Ausgabe 
12.3.1938
 
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lft.60 Erstes Matt

188. Jahrgang

Samstag, 12./$onntog,15. März 1938

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Das Hakenkreuzbanner über Oesterreich.

Oie nationalsozialistische Machtergreifung vollzog sich in ganz Oesterreich in voller Disziplin.-Geyß-Inquart hat eine neue Bundesregierung gebildet. Bitte um Entsendung deutscher Truppen zur Wiederherstellung der Ordnung.Begeisterte nächtliche Freudenkundgebungen der Bevölkerung im ganzen Lande.

Oesterreichs Schicksalswende.

Die lodernde Empörung, von der die deutsch­gesinnte Bevölkerung,Oesterreichs ergriffen ist, wird auch von uns vollkommen verstanden. Schuschnigg hat das Abkommen von Berchtesgaden, hat den deutschen Friedensvertrag, der am 12. Februar zwi­schen ihm und Adolf Hitler geschlossen wurde, ge­brochen. An dieser Tatsache ließ sich nicht mehr zweifeln, da feststeht, daß Herr von Schuschnigg zwar gewisse ausländische Stellen, nicht aber die deutsche Reichsregierung und nicht einmal seine eigenen Minister vorher von der geplanten Wahl­komödie unterrichtet hatte.

Es steht weiter fest, daß die plötzliche Aktion des österreichische RegieruNtzsführers nicht nur der Vereinbarung mit dem Reich, sondern auch dem Sinn und Wortlaut der österreichischen Mai-Ver­fassung zuwider lief. Die Abstimungsparolen, zu denen sich das Volk in Oesterreich bekennen sollte, waren nur Scheinparolen. Sie ließen wichtige Ver­fassungsgrundsätze vollkommen außer acht und öff­neten somit einer Entwicklung Tür und Tor, die höchstwahrscheinlich entweder bei der Militärdikta­tur oder beim Volksfront-Regime, wenn -nicht im Bolschewismus enden mußte. Die marxistischen Pro­vokationen, die während der letzten 48 Stunden überall im österreichischen Lande erfolgten, zeigten ja deutlich genug diese Linie.

Der Gewaltstreich, der am kommenden Sonntag gegen den Volkswillen in Oesterreich geführt wer­den sollte, stellte demnach eine persönliche Eigen­mächtigkeit Schuschniggs dar, wobei zunächst un­entschieden bleibt, ob dieser Plan seinem eigenen Kopfe entsprungen ist oder durch jene internatio­nalen Mächte entworfen wurde, die seit jeher in Wien nur eine Angriffsbasis gegen das Deutsch­tum erblickt haben. Wo die Bundesgenossen und Hintermänner sitzen, auf die sich Schuschnigg stützte, das allerdings ist nicht fraglich. Ein Blick auf die innerösterreichischen Vorgänge der letzten Tage lehrt, daß es neben den Juden vor allem Marxisten und Kommunisten waren, die sich für den Wahlschwindel begeisterten. Ein Blick in die Auslandspresse verrät ferner, daß gerade die Organe der Volksfront, des politischen Katho­lizismus, des internationalen Marxismus und aller übrigen d-utschfeindlichen Kräfte die Politik Schuschniggs am lautesten begrüßten.

Wirllich, es war eine merkwürdige, aber uns nur zu wohlbekannte Gesinnungsgemeinschaft, in die sich Schuschnigg begeben hatte. Freilich werden auch diese antideutschen Mächte, die in den letzten Jahren so manche Niederlage einstecken mußten, nicht verhindern können, daß das deutsche Volk in Oestereich seinen Weg geht. Und wenn Schuschnigg glaubte, mit Hilfe von Polizei und Militär das Volk niederzuknüppeln und vergewaltigen zu kön­nen, wenn er meinte, sich durch Zwangsabstimmun­gen und Wahlfälschungen ein Alibi vor der Welt verschaffen zu können, wenn er schließlich erwar­tete, eine weltanschauliche Glaubensbewegung lasse sich durch solche Kniffe aufhalten, so sind das alles Auffassungen gewesen, die durch den Ablauf der Ereignisse' sehr schnell widerlegt wurden.

