Die dank in der deutschen AaiionaliMchast.
Enden find frei Da die Felsen der Berge vom Meer aus sehr steil aufsteigen, wäre eine feindliche Truppenlandung auf beiden Seiten aussichtslos. An einem Ende des Korridors bestndet sich Pea r I Harbor, von zahlreichen Küstenbatterien mit 12°, 14° und 16-zölligen Langrohrgeschützen um- geben. In die Felsen eingehauen unb_ gut verdeckt sind die Deodachtungsstänoe und darüber befinden sich überall verstreut Flakbatterien, Scheinwerfer und Schallsucher.
Kein Feind würde sich einfallen lassen, ferne Schiffe gegen diese Festung zu schicken. Man könnte sich höchstens vorstellen, daß ein Flugzeug- überfall auf die Insel, von einem Flugzeug- Mutterschiff oder von einer auf einer nahen Insel versteckten Flugzeuabasis aus Erfolg haben könnte. Auch dieser Fall ist vorgesehen. Oahu besitzt heute den größten Flughafen der amerikanischen Wehrmacht. Augenblicklich betragt die Stärke der dortigen Luftwaffe 228 Flugzeuge, die jedoch innerhalb der nächsten Monate, wie bereits vom Marineministerium angekündigt wurde, noch erhebliche Verstärkungen erhalten sollen. Es sind alles Maschinen der modernsten Bauart, doppel- und viermotorig, mit Flugweiten bis zu 3000 Meilen und darüber.
Das andere Ende des Korridors, der Strand von W a i a l u a , ist durch die motorisierten Einheiten der Schofield-Garnison geschützt. Die Insel hat ein Straßennetz von 250 Meilen Länge, von denen 58 Meilen für rein militärische Zwecke gebaut wurden. Die Felsen und Wälder sind gespickt Mit Lafettenunterlagen, eingebauten Maschinengewehren und Beobachtungsstanden. Angesichts dieser natürlichen und künsüichen Befestigungsanlagen könnte Oahu als uneinnehmbar bezeichnet werden, gäbe es nicht das Problem der Versorgung im Falle einer Blockade. Die Insel muß schon jetzt Lebensmittel vom Festland einführen, um ihre Be- völkerung zu ernähren, denn die einheimischen Erzeugnisse sind hauptsächlich auf Zucker und Ananas beschränkt. Abgesehen von einem für mchrere Monate ausreichenden Lebensnrittelvorrch hat die Armee jedoch angeblich einen in alle Einzelheiten gehenden Plan ausgearbeitet, sofort bei der Mobil- machung fchnellwachsende Nährgewächse zu säen, die bei dem dortigen Klima innerhalb von achtzig Tagen geerntet werden können. Zu diesem Zweck sind bereits 25 000 Morgen besten Landes aus- gesucht worden.
Ein anderes Problem, das den Militärbehörden aber wenig zu schaffen macht, ist die japanische Bevölkerung der Insel. Don den 380 000 Inselbewohnern sind 150 000 japanischer Herkunft; von diesen wiederum sind 113 000 amerikanische Bürger bzw. auf Oahu geboren und nur 37 000 bekennen sich noch offen zu chrem Mutterland. Ihre Zahl nimmt jedoch jährlich ab, sie stehen unter strengster Bewachung der amerikanischen Behörden.
Don Wharton kommt auf Grurü) seiner Beobachtungen zu folgenden Schlußfolgerungen: „Die BÄeutung Pearl Harbors kann nur i n einem Krieg gegen Japan liegen. Dieser Krieg wird kommen, nicht well Japan nicht gern sieht, was wir auf unserer Seite des Stillen Ozeans tun, sondern weil mir nicht gern sehen, was Japan auf seiner Selle des Stillen Ozeans tut. Wenn wir also gegen Japan kämpfen, wird unsere Flolle aus Pearl Harbor heraus arbeiten müssen, wird sie weiter westlich Stützpunkte errichten und von diesen aus die notwendigen Operationen durchzuführen haben."
