Nr. 265 Erstes Blatt
188. Zahrgang
Freitag, 11. November 1958
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®er®Ä?”»,?ßr,ei Der Führer dankt der deutschen preffe für ihren Einsatz.
Mit Kemal Atatürk ist einer jener Männer dahin- gegangen, die in schwerster Zeit nicht nur zum Führer, sondern auch zum Retter ihrer Völker wurden. Wenn man sein Werk überblickt, erkennt man mit Staunen, was der einzelne vermag, sofern ihm die Gabe verliehen ist, die Menschen mitzureißen, sie zu Opferbereitschaft zu bestimmen. Denn« was er unternahm, die Befreiung seines Volkes, erschien im Anfang so aussichtslos, so gegen jede Wahrscheinlichkeit und Berechnung der Vernunft, daß man eigentlich nur von einem Wunsch reden kann.
Damals, 1919, nach dem unglücklichen Ausgang des großen Krieges, war sein Land, die Türkei, völlig zusammenaebrochen. Niemand in der Welt zweifette mehr, daß es mit dem „kranken Mann mn Bosporus" nun endgültig xu Ende ginge. Konstantinopel lag unter den drohend auf die Hafen
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stadt gerichteten Geschützrohren der im Hafen ver- fominelten Flotte der Sieger. In den Straßen klirrte der Schritt fremder Soldaten. Scheu und geduckt drückte sich der Türke an der Mauer entlang. Der Sultan war nurmehr ein Gefangener in seinem weißen Palast, die Regierung nur noch ein Werkzeug in der Hand der wahren Regenten, der hohen Kommissare der Westmächte, das Land gefesselt und streng nach außen abgesperrt, alle Lebensadern und Verkehrslinien im Innern von Truppen der Alliierten besetzt, die Bevölkerung nach acht Jahren fast ununterbrochener Kriege verbraucht, zu Tode erschöpft, ausgehungert und verarmt, über dem ganzen der Druck dumpfer Hoffnungslosigkeit und müden Verzagens. Was blieb anderes übrig als sich mit dem Fatalismus des Orientalen in das Unvermeidliche zu függn? Höchstens war vielleicht etwas Milde von der Gnade der Sieger zu erwarten!
Die Gnade der Sieger! In Paris faßen sie zu Gericht und waren entschlossen, die Türkei unter sich aufzutellen. So sicher waren sie ihrer Beute, daß sie sich Zeit ließen und die Liquidation der Türkei als Letztes an die Reihe nahmen. Diese Frist benutzte Kemal Atatürk, damals ein vierzigjähriger General, um im Innern Kleinasiens, wohin er — Ironie des Schicksals — auf Wunsch der Entente zur Demobilisierung der Reste der türkischen Armee entsandt worden war, fast unter den Augen der fremden Besatzung Anhänger zu sammeln und zum Befreiungskämpfe aufzurufen.
In Konstantinopel war man entsetzt. Man fürchtete, daß jede Auflehnung die übermächtigen Sieger veranlassen würde, dem Lande nur noch schwerere Bedingungen aufzuerlegen. Der General wurde schleunigst abberufen. Er mißachtete alle Befehle, sagte der Regierung den Gehorsam auf und berief nach Ankara, der späteren Hauptstadt der neuen Türkei, ein von Konstantinopel unabhängiges Parlament ein. Die Regierung sandte Truppen nach Kleinasien, um mit dem Rebellengeneral und seinen Scharen ein Ende zu machen. Diese Truppen aber gingen zu ihm über oder verliefen sich. Schließlich ließ der verängstigte Sultan ihn und die wichtigsten seiner Anhänger, darunter viele ältere Generale der Armee in Abwesenheit zum Tode verurteilen.
