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Oimtag.12.3uli 1938
Sietzmr Anzeiger (Seneral-Anz-iger W <Si>erI,ch-n)
Nr.M Zweites Via»
Die Kathedrale von Reims
Neues für den Büchertisch
Die Kathedrale von Reims. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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das sich
Die Wiederherstellungsarbeiten an der Kathedrale zu Reims, der Krö- ' nungskirche der französischen Könige, sind vollendet, und die offiziellen Eimveihungsfeierlichkeiten am vergangenen Sonntag lenken die Aufmerksamkeit der Welt auf das berühmte Bauwerk. Wenn auch uns dieses Ereignis berührt, dann wollen wir bewußt vergessen, daß in den Jahren des Krieges gerade das Schicksal der Reimser Kathedrale dazu herhalten mutzte, die Kriegsleidenschaften nicht nur in Frankreich, sondern auch jenseits des Ozeans gegen uns mobil zu machen und aufzupeitschen. Es ist keine angenehme Sache, in den Dokumenten zu blättern, die das Frankreich von damals in alle Welt hinaussandte, und in denen kein Vorwurf und
^Ueberwättiqt und ergriffen steht man vor der Formensprache dieser Fassade von Reims. Die drei mächtigen und doch zierlichen Portale l^reJ! tausend Figuren gleichen Himmelspforten, m chwebt von Engeln, Heiligen und göttlichen Visionen. Roch
Das Museum eines Sonderlings.
Im bosnischen Städtchen Priedor starb unlängst ein alter Sonderling, Jooo Mutitsch, der schon seit Jahren mit keinem Menschen verkehrte. Der Sonderling lebte allein in einem geräumigen Haufe. Als nach seinem Tode das Haus behördlich besichtigt wurde, stellte man fest, daß der alte Mann ein ganzes Museum wertvoller alter Waffen, Handarbeiten, Kupfer- und Goldarbeiten zusammengetr^ gen hatte. Dieses Museum stellt nicht nur historisch und ethnographisch, sondern auch materiell einen großen Wert dar. Auch wurde eine umfangreiche Sammlung von Handschriften bedeutender Gelehrten, Schriftsteller und Politiker aus allen Ländern ausgedeckt, die zu Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts gelebt hatten. Der alte Sonderling stand mit ihnen in reger und vertraulicher Korre- pondenz. Es bleibt ein Geheimnis, weshalb der alte Mann sich völlig zurückgezogen hatte und menschenscheu geworden ist.
Kathedrale rankt sich nicht nur der Ruhm der Kunst- geschichte, sondern auch der Geschichte des französischen Volkes. Sämtliche Könige Frankreichs seit Ludwig VIII. — mit Ausnahme Heinrichs IV. und Ludwigs XIII. — haben im Krönungsschmuck vor dem Hochaltar dieser Kathedrale gekniet, und hier ist es auch gewesen, wo am 17. Juli 1429 das Mädchen aus Domremt), die Jungfrau von Orleans,
Karl VII. zur Krönung führte.
Fast alle deutschen Frontsoldaten, die im Westen standen, ist die Kathedrale von Reims eine symbolhafte Erscheinung geworden, obwohl sie seit der Marneschlacht 1914 hinter den französischen Linien lag. Gerade Deutschlands Frontsoldaten werden mit Genugtuung erfahren, daß man jetzt in Reims die Wiederherstellung der Kathedrale feiert, deren Lei- I denswea auck ihr Leidensweg gewesen ist. Dr. M. D<
keine Anklage niedrig genug war, um nicht gegen die deutschen „Vandalen" erhoben zu werden. Wir können um jp leichter über diese trüben Erinnerungen zur Tagesordnung übergehen, als wir gegenüber der Reimser Kathedrale ein reines Gewissen haben. Denn es sind in erster Linie deutsche Kunsthistoriker gewesen, die vor dem Kriege Frankreich daran erinnert haben, welch kostbares Kleinod es in der Reimser Kathedrale besitzt, und die mit wissenschaftlichem Ernst dazu mahnten, dieses wundervolle Bauwerk vor weiterem Verfall zu schützen. Als bann die Kriegsfurie auch über die Gefilde der Champagne raste und gerade Reims jahrelang im Frontbereich lag, do zeigte es sich erst recht, wie auch uns „Feinden das Herz blutete, als wider unseren Willen die Kathedrale schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Tatsache, daß der stolze Bau so weit erhalten blieb, daß cm seine Wiederherstellung überhaupt herangegangen werden konnte, während die Stadtviertel ringsum in Schutt und Trümmer sanken, beweist, daß selbst die Furie des Krieges vor diesen geheiligten Bezirken einer unvergänglichen Kunst Halt gemacht hat.