In diesem Zusammenhang verdienen die gegenwärtigen Bemühungen der amerikanischen Regie- rung Erwähnung, von zahlreichen bewohnten und unbewohnten Inseln und Atollen im Stillen Ozean, südlich und westlich von Hawai, die bis jetzt England für sich beanspruchte, Besitz zu ergreifen. Washington hat' bereits formell die Inseln C a n - ton unb Ender bury der Phoenix-Gruppe südlich des Aequators und 1300 Mellen westlich von Hawai unter amerikanische Souveränität bestellt und seinen Rechtsanspruch auf eine ganze Reche anderer Inseln angemeldet. Ebenso bemerkenswert ist eine Mitteilung, die vor kurzem in Hawai durchsickerte, daß im Juni ein Geschwader der neuesten Langstrecken-Bombenflugzeuge nach der bisher unbefestigten Insel Guam verlegt werden soll, etwa 3500 Kilometer westlich von Hawai. Auch spricht man in Marinekrersen bereits von einem neuen
Planung der Ausgaben noch der Dringlichkeit.
Der Reichsfmauzmmister auf dem Bankiertag.
Berlin, 11. Mai. (DNB.) In der Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Bankiertages sprach Reichsfinanzminister Gras Schwerin von Krosigk, der nationalsozialistische Staat selbst wolle nicht Wirtschaft treiben. Das Bankgewerbe sei deshalb der Privatinitiative überlassen geblieben. Allerdings sei ddfür gesorat, daß die Bankwirtschaft in die allgemeine Wirtschaftspolitik eingeordnet und die Kapitallenkung nicht mehr einseitig Sache des privaten Bankgewerbes ist. Den Vorteil des Einsatzes gewaltiger Kapitalien habe auch das Bankgewerbe erfahren. Die unerläßliche Steigerung der öffentlichen Verschuldung sei keineswegs leicht zu nehmen, wenn auch die Konsolidierung der kurzfristigen Schulden, wie gerade das letzte Anleiheergebnis beweise, beträchlliche Fortschritte mache. Angesichts der drei großen Gegenwartsprobleme: Wiederwehrhaftmachung, Vierjahresplan und Einfügung Oesterreichs in die deutsche Wirtschaft, sei äußerste Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit in der Verwendung verfügbarer Mittel und straffe Zusammenfassung aller Kräfte erforderlich Dazu gehöre vor allem eine Planung der Ausgaben nach dem Prinzip der Dringlichkeit. Das gelte auch für die zentrale Kreditkontrolle und die Emiffionsfperre, die noch nicht gelockert werden könne.
Der Reichsfinanzminister hat wiederum darauf verwiesen, daß sich- das Reich seinerseits erhebliche Grenzen gesetzt hat. Es verläßt sich nicht auf eine Kreditausweitung, sondern verlangt innerhalb der gegebenen Mittel ein Höchstmaß von Leistungen. Das drückt sich dadurch aus, daß Schaßanweisungen zur Bezahlung laufender Auslagen nur in dem Maße ausgegeben werden, wie sie durch Reichsanleihen in mittel- und langfristige Verpflichtungen urnge- wandelt werden können! Wenn sich das Reich auf der einen Seite diese merkliche Grenze setzt, so, verlangt es auf der anderen Seite natürlich, daß auch das Publikum im weitesten Umfange diese solide Finanzgebarung durch Zeichnung von Reichsanleihen unterstützt. Der Finanzminister sagt: Die gesunde
Bombenflugzeug, desien Zeichnungen angeblich fertig sind und das die „fliegenden Festungen" an Flugweite, Traglast usw. um ein Vielfaches übertreffen soll. Der Flugzeugfabrikant Glen Martin gab den Flugradius dieser neuen Maschine mit 11000 Meilen an! Das alles bautet weniger auf Vorbereitungen zu einem „Defensivkrieg", als auf die systematische Besitzergreifung und Befesttgung des Stillen Ozeans als dem zukünfttgen „mare nostrum" der Amerikaner.
Mussolini empfing Stammesführer aus Libyen und Ostafrika.
