Ausgabe 
12.7.1938
 
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Vornan von Hans von Hülsen.

Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.

25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Mit ernster Miene wies Ottenrieth auf einen der Sessel, die um den runden Tisch in der Ecke standen.

Warum quälen Sie Renata?"

Armbruster stammelte etwas er war verwirrt, er hatte in Wahrheit, ganz im Gegensatz zu der eben geblasenen Fanfare, nicht damit gerechnet, seine Anklage Ottenrieth Auge in Auge Vorbringen zu müssen das war ein verdammt feiner Schach- zug von der Reh daß sie ihn dazu zwang! Aber ur?hrend er in OUenrieths unbewegtes Gesicht blickte, das ihm woran lag es nur? ganz anders vorkam als in Wien (ernster, reifer?), hatte er einen Augenblick das unangenehme Gefühl, das alles, was er vorbringen könnte, sich auf irgend- eine Weise wie ein Dunst und Nebel auflöste.

Dennoch gab er sich einen Ruck und begann zu sprechen.. Er wiederholte, was er Renata drunten gesagt. Er gab sich Mühe, seine Worte so sorg­fältig zu wählen und zu wägen, daß sie nicht ver­letzen konnten. Er sprach nicht vonDiebstahl", son­dern vonganz unerklärlichen Übereinstimmungen" und von Zeit zu Zeit schielte er zu Renata hin- über, ob sie wohl mit seiner Aufführung zufriede­ner wäre als vorhin. Aber sie saß stumm im Stuhl, die Knie ubereinandergeschlagen, mit verschlossenem Gesicht, und schaute zum Fenster hinaus, wie wenn die 'vache sie gar nichts anginge.

M't der Geschicklichkeit eines Advokaten reihte Armbruster alle Tatsachen, die er wußte, ober zu wissen glaubte, oder aus anderen Tatsachen folgerte aneinander, bis sie sich zu einer Kette schlossen, die er ur unzerreißbar hielt. Und er erwähnte zum ^astutz noch die schwer ins Gewicht fallende Mei­nung der Autorität Hagepreesters und mst merk- !Ä erhobener Stimme die bevorstehende Ver­öffentlichung eines Aufsatzes über den so überaus merkwürdigen Fall aus der Feder des Professors.

Ottenrieth im Sessel gegenüber, hatte ihn ruhig ausreden lasten, ohne ihn jemals mit einer Frage ofcr einem Einwand oder einem Protest zu unter­brechen Er hatte wahrend der ganzen Zeit seine Zigarette geraucht - ohne ihm eine anzubieten, obwohl die Dose offen auf dem Tisch stand. Seit

Froher Ausklang des Gausängerfestes

Sonderkonzerte am Gamstag

Sch.

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** D ie nstj u b i l ä u m. Am 7. Juli waren es 25 Jahre, daß das Gefolgschaftsmitglied Frl. Anna Rinn als Köchin in der Landes-Heil- und Pflege­anstalt Gießen tätig war. Der Betriebsführer, Di­rektor Dr. Schneider, sprach der Jubilarin Dank und Anerkennung für ihre treue und tadellose Dienstzeit aus.

Nicht lange mehr werden die Halme ihre schweren Häupter zu tragen haben.Die erste Birn bringt Margaret, drauf überall die Ernt' angeht", sagt ein alter Bauernspruch. Es ist der 13. Juli, der uns diesen Zeitpunkt beschert, was also bedeutet, daß um Mitte Juli die Ernte im allgemeinen ihren

riälrat Ringshausen, spendeten reichsten Bei­fall. Dr. Friedrich Noack.

2. Sonberfonjcrf in der Turnhalle.

Es wurde zunächst bestritten von der Dhorgruppe Geiß (Darmstadt). Die VereinigungFrohsinn" Darntftabt undEintracht" Fränkisch-Crumbach bot eine gut aufgebaute Vortragsfolge. Die Chorgruppe verfügt über schöne ausgeglichene Stimmen, und die Leitung ließ nichts zu wünschen übrig.

Im zweiten Teil kam Männerquartett 1883 Worms zum Wort. Chorleiter Gregor Lehr (Heß- loch^mit seinen Wormsern verstand es, das ©timm- gut feiner Sänger ins rechte Licht zu setzen.

