Ausgabe 
12.3.1938
 
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Gruppe durchweg in einheitlicher Tracht; dann kamen SA., ff und die Tausenden von Salzourgern, die an diesem Abend und mit diesem Marsch ihr Treue- bekenntnis zu Adolf Hitler und zu einem größeren Deutschland ablegten. Mitten aus dem Zug leuchtete ein Transparent mit der Aufschrift Heil Hitler!". Trommelwirbel begleitete den Zua durch die Straßen, in denen immer wieder der RufOesterreich erwache!" erscholl.

Die Marschteilnehmer nahmen auf dem Residenzplatz Aufstellung, der eine gewaltige nächtliche Kundgebung erlebte. An die 30 000 Menschen waren ausmarschiert, um ihr B e - kenntnis zu Deutschland und seinem Führer Adolf Hitler in unerhörter Ge. schlossenheit abzulegen. Dcm den brausenden Heil- rufen der Zehntausende wurde der Gauleiter des Gaues Salzburg, Dr. Reiter, empfangen, der eine kurze Ansprache an die Massen richtete. Seine Mitteilung von der Abdankung Schuschniggs und der Nachfolge Dr. Seyß-Jnquarts lüfte unbeschreib­lichen Jubel aus.

Noch in der Nacht vom Freitag aum Samstag wurden sämtliche Behörden, u. a. auch die Bundes- sicherheitswache, von der SA. und ff besetzt. Das innerliche Verständnis, mit dem die Beamten der Sicherheitspolizei die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung handhabten, fand bei der Bevölkerung freudige Aufnahme. Zwischenfälle ereig­neten sich nur wenige. So wurden in einem großen Cafö der Innenstadt drei höhere Heimwehr- angehörige, die sich in wüsten Schmähungen gegen das Reich ergingen, entwaffnet und aus die Bun- dessicherheitswache gebracht.. Um 12 Uhr nachts fielen sämtliche Kirchenglocken fast eine Stunde lang mit ihren ehernen Stimmen in die Heil-Hitler?'-Rufe der die nächtlichen Straßen be- lebenden Menschenmassen ein, die auch die ersten nach Oeffnung der Grenze eintreffenden Kraft- wagen aus dem Reich stürmisch begrüßten.

Nächtliche Dankkundgebungen in Linz.

Oberösterreichische Landesregierung wird neu gebildet.

Cln3, *12. März. (DNB.) Im nationalsozia­listischen Linz klang der denkwürdige Tag der Befreiung mit einer machtvollen nächtlichen Kundgebung auf dem Hauptplatz vor dem Rathaus aus, wo SA., ff und alle Organisationen und Formationen, die in den Abendstunden rie­sige Fackelzüge veranstaltet hatten, aufmar­schiert waren. Kreisletter Sepp Waltersdorfer hielt eine zündende, nach jedem Satz von der Be­völkerung mit tosenden Heilrusen unterbrochene Ansprache. Gauleiter Aichgruber gab dann be­kannt, daß SA. und ff mit sofortiger Wirkung als Hilfspoli^ei eingesetzt seien. Er richtete an die SA.» und -f-Männer den Appell, sich als Träger des neuen Staates der Forde- rungen der Stunde bewußt zu sein. An die Be­völkerung appellierte er, den Anordnungen der Hilfspolizei Folge zu leisten. Weiter teilte er mit, daß in wenigen Stunden die endgültige vberöster- reichische Landesregierung neugebildet sein werde. Zum Schluß seiner Ansprache erklärte er, daß nie­mand wegen seiner früheren Handlungen oder wegen seiner politischen Einstellung zu Schaden kommen werde. Man wolle keine Rache, man wolle die wahre Volksgemeinschaft. Nach dem begeistert aufgenommenen Sieg-Heil aus den Füh- rer Adolf Hitler und dem Deutschlandlied löste sich die Kundgebung in Ordnung auf, der die Wach­männer als geruhsame Zuschauer in den Neben­gassen beiwohnten. Auch in der Hauptstadt Ober­österreichs hat die Bewegung des geeinten deut­schen Volkes die öffentliche Gewalt über- n o m m e n. Alle öffentlichen Gebäude und Stornier sind von den Trägern des Nationalsozialismus besetzt.

Die Entscheidung in Graz.

