Ausgabe 
12.6.1938
 
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ll./12.3uni 1938

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)

Nr. 134 Drittes Blatt

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(Nachdruck verboten )

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etwas Abstand zu

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besonderer lange und Weg über und dem

Wir Der. H.

bekommen und um. .

So, Koffer zu, Mantel an, Tapsy, freust du dich, daß Tapsy wedelt pflichtgetreu schwänzchen und rast begeistert

Mütze auf. Fertig! Herrchen da ist?" mit dem Stummel.

vor Marga her die

Dem Auge das Beste!

Lassen Sie sich beraten von

\ (Optiker JKa&nus dem Optiker Ihres Vertrauens I Seltersweg 33 Kassenlieferant

Wir nähern uns der Höhe des Jahres, stehen im reichsten Monat, im Rosenmond, geht sie nicht, die Tage der Rosen!

Zwei Derkaufsionniaoe

Dor Weihnachten 1938.

zu packen ...

Marga hat dieFreundlichkeit". Sie packt stumm, mit hochroten Backen und in einem ganz sonder­baren Mischmasch von Gefühlen. Aber je schneller sie chr Zeug in den Koffer hineinstopst, um so wohler wird ihr. Und nach Berlin zurückgehen, das heißt ja schließlich noch nicht Breda ganz und gar zu gehorchen und ihn gleichsam auf Befehl zu heiraten. I wo? Sie geht nur aus Erkenntnis nach Berlin zurück. Um zu allem t-

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

diesen Teil der Stadtmitte sehens- und schätzens- wert machen. Und wenn dann noch hinzukommt, daß das Loossche Haus an der Ecke, unter dessen jetzigem Verputz gotisches Fachbauwerk zu vermuten ist, durch das dankenswerte und verständnisvolle Entgegenkommen der Hauseigentümerin eine ent­sprechende Neugestaltung erfährt, bei der dieses Fachwerk in den Dienst der Verschönerung des Straßenbildes gestellt wird, so wird man diesen Platz künftig mit noch größerem Recht als beson­dere Schenswürdigkeit unserer Stadt

Fräulein Montwill die Pflicht vorgeht Sie, gnä­diges Fräulein (zu Tante Marcha hin), werden es gewiß auch verstehen."

D ja, Tante Martha versteht es sehr gut, und genau genommen, fällt ihr eigentlich ein Stein vom Herzen. Sie muß sich sehr zusammennehmen, daß man es chr nicht ansieht. Kurz und gut, an der Sache ist leider, leider wohl nichts zu machen, und das beste wird sein, Fräulein Montwill packt schnell ihre Siebensachen, denn wenn die Herrschaften noch heute bis Weimar wollen ...

Ja, nickt Breda, leider müssen wir heute noch bis Weimar, sonst sischt man uns die Medaille womöglich noch vor der Nase weg, und wenn Marga also die Freundlichkeit haben würde, gleich

Sie tut einen halben Schritt aus Breda au, Der ihr immer noch den Rücken zuwendetJoseph...

Deine Erziehung, liebes Kind?" sagt er dann. Nach einer Weile, mit einem kleinen Widerstreben und mit dem dunklen Gefühl, damit etwas aus der bisherigen Rolle zu fallen, fügt er in wärmerem Ton dazu:Du weißt selbst, wie gern ich dich ge­habt habe, Marga. Wenn auch vielleicht nie ein Wort von Liebe zwischen uns gefallen ist, in all der Zeit kein einziges Mal, so hättest du doch fühlen müssen, wie es um mich stand. Es gibt eben eine Art von Kameradschaft, Marga, die kann gar nicht anders enden als in einer Ehe. Alles andere wäre falsch für beide Teile. Was mich betrifft, ich habe immer in dem schönen Wahn gelebt, wir zwei hätten diese Kameradschaft füreinander, wir steuer­ten auch stillschweigend auf eine Ehe zu. Aber jetzt... Ich will dich jedoch nicht länger nut Senti­mentalitäten belasten, die sowieso nicht auf dem Programm standen."

So, du' bist mit einem Programm hergekommen." Breda steht auf.Ja, mit einem sehr einfachen, Marga. Ich will dich holen. Das ist alles."

