Einzelbild herunterladen

Hoch lebe der König!". Die Menge fiel ein, und die Revolution war beendet.

Mit seiner beharrlichen Beschaulichkeit bleibt das Land, das nur von der Landwirtschaft, d. h. von der Ausfuhr von Viehveredelungserzeugnissen lebt, auch bei der Wirtschaftspolitik, die es einmal reich gemacht hatte. Die Butter wird nach englischem Ge­schmack gelb gefärbt. Schweinemast heißt Bacon- erzeugung für England. Die Rinder, vor allem die prächtigen Doppellender, gehen nach Deutschland, und die Eier an beide Kunden. Man führt die Futtermittel ein und hat seine Erzeugungsbasis ebenso auf den Sojafeldern der Mandschurei wie auf den Weizenschlägen des amerikanischen Mittel­

westens. Das eigenständige Bauerntum ist inner­halb der Landbevölkerung schon längst in der Min­derheit. Aber weiter werden Zwergbetriebe errich­tet, die eigentlich mehr gewerbliche Produktion als Landwirtschaft betreiben' So außerordentlich ein­drucksvoll die große Landwirtschaftsausstellung mit dem Rekordbesuch von fast einer Million bei 3,5 Millionen Einwohnern (es gibt weniger Dänen m Dänemark als Sudetendeutsche int geschlossenen Siedlungsgebiet in der Tschecho-Slowakei) war, alles war nur auf diesen Kreislauf von Ein'uhr und Ausfuhr abgestellt. Aber man fand keinen Hin­weis darauf, daß man mit der Einfuhr wie mit der Ausfuhr in die Abhängigkeit der

Weltkonjunktur gekommen ist, daß man sich auch manche eigene Industrie nicht leisten kann, weil man zur Ermöglichung der Ausfuhr entspre­chende Waren hereinnehmen muß. Kein Hinweis auch darauf, daß eine Arbeitslosenzahl vor­handen ist, die auf deutsche Verhältnisse rrngerech- net über zwei Millionen bedeutet. Vielleicht nur die merkwürdig brummigen Gesichter der in Trachten zur Feier des 150jährigen Jublläums der sogenann­ten Bauernbefreiung auf marschierten Landjugend ließen etwas von den Sorgen ahnen, die sich dar­aus ergeben, daß dieweltweite" Wirtschaftspolitik zu einer Verschuldung der dänischen Land­wirtschaft mit 90 o. H. ihres Wertes geführt hat.

bezüge bereits vom ersten Krankheitstage an ge­währt (bisher im allgemeinen drei Karenztage).

Die vorstehenden Erläuterungen werden hoffent­lich ihren Zweck erfüllen, die Anwendung und Durchführung des neuen Tarifwerkes zu erleich- tern. Wenn trotzdem noch hier und da Schwierig­keiten in der Anwendung auftreten sollten, so ist es Pflicht und Aufgabe aller Beteiligten, sie in ver­trauensvoller Zusammenarbeit zu überwinden.

Wieder Arbeit und Brot.

in der Ostmark

Oie Tarifordnungen für den öffentlichen Dienst.

Erläuterungen des Reichstreuhänders. Beseitigung von Zweifelsfragen.

Die Arbeitslosigkeit bereits um die Hälfte vermindert.

Wien, 11. Juli. (DNB.) Die Zahl der bei, den Arbeitsämtern in der Ostmark gemeldeten Arbeits­losen ist im Laufe des Juni um mehr als

