Spendet für das SudetendeuMe HW wett!
DNB. Der Reichsbeauftragte für das WHW. des deutschen Volkes, Hauptamtsleiter Hilgenfeldt, gibt bekannt:
Die Durchführung des Sudetendeutschen Hilfs* * Werkes in den besetzten Gebieten ist vom Führer dem Winterhilfswerk des deutschen Volkes über« tragen worden.
Spenden für das Subetenüeutsche Hilsswerk in den besetzten Gebieten nehmen alle Dienststellen des Winterhilfswerkes, sowie alle Bankanstalten, Sparkassen und Postanstalten entgegen. Außerdem können Ueberweisungen auf das Postscheckkonto des Reichsbeauftragten
Berlin Nr. 77100
vorgenommen werden. Spendet auch-auf die Konten der Gauamtsleitung: Postscheckkonto Frankfurt a. M. 23000; Girokonto 6800 Bank der Deutschen Arbeit, Frankfurt a. M.; Girokonto 7300 Städtische Sparkasse Darmstadt.
Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß besondere Haus- und Straßensammlungen für das Sudetendeutsche Hilsswerk neben den Hausund Straßensammlungen des WHW. nicht durchgeführt werden. Sammlungen dieser Art sind nach dem Sammlungsgesetz vom 5. November 1934 ö erbe t e n. Eine Beteiligung hieran ist abzulehnen. Die Sammler machen sich strafbar.
Jeder Deutsche opfert für die Sudetendeutschen durch seine Beteiligung an den Sammlungen für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes.
führte. Mit Rücksicht aus sein Alter mib um jungen ] Kräften im Interesse des Vereins in der Führung Platz zu machen, entsagte er gerne dem Amt des ersten Vorsitzenden, jedoch verließ er den Kreis der aktiven Sängerschaft nicht, deren Senior er nun feit vielen Jahren ist.
Aus Anlaß des 60jährigen Bestehens der „Bauern" im Jahre 1924 und im Hinblick auf seine 30jährige Zugehörigkeit zur aktiven Sängerschaft des Vereins wurde Georg Todt damals zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Gleichzeitig errichtete der Bauersche Gesangverein zu Ehren des Jubilars eine „Georg-Todt-Stiftung", deren Zinsen dazu dienen sollen, in Not geratenen aktiven Sängern eine lln» terstützuna zu gewähren und auch aus diese Weise dem deutschen Lied zu dienen. Als äußeres Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um den deutschen Männergesang erhielt Georg Todt schon vor Jahren die Goldene Sängernadel, ferner alle vom Deutschen Sängerbund zu vergebenden Ehrungen, außerdem wurde er von dem Gesangverein „Liedertafel" in Marburg und- von dem harmonischen Kränzchen" in Schlitz zum Ehrenmitglied ernannt.
Für seinen Bauer'fchen Gesangverein hat Georg Todt „Ernste und heitere Erinnerungen aus der Geschichte des Bauer'fchen Gesangvereins" geschrieben, die im Jahre 1931 im Druck erschienen und dem Verein gewidmet sind. Diese Schrift enthält interessante Abschnitte aus der Geschichte des Vereins, die in vielseitiger Weise Aufschluß über das Wirken und Wachsen der „Bauern" geben: Ferner sind darin Gedichte von Georg Todt in großer Zahl enthalten, die alle auf den Grundton der Liebe zur Heimat und der Freude am Gesang gestimmt sind. Ein Teil dieser Gedichte ist auch vertont worden, z. B. das von Georg Todt nach einem allen Tanzlied bearbeitete Gedicht „Im Vuseckertal" von dem Gießener Musiklehrer Wiegand Gernhardt, das in dem Liederschätze unserer Gießener Sängerschaft eine besonders geschätzte Position einnimnll. In humoristischer Form erzählt Georg Todt in diesem Heftchen weiter von Sängerfahrten und von Ausflügen, und auch darin vermiüelt er dem Leser interessante Einblicke in die Geschichte unserer „Bauern". So hat der Sänger-Veteran auch ein bedeutsames Stück der Arbeit des Vereinschronisten vollbracht, das feine Verdienste um den Verein, aber auch um die Gießener Heimatgeschichte noch vermehrt. Es ist denn auch nicht verwunderlich, daß die „Bauern" ihren Senior gewissermaßen als lebendige Chronik des Vereins ansehen und hoch schätzen.