Das deutsche Volk in Oesterreich hat am gestrigen Freitag sich durch sein offenes Bekenntnis zum Nationalsozialismus allen Vertuschungsmanövern und Verschleierungsversuchen, die die wahre Dolks- stimmung in Oesterreich umzufälschen versucht haben, mit aller wünschenswerten Eindeutigkeit widersetzt. Obwohl es klar auf der Hand lag, daß Schuscknigg vom ersten Tage an nicht gewillt war, das Abkommen von Berchtesgaden zu halten, hat sowohl das Deutsche Reich, wie die nationalsozia­listische Bevölkerung Oesterreichs sich in loyalster Weise an die Abmachungen von Berchtesgaden ge­bunden gehalten. Schuschnigg dagegen hat bereits am 16. Februar dem Vertreter der New-Pork-Times in Wien vertraulich seine Absicht mitgeteilt, die in­zwischen kläglich zusammengebrochene Wahlkomödie zu inszenieren. Nicht einmal seinen engsten Mit­arbeitern im Kabinett hat er hiervon Mitteilung gemacht. Mit geradezu Metternichschen Methoden hat er versucht, sein Regime der Gewalt aufrecht­zuerhalten. Die Volksstimmung selbst hat ihn hin- weagefegt.

und wenn nun die neue, aus zuverlässigen natio­nalen Männern gebildete österreichische Regierung mit ihrem in kritischen Tagen bewährten Bundes­kanzler Seyß-Jnquart an der Spitze sich an den Führer mit der Bitte gewandt hat, deutsche Truppen zur Unterstützung der ihrer jetzt har­renden Aufgaben zu entsenden, so darf die Welt überzeugt sein, daß jetzt im deutschen Oesterreich eine Ordnung geschaffen wird, die den Belangen des deutschen Volkes und seiner politischen Ueber- zeugung vollauf gerecht wird. Frei und ehrlich wird Oesterreich über seine Zukunft bestimmen können.

Mit herzlicher und aufrichtiger Teilnahme hat das deutsche Volk die letzten Ereignisse in Oester­reich verfolgt, die letzten Versuche eines volks­fremden Systems, dem Rad der geschichtlichen Ent­wicklung durch brutalen Terror in die Speichen zu sollen. Mit größter Freude haben wir im Reich bi< nationalsozialistische Machtergreifung in Wien

und in den österreichischen Bundesländern begrüßt. Wir sind überzeugt, daß das deutsche Volk in Oesterreich nunmehr, vom schweren Joch einer jahrelangen Unterdrückung befreit, seine Zukunft neu gestalten wird zum eigenen Wohle, wie zum Nutzen Europas, zu dessen Befriedung die Neu­ordnung in Oesterreich einen wesentlichen Beitrag darstellen wird.

Schuschnigg verschwindet.

Wien, 11. Wärz. (DRB. Funkspruch.) Amtlich wurde bekannlgegeben, daß der Bundeskanzler sich nach Berichterstattung an den Bundespräsidenten entschlossen habe, die Volksbefragung zu ver- schieben, wenig später gab Schuschnigg im Rund­funk seinen Rücktritt bekannt.

Telegramm an den Führer.

Bitte um Entsendung deutscher Truppen.

Berlin, 11. März. (DRV.) Minister Seyh- Jnquart sandte dem Führer und Reichskanzler folgendes Telegramm:Die provisorische österrei­chische Regierung, die nach der Demission der Regie­rung Schuschnigg ihre Aufgabe darin sieht, die Ruhe und Ordnung in Oe st erreich wiederherzustellen, richtet an die deutsche Regierung die dringende Bitte, sie in ihrer Auf­gabe zu unter st ühen und ihr zu helfen, Blutvergießen zu verhindern. Zu diesem Zweck bittet sie die deutsche Regierung um baldmöglich sie Entsendung deutscher Truppen. Seyß-Jnquart."

