Ausgabe 
12.6.1938
 
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Fr. W. Lange.

Historie von der Magdeburgischen Hochzeit.

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Hans Thyriot.

Der Untergang eines Kaiserreiches

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Politik und Kriegführung

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Gegner einer deutschen Aktion im Kaukasus. Er läßt alle Gegenminen springen, nicht zuletzt führt

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sorgfältigem Quellenstudium fußende und von außergewöhnlicher Belesenheit zeugende Darstel­lung der weltpolitischen Lage und der damit im engsten Zusammenhang stehenden im Auslande herrschenden Ansichten über den Luftkrieg der Zu­kunft, dessen ungeheure Gefahren für die Gesamt« beoölkerung der kriegführenden Staaten von allen Sachverständigen bei manchen Abweichungen des Urteils im einzelnen ebenso anerkannt werden, wie seine vielleicht ausschlaggebende Bedeutung für die allgemeine Kriegführung, ja für den Kriegsausgang überhaupt. Der Verfasser bespricht die strategischen Aufgaben der Luftwaffe, den Einsatz von Fall­schirmtruppen und Luftinfanterie im Hinterland des Gegners und die materialtechnische Grundlage der Luftwaffe, die um so bedeutungsvoller ist, als alle Erfahrungen in Spanien z. B. darauf hindeuten, daß auch Der Zukunftskrieg ein,Lermürbungskrieg" wird, in dem derjenige Sieger bleibt, der den län­geren Atem hat. Besonders fesselnd sind dann die Probleme erörtert, die für jede Großmacht aus den besonderen luftraumpolitischen Gegebenheiten er­wachsen. Zahlreiche instruktive Kartenskizzen und übersichtliche Tabellen erleichtern auch dem. Laien dos Eindringen in esn Problem, das heute nicht mehr eine Angelegenheit der militärischen Fachwelt bleiben darf, das aber nur aus der Feder von so gründlichen Sachkennern wie Schüttel, aller Phantasterei hemmungsloser Bierbankstrategen ent-

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auf Sechstauf

Kundfahkt. 232 Seiten. Mit 22 Lichtbildern^ "1 Karte und 7 Zeichnungen. Leinen 4,80 Mark. Verlag I. Engelhorns Nachf. Stuttgart. (170) Diese Vagebuchblatter gehören gu den fesselndsten Selbst­zeugnissen, die wir besitzen; sie zeigen uns einen Menschen, der ein ganzer Mann, ein prächtiger Kamerad und ein verantwortungsbewußter Führer war, der die Welt der Gefahren und Abenteuer liebte und suchte, zugleich aber auch mit den Augen eines Künstlers zu sehen und zu schildern verstand. Lebendig steht alles vor uns: die Landschaft und ihre Größe und Weite, die Riefenmaße der Gebirge der Kampf gegen Staub und glühende Hitze in den Wustenreglonen der Puna, gegen Sturm und eisige Kalte auf den bis zu mehr als 6000 Meter anfteigen- den Bergen; lebensvoll erscheinen seine so verschie- denartlgen Begleiter und Knechte und die seltsamen ^iere, denen er mit Leidenschaft nachjagt. Von seinem persönlichen Mut und seiner Willenskraft zeugen die erregenden Berichte seiner Bergfahrten, nrf/1?11 es gelang, mehrere Sechstausender im Alleingang zu bezwingen. Das Buch, das eine verbilligte Neuausgabe des früher erschienenen Bu« chesPuna de Atacama" darstellt, wird sicher viele Leser, besonders auch unter der Fugend anziehen

Vs Hansen : In Schnee und Nord« licht. Preis m Leinen geb. 4,80 Mark. Verlag K, - £n ? sr"en,n9, - (139) - fjanfen

t|t IM nördlichsten Norwegen geboten und hat fast stln ganzes Leben in arktischen Gebieten verbracht Erst un Alter begann er, von seinen Erlebnissen und Erinnerungen zu erzählen, so wie er es wohl Zuvor ost mündlich im Kreis feiner Kameraden zu tun pflegte, aus der Welt der nordischen Fischer und Fager, aus dem Daseinskampf der 233aL und Rob- ^"langer, die unter den schwersten Bedingungen ihr Leben fristen müssen. Wie dieses Leben selbst voller Spannungen ist, so sind es auch die Erzäh. lungen, m denen die seltsamsten Ereignisse und Be« Ebenheiten festgehalten werden. Und wie dieses Leben, |o ist Hansens Sprache, hart und knapp und klar und ungekunste t. Fede Erzählung ist mit ein n^'batzen Bild gesetzt und wird dann ohne Umschweife oorongetneben. Da die Geschichten dem i n,£UnI,*?n S Um-^5 ^zahlens folgen, eignen sie s)ih auch vortrefflich zum Vorlesen, und dazu feien he ganz besonders empfohlen. ' n