Treppe hinab.

Unten steht schon Breda mit der Tante ftarfbereit in der Diele.

Er streift Marga mtt einem kurzen, lächelnden Blick, in dem gegen seinen Willen viel Zärtlichkeit liegt. Marga spürt es und lächelt zurück. Dann hält sie der Tante eine lange Rede: Wie glücklich sie hier gewesen sei, wie bald sie wiederkommen werde, und nochmals tausend Dank und alles Gute! Nun noch schnell in die Küche zu dem Mädchen.

Und tausend Grüße, bitte, an den Doktor und an Monika...

Fünf Minuten später sitzen sie im Wagen, den diesmal Breda steuert. Dom Hause her winken die Tante und das Mädchen. Im Nachbarhaus und gegenüber geistern ein paar Köpfe hinter den Gar­dinen umher.

Also nochmals auf Wiedersehen!

Da kommt, in allerletzter Minute, noch Monika angerast.

Sie ist maßlos erstaunt und versteht von dem, was Marga hervorbringt, nur die Hälfte. Immer­hin aber genug, um zu wissen: Man darf aufahnen. Für den Augenblick ist für den Vater keineGefahr" mehr.

So gibt eS auch mit ihr noch ein herzliches Händeschütteln. Ja während Breda schon auf den Anlasser drückt, flüstert Monika in gant ungewöhn­licher Vertraulichkeit Marga noch ins Ohr. daß wohl demnächst in Berlin eine Verlobungsanzeige ein« trüb »In werde

Soooo?" Marga tut sehr erstaunt.

Jupp..." __

Da klopft es mit spitzem Finger, und TantS Martha kommt herein.

Marga wischt sich schnell die verdächtige Feuchttg- keit aus den Augen und stellt vor.

Breda verbeugt sich mit gerunzelter Stirn.

Dann tritt eine kleine verlegene Stille ein. Tante Martha sagt irgend etwas vonunserer lieben Marga", und Breda preßt den Mund zusammen.

Margas Augen gehen ein paarmal ängstlich hin und her zwischen Breda und Tante Martha, die sich inzwischen auf der Kante eines Stuhles niederge­lassen hat, dann zwingt sie sich energisch zu einem Lächeln und erzählt eine lange Geschichte: Daß Herr Breda leider gekommen sei, sie aus dem ent­zückenden Eigelstein zu entführen.

Zu entführen, nicht schlecht, denkt Breda, und um seinen Mund zuckt es. Und daß es um einen- sehr wichtigen Einkauf in Weimar gehe, eine kleine Medaille aus Goethefchem Besitz, ja, und daß nun leider nichts anderes übrigbleibe, als abzufahren, sobald der Doktor Hammerbacher zurück sei. (Ist s gut so Jupp, ja, hab' ich's gut gemacht?) -Ver­zeihung". mischt sich Breda ein,Verzeihung, Marga bis Herr Doktor Hammerbacher zurück- kommt, können wir leider nicht einmal warten Das heißt: ich nicht. Außerdem' ich äh ich habe ja in Berlin mit Herrn Doktor gesprochen. Er äh _ hat mich angerufen, um Grüße von dir zu bestellen, Marga. und da habe ich ihm gleich lagen | können daß ich herfahren muß. um dich abzu- Ünb warum ist sie eigentlich an alledem mit ab= holen und nach Weimar zu bringen. Er laßt die sichtlich geschlossenen Augen vorbeigegangen? Nur Domen recht herzlich grüßen Es tat: ihml sehr leid weil er zu b/inütig war? , .baß er noch nicht von Berlin weg konnte, aoer

Marga senkt die Augen und lächelt ein klein! die Pflicht geht vor nicht wahr? unb er oer-

Er geht auf sie zu, legt seine Hände gegen ihre Arme, will noch etwas dazu sagen und sagt es doch nicht, sondern läßt sie plötzlich los und tut ein paar Schritte von chr weg, das Gesicht zum Fenster wendend. Marga hebt den Kopf und schaut zu ihm herüber. Dann fällt ihr wieder ein, was Breda alles vorhat: die Wohnung auflösen, das Geschäft aufgeben, ins Ausland gehen...

