerst als die kleine Pariserin in „Yvette" neben der Dorsch; hier hat sie ungefähr das Gegenteil von jener Rolle zu spielen, nämlich ein „Fräulein mit Erfahrung", und es ist verblüffend zu sehen, mit welcher in- stinkthaften Sicherheit sie den Wesenszügen dieses fragwürdigen Geschöpfes nachgespürt hat und es lebendig zu machen versteht: ein richtiges kleines Luder, genußsüchtig und verdorben, raffiniert berechnend, kokett, zärtlich und unzuverlässig. Das gibt alles zusammen eine sehr überlegen gesehene und völlig geschlossene schauspielerische Leistung, die jener früheren in „Pvette" mindestens ebenbürtig ist. Viktoria v. B a l l a s k o und Paul Dahlke schaffen ebenfalls vortrefflich beobachtete Figuren. — (Terra.)
Im Beiprogramm gibt es außer der Wochenschau und hübschen Kinderszenen eines Kulturfilms auf der Bühne „2 Do mb a y", die mit Musikvorträgen freundlichen Beifall ernteten. Hans Thynot.
WXAI„ „Vi)V..... „Die wahre Größe läßt keine
Exzentr'ität zu" — es ist nur eine unter vielen, ähnlich lautenden Tagebuchaufzeichnungen. Mochte er gegen seinen Antipoden Ingres und die Tyrannei der Zeichnung in heftigsten Ausfällen wettern — im stillen hat er Ingres, damit aber auch Raffael und alle nicht explosive, von der höchsten Kunstoernunft geleitete Malerei doch willig anerkannt und die großen Meister gepriesen „die ihrem Naturell gehorchen, aber ihm auch befehlen . Im Besitz dieser wunderbaren Selbsterkenntnis, die ihm auch in der Praxis des Malens stets warnend zur Seite stand und das rechte Maß vorschrieb, ist Eugene Delacroix durchaus Franzose, freilich Franzose in einem umfassenderen Sinne als David und auch Ingres. Diese haben die überlegene Zeichnung und die klare, durchdachte Komposition, aber sie haben nicht die erregende Sinnlichkeit der Farbe, ohne welche die höchsten Forderungen der Malerei doch unerfüllt bleiben. Delacroix hat beides, wenn auch unter der Vorherrschaft der Farbe; sie wirkt bei ihm nicht als Zutat, sondern als die elementare Grundvoraussetzung, die erst das Bild zum Bude macht. Und darum ist er, bis zum Auftreten der Impressionisten, die auf seinen Schultern stehen, der größte „Maler" in der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts. wT. , , ....
Ernst v. Niebelschutz.
liches Jucken in der rechten Hand der Vorbote einer baldigen unverhofften Geldeinnahme ist. (Wenn es doch nur wqhr wäre!) Diese Leute hüten sich natürlich auch, mit dem linken Fuß zuerst aufzustehen, und sie raten dringend davon ab, auf einem bereits beschrittenen Wege noch einmal umzukehren, um etwas Vergessenes zu holen.
Und doch wäre es entschieden besser, wenn sie aus alle diese abergläubischen Vorstellungen verzichten und sich auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen würden. Ihr eigenes Leben würde nur gewinnen, und sowohl die harmlose Spinne, als auch die schwarze Katze wären künftig gerechterweise jeder Verantwortung enthoben. H. W. bch.
NSG. Am gestrigen Donnerstagnachmittag tete Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger Frankfurter Messegelände einen Besuch ab, um sich vorn Fortschritt der Arbeiten für die große Deutsche Bau- und Siedlungs-Ausstel- lung zu überzeugen. Unter Führung des Leiters des Gauheimstättenamtes, Gauamtsleiter A v i e n y , besichtigte er die nahezu fertiggestellte Mustersiedlung, in der die wegweisenden bautechnischen wie sozialpolitischen Erfahrungen unseres Gaues besonders zur Geltung gekommen sind, das aufgebaute Lager des Reichsarbeitsdienstes und die Aufbauten
Dornotizen.
Tageskalender für Freilag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Schwarzfahrt ins Glück".
BDM - u.IM.-Untergau 116 Gießen
Heute abend wird ab 6 Uhr für den Führerinnen- Fünfkampf in der Müllerschen Badeanstalt geschwommen. Gleichzeitig kann dabei die Schwimmprüfung für das BDM.-Leistungsabzeichen und den Reichsschwimmschein Nr. 1 und 2 abgenommen werden. Wenn schlechtes Wetter ist, verlegen wir das Schwimmen auf Samstag abend zur gleichen Zeit.