Berlin, 11. Juli. (DNB.) Der Reichstreuhän­der gibt weitere Erläuterungen zu den neuen Tarifordnungen für den öffentlichen Dienft: Nachdem die neuen Tarifordnungen für den öffentlichen Dienst am 1. April d. I. in Kraft getreten sind, hat sich gezeigt, daß bei deren An­wendung vielfach Zweifelsfragen aufgetreten sind. Sie enthalten eine erhebliche Zahl von Bestim- jnungen, die wesentliche Verbesserungen wirtschaftlicher Art für die Gefolgschafts- mitglieder darstellen. So ergeben sich bei Anwen­dung der Tarife für Lohnempfänger und Angestellte zum Teil nicht unbeträchtliche Erhöhungen ihrer bisherigen Bezüge. Dem Trcue- gedanken ist Rechnung getragen durch die Ver­längerungen der Kündigungsfristen und die Einführung der Unkündbarkeit nach 25 Dienstjahren sowie die Dienstzeitzulagen und das Treugeld für die Lohnempfänger. Die Fürsorge für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Gefolg- fchaftsmitgsieder kommt in den verbesserten Urlaubsbedingungen und vor allem in der Neuregelung der Krankenbezüge zum Ausdruck, da die Gefolgschaftsmitglieder in Zukunft Krankenbezüge bei jeder Erkrankung und zwar schon vom ersten Tage der Krankheit an erhalten. Für weibliche Gefolgschaftsmitglieder ist. neu ein« geführt eine zusätzliche Wochenhilfe. In glei­cher Richtung wirkt auch die Erhöhung der Kinderzuschläge und die Gewährung eines Uebergangsgeldes an infolge Verheiratung ausscheidende weibliche Gefolgschaftsmitglieder.

Zu einzelnen Zweifelsfragen nimmt Der Reichs­treuhänder wie folgt Stellung.,

1. Lohngestaltung: Nach dem Führerwort von den festen Löhnen, den festen Preisen und der festen Währung war das bisherige Lohn­niveau in feiner großen Linie zu halten. Lohn­verschlechterungen durften danach nicht eintreten und sind auch durch Einschaltung entsprechender Sicherungen in die Tarifordnungen und die ergän­zenden Bestimmungen verhindert worden.

a) Angestellte: Nach SO. A § 5 Ab- satz 2 erhalten die ab 1. April 1938 bereits im Dienst befindlichen Angestellten ihre bisheri­gen Dienstbezüge weiter, und zwar bis zum Höchft- betrage der Vergütungsgruppe, in die sie nach der TO. A einzureihen sind. Sollten im Einzel­fall die bisherigen Dienstbezüge auch noch den Höchstbetrag der neuen Vergütungsgruppe über­steigen, so ist nach Nummer 4 Absatz 3 der Allge­meinen Dienstordnung des Reichsministers der Fi- nanzen zu § 5 TO. A auch diese Differenz den betreffenden Angestellten im Wege von Aus­gleichszulagen zu gewähren. Für Angestellte, die nach dem 1. April 1 9 3 8 neu eintreten, war eine besondere Sicherung gegen Verschlechte­rungen nicht erforderlich, weil Die neue Gehalts­regelung im allgemeinen etwas günstiger, zumin­dest aber ebenso günstig ist wie die alte.

b) Lohnempfänger: Nach TO. B, § 13, Absatz 6, erhalten die am 1.2Iptil 1938 bereits i m Dien st befind 1 i ch e n Gefolgschastsmit-

glieder, solange sie eine der bisherigen Arbeit gleich zu bewertende Arbeit verrichten, ihre bisherigen Bezüge weiter, auch wenn sie höher find als die ihnen nach TO. B zuftehenden Bezüge. Um zu ver­hindern, oaß ein Lohnempfänger, der nach dem 1. April 1938 vorübergehend ausscheidet, b e i sei­nem Wiedereintritt als Neueingestellter behandelt wird und dadurch seine höheren bisherigen Bezüge verliert, ist in § 13, Absatz 6, Satz 2 TO. B besonders bestimmt, daß auch bei Kündigung und Wiedereinstellung eines Lohnempfängers die alten Bezüge weiterzuzahlen sind, sofern sich das neue 'Arbeitsverhältnis als Fortsetzung des alten darftellt.

Lohnempfängern, die nach dem 1. April 1 93 8 zum ersten Male in den öffentlichen Dienst eintreten, find die alten höheren Bezüge da­durch gesichert, daß nach Nr. 1 der ADO. des Reichs­ministers der Finanzen in § 5 TO. B der zuständige Reichsminister in dem feiner Aufsicht unterstehenden Bereich aus zwingenden dienstlichen Gründen für Sonderfälle widerrufliche LohnZu­schläge festsetzen und diese Befugnis auf die Führer der Verwaltungen oder der Betriebe mit den Beschränkungen übertragen kann, 1 daß diese hierbei insgesamt die Lohnsätze nicht überschreiten dürfen, die in der vor dem In­krafttreten der neuen Tarifordnung geltenden Lohn- reaelung vorgesehen waren.