Man hat in der Kathedrale von Reims den vollendetsten Ausdruck für das formale Genie des französischen Volkes gesehen. Sie verkörpere das Französische mit seinen guten und schlechten Seiten wie keine der anderen Kathedralen Nordfrankreichs, so sagt einer ihrer Bewunderer, und eine andere Stimme erklärte, die Kathedrale voy Reims wiege Dantes „Göttliche Komödie" auf. Mit so unerhörter Festigkeit steigt dieses so überreich instrumentierte und hervorragend rhythmisierte Triumphlied einer von aller Erdenschw?re befreiten Gotik zum Himmel. Sa majestätisch ist ihr Aufbau, so unbegrenzt ihr Gedankenreichtum und so vollendet ihre Form. Reims gehört kunstgeschichtlich in eine Reihe mit den Kathedralen von Paris, Chartres und Amiens, doch können sich diese drei an Reichtum und Schönheit des klassischen Schmuckes mit Notre- Dcnne de Reims nicht vergleichen. Unter den 2500 Figuren, die die Reimser Kathedrale bis auf die Höhe der Türme hinauf zieren, sind Werke, in denen die gotische Bildhauerkunst ihr höchstes Kannen affenbart hat, und bei keinem der vielen stolzen Kirchenbauten Nordfrankreichs sind diese Meisterwerke des fränkischen Genius übertroffen wor-
Stefan George.
Zu seinem siebzigsten Geburtstag am 12. Juli.
„Ich ahnte licht, sah die ersehnte schwelle, ich rief, ich pochte... Hilst nicht wort und wissen? Den Hort zu kennen und für immer missen ertrag ich nicht — so sink ich m der welle. Er aber, der Heitere, Weise, er hat es „ertragen"; er hat die Jahre abwarten können, er hat die einsamen, im Jahre 1907 unverstandenen Verse seines Gedichtes „Der , Eid" verwirklicht gesehen in der brennenden Sehnsucht der zwanziger und beginnenden dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts. „Durch verhüllte Himmel seh' ich schon die Vollendung und den lohn!" Auch das Erfülltwerden hat George noch erleben dürfen. Bald danach starb er.
Einst war der einsame, unverstandene George von einer Schar Uebereifriger „ausgenommen" worden. Abhängig hat er sich von diesem Kreise nie gemacht. Ein George-„K reis" ist, Gott sei Dank, heute nicht mehr nötig. Ein Volk ist für George da! Unver- geßlich war es, als 1933, nach einem Vortrage von Schulze-Naumburg im „Nordischen Ring" eine Formation der Hitler-Jugend aus Georges Werk „Der Dichter in Zeiten der Wirren" sprechchorisch den letzten Absatz vortrug, der anhebt:
„Der sänger aber sorgt in trauer-lausten, daß nicht das mark verfault, der keim erstickt; er schürt die heilige glut, die überspringt und sich die leiber formt..
Dr. Johannes Günther.
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Lange, gspreis M. 2,05 tut der Illustrierten 10 Ps. und (Sams« :ten 5 Ps. mehr.
11- September 1937
„Da galt ich für den falbentrunfnen Prinzen der sanft geschaukelt seine takte zahlte in schlanker Anmut oder kühler würde, in blasser, erdenferner festlichkeit."
Er wies sie darauf hin, daß auch er schwere Jahre des Werdens und vielleicht noch schwerere des Verlierens hinter sich habe. So heißt es in dem eben zitierten „Zeitgedicht":
„Von einer ganzen fügend rauhen werken, Ihr rietet nichts von quälen durch den sturm „ nach höchstem first, von fährlich blutigen träumen;
und an anderer Stelle desselben Gedichtbandes weiß er von Tagen zu berichten,
da er vom harren siech, da er des betens müd sich in die nacht verlor.
strengen Reimschönheit sogar noch weiter; er sagte einmal: „Hat em Künstler einmal zwei Worte miteinander gereimt, so ist eigentlich das Spiel für ihn verbraucht und er soll es nie oder selten wiederholen." George selbst hat dieses Gebot befolgt.