Sonntag, 14. August, beginnen wir morgens pünktlich um 8 Uhr mit dem sportlichen Drei- kampf der Unterführerinnen. Die Gießener M- unb JM.-Gruppensportwartinnen tragen dafür Sorge, daß Bandmaß, Stoppuhr und Schleuderball der Gruppe mitgebracht werden. Wer nicht rnittur- nen kann, wird 'als Kampfrichter eingesetzt.
Zeder trägt dieReichsparteitagplalette
NSG. In den Wochen vor dem Reichsparteitag werden in allen Orten unseres Gaues die 23olf5= genossen Gelegenheit haben, die Plakette des Reichs-
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Ernst R o d e n w a l d t, der vor drei Jahren als Ordinarius für Hygiene von Kiel nach Heidelberg berufen wurde, und dessen Arbeiten vorwiegend auf dem Gebiet der Bakteriologie, Parasitologie, Eugenik und Rassenmischung liegen, vollendete sein 6 0. Lebensjahr. Gebürtiger Berliner, hat er in Halle promoviert. Er begann seine berufliche Tätigkeit als aktiver Militärarzt und wurde in dieser Eigenschaft auch nach Togo kommandiert. 1919 habilitierte er sich in Heidelberg, ging aber 1921 als Gouvernementsarzt nach Nieder- ländisch-Ostindien, wo er die Malariabekampfung leitete. Von 1928 bis 1932 war er als Inspekteur des Dolksgesundheitsdienftes in Ost-Java tätig, dann wurde er nach Batavia berufen und übernahm schließlich den Lehrstuhl für Hygiene in Kiel.
Parteitags 1938 zu erwerben. Die Plakette, die symbolhaft die Rückkehr der Ostmark ins Reich oer- sinnbildlicht, sollte von jedem Volksgenossen, auch wenn er am Reichsparteitag selbst nicht teilnehmen kann, erworben werden, weil er sich damit ein Erinnerungszeichen schafft, das auch noch später ‘ Kampf des Führers und seines Volkes kündet somit einen Wert für alle Zeiten besitzt.
Unser Mitarbeiter ist auf einer Fahrt nach < Süddeutschland begriffen, die verabredungs- I gemäß keinerlei Plan haben darf und in : ihrem Verlauf lediglich vom Zufall abhängig gemacht wird. Wir haben ihn gebeten, uns einiges davon zu erzählen.
Weißenburg, im August.
Das kann einem mitten im tiefsten Frankenwald gieren, daß ein Tageserlebnis mit einem Ge- !nöch auf englisch anfängt und mit einer zauberet schönen Waldoper endet. Wäre uns das ohne fr, Verabredung mit meinem Verlag so gegangen? Ur haben uns nämlich verpflichtet, aus der Mil- stnenstadt im Norden in irgendeiner Richtung jl'tzufahren und uns nun treiben zu lassen, nicht ei mal eine Karte mitzunehmen, keinerlei Wegweiser zu beachten und niemanden nach fr-n weiteren Wege zu fragen. Nur innerhalb tz oßdeutschlands müssen wir bleiben. —
21m Lauf der Sonne und an den Veränderungen
Landschaft haben wir, mein langjähriger Landerkamerad Pim und ich, gemerkt, daß wir vis dem Fichtelgebirge nähern. B e r n e ck , das schliche Bad, wird erstes Nachtquartier. So, wie ttr am anderen Morgen mit dem Wagen aus dem lliterfchlupf kommen, so fahren wir blind drauflos ts dem Städtchen. „Nicht nach den Wegweisern hen!" ermahnen wir uns gegenseitig. Aber das i-sengroße Schild „R e i ch s a u t o b a h n" kann rein ja nun beim besten Willen nicht übersehen. tir) und gut, wir schwingen uns von Hügel zu 'ßigel, werden fast unmerklich von der Autobahn cif die mächtige Zementstraße des Parteitagge- lndes geleitet, winden uns vorsichtig durch die top.n Straßen Nürnbergs — „Links oder ichts jetzt?" Egal. Wo wir wohl heute abend unser siinendurchglühtes Haupt betten werden ...? „Die vjchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre ■•fter", nörgelt Pim, „aber mir ham nit amal a
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I |dt ungeahnte Folgen. .
Wir sind hohl vor Hunger nach der langen Fahrt. ! a führt uns unser freundlicher Nachbar auf Oie whe Höhe zum „Keller", wo es Hausgeschlachtetes inb ein Bier gibt, „ein Siner, sage ich Ihnen ... (r hatte in allem recht. Besser als in diesen Felsen- •t Ilern kann das Bier nicht liegen. Selbst Pim, der d»ch einen ganzen Kopf kleiner ist als ich, stürzte sch förmlich in t ri':------ ,,nh fnm
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Falstaff im Frankenwald.