Don dieser Ermächtigung hat der R e i ch s - und Preußische Minister des Innern in Nr. 6, Absatz 1, seiner Gemeinsamen Dienstordnung zur TO. B, § 5, durch folgende Bestimmung Ge­brauch gemacht:Der Führer der Verwaltung oder des Betriebes kann durch Dienstordnung Lohnzu­lagen bis zu der Höhe festsetzen, daß Die Löhne nach der TO. B zusammen mit den Lohnzulagen den Lohnstand vor dem Inkrafttreten der. B erreichen. Zu den Löhnen nach der TO. B gehören auch die Dienstzeitzulagen und solche Zuschläge, die nicht in den §§ 4, 6, 9 und 12 TO. B oder in den diese Bestimmungen ergänzenden Vorschriften ge= regelt sind. Zum bisherigen Lohnstand gchören Löhne, Dienstzeitzulagen und sonstige Zuschläge, soweit sie nicht den Charakter der in den §§ 4, 6, 9 und 12 TO. B oder in den diese Bestimmungen ergänzenden Vorschriften geregelten Zuschläge haben." Hierdurch ist der bisherige gemeindliche Lohnftand auch den neueintretenden Gemeindearbei­tern erhalten.

2. Ortslohn staffeln: Eine Ueberprüfung der veralteten Ortslohnstaffeln der TO. B befindet sich bereits in Arbeit. Bei ihr wird der in vielen Orten eingetretenen Erhöhung der Lebenshaltungs­kosten durch Eingruppierung in eine entsprechend höhere Ortslohnklasse Rechnung getragen werden.

3. Altersversorgung: Besonders hervor- zuheben ist, daß das neue Tarifwerk eine Neurege­lung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung Vor­sicht. Wenn auch die Einführung der Altersversor­gung dem Leiter der einzelnen Verwaltungen über­lassen ist, so wird doch die einheitliche Regelung im Tarif dazu führen, daß von der dort vor­

gesehenen Möglichkeit umfassend Gebrauch gemacht wird. Im übrigen ist auch hinsichtlich der Alters­versorgung ausdrücklich angeordnet, daß bisher be­stehende Regelungen aufrechterhalten bleiben.

4. Urlaub: Die Bemessung des Urlaubs richtet sich in erster Linie und in der Hauptsache nach dem Lebensalter. Daneben findet eine ge­wisse Erhöhung des Urlaubs nach 5 Dienst- jähren statt. Maßgebend für diese Regelung war die Erwägung, daß das Erholungsbedürfnis der Ge­folgschaftsmitglieder sich nach ihrem Lebensalter richtet und daß deshalb bei einem Erholungsurlaub das Treueprinzip nur in zweiter Linie und in ge­ringerem Umfange berücksichtigt werden kann. In den Einzelfällen, in denen sich aus der neuen Ur­laubsregelung für die Gefolgschaftsmitglieder tat- sächlich eiye Verschlechterung der Urlaubsbauer er­geben würde, sind bereits zur Abhilfe die erforder­lichen Maßnahmen vorgesehen. Lohnempfänger sind gegen eine etwaige Verschlechterung ihres bisherigen Urlaubs durch Nr. 3 der ADO. des Reichsminifters der Finanzen und Nr. 14a der Gemeinsamen Dienst­ordnung des Reichs- und Preußischen Ministers zu § 18 TO. B gesichert. Danach kann Gefolgschaftsmit­gliedern, die nach der bisherigen Regelung einen längeren Urlaub erhalten haben, ein Zusatzur­laub bis zur Höhe ihres bisherigen Urlaubs ge­währt werden. ,