Grenzenloser Jnbel der Bevölkerung

Wien, 11. März. (DNB.) Die steierische Landes- Hauptstadt glich am Freitag einem Kriegslager. Die gesamte Garnison war feldmäßig ausgerüstet wor­den. Don Wien waren am Freitagmittag 500 Feld­jäger, ebenfalls feldmäßig ausgerüstet, in Graz an­gekommen. Seit Mittag war die innere Stadt von Polizei abgeriegelt. Um 15 Uhr räumte die Gen- bornierte mit gefällten Bajonetten den Bismarck­platz. Danach wurde der Franziskanerplatz von einer Kompanie mit schußfertigen Gewehren und Maschinengewehren besetzt. Einige Kompanien Oer Säger hatten in der Schmidtgasse am Zugang zum Hauptplatz Aufstellung genommen. Auch an allen sonstigen Plätzen der Stadt stand Militär. Die Truppen wurden von der Bevölkerung rn i tH e i l Hitler" begrüßt. Die Geschäfte der inneren Stadt waren geschlossen. In der Umgebung der Stadt war ebenfalls Militär mit Jnfanteriekanonen und Maschinengewehren aufgestellt.

Die Polizeidirektion Graz und die Gendarmerie- posten vom Land hatten Die Anlegung von ©eifein Liften angefordert. Ferngespräche und Post führender Nationalsozialisten wurden über­wacht. Die Gegensätze zwischen Nationalsozialisten und vaterländisch getarnten Kommunisten hatten sich, wenn möalich, noch verschärft. Die Zusammen- stöße mehren sich stündlich. Die Kommunisten wur­den aus Eisenwerken mit Eisenstöcken, eisernen Rohren und Stahlgerten bewaffnet. Allein am Donnerstag gab es in Graz 50 k o m m u n i st i - s ch e Einzelüberfälle auf Nationalso- zi allsten, von denen etwa 20 verletzt wurden Sn den steierischen Städten wird das Straßenbild von den Nationalsozialisten beherrscht. Auch auf dem flachen Lande geht die Bauernschaft unter großer Begeisterung mit den Nationalsozialisten.

Die Nachricht, daß die Dolksbestagung abgesagt sei, ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt und rief unter der Grazer Bevölkerung grenzenlosen Jubel hervor. Mitten in diesen Jubel hinein kam auf Last­wagen neues Militär aus Wien. Die Ab- fperrung in der Stadt wurde dann aber angesichts der Stimmung der Bevölkerung aufgehoben, das Militär marschierte ab. Im Nu bildete sich ein Menschenstrom mit. den ununterbrochenen Rufen- Sieg Heil!" und ,^) e H unser Führer Adolf Hitler!". Man fang nationale Lieder usw. Zu großen Freudenkundgebungen kam es ins- besondere vor dem Rathaus, dem Sitz der Landesregierung. Ueberall tauchten in marschieren- den Kolonnen Hakenkreuzfahnen auf. Als die Nach- richt vom Rücktritt Schuschniggs bekannt wurde, erhob sich in der ganzen Stadt ungeheurer Jubel. Die Stadt gleicht einem Fahnenmeer. Zehntausende von Menschen durchziehen die Stadt. Alto tragen Hakenkreuzfahnen und Abzeichen. Ein Freudensturm ohnegleichen durchwogte die steierische

Landeshauptstadt. Die Masten hatten sich um 22 Uhr zu einem ungeheuren Fackelzug formiert. SA. und ff versieht den Ordnungsdienst in den Straßen.

Die Wahrheit über Oesterreich.

Schuschniggs Behauptungen restlos widerlegt

Wien, 11. März. (DNB.) Der frühere öster­reichische Bundeskanzler Schuschnigg hielt am heutigen Abend um 19.50 Uhr im Wiener Sender eine Ansprache, in der er eine Reihe von unwahren Behauptungen aufstellte. Herr Schuschnigg be­hauptete u. a., daß die deutsche Reichsregterung vom österreichischen Bundespräsidenten in einem befristeten Ultimatum die Bildung einer neuen Bundesregierung verlangt hätte. Diese Behauptung Schuschniggs ist un­wahr. Nicht die Reichsregierung stellte ihm ein solches Ultimatum, sondern österreichische Stellen und österreichische Mini ft er waren es, die angesichts der sich immer mehr zuspitzenden Lage in Oesterreich und der auf eine Katastrophe zusteuernden Politik des Bundes­kanzlers Schuschnigg dem Bundespräsidenten der­artige Forderungen unterbreiteten.

