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Nr. UO Erstes Blatt

188. Jahrgang

Donnerstag, 12. Mai 1938

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Der Daladier-Jranken

Von unserem E. J.-Korrespondenien.

Paris, Mai 1938.

Wenn man nur jben von der regierungstreuen Presse, besonders den großen Nachrichtenblättern, ausgegebenen Stichworten folgen wollte, dann müßte man die jetzt vorgenommene neue Ab­wertung des Franken als einen großen Er­folg der Regierung Daladier betrachten. Programm­gemäß hat der jetzt jo billig gewordene Franken einige Punkte an der Devisenbörse aufgeholt, und das Fluchtkapital strömt in Milliardenbeträgen (Milliarden Franken!) in den Geldverkehr zur Bank von Frankreich zurück. Die Kurse der Staatspapiere bessern sich, der Zinssatz für die Bons der Natio­nalen Verteidigung ist herabgesetzt worden, und die Aussichten der neuen großen Anleihe für die Lan­desverteidigung stellen sich im schönsten Licht dar.

Dieses rosige Bild kann nicht über die schweren Schattenseiten Hinwegtäuschen, denn es ist gerade die Entwicklung der französischen Währung, die all das Verhältnislose und Unhaltbare im Spiel zwischen Politik und Wirtschaft dieses Landes noch schärfer hervortreten läßt. Bei jeder Abwertung wird versichert, daß dies diel e tz t e" Abwertung sein werde; bei jeder Abwertung wiederholt sich das Schauspiel, daß die Besitzer des vorher rechtzeitig ans Frankreich geflüchteten Kapitals reiche und mühelose Gewinne einstreichen, wenn ihr Geld nach vollzogener Abwertung nach Frankreich zurück kehrt und dort in Franken umgewechselt wird; nach jeder Abwertung wird versichert, es dürfe auf keinen Fall eine Preiserhöh u n g eintreten, und doch gehen die Preise in die Höhe, denn man kann, nicht verhindern, daß der Anteil ausländischer Rohstoffe in den französischen Waren langsam, aber sicher seinen Einfluß auf die ge­samte Preisgestaltung geltend macht. Das gilt für die ganze Periode der verschiedenen, im Zeichen der Volksfront vorgenommenen Abwertungen. (Der Poincarö-Franken aus dem Jahre 1928 hatte noch einen Goldwert von 20 Centimes gehabt, der Dincent-Auriol-Franken aus dem Volksfrontjahr 1936 stellte noch einen Gegenwert von 15 Centimes dar; der Bonnet-Franken von 1937 war nur noch 13 Centimes rofn und der Daladier-Marchandeau- Franken vom Mai 1938 bedeutet nur noch 8 Gold- Centimes.) Vom Mai 1936 bis jetzt ist das e n g - lisch e Pfund um 133 d. 5). teurer ge­worden. Die Lebenshaltungskosten sind in der gleichen Zeit um 45 bis 60 v. H. gestiegen; es ist also noch reicher Spielraum für das Steigen aller Preise vorhanden.

Das Opfer der Entwicklung ist natürlich in erster Linie der Kleinrentner, eine für Frankreich so außerordentlich wichtige Beoölkerungsklasse. Die Beamten, deren Bezüge nur unbedeutend durch den Wegfall der seinerzeit von Laval verordneten lOprozentigen Gehaltsabstriche verbessert worden sind, haben ihre Kaufkraft um 35 bis 70 v. H. ver­mindert gesehen. Auch der Arbeiter, der durch­schnittlich Lohnerhöhungen von 40 v. $). durchgesetzt hat, steht sich nicht besser; seine Kaufkraft ist um 5 bis 20 v. $). vermindert. Auch die I n d u st r i e fuit trotz der Kostensenkung, die jede neue Abwer­tung für sie zunächst zweifellos darstellte, ays diesen Manipulationen nicht entfernt den Nutzen gezogen, den man voraussetzen könnte. Die Erschwerung der Kalkulation, die Unsicherheit durch Streiks und sonstige politische Momente hat immer wieder die Währungsvorteile ausgeglichen. In der Handels­bilanz ist der riesige Einfuhrüberschuß von 18 Milliarden Franken jährlich fast unverändert ge­blieben. Obwohl jedes Jahr fast sechs Milliarden Franken alleiü für die Kohleneinfuhr an das Aus­land abgeführt werden müssen, ist die Kohlenförde­rung in Nortzfrankreich von 1936 bis 1938 um zwei Millionen Tonnen zurückgegangen.