5. Wochenfeiertaae und Ueberstundenzuschläge: Nach § 4 Absatz 2 TO. B wird an reichsgesetzlichen Feiertagen, die auf einen Wochentag fallen, der Lohn für die ausfallende Arbeitszeit gezahlt, und zwar.ohne daß die ausfallende Zeit vor- oder nachgeleistet zu werden braucht. Für Ueberftun- den ist nach § 9 Absatz 2 TO. B allgemein ein Zus ch lau von 25 o. H. zu zahlen. Dazu tritt, wenn die Arbeit an einem Sonntag geleistet wird, nach Nr. 1 der ADO. des Reichsministers der Finanzen zu § 4 TO. B ein Z u s ch l a g v o n 1,08 Mark,sofern die Dienstordnung im bisher üb­lichen Rahmen nicht etwas anderes bestimmt". Dies letztere ist geschehen in Nr. 5a der Gemeinsamen Dienstordnung des Reichs- und Preußischen Mi­nisters des Innern zur TO. B § 4, wonach der Zu­schlag für Sonntagsarbeit 25 o. H. des Lohnes be­trägt, die zu dem aügemeinen Uebersiundenzuschlag von 25 v. H. noch hinzutreten. Danach ist der bis­herige Sonntagszuschlag von 50 v. H. erhalten ge­blieben. Für nichtplanmäßige Arbeit an den im §4 Absatz 2 TO. B genannten reichsgesetz-, lichen Wochenfeiertagen ist nach Nr. 2 der ADO. des Reichsministers der Finanzen zur TO. B nach §4 ein Zuschlag von 80 v. H. au zahlen neben dem ein Ueberstundenzuschlag nach § 9 Absatz 2 nicht ge­währt wird.

6. K r a n k e n b e z ü g e: Die Dauer der Kranken- bezüge ist für 21ngefteHte von 13 auf 16 und -für Lohnempfänger von 16 auf 26 Wochen erhöht. Dadurch ist erreicht, daß sich bei Lohn­empfängern die Zahlung einer etwaigen Inva - libenrente unmittelbar an die Zahlung der Krankenbezüge anschließt. Außerdem werden Lohn­empfängern nach § 15 Absatz 1 TO. B die Kranken-1

7 6 000 ober 21,7 v. H. zurückgegangen. Während am 31. Mai 1938 noch 350 228 Aroetts- lose gemeldet waren, wurden am 30. Juni 1938 nur noch 274 627 Arbeitslose gezählt. Seit dem Um­bruch 'am 31. März 1938 waren in der Ostmark mindestens rund 600 000 Arbeitslose vorhanden ist die Arbeitslosigkeit in der Ostmark damit be­reits um mehr als die Hälfte vermin­dert worden. Die größten absoluten Rückgänge der Arbeitslosigkeit wurden in Wien mit 36 268, Graz mit 10 375 und Linz mit 7852 erzielt.

Von den Berufsgruppen erfuhr die stärkste Ent­lastung die Gruppe Bauarbeiter (12 774) und die ungelernten Hilfsarbeiter (42 303). Hierin wirkte sich die Belebung der Bautätigkeit in der Ostmark sowie auch die im alten Reichsgebiet bestehende Knappheit an Bauarbeitern aus. Auch die Sonder­aktion für die verdienten Kämpfer b e.r Se­ro e g u n g führte bereits zu beachtlichen Erfolgen: Bisher konnten über 9400 wieder in Lohn und Brot gebracht werden.

Wohin mit den Luden?

Auf Veranlassung des amerikanischen Präsidenten Roosevelt ist in dem französischen Badeort E v i a n am Genfer See eine Konferenz von 21 Regierungen zusammengetreten, die sich mit der Unterbrin­gung auswandern der Juden beschäftigen soll. Erstes Ergebnis ist, daß in jüdischen Kreisen selbst schwerste Mißhelligkeiten ausgebrochen sind, weil den jüdischen Organisationen Begünstigung der reichen Juden vorgeworfen wird, die ihre Kapita­lien mitnehmen, während die nichtbegüterten Juden sehen können, wo sie bleiben. Einmütig fließen die Vertreter der beteiligten Regierungen von Höflich­keitsbezeugungen gegenüber den Juden über, er­klären aber geschlossen, daß sie wohl einen Bedarf an genügsamen Kleinbauern, aber nicht an Intel- lektuellen haben Es gibt bereits einen britischen Kommissar für Flüchtlings fragen, der vor einigen fahren von der Genfer Liga eingesetzt wurde und. seinen Sitz in London hat. Er erklärte nun, daß er sich schon nach seiner Amtsübernahme mit den britischen Dominions und Kolonien ms Benehmen gesetzt habe, die ihm aber ebenfalls antworteten, daß sie nureffektiv nützliche Bürger" haben wollten und sich insbesondere gegen die Ein­wanderung geschlossener Blocks von europäischen Emigranten erklärt haben. Auch die Vereinigten Staaten, die die treibende Kraft dieser Besprechun­gen sind, gewähren nur die vorgesehenen Einwande­rungsquoten, obwohl dieAdministration" Roose- velts mit der Judenfrage sichtlich Wahlgeschäste machen und an einem ständischen internationalen Flüchtlingsbüro die Zusammenarbeit der drei Demokratien demonstrieren will.