Herr Schuschnigg behauptete weiter, die deutsche Reichsregierung habe vom Bundespräsidenten m ultimativer Form verlangt,die Regierung nach den Vorschlägen der deutschen Reichs- regieruna zu wählen". Auch das entspricht nicht den Tatsachen, vielmehr Haden öster­reichische Regierungskreise in voller Er- kenntnis der Lage in Oesterreich dem Bundes­präsidenten solche Forderungen gestellt.

Drittens hat der gewesene österreichische Bundes­kanzler behauptet, das es erfunden fei, wenn er­klärt würde, in Oesterreich seien Unruhen aus» gebrochen und die Regierung sei nicht Herr der Lage. Hunderte von Berichten, die in aller Welt aus Oesterreich vorliegen, beweisen, daß bereits unzählige Zusammenstöße erfolgt waren, daß an zahlreichen Orten marxistische Unruhen stattgefunden hatten, kommu­nistische Haufen zum Beispiel sich in Wiener-

Neustadt bewaffneten und eine Unzahl von Über­fällen sich ereignet hatten, als Schuschnigg diese unwahren Behauptungen verlas.

Schuschnigg

bat Paris und London um Hilfe.

London, 12. März. (DNB. Funkspruch.) Die Time s" bringt einen dreispaltenlangen Wiener Bericht, in dem in alle Einzelheiten die Vorgänge in Wien und Oesterreich geschildert werden und der mit den Worten abschließt, daß der gestrige Tag den vollen Triumph der Nationalso­zialisten gebracht habe. Ihrer Uebermacht könne letzt in Oesterreich kein Widerstand geleistet werden.

Daily Mail" feilt mit, Schuschnigg habe gestern durch den österreichischen Gesand- fen in London, v. Frankenstein, in Lon­don anfragen lassen,auf welche Unter­st ü h u n g" er gegebenenfalls rechnen könne. Frankenstein fei milgeleill worden, daß Eng­land an den Ereignlsfen in Oesterreich luter- e f f i e r f sei, daß ober eine militärische Unterstützung (!) für Schuschniggs Politik nichtin Frage komme, wie ver­lautet, habe Schuschnigg ähnliche Nachfragen in Paris anstellen lassen.

Frankreich holte sich in Hom eine Absage.

London. 11. März. (DNB.) Reuter meldet aus Paris, daß die französische Regie­rung dem französischen Geschäftsträger in Hom gestern Instruktionen zugeleitet habe, nach denen dieser bei der italienischen Regierung anfragen solle, ob irgendeine Möglichkeit der Zu­sammenarbeit zwischen Frankreich und Ita­lien bezüglich Oesterreich bestünde. Die Ant­wort Roms habe gelautet, daßim Augenblick keine solche Möglichkeit" bestünde. Auch die Pariser havasageulur bestätigt den Inhalt die­ser Meldung.

Wie Wien nationalsozialistisch wurde.

Oie denkwürdige Nacht in Oesterreichs Hauptstadt.

Wien, 11. März. (DNB.) Dor der Rurrdfunk- ansprache, mit der Schuschnigg seinen Rücktritt be­kanntgab, haben sich in den Straßen der öster­reichischen Hauptstadt begeisterte Szenen ab­gespielt. Der spontane Einsatz der Massen des gut deutschen österreichischen Stammes hat ohne jede Beeinflussung von außen rein aus dem gesunden Gefühl des deutschen Blutes heraus den Gang der Dinge so beeinflußt, wie er als geschichtliches Er­eignis vor uns steht. Es ist kein Zweifel, daß es unmöglich gewesen wäre, in Oesterreich ein Regime durchzusetzen, das im strikten Gegensatz zur Dolks- stimmung steht.

Als durch den Rundfunk die Verschiebung der D o l k s a b ft i m m u n g bekanntgegeben wurde, strömte die Bevölkerung nach der Innenstadt hinein. In freudiger Erregung und im Vorgefühl des Sieges hatten sich die Massen vor allem am Ste- phansplatz, in der Kärntnerstraße und am Karls- platz gesammelt. Hier am Karlsplatz bildete sich gegen 19.30 Uhr ein Zug von Kundgebern, die durch die Innenstadt marschieren wollten. Ein junger Bursche, Franz Fiedler, setzte sich unter dem Jubel der Massen mit einer kleinen Haken­kreuzfahne an die Spitze des Zuges. Die Poli­zei, deren Dienstanweisungen noch nicht geändert waren, schritt gegen Fiedler ein und entriß ihm die Fahne. Da Fiedler sein Heiligtum nicht hergeben wollte, wurde das Tuch von der Fahnenstange ab« getrennt.

