halten jedoch die Fühlungnahme aufrecht. Mit dieser Abmachung ist also das gemeinsame Unterrichtswerk „Häuser der Kurzschrift" erloschen und jede Organisation arbeitet wieder für sich allein.
Wie aus den Ankündigungen ersichtlich, beginnen die Lehrgänge in Kurzschrift und Maschinenschreiben des 'Ortsvereins Gießen der Deutschen Stenographenschaft am Donnerstag, 13. Januar, und Freitag, 14. Januar, in der Oeffentlichen Handelslehranstalt, Wernerwall 11, also nicht mehr, wie früher, in der Alten Pestalozzi-Schule.
Ueber den großen Wert, den die Kenntnis der Kurzschrift und des Maschinenschreibens allen, die mit Schreibarbeit zu tun-haben, bietet, ist sich heute jedermann klar.
Hauptversammlung
des VHC.-Zweigverein« Gießen.
Der Zweigverein Gießen des Vogelsberger Höhen» Clubs hielt dieser Tage, wie man uns berichtet, im Hotel Hopfeld feine Hauptversammlung ab, um Rückschau zu halten bzw. um seinen Mitgliedern Rechenschaft abzulegen über die im vergangenen Jähre geleistete Arbeit.
Rach der Begrüßung durch den Vereinsführer, Oberinspektor Hardt, wurde zunächst von dem Wandermeister ein Bericht über die 14 planmäßig durchgeführten Wanderungen gegeben. Außerdem führte eine zweitägige Wanderung in das Sauerland und eine am Himmelfahrtstag veranstaltete Sternwanderung nach Bad Homburg. Die planmäßigen Wanderungen führten auch im vergangenen Jahre teils in die engere Heimat, in den Vogelsberg und in den Taunus, aber auch in das waldreiche und von schönen Tälern durchschnittene Hinterland. Die Wanderungen erfreuten sich durchweg einer guten Beteiligung. Die Wanderwege waren von den jeweiligen Wanderführern geschickt ausgesucht. Manchem Kameraden erschloß sich wieder ein neues Stück deutscher Heimat.
Der Wegebezeichnungs-Ausschuß, der im Jahre 1937 aus eine 25jährige erfolgreiche Arbeit zurückblicken konnte, hat wieder einen Teil der von Gießen sowie von den umliegenden Ortschaften ausgehenden Wegemarkierungen aufgefrischt. Das vom Wegebezeichnungs-Ausschuß des Zweigvereins Gießen zu unterhaltende Wege-Markierungsnetz erstreckt sich über 500 Kilometer. Aus Anlaß der 25jährigen Tätigkeit des Wegebezeichnungs - Ausschusses wurde wieder eine neue Markierung ge
schaffen, die „Rund um Gießen" führt und mit roten Ringen gekennzeichnet ist.
Der Kassenbericht lautete befriedigend. Der Zweigverein blieb seiner Mitgliederzahl nach, nach Zu- und Abgängen sowie nach Ueberweisungen von Mitgliedern aus anderen Zweigvereinen, in seinem Mitgliederbestand auf der Höhe des Vorjahres bestehen. Die Monatsversammlungen waren jeweils durch Vorträge verschiedener Art sowie durch musikalische Darbietungen anregend gestaltet worden. Im Rahmen einer größeren Familienfeier wurden die fleißigen Wanderer ausgezeichnet. Den Kindern der Mitglieder wurde eine wohlgelungene Nikolausfeier bereitet. Der» für das Jahr 1938 zusammen- gestellte Wanderplan, der allen Wünschen gerecht wird, fand volle Zustimmung.
Zum Schlüsse dankte Vereinsführer Hardt allen Mitarbeitern für die geleistete Arbeit und forderte aus, stets werbend für die schöne Wandersache einzutreten.
** Arbeitsjubiläum. Am heutigen Mittwoch, 12. Januar, kann der Kraftfahrer Louis Geller, Gießen, Wiesenstraße 11, sein 25jähriges Arbeitsjubiläum bei der hiesigen Firma Joh. Balth. Noll, Zigarrenfabriken, begehen.
** Eine Dierundachtzigjährige. Am heutigen Mittwoch, 12. Januar, kann Frau Susanne H e n z e r l kn y, geb. Bierau, Neustadt 36, in voller geistiger und körperlicher Frische ihren 84. Geburtstag feiern. Wir beglückwünschen!