Das Sonderkonzert war, auch im Ganzen gesehen, sehr gut einheitlich abgetönt und bot ein durchaus gediegenes geschlossenes Ganzes. Es wird seinen Eindruck auf die Zuhörerschaft nicht verfehlt haben. Den Mitwirkenden wird sein gutes gelingen Freude bereitet haben und Ansporn fein zu neuen Taten.

Wigand Gernhard.

4. Sonderkonzert im katholischen Vereinshaus.

M.G.V.Liederkrcmz", Mainz-Bischofsheim, Chorleiter: Christel Berg, Mainz.

Der starke, mit klangvollem ©timmaterial begabte Chor hatte sich eine schwierige Aufgabe gestellt, in­dem er durchweg neuere Chormusik von vielfach großem Ausmaß brachte. Gute Chordisziplin. Der Verein war bei guter Stimme, wenngleich er die Farbtöne manchmal etwas zu dick aufzuttagen hatte. Aber der Beifall der leider nicht sehr zahlreichen Zuhörer war herzlich und reichlich. Fr. B e 11 z.

5. Sonberfonetf im Studentenhaus.

Der Männerchor Germania Griesheim unter der Leitung seines Chorleiters Wilhelm Etzhold (Darmstadt) und unter Mitwirkung des Pianisten Karl Dietrich (Darmstadt) gab ein Sonderkonzert im Studentenhaus. Das vorgetragene Chorgut stellte an die Ausführenden hohe Anforderungen, und mit Freuden nahm man wahr, daß alles gut bewältigt wurde. Der Vortrag aller Lieder bewies, daß der Sängerbund-Germania" Griesheim unter der Lei­tung seines geschätzten Chorleiters auf hoher musi­kalischer Stufe steht, und daß sich Sänger und Diri- dent mit großem Eifer für das deutsche Lied ein­setzen. Schade, daß der Konzertraum schlecht besetzt war. Philipp Groß.

Frankfurter Kollegen als Hersteller verantwortlich zeichnete. Die Darbietung bereitete den Besuchern, die mit größtem Interesse bei der Sache waren, viel Freude.- Es wurden in der Tat auch gute Lei­stungen dieses Fachs geboten, die alle Anerken­nung verdienten. DenClou" bildete am Schluß eine gehörigeKnatterfront", aus der dieKano­nenschläge" und dieBlitze" so forsch und so un­heimlich hervorkamen, daß manchem Weiblein und Männlein, die sich ganz vorne in der Nähe aus- gebaut hatten, doch etwaseigen ums Herz" wurde, denn sie beeilten sich, vorsichtshalber sich etwas nach rückwärts zu konzenttieren. Ein gerade einsetzender Regen konnte den Genuß des Feuerwerks nicht stören. Den Beschluß des Abends bildete ein Tanz­vergnügen in der Volkshalle.

Anfang nimmt. Dann kommt die hohe Zeit des Bauern, die ihn in fast ununterbrochener Tätigkeit sieht, damit der Arbeitsertrag des ganzen Jahres geborgen wird. Mit dem Klingen der Sensen geht barm auch allmcchlich der Sommer zur Rüste, der uns jetzt noch für eine kurze Zeit den Blick über die gesegneten Fluren vergönnt. Sch.

Domotiren.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast (Seltersweg): Zwischen Haß und Liebe".

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude".

Großer Preis von Deutschland" am 24. 7. 1938.

Zu dem borstehenden Rennen auf dem Nürburg­ring führen wir eine Omnibusfahrt durch. Der Fahrpreis einschließlich Eintritt zum Rennen be­trägt 8 RM. 4624V

Abfahrt: 3.30 Uhr in Gießen am Haus der Deut­schen Arbeitsfront.

Anmeldungen nimmt *bie Kartenverkaufsstelle Gießen, Seltersweg 60, entgegen.

Hitler-Jugend Dann 116

^-Stelle.

, Be tr.i Dereinsjugendwarte.

Die den Vereinen des DRL. im Bann 116 in der vergangenen Woche zugegangeneErklärung" ist nicht wie vielleicht angenommen werden kann 7~ vom Vereinsführer, sondern vom Vereins- jugendwart abzugeben. Es wird um möglichst baldige Rückgabe gebeten.