Mährend verhandelt wurde, sickerten die ersten Mitteilungen über die Rundfunkrede Schuschniggs und über seinen Rück­tritt durch. Es war für jeden klar, daß das den Sieg des deutschen Gedankens und der Sache der Bewegung des deutschen Volkes bedeutete. Die Menge brach In stürmische Heil hitler-Rufe aus und schloß daran Hell- rufe auf Seyß-Jnquart. Für jeden Mann auf der Slrahe war es fiar, daß er der neue Bundeskanzler fein würde. Auch die Polizei trug alsbald der Veränderung

der Lage Rechnung. Im Triumph konnte 4>as kleine Hakenkreuzbanner aus der Wache her- ausgeholl und wieder an der Fahnenstange be­festigt werden.

Es war kurz nach 20 Uhr, als sich der Zug vom Karlsplatz in Bewegung fetzte. Der Zug, der von Minute zu Minute um weitere Taufende anschwoll, ging wohlgeordnet im Sturmschritt durch die Kärtnerstraße über den Stephans platz, wo nun schon die Polizei dafür sorgte, daß fein Wagen­verkehr diese Freudenkundgebung mehr stören formte. Dann ging es weiter durch die Rote-Turm- Straße und den Hohen Markt in einem größeren Bogen durch die Innenstadt wieder zum Stephans- dom weiter über den Graben und durch verschiedene kleine Gassen am Minoritenplatz vorvei schließlich auf den Ballhausplatz vor das Bun- deskanzlerarnt. Aus den Nebenstraßen sind immer neue Züge dazugestoßen. Schließlich geht es im Laufschritt in einer Kolonne, die die ganze Strahenbreite einnimmt, die vordersten Reihen untergesaht; jeder will der Erste am Ballhausplatz fein. Im Nu sind Ordner zur Stelle. Sie haben sich über ihren Mantel oder über den Janker d i e Hakenkreuzbinde gestreift. Brausend schallten dieSieg-Heil!"-Rufe durch die altehr- würdigen Gassen der deutschen Donaustadt.

Vor dem Bundeskanzleramt verlangt die Menge stürmisch jubelnd den in dieser Stunde vom Volke erkorenen Bundeskanzler Dr. Seyß- 3nquarL Die Ordner bilden vor dem haupt- portal eine geschlossene kette, hinter der sich wie in den umliegenden Gassen die Massen Kopf an Kopf flauen. 3m Ru sind Hakenkreuz­wimpel und kleine Fähnchen zur Stelle. 3n den ersten Reihen des freudigbewegten Volkes bemerkt man u. a. den ehrwürdigen Schild- Halter der deutsch-österreichischen Wehr, Gene- ral Alfred Kraus, und den Präsidenten des Deutschen Klubs, General B a r t e f f. Dann braust das Deutschlandlied auf. Mil ent­

blößten Häuptern und mit gestreckten Armen ist es der 3ubelschrei der Erlösung, des Sieges einer unter Tränen der Freude sich verbrü­dernden Masse aus allen Schichten des Volkes. Unterwegs schon, während des Freudenmarsches, war der völlige Wandel der Wachmannschaften der Polizei sichtbar geworden. Auch die Sicher­heitsbeamten sind nun ersaht von dem großen Sinn der Stunde. Man merkt auch ihnen die Befreiung von einem Albdruck an. Sie sind froh, daß sie nicht mehr in die Gefahr kommen, in Erfüllung einer bitteren Pflicht gegen deutsche Volksgenossen vorgehen zu müssen. Das Wachkommando am Ballhausplatz hat den Auftrag, den im Bundeskanzleramt versammelten Ministern in diesem Augenblick der schicksalsschweren Entscheidung jede Störung fernzuhalten. Während immer neue Züge am Ballhausplatz eintreffen, bitten die Ordner um den Empfang einer Abordnung b* i Seyß-Jnquart. Sie wollen der Menge die Freude vermitteln, daß er als neuer Leiter der politischen Geschicke Oester­reichs an das Fenster tritt, um wenigstens ein paar Worte des Grußes zu sprechen und die Huldigungen von Hunderttausenden auch persönlich entgegen­zunehmen. Dr. Seyß-Jnquart läßt durch den Kom­mandanten der Wache des Bundeskanzleramtes mit­teilen, daß er im Augenblick den Erklärungen Schuschniggs nichts hinzufügen könne, daß er sich aber in aller Kürze über Den Rundfunk an das ganze Volk wenden werde. Er bäte dringend, seine gerade in dieser Stunde besonders dringliche und verantwortungsvolle Arbeit auch nicht für Minuten zu stören.