Eeyß-Äquari bildete eine neue Regierung nationaler Männer.

Das neue Kabinett.

Wien, 12.März. (DRB.) Radio Wien ver- kündete um 23.14 Uhr folgende Meldung:

Der Bundespräsident hat unter dem Druck der innerpolitischen Lage den Bundes- minister Seyß-Jnquart zur Aufrechterhal­tung von Ruhe und Ordnung mit der Füh­rung des Bundeskanzleramtes be­traut." Um 1.30 Uhr wurde vom Balkon des Bundeskanzleramtes von Staatsrat Dr. Jury d i e neue Ministerliste bekanntgegeben. Danach hat der Bundespräsident auf Vorschlag des Bun­deskanzlers Dr. Seyß-Jnquart ernannt:

Zum Vizekanzler den Generalstaatsarchivar Dr.

Edmund Glaise-Horstenau,

zum Bundesminister für auswärtige Angelegen­heiten den Ministerialrat Dr. Wilhelm Wolff, zum Bundesminister für Justiz den Rotar Dr.

Franz 0 lieber,

zum Vundesminister für Unterricht den Univer- sitätsprofesfor Dr. Oswald M e n g h i n,

zum Bundesminister für soziale Verwaltung den Staatsrat Hugo Jury,

zum Vundesminister für Land- und Forstwirt­schaft den Landwirtschaftsingenieur Anton Rheinthaler,

zum Vundesminister für handel und Verkehr den Staatsrat Dr. Hans F i s ch b ö ck,

zum Vundesminister für Finanzen den Ober­finanzrat Dr. Rudolf Reumayer.

Ferner hat der Bundespräsident den Bundeskanz­ler Dr. Seyß-Jnquart mit der Leitung des Bun­desministeriums fürLandesverteidi- gung betraut Schließlich hat der Bundespräsident

den Präsidenten der Bundespolizeidirektion Dien, Dr. Michael S k u b l, zum Staatssekretär ernannt und dem Bundeskanzler zu besten Vertretung in Angelegenheiten des Sicherheitswesens beigegeben. Dem Bundeskanzleramt wurden beigegeben: für die Angelegenheiten des Sicherheitswesens pg. Dr. Ernst Kaltenbrunner und für die Angelegen­heiten der politischen Wiltensbildung pg. Major Hubert Klausner.,

Dem neuen Kabinett gehören von der bisherigen Regierung nur an der frühere Innenminister Dr. Seyß-Jnquart, der zum Bundeskanzler er­nannt wurde, Bundesminister Dr. G l a i f e -Hor­st e n a u, der von nun an das Amt des Vizekanz­lers bekleidet, sowie Dr. Neumayer, der weiter wie bisher Finanzminister bleibt. Dem neuen Außenminister Dr. Wolff war zuletzt das Amt des Treuhänders für die Pressebeziehungen mit dem Deutschen Reiche anoertraut. Justizminister Dr. Hueber ist, aus der nationalen Heimschutzbewe­gung kommend, der Schwager des Gene­ralfeldmarschalls Göring, ein seit Jah­ren bekannter Vorkämpfer der gesamtdeutschen Be­lange. Er war 1930 kurze Zeit Justizminister. Un­terrichtsminister Dr. Oswald Menghin genießt als früherer Rektor der Wiener Uni­versität einen ebenso bedeutenden Rus, wie der Handelsminister Dr. Fischböck, der Spezialist für Wirtschaftsfragen ist. Dr. Kaltenbrunner, der für die Angelegenheiten des Sicherheitswefens dem Bundeskanzleramt beigegeben worden ist, war bisher Führer der österreichischen jf. Major Hubert Klausner schließlich, dem eine Sondermission für die Fragen der politischen Wil- lenSbildung anoertraut wurde, war der Nachfolger des bisherigen Landesleiters Hauptmann Leo­pold. In gleicher Eigenschaft wie bisher blieb Dr. S k u b l Staatssekretär für das Sichercheitswefen.