Meriel Buchanan: Der Untergang eines Kaiserreiches. Mit acht Bildtafeln. Preis in Ganzleinen geb. RM. 7,50, im Nibelungen- Verlag, Berlin.(98) Hier hat die Tochter des letzten britischen Botschafters am Zarenhofe ihre Erinnerungen an ihren Aufenthalt in Petersburg nrebergefegt, der bis in die Vorkriegszeit zurück­reicht. Ihre höchst farbigen Schilderungen des Hof- lebens, von dem sich die Zarenfamilie mehr und mehr absonderte, vermitteln einen zwar unbeab­sichtigten, aber darum besonders starken Eindruck von dem hohlen Glanz und der oberflächlichen Be­triebsamkeit der höchsten Gesellschaftskreise Ruß­lands, Dinge, die für den Entschluß der Regierung, durch einen Krieg der drohenden Revolution zu entgehen, gewiß nicht ohne Einfluß gewesen fein werden. Meriel Buchanan hat auch wahrend Ües Krieges und des Zusammenbruches an der Seite ihre Vaters in Petersburg ausgeharrt. Die wach­senden Mißstände in der Hauptstadt, in der die Revolutionäre immer dreister gegen die schwäch­liche Regierung auftreten, bis die Zeit zur Macht­übernahme reif ist, schildert Meriel Buchanan aus eigener allernächster Anschauung ungemein packend. Hier lernen wir den Bolschewismus in seinen An­fängen kennen. Damals ahnten noch wenige, welch entsetzliches Unheil «er über Rußland bringen würde und welch furchtbare Gefahr er einmal für die ganje europäische Kultur fein werde. Unter diesen wenigen Einsichtsvollen war allerdings schon der damalige holländische Gesandte in Petersburg, der in seinem Bericht über die Plünderung der bri­tischen Botschaft schon 1919 warnend sagte:Ich bin der Ansicht, daß die sofortige Niederwerfung des Bolschewismus jetzt die größte Streitfrage vor der Welt ist, die selbst den noch tobenden Krieg nicht ausschließt, und wenn nicht, wie oben bereits festgeftellt wurde, der Bolschewismus sofort in feinen Anfängen erstickt wird, so wird er sich in einer ober in der anderen Form notgedrungen über Europa unb bie ganze Welt verbreiten, ba er von hen Fuden, bie kein Vaterland haben, unb bie in ihrem eigenen Interesse nur das eine Ziel und den einen Zweck kennen, die bestehende Ordnung der Dinge zu zerstören, organisiert und getragen wird. Die einzige Art und Weise, in der man dieser öefabr entgegentreten kann, märe das gemeinsame Vorgehen von Seiten aller Mächte." Die War­nung blieb ungehört. Das Interesse der Westmächte war damals einzig und allein auf bie Erhaltung Rußlands als Kriegspartner gerichtet, wie es heute um bie Vunbnisfähigkeit bes Bolschewismus kreist Bem bntiMsn Bottchasier Sir George Buchanan siel die heikle Auigabe zu. Rußland auch unter veränderten innerpolitischen Verhältnissen bei der »tanae zu halten. Er hat deshalb tonn früh mit Imfclibwnhn Kreisen Fühlung genommen, was : ner«1