Rom, 11. Mai. (Europapreß.) Am Mittwoch empfing Mussolini im Palazzo Venezia 5 0 Stammesführer aus Libyen und Italie- nifch-Ostafrika, die anläßlich des Jahrestages der Gründung des Imperiums nach Rom gekommen sind, um dem König und Kaiser und dem Duce ihre Ergebenheit zu versichern. Mehrere dieser Stammesführer, die das gesamte aftikanische Kolonialgebiet Italiens vertraten und unter denen sich u. a. der libysche Prinz Cara- manli, der abessinische Ras Nailu Teklaimanot, der Dedschas Haife Selassie Gugsa und eh, führender Vertreter der Koptischen Kirche befanden, dankten Mussolini für die kulturelle Mission Italiens in Nordafrika und besonders für die den Mohammedanern gewährte Religionsfreiheit. Mussolini versicherte, daß Italien seine kulturelle Aufgabe in Nordafrika fortsetzen werde. — Der König von
Wetterentwicklung kann nicht von der Geld- feite, sondern nur von der Güterselte her bewirkt werden. Damit sind wir auf dem Punkt angelangt, nach dem die Franzosen ächzend und stöhnend streben: nämlich ein Höchstmaß der Erzeugung zum Bürgen unserer Finanzwirtschaft zu machen.
Mchsmrlschastsmimster Fml spricht iu den Sanfier«.
Auf dem Festbankett mit dem der Bankiertag seinen Abschluß fand, hiett Reichswirtschaftsnumster Funk eine Ansprache. Der Nationalsozialismus hat, so führte der Minister aus, das deutsche Volk nicht nur zu einem neuen politischen Ideal erzogen, sondern auch zu einem neuen Wirtschaftsdenken. Wirtschaftler und der Bankier sind wieder in die Volksgemeinschaft zurückgeführt worden. Diese Umstellung war beim Bankgewerbe besonders schwierig, wett hier die Zersetzung und der Verfall besonders stark waren. Früher glaubte das Volk, in dem Bankier lediglich den reichen Mann erblicken zu müssen, der eine geheimnisvolle Macht, nämlich das Geld, beherrschte, und im üblichen Sinne feine Arbeit vollbrachte. Heute weiß das Volk, daß es diese geheimnisvolle Macht nicht gibt, und daß die Ver- wclltung des Geldes durch die Banken die Verwaltung von Arbeitsgätern ist. Damit wird aber auch zugleich klar, welche große Verantwortung der Bankier im Wirtschaftsleben hat. Das Volk kann daher mit Recht verlangen, daß der Staat für eine ordentliche und gesunde Bankwirtschaft Sorge trägt. Das geschieht. Dadurch wird neben dem allgemeinen Verständnis für die Arbeit des Bankiers auch das Vertrauen zum Bankier im Volke lebendig, das die erste Voraussetzung einer gesunden und starken Bankwirt- schast bildet. Wie wir sehen, geht es unter einer solchen Wirtschaftsführung dem Volk gut. Der Unternehmer verdient, der Arbeiter verdient, die Lebenshaltung steigt. Wir erstreben einen Wirtschaftszustand, der nicht immer wieder durch das Wechselspiel von Hauste und Baisse erschüttert wird. Der deutsche Bankier hat im Rahmen dieser Aufgabe besonders wichtige Dienste zu leisten. Die Voraussetzungen sind dafür vorhanden, daß unter staatlicher Lenkung das deutsche Bankgewerbe seine großen Aufgaben zum Wohle der deutschen Volkswirtschaft erfolgreich durchführt.
Italien und Kaiser von Abessinien wird demnächst eine Reise durch Libyen unternehmen. Der König war seit fünf Jahren nicht mehr in dieser Kolonie, die unter der Leitung von Lustmyrschall Balbo einen großen Aufschwung genommen hat.
Englands Luftwaffe.
Die Morris-Werke wollen wieder Flugzeuge bauen.
London, 11. Mai. (Europapreß.) Durch fine geschickte Maßnahme hat die englische Regierung am Vortage der Unterhaus-Aussprache über die Mißstände in der englischen Luftwaffe einen großen Teil ihrer Kritiker mundtot gemacht. Durch Vermittlung eines konservativen Abgeordneten ist es der Regierung gelungen, den Besitzer der größten englischen Kraftfahrzeugwerke, der Morris-Werke, Lord Nuffield, zu bewegen, einen Tell seines Riesenunternehmens a u f d ie Herstellung von Flugzeugen um» zustellen.