6. Sonderkonzert in der Turnhalle der Oberrealfchule.

Es ist erfreulich, mit welcher Liebe jetzt Schubert gepflegt wird. Die Chorgruppe Binger fang aus­schließlich Werke dieses größten Männerchorkompo­nisten. Aber Schubert ist nicht leicht zu fingen. Seine Harmonik ist auch für unsere Zeit noch sehr kühn. Da heißt's vorsichtig sein, besonders wenn es sich um begleitete Stücke handelt. Die Chorgruppe Bin­ger verfügt über gute Stimmen, das Piano ist fast immer locker und schwebend, doch das Forte wird zeitweise noch übersteigert. Insgesamt wurde mit viel Liebe und Hingabe musiziert. Der ungenannte Tenorsolist hielt sich, von einigen Ungenauigkeiten in der Intonation abgesehen, recht tapfer. Recht zu- uerlässig war die Begleiterin am Klavier. Herr Binger leitete sicher und temperamentvoll, manch­mal etwas zu sehr. Heinrich Blaß.

7. Sonderkonzert im Cafe Leib.

2m 7. Sonderkonzert im Casö Leib hörte man im ersten Teil den GesangvereinLiederkranz" aus Nieder-Saulheim. Unter Chorleiter R. Simons (Mainz) konnte die mit klangvollen Stimmen aus- gestattete Sängerschar in Chören von Konradin Kreutzer, Robert Schumann, Kurt Lißmann, Willi ©endt und des Reger-Schülers Hermann Unger ihr gediegenes Können unter Beweis stellen, das hin­sichtlich Tonbildung, guter Aussprache und rhyth­mischer Genauigkeit bei sorgfältiger dynamischer Abstufung auf beachtlicher Stufe steht.

Den zweiten Teil dieser Veranstaltung bestritt der MannergesangvereinHeiterkeit" aus Mainz- Gonsenheim, der unter Chorleiter Heinrich Hühner (Neu-Isenburg) Werke von Hugo Kaun, > Willi Sendt (zwei Gießener Erstaufführungen), Heinrich Zöllner und zwei Bearbeitungen von Bruno Stür­mer mit gutem Verständnis und schöner klanglicher Entfaltung vortrug. Erwin Völsing.

9. Sonderkonzert im Glorla-Palast.

Die Chorgruppe Bauer brachte ein wesentlich auf das Volkslied ab gestimmtes Programm zum Vortrag. Der Chor fang in wohldisziplinierter Form u.a. schwierige ^Bearbeitungen von Bruno Stürmer und von Adolf Clemens. Besonderen Erfolg hatte der Verein mit den Chören, in denen ein obligater Frauenchor dem Männerchor zur Seite trat. Mit besonders feiner Wirkung wurde ein humorvolles Volkslied aus BadenBeim Kronewirt", bearbeitet von Fritz Binder, zu Gehör gebracht. Als sehr wirkungsvoll erwies sich auch die Bearbeitung von Muß i denn zum Stäotle hinaus".

Dr. Heinrich Roese.

10. Sonderkonzert in der Turnhalle 1846.

Der Kinderchor desLiederkranz" Klein-Stein- heim, zum Teil zusammen mit Frauenchor und Männerstimmen, bot eine Lieder-Reihe. Franz Schmitt (Langen) hatte seine großen und kleinen Nachtigallen, teilweise mit unsichtbarer weiblicher Assistenz, vorzüglichan der Strippe". Bald schlicht, - bald innig, bald übermütig, sehr abwechslungsreich, nicht immer leise in der Satzweise, konnten diese von Otto Jochum sehr glücklich eingefangenen Kleinigkeiten pon Herz zu Herz gehen, so daß das Schwabenliesl" nur der Schlußpunkt war und das Signal zur freudigen Ausnahme durch die Hörer, i die eine Wiederholung erzwangen.

Nach der Pause war es keine leichte Aufgabe für den Quartettverein 1929 Ober-Roden, sich gleich von Anfang an die Zuneigung der Hörer zu sichern. Georg Lehr (Ober-Roden) gelang es trotzdem, nicht nur seine Sänger, sondern auch seine Zuhörer in den Bann der Werke von Curt Lißmann, Camillo Hildebrand, Georg Nellius, Hans Hein­richs, Rudolf Buck und in Bearbeitungen von Bruno Stürmer, Dantonello und Hans Lang zu zwingen. Besonders der Rhythmus der Wander- und Soldatenlieder riß mit und machte die Herzen warm. Die Stimm-Gewalt" des Chores und die Leitung taten das Ihre. Wigand Gernhard.