rauen (bereu steinerne Gestalten über der üespforte des magbeburgischen Domes zu er« i sind) auf eine sinnbildliche Weise in die Ge­staltung einbezog. Der Bräutigam der Erdmuth, Willigis Ahlemann, wird als der männliche, han­delnde, fürsprechenbe, im Zwiespalt stehenbe Wort­führer ber Stabt unb ihrer Bürgerschaft begriffen unb sowohl dem Generalissimus Tilly als auch den Ratsherren in entscheidenden Augenblicken gegen­übergestellt; zuletzt hält, er seine Hochzeit mit der. armen, verlassenen, geschändeten und dennoch geretteten Braut im hohen Dome der erstürmten, geplünderten, in Schutt und Asche gelegten Stadt: womit sich wiederum das Geschichtliche und das Persönliche, das kriegerische und das menschliche Motiv, wie aufc jenen alten fliegenden Blättern, berühren und durchdringen; dies gibt ber Schilde­rung eine bezwingende, künstlerische Geschlossenheit, die nirgends durchbrochen ober aufgelöst ryirb. Auch der Obrist von Falkenberg, als Abgesandter des schwedischen Königs und im Angriff der Kaiser­lichen fallender Verteidiger 'ber Stabt, ist (von seinem ersten nächtlichen Erscheinen an, da er vor ben Toren von Magdeburg Einlaß begehrt) in dieses Doppelspiel aufgenommen. Die feinste und menschlich reifste Gestalt der Erzählung ist aber, 9an3 anders, als die meisten ihn sich vorstellen mögen, fast erschütternd in manchen Augenblicken, bie alte Exzellenz, Johann Tserklaes Graf von Tilly, Vater ber Soldaten, Sieger über Magde­burg unb Besiegter zugleich in ben furchtbar an- klagenden Trümmern der einst stolzen und blühen­den Stobt. Das Buch gibt ein klares unb wesen­haftes Bild leibenschafttich bewegter deutscher Ver­gangenheit im Spiegel menschlicher Gestalten und Schicksale, die über bie Jahrhunderte hin nichts von ihrer Ursprünglichkeit verloren haben.

Herbert Volk:Del und Moham- LJ*!° "Der Offizier Hindenburgs im Kaukasus." Mit Bildnis bes Verfassers und einer Karte Preis broschiert 3,50 Mark. Verlag Wilh. Gottl. Korn in Breslau. (95) Die Rolle, bie ber Kampf um Die Rohstoffe schon im Weltkrieg gespielt hat, ist noch nicht seiner großen Bebeutung entsprechend im Zusammenhang dargestellt worden. Erst spät haben wir Deutsche erkannt, wie sehr bie Gewaltigen ber Wirtschaft das große politische Spiel als ihr eige- nes betrachteten unb wie hoch bie politischen Mächte bas Bündnis mit ben wirtschaftlichen Kräften ein- schätzten Die großen angelsächsischen Delmagnaten haben ihren eigenen Krieg geführt, um ihr Mono­pol 3" sichern. Die Besitznahme der rumänischen . Petroleumsfelder durch deutsche Truppen mußte ben Kampf um den Kaukasus mit seinen reichen Oel- oorkommen und um Mossul in Mesopotamien xu* entscheidenden Phase im Oelkrieg machen. Herbert Volk, em politischer Aktivist, der keine Schwierig­keiten kennt, wenn es um Deutschland geht hat sich bei Ausbruch ber bolschewistischen Revolution aus ber sibirischen Kriegsgefangenschaft nach dem Kaukasus durchgeschlagen. Hier unternimmt er es mit wenigen Getreuen, die in ewigen Bruberfehben sich aufreibenben kaukasischen Stämme zum Be­freiungskampf gegen den russischen Bolschewismus zu einen, um das Baku-Oel für Deutschland zu ge­winnen. Er ist bald ganz auf sich gestellt, benn wenn auch Lubenborff bas Hochbcbeutsame seines Plans fofort erkennt und Truppen, nach dem Kau­kasus beordert, hat doch bie Wilhelmstraße politische Bebenken, benn ber türkische Bundesgenosse ent-

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Für eine junge Mtter.