Aber nicht nur in den Kreisen der Dereinsmftglie- der, sondern auch weit darüber hinaus — ll a. als alter 116er in der Kameradschaft ehemaliger 116er — wird Georg Todt allgemein große Wertschätzung dargebracht, denn durch sein charaktervolles, schlichtes und allezeit gefälliges Wesen hat er sich in allen Devölkerungskreisen viele Freunde erworben. Daher dürften ihm sicherlich auch an seinem morgigen 85. Geburtstage wiederum vielfache Ehrungen zuteil werden. Auch wir bringen dem geschätzten Ju- bllar unfern herzlichen Glückwunsch dar.
Marine-Kameradschaft Gießen.
Bei der Monatsmufterung der Marinekameradschaft Gießen am Samstag wurden durch den Kameradschaftsführer die endgültigen Verfügungen über die Angliederung des NS.-Marinebundes an den NS.-Reichskriegerbund bekanntgegeben. Danach wird der NS.-Deutsche Marinebund mll allen feinen Gliederungen unter einem eigenen' Führer dem NS.-Reichskriegerführer unterstellt und dem NS- Reichskriegerbund angegliedert. Der NS.-Deutsche Marinebund bleibt die einheitliche Organisation für olle ehemaligen Angehörigen der Kriegsmarine der allen und neuen Wehrmacht.
In den Ausführungsbestimmungen heißt es: Die Angliederung erfolgt mit dem 30. September 1938. Der NS.-Deutsche Marinebund und seine Kameradschaften führen die bisherige Bundesflagge des NS.- Deutfchen Marinebundes unverändert weiter, desgl. den bisherigen Bundesanzug und die bisherigen Bundesabzeichen. Gleichzeitige Mitgliedschaft in Kameradschaften des NS.-Reichskr'egerbundes und des NS.-Marinebundes ist zulässig. Die Verwaltung des NS.-Deutschen Marinebundcs bleibt selbständig, die Mitglieder des NS.-Marinebundes haben als solche keinen Anspruch auf finanzielle Leistungen des Ns- Re ich sk r iegerb und es.
Damit ist der NS.-Deutsche Marinebund feit dem 30. September dem 9dS.-Reichskriegerbund ange» gliedert, und alle Kameraden des NS.-Marinebundes gehören gleichzeitig dem NS.-Reichskriegerbund an. Die Gaue und Kameradschaften des NS.-Deut- fchen Marinebundes sind .iber nicht in die Landesgebiete, die Gebietsinspektionen, die Bezirks- und Kreisverbände des NS.-Reichskriegerbunoes eingegliedert, sondern bleiben wie bisher dem Bundesführer des NS.-Deutschen Märinebundes unterstellt.
Im -»weiteren Verlause der Monatsmusterung sprach der Führer des Marinesturms 11/34, Kamerad K. Heß, über „Sinn und Zweck des SA.» Sportabzeichens". Sein Vortrag wurde dankbar auf- genonunen. Der Schießwart Heinrich Benderoth machte Ausführungen über Schießangelegenhellen der Kameradschaft.
Nach Bekanntgabe und Verhandlung interner Angelegenheiten, wobei auch u. a. als Termin des Labskausabends der 12. November festgestellt wurde, schloß Kameradschaftsführer L i ch die Monatsmuste- rung in üblicher Weise.
RS.Gememschaft „Kraft durch Jreube“.
Achtung! KdI.-Theaterrmg!
Die Mitglieder des Feierabendnngs können die 1. Rate von Mittwoch, den 12.. bis einschließlich Samstag, den 15. Oktober, an unserem Verkaufs- schalter Seltersweg 60 einzahlen.
Die Eintrittskarten werden nur gegen Zahlung der 1. Rate ausgehändigt, ebenfalls die MitgNedskarten.