*♦ Schulpersonalien. Der Studienrat Johannes B e y r i ch , bisher an der Horst-Wessel- Schule (Oberschule für Jungen) in Offenbach a. M., wurde in gleicher Diensteigenschaft mit Wirkung vom 1. Januar 1938 ab an die Oberschule für Mädchen in Gießen versetzt. — Der Hausmeister Hermann Koch, bisher an der Gewerbeschule Gießen, wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Oberschule für Jungen („Langemarckschule", seither Realgymnasium) versetzt.
** Unfälle. Ein 12jähriger Junge aus der Frankfurter Straße kam beim Schleifen auf eisglatter Straße zu Fall und zog sich einen Schulterbruch zu. — Ein Mann aus der Ederstraße rutschte im nässen Schnee aus und erlitt ebenfalls eine erhebliche Schulterverletzung. — Eine Schülerin aus der Frankfurter Straße stürzte beim Schlittschuhlaufen und zog sich dabei einen Unterschenkelbruch zu. Sämtliche Verunglückte mußten in die Chirurgische Klinik gebracht' werden.
Die neue Straßenverkehrs-Ordnung.
Unser Verkehrsfachmann hat das Wort.
Vie überwacht die Polizei den Verkehr? — Die Dienstanweisung über die neuen Verkehrsvorschriften.
Die seit dem 1. Januar dieses Jahres gültige gesetzliche Neuregelung der Vorschriften über den Straßenverkehr stellt erhöhte Ansprüche an die mit ihrer Durchführung beauftragten Organe der Polizeiexekutive. Der Verordnungstext mußte selbstverständlich kurz und knapp gehalten sein, so daß sich die Notwendigkeit genauer Dienstvorschriften für die zur Derkehrsüberwachung' eingesetzten Polizeibeamten ergab.
Soeben ist die Dienstanweisung zur Durchführung der Vorschriften über den Straßenverkehr erschienen-, sie geht den Polizeibehörden in diesen Tagen zu. Im Rahmen dieser Vorschriften werden die Polizeibeamten im ganzen Reich einheitlich den Kampf gegen den Verkehrsunfall aufnehmen, und zwar haben nicht nur die besonders zur Verkehrsüberwachung eingesetzten Verkehrspolizeibeamten, sondern alle anderen Polizeibeamten sich bei ihren Dienstverrichtungen der Ueberwachung des Straßenverkehrs zu widmen.
Die Dienstanweisung schreibt im einzelnen dem Polizeibeamten genau vor, wie er die Bestimmungen der neuen Verkehrsoorschriften anzuwenden hat. Don besonderer Bedeutung ist dabei der Dor» spruch zur neuen Straßenverkehrs-Ordnung, nach dem nicht „die kleinliche Anwendung der Vorschriften in jedem Falle, sondern eine ihrem Ziel entsprechende Handhabung" Sinn und Zweck der polizeilichen Tätigkeit sein muß. Die Dienstanweisung bestimmt ausdrücklich, daß „sich der Polizeibeamte von diesem Grundgedanken stets leiten lassen und damit seine Verkehrsfreundlichkeit gegenüber allen verantwortungsbewußten Volksgenossen beweisen muß. Andererseits ist gegen leichtsinnige oder gar rücksichtslose Verkehrsteilnehmer, deren
Verhalten geeiand ist, andere in Gefahr zu bringen, scharf vorzugehen."
Wenn z. B. ein Fahrer eine unübersichtliche Kurve schneidet, so wird dies als außerordentliche Rücksichtslosigkeit gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern angesehen und empfindlich bestraft. Korrektes und höfliches Auftreten der Beamten bei Durchführung der verkehrspolizeilichen Maßnahmen ist selbstverständliche Pflicht. Jede Schärfe im Ton wird von ihnen vermieden werden.
Strafen dem Schuldmah angepaht!