Georg von der Dring: Bilderbuch für eine junge Mutter. 24 Gedichte mit sechs Zeichnungen und einem Umschlagbild. Im Propyläen-Verlag, Berlin. (167) Man kennt von der Dring, dessenGoldhelm" wir vor einiger Zeit an dieser Stelle besprachen, nicht erst seit gestern als Erzähler und Lyriker von Rang und persönlicher Eigenart. In diesem sehr reizenden Bilderbuche für eine junge Mutter findet man ihn nun auch von einer andern Seite seines schöpfe­rischen Wesens her bestätigt, von welcher wohl unter seinen Lesern nicht viele etwas wußten, und so darf das Bändchen zugleich als ein neuer Beitrag und Beleg für jene merkwürdige und gerade bei uns in Deutschland häufige Erscheinung künstle­rischer Doppelbegabung gelten, über die Herbert Günther ein ebenfalls kürzlich hier angezeigtes, un­gemein aufichlußreiches Buch geschrieben hat. Der eigentümliche Reiz dieser vierundzwanzig Gedichte von ber Vrings beruht auf ihrem persönlich-mensch­lichen Klang und Gehalt über das in aller Lyrik' naturgegebene und selbstoerstänbliche Maß hinaus. Zärtlich und träumerisch betrachtet hier ein Dater seinen kleinen Sohn; aus seinem Anblick, aus dieser kleinen, reichen, befriedeten Welt heraus formen sich ihm die schlichten, kindlichen Verse: sie klingen wie vor dem Einschlafen erzählt oder wie aus einem halblauten, nachdenklichen Zwiegespräch mit der Mutter des Bübchens; das wird nicht nur die eine Mutter, für bi» es zuerst gesagt und ge­schrieben wurde, gerne hören und still lächelnd in Besitz nehmen, sondern viele andere junge Mütter auch. Denn die Welt, welche durch den zarten und sehr sicher geführten Umriß des kleinen schlafenden Daumenlutschers auf dem Umschläge bezeichnet wird, ist auch die ihre und ihnen allen beglückend ge« meinsam. Hans Thyriot.

Die Nürnberger Somplaftik.

D i e Bildwerke des Bamberger Doms. 46 Bildtafeln. Mit einem Geleitwort von Karl G r ö b e r. 59 SeiteiL Im Insel-Verlag zu Leipzig. (163) Als Gegenstück zu dem früher ; hier besprochenen Bändchen über die Bildwerke des Naumburger Doms mit dem Geleitwort von Wilhelm Pinder erscheint jetzt in der gleichen Reihe und Anordnung die Darstellung unb Beschreibung ber Bamberger Domplastik: wie jene Naumburger gehört sie zu den großen Wunbern und Geheim­nissen ber deutschen Kunst des Mittelaliers, zu bem ewigen Vorrat unb Besitz unserer Nation. Diese Figuren sind, wie Gröber im Nachwort bemerkt, Zeugnisse einer Zeit,die von einer fast unvorstell­baren inneren Größe und Herrlichkeit gewesen sein muß", und wer noch nie, in Staunen unb Be- wunberung versunken, vor der Kostbarkeit des er- lauchtesten Bamberger Bauwerkes und der sie um­gebenden und krönenden Plastik gestanden hat, dem mögen die vorzüglich wiedergegebenen Bildtafeln des kleinen Bandes eine Ahnung und Andeutung davon vermitteln und den Wunsch wachwerden lassen, diesen Schöpfungen eines namenlosen Meisters von Angesicht zu Angesicht gegenüberzu- stehen: an keiner andern Stelle werden den heutigen Menschen Traum unb Wirklichkeit, Glanz und ' Reichtum deutschen Mittelalters bezwinaenber und beschwörender umfangen als im Anblick dieser edeln und frühen Figuren, die zum Großartigsten ge« hören, was die deutsche Kathedralplasttk je hervor« gebracht hat. Hier sind ihre entscheidenben Bestanb« teile nebeneinandergestellt: der Reiter und der Lach­engel, Adam und Eva, das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde, Maria und Elisabeth, die Apostel und die Propheten, die Verdammten und die Seligen Ecclesia und Synagoge. Karl Gröber hat in seinem Geleitwort auf begrenztem Raume alles zusammen- getragen, was für den Betrachter wissenswert und wichttg ist von der Baugeschichte des Domes und der Geschichte der Figuren im einzelnen eben bas Notwenbigste, ohne bie ermübenbe unb belaftenbe Fülle kunstwissenschaftlicher Spezialunter­suchungen unb Sonberprobleme, die den abgewoge­nen Raum und den Rahmen des wertvollen und wohlfeilen Bändchens gesprengt haben würben.

Hans Thyriot.