Öitte ziellose Reise, ein tiefer Trunk und „Oie lustigen Weiber von Windsor".
Don unserem Or.Bu.-Mitarbeiter.
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Wilhelm Lange.
Ernst Blum. H lur die Bilden
Ernst Blum- lhyriot; für den ik'genleiter: -ans 'r den Inhalt bei I- 38:9034. Drud ruckerei R.Lange, bezugspreis RR chr, mit der M. spreiz 10 Pf. und -rten 5 Pf. mehr. • September 1931
Theophile Silvestre, dem wir eine hinreißend I-schriebene Abhandlung über den größten roman- . loschen Maler Frankreichs verdanken, faßt sein Ur- . I“il über ihn in diesen Worten zusammen: „2) e I a ’ iroix, Maler aus einem großen Geschlecht, hatte iine Sonne im Gehirn und einen Orkan im Herzen, -ienig Jahre schlug er die ganze Tonleiter menschlicher Leidenschaften an; grandios, furchterregend ieber mild führte sein Pinsel von Heiligen zu Stiegern, von Kriegern zu Liebenden, von Liebenden ßu Tigern, von Tigern zu Blumen". Man präge Pch diese Worte ein, vergleiche sie mit dem Werk, -unb man wird erkennen, wenn sie als wahr oe- i:unben werden, daß man hier einer Erscheinung Mgenübersteht, die mit der sonst so kühlen, so wohl temperierten und kristallklaren Kunst Frankreichs nur schwer in Einklang zu bringen ist. Dies mag mich der Grund dafür sein, daß uns Deutschen, Oie »ir in der Kunst die Ausnahme mehr als die Regel, ■•en Eroberer mehr als den Erben heben, unter nllen französischen Malern des 19. Jahrhunderts ® mächtig anspricht, keiner uns so viel zu sagen Hat wie gerade Eugene Delacroix. Daumier, •en anderen großen Romantiker der Franzosen, 'ielleicht ausgenommen, und auch Vincent v a Togh, den einzigen legitimen Nachfolger v Delacroix, der aber blutsmaßig nicht der Kuns Frankreichs angehört.
Als Delacroix 1798 zu Charenton geboren wurde — ein nicht unglaubwürdiges Gerücht will wmen, tafc nicht der französische Gesandte m Holland, 'essen Namen er führte, sondern T a l l ey r a n o "in wirklicher Vater gewesen sei —, war die große Revolution eben zur Ruhe gekommen, aber nur, um einem ganzen Jahrhundert der Revolutionen *0en Weg freizumachen. Man braucht nur sein Selbstbildnis zu betrachten, und man weiß: m dieser Seele lebt die flackernde Unruhe einer Zeit, 1Qie von Umsturz zu Umsturz weiterschreitet. Napo- "vn und Restauration, Bürgerkönigtum und zweies Kaiserreich — alles hat Delacroix miterlebt, mit- perissen von dem allgemeinen Fieber, vor dem nichts Bestand zu haben schien. So wurde Delacroix zum Nomantiker, das heißt zum Revolutionär, denn zu I ' eft war der Klassizismus, der seit P o u s s i n und darüber hinaus alles 'Heil in der Linie und der Klaren, übersichtlichen Komposition suchte, mit der künstlerischen Tradition Frankreichs verbunden, als ®a.ö jetzt, wo mit Delacroix eine lodernde Farbig- "eit als das wahre Ideal der französischen Maleret proklamiert wurde, nicht ein fühlbarer und besonders den Anhängern der von der Akademie ge-
flache Boden eines kleinen Talkessels gab die Buhne her, vor der das versenkte Orchester saß. Das weite Halbrund der ansteigenden Bänke war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Das dichte Laubdach gewaltiger Buchen schuf ein dunkelgrünes Gewölbe
Und wieder lächelte uns der freundliche Zufall, es gab die... „Die lustigen Weiber von Windsor", die wir beide noch nicht kannten. Waren die Sänger und Sängerinnen ausgezeichnet, so war das Orchester schlechthin vollendet. Aber das Allerschönste war die völlige Hingabe der Zuschauermenge an Musik und Handlung. Hier gab es keine Abendkleider und Smokings, keine „Vorhänge' am Aktschluß, keine Bevorzugung einzelner Darsteller. Hier saßen sie im einfachen Sonntagsgewand, m der „Kurzen", in der schönen Tracht des Frankenwaldes, zwischen ihnen verstreut die Sommergäste, und alles war ein Herz und eine Seele. Als der letzte Beifall zwischen den hohen Baumen ver- flatterte und der riesige Falstaff mit einer Gebärde freudigen Dankes grüßend die Arme ausbreitete, dröhnte der Waldkessel von Zurufen einer Menschenmenge, der man an den blanken Augen ansah, wie herzlich erfreut und von frohem Erleben angefüllt sie war. . . , ..