Auch die „würde", die „festlichkeit" Georges ist, wie in unferm Eingangszitat angebeutet wurde, verzerrt worden. Es handelt sich aber bei George um keinen blasierten Aesthetizismus, sondern um die, wenigstens zeitweilige, Abseitigkeit, um die Einsamkeit, um die Stille, die der Weise und Seher sucht und braucht; auch kann der, welcher die Einsamkeit aufgesucht hat, schicksalhaft Einsame heben und stärken — denken wir an die „traurigen Tänze" im Gedichtband „Das Jahr der Seeh und es ist andrerseits wahr, daß der vom Leben Gehetzte und im Leben Zerfahrene in der Stille Georgescher Gedichte Beruhigung, Klärung, Läuterung erlangt.
Diel zu wenig bekannt ist Stefan George als Natur-Dichter. An ungezählten Stellen feiner Gedichte weist er mit immer wieder neuen Motiven und Formen auf die Natur hin; allerdings sind es keine robusten Eindrücke, die er empfängt und wiedergibt, sondern er zeigt uns meistens bislang verborgene Schönheiten, er lehrt uns tief mnem= hören und hineinschauen, er bringt uns dahin, daß wir uns auftun und daß wir wieder staunen können; er macht uns so reif — oder so kindlich, daß wir die Erscheinungen der Natur wieder brüderlich nahe empfinden. Er zeigt uns Kinder m der wundervoll harmlosen Schönheit ihrer Bewegungen (ich denke an das Gedicht "■^er_^c?,}3er. im „Neuen Reich" ober an das sechste Gedicht in der Folge „Nach der Lese" im „Jahr der See e , und er reicht an die verhaltene Wehmut des Bolks- tiebes heran, in dem Liede von der Magd, die bräutlich starb, dem achten der „Traungen Tanze .
Dieser Stefan George, nicht etwa ein anderer, sich plötzlich ändernder, hat auch das Erlebnis „Weltkrieg" gestaltet und hat ein Neues prophezeit, das aus der Zeit der Niederung empor- steigen würde. Unvergleichlich hat er in feinen Versen „Einem jungen Führer ersten Weltkrieg den schlichten Schneid, die Kargheit, die Gelassenheit des jungen Frontoffiziers gestaltet und hernach knapp und ewig gültig den starken Trost geformt für die jungen Helden, als nun „die würfel anders fielen als iyr euch geträumt". George tjat in feinen „Sprüchen an die Toten" eine Reihe knapper Porträts von Freunden geschaffen, die der ®eItFrieg verschlang. Eins von ihnen klingt aus in die Satze.
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Gloria: »Zwischen Haß und Liebe".
Die Probleme zwischen Mann und Frau sind in Amerika keine andern wie bei uns, sie werden yom amerikanischen Film nur viel unphilosophischer, viel grobkörniger gesehen. Zwischen den Polen Hatz und Liebe knattert in tollem Zickzack ein ganzes Stromseld menschlicher Gefühle, von denen der Film nur wenige überdeutlich macht. Ein Arzt sieht sich urplötzlich vor die Entscheidung gestellt, als Bakteriologe ins Seuchengebiet abzureisen, ober um der Liebe zu einer Frau willen auf Ruhm und Karriere zu verzichten. Mit der Mahnung an eine Spielschuld gelingt es dem Bruder, ihn zur Abreise zu bewegen. Die Frau weiß aus Rache für die Beleidigung ihrer tiefsten Gefühle den Bruder an sich zu fetten, folgt aber bann dem geliebten Mann in den Dschungel, ohne zu ahnen, daß dieser jetzt nur noch darauf sinnt, den Bruder durch einen plausiblen Scheidungsgrund aus der Ehefessel zu befreien. Als er dies erreicht hat, stoßt er die einstmals Geliebte von fid)_ Aber sie gibt den Kampf so leicht nicht auf. Im Laboratorium der Seuchenstation weiß sie sich in einem unbewachten Augenblick zu infizieren und zwingt den Geliebten, an ihr sein neuentdecktes Fieberserum auszuprobieren. Der doppelte Versuch gelingt, sie wird gerettet und gewinnt seine Liebe zurück. Enttäuschung und Mißverstehen treiben zwei Menschen auf der ganzen