Bei allen Ueberiretungen der Verkehrsvorschriften werden die Straf- und Derwaltungsmahnahmen der Art und Schwere der Verstöße angepaßt werden. Soweit eine gebührenfreie Verwarnung nicht ausreicht, werden fühlbare Polizeistrafen verhängt. Dabei wird die BedeLung der Tat, die Schuld des Täters und seine Vermögenslage berücksichtigt werden. In schweren Fällen, insbesondere immer dann, wenn mit einem unvorschriftsmäßigen Verhalten des Betroffenen eine Verkehrsgefährdung verbunden war, werden Geldstrafen in Höhe von mindestens 6 Mark oder entsprechende Haft ausgesprochen werden.
Für leichtere Uebertretungen sieht die Dienstanweisung ausdrücklich Geldstrafen vor, die nicht die Höhe von 5 Mark oder entsprechende Haft überschreiten sollen, um die für den Kraftfahrer so unerwünschte Eintragung der Strafen in den Führerschein in diesen Fällen zu vermeiden. Mit diesem Entgegenkommen trägt die Polizei den Erfahrungen mit dieser sehr empfindlichen Sondermaßnahme Rechnung und beschränkt sie nur auf die wirklich schweren Uebertretungsfälle.
Wie werden Verkehrskontrollen durchgeführt?
Bei der Durchführung von Verkehrskontrollen wird die Polizei den Führern der durch die, Äon»
Halten, jedoch ohne Mitwirkung eines zweiten Teilnehmers.
Es bestehen in dem Schaufensterwettbewerb fünf Leistungsklassen, für das erste, das zweite und das dritte Lehrjahr, für Arbeitskameraden bis zum fünften Berufsjahr nach vollendeter Lehre, wobei Arbeitsdienst und Wehrdienst als Berufsjahre zählen, und für Arbeitskameraden vom sechsten Berufsjahr aufwärts.
Die verschiedenen Geschäftszweige werden in folgenden Gruppen zusammengefaßt: Eisen und Me- tallwaren; Glas und Porzellan; Photo, Optik und Mechanik; Uhren, Schmuck, Gold- und Silberwaren; Textilien; Leder- und Schuhwaren; Raumgestaltung (Möbel, Teppiche, Gardinen, Tapeten, Linoleum); Nahrungs- und Genußmittel; Rundfunk, Schall- platten und Musikinstrumente; Buch-, Zeitschriften- und Musikalienhandel; Papier- und Schnitzwaren, Büroeinrichtungen und Büromaschinen; Spiel- und Korbwaren; Drogerien, Gesundheits- und Körperpflege; Farben und Lacke; Kunst- und Antiquitätenhandel; Blumenbindereien. Dabei werden die verschiedenen großen Schwierigkeiten bei der Bewerbung berücksichtigt. Jedes im Wettbewerb stehende Fenster wird mit einem Teilnehmerschild gekennzeichnet. Besonders gute Fenster werden durch eine Urkunde von der Wettbewerbsleitung ausgezeichnet.
Dank von „Schorsch" Heß.
Der oberhessische Heimatdichter Schorsch Heß, Leihgestern, dankt für die ihm übermittelten Glückwünsche zu seinem 5 0. Geburtstag mit folgenden Zeilen:
Fir all die Gleckwinsch ean die Grihse, oab se aus ßaaftem1) komme, oawer „Gieße", ob aus em Odenwald, vom Dugelsberk, vom Rhei', ihr Gratulante all — auf) danke Uch räächt fei'. Es woar'n so viele — näit ze iwerdreiwe — deaß aich näit Jedem kann e’ Antwort schreiwe; drimm moag mein Dank on Uch-) off dem Weg komme, wuher ihr'sch weaßt, deaß „Fofzig" aich erklömme..
Es wsar e' Fraad fir mich, ihr dirft m'fch glaawe, un’ mancher Gruß der koom — do noh ean weit, — Hot mich erinnert o viel schiene Stonne, däi ich v'rleawe könnt ean meiner Jugendzeit.
Hun aich aach offt ean meiner dearwe Dat3) goar rnanchrnoul Uch de Spiej'lH virgehaale dem Städter, un wann's sei mußt aach d'm Land, seid mir näit dies, mir bleiroe doach die Aale.
's woar hoatt3) geschwaßt/) doach gout gemah'U) do mir, doas woas aich wollt — wird Wirklichkeit eam deutsche Land, mir könne nur u's Deutschtum un’ u's featbft er- haale,
wann mir zesommeftieh als Bräuer, Hand eqn Hand.