Die einzige Schicht, die aus den Abwertungen Nutzen zieht, ist also ne^enbem Staat, der sich entschuldet und mit neuen Noten seine Vor­schüsse bei der Bank von Frankreich zuruckzahlt (diese Vorschüsse belaufen sich gegenwärtig auf 40 Milliarden Franken), die Spekulation, die riesige Gewinne einstreicht. Es ist schon sehr bezeich­nend, daß ein Blatt wie dieJournöe Industrielle , der man gewiß nicht den Vorwurf antikapitalistischer Gesinnung machen kann, kühl und sachlich feststellt, daß bei 'jeder neuen Abwertung die Spekulation einen weiteren Anteil an den Ersparnissen des Landes verschlingt. Es bedeutet sicherlich einen schwe­ren Schlag für die Regierung Daladier daß gerade dieses Blatt, das wichtige Interesse der französischen Industrie vertritt, maßlos enttäuscht ist, nach dem Slktionsplan der Regierung fragt und in den jetzt getroffenen Maßnahmen lediglich Mittel sieht, dieöagu bestimmt sind, Zeit z u gern in­nen. Auch an anderen Stellen fragt man fid), mas eigentlich Hinter der Versicherung Daladiers stehe, daß die jeftige Abwertung die letzte sein und jedes neue Abbröckeln der Währung verhindert werden soll. Denn es ist ganz offensichtlich, daß eine end­gültige Stabilisierung der Wahrung erst bann ein- treten kann' wenn die in der Zahlungsbilanz l£fDj9e der riesigen Einfuhrüberschüsse vorhandenen Lucken irgendwie ve rstopft werden können sei es durch e ne entsprechendes Förderung der Ausfuhr, durch eine gewaltsame Abdrosselung der Einfuhr oder dmch ein enormes 1 Steigen der Fremdenindustrie. so­lange das allsss nicht der Fall ist, kann die jetzt aus spekulativen i Gründen erfolgende Rückkehr des FluchtkapitalLj nur ^o ru & 6 r 9 .ß e.ns rjcu teruna schaffet In ab ehbarer Zeit wird man sich L Umö lüch wieder denselben Uwstän en gegen­übersehen, die; zu den ständigen Abwertungen ge- " Bei Alledem!, scheint es, daß im Kabinett Daladier seLst durchaus nicht volle Einstimmigkeit geherrscht l

Nur noch 423000 Arbeitslose.

87 Prozent nur beschränkt einsatzfähig. Auch in Oesterreich die Arbeitslosenzahl bereits erheblich gesenkt.

Berlin, 11. Mai. (DNB.) Im April nahm die Zahl der Arbeitslosen im alten Reichsgebiet, wie die Reichsanftalt für Arbeitsvermittlung mit­teilt, um 85 000 ab. Sie ging auf 423 000 zurück, ein Stand, der um rund 46 000 unter der tiefsten Zahl des Vorjahres liegt. Die winterliche Arbeitslosigkeit ist damit trotz uncjün= ftiger Witterung vollständig überwunden. Anfang Mai 1937 wurden noch 961000, also 538 000 Ar­beitslose mehr als jetzt gezählt. Daneben hat die Wirtschaft bereits einen erheblichen Teil des diesjährigen stärkest Jahrganges von Jugendlichen in das Erwerbsleben ausgenom­men. In manchen Gebieten war der Bedarf an Nachwuchskräften so stark, daß die Arbeitsämter nicht allen Anforderungen entsprechen konnten.