Die Morris-Werke hatten ftüher bereits in einer Fabrik bis zum' Jahre 1936 Flugzeuge hergestellt. Als dann seinerzeit der von Lord Baldwin angeregte Plan von Schattenfabriken in die Wirklichkeit umgesetzt wurde, entzweite sich Lord Nuffield mit dem Lustfahrtminister Lord Swinton und ließ die Herstellung von Flugzeugen einstellen. Lord Nuffield wollte nämlich in jeder der -schatten- fabriken die Flugzeuge vollständig Herstellen,
während sich die englische Regierung auf Grund des Swintonschen Planes für eine Arbeitsteilung in der Form einsetzte, daß jedes der Werke nur bestimmte Flugzeugteile liefern sollte, die dann in einem Zentralwerk zusammengestellt werden sollten. Die nunmehr wieder geplante Aufnahme der Herstellung von Flugzeugen in den Morris-Werken wird eine monatliche Mehrlieferung von mehr als hundert Stück ermöglichen.
Vertrauensvotum
für das beltfitoe Kabinett.
Brüssel, 12. Mai. (DNB.) Die belgische Kam- mer sprach der Regierung Janson mit 101 Stimmen gegen 76 das Vertrauen aus unter der Bedingung, daß die Regierung das Gleichgewicht im Haushalt herstellt, weitere Einsparungen erwägt und den Wiederaufbau der belgischen Wirtschaft in Angriff nimmt. Ferner wird die Wiedereinführung der Krisensteuer und Erhöhung der Zölle und Abgaben gefordert. Der Abstirnmungs- sieg der Regierung ist darauf zurückzuführen, daß ein Teil der Katholiken, insbesondere die christlichen Demokraten und zahlreiche flämische Katholiken, der Regierung treu bleiben, da die Bildung einer neuen Regierung, die sich nicht wiederum auf die gegenwärtige Koalition von Katholiken, Liberale und Sozialdemokraten gestützt hätte, von vornherein aussichtslos erschien. Da die konservativen Katholiken gegen die Regierung stimmten, hält man es für nicht ausgeschlossen, daß die konservativen Minister ihren Rücktritt erklären l-erden.
Die Slowaken.
Die Tschechoslowakei nennt sich so, wett sie nicht nur von tschechischen, sondern auch von slowakischen Westslawen bewohnt ist. Aber praktisch find die Slowaken für die Tschechen lediglich ein Aushängeschild, um die tschechische Vorherrschaft sowohl gegenüber den Sudetendeutschen, wie den Ungarn, wie den Polen, wie den Ruthenen und schließlich auch diesen Slowaken gegenüber aufzurichten. Wahrend des Weltkrieges, als die Tschechen noch nicht „befreit" waren, haben die führenden Männer der tschechischen (Emigration, an erster Stelle Altpräsident M a s a r y t, rntt den slowakischen Auswande* rem in den Vereinigten Staaten in Pittsburg einen Vertrag geschloffen, in dem den Slowaken volle Selbstverwaltung im künftigen tschechoslowakischen.Staate versprochen wurde. Das ist der berühmte Pittsburger Vertrag, von dem die Tschechen behaupten, daß er deshalb nicht gültig fei, weil die slowakischen Auswanderer, die diesen Vertrag unterzeichnet hätten, inzwischen das amerikanische Bürgerrecht erworben haben. Wenn ein Emigrant einem ehrlichen Auswanderer vorwirst, daß er ein Auswanderer ist, so klingt das absonderlich genug. Die Slowaken haben nun beschlossen, die Urschrift des Vertrages nach Europa zu bringen, und haben den polnischen Dampfer „Stefan Batorf" als Reiseschiff für die slowakische Abordnung aus den Vereinigten Staaten gewählt. Diese Abordnung wird in Gdingen von einer slo- wakischen und auch polnischen Abordnung begrüßt werden. Es ist charakteristisch, daß den Tschechen von den Slowaken ein Dokument buchstäblich unter die Nase gehalten werden* muß, um an Versprechungen zu erinnern, die bisher nicht gehalten worden sind.
Oie polnische Volksgruppe fordert Selbstverwaltung.