Wie ein Filmstreifen zieht auf einmal die Ver­gangenheit vor ihren Augen vorbei: Wie sie vor fünf Jahren Breda kennenlernte, wie sie sich gleich so sehr aneinander angeschlossen haben, zueinander gezogen durch so viele gleiche Interessen. Dann der Entschluß, gemeinsam ein Geschäft aufzumachen, Margas winziges Salönchen in der Motzstraße gegen ein großes elegantes Geschäft in der Tauentzienstraße zu vertauschen. Die Verhandlungen darüber, die durch Bredas unbegrenzte Anständig­keit so wohltuend einfach waren Weiter die ersten gemeinsamen Geschäftsreisen und die Eröffnung der Firma Breda und Montwill, die ersten Erfolge und die ersten bitteren Enttäuschungen. Dabei immer Bredas begütigende, vernünftige, stille und zuver­lässige Art neben sich. Und wie so allmählich zu seiner Freundschaft die Liebe kam, und wie gut das tat, es zu wissen und doch nicht weiter davon be­lastet zu sein! Wer weiß, vielleicht hat Breda recht, vielleicht war das alles ein ganz selbstverständlicher Beginn für eine engere Bindung, vielleicht..

Tage genügten, um... um. .

Und die Wohnung? Nie mehr in diese Wohnung? Und die Abende am Sonnabend? Nie mehr diese Abende? Und die Kaffeestunden im Büro? Er am Schreibtisch, sie am Schreibtisch, der Kuchenteller in der Mitte! Nie mehr diese Kaffeestunden? Und die Aufregung, wenn neue Ankäufe eingeliefert wurden? Nie mehr solche Spannung fühlen dür­fen? Und nie mehr solche Geschäftsreisen? Und Breda selbst? Wenn sie einen anderen heiratet, ist sie für ihn begraben, das weiß sie,..

Ein wilder Schmerz ist plötzlich in ihr. Und eine grenzenlose Angst! Herrgott, daß ich jetzt das Rich­tige tue! Daß ich in der Verwirrung meiner Ge­fühle dem richtigen, dem guten Gefühl folge? Und Breda, mein Gott, lieb hab' ich dich ja auch, sehr lieb. Und sich vorzustellen, daß er weggeht, ganz aus meinem Dasein verschwindet... und ich soll

der Straßenbahn durchgeführt. Während das Asphaltpflaster zwischen den Gleisen mit dem Preß­luftbohrer aufgebrochen und die Gleisbettung beider­seits der Schienen herausgehoben wurde, waren in der nächsten Nachbarschaft dieser Arbeiten andere Männer schon damit beschäftigt, die Gleise für die neue Linienführung der Straßenbahn soweit her­zurichten, daß ihre Verlegung in der denkbar kür­zesten Zeit möglich sein mußte. Und in der Tat ging diese Arbeit so überraschend flott vor sich, daß die Unterbrechung des durchgehenden Straßenbahn­verkehrs, mit Pendelbetrieb zwischen Bahnhof Marktplatz bzw. zwischen WalltorstraßeWieseck, anstatt, wie ursprünglich vorgesehen, auf etwa fünf Tage sich nur auf knapp drei Tage beschränkte unb dann die Straßenbahnwagen, wenn auch anfangs in sehr langsamen Tempo, auf der neuen Linien­führung bereits wieder über den Platz verkehren konnten. Zur gleichen Zeit wurde in dem Winkel zwischen der Schloßgasse und dem Lindenplatz die Beseitigung der Keller und Fundamente der frühe­ren Häuser so energisch vorangetrieben, daß jetzt bereits die Ausschachtungsarbeiten für die vorge­sehenen neuen Hausbauten im Ganae sind. Gegen­wärtig zeigt sich der umgestaltete Platz in der Art, wie er geplant ist, mit breiten Bürgersteigen, asphaltierten Fahrbahnen unb großen Detonmasten für bie Straßenlampen.