Die günstige Entwicklung des Arbeitseinsatzes ist nicht allein eine Folge der saisonmäßigen Belebung in der Landwirtschaft, der Industrie der Steine und der Erden, dem Baugewerbe und dem Verkehrsgewerbe; auch viele andere Wirt- schastszweige wiesen eine Steigerung des Beschäf­tigungsgrades auf. So ist die Zahl der Beschäftigten um 550 000 gestiegen. Von den noch vorhandenen Arbeitslosen waren nur 40 000 für Facharbeiten voll einsatz- und ausgleichsfähig; 13 000 für un­gelernte Arbeiten zwischenbezirklich verwendbar. Der weitaus größte Teil, 369 000 87 v. 5)., war ent­weder örtlich gebunden oder sonst beschränkt einsatzfähig.

Im Lande Oe st erreich konnten die Arbeits­losenzahlen bereits erheblich gesenkt werden. Im April wurden durch die Arbeitsämter 120 000 Volksgenossen i n Arbeit vermittelt. Ende April waren bei den Arbeitsämtern 416 000 Arbeits­lose gemeldet, während die Arbeitslosigkeit bei der Eingliederung Oesterreichs, in das Deutsche Reich aufgrund 600 000 geschätzt werden kann. Von den Arbeitslosen standen Ende April 302 000 in Unter­stützung. Die Zahl der Unterstützungsempfänger hat zugenommen, da der Personenkreis der Unter- stützungsberechtigten durch die Wiederhereinnahme der Ausgesteuerten und der Jugendlichen erheb­lich erweitert worden ist.

KeineZollpaffierscheine mehran der bis­herigen deutsch-österreichischen Grenze.

Berlin, 11. Mai. (DNB.) Seit dem 1. Mai 1938 wurde der Kraftwagenverkehr über die bis­herige deutsch-österreichische Grenze nur noch in der Richtung nach Oesterreich zollamtlich behandelt. Vom, 15. Mai ab wird die Zollüberwachung der mit Zoll­passierschein oder Zollpassierscheinheft in das Groß­

deutsche Reich einreisenden Kraftfahrzeuge und Wasserfahrzeuge ausschließlich an der Grenze gegen das politische Aus­land vorgenommen. An dieser Grenze werden auch die Kraftfahrzeugvormerkscheine der Zollver­waltung und die Zollpassierscheine der Jntergarant- AG. ausgegeben. Außer den Zollpassierscheinen der Jntergarant-AG. werden nur noch Zollpassier­scheine des Deutschen Automobil­clubs, nicht mehr anderer Clubs, ausgegeben. Die vor dem 15. Mai ausgestellten, noch nicht ab­gelaufenen Zollpassierscheine, Zollpassierscheinhefte, Kraftfahrzeug-Vormerkscheine und Einfuhrzoll-Vor­merkscheine haben Gülttgkeit für das gesamte Reichsgebiet. Die Zollgrenze zwischen dem Altreich und Oesterreich darf der Kraftfahrer noch nicht ohne anzuhalten durchfahren. Die Zollgrenze muß noch bis auf weiteres bestehen bleiben für die Zwecke der zollamtlichen Abfertigung von im Kraft­oder Wasserfahrzeug mitgeführten Waren.

Göring fährt nach Oesterreich.

Baubeginn

der ReichswerkeHermann Göring" und des Tauern-Kraftwerkes.

Berlin, 11. Mai. (DBB.) Ministerpräsident Generalseldmarschall Göring begibt sich Donners­tag abend mit Staatssekretär Körner nach Oester­reich. Die Reise dient der Durchführung des großen Wirtschaftsprogramms, das der Beauftragte des Führers für den Vierjahresplan am 26. März in Wien verkündet hat. Die Vorarbeiten sind soweit gefördert worden, daß jetzt bereits mit dem prakti­schen Aufbau begonnen werden kann. Der Ge­neralfeldmarschall wird am 13. Mai in Linz den etfcn Spatenstich für die ReichswerkeHer­rn an n Göring" Linz, und am 16. Mai bei Z etl am See den ersten Spatenstich für das Tauern-Kraftwerk vornehmen. Die rationelle Auswertung der beiden besonders wichtigen Boden­schätze Oesterreichs ist damit eingeleitet: der Eisen­erze und der Wasserkräfte, die früher in wesent­lichen Teilen brach lagen. Außerdem wird General- seldmarfchall Göring die Standorte der Luftwaffe, die er auf feiner Fahrt berührt, besichtigen und hierbei den Spatenstich für drei neue große Flughäfen und einige Ka- fernen tun.