Mein aale Hauptmann schreibt: „Hornist > Gefreiter Heß,
mit der Bezeichnung, in Erinn'rung ist mir Dein Gesicht,
Blas' ohne mein Befehl zum „Avancieren" weiter für unsre Jugend, daß sie tue ihre Pflicht!"
Jawohl! — Solang' de Herrgoatt mir noach schenkt d's Leawe, mach aich — wenn aach offt falsch o'rstanne — noch mei „Späß", wer Däifer8) gräbt, der wird viel „Ernst" drean feanne!...
Aich bleiroe woas aich rooar — woaschecht — en Owerheß!.
H Leihgestern, 2) Euch, 3) Art, 4) Spiegel, 5) hart, 6) geschwätzt (gesprochen), 7) gemeint, 8) tiefer.
„Häuser der Kurz christ" aufgehoben.
Vom Ortsverein Gießen der Deutschen Stenographenschaft wird uns geschrieben:
Zwischen der Deutschen Arbeitsfront, Amt für Berufserziehung und Betriebsführung, und der Deutschen Stenographenschaft, Reichsgeschäftsführung Bayreuth, mit Zustimmung des Gauleiters der Bayrischen Ostmark W ä ch t l e r, der die weitgehendsten Vollmachten der Deutschen Stenographenschaft besitzt, wurde eine Vereinbarung getroffen, nach welcher der am 3. November 1936 zwischen diesen beiden Organisationen geschlossene Vertrag außer Kraft gesetzt worden ist. Beide Stellen erhalten damit völlige Handlungsfreiheit,
Mamanten-Komödie
Roman von Lorst Biernath.
28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Und die bestünden worin2"
„Daß ich Sie isoliere."
„Klingt allerdings besser als Einsperren."
„Ist mir völlig gleichgültig, wie es klingt! Jedenfalls haben Sie mich verstanden?"
„Ja. Und wenn Sie es wünschen, werde ich den Mund halten. Im übrigen aber verspreche ich Ihnen nicht weniger feierlich, als Sie mir verschiedenes versprochen haben, daß diese Geschichte noch ein Nachspiel haben wird und kein billiges!"
„Ditte sehr — tun Sie, was Ihnen gefällt! Und dort ist die Tür?"
„Danke! Ich bin nicht blind! Aber für Ihre Umgangsformen sollten Sie wirklich mal was Ernsthaftes tun..." An der Schwelle drehte Martini sich noch einmal zu Humphrey um: „Ich wollte Sie nur an die Schnäpse erinnern, Timperly, die Sie mir noch immer schuldig sind! Schließlich — eine Liebe ist der andern wert." Und dann war er draußen.
„Sie lassen den Burschen laufen?" fragte Olefson empört.
Zanten legte den Zettel, den der Arzt ihm übersandt hatte, mit einer entsagungsvollen Bewegung auf den Tisch: „Wilkens teilt mir mit, daß während seiner und der Detektive Abwesenheit zum zweitenmal in* Die Kabine eingebrochen worden ist. Der Panzerschrank, den ich zugedrückt hatte, wie Sie sich erinnern werden, ist wieder geöffnet worden, die verschlossenen Koffer der Detektive sind erbrochen, die Schränke ausgeräumt, die Betten her- ausgerissen und die Matratzen teilweise ausgeschnitten."
„Und Ihre Beweise gegen Herrn Martini?" fragte der Erste kühl und sauer wie Zittoneneis. Für die Aussichten Zantens, aus dieser verfahrenen Geschichte mit Anstand herauszukommen, hätte er jetzt auch nicht mehr einen Pfifferling gesetzt.
„Was sonst", rief Humphrey überstürzt, „als daß eben mehrere Kerle an Bord sind, die's auf die
Steine abgesehen haben? Und Martini — war der erfolgreiche Dieb!"
„Ihre Beweise?" fragte Tweedle im gleichen lauernden Tonfall, in dem vor wenigen Minuten Martini diese Frage ausgesprochen hatte.
„Beweise? Ja natürlich! Soviel Sie haben wollen!" Und Humphrey hob schon die Hand, um sie an den Fingern herzuzählen.