Seine Ergänzung und zugleich seinen Abschluß wird der Platz nun durch die Hausbauten erhalten, deren Fundamente zur Zeit ausgeschachtet werden. Das am neugestalteten Kirchenplatz mit An­schluß an das große Marktlaubengebäude entstehende neue Wohnhaus wird eine Anzahl Vier- unb Fünf­zimmerwohnungen mit Bab enthalten, bie neuen Wohnhausbauten in ber Schloß gaffe, bie sich an bas eben erwähnte Haus anschließen werden, sind für Zweizimmerwohnungen mit Bab bestimmt. Bis Ende dieses Sommers hofft man diese großen Wohnhausbauten so weit voranzubringen, daß dann

Dann wirft sie einen raschen Blick auf Breda, der scheinbar unbeteiligt den Motor brummen läßt, und flüstert zu Monika hinaus: Es könne fein, daß im Laufe des nächsten Jahres auch hier in Eigeistein so ein bewußter Brief eintrudeln würde von Berlin nämlich!

Monikas Gesicht spannt sich ein bißchen:Und was wird drinstehen?"

Da lacht Marga leise auf, streicht mtt der Hand leicht über Monikas Gesicht und flüstert vergnügt: Eine Mitteilung ber Firma Breba & Montwill. Eine geschäftliche natürlich..." Unb zeigt ihre rote Zunge wie ein Gassenbub.Aetsch, angeführt!"

Mit einem Ruck zieht ber Wagen an.

Fwb. Der Reichsarbeitsminister gibt bereits jetzt die Regelung ber Derkaufssonntage vor Weihnach­ten 1938 bekannt, bamit bie Beteiligten sich recht­zeitig barauf einstellen können. Der bisherigen Uebiing folgenb werden auch in diesem Jahr bie Verkaufssonntage vor Weihnachten einheitlich für das Reich festgelegt. In der Zeit vom 26. November bis 26. Dezember 1938 kommt nur die Freigabe des 11. unb 18. Dezember als Verkaufssonntage in Betracht, wie im vergangenen Jahr sind auch Lage unb Dauer ber Verkaufsstunben in benach­barten Bezirken einheitlich sestzusetzen. Diese Rege­luna bezieht sich auch auf ben Gewerbebetrieb im Umherziehen.

Nachdem im Laufe des vorigen Winters und des jüngsten Frühjahrs im Zuge der Altstadt­sanierung I die alten Häuser am Kirchenplatz, in der Schloßgasse und am Lindenplatz durch Ab­bruch beseitigt worden waren, begannen vor vier Wochen bie Arbeiten zur Umgestaltung bes Kirchenplatzes unb bes Linbenplatzes nach bem Plane bes neuen Stabtbilbes, bas an biefer Stelle mit ber Altstabtsanierung I geschaffen werben sollte. Es war eine umfangreiche Arbeit, bie inmitten bes lebhaften Straßenverkehrs zu be­wältigen war, ba ja ber Verkehr möglichst über­haupt nicht ober höchstens nur verhältnismäßig gering und auf kürzeste Zeit beeinträchtigt werben konnte. Nunmehr stehen bie Arbeiten ber Umgestal­tung bes Kirchenplatzes unb bes Linbenplatzes vor bem Abschluß. Dieser Teil ber Gesamtausgabe wirb bis Ende nächster Woche soweit erledigt sein, daß vielleicht nur noch einige kleine Arbeiten zu leisten sind, in der Hauptsache aber ber neugeschaffene große Platz als vollendet angesehen werden kann und in seiner neuen Gestalt bem, zweifellos sehr starken Verkehr anläßlich bes 116er-Tages zur Ver­fügung stehen wirb?

Alle an biefer Bauarbeit beteiligten Männer ver­dienen volle Anerkennung für ihre Schaffensfreubig- feit, bie es ermöglichte, die einzelnen Abschnitte ber Arbeiten in außerorbentlich kurzer Frist burchzu- führen. So konnte ber Aufbruch bes alten Pflasters unb ber Abtransport bes Altmaterials im Zeit­raum von wenigen Tagen burchgeführt werben. Währeiib biefe Arbeit eben erst begonnen war unb sich an anderen Stellen des Platzes noch in der Abwicklung befand, fetzte auf ben aufgebrochenen Teilen bereits bie Neugestaltung bes Platzes burch Planierungsarbeiten, Verlegung ber Borbsteine, Asphaltierung ber Fahrbahnen unb Schaffung ber Bürgersteigzunge vom Einhorn her in Richtung bes Loosschen Hauses, ferner auf bem Linbenplatze ein. Ebenso tatkräftig mürbe bie neue Linienführung