Durch dieUte Welt.

dacht worden ist. Aber genützt hat diese vorsichtige Politik der Entente wenig, benn bie Bürgerlich- Liberalen erwiesen sich schon bald als schwächliche unb haltlose Politiker, bie ber brutalen Rückfichts- Migfeit ber stürmisch zur Macht brängenben Bol­schewisten in keiner Weise gewachsen waren. Für diese, hie ben Sonberfrieben wollten, gab es kein Kompromiß unb kein Paktieren mit ben Diplomaten ber Entente. Buchanan, stets selbst in höchster Lebensgefahr, mußte bas Land verlassen, ftine Mis. ton war gescheitert. Man hat seine außerordent­lichen Verdienste um bie Sache ber Entente in Xionbon mit Undank gelohnt. Wir kennen Lloyd George von dieser Seite schon aus anderen Ver­öffentlichungen her. Und hier stand für ben ba= mahgen britischen Premier noch eine besonders peinliche Affäre im Spiel. Buchanan war es ge­lungen, bie Kerenski-Regierung bavon zu über­zeugen daß es ihr nur nutzen könne, wenn sie die 'br höchst Unbequeme Zarenfamilie nach England abschobe. König Georg hatte seinem Detter, dem Zaren, ein Asyl in England angeboten, ein britischer Kreuzer sollte die Zarenfamilie in Murmansk ab- holcn die deutsche Regierung hatte für ihn freies Geleit zugesichert. Aber eine Masern-Erkrankung Der Zarenkmder hatte ben sofortigen Aufbruch aus garsfoje Selo verhinbert, und nun schaltete sich ?r Dpb ,®eor9e ein. Mit bem Hinweis, baß ein Aufenthalt des russischen Zaren in England die englische Arbeiterpartei vor ben Kopf stoßen werde was man wahrend des Krieges sich nicht leisten könne, bestimmte er den König, die Einladung zu- ruckzuziehen. Die rechtzeitige Flucht mußte unter­bleiben, Die Zarenfamilie trat den Leidensweg nach Jekatarmenburg an, wo ihr bolschewistische Henkers­knechte em grausiges Ende bereiteten. Man hat Buchanan vorgeworfen, nichts getan zu haben, um Die Flucht der Zarenfamilie zu ermöglichen. Lloyd George hat geschwiegen, unb bas Foreign Office hat mit ber Drohung, ben Botschafter wegen 23er« le5ung des Amtsgeheimnisses zu bestrafen, Bucha- !}an gezwungen, in feinen schon vor Jahren ber« osfentllchten Memoiren zu diesen ihm gemachten Borwursen ebenfalls zu schweigen. Erst seine Toch­ter stellt bie Umstande klar. Wenn auch Lloyd Georges wenig noble oder zumindssst indolente Hal­tung inzwischen bekannt geworden ist, so wußte man

ti welcher Rücksichtslosigkeit er bem Bot- Ichafter den Mund verschlossen hatte. So ist nach den Erinnerungen Buchanans, dem Buch von Bruce Lockhart, stmem Ouasi-Nachfolger in Petrograd, und den Memoiren von Sir Samuel Hoare, der diese Fahre im Dienst des Secret Service in Ruß­land verbracht hat, das persönlich gefärbte und dar- um beipnbers feffelnöe Buch non meriel Buchanon

Qu,eUs fiir die E-Ichichte des britisch- russischen Knegsbundnisses. '

Deutsche Erzähler.