Aber Zanten zog seine schwere Uhr. „Sie können Ihren Dienst wieder antreten, Tweedle!" befahl er grob. „Und im übrigen ersuche ich Sie, darauf zu achten, daß Sie besser rasiert sind! Als Kapitän können Sie sich später meinetwegen einen meterlangen Dollbart wachsen lassen — aber als Ersten Offizier muß ich Sie schon bitten, entweder das eine oder das andere zu tragen!"
Tweedle stob davon, als werde er mit der Feuerspritze gejagt. Er bot zweifellos einen spaßigen Anblick, aber weder Zanten noch Humphrey waren in der Stimmung, um lachen zu können.
Auch Olefson wahrte eine ernste Miene. Er verließ dann ebenfalls, mit des Kapitäns Erlaubnis, die Kabine.
Humphreys Blick streifte Zanten von unten herauf und blieb schließlich über dessen blankem, gebräuntem Schädel an der grauen Tapete hängen. „Wie gefällt Ihnen eigentlich dieser Tweedle?"
Zanten schob die Unterlippe vor. „Hm... Es gibt wahrscheinlich bessere und frischere Offiziere, aber im allgemeinen ist er ein durchaus brauchbarer und anstelliger Mann."
„Nicht sehr sympathisch ...", bemerkte Humphrey bohrend.
„Sympathisch . . .?" wiederholte Zanten und horchte dem Klang nach. „Ein gefährliches Wort. Ich gebrauche es höchst ungern. Früher, in jüngeren Jahren, als noch die Frauen eine Rolle in meinem Leben spielten, hat es zu meinen Lieblingsausdrücken gehört. Seitdem ich Männer nach ihren Leistungen zu beurteilen habe, ist es aus meinem Wortschatz ziemlich gestrichen. Es ist ein Wort für Liebes-, aber nicht für Dienstverhältnisse."
„Charakterfest?" fragte Humphrey ein wenig ungeduldig.
Zanten hob das Gesicht: „Worauf wollen Sie eigentlich hinaus?"
Humphreys Antwort kam vorsichtig, wie aus der Medizinflasche getröpfelt. „Er raucht Opium — das
wissen Sie so gut wie ich. Ein etwas gefährliches Vergnügen, das leicht auf den Charakter schlägt... Ja, und ich wollte Sie fragen, ob Sie Tweedle für fest genug halten, um der lockenden Versuchung einer großen Summe standzuhalten."
Zanten verstand plötzlich. „Hören Sie mich an, Humphrey!" sagte er sehr ernst. „Das geht nicht an, daß Sie jeden Menschen, dessen Börse Ihnen mager erscheint, gleich mit diesem Diamantenraub in Verbindung bringen! Schließlich werde ich selber noch eines Tages das zweifelhafte Vergnügen haben, in Ihrer Schlußliste obenan zu stehen..." Er wehrte Humphreys entrüsteten Widerspruch mit einer barschen Handbewegung ab: „Tweedle mag ehrgeizig sein — kein Fehler für sinen Mann. Er mag vielleicht auch ungeduldig und enttäuscht sein — und das werden Sie einem Offizier, der mit sechsunddreißig Jahren noch immer nur zwei Streifen trägt, nicht verdenken. Er mag auch noch andere Fehler haben, privater Art, die aber weder Sie noch mich etwas angehen, solange er seinen Dienst vünktlich verrichtet... In der Zeit jedenfalls, in Der der Raub geschah, stand Tweedle auf der Brücke, Humphrey, und gab acht, daß Sie gefahrlos die vier Gänge des Dinners sich einverleiben konnten, und soviel ich gesehen habe, hat es Ihnen geschmeckt..