Der Anmeldetermin für den Feierabendring wird verlängert bis zum 15. Oktober. Anmeldungen Sel- tersweg 60. 6485V
Gießener Vochenmarktpreife.
* Gießen, 11. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche seine Molkereibufter, Vi-kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Ps., Käse, das Stück 4 bis 9 Pf., Eier, deutsche, 12^, Wirsing, % kg 8 bis 9, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüden und Karotten
7 bis 10, rote Rüden 10, Spinat 15 bis 20, Rämisch- kohl 8 dis 10, Bohnen, grün 25 dis 30, gelb 25 dis 30, Unterkohlrabi 6 dis 8, Feldsalat, 1/io 8 dis 10, Tomaten, Vt kg 15 bis 25, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 42, Kürbis 8 bis 9, Pilze 50, Kartoffeln, kg 4 Pf-, 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,15 bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 25 bis 45 Pf., Birnen 20 bis 40, Brombeeren 35 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60 Pf., Salat 5 bis 15, Endivien 5 bis 15, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 3 bis 5, Oderkohlradi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf., Weißkraut, 50 kg 5 Mark, Rotkraut, 50 kg 7 Mark.
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LPD. Drachensteigen in Straßen und über elektrischen Leitungen verboten. Jetzt ist die Zell des Drachen-steigen-lassens der Ju- genb. Von zuständiger Stelle wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Drachen-steigen-lassen in den Straßen innerhalb der Gemeinden und in der Nähe elektrischer Leitungen verboten ist. Ebenso ist das Steigenlassey von Drachen jeder Art, die mit Draht oder Drahtseil oder mll einem mehr als 100 Meter langen Seil gehallen werden, verboten.
Amtsgericht Giehen
Unter der Anklage des Diebstahls Halle sich der 19jährige K. Sch. aus Gießen gestern vor dem Amtsgericht zu verantworten. Bei dem Angeklagten, der bereits einschlägig vorbestraft ist, konnten vor einiger Zeit je ein Herren- und Damensahrrad sichergestellt werden, die nachweislich in den Jähren 1937 und 1938 vor dem hiesigen Dollsbad gestohlen waren. In der gestrigen Hauptverhandlung beftritt der Angeklagte entschieden, die Diebstähle begangen zu haben Er behauptete, er habe die Fahrräder von einem unbekannten Drillen getauft Außerdem berief sich der Angeklagte auf seinen angeblichen Gedächtnisschwund, den er sich durch eine Kopfverletzung zugezogen haben will. Das Gericht fetzte daraufhin das Verfahren aus und ordnete die Untersuchung des Angeklagten auf feine geistigen Fcchigkeiten durch den Kreisarzt an.
Gegen einen weiteren Angeklagten, der sich wegen schweren Diebstahls verantworten sollte, erging Haftbefehl, da dieser es vorzog, zur Hauptverhandlung nicht zu erscheinen.
Guter Austakt des WHW. im Kreis Wetterau.
Eintopfspenden vom vorigen Sonntag erheblich höher als im Vorjahr.
Das Winterhilfswerk 1938/39 hat am vorigen Sonntag mit dem ersten Eintop ff onntag seinen Anfang genommen und in unferm Kreis Wellerau sogleich einen vortrefflichen Auftakt erfahren. Die bis heute ftüh bei der Kreisamts- lellung der NSV. vorliegenden Meldungen über die Spenden am ersten Eintopfsonntag des diesjährigen WHW. weisen nämlich gegenüber dem gleichen Eintopf des Vorjahres erfreulicherweise eine erhebliche Steigerung auf.
3m vorigen Jahre belief sich das Gesamtaufi kommen der Spenden am ersten Eintopfsonntag im kreise Wetterau auf rund 14 900 Mark. Rach dem Stand der Meldungen von heute früh kann damit gerechnet werden, daß diese Summe jetzt noch um einige tausend Mark übertroffen wird.