Ja, er war der geborene Rebell. Er stammte aus der Mitte des Volkes. Sein Vater war «in kleiner Zollbeamter in Saloniki, und kaum hatte er unter mannigfachen Schwierigkeiten sein Offizierspatent erlangt, wurde er auch schon zum Revolutionär. Zuerst wandte er sich gegen die brutale Sultansherrschaft eines Abdul Hamid. Dann rebellierte er auch gegen feine eigenen Reoolutions- genossen, die I u n g t ü r k e n , als er sah, daß ihr Regiment in Parteihader und Halbheit zu versacken drohte. Er trat in Opposition zu den herrschenden Männern, an ihrer Spitze Enver Pascha, und war auch ein entschiedener Gegner des Anschlusses der Türkei an die Mittelmächte, geaen Öen er mit Wort und Schrift ankämpfte. Während des Weltkrieges wurde er von dem auf ihn eifersüchtigen Enver Pa-
o zum letzten Augenblick in Schach gehalten. r.Lur Durchführung des Teilungsplanes, dessen rücksichtslose Willkür sich in dem der Türkei auferlegten, aber niemals Wirklichkeit gewordenen Friedens- vertrages von Sevres offenbarte, rückte eine
Preffeempfang in München.
Richtungweisende Ausführungen des Führers.
München, 10. Nov. (DNB.) Der Führer gab am Donnerstag im Führerbau zu München einen Abendempfang für die deutsche Presse, zu dem über 40Ö namhafte deutsche Journalisten urrb Verleger geladen waren. An der Spitze der Erschienenen sah man den Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels, den Präsidenten der Reichspresfekammer Reichsleiter Amann sowie Reichsleiter Rosenberg und Staatssekretär Hanke.
Reichspressechef Reichsleiter Dr. Dietrich, der die Männer der Presse im Auftrag des Führers zu diesem Abend geladen hatte, begrüßte in ihrem Namen den Führer und legte für die deutsche Presse ein Bekenntnis zum neuen Ethos der journalistischen Arbeit im nationalsozialistischen Deutschland ab.
3n fast einffünoiger Rede sprach dann der Führer zu den Mannern der grohdeulschen presse. Er gab einen Ueberblick über den Sinn des politischen Geschehens des Jahres und umriß die Erkenntnisse, die sich aus dem Ablauf der Ereignisse ergeben. Der Führer dankte der presse für ihren Einsatz im Kampf um das Lebensrecht des deutschen Volkes. Er würdigte die Bedeutung dieses Einsatzes für die innere Geschlossenheit der deutschen Ration und sprach eingehend von dem gerade im nationalsozialistischen Deutschland vervielfachten politischen Gewicht des journalistischen Schaf-
wohlausgerüstete, mit allen modernen Kriegsmitteln versehene, von britischen Offizieren geführte griechische Armee in Kleinasien ein. Hinter ihr standen die siegreichen europäischen Großmächte, vor allem England und Frankreich. Kemckl, nun im ganzen Lande anerkannter Führer, konnte ihr nur dünne Linien zerlumpter, schlecht ernährter Soldaten mit unzulänglichen Waffen entgegenstellen. Aber diese krallten sich förmlich in dem heimatlichen Boden fest und hielten allen Anstürmen stand.
Nun aber, da der griechische Schild beseitigt war, stand er den europäischen Großmächten gegenüber, deren Truppen noch Teile des Landes besetzt hielten. Lloyd George, der englische Premierminister, forderte Gewaltanwendung zur Durchführung des Friedensdiktates. Doch die Völker des britischen Weltreiches waren kriegsmüde und versagten ihm die Gefolgschaft. Lloyd George mußte juriitftreten; die Siegermächte lenkten ein. Der Friede von Lausanne, abgeschlossen im Jahre 1923, nach langwierigen und hartnäckigen Verhandlungen, bei denen der erste Mitarbeiter Kemals und langjährige Ministerpräsident JsrnetJnönü seine hohe diplomatische Kunst entfalten konnte, brachte der Türkei die volle Unabhängigkeit innerhalb ihrer nationalen Grenzen — eine Forderung — die Kemal von Anfang an als Losung des Befreiungskampfes aufgestellt hatte.