Lin Volk, ein Reich, ein Führer." »Oesterreich ist frei und nationalsozialistisch."

Jn unvergleichlicher Disziplin."

Der Führer der österreichischen National­sozialisten im Rundfunk.

Wien, 12. Wärz. (DRV.) Der Führer der österreichischen Rationalsoziatisten, Wajor Klaus­ner, hielt um 1 Ahr im Wiener Rundfunk folgende Ansprache:

In tiefer Bewegung verkünde ich in dieser feier­lichen Stunde: Oe st erreich ist frei gewor­den! Oe st erreich ist nationalfoziali- st i s ch! Durch das Vertrauen des ganzen Volkes emporgetragen, ist eine neue Regierung ge­bildet worden, die nach den Grundsätzen unserer herrlichen nationalsozialistischen Bewegung ihre ganze Kraft für das Glück und den Frieden dieses Landes einsehen wird. Arbeit und Brot für alle Volksgenossen zu schaffen, wird ihre erste Aufgabe sein.

Wieder ist eine nationalsozialistische Erhebung i n unvergleichlicher Disziplin verlaufen. Denn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß uns die Wacht auch in diesem Staate gebührt, so war es diese einzigartige Erhebung und Wacht- ergreifung. Riemand wurde etwas zu Leide getan. Dafür danke ich und dankt das ganze deutsche Volk1 in Oesterreich vor allen den Kameraden derl SA. und ff. |

In dieser Stunde gedenken wir in tiefer Dank­barkeit und Liebe unseres Führers Adolf Hitler. Run wehen die Hakenkreuzfah­nen siegreich über seiner Heimat. In Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenken wir der Toten der Bewegung, die im Kampfe um Oesterreich fielen. Ihr Opfer fand nun beste Erfüllung. An euch, deutsche Volksgenossen und Volksgenossinnen, aber ergeht mein Ruf: An die Arbeit! Unser Ziel ist erreicht! Ein Volk, ein Reich ein Füh­rer! HÄI unserem Führer! heil Hitler!"

Die Tiroler Landesregierung von Äaiionalsozialisten übernommen.

Ungeheurer Jubel in Innsbruck.

Innsbruck, 12. März. (DNB.) Während m der Stadt der Jubel der Machtübernahme durch Nationalsozialisten in Oesterreich anhält, mehr als zehntausend Menschen begeisterte Kund- gedungen für den Führer, das R-ich und ein freies deutsches Oesterreich veranstalten und endlose Züge aufmarschieren, hat sich in vollkommener Ruhe die Uebernahme aller Behörden und Amts st eilen voll­zogen. Die SA. und ff besetzte in den späten Abendstunden den Sitz der Tiroler ß a n » desregierung, wo die Führung der Tiroler Nationalsozialisten die Amtsgeschäfte übernahm; der derzeitige Gauleiter der NSDAP, von Tirol,

C h r i st o p h , ist zum Landeshauptmann ernannt worden. Sein Stellvertreter ist Landes- statthatter Dr. K n ö p f l e r. Alle Posten der bis­herigen Bezirkshauptleute sind von der NSDAP, übernommen worden. Zum neuen Sicherheits- öireftor für Tirol wurde der bisherige ff« Standartenführer Fleiß berufen. Polizei­präsident von Innsbruck wurde Dr. Fran­zelin, der frühere stellvertretende Gauleiter von Tirol, Rechtsanwalt Dr. Denz wurde B^ür ger- meister der Landeshauptstadt Inns­bruck. Alle genannten Persönlichkeiten gehören der nationalsozialistischen Bewegung an. Ebenso wur­den alle anderen wichtigen staatlichen Behörden und

Heute 12 !lhr: De. Goebbels verliest eine Proklamation des Führers.