Der Wirtssohn leistete uns bei unserem Glas Milch Gesellschaft und das Gespräch ging über bas, was wir gemeinsam kannten. Ueber Die Berge, den Wendelstein, und kam dann, wie es so zu fein pflegt, auch auf die Bergbahn.

Mir wurde etwas schwül zumute und ich hielt krampfhaft beide Daumen, daß es gut abgehen möge.

Es ging aber nicht gut ab. Denn meine restlos wißbegierige Frau wollte gern erführen, ob schon jemals Unfälle mit der Bahn vorgekommen se.cn.

Sell woll", meinte Der Bergler und blies den Rauch seines Stumpen genießerisch hoch,aber mr Ernstes!"

Die Bremsen haben wohl noch nie versagt?" bohrte Lilli weiter. Unermüdlich, wie ein Zahn­arzt ...

''Geht jo fei net!" belehrte sie der junge Wirt, »drei oder vier Ersatzbremsen! Sind alle ooneinan- der unabhängig!"

Und Dann ift ja auch noch der Rettungsanker meine kleine Frau ihre Weisheit zum M "ach Lust wie ein Satzkarpfen.

J>nn? Mit rührendem Unverständnis iah sie ihr Gegenüber am als ob sie v°m Monde käme.

Nun der Rettungsanker", trumpfte Lilli auf, den der Schaffner auswirft, wenn der Zug ab- roartsrafen will! y

Himmelherrgottfakrament! Der Bayer kapierte 'nnn'r n°ch märt und starrte sie mit offenem Munde an. Achtlos verqualmte der gute, Stumpen

Der Rettungsanker! Erklär du es ihm dock" wandte sich Lilli empört an mich. 9 '

Eine Sekunde lang versuchte ich ernst zu bleiben. Aber dann konnte ich,wirklich nicht mehr und lachte mitten ins Gesicht. Und eine Minute später dröhnte Un Gegenüber, daß die ganze Hütte

Und schließlich lachte auch Lilli. Was sollte sie chon machen. Etwa gar einschnappen und chmol- !-$Um°^ lft Öas DeI der Ehe", fo ober ähnlich, hat einmal ein kluger Mann gesagt. Sicher r?1" m ß^tenberg Denn von Lichtenberg stammen alle Aphorismen über die Ehe. 9

Unö zwar Del in Doppeltem Sinne: zur Be- anftigung der hochgehenden Wogen wie auch zur Erhöhung der Gleitfahigkeit. Sanft rutsch, da?n die Ehegemeinschaft um jede noch so schwierige Ecke Ma?Ln Ä andere

2 pEinen o zu veralbern! Kein ein-

ziges Wort glaube ich dir mehr. Kein Wort!"

Dabei1 blieb es auch für die nächsten zehn Minu- ten wenigstens. Aber Der Abend war ja rwch lang. UnD wurde pfundig mit Witzen, Lacken und jenen Gesängen, die die BayernGstanzeln" o'derSchna- derhupfln nennen Und Die mehr oder minder auf

Kosten eines Einzigen gehen.

Aber die Ehefrau ist ja bekanntlich fooo gutmütig!

Der Rettungsanker.

Von Jochen Günther.

Es ist seit alters bekannt, daß Kinder wie junge Frauen mehr fragen können, als zehn Weife je zu beantworten in Der Lage sind.

Einer der zehn Weisen bin ich nun allerdings wirklich nicht.Du bestimmt nicht!", höre ich jetzt schon im Geiste meine Frau aus voller Seele zu­stimmen. Ausnahmsweise mal mir. Denn warum stch eigentlich Die (ErDe dreht: Keine Anhnung hab ich! Ob das Huhn oder das Ei eher da waren, kann ich auch nicht entscheiden. Wieso ein Auto eigentlich vom Fleck kommt, ist mir auch heute noch ein tie­fes und unergründliches Mysterium.