Nun konnte, der Aufbau des verarmten, völlig darniederliegenden Landes beginnen. Die Reste des Alten mußten beseitigt werden. Der Sultan wurde abgesetzt und die Türkei zur Republik erklärt. Auch das Kalifat wurde aufgehoben und damit begann Kemal die bewußte Loslösung von den islamischen Traditionen, die die Türkei von dem Araber- tum übernommen hatte. Der Umbau zu einem modernen Staat, der sein Dasein behaupten konnte, wurde von Kemal mit harter Hand und ohne die geringste Rücksicht auf liebgewordene Gewohnheiten und altes Ueberfommen durchgeführt, so daß manche seiner alten Anhänger in Gegensatz zu ihm gerieten. Die Reformen, die sich auf alle Dinge des Lebens bis auf die Kleidung erstreckten, im einzelnen aufzuführen, erübrigt sich. Wesentlich ist ein anderes: daß es nämlich Kemal Atatürk gelang, die schlummernden Kräfte seines Volkes zu voller Entfaltung zu bringen, ja, das Wesen seines Volkes von Grund auf umzuwandeln. Man kann heute von einem türkischen Menschen sprechen, der kaum noch eine Ähnlichkeit hat mit jenen orientalen, wie man ihn noch in den Jahren des Weltkrieges kannte.
Die Bedeutung seiner Tat reicht über die Türkei hinaus. Man findet die Bilder Kemal Atatürks heute fast überall im Orient: im Zelt der Beduinen so gut wie in der Hütte der Fellachen. Wenn sich in den orientalischen Völkern, besonders in den arabischen, der Unabhängigkeitswille so stark regt, so kam der Hauptanstoß baju von dem Beispiel der Türke i, der es zum erstenmal nach jahrhundertelangem Zurückweichen gelang, dem übermächtigen Abendland siegreichen Widerstand zu bieten und sich ganz aus eigener Kraft die Freiheit zu erringen.
Kemal Atatürk hinterläßt ein im vollen Aufblühen begriffenes, kräftig sich erhebendes Land. Nach außen hin steht die Türkei geachtet da und ihre Freundschaft wird nicht nur von den Nachbarn, sondern auch von den Weltmächten gesucht. Im Innern aber ist der von ihm geschaffene Staatsbau in seinen Grundmauern so fest begründet, daß auch, wenn seine starke Hand fehlt, kaum ernste Erschütterungen zu erwarten sind. Die neue Türkei wird das Vermächtnis ihres Schöpfers und großen Führers bewahren und in einiger Geschlossenheit den Weg weiterschreiten, den er vorgezeickmet hat.
D. von Mikusch.
f e ns. Er kennzeichnete am Schluß seiner Rede die großen innen- und außenpolitischen Aufgaben, die der deutschen presse auch fernerhin für Gegenwart und Zukunft gestellt sind.
Namens der ganzen deutschen Presse dankte Reichspressechef Dr. Dietrich dem Führer für seine richtungweisenden Ausführungen und seine wundervollen Worte, die er für die deutsche Presse gefunden habe. Er ssirach im Namen aller das Ge
löbnis aus, daß die deutsche Presse von dem festen Willen beseelt sei, sich in ihrer Arbeit für den Führer von niemanden übertreffe n zu lassen.
Der Führer verbrachte anschließend mit den Herren seiner Begleitung den Abend im Kreise seiner Gäste, wobei er Gelegenheit nahm, sich mit zahlreichen Journalisten über ihre Arbeit zw- unterhalten.
Keine Lu-en-emonskrationen mehr.
Reichsminister Dr. Goebbels an die Bevölkerung.
Berlin, 10. Rov. (ORB.) Reichsminister Dr. Goebbels gibt begannt: Oie berechtigte und verständliche Empörung des deutschen Bottes über den feigen jüdischen Meuchelmord an einem deutschen Oiplomaten in Paris hat sich in der vergangenen Rächt in umfangreichem Maße Lust verschafft. Zn zahlreichen Städten und Orten des Reiches wurden Vergeltungsaktionen gegen jüdische Gebäude und Geschäste vorgenommen.