Prag, 12. Mai. (Europapreß.) Der Verstand!« gungsausschuh der polnischen Parteien in der Tschechoslowakei veröffentlicht einen Beschluß, in dem es heißt: ,Lur Wiedergutmachung der Ve r l u st e, die die polnische Bevölkerung in der Tschechoslowakei seit dem 20jahrigen Bestehen der Republik erlitten hat, wie auch zur Sicherung dieser Bevölkerung vor einem System, das diese Schäden verursacht hat, ist notwendig: die Rückgabe des Besitzstandes vom Jahre 1918 an die polnische Bevölkerung der Tschechoslowakei und die grundsätzliche Signierung der Rechts st ruktur, innerhalb der sich das Leben der polnischen Bevölkerung bisher vollzog." In dem Beschluß wird dann weiter die völlige Selbstverwaltung der polnischen Volksgruppe in der Tschechoslowakei gefordert
Oer Dichter des Odenwaldes.
3um 85. Geburtstage Adam Karrittons am 12 Mai
Kurz vor der Jahrhundertwende wurde der Starkenburger Wilhelm Holzamer der erste Pfad- weiser hessischer Heimatkunst. Bald gesellten sich zu ihm Siham Karrillon als Dichter des Oden- waldes und Karl Neurath als rheinhessischer Dichter. Karillons Hauptwerk ist der Roman „M i - chael Hely", der anfangs den Untertitel „Der Dorfteufel" trug. Er erschien zuerst in einer Ludwigshafener Zettung. Von den weiteren Schicksalen dieses Buches erzählte Karrillon einmal, daß der Roman bann einen Buchverleger fand, der kurz darauf jedoch Konkurs ansagte. Die Druckkosten fielen nun dem Verfasser zu. „Eines Tages", jo be- richtet der Dichter weiter, „hatte ich für mein Geld eine Bibliothek von taufend Bänden, einer genau fo wie der andere. Ich begann nun mit den Büchern meinen Ofen zu heizen, aber sie brannten schlecht und wärmten noch viel schlechter." Der ergrimmte Dichter, der damals als Arzt in dem lieblich gelegenen badischen Stäbchen Weinheim wirkte (bas ihn zu , seinem 70. Geburtstage zum Ehrenbürger erwählte), hib nun, was von ben Bänben übrig geblieben war, rntt Petroleum getränt! auf einen Wagen unb kutschierte bamit zur nahen Ruine Windeck, wo er ein Branbgericht vollzog. Doch abermals widerstanden viele Bände dem Flammentode. Einer der angebrenzellen und petroleumduftigen Bände kam einer hochherzigen Dame vor Augen. Sie versenkte sich in bas versengte Buch unb gewann den großen Groteschen Verlag in Berlin für Karrillon . und seinen Hely. — Bücher unb Dichter haben ihre
Schicksale.
Der Helb dieses in herben Humoren gegerbten Romans wird aus einem verprügelten Tunichtgut, in harter Schule geschunden, ein wackerer Handwerker, doch mit seiner Gefühlszartheit, Natur- und Nächstenliebe unausgesetzt im Mißgeschick verfolgt unb auf Schusters Rappen durch die Wett gehetzt. Als still ergebener und verschlossener Mann kehrt er zur Heimat zurück, wird Glöckner unb Totengräber Er sieht in einem Nachbarorte feine Jugendgeliebte als brave Witwe wieder unb erkennt in beten grunb- guten Sohn fein eigenes Kind. Ein dichterischer Höhepunkt ist es, wie Hely sich ihnen nicht zu erken- nen gibt, doch beiden von feiner Liebeskraft auszu- teilen vermag.
Karrillon erzählt die Begebenheiten niü schlichter.
Sachlichkeit aus tiefem Bolksgesühl heraus. Nach.
sichtslofe Aufrichtigkeit ist seine hervorstechende Eigenschaft. Sein waldfrischer Frohmut wird bald gehoben, bald gedämpft durch knorrig-knurrigen, unerschrockenen Humor, her bald derb, bald streng unb bissig sich zeigt. Dieser Lebens- und Menschenkenner entkleidet die Seele der Landleute unb nimmt ihnen das von anderen aufgeschminkte, unschulbsvolle Friedeglück im Winkel, ohne ihre Tugenden zu unterschlagen.