Schnell spricht sich das herum; die Ordner und Vertrauensleute sorgen für die Weitergabe in die Hinteren Reihen der wartenden Massen, und wieder kann man nur die Disziplin und den gesunden und verständnisvollen Sinn der Massen bewundern. Noch einmal ertönt das Deutschlandlied. Die Spitze des Zuges setzt sich in Bewegung, und während von den anderen Seiten immer neue Züge herankom- men, marschiert in voller Ordnung und ohne jede Regelung durch die Polizei die Menge weiter durch die anderen Teile der Innenstadt, heraus über die Ringe und die Altstadt und weiter hinaus in die Außenbezirke, um überall das freudige Erlebnis zu verkünden.

3uzwischen sind einige Kraftwagen erschienen, aus denen Hakenkreuzfähnchen her­aushängen und die ihre Beleuchtung aus» geschaltet haben, die durch lodernde Fackeln erseht ist. Bald darauf es ist kurz nach 21 Uhr treffen die ersten Trupps zu Fuß mit Fackeln ein und nun wälzt sich' eine ununterbrochene Kette von Menschen im Fackelschein am Ballhausplatz vorbei. Zeigt sich auch Seyh-3nquart nicht, so weiß doch das in langen 3ahren hartgeprüfte Volk , daß er für es die Verantwortung trägt und arbeitet und daß er im Geiste bei jedem Nationalsozialisten des schönen weilen österreichischen Landes ist. So geht es Stunde um Stunde. Bald nach 22 Uhr erscheint die Hakenkreuzfahne auf dem Polizeipräsidium, auf diesem Gebäude, in dem so unendlich viele Nationalsozialisten und treue Volksgenossen für die Gesamtheit des öster­reichischen Staates so bitteres Leid erduldet haben. Zu gleicher Stunde streifen die Polizisten die Hakenkreuzbinde über die Arme. Dien ist nationalsozialistisch.

Neuer Wiener Bürgermeister.

Wien, 12. März. (DNB.) Der frühere Vize- Bürgermeister von Wien, Lahr, wurde von Seyß- Jnquart 3 u m Bürgermeister von Wien ernannt. Auf dem Wiener Rathaus weht die H a - kenkreuzfahne. Fast zur gleichen Zeit, als aus den Fenstern der Polizeidirektion meterlange Haken­kreuzfahnen unter dem jubelnden Beifall der Menge entrollt wurden, wurde auch im ersten Stock­werk des Hauses der Vaterländischen Front das Symbol des Sieges gehißt. Die rie­sigen Krukenkreuzsymbole aus Glas, die über den beiden Eingangsportalen angebracht waren, waren im gleichen Augenblick verschwun­den. Die letzten Reste wurden in den Rinnsteinen zusammenaefegt. Don den Sturmkorpsleu­ten, die früher mit martialischen Mienen vor dem Fronthaus postiert waren und von dort aus die Bevölkerung terrorisierten, sieht man keine Spur. Die Wachmannschaften der Polizei mit der Hakenkreuzbinde haben den Schutz des Hauses übernommen.

Starker Eindruck in aller Wett.

Oie Ereignisse in Oesterreich im Spiegel des Auslandes.

Ruhige Scurtellung in Prag.

Prag, 12. März. (DNB.) Die Ereignisse in Oesterreich haben in allen tschechischen Kreisen größ­ten Eindruck gemacht. Daß die tschechischen Links- Parteien und ihre Angehörigen über die un­aufhaltsame Entwicklung nicht erfreut sind, ist kein Wunder. Dagegen weisen die sich immer stär­ker durchsetzenden tschechischen Rechtspar­teien darauf hin, daß sie schon längst auf eine Aenderung der politischen Lage in Mittel- curopa in diesem Sinne vorbereitet waren. Sie haben auch durch den Mund des Vorsitzenden der tschechischen Agrarpartei, Beran, auf die Not- wendigkeit hingewiesen, mit den Deutschen dies- feite und jenseits der Grenze in gutem 23 er­bat t n i s zu leben. Ueberall werden die Leitun­gen den Verkäufern aus der Hand gerissen, jedoch merkt man nirgends auffallende Anzeichen von Un­ruhe oder besondere Maßnahmen. Die Blatter war­ten eine amtliche Stellungnahme ab. Sie soll aufs Entschiedenste alle hier verbreiteten Gerüchte wider­legen, als ob die Tschechoslowakei besondere Maß­nahmen getroffen ober gar Waffen an österreichische Marxisten geliefert hätte.