o: <- . ©irrhPrtDtak unb Linbenplatz in alter Gestalt. Die Gruppe von drei Häusern rechts in ber Ecke samt Nebengebäuben würbe durch Abbruch he eh at'unb baÄ b^e Veite be5 neuen Platzes gewonnen. - Rechts: Blick auf ben neugestalteten Kirchen- und Linbenplatz in seinem heutigen Bauaustand- rechts bie Baugruben ber Ausschachtungen für bie Hausneubauten; in ber Mitte bieZunge bes Burgecheigs. Sttt) hnfs vom Stabt kirchturm aus gesehen, Bild rechts vom Giebel bes Loosschen Hauses aus. (2luftmhmen^s2ft^Neuner^Gießener^lnzeiger^^^^^^^^^

f)ier sitzen

Nein! Ausgeschlossen, ganz ausgeschlossen!

halben Schritt auf Breba au, ber

Spät abends steht ber kleine Wagen, schmutz- bedeckt und bis hoch hinauf bespritzt, an einem Bahnübergang ber Strecke BerlinFrankfurt, die gerade gesperrt ist, als Breba burchwollte

Marga beugt sich ein wenig hinaus.Du, Jupp, von welcher Seite kommt beim eigentlich der Zug."

Von links. Don Berlin her."

So. Hm."

Breda wirst chr einen raschen Blick zu.Weißt du, wer wahrscheinlich in bem Zua sitzt?"

Marga schüttelt ben Kopf.Doch , sagt sie bann. Da du mich so komisch babei ansiehst, kann nur einer brin sitzen: Hammerbacher."

Tut birs leib, Marga?"

1 Marga breht ihre Hanbschuhe zwischen ben Fin- gern hin und her.Leib? Nein, Jupp, leid eigent­lich nicht. Nur ich schäme mich fürchterlich." Schämen? Nanu? Warum trenn das?" Marga lacht kurz auf.Ich glaube, ich habe ba in Eigelstein wirklich ziemlich viel Aufruhr gemacht. Ich benke schon währenb ber ganzen Fährt barüber nach. Du hast mir ja genug Zeit zum Nachbenken gelassen, Jupp, bu hast kaum ein Wort mtt mir geredet."

Jupp ziHt ein wenig bie Oberlippe auf.Was es zwischen uns noch alles zu reden gibt, das spare ich mir für später auf später, wenn ein paar Tage Abstand zwischen dir und Eigelstein liegen.

Du, schau, ba kommt ber Zug."

Sie sehen ihm stumm entgegen. Das Rattern ber großen Räber, bas Stampfen ber Maschine bröhnt bis in ihren kleinen Wagen hinein Die Helle Lichterkette ber beleuchteten Abteile streut einen flatternden rötlichen Schimmer über ihre Gesichter, bann ist es vorbei, und langsam geht bie Barriere wieder auf. Breda sieht Marga forschend an.

Vorbei", sagt er langsam. Und nach einem kleinen, zögernden Atemzug:Vorbei?"

Da legt Marga ganz wenig den Kopf gegen seine Schulter, lächelt versonnen und wiederholt es vor­sichtig:Vorbei, Jupp."

Und ba Breda aufatmend Gas gibt und den Wagen mit triumphierendem Hupen über bie Schienen hetzt, fügt sie roarnenb hinzu: ..Aber ich werde noch viel daran denken müssen "

Denn man soll sich nie ohne Vorbehalt ergeben, nicht roajr?

Aus Der Stadl Gießen.

Der Jtofcnmonat

Die Frühlingsblumen sind verblüht, die Blüten­pracht der Obstbäume ist vorüber. Rauhe, kalte Tage brachte der Mai, und wir Menschen konnten uns kaum den Lieblingen des Gartens widmen. Begonien, Nelken und Geranien standen sttll in ihrer Entwicklung.