Humphrey wollte einfallen — aber Zanten richtete iich erdrückend groß vor ihm auf und schnitt ihm das Wort ab: „Ich lege Ihnen nichts in den Weg, ihren neuentdeckten kriminalistischen Gelüsten nach Herzenslust zu frönen und sich die Langeweile an Bord durch ein etwas reizvolleres Spiel als Sackhüpfen, Flirt und Pingpong zu oertreiben. Mir aber ist die Sache bitter ernst, und ich bitte Sie dringend, in Zukunft nur dann aufzutreten, wenn Sie mit kräftigeren Beweisen als heute aufwarten können. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, einen Schiffsgenossen nach dem anderen zu verdächtigen, ohne^ meist gegen ihn Vorbringen zu können, als daß er sich irgendwie und irgendwo durch ein Wort oder eine Handlung bemerkbar gemacht habe, die ihn unter Umständen in den Kreis dieser Tat ziehen konnte. Was Martini betrifft, so mögen Sie recht haben, wenn auch ihr Material gegen ihn mehr als dürftig ist. Ihre Bemerkung über Tweedle jedoch ist blanker Unsinn, und ich will versuchen, sie zu vergessen. Denn das dürfen Sie
trolle erfaßten Fahrzeuge Kontrollzettel nach einheitlichem Muster aushändigen, die aber nicht während der Fahrt sichtbar am Wagen angebracht werden dürfen, sondern nur zum Zwecke einer schnelleren Abwicklung bei nochmaliger Kontrolle greifbar bereit zu halten sind.
Zur Unterstützung der Polizei bei Verkehrskontrollen werden Angehörige der Parteigliederungen, insbesondere des NSKK., im Benehmen mit den für die Gliederungen zuständigen Dienststellen herangezogen werden.
Die Verkehrskontrollen werden u. a. auch auf den Ausfallstraßen der Städte des Reiches durchgeführt werden, auf denen nachweislich wegen der erhöhten Geschwindigkeit sich besonders schwere Unfälle ereignen. Dabei werden die Fahrzeuge durch uniformierte Polizeibeamte angehalten. Als Haltesignal wird die bei der motorisierten Gendarmerie eingeführte rote Flagge mit eingesetztem weißen Rechteck, bei Dunkelheit oder starkem Nebel eine bis auf 150 Meter gut sichtbare rote 'Laterne verwendet werden.
Die angehaltenen Fahrzeuge werden zur Feststellung etwaiger Mängel und der Personalien Der Fahrer in verkehrsarme Seitenstraßen oder auf besondere Sammelplätze geleitet, damit Der übrige Verkehr sich ungehindert abwickeln kann.
Verwendung von Stoppuhren untersagt!
Die Dienstanweisung verbietet ausdrücklich schema- ttsche Geschwindigkeitskontrollen, Die schon im Hinblick auf Das Fehlen allgemeiner Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Straßenverkehrs-Ordnung zu unterbleiben haben. „Auch bei örtlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen", so heißt es in Det Dienstvorschrift, „kommt es nicht so sehr auf Die Einhaltung Der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit als vielmehr Darauf an. Daß Der Fahrer sein Verhalten Den Verkehrsverhältnissen anpaßt." Die Verwendung von Stoppuhren ist ausdrücklich untersagt.
Dagegen werden die Kontrollen zur lieber« wachung der Beleuchtungseinrichtungen, wobei vor allem auf das rechtzeitige SIbblenDen, der Scheinwerfer besonders scharf geachtet werden wird, möglichst unauffällig durchgeführt. Bei diesen Kontrollen werden deshalb auch Polizeibeamte in Zivilkleidung Verwendung finden, wobei jedoch die Fahrzeuge immer durch uniformierte Beamte angehaltelr werden.
Der Kontrolle des Radfahrverkehrs wird die Polizei ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Es wird in Zukunft nicht mehr geduldet werden, daß z. B. Radfahrer nach ihrer polizeilichen Feststellung, außer Sehweite gelangt, ihre unbeleuchteten Fahrräder wieder benutzen. Beim Fahren ohne Licht werden deshalb unter Umständen die Fahrräder oder betriebswichtige Einzelteile einstweilen sicher- gestellt.
Verkehrsposten kann Auskünfte ablehnen!
Ueber die besonders verantwortungsvolle, aber auch dankbare Tätigkeit Des Derkehrspoftens sagt Die Dienstanweisung, daß er ein Vorbild für Selbstbeherrschung und Entgegenkommen sein müsse, ständig bestrebt, ein verständnisvolles Zusammenarbeiten mit Den Verkehrsteilnehmern zu erreichen.
Grundsätzlich hat Der Verkehrsposten im Dienst, so hestimmt Die Dienstanweisung, sich nur mit seiner Aufgabe zu befassen, es sei denn, Daß besondere Ereignisse sein sofortiges Einschreiten zwingend erfordern. Keinesfalls Darf Der Verkehr aufgehalten roerDen. Bitten um Auskunft hat der Der- kehrsposten nur Dann zu entsprechen, wenn Dies ohne Nachteile für die Verkehrsregelung geschehen kann; andernfalls hat er die Auskunft in höflicher Form abzulehnen.