11. Sonderkonzert im Klubsaal.

Einen der Höhepunkte des Festes bedeutete das Sonderkonzert mit den Darbietungen der Madrigal­vereinigung Darmstadt. Das Madrigal ist eine alte Kunstform des Chorliedes, die ihren Höhepunkt im 16. Jahrhundert erlebte. Sie liebt den mehrstim­migen, meist fünfstimmigen, kunstvoll, zuweilen auch künstlich gearbeiteten Satz und läßt so eine Ver­wandtschaft mit dem Madrigal der reinen Poesie erkennen, das, als eine besondere Art oder auch als eine Nebenform des Sonetts, sich in kunstvoll ver­schlungenen Reimen und Satzbildungen gefiel. Die­sen Gebilden entspricht im Chorlied die Stimm- führung, die immer wieder das Entzücken der Sangeskundigen ist, wenn sie so klar und sauber durchgearbeitet zum Vortrag kommt, wie das bei der Darmstädter Madrigalvereinigung der Fall war. Es ist beinahe selbstverständlich, daß die Madrigalvereinigung bei diesem Feste fafc nur alte Werke sang, so das um 1530 entftanbene Volkslied Ich sage ade", ferner Werke von Ludwig Senfl, Hans Leo Hasler, Johann Hermann Schein, Luca Marenzio, der als der größte Madrigalkomponist gilt (alle aus dem 16. Jahrhundert), und anderen.

12/Sonderkonzert im kakh. Vereinshaus.

1. Deutscher Männergesangverein Trebur. Chorleiter: Martin Carl. Der Verein wartete mir einer Vortragsfolge auf, die auf den feinen, musi­kalischen Geschmack des Chorleiters schließen läßt. Es waren sieben wertvolle, zum großen Teil poly­phon bearbeitete Chöre unsrer zeitgenössischen Lite­ratur. Was das Singen des Vereins besonders aus­zeichnet, ist die weiche Tongebung selbst im forte, wohltuender stimmlicher Ausgleich und klare Aus­sprache. Auch mit der geiftigen Auffassung konnte man durchweg einverstanden sein.

2. Sängergemeinschaft Germania, Dorheim, Chorleiter: W. Hachenberger. Dieses Konzert war ganz dem Volkslied gewidmet. Eine Reihe köst­licher Perlen unseres Volksliederschatzes in zumeist vorzüglicher Bearbeitung wurde mit sehr schöner' Tongebung und verständiger Auffassung, mit gro­ßer Gefühlswärme und in flüssiger Darstellung zu Gehör gebracht. Besonders lobenswert war das richtigeHelldunkel" des Chorklanges und die im allgemeinen klare Intonation. Erfreulich war auch die seelische Anteilnahme der Sänger während des - Singens. Die Bearbeiter der Volkslieder roaren: Thuille, Clemens, Andrch Wiegert, Hachenberger, Roscher, Rein und Nennfttel. M. Döbert.

13. Sonderkonzert im Studentenhaus.

Am gestrigen Montag nahm das 3. Hessische Gau­sängerfest in Gießen seinen frohgestimmten Aus- klang. Während des Nachmittags herrschte auf dem Festplatz bereits reger Betrieb, zu dem natürlich die Kinder in Begleitung ihrer Mütter oderTanten" das Hauptkontingent stellten. Der Abend mar frohem Volksfesttreiben gewidmet. Jung und alt trafen sich hier noch einmal in bester Stimmung, so daß auf dem Rummelplatz verhältnismäßg flotter Betrieb herrschte. Wenn auch nicht alle Schauge­schäfte noch in so starker Weise zum geschäftlichen Zug kamen, wie am vorhergehenden Sonntag, so war doch der Geschäftsgang immer noch annehmbar. Den Höhepunkt des Abendvergnügens bildete das große Feuerwerk, für das als Pyrotechniker Herr Bourgois in Gießen in Gemeinschaft mit einem

Aus der Stadt Gießen.