Nach spätem Nachtmahl gingen wir durch die schlafende Stadt, die die Pracht ihrer Turme und wehrhaften Tore mit berechtigten Stolz ins Licht der Scheinwerfer gerückt hatte. Selbst Pim war ganz still geworden auf diesem Gang durch das Mittelalter, und das will viel heißen...
Eigen Beitrag leisten wird.
Volkstümliche Musikpflege.
Zur Förderung der Laienmusikpflege auf dem Lande und in kleineren Städten haben die Reichs- mufiffammer und der Deutsche Gemeindetag eine Vereinbarung über den Einsatz von Gemeindekapellen abgeschlossen. Nach dieser Regelung, deren Einführung allen Gemeinden bis zu 20 000 Einwohnern empfohlen wixd, kann einer im Gemeindegebiet ansässigen, leistungsfähigen Laienmusikvereinigung die Bezeichnung Gemeinde- oder Stadtkapelle verliehen werden, wenn das örtliche Musik- dedürfnis nicht durch eine in der Umgebung bestehende Berufs- aber Lehrlingskapelle befriedigt wird. Es ist zu erwarten, daß diese Maßnahme der gemeindlichen Selbstverwaltung die volkstümliche Musikpflege auf dem Lande und in der Kleinstadt in fruchtbarer Weise anregt und belebt.
Tierquälerei durch Kinder — Erziehungspflichtige strafbar.
Während der Sommermonate, ganz besonders in den Ferien, machen sich noch immer viele Kinder das „Vergnügen", an Wasserläufen, Teichen und am Seestrande in den Badeorten kleine Fische und andere Wassertiere zu fangen und damit zu spielen. Die Tierchen werden in ein schnell gegrabenes Loch mit etwas Wasser oder in irgendein Gefäß gesteckt. Das Wasser wird bald warm, oder es versickert, und die gefangenen Tiere erleiden einen qualvollen Tod. Oftmals sehen Eltern ober andere Erwachsene bie- . fern Treiben der Kinder zu und „freuen" sich noch daran, ohne zu bedenken, baß sie eine nach dem : Reichs-Tierschutzgesetz strafbare Tierquälerei^dulben und begünstigen. Nach § 9 Absatz 3 dieses Gesetzes : wird bestraft, wer vorsätzlich ober fahrlässig es ■ unterläßt, Kinber ober anbere Personen, bie seiner : Aufsicht unterstehen und zu seiner Hausgemeinschaft : gehören, von der Verübung einer Tierquälerei abzuhalten.
: Unfall auf her Güterzuglokomotive.
j Gestern ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Du- - -tenhofen ein Unfall. Der Lokomotivführer Ludwig - Kopp aus Herborn, der einen Güterzug von Butz-
Gloria-palast:
^Schwarzfahrt ins Glücke
Der Titel klingt nach einem jener Lustspiele, von denen zwölf aufs Dutzend gehen, und die man nach zwei Stunden schon wieder vergessen hat. Dies hier ist ein bißchen mehr; natürlich spielt der Zufall seine Rolle und das happy end ist auch habet, aber was einem an dem Drehbuch von Walter Wassermann und C. H. Silier und an der sauberen, klaren und geschickten Regie von Carl B o e s e gefällt, das ist jener berühmte, ganz unbefangene Blick in den simplen Alltag ohne Theater und Kulissen, der „Griff ins Leben", nach dem, was den Film betrifft, so oft und meist so vergeblich gerufen wird. Man muß es sich ansehen, und man wird zugeben: das kann alle Tage passieren, und passiert auch und ist sogar so lebendig und pannend, daß man einen guten Film daraus machen kann. Es ist eine vernünftige und gediegene Sache, wenn sich ein paar tüchtige und ordentliche junge Leute zusammen tun und eine Autoreparaturwerkstatt mit Abschleppdienst aufmachen: das geht und geht sogar gut, darauf kann man eine Existenz aufbauen und eine kleine Zukunft und Zu
ll chtung."