hat, als jetzt die stürmische Entwicklung zu über­stürzten Entschlüssen zwang. Man behauptet, daß der Finanzminister M a r ch a n d e a u , der sich mit Plänen für eine neue Umsatzsteuer trug, infolge der Widerstände der Abwertungsfreunde auf diesen Plan verzichten und zwischen einem Kabinettsrat und einem Ministerrat in der Zeit von vier Stun­den einen Gesetzentwurf über die 8prozentige all­gemeine Erhöhung aller Staatssteuern ausarbeiten mußte. An der Spitze der Abwertungsfreunde im Kabinett soll nach wie vor der gegenwärtige Ju­stizminister Paul Reynaud stehen, der angeblich noch einer viel weitergehenden Abwertung das Wort redet, wobei er sich wie übrigens auch in den Fragen der Außenpolitik und im Verhältnis zu Deutschland, in erheblichem Gegensatz zu seinem Fraktionskollegen oon der Alliance Democratique, F landin, befindet.

Das Kabinett Daladier ist trotz der Anfangs­erfolge, die es zu Beginn feiner Laufbahn durch die Londoner Konferenz und durch die Beilegung des Konfliktes in der Pariser Metallindustrie erzielt hat, um seine Aufgaben nicht zu beneiden. Die Staatsbeamten haben bereits eine' Forderung auf eine generelle lOprozentige Gehaltserhöhung ange­meldet, der man auf die Dauer nur schwer wird ausweichen können; denn heute verdienen die mei­sten Arbeiter bereits mehr als viele Beamte der mittleren Laufbahn, wie etwa ein Polizeikommissar und ein Unterleutnant. Aber wie will man diese Forderungen befriedigen, wenn nicht ein allgemei­ner Wirt'schaftsaufschwung eintritt? Die jetzt ver­ordnete 8prozentige Steuererhöhung ist bereits für andere Zwecke beftimmf, nämlich die Ausgaben der Pensionskasse, Pie Fehlbeträge der Eisenbahn uftf). Neue Verordnungen zur Milde­rung der Folgen der 40-Stunden-Woche sind zwar in Vorbereitung, aber Daladier kann schwerlich die Rücksicht auf den Gewerkschaftsbund und die Sozia­listen gänzlich fallen lassen; denn schließlich kommt auch für ihn die Stunde, wo er sich wieder im Parlament stellen muß. Die Sozialisten verfolgen aber mit Argwohn Daladiers Werk und warten nur auf eine Gelegenheit, ihre alten Plane für eine staatliche Devisenkontrolle, Überwachung des Außenhandels usw. hervorzuholen. Diese Gelegen­heit kann sich vielleicht im Herbst bieten Bis dahin muß sich vieles im politischen und wirtschaftlichen Leben Frankreichs entscheiden.

Die Bauarbeiten vor der Engrlsburg und peterskirche.

Rom, 11. Mai. (Europapreß.) Mussolini begab sich am Mittwoch in den Stadtbezirk vor der Peterskirche, um die Gestaltung des von der Engelsburg aus fr.eigelegten Zugangs­

zur Peterskirche zu prüfen. Auf Grund> der bereits aufgestellten haushohen Karton-Modelle und den Angaben der Architekten hat Mussolini die Pläne zum Abschluß der Zufahrtsstraße vor dem Peters- platz in harmonischer Übereinstimmung mit dem aroßarttgen Vorplatz der gewalttgsten Kirche der Christenheit geprüft.

Victor Emanuel III.

an den Führer.