Natten zei<?1 volle Sympathie.

Der Gang der natürlichen Entwicklung.

Mailand, 12. März (DNB. Funkspruch.) Der Sieg des nationalsozialistischen Gedankens in Oester- reich uttrd von der italienischen Presse begrüßt. Schlagzeilen verkünden, daß das Hakenkreuzbanner über Wien wehe und daß Oe st erreich nun» mehr nationalsozialistisch sei. Aus der Ausmachung geht hervor, daß man die Entwicklung in Oesterreich mehr ober weniger als eine Selbst­

Verständlichkeit betrachte, die keine alienie- renbe Beunruhigung zur Folge hat.

Giornale d'Jtalia" stellt fest, baß die Geschichte der Ereignisse selbst die Volkskundgebungen und die im ganzen Lande hochgehende Wogen der Be- geifterung der befte Beweis für eine po- ^litifcfje Realität seien, die sich durchsetzen müßte. In den Vorgängen dieser Tage und in dem neuen Stand der Dinge werde Oesterreich gewiß jene Elemente der nationalen und sozialen Ordnung fühlen, die dessen Zukunft und dessen Entwicklung innerhalb eines größeren Aktionsradius unter dem belebenden Instinkt der neuen Ideen sichern. Die österreichischen Ereignisse hätten ihre natür­liche Entwicklung genommen. Der neue, in

Oesterreich geschaffene Zustand werde vom ita­lienischen Volk mit Sympathie aus­genommen. Die nationalsozialistische Idee habe eine immer gewaltigere Volksbewegung ausgelöst, die schließlich und endlich zur Macht gelangen mußte. Aus den letzten Nachrichten könne man ersehen, daß die Lösung im ganzen Lande Begeiste­rung erweckt habe. Jy allen Zeitungen wird klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß die natio­nalsozialistische Revolution auch in Oesterreich ohne Blutvergießen die Macht errungen habe. Ueberall herrsche Ordnung und die national­sozialistischen Formationen arbeiteten mit der Po­lizei gemeinsam an der Aufrechterhaltung der Ver­bindung.

Eine neue Ordnung in Europa."

Oie pariser presse im Zeichen

Paris, 12. März. (DND. Funkspruch.) In großen Schlagzeilen befaßt sich die gesamte Pariser Presse mit den Ereignissen in Oester­reich. Die Blätter bringen zahlreiche falsche Gerüchte, die sie wahllos aneinanderreihen. Kein einziaes Blatt ist sich jedoch über den 2Ius- gang des 11. Mär) in Oesterreich im klaren. Mit besonderer Aufmerksamkeit wird der Widerhall der österreichischen Ereignisie i n b e r Tscheche- slowakei verfolgt. An einem bestimmten Stich­wort von amtlicher Seite scheint es zunächst doch zu fehlen. Man wartet augenscheinlich ab. bis die Entwicklung sich noch klarer abzeichnet. Allgemein wird natürlich die Machtergreifung durch den Na­tionalsozialismus in Oesterreich zum Anlaß von Betrachtungen zur Entwicklung der fron-

der österreichischen Ereignisse.

zösischen Regierungskrise genommen. Hierbei tauchen wieder Schlagworte von einer not­wendigen nationalen Union ober einer Re­gierung des öffentlichen Wohles auf.

Der sozialdemokratischePopulaire" schreibt u. a., bie Wiener Ereignisse würden die Achse Ber­linRom stärken.Libre" versucht Jta- lien aufzuhetzen. Man könne jetzt schon feststellen, daß in Europa eine neue Ordnung eingesührt worden sei. Das radikalsozialeOrdre" bedauert, daß bas internationaleDrama" Frankreich ln,?oIi'ler lnnerpolitischer Krise über- rasche Schwerwiegend, ja sogar tragisch sei, daß Frankreich unter solchen Umständen Gefahr laufe, gezwungen zu sein, alles mitzuerleben, ohne f o gar ein Wort sagen zu können, weder