Aus dem weltverlorenen Oertchen Waldmichelbach im Odenwald stammt Karrillon, und die guten Leute dieses Fleckens waren baß empört, als sie sich so unverhohlen geschildert sahen. Doch als bann der Roman berühmt wurde, unb sogax aus dem Norden des Reiches Besucher mit offenen Börsen kamen, um die Waldeinsamkeit zu genießen, ae- lockt durch die Landschaftsmalkunst Karrillons, da versöhnten sie sich gern mit ihrem ßanbsmanne, zierten bas katholische Schulhaus, die Geburtsstätte des Dichters, mit einer Gedenktafel unb machten ihn zu ihrem Ehrenbürger.
Der Roman „Die Mühle von Husterloh" führt nach bem hessischen Neckartal, in eine stille Mühle. Dort ist die Mutter Hährle unumschränkte Gebieterin, von hartem Herzen unb kurzem Verstaub Der gute, demütige Vater Hährle hat ein kluges unb sinnendes Auge mitbekommen und ein weiches, tartes, reines Gemüt. Sein einziger Fehler ist die Schwäche gegenüber feinem Weibe. Ihr ist er willenlos unterworfen. Das wohl gegründete Vermögen des Hauses wird durch die Herrin verpraßt, wäh- renb kapitalistische Machenschaften den Kleinbetrieb drosseln. Die Mühle von Husterloh ist ein Ueberrest aus einer untergehenden Kulturepoche. Die * drei Almae matres des Dichters, Gießen, Freiburg und Würzburg, gaben die Umriffe zu einem unterhaltsamen Studentengemäsde. Steht dieser Mühlenroman auch in weitem Abstande von Peter Dörflers großartiger Avollonia-Triloaie, die auch einen Mühlenroman barstsllt, macht sich auch hier unb da ein blasses Doktorstubendeutsch bemerkbar, so blitzt doch oft Karrillons gesunder unb be-ilträftiaer Humor burch. Quellsrisch hat er wieder das Volksleben geschildert, unb zudem ist ber Roman getragen von einer vertieften, trotz Bitternissen weltfteubigen Lebensauffasiung.
Aus gleicher Stimmung entstaub, auch nicht ohne zitternde Durakkorde den Menschenglauben hoch unb heilig haltend, „O domina mea“, die treueste Romanspiegelung des eigenen Lebens Karrillon hat als Arzt viel mit Unverstand, Muhmenweisheit, Schmutzerei unb Tücke sich herumbalgeu müssen, hat, um sich davon auszulüftcn, wiederholt als Schiffs- arzt hei Wörmaim-Lmfe bU Wett befahren unb
feines Schicksals Schläge hier in ein Werk von schmerzvoller Wirklichkeitskunst zusammengefaßt. Dieses so umflorten wie klaren Auges geschaffene Buch ist bei aller nackten Wahrhaftigkeit durchduftet vom Blütenhauche deutscher Dichtertraumkunst.
In dem Obenwaldroman „A b a m s Großvater" hat Karrillon feinem Großvater müiter- lichersetts ein Ehrenmal errichtet. Hier wirb Karrillon fast zum Bauerndramatiker. Hurttg fliegt die Wechselrebe von Munb zu Mund, derb und urwüchsig, hemdärmelig bobennah, wie eben den Oten- roalbern ber Schnabel gewachsen ist. Wieder geht ein ursässiger alter Bauernbesitz zugrunde, wieder durch Beschränktheit, Hochmut und Leichtgläubigkeit, doch nicht eines Weibes, sondern des männlichen Erben.
In ben Novellen „B a u e r n g e s e l cht e s" unb in ber Erzählung „21 m Stammtisch zum faulen Hobel" hat Karrillon von feinem Landarztleben, in der „Modernen Kreuzfahrt" seinem ersten Buche aus bem Jahre 1898, von seiner Reise nach bem heiligen Lande, in ber Geschichte „Sechs Schwaben unb ein halber" von einer Weltreise, in ben „Erlebnissen eines Weltenbummlers" seinen Lebenslauf vom ersten Tage an erzählt. Seiber nicht mehr unb noch nicht wieder zeitgemäß ist die Kolonialerzählung „Im Lande unterer Urenkel", in der Togo und Kamerun wohl nicht nur durch die Kraft des Schllderers wie wahre Goldländer erglänzen. Mit Vorliebe tritt Karrillon fast in allen feinen Büchern neckich, spitzig und bissig der hohlen Zivilisationskoketterie auf die Hühneraugen, denen er bann ein Heilpfläfterchen guten HurNors aufpappt.