Berlin, 11. Mai. (DRV.) Seine Majestät der König von Italien, Kaiser von Aethio- p i e n, hat den Abschiedsgruh, den der Führer und Reichskanzler bei Ueberschreitung der deutsch-italienischen Grenze telegraphisch an ihn ge­richtet hatte, mit folgendem Danktele­gramm beantwortet:

Die Königin und ich danken Eurer Exzellenz vielmals für die Botschaft, die Sie die Liebens­würdigkeit hatten, uns beim Verlassen des ilalieni- schen Bodens zu übermitteln. Die von Eurer Ex­zellenz darin zum Ausdruck gebrachten Gefühle werden dessen bin ich gewiß den stärkften Widerhall im Geiste der italienischen Ration hinterlassen, die in voller Freude ihre ganze glühende Herzlichkeit dem hochwillkommenen Gast anläßlich dieses glückverheißenden Besuches bezeugen konnte. Durch ihn ist die ideale Ver­bindung unserer beiden Länder zu einer noch stärkeren Einheit gewor­den. Wir werden die teuerste Erinnerung daran bewahren in dem Vertrauen, daß Eure Exzellenz aus den Kundgebungen dieser Tage die innere Einstellung des faschistischen Ita­liens zu der großen befreundeten Ra- Hon und ihrem erhabenen Oberhaupt mit Sicherheit entnehmen konnten. In diesem festen Glauben übermittle ich Eurer Exzellenz meine h e r z l i ch st e n Wünsche für das weitere Wohl­ergehen des deutschen Volkes und für Sie persönlich.

Victor Emanuel."

Anläßlich des schweren Bergwerksunglücks auf der Markharn-Grube bei Chesterfield hat der Führer und Reichskanzler dem König von England telegraphisch seine und des deut­schen Volkez herzliche Anteilnahme übermittelt

Amerikas Singapur im Pazifik.

Bon unserem ständigen E A.H.-Äerichierstaiier

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! * Neuyork, April 1938.

Die amerikanische Aufrüstung zur See und zur Luft hat die Frage laut werden lassen: Wie denkt sich die Admiralität einen etwaigen Krieg im Stillen Ozean, von dem hier so viel geredet wird? Rechnet sie wirklich mit einem Angriff auf die Westküste Amerikas und soll diese als Opera­tionsbasis dienen, wie man bisher annahm? Oder soll die Operationsbasis weit hinausgefchoben wer­den bis zur internationalen Datumslinie oder bis zur hypothetischen Verbindungslinie ManilaHono­lulu? Oder sind die Kreuzer, Schlachtschiffe, Flug­zeugmutterschiffe undfliegenden Festungen" mit ständig vergrößerten Flugweiten für andere Zwecke gedacht, für einen Verteidigungskrieg vielleicht, bei dem Offensive der beste Weg zur Verteidigung sein wird?

Wochenlange Verhöre im Kongreß, Aussagen von Admiralen, Chefkonstrukteuren und Amateurstrategen (wie Präsident Roosevelt sich ausdrückte) haben durchaus keine Klarheit in dieser sehr wichtigen Frage geschaffen. Im Gegenteil, was in Washing­ton oorgetragen wurde, ging vielfach mit den Ver­suchen der Presse Hand in Hand, durch das Her­aufbeschwören einer beinahe hysterischen Kriegs« unö Angstpsychose den Block der widerspenstigen, mißtrauischen Minderheit gefügiger zu machen. Unter dieser finden wir Männer, deren Integrität außer Frage steht, z. B. Senator B o r a h, an den wir uns immer noch als den Mann erinnern müssen, der gegen Wilson und Senat monatelang als einziger einen erbitterten Kampf gegen den Schandvertrag von Versailles und den Völkerbund führte, oder den als Vorsitzenden des Munittons- ausfchufses bekannten Senator Nye, der sich vor wenigen Jahren um die schonungslose Aufdeckung der verhängnisvollen Rolle des Bankhauses Mor­gan im Weltkrieg historische Verdienste erwarb; oder den republikanischen Abgeordneten Hamilton Fksh, der als einer der ersten und wenigen die Gefahr des Kommunismus in Amerika erkannte und bekämpfte.