Albrecht Schaeffer: Kaniswall. Novelle. 103 Setten. Mit zwei Tuschzeichnungen von Doris Herrmann. In Seinen gebuiwen 2,40 Mark. Rütten und Loening Verlag, Potsdam, 1938. (121) Wer unter den Dichtern in unse­rer Zett beherrscht die hohe und noch immer zu wenig geschätzte Kunst der Novelle (um die sich heute viele bemühen) mit der gleichen glasklaren Einsicht in ihre Gesetze, mit der klassisch anmutenden Ruhe und Reife sprachlicher Gestalt, mit diesem hellsichtigen, spürsinnigen Wissen um die Geheim­nisse Des menschlichen Herzens und die Gesetze, die unser Leben regieren mit schicksalhafter Kraft wie Albrecht Schaeffer. Wir haben eine ganze Reihe seiner Bücher hier besprochen und immer wieder auf das Außerordentliche ihres menschlichen und dichterischen Gehaltes aufmerksam zu machen ver­sucht. lieber denGeneral", den wir auch in der Unterhaltungsbeilage erscheinen ließen, war vor geraumer Zeit ähnliches zu sagen, loroeit es sich um den leider oft fahrlässig mißbrauchten Namen der Novelle handelte.Kaniswall" ist von gleichem Range, wenn auch innerlich unb äußerlich von ganz anderer Art: die Vorgänge, die hier berichtet wer­den, ereignen sich um die gleiche Zeit unb in einem ähnlichen Lebenskreise wie in ber zuletzt hier an­gezeigten großen Erzählung von den Schicksalen des Mannes Ruhland zwischen 1805 und 1812. Der ehemalige Theologiestudent Romulus Kanis, am Ufer des.märkischen Seddinsees siedelnd, um sich eine Heimstätte und bescheidenen Hausstand zu gründen, flüchtet mit jeiner jungen Frau Jngel auf eine Insel im See, als französische Truppen in der Gegend Quartier beziehen. Während Kanis als Fischer, Bauer und Händler seinen einfachen Geschäften nachgeht, findet eines Tages ein junger französischer Rittmeister, Victor Vicomte du Mor- laix, durch eine Furt den Weg zu dem verschwiege­nen Eiland und zur jungen Frau Jngel, die, erst tief erschrocken, den sehr ritterlichen, knabenhaft radebrechenden Fremden nicht abweist, als er öfter erscheint, sie auf der Wiese beim Haus zu bealeiten unb mit ihr zu plaudern. Nichts Unrechtes geschieht, aber als Kanis dann, unvermutet heimkehrend, den Fremden erblickt, fordert er, im Innersten verstört und erschüttert, jenen in aller Form und erschlägt ihn in einem furchtbaren Duell. Aber tiefer unb schmerzlicher als ber Tote und die Erinnerung an fein schreckliches Ende hätte auch der Lebende Mann und Frau nicht trennen und einander entfremden können. Lange Zeit vergeht, mit Besinnung, Ein­sicht und Arbeit, bis der veisichüttete Weg zwischen beiden sich wieder auftut, und die Geburt ihres ersten Kindes besiegelt ein verloren geglaubtes Glück, den Anbruch eines neuen Lebens, einer neuen, unzerstörbaren Gemeinschaft. Man kann mit so wenigen Daten und flüchtigen Umrissen der Fabel weder vom sprachlichen Zauber noch vom eigentümlichen Goldglanz über dem stillen und ge­faßten Bilde menschlichen Schicksals in dieser Er­zählung einen Begriff geben: man kann also nur wünschen, daß sie von vielen gelesen, vielen ein ge­lebter Besitz werde, vielen auch den Zugang zu den mancherlei andern Büchern von Albrecht Schaeffer bereiten helfe. Hans Thyriot.

Gottfried Kölwel: Der geheim­nisvolle Wald. Roman. 138 Setten. Leinen 1,50 Mark. S. Fischer, Verlag, Berlin. (94) Der Münchener Dichter Gottfried Kölwel ist unseren Lesern schon mit gelegentlichen Beiträgen zum Feuilleton begegnet. Don seinen Büchern wurden- hier die LiebesgeschichteDas Glück auf Erden" unb der GedichtbanbIrdische Fülle" besprochen. Früher erschienen die ErzählungenVolk auf alter Erde" unbDer Löbliche Sommer"; auch als Dramatiker hat er sich (mit den SchauspielenDer Hoimann" undFranziska Zachez") betätigt. Der neue RomanDer geheimnisvolle Wald" erschien <n derBücherei der guten Erzählung", in der man ai. a. Joseph Conrab und Jean Giono, Hesse unb Keyserling, Albrecht Schaeffer und Manfred Haus­mann vertreten findet. Daß es sich auch hier um eine Liebesgeschichte handelt, wirkt nach dem Titel zunächst überraschend, doch wird man bald gewahr, daß die Naturschilderung einer heimatlichen Land­schaft nicht als mehr ober minder zufällige unb be­langlose Kulisse eingeführt, sondern mit Bedacht gewählt wurde, daß gerade die Durchbringung von natürlicher Umwelt unb menschlicher Hcmblung bas Zentralmotiv für den Erzähler war, der in der Geschichte des Studenten Joseph unb des Mädchens Ulrike die wuaderlichen 23erflecbtungen irdischen Wandels und schicksalhafter Bestimmung aufzu­spuren sucht und den Begebenheiten, ehe sie sich zum guten Ende wenden, eine kriminalistisch betonte Spannung und Steigerung mitzuteilen weiß. Mit Kölwels Prosastil, ber vielfach merkwürdig trocken und unbeteiligt wirkt, werden sich, wie wir glauben, manche Leser erst allmählich anfreunben können.