Es ergeht nunmehr an die gesamte Bevölkerung die strenge Aufforderung, von allen weiteren Demonstrationen und Aktionen gegen das Judentum, gleichgültig welcher Art, sofor<abzusehen. Die endgültige Antwort aus das jüdische Attentat in Paris wird auf dem Wege der Gesetzgebung bezw. der Verordnung dem Judentum erteilt werden.
Nach dem Hinscheiden Atatürks.
Heute Wahl des Nachfolgers durch die türkische Nationalversammlung.
Istanbul, 10. Nov. (DNB.) Der türkische Staatspräsident ist am Donnerstag um 9.05 Uhr gestorben. Am 31. März d. I. wurde zum erstenmal gemeldet, daß Atatürk erholungsbedürftig war als Folge einer schweren Grippeerkrankung in den Monaten Januar und Februar. Nach IV2 Monaten unternahm Atatürk im Mai eine Reise von Ankara nach Mersina in das südliche türkische Grenzgebiet. In Zusammenhang mit der damals gespannten Lage mit Syrien wegen des Sandschak-Streites. Atatürk kehrte nach Istanbul zurück, wo er auf seiner Staatsjacht „Savarona" Wohnung nahm, die gegenüber vom Palast von Dolma Bagtsche verankert wurde. Noch im Juni konnte Atatürk den rumänischen König auf, dieser Jacht empfangen. Dies war der letzte ausländische Besucher. Seither beschränkte sich sein Verkehr nur noch auf die Kabi- nettsminifter und feinen engeren Freundeskreis. Säta* türk wurde zweimal von einem französischen Facharzt untersucht. Später wurden auch die deutschen Professoren Eppinger (Wien) und Professor Bergmann (Berlin) herangezogen. Den ersten Hinweis auf die Schwere des chronischen Leberleidens des, Präsidenten erhielt ein ärztliches Bulletin vom 17. Oktober. Wunderbarerweise aber überwand die eiserne Natur und der unbeugsam Lebenswille des Kranken diese Krise, wenn auch von einer wirklichen Besserung nicht die Rede sein konnte. Immerhin war der Kranke wieder in der Lage, an dem Geschehen um ihn Anteil zu nehmen. So ließ er sich durch den Rundfunk über den Verlauf des 15. Republikfestes unterrichten, dem er zum ersten Male feit der Gründung der kemalistifchen Republik nicht mehr persönlich beiwohnen konnte.
Die Nachricht vom Tode Atatürks verbreitete sich in der Stadt mit Windeseile, nachdem auf dem Dach des Palastes Dolma Bagtsche die Standarte des Präsidenten auf Halbmast gegangen war. Die Bevölkerung Istanbuls eilte auf Straßen und Plätze, ein Strom von Menschen ergoß sich über die Galata- Brücke von Stambul entlang dem Bosporus nach dem Palast von Dolma Bagtsche, wo die Menge in Schweigen verharrte. Viele Frauen und Männer haben Tränen in den Augen. Die Regierung hat
einen Aufruf an das türkische Volk erlassen, in dem die Verdienste des Verstorbenen um die türkische Republik gewürdigt werden. Alle Zeitungen haben Sonderausgaben mit schwarzem Rand herausgegeben. Die Leiche des Präsidenten wird nach Ankara übergeführt und dort feierlich beigesetzt werden. Der Tag der Bestattung ist noch nicht festgesetzt worden.