Gesegnete Fluren.

Nun leuchtet die Julisonne über den gesegneten Fluren. Wohin das Auge vor den Toren der Stadt auch schweifen mag: überall sieht es reifende Fel­der und lachende Auen, die die prächtige Fülle dieser Mittsommerzeit verkürzen.

Noch steigt der Heugeruch von den Wiesen hoch. In seiner Würzigkeit erfüllt er die Landschaft, daß es riecht wie lauter Sonnenkraft, die sich in den Gräsern verströmte. Aus den Kornfeldern neigen sich die Aehren dem Winde entgegen. Rhythmus des Wellenschlages geht über sie hin, gleichmäßig wie das Kommen und Gehen der Fluten.

Halm steht bei Halm, und wenn man längere Zeit hinschaut, vermeint man in einen Wald zu sehen, der tief und unergründlich ist. Mtt dieser vermeint- kichen Unergründlichkeit hängt es wohl zusammen, daß es eine ganze Anzahl von Korndämonen geben soll, die nach alten mystischen Vorstellungen im reisenden Getreide sitzen und auf die Kinder lauern, die aller Verbote ungeachtet in das hohe Aehrenseid hineinlaufen. Da gibt es das Kornweib und den Roggenhund, den Kornbock und den Werwolf. Aber neben den feindlichen Korngeistern existieren auch solche, die durchaus freundlich sind und die die Fruchtbarkeit und Erntehoffnung verkörpern. Zu ihnen gehören die Kornmutter und die Roggen­muhme, die das Feld schützend umgehen und die vielfach im letzten Garbenbündel versinnbildlicht werden.

heim. \

Die Wahl wertvoller zeitgenössischer Wercke, die ausgezeichnete chortechnische Leistung, die vorzüglich ausgeführte Orchesterbegleitung und vor allem die überlegene künstlerische Gestaltung durch Heinrich Schacker machten dies Konzert zu einem der stärksten Eindrücke des Festes. Die ziemlich zahl­reichen Hörer, unter ihnen der Gauführer Ministe-

lieber die Sonderkonzerte am Samstagnachmit­tag fügen mir unseren gestrigen Berichten noch die nachstehenden Bettachtungen an.

1. Sonderkonzert im Stadttheater.

Unter der Leitung von Heinrich Schocker (Wiesbaden) fangenCäcMa" Finthen,Einigkeit" Gonsenheim,Frauenlob" Mainz, ,Liederkranz" Mainz-Mombach undEinigkeit" Nieder-Saulheim, ein stattlicher Üchor von über 150 Sängern mit Begleitung des Staatlichen Kurorchesters Bad-Nau-

Das Sonderkonzert 13, das von zwei Gruppen bestritten werden sollte, konnte nur zur Hälfte durchgeführt werden, da derSchottener Männer­chor" nicht erschienen war. Mit um so größerem Eifer erledigte dafür die Chorgruppe Knoche ihre Aufgabe und gab eine schöne Stunde Charge sang. Die VereineFrohsinn" Hochelheim und Männer- Gesangverein Klein-Rechtenbach hatten sich zu einer etwa 70 Mann starken Chorgruppe vereinigt, die unter der Leitung ihres Chormeisters Friedrich Knoche einen bunten Strauß schöner, alter und neuer Volkslieder zum Vortrag brachten. Knoche hat die beiden Vereine zu einem einheitlichen Klangkörper zusammengeschweißt, der die meist kur- ien drei- und vierstimmigen Liedsätze fein und ge- chlossen zu bringen wußte. Jeder Stimmung ver- 'land der Leiter gerecht zu werden, wie man auch den Sängern anmerkte, daß sie mit ganzer Seele und tiefer Inbrunst dabei waren. Das verbürgte auch schon der Umstand, daß fast das ganze Pro­gramm auswendig gesungen wurde. Dankbar muß anerkannt werden, daß die Sänger den Ausfall der ersten Hälfte der Vortragsfolge durch einige Zugaben wieder auszugleichen verstanden. Die