Hans Thyriot.

©ertrub non Je Fort: Die Magde - s Jungst bur.gifdje Hochzeit. 347 Seiten. In Leinen Pavao 5,50 Mark. Im Insel-Verlag zu Leipzig, 1938. | blicken (111) Es ist merkwürdig, daß nach Ricarda ' ' Huch wiederum eine Frau das sehr männliche, in einem mehr als äußeren Sinne kriegerische Thema zum Vorwurf einer Erzählung nahm, welches man als bas Kardinalthema des Dreißig­jährigen Krieges bezeichnen darf: den Kampf um den Glauben^ Gertrud von le Fort entwickelt dieses Motiv an der Geschichte der Eroberung und Zer­störung der Stadt Magdeburg, Ereignissen, welche die barocke Phantasie zeitgenössischer Flugblätter unter dem Bilde der Magbeburgischen Hochzeit zu­sammenfaßte. Die Dichterin gestaltet die Fabel im Stile des großen historischen Romans (obwohl diese Bezeichnung vermieden wurde) mit einer männ­lichen Klarheit und überlegenen Beherrschung bes Stoffes, mit einem sehr feinen, ganz weiblichen Empfinden, in farbigen, lebendig geschauten Bil­dern, in denen doch überall das bloß Chronikalische, das zeitlich Bedingte zurücktvitt hinter den zeitlos immer wiederkehrenden Problemen menschlicher Ge­schichte und menschlichen Schicksals. Die Stadt Maadeburg in ihrem tragischen Zwiespalt zwischen Kaiserlicher Majestät zu Wien unb Königlicher Majestät von Schweben, zwischen Reich und Glauben: das ist das geschichtliche Thema; es ift sehr reizvoll zu erleben, wie Gertrud von le Fort sich das alte Flugblätter-Bild der Hochzeit als künst­lerisches Element zu eigen gemacht hat: wie sie die stolze, reiche, mächtige, zuletzt jammervoll zerstörte, brennende und ausgeblutete Stadt gleichsam als ein lebendig atmendes Wesen empfunden und ein« 9eführt hat, indem sie das Schicksal der Stadt im Schicksal einer ihrer Patriziertöchter, der jungen Vraut Erdmuth Plögen, sich spiegeln ließ und da­bei sowohl das weltliche Motiv der Hochzeit als auch das biblische von ben klugen und törichten

er auch den Islam ins Feld, um diedeutschen Christenhunde" vom Kaukasus fernzuhalten. Das von Berlin aus mit halbem Herzen unterstützte Unternehmen findet mit dem allgemeinen Zusam­menbruch sein Ende. Heute sitzt der Engländer in den Oelfeldern von Mossul, aber ber Vorstoß nach Baku ist ihm nicht geglückt. Moskaus Hauptgelb- quelle für feine Aktion in aller Welt ist nach wie vor bas Kaukafusöl. Herbert Volk, bekannt burch fein BuchDie Wölfe", einen Bericht von feinem ersten Flucktversuch nach China, schilbert bieses zweite, in seinem Plane wahrhaft großartige, mit seiner Durchführung beispiellos kühne und aben­teuerliche Unternehmen in geradezu atemberauben­der Spannung. In den satten, leuchtenden Farben eines Märchens von Tausendundeiner Nacht steht vor uns die phantastisch bunte Welt Orients, unb ein Märchen selbst bünkt uns große politische Spiel ber wenigen Deutschen zu fein, wenn es nicht harte Wirklichkeit wäre, _____

kleine Episode im großen Völkerkrieg^ die bisher kaum beachtet wurde unb boch ähnlich wie das arabische Unternehmen bes. bekannten englischen Obersten Lawrence große, heute hoppelt wichtige politisch-wirtschaftliche Zusammenhänge aufzeigt.

Dr. Fr. W. Lange.

L. S ch ü ttel: Luftkrieg bedroht Europa. Mit 14 Karten , Preis geb. 4,40 RM. newet, eine zutresfenoe Vorstellung ei 2. F. Lehmann Verlag in München. (91) Der bie nicht beunruhigt, sondern aufklärt. Verfasser, Major (E) Schüttel bringt eine auf sehr!