Berlin, 12. März. (BJ1B.) Seidjsminiffer Dr. Goebbels verliest heule mittag 12 Uhr über alle deutschen Sender eine Proklamation des Führers.

Das deutsche Volk flaggt.

Berlin, 12. Wärz. (DRB.) Aus Anlaß des nationalsozialistischen Umbruchs in Deutsch-Oester­reich hat der Reichsminister des Innern f ü r sämtliche Behörden sofortige Be­flaggung von Samstag bis einschließlich Won­tag angeordnet. Der Reichsminister für Volksauf­klärung und Propaganda fordert die Be- völkerung auf, ihre Freude über die Befreiung Deutsch-Oesterreichs durch Beflaggung an den gleichen Tagen zum Ausdruck zu brin­gen. Auch am morgigen Heldengedenktag wird vo11mast geflaggt. Rur während der Feiern von 8 bis 14 Uhr werden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Schriebe sowie die Amtsräume der Vaterländischen Front übernommen. Zu Zwischenfällen ist es nir­gends gekommen. Eine Anzahl von Leuten, die bis­her im polittfchen Leben eine Rolle gespielt Haden, wurden in Schutzhaft genommen, darunter der Landesstatthalter Ingenieur Gerber und der Landesamtsdirektor, Hofrat F a b r i t i u s. Auch aus allen übrigen Orten Tirols liegen Meldungen über begeisterte Kundgebungen der ge­samten Bevölkerung vor. Von allen Amtsgebäuden und allen Rathäusern wehen die Hakenkreuz­fahnen, in deren Zeichen die ganze denkwürdige Nacht in Tirol steht.

Salzburgs Bekenntnis zum Hakenkreuz.

Nächtliche Freudenkundgebung auf dem Residenzplatz.

Salzburg, 11. März. (DNB.) Die Stadt Salzburg feierte die Befreiung vom Regime Schuschnigg in einer so einzigartigen geschlossenen Kundgebung, wie sie Salzburgs Bevölkerung in der Vergangenheit noch nicht erlebt hat. Bereits in den Nachmittagsstunden ging es wie ein Aufatmen durch alle Herzen, als die Kunde von der Verschie­bung der sogenanntenVolksabstimmung" wie ein Lauffeuer durch die Stadt eilte. Mit hellwachsen­der Begeisterung grüßten fick die Menschen, die das Hakenkreuz trugen, mit dem Deutschen Gruß. Adolf Hitlers Name war bald in aller Munde. Wie ein schlechter Witz erschien es, daß an den Plakatsäulen immer noch Wahlaufrufe Mit Schuschnigg für Oesterreich" auf geklebt wur­den.- Die Begeisterung steigerte sich immer mehr, je mehr die Stunde der großen öffentlichen Kundgebung auf d e m Refidenzplatz sich näherte, wo tags zuvor die disziplinierte Frie­densdemonstration der salzburgifchen National­sozialisten das Eintreten für ihre Ueberzeugung mit sechs Schwerverletzten und einem Toten hatte be- zahlen müssen. Den Höhepunkt erreichte die Fest­stimmung der Salzburger Bevölkerung in der sie­benten Abendstunde, als sich die Menschen zu Tau­senden und aber Tausenden nach einem und dem- selben Ziele drängten, zu den breiten Ufern der Salzach vor dem Realgymnasium, wo sich der Auf- marsch der Organisationen und der ganzen Bevöl­kerung zusammenfetzte.

Ueberafl in den Straßen der Altstadt sammelten sich die ersten Marschblöcke. Allerorts entfalteten sich Hakenkreuzwimpel. Die brausenden Heil-Rufe auf den Führer pflanzten sich von Straße zu Straße fort. Ueberall an den Fenstern erschienen die Haken­kreuzfahnen. In der gleichen mustergültigen Auf­stellung vollzog sich der Marsch durch die Straßen der Altstadt zum Residenzplatz. Voran die Jugend mit ihren Fahnen, HI-, Jungvolk, DDM^, jedtz