Skala zwischen Haß und Liebe m erregendem Kampf mit ihren widersprechenden Gefühlen hin und her, weil sie beide einmal in einem entscheidenden Augenblick nicht menschliche Größe und gegenseitiges Vertrauen genug hatten, um ihrer Liebe Opfer zu bringen. Robert Taylor ist der sympathischere von ihnen, ein frischer, unkomplizierter Junge, der in sich nicht genug Halt hat, eine schwierige Sache durchzustehen. Seme Partnerin Barbara S t a n w y ck hat es nicht leicht, in einem wenig differenzierten Spiel alle Wechsel der Gefühle begreiflich au machen. John Eldredge, der Bruder, bleibt im Zwielicht feiner nicht sehr schönen Rolle als geprügelter Musterknabe, Joseph Calleia, Besitzer einer Spielhölle, ist ein herzloser Schurke von 'Format, Jean Hersh o 11, ein reizender alter Doktor. Die Regie bat W. S. van Dyke (Metro-Goldwyn-Mayer). — Im Beiprogramm ein instruktiver Film von den Lehrjahren eines Traberfavoriten, „Berlin, die Olympiastadt", zeigt das interessante Drum und ■ Dran der olymvischen Spiele und die Ufa-Wochen- schau mit den Vorbereitungen zum „Tag der beut- scheu Kunst". Fr. W. Lange. ,
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ehe das Auge irgendwo Ruhe findet, wird man emporgerissen zur Höhe, wo sich die Türme mit dem Azur des Himmels vermählen. Stein ist hier zur Poesie geworden, ein Traum, der bei uns dem Rokoko vorbehalten blieb. Und wo selbst im benachbarten Laon die Kathedrale noch Ernst und Strenge atmet, erscheint hier alles aufgelockert, vergeistigt und verklärt. Alle Bogen und Rundungen lassen hier das Licht einströmen und die unzähligen Figuren vervielfachen den Halbschatten und die Reflexe. Der Meister von Reims hat alles vermieden, was verdüstern könnte. Er hat sogar auf die ge= schlossenen Giebelfelder verzichtet und sie durch wundervolles Filigranwerk ersetzt. Man vergleiche Reims mit der Fassade von Notre-Dame in Paris. Diese wird beherrscht von der horizontalen Linie, wie sie der romanischen Kunst eigen war. In Reims dagegen ist an die Stelle der Horizontalen plötzlich die Vertikale, die auffteigenbe, himmelstürmende Linie getreten. Sie ist es, die dieser Fassade alle Erdenschwere nimmt, die fortreifet, die Spitzbogen der herrlichen Portale hinauf bis zu dem Abschluß der flachen und doch zierlich wirkenden Türme führt. Und selbst die Rosette scheint hier teilzuhaben an der aufsteigenden Linie, so wundervoll ist sie in bas Ganze hineinkomponiert. Aller Reichtum einer auserwählten Kunst hat sich auch noch in Höhen verschwendet, in denen sich kaum noch ein Auge daran erfreuen kann.
Und doch möchte man sich in jede einzelne Gestalt ' vertiefen. Von welch bezwingender Eleganz sind diese Heiligen von Reims, bie bie höfische Kultur ihrer Zeit wiberspieaeln. Der meist kleine Kops läßt ihren Körper noch schlanker erscheinen, das Gesicht tragen sie leicht geneigt, um ihre Lebendigkeit noch zu betonen. Ihre ganze Haltung strahlt vornehme Sympathie aus. Untereinander tauschen sie freund-
tion gar nicht erst in so tiefe Schwierigkeiten hineinstürzen zu lassen. Wir müssen also eine gesundere Generation erziehen..." Daß bie Angst im Leben, vor bem Leben unb seinen Hufgaben überwunden werden kann, baß bie Wurzel des Leibens blofe- gelegt und der nervöse, ängstliche und lebensuntüchtige Mensch aus seiner verderblichen Isolierung befreit, ermutigt, dem Dasein gurucfgegebem der heilsamen Gemeinschaft und der schöpferischen Spannung roiebergeroonnen werben kann, ist bas positive (Enbergebnis bes vielfältig anregenben Werkes; bie ausführliche Hufzählung einschlägigen Schrifttums wird zahlreichen Lesern willkommen fein.
Hans Thynot.