Borah nannte die neue Flottenbill dasnieder- drückendste Ereignis feit dem Weltkriege und den Beginn eines zweiten Weltkrieges", und Nye be­zeichnete sie als Vorbereitung für einen Angriffs­krieg; Hamilton Fish befürwortete Flottenparität Amerikas mit Japan, da die amerikanische Flotte bereits stärker fei als für Derteidigungszwecke not­wendig wäre. Japan könne selbst im Paritätsfalle nicht daran denken, einen Angriff auf das amerika­nische Festland zu unternehmen, sagte er; warum also nicht Gleichberechtigung, wenn Amerika nicht beabsichtige, den Weltpolizisten zu spielen? Zu ihnen gesellen sichAmateurstrategen", die an Ort und Stelle einen etwas tieferen Einblick in die Rüstungen im und um den Stillen Ozean gewonnen haben, z. B. der Journalist Don W h a r t o n, der einen ausführlichen Bericht über die Befestigungen Hawais geschrieben hat. Offenbar war der neue Erlaß des Marineministeriums, zukünftig in Din­gen der nationalen Verteidigung viel strengere Ver­schwiegenheit zu üben, noch nicht in Kraft, als Wharton von Offizieren herumgesührt wurde, denn feine Informationen sind erstaunlich.

Er berichtet, wie die liebliche Insel O a h u, die wichtigste und am dichtesten besiedelte der hawai­ischen Inselgruppe, in den letzten Jahren in eine einzige große Festung umgewandelt worden ist, in einen der stärksten Flottenstützpunkte der Welt, der die Reichweite der amerikanischen Flotte verdoppelt und Amerika im Stillen Ozean eine Machtstellung gibt, wie sie keine andere Nation besitzt. Die Befestigungen sind offenbar viel stärker und weiter vorgeschritten, als offen zugegeben wird. Wharton erzählt, er habe neben dem, was die dortigen Militärbehörden den zu Besuch weilenden amerikanischen Kongreßabgeordneten oder andern hohen Besuchern zeigen, vieles gesehen, was streng geheimgehalten wird, z. B. riesige Munitions­kammern, die für einen Aufwand von 2 Millionen Dollars in massive Felsen eingelassen und mit Bomben, Granaten und Gewehrmunition im Werte von 20 Millionen Dollars gefüllt sind.

Der Kriegshafen von Oahu ist Pearl Harbor- Honolulu, etwa 11 Meilen von dem berühmten Strand von Waikiki entfernt, der mit seinen blumen- umkränzten hawaiischen Tänzerinnen und athletisch gebauten Hawaianern, die auf schmalen Brettern liegend oder stehend auf den Kämmen der langen Brandungswellen reiten, heute das beliebte Ziel zahlreicher amerikanischer Hochzeitspaare ist. In nächster Nähe dieses Südseeparadieses kann d i ei gesamte amerikanische Flotte vor Anker liegen. Pearl Harbor besitzt auch eine Marine­werft mit Trockendocks, die die größten Schlachtschiffe reparieren, neu ausrüsten und außer dem eigentlichen Schiffsbau beinahe alle Arbeiten ausführen können, daneben einen Unterseeboots- Hafen, einen Flugzeughafen, ein großes Munitions­depot und eine Rundfunkstatton. Zum weiteren Ausbau des Hafens sollen jetzt 37 Millionen Dollars ausgegeben werden.

Der Armee fällt die Aufgabe zu, diesen großen Kriegshafen zu beschützen. Zu diesem Zweck sind auf der kleinen Insel ungefähr 20 000 Mann zu- sammengezogen. Die Verteidigung des geographisch begünftigten Oahus stellt kein großes Problem dar. Die Insel ist 30 Meilen lang und 20 Meilen breit und bildet in ihrer Längsachse einen großen Korri­dor, der auf beiden Seiten von einer bis zu 1200 Meter hohen Bergkette umgeben ist. Nur die beide«