Bei feurigem Weinheimer Riesling hat er einmal erzählt, baß er das elfte Kind des Lehrers zu Wald- michelbach ist. das Gymnasium in Mainz besuchte, ■bei einem Aufstande der Armenier in Konstantinopel war, ein Erdbeben in Kalabrien und einen Ausbruch des Vesuv miterlebte. „Kein Wunder, daß ich auch etwas anderes als nur Rezepte schreiben wollte."
Als im Weltkriege fein Sohn als Marinsarzt den Tob fanb, ba flüchtete Karrillon von Weinheim, mo er über dreieinhalb Jahrzehnte praktizierte hatte. Der Kummer trieb ihn von Ort zu Ort: im Umherziehen übte er ärztliche Praris aus 1920 arztete er noch einmal auf einem Schiff, bas zwischen Swinemünde unb Villau Abstimmungsberechtigte unb Gefangene beförderte. Bei ber Uebernahme ber Mannschaft eines in Seenot geratenen Seglers während eines Sturm-s zog sich der 67jähriae ein" ^Verletzung des Brustkorbes zu, die ihn zur Aufgabe des Schifssarztblenstes zwang. Er wählte Wiesbaden za
der sich als
en Museums Seine Soe
ben Schild- den ftüheren
deutschen Kolonien in Afrika beschäftigt.
Dr. Michael Freiherr von T a u b5e , Honorar-- Professor für Völkerrecht an ber Univaersität M un- fter, wurde wegen Erreichung ter* Altersgrenze von den amtlichen Derpfttchttmges erittbunhen.
dauerndem Wohnsitz, wo er nun seit 18 Jahren lebt. Und herzliches Anerkennen eines treuen 23er- ehrerkreifes ist ihm sicherer Altersbesitz.
Paul Wittko.
In Berlin ft a r b im Alter von nahez u 80 Jahren Professor Dr. pbil. Gustav Tornier Kustos um ben Ausbau des Zoologisch
Hochsckulnachnchten.
In der Reichsamtslettung des NSD.-Dozenten- buntes mürbe* durch ben Reichsdozentenführer, ^-Brigadeführer, Professor Dr. Watter Schultze, eine Hauptstelle Presse unb Propaganba errichtet,- mit deren Leitung er den Pg. Dr. Gerhard Bauz, mann beauftragte. Die Pressestelle hat die Aufgabe, die deutsche Hochschule in der Oessentlichkeit bekannt zu machen unb das Interesse an ihr wach- zuhalten und zu vertiefen. Dafür wurden bei den Gau- und örtlichen Dozentenbundsführungen Pressestellen ins Leben gerufen, die die Verbindung zur Oeffentlichkeit ausrecht halten unb das Aufgabengebiet ter einzelnen Hochschulen in Bezug auf das völkische Leben Herausstellen sollen. — Nunmehr wurden die Presiereserenten des NSD.-Dozenten- bundes erstmalig zu einer zweitägigen Arbeitstagung nach München berufen, auf der alle Fragen ber publizistischen Wirkungsmöglichkeit besprochen wurden. Reichsbozentenführer, ^-Brigadeführer Pros. Dr. Schultze umriß in längeren Ausführungen die 2Iufgaben des Dozentenbundes und stellte die große Bedeutung ber Pressearbeit heraus.
Professor Dr. Karl vom Hofe ist durch Verfügung Des Reichs- unb Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung als Nachfolger des nach München berufenen Professors Dr. Meißner auf ben Lehrstuhl ber Auge nheilkunde an ber Universität Köln berufen unb z;um Direktor ber Kölner Universttats - Augenklinik ernannt worden. <
Professor Dr. Adolf Walz, Drbiixaruis für Völkerrecht an ber Universität Bresl<äu, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Köln berufen. Prof. Walz ist Herausgeber des Handbuches für Völkerrecht und der Zeitschrift für Völkerrecht.
in Berlin sehr verdient gemacht hat.
zialgebiete waren vergleichende Anato nie und Erforschung ber Vorwelttiere. Professor Tornier hat sich auch in zahlreichen Arbeiten mit träten, Krokobilen und Eibechsen in i\