_ Bettina Seipp: Neapel unb Sizilien als ßanb ber Griechen erlebt, mit 46 Bildtafeln und einer Karte, im Insel-Verlag zu Leipzig. — (156) — Eine Schönheitsdurstige ist aufgebrochen in die Gefilde Süditaliens, bie als einstige Kolonien ber Hellenen nun zwei Jahrtausende hinburch als westliche Vorposten griechi» fcher Kultur uns Wegweiser zu hellenischer Schönheit sind. Nicht von ungefähr steht in Neapel bas bebeutenbfte Hntifenmufeum ber Welt. Hber faft möchte man sagen, baß hier im griechischen Kolo- niallanb Natur unb Kunst erst wahrhaft bie innige Vermählung eingegangen finb, bie uns so sehr bestrickt. Die Verfasserin wandert nicht unvorbereitet durch bie Küstenlandschast bes Golfs von Neapel, durch die Ausgrabungen von Pompeji und Herku- lanum, zu den Tempeln von Paestum und schttetz- lich kreuz unb quer durch Sizilien, die „homerische Insel", sie kennt das Land und seine Geschichte und gibt weitab von jeder üblichen Reiseschilderung eine feinsinnige und tiefgründige, von heiliger Begeisterung für hellenischen Geist unb römische Kraft getragene Deutung dieser für unsere gemeinsame abendländische Kultur so unvergleichlich denkwurdi- qen Stätten. Die schöne, leuchtende Sprache dieser Berichte klingt lange nach unb überbecft auch bie etwas gequälte Briefform bes Buches, bie nur hier unb ba anbeutungsroeife auftaucht. Einige sehr sorgfältig ausgewählte Silber zeigen manch weniger Bekanntes. Fr. W. Fsn^e.
— Margrit Freyer : Mit G e b r u b e r Blaurot in bie großen Ferien! Frohe Erlebnisse in See, Sand unb Sonne. 174 Seiten. Illustriert von Lore Friedrich-Gronau. Halbleinen- : band 2,80 Mark. Verlag von Franz Borgmeyer, « Hildesheim. — (206) — Die Erlebnisse ber beiben - Jungen Kai und Peter werden bem jungen ßefer Vergnügen bereiten. Hm Strande sehen wir Kai ' und Peter in Gesellschaft oon, vielen andern Km- । dem, wie sie haben, Segelschiffe treiben lassen unb ! bie schönste Sanbburg bauen. Hufreqenb ist ihr - Kriegszug gegen bie Jugenb vom Nachbarbors; । noch ein dritter gehört zu ihrem Freundschafts- 1 bunb, Hans Thews. Der ist dort zu Haus unb kann > ihnen alles zeigen unb erklären: Seesterne und - Quallen, Muscheln und Krebse, Segelschiffe und > Paddelboote. So sind Kai und Peter froh, als auch 5 sie ihrem großen Freunde einmal einen Dienst er» - weisen können, ber die ganze Familie hoch erfreut.
In der Tat hat ja Stefan George die „takte gezählt", aber nicht als „falbentrunkener , „sanft geschaukelter", mithin in sich selbst verliebter „prinz , sondern als streng formender Künstler, a l s e a) t e r Dichter, ber in lückenloser, ben tiefen Gesetzen ber Kunst gemäßer Gestaltung bem Namen seines Berufes Ehre macht. Huf Stefan Georges Wortwahl, auf feine Wiederfindung alter schöner uno voller Worte, auf seine Wort-Neubildungen wird vielleicht schon genügend hingewiesen. Hber vom Standpunkte der Poesie als einer Klangkunst muß noch besonders auf Stefan George als auf ben vorbilblichen deutschen Reim-Beherrscher hingewiesen werden. Der deutsche Reim ist — öas müssen wir bekennen — arg verschlampt. „Bedeutendste" Dichter reimen Freude auf Leide, steigen auf reichen, stille auf Fülle, Hohen auf sehen.