Kurzum es fehlt in jeder Beziehung. Aber i ch weiß das zum Unterschied von vielen, Sielen an­deren ...

Doch um wieder auf das Fragen zurückzukom- men. Da stehe ich ganz groß meinen Mann. Denn wie aus der Pistole geschossen, kommt genau und verblüffend im Nu die Antwort. Beileibe nicht immer Die richtige. Das wäre auch zuviel verlangt. Aber imtner eine. Und das will schon viel heißen, denn wer weiß schon, wann das verfluchte Silben­rätsel ausgerchnet Den mir höchst schleierhaften Arieben von Sampo Formio verlangt, um in Der folgenden SekunDe bereits die neckischen Kationen zu verlangen.

, Sampo Formio ist aus Dem nächsten Ge- schichtsbuch zu erreichen, währenD es bei Physik Technik, Astronomie und allen solchen scheußlichen Sachen furchtbar hapert. Denn wer besitzt schon die Spezialliteratur?

Und ausgerechnet über die Bremsverfahren bei Bergbahnen! Die kennt ja kaum ein Diplominge­nieur, Der sich auf Tiefbau spezialisiert hat. So einer bat nämlich meist keine Ahnung, was in Der be­nachbarten Branche Brauch ist. Ich kenne solche Falle.

Aber die Bergbahnbremsen hatten folgenden Grund.

Von Brannenburg im bayrischen Jnntal führt eine biedere Zahnradbahn auf Den Gipfel Des Wen­delsteins. Er ist zwar nur 1838 Meter hoch, Die VU9Jp!£c lächelt also nur geringschätzig. Aber er ift Doch bedeutend höher als das Erzgebirge Ge­schweige als Thüringer Wald ober Harz.

Das heißt: Daß schmückende Beiwortbieder" für Das Bahnlein ist nicht ganz zutreffend. Die Leute haben ihre Preise, Die mit zmiehmender Höhe noch mehr zunehmen. Die Hin- und Rückfahrt kostet 4,50 RM. Meine. Frau ift mir wert und teuer Aber 4,50 RM.? Und dazu mal zwei?!

Am Nu war ich bei Der Sache:Dann sind im­mer noch zwei, Drei Reservebrecksen Da!"

Die versagen auch!"

Soviel ich weiß", runzelte ich mit geheuchelter Fachkunde die Stirn,vermag das Zahnrad, das in die hohe Zahnstange zwischen den Geleisen eingreift, weißt du, immer noch den ganzen Zug zu halten."

Aber wenn das Zanhrad auch versagt. Es kann doch herausspringen! Es versagt einfach jede Bremse!"

Hm, ich kratzte mich Hinterm Ohr. Jetzt wurde es ernst. Welch Glück, daß wir nicht mit der Bahn fahren, sondern ins Tal abfteigen wollen. Lilli hätte sich einem derart unsicheren Unternehmen, bei dem alle Bremsen versagen können, nie und nimmer anoertraut.

Was sag ich nur, was sag ich nur?!

Mein Ruf als Auskunftsbüro in allen, auch den schwierigsten Lebenslagen stand auf dem Spiel. Denn die bekannte schnippische Redensart:Ich sehe schon, du weißt es auch nicht!" muß ja zum'Schwin­deln veranlassen.

Ich spielte also eine Minute lang eine gewisse Geistesabwesenheit, lugte mit Adlerblick nach dem fonnenuberfluteten Bayrischzell hinab, als ob mir oon da her die Erleuchtung käme und sagte dann, kritisch die roten Wände des Wilden Kaisers prü­fend, so nebenbei:

Haft du denn noch nie vom Rettungsanker gehört?"

Lilli verneinte erstaunt:Ich denke, daß ist so eine Redensart, so eine übertragene Bedeutung".

Gewiß" gab ich gönnerhaft zu,von der See- ahrt her Aber auch in so einem natürlich äußerst selten vorkommenden Falle, Daß bei einer Bergbahn wirklich einmal sämtliche Bremsen versagen sollten und der ganze Zug mit Mann und Maus in den Abgrund zu rasen droht. 2)ann wirft der Schaif- ner am Ende des Zuges den schweren Anker aus In dem Geröll zwischen den Schienen oder in den Schwellen hopst er zuerst etwas herum, aber findet Dann bestimmt Halt!"