Die Sonnlagsschule für Verkehrssünder!
Zum „Nachhilfe-Unterricht" über Das Verhalten im Straßenverkehr werden grundsätzlich Personen durch Die Verkehrspolizeibehörde ringelnden, Die durch ihr Verhalten bewiesen haben, daß sie die Vorschriften für Den Straßenverkehr nicht beherrschen. Bei geringfügigen Verstößen tritt Der Verkehrsunterricht an Die Stelle einer an sich verwirkten gebührenpflichtigen Verwarnung ober polizeilichen Strafverfügung. Im Falle schwerer Verstöße erfolgen Verkehrsunterricht unD Bestrafung nebeneinander. Bei Nichterscheinen zum festgesetzten Un- terrichtstexmin ohne ausreichende Entschuldigung ergeht Strafverfügung. Der Unterricht findet grundsätzlich in den frühen Morgenstunden Des Sonntags statt und Dauert etwa eine Stunde. Er wird erteilt durch Verkehrsoffiziere oder erfahrene ältere' Verkehrspolizeibeamte. Die Polizei wird Dabei auch auf vorhandene Einrichtungen und geeignete Lehrkräfte Des NSKK. zurückgreifen. Die Leitung Des Unter«
mir glauben: So reizvoll Ihnen dieser Gedanke auch erscheinen mag — mir ist er verteufelt unangenehm! Denn das Gefühl, einen Schurken zum Ersten Offizier zu haben, erhöht nicht gerade meine Sicherheit...
Also seien Sie in Zukunft mit Ihrem Verdacht etwas vorsichtiger, wenigstens insofern, als Sie ihn nicht laut werden lassen! Denn wenn Sie damit so rasch bei Der HanD sind wie bisher, wäre es nicht abzusehen, auf wen ich mich eigentlich noch würde verlassen können... Gute Nacht, Humphrey! Nehmen Sie mir meine offenen Worte nicht übel! Aber ich liebe es nicht, um Den Brei herumzugehen."
Humphrey übersah Die Hand, Die Zanten ihm halb entgegenstreckte. Seine Verbeugung siel äußerst knapp aus und sein Gruß äußerst kühl. Mit einem hörbaren Knall schloß er Die Tür hinter sich. So also rourDe ein Mann entlassen, Den man nicht mehr benötigt: mit einer wohlabgemessenen Mischung von hohem Kanzelton und wohlwollender Ironie...
Humphrey stampfte über Das Achterdeck. Er sah rot. Rotes Meer und roten Wind, rote Planken und rotes Eisen. Und rot hingen die Sterne am Himmel und loderten wie Fackeln. Das war Die Stimmung, um Brennspiritus aus Der Flasche zu trinken...
Aus Der Bar Drang Grammophongedudel und Gelächter herüber. Die Lenox improvisierte einen spanischen Stierkampf. Sie selber spielte den Torero, und Herr Scrub Durfte Den Ochsen machen. Konsul Barrett hüpfte höchst albern herum unD schwenkte imaginäre Kastagnetten in Den Händen. Das Publikum brüllte „Oleh", klatschte und zielte mit Den Sodafontänen in die Arena.
Martini saß nüchtern und gelangweilt am äußersten Ende der Bar auf einem hohen Schemel und fischte die Olive aus seinem Glas. Humphrey strich den Alkohol aus seinem Programm, um Martini aus dem Wege zu gehen. Da er Die Möglichkeiten, seinen Grimm zu ertränken, verbaut sah, beschloß er, ihn zu verschlafen. Es war auch gesünder...
Die „Catharina" lief mit voller Fahrt durch die sternenklare Nacht. Im gläsernen Brückenhaus stand unbeweglich und groß Der Schatten des wachthabenden Steuermanns. Auf Dem Vorschiff reckte ein schwarzer Heizer, von Der Glut einer Zigarette be« leuchtet, sein schweißblankes Gesicht aus Dem Kesselschacht gegen Den Fahrwind. (Fortsetzung folgt.)