Und nun ist der Rosenmonat da! Die Rosen im Garten sind voll und ganz aufgeblüht. Ist es nicht wie ein Märchen, wenn wir vor einer blühenden Rose stehen? Aus der schlichten Schönheit des wilden Heckenröschens hat der Mensch mit unend­licher Liebe und Sorgfalt die mannigfachsten Formen und Farben der edlen Rosen gezüchtet, und wir können uns keinen Garten denken, in dem nicht Rosen stehen, seien es nun Büsche, Hochstämmchen ober Rankrosen.

Die Rosen hatten Zeit, sie überstanden bie kalten Frühlingstage und hielten mit ihren Knospen zu­rück. Nun kommt bie Sonne mit größter Kraft, unb ba entfalten sie ihre zarten Blütenblätter. Dom Tau benetzt, überflutet vom Sonnenglanz, strömt ber herrliche Duft in bie Morgenluft. Unb jeher mann, ber an ben Gärten vorübergeht, hat seine Freube an ben leuchtenben^ Rosen. Denn alle Blumen sinb unser gemeinsames Gut. Sie werben uns geschenkt von ber Natur, bamit wir uns dar­an erfreuen.

, Wir bringen bie Rosen ber glücklichen Mutter, bie einem jungen Erbenbürger bas Leben schenkte; wir tragen einen Rosenstrauß in ben Händen, wenn wir zu ber Liebsten gehen; wir können uns bie sommerlichen Familienfeste tticht ohne Rosen ben« ken; unb selbst bie Trauerrosen auf ben Gräbern sinb schön. Es ist so, als ob sie mit ihren hängen­den Zweigen unb Blüten mit uns trauerten. Unb jedes Zimmer wirb heller unb steunblicher, wenn uns ein Rosenstrauß grüßt.

Erfüllt nicht Anbacht unser Herz, wenn wir eine Rosenblüte betrachten? Da schimmern in matten, wunderbaren Farben bie zarten Blütenblätter. Sie sind am Rande leicht gerollt unb geben ber Rose die wundervolle schlanke Form. Im Innern er­blicken wir die dunklen Köpfchen der Staubgefäße, und tief unten glänzt es. Das ist ber Honig, bas Ziel ber fleißigen Bienen.

Noch im Verblühen sinb bie Rosen schön. Ganz langsam fallen bie Blütenblätter ab, unb ber letzte, herrlichste Duft entströmt ber fterbenben Rose. Wie eine leichte Klage geht es von ihr aus: Alles Schöne muß vergehen auf dieser Erbe!

Attstaistsaniermig verschönert das Stadtbild.

Oie Neugestaltung des Kirchen-undOndenplatzes vor dem Abfchluß.-Beginn des Hausbaues

bas Richtfest ber Werkleute am Bau stattftnden kann. Im Frühfommer nächsten Jahres bürsten biefe Wohnungen bezugsfertig sein.

Sobatb biefe Hausbauten vollendet sind, wirb ber neugestaltete Kirchenplatz sicherlich einer ber stäbtebaulich schönsten Teile unserer Stabt sein. Die Weite bes Platzes, bie zweckmäßige Anlage ber Bürgersteige, bie günstige Führung bes Straßen- bahnaleises, bie saubere Gestaltuna ber Fahrbahnen und Der unbehinberte Blick über den Platz, sowohl vom Marktplatz als auch vom Walltor her, werden

Für den Fußgängerverkehr ist es von Bedeutung, daß nunmehr der frühere durch den Fuhrwerksbetrieb gefahrvolle den Fahrdamm zwischen dem Einhorn Loosschen Haus eine gründliche Verbesserung erfah­ren hat. Jetzt ist der Bürgersteig vor dem Einhorn 3 Meter breit, im Gegensatz zu dem halben Meter an der Einhorn-Ecke vor dem Umbau, ferner schließt sich jetzt an diesen erheblich verbreiterten Bürger-

wenig: Aber jetzt ist er ganz und gar nicht mehr stand auch^sehr gut, .daß^ bei uns, ich meine, bei demütig! Jetzt reitet er sogar ein sehr hohes Pferd. Obgleich er offen zugibt, daß er sie immer noch liebt. Aber vielleicht achtet er sie jetzt nicht mehr so wie früher. Vielleicht denkt er jetzt, weit kühler über sie, weil sie so wankelmüttg war und acht