Mein gutes Weib nickte nachdeklich dazu. So wie ich es erzählte, war es ja auch anschaulich. Und vielleicht sogar möglich. Aber mit einem Fachmann mochte ich persönlich nicht darüber diskutieren Ick mache mich nur ungern vor anderen lächerlich.'

Jedenfalls genügte die Erklärung meiner Frau s"inr'r S°nugt« es, daß ich ernst blich. Jedem das

Sd)Iie6Ii(fl tam borf) einmal der Abstieg über ichuhemordendes Geröll. Hoch über uns quietschte die Bergbahn vollbesetzt zu Tal. Sie schien nut d?m Schmieröl zu sparen. Hinter der Waldgrenze mar- «*« ^°n der Abend. Kühe und Ziegen blängte« (X7uXnTbrT-w Me ncin,te «°-n,c i

Wir leisten uns also nur Die einfache Bergfahrt für je einen 'blanfen Taler.

Der Zug, aus zwei Wagen nur bestehend, war fo voll, daß ich von Der ganzen Auffahrt nichts hatte, Sondern erschüttert dasaß und multiplizierte. Immer 120 Personen mal 4,50. Und Das sechs Züge täglich mit meist je einem Vor- und einem Nach- 3ug. Ich kam auf erkleckliche Summen und wünschte mir sehnlichst an geeigneter Stelle einen Schlag­baum, um pro Nase eine Kopfsteuer von nur einem Groschen erheben zu können. So bescheiden bin ich.

Die Bahn schwindelt sich irgendwie bis an Den Gipfel heran. Wie, ist mir wieder etwas schleierhaft geblieben. Es ging meist durch Wald, an Berg- Hängen entlang, weißgischtend schoß ein Wasserfall zu Tal. Dann wurde Die Strecke überraschend steil. Wie ein Luftballon schwebte der ganze Zug lang­sam natürlich, sehr langsam, zur Höhe. Dabei ist das Auf- und Abspringen während Der Fahrt wegen Des damit verbundenen Lächerlichmachens des Bahn­betriebs bei schwerer Strafe verboten! Einige Tun­nel brachten tiefes Dunkel. Wieder im Hellen, schrie jemand aufgeregt:Dort sind Gemsen!" Alles stürzte so hastig an Die Fenster Der rechten Seite, daß Der Wagen ins Schwanken kam.

Tatsächlich, bg ästen sie. Ein ganzes Rudel. Braune, schwarze, große, kleine. Auch Kühe waren Dazwischen, und melodisches Glockengeläut tönte von Der Alm.

Lilli sah mich fragenö an. Aber da ich ihr mit Dem linken Auge zublinzelte, wußte sie es noch eher als Die Zuginsassen, Die bald von einem Ein­heimischen, dem vor Lachen Der Tabaks qualm in Die falsche Kehle geraten war, aufgeklärt wurden, daß Gemsen von Ziegen doch etwas verschieden seien.

Und a solchenes Euter", damit zeigte er an lernen gut ausgewachsenen Kropf,hat ka Gams not!

Beschämt setzte sich alles wieder auf feinen Platz.

Unter solchen und ähnlichen Scherzen war der Gipfelbahnhof der Bahn bald erreicht. Erstaunlich, aber wahr: Man war weiß Gott oben Mitten m der Höhenluft. Im Berghotel konnte man sich Den berühmten Almenrausch holen, Münchener Bier- ooll Unb ^^ianschnapssiaschen lockten verheißungs-

wir kletterten zum Gipfel, fest entschlossen, uns nicht locken zu lassen.Klettern" ist mal wie- Der eine jener Uebertreibungen, die sich jeder Er­zähler leistet. Es führte ein vorzüglicher Prome­naden weg mit Brettern und Geländer über die 21b- grunDer und Schwärme von Dohlen kreischten aus­gelassen über die ganz Aengstlichen, die sich furcht­sam an der Bergwand entlangschoben

Oben auf dem Gipfel geschah es.

.Sozusagen mitten in die Aussicht hinein stellte Lilli tue harmlose Frage:

"Wenn nun die Bremsen mal versagen?"