Was kann man noch für Wünsche haben, wenn run eben eine so uralte, so bildsaubere Stadt wie ü eißenburg hier im Frankenwald durchfährt? € eh doch nur diese herrlichen gotischen Häuser, sieh | tefen verwinkelten, schrulligen Marktplatz, sieh die- j |(5 urväterlich-behagliche kleine Hotel, bas minde- s! ns seine 500 Jahre auf dem Dachbuckel hat — nein sollte hier wirklich mal... Aber Pim, der be- firchtet, daß ich romantisch oder schwärmerisch nsrbe, gibt Gas, schon finb wir aus der kleinen (stabt, steil geht bie Straße bergan, fröhliches Ge- shrei von rechts unten, ba spiegelt ein wunber- j^öues Schwimmbab den blauen Himmel wiber. tos ist zu viel!
Fünf Minuten später fliegen wir vom Sprung- Kett im wiiken Bogen in den See. Als wir uns ror der Zelle abtroefnen, verfällt Pim ohne ersicht- Ichen Grund in seine England-Erinnerungen und hqt einen Vers aus einem alten schottischen liebeslieb — nur so vor sich hin. Worauf sich die : ur der Nebenzelle auftut und uns ein zweifellos angeborener Weißenburger in einem Englisch, bas merikanischen Slang-Einschlag hat, begrüßt. Es Kist nichts, wir müssen unser Inkognito lüften. Das
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•l S - 189859 226548 255200 276799 287016 331859 346205 355375 389033
den steinernen Literkrug unb kam manischen Schicksalsmächte ber Spinne und der ganzen Wule wieder hervor, selig schwarzen Katze verstehen, sind gewöhnlich nicht zu
pflegten Kunst fchmerzhafter Bruch mit der Heber- fahren bet Inspiration nicht bie genaueste Rechen- üeferunq entstehen mußte. Man sieht sich in der schast Begeben. „7"- ™hre fflrofte laßt teme gesamten Geschichte der sranzöstschen Kunst ver- -
gebens nach einem Zusammenstoß um, ber an i Schärfe unb Unversöhnlichkeit ber Meinungen dem । zwischen Delacroix und ber klassizistischen Schule ' gleichkommt. Schworen bie Nachfolger von Jaques Louis D a v i b , unter benen Ingres ber größte und einflußreichste war, auf Raffael und Poufstn, o Delacroix unb die Seinen auf die Venezianer um Tizian und besonders auf Rubens. Theodore (3 e r i c a u 11 war in diesem leidenschaftlichen Kampf um das Recht der Farbe vorangegangen, hatte sich aber zu rasch verzehrt. Daumier, den man in diesem Zusammenhang gleichfalls nennen muß, war vorwiegend Zeichner, so daß Delacroix in der Tat der einzige echte Romanttker bleibt, dem es be- schieden war, vor den Impressionisten, aber mit anderen Mitteln, einer wirklich farbigen Malerei in Frankreich die Bahn gebrochen zu haben.
Als der Zweiundzwanzigjährige im Salon von 1820 sein erstes großes Werk, die „Dantedarke , ausstellte, ging es noch ohne Sturm ab. Dem vergleichsweise zahmen Bilde, das gleichwohl, schon als Gegenstand, wie ein Manifest eines neuen Stils wirkte, folgten dann in schneller Folge all die großen Gemälde, an die man denken muß, wenn von Delacroix die Rede ist: das aufreizende Revo- lutionsbilb von 1831, auf welchem der Meister, mit der rauchenden Flinte in der Hand, der halbnackten Freiheitsgöttin nachsturmt, das „Gemetzel auf Chios", das eine blutrünstige Episode aus dem griechischen Freiheitskampf ohne Nücksicht auf die Nerven des Betrachters darstellt, spater der farben- qlühende „Einzug der Kreuzfahrer m Konstantinopel" und die mit Rubensschem Pathos gemalten Wand- und Deckengemälde in der Erzengelkapelle der Kirche St. Sulpice, im Senat, in der 2IpoUon= galerie des Louvre, schließlich die von einer Afnka- reife 1832 mitgebrachten Bilder aus Algier und Marokko — alle von einer Großartigkeit und heiß- lodernden Wildheit, die sich noch heute m der trabitionsgefättigten Atmosphäre des Louvre unbändig genug ausnimmt und damals, man Farm es verstehen, wie ein Attentat auf den guten Ge-
fato, sich D-l°-r°ir als eine Art Jakobiner der Malerei oorstellen zu , wollen Wer seine Bilder nicht nur aus Abbildun- qen kennt, wer vor allem auch ^'n.ß diese vielleicht schönsten und ideenreichsten Selbst. . k/kenntnisse eines denkenden Künstlers, aufmerk.
sam g le n hat, wird anders urteilen. Delacroix 1 ^e nickt das Kind feines Volkes gewesen, hatte