Renata gesagt, daß er siequäle", fand er das Mondgesicht keiner Aufmerksamkeit mehr würdig. Am Ende sagte er einfach:

z,3a, Herr Armbruster, dos ist in der Tat, wie Sie selber sagen, ein äußerst merkwürdiger Fall. Alles Interessante, was Sie mir mitteilen, hat mich vollkommen überrascht. Ich stehe vor einem Rätsel und ich fürchte, ich kann nichts dazu tun, es. zu lösen. Ich kann Ihnen nur versichern, was Ihnen Ihr Professor ja schon gesagt hat, daß ich weder Herrn Hagepreester kenne noch die Handschrift, die er in seinem Schrank aufbewahrt. Und daß ich, auch um ganz genau zu sein, niemals eine Abschrift dieser Komposition gesehen und von ihrer Existenz niemals die mindeste Ahnung gehabt habe. Ich kann Ihnen das mit meinem Ehrenwort versichern und, wenn Sie Wert darauf legen, mit einem Eid. Alles andere ist mir genau so rätselhaft wie Ihnen."

Dann wird sich also die Fachwelt geradezu einem Sphmx gegenüber befinden!" rief Arm­bruster, durch soviel Ruhe gereizt.

Ottenrieth lächelte, zum ersten Male während dieser ganzen Unterredung lächelte er, und sein fächeln flog zu Renata hinüber, die es in ihren Augen auffing.

Einem Sphinx, Herr Armbruster, den ich genau fo gern wie Sie zum Sprechen brächte. Denn Sie können sich denken wie sehr ich es in meinem antereffe bebaure, Ihnen sagen zu müssen, daß ich vor einem Rätsel stehe, wie sehr mir an der Auf­klärung dieses Rätsels gelegen ist. Mir nicht we- mger als Ihnen, bestimmt nicht. Und zwar nicht weil ich diese Aufklärung fürchte, sondern weil ich im ®*genteil erhoffe, schon damit Sie von Ihrem Wahn geheilt werden und vielleicht ren Segen mich der durch alle Ihre wohl- gesetzten Worte klang. Bitte, ich räume jedermann bas Neckst em, mich zu hassen. Es war mir nun einmal beschieden und Sie wollten mir ja so- aar iJaju beijitfhd) Jein! - Erfolg 3U haben, und ber Erfolgreiche wird immer gehaßt. Liebe und Haß sind immer Avers und Revers des Ruhmes Den Zustimmungen und dem öffentlichen Zu- den vielen Briefen da auf dem Schreibtisch enthalten sind, muß ja notwendig ein Gegengewicht die Waage halten. Ich fürchte nur. die Abneigung, die ©ie mir widmen, fließt aus ti^/n "n QueUen' aU5 persönlichen und geschast- f,^',^l^igen Sie, Herr Ottenrieth." Armbruster ln lemem Sessel vor.Da Sie vom Ge- schaftlichen sprechen, mochte ich zu meiner Lerteidi- gung lagen, baß Sie mii in Sachen Ihres Werkes

Gewiß, habe ich das. Ich habe sie ja selber in ber Hand gehabt."

Unb Sie sagen, er ist tot? Er ist tin Krieg ge­fallen?"

Professor Hagepxeester sagt es so."

Unb wie war der Name? Der Name des Kom­ponisten?"

Armbruster machte em dummes Gesicht.

Der Name, den habe ich vergessen!"

Aber der Name, der Name ist das allerwichtigste in der Caches rief Ottenrieth.Den Namen müs­sen wir unbedingt wissen. Wenn wir den haben, sind wir einen großen Schritt weiter) vielleicht so­gar am Ziel!" ' 1

Ja, aber warum denn? Ich verstehe nicht ich Fann mich wirklich nicht erinnern. Es war irgendein ganz nichtssagender Name, dem ich keine Beachtung geschenkt habe." J a

pd) will Ihnen etwas sagen, Herr Armbruster, vertagen wir die Sache um ein paar Stunden. Sie gehen jetzt gleich auf das Postamt, hier um die Ecke,

?ar "/cht unö 6Eb"en ein Telegramm mit Rückantwort auf, an Professor Hagepreester, uni bitten ihn um den Namen. Und dann kommen Sie wieder, und mir wollen sehen, ob es uns zu etwas

Armbruster nickt, er war einverstanden. Flüchtig Werte zwar durch sein Gehirn der Gedanke, daß Ottenrieth vielleicht irgendein Ma­növer machten könnte, um das Wasser zu trüben. Aber andererseits war es ja wirklich wichtig, den Namen zu wissen. *