Solche Fehler gegen ben Lebenswert bes eben nicht bloß geschriebenen unb gelesenen, sondern flingenben und gehörten Wortes finb bei Stefan George niemals zu finden: immer voll gewertete, klare, reine Reime! Ja, George geht in seiner
— Dr. Johannes Neumann: Leben i ohne Hngst. Psychologische Seelenheilkunde 185 . Seiten.« Kart. 6,50 Mark, Ganzleinen 7,50 Mark. ' Hippokrates-Verlag Marquardt & Cie., Stuttgart, 1 Leipzig 1938. — (145) — Das Buch des Gießener 1 Psychotherapeuten, das bereits unter dem Titel „Leven zonder Hngst ..." mit großem Erfolge in Holland erschien, ist aus der Praxis hervorge- qangen, in Zusammenarbeit mit dem praktischen Arzt, dem Facharzt unb bem Kliniker, mit Lehrern, Eltern, Pfarrern und Juristen. Die Psychotherapie oder Seelenheilkunde hat die Psychologie, die Seelenkunde, zur Voraussetzung und ist wie diese Wissenschaft und Kunst zugleich: Wiffenschaft vorn Seelenleben und Kunst der Menschenbehandlung, Erkennung und Heilung, lieber die rein theoretische, die erforschende unb beschreibende Arbeit des Psychologen hinaus eignet der Tätigkeit des Psychotherapeuten, des Seelenarztes, ein schöpferisch ae- stattendes, pädagogisches Element, auf dein die eigentliche Betonung seines Wirkens liegt: „Seme Kunst gleicht ber Hebammenkunst des Sokrates: der Wahrheit zur Geburt zu verhelfen". Neumanns Buch kommt von ber sogenannten Ganzheitspsychologie her, es roenbet sich an ben Menschen, und zwar an ben ganzen Menschen in seiner natürlichen Einheit von Seele unb Leib; bas gibt ihm von vornherein ben richtigen Stanbort unb lieber- blick, um die Einseitigkeiten unb Übersteigerungen früherer psychologischer Systeme unb Lehrmeinungen zu vermeiden und positiv zu überwinden. Es will „mehr ein Lernbuch als ein Lehrbuch fein, und eben darin beruht, wie uns scheint, sein erzieherischer Wert: es bringt bie Voraussetzungen ber Psychologie, bas Theoretische in großen Zügen, greift aber über bas bloße Theoretische in ber An- roenbung auf bie Praxis, auf bas tägliche Leben also, hinaus. Eben in ber Anziehung zahlreicher Beispiele, charakteristischer Fälle aus ber Praxis des Psychotherapeuten, in deren Diagnose, Analyse, Lösung unb Heilung liegt bie Bebeutung bes Werkes, bas dem Leben bienen will unb, richtig verstauben unb angeroanbt, sehr segensvoll wirken kann. Für den Laien wird es überraschend und lehrreich sein, einen Blick in bie vielschichtigen unb komplizierten Bereiche ber Neurosen, ber Hemmungen, Störungen unb Konflikte im Seelenleben zu tun; auch zu erfahren, wie ber geschulte Psychotherapeut bie Angst in ihren mancherlei, oft verschleierten Erscheinungsformen erkennt unb entlarvt: es gibt ba bie verschiebensten unb merkwürdigsten Spielarten, aber in der richtigen Diagnose, in der Rückführung der Störung auf ihre oft versteckte Wurzel, liegt schon bie Möglichkeit ber Losung unb Heilung. Viele nervöse Defekte unb seelische Krankheitserscheinungen reichen ursächlich weit zurück bis in bie Kindheit bes Patienten, sind häufig in Jugendkonflikten unb Erziebungsschwierigketten begründet. Damit erkennt bas Werk nicht nur seine psychotherapeutische, sonbern auch eine prophylak- tische Aufgabe: „Wir wollen... nicht nur seelische Not unb Krankheit ber Erwachsenen heilen. Es kommt barauf an, ...bie heranwachsenbe Genera-
Jn einem Gebicht des „Siebenten Ringes , anhebt „Ihr, meiner Zeit Genossen , wandte Stefan George an diejenigen, die meinten, ihn zu „kennen", die sich erlaubten, ihn 3" „bemessen unb ihn „lärmend", „plump und „roh schatten.
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liche Blicke, andere wieder schauen gütig auf ben Besucher, ber burch bas Portal ben Dom betritt. Männer und Frauen tragen die einfachste Kleidung, die man seit den Griechen gesehen hat, keine überflüssige Verzierung, kaum ein Schmuckstück, überall eine attische Schlichtheit.
Wir brauchen nicht daran zu erinnern, daß jede Restaurierung beim echten Künstler schmerzliche Gefühle auslöst. Unb ein zuverlässiges Urteil barüber, inwieweit die Wiederherstellung der Reimser Kathedrale ihrem unvergänglichen Wert gerecht geworden ist, steht noch aus. Darüber aber kann es nur eine Meinung geben, daß das tragische Geschick der Kathedrale im Weltkrieg die Verpflichtung ausgelost hat, aus ben Trümmern bes alten Gesteins bas Beste zu retten unb bort erneuernb einzugreifen, wo ------
kostbare Werte verloren waren. Denn um diese > bensroeg auck chr Leidensweg gewesen i|t.
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