Der Leichnam Atatürks wird am Freitag ein® balsamiert, nachdem am Donnerstag schon Gipsabdrücke des Gesichts und der Hände des Toten genommen worden waren. Es ist beabsichtigt, die Leiche am Samstag im Palast von Dolma Bagtsche für drei Tage feierlich aufzubahren, um der Bevölkerung von Istanbul Gelegenheit zu geb^n, einen letzten Abschied von dem Retter der Tsirkei zu nehmen. Die Ueberführungszeremonie beginnt dann in Istanbul, wo die Leiche unter Beteiligung der Kriegsflotte über den Bosporus nach der anatolischen Seite gebracht wird und dann in langsamer Fahrt nach Ankara. Mit Rücksicht auf die zu erwartenden ausländischen Trauergästen, wird der Staatsakt der Beisetzung in Ankara nicht vor Mitte nächster Woche erfolgen. Als Beisetzungsort ist der Präsidentenhügel von Cankaya in Ankara in Aussicht genommen, wo das Haus steht, von dem aus Atatürk vom Dezember des Jahres 1919 an den militärischen und kulturellen Befreiungskampf des türkischen Volkes und dessen Wiederaufstieg leitete.
Der Präsident des Parlaments hat, nach den Bestimmungen- der Verfassung, vorläufig die Funktionen des Präsidenten übernommen. Er hat das Parlament für Freitag vormittag zur Wahl eines neuen Staatspräsidenten nach Ankara einberufen. Als aussichtsreichster Nachfolger Kemal Atatürks wird der frühere Ministerpräsident Ismet Jnönü genannt. Man spricht auch von der Kandidatur des Innenministers S ch u k r y Kaja .sowie des Parlamentspräsidenten Abdul- l a h R e n d a. Der Chef des Generalstabes, General Fewzi Tfchakmak, und der türkische Botschafter in London, Fehle, die ebenfalls als Kandidaten genannt worden waren, haben mitteilen lassen, daß sie die Kandidatur ablehnen.
Leben und Werk eines Etaatsgründers.
Mustafa Kemal Atatürk wurde, wenn man die türkischen Quellen als maßgebend annimmt, im Jahre 1880 in Saloniki geboren. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht feststellbar, auch schwanken die Jahreszahlen bei einigen Biographen. Der Vater Atatürks, Ali Risa, war Beamter des Küstenzolls, später Holzhändler, die Mutter Subeida entstammte einer Bauernfamilie aus der Umgebung von Saloniki. Das Geburtshaus steht noch in Saloniki und tvurde 1937 von der griechischen Regierung dem türkischen Staatspräsidenten zum Geschenk gemacht.
Anfänglich wdr Atatürk von seinen Eltern für die geistliche Laufbahn bestimmt, für die der Knabe aber keine Neigung hatte. Er wurde Kadett, verließ 1903 die Militärschule von Monastir (Bitolia), wurde 1904 Hauptmann und kam 1905 nach Istanbul auf die Kriegsakademie. Im Jahre 1908 wurde er dem Generalstab des III. A.-K. in Saloniki zugeteilt. Schon frühzeitig wandte er sich ber, jungtürkischen Bewegung zu und geriet in Konflikte mit den Militär
behörden, die ihn strafweise nach Syrien versetzten. Um beim Ausbruch der jungtürkischen Revolution 1908 dabei zn feilt, reifte er ohne Urlaub insgeheim nach Saloniki.
Im Jahre 1910 machte er als Mitglied einer türkischen Militärstudienkommission eine Reise nach Frankreich. Er nahm sodann Anteil an der Verteidigung von Tripolis gegen die Italiener, wobei er ernste Reibungen mit dem Oberkommanbierenden Enver Bey hatte, die sich auch fortsetzten, als Enver Kriegsminister wurde. Im Balkankrieg führte Oberstleutnant Mustafa Kemal ein Kommando an der Gallipolifront bei Bulair gegen die Bulgaren. Nach Beendigung des Balkankrieges kam er als Militärattache nach Sofia, wo er Freundschaft mit dem türkischen Gesandten Fethy-Bey schloß, woraus sich ein Verhältnis entwickelte, das niemals unterbrochen wurde.
Bei Beginn des Eintritts der Türkei in den Weltkrieg machte Kemal kein Hehl aus seiner Auffassung,