Da niemand ihm die Hand reichte, ging er mit einer stummen Verbeugung aus dem Zimmer

Ottenrieth blieb mit Renata zurück. Er hielt mit einem Lächeln, aus dessen Grund der Ernst schim­merte, den Blick ihrer Augen aus, die fragend an ihm hingen. 1

Liebling", sagte er und nahm ihren Kopf zwischen die Hande. 1

*

Renata stieg zu Ottenrieth, wie gewöhnlich, Arm- bruster nahm aus dem hinteren Sitz Platz. Sie fuh-

%,bn. Nachmittag hinaus. Wohin, das wußte nur Ottenrieth am Steuer allein. Der Wagen um- rundete rasch die Bucht, ber Ort und bas rote Haus ^wanden hinter ber Felsennase, die ein Tunnel

rSv)i?m Mittagessen, während sich Renata 9rrmhrnr+ zum Schlaf hingelegt hatten, war Armbruster wieder m derCasa Rossa" erschienen, hastig die Treppe emporspringend, und hatte ein Telegramm gezeigt, das der Postbote soeben ge- bra^L (Fortschmig folgte9

wirklich Ihr Wort gegeben hatten, meiner Firma ein Vorkaufsrecht zu lassen. Dies Wort haben Sie nicht gehalten."

Ich habe dieses Wort im Saufe ber Verhand­lungen zurückgenommen, Herr Armbruster. Und ich will Ihnen nun auch sagen, warum ich es zurück- genommen habe. Es geschah, weil ich das mensch- liche Gluck, das ich gleichzeitig mit meiner Arbeit für mich reifen fühlte, vor Ihnen schützen wolltd. Vor Ihrer Eifersucht, vor Ihrer Unbeherrschcheit, vor Ihren Verleumdungen. Wie recht ich tat, das zeigt sich ja nun, indem Sie hier auftauchen und Renata quälen und so ihr Glück ttüben. Nur darum wollte Ich mit Ihnen nichts zu tun haben. Ich hätte sonst ebenso gern mit deL Firma Armbruster ab- gefchlossen Und ich glaube" fügte er lächelnd hinzu, "Frau Armbruster wird Ihnen nicht besonders dankbar sein, daß Sie diesen Abschluß verhindert haben, indem Sie die Entwicklung der Dinge zwi­schen Renata und mir nicht achteten.

Welches Recht hattest du denn eigentlich auf sisich? wandte Renata jäh den Kopf herum und sah Armbruster an, und in ihren Augen stand die Helle Empörung.Welches Recht hattest du? Welche Bmdung bestand zwischen dir und mir? Sage mir das! Ich habe dich als Kameraden genommen, auf bem Konservatorium, ich war gern mit dir zusam- men, das leugne ich gar nicht aber was hattest du in die Waagschale zu werfen, als es sich um mehr als das alles handelte?"

Armbruster antwortete nicht sogleich Er saß zu­sammengesunken in seinem Stuhl, die Finger waren chm kalt vor Erregung, er fand es taktlos von Reh daß sie ihm das hier vor dem anderen sagte

Frauen die von einem Mann zum anderen hinuberwechseln, wird es nie an Entschuldigungen fehlen , sagte er spöttisch, ohne sie anzublicken 9

Darauf antwortete sie nichts. Aber sie starrte tief erschrocken auf Ottenrieth, denn der war aufgesvrun- gen und hatte die Hände .vor die Stirn gepreßt und lies wie ein Besessener im Zimmer auf und ab bu"benn?"aft beiln? Um Gottes willen, was hast

''^n Gedanke kommt mir!" rief er.Ein Gedanke, gan3 plötzlich kommt mir em Gedanke, der vielleicht alles erklärt, der Ihnen weiter hilft unb mir " aufXsÄen 9Ctre,en Uni di-Hand

Was denn?"

Sagen Sie, Herr Armbruster", sagte Ottenrieth fUAriHhC»r 6>°r stehen'Sie haben die Hanb- schrift der Komposition gesehen. Ja? Die bei Hage- Zoten?" m Sd)rant Iie9t? Handschrift oon bem