Das Endergebnis aller Meldungen wird erst im Lause dieser Woche festgestellt, aber die stark ansteigende Tendenz der Opferbereitschaft unserer Volksgenossen im Kreise Wetterau steht nach den Meldungen bis heute früh bereits fo überzeugend fest, daß man ben vorgestrigen ersten Eintopfionn- tag mit Recht als freudige Antwort unserer engeren Heimat auf den Appell des Führers, der zu verstärkter Opferbereitschaft aufrief, ansehen kann.
Dieser stärkere Einsatz aller Kräfte und aller Hilfsquellen für den Dienst am Winterhllfswerk zum Besten unseres Volkes ist in diesem Winter besonders notwendig. Es gill ja diesmal nicht nur Not und Bedrängnis im Allleich noch zu lindern, sondern vor allem auch den Volksgenossen in der Ostmark und
ganz besonders den deutschen Brüdern und Schwestern im Sudetenlande mit aller Kraft beizustehen, damit sie in möglichst kurzer Zeit von ihrem jahrelangen Elend, das unter der Fremdherrschaft über sie gekommen ist, erlöst werden. Diesem Ziel dient in besonderem Maße auch die Betriebs- und Straßen- sammlung, die am kommenden Samstag und Sonntag von der Deutschen Arbeitsfront in allen Betrieben und auf allen Straßen und Plätzen durchgeführt wird.
Der gute Auftakt vom ersten Eiutopfsountag möge bei dieser ersten Betriebs- und Straßen- sammlung seine Fortsetzung erfahren!
Zur schnellen und wirksamen Hllse, insbesondere für unsere Volksgenossen im Sudetenland, ist es aber auch dringend notwendig, daß die Hilfsbereitschaft unseres Landvolkes in der Spende von Kar- toffelnund Getreide möglichst stark und umgehend zur Tat wird. Vielen deutschen Volksgenossen im Sudetenland ist durch die Gewaltmaßnahmen der Tschechen die Ernte an Gelleide und Kartoffeln ganz oder zum großen Telle vernichtet bzw. unmöglich gemacht worden, so daß in diesem neuen Reichsgebiet nicht nur für Ernährungszwecke Getreide und Kartoffeln dringend erforderlich sind, sondern auch zur Vorbereitung des Saatgutes für die nächstjährige Bestellung der Aecker in kürzester Zeit zur Verfügung stehen müssen.
Ebenso wie bei den Geldspenden zur Hilfeleistung für unsere Sudetendeutschen und für unsere Ostmärker gilt auch hinsichtlich der kartofiel- und
Getreidespenden das Dort: Der schnell gibt, leistet doppelt!
An der Heimatfront bietet sich für jeden Volks* genossen reichlich Gelegenheit zur Mithllfe im Kampfe gegen die Not. Eine besondere Rolle spielt dabei die Opferspende von den Lohn* und Gehaltszahlungen, da diese einen festen Grundstock für laufende Einnahmen bildet. Jeder Lohn- und Gehaltsempfänger, dessen Arbefts* platz und Verdienst durch das segensreiche Aufbauwerk des Führers gesichert ist, muß es als.selbstverständliche Ehrenpflicht ansehen, daß er
durch seine Spende vom Arbeitsverdienst mithilft an der Bekämpfung von Rot und Elend hilfsbedürftiger Volksgenossen.
ganz gleich, wo dieser Notstand in Erscheinung tritt Und man darf auch erwarten, daß alle Belliebs- führer sich im Nahmen ihrer Betriebsgefolgschaft für die tätige und opferfreudige Mitarbeit an die- fer Aufgabe einsetzen, damit auch auf diesem Wege
UDee £cdix nimmt, (Lee kat’s zugleich. ßlitzlLank, gepflegt und schmiegsam uieich !
die Betriebs- und Volksgemeinschaft im besten Sinne des Wortes zur Tat wird.
Die Einrichtungen in der engeren Heimat im Rahmen der NSV.-Ardeit, die dem Wohle unserer Volksgemeinschaft dienen, bedürfen natürlich auch während der Wintermonate aller Aufmerksamkeit und aller Hilfe. Erwähnt sei hier — als Beispiel — nur das Hllfswerk „Mutter und Kind". Nicht zu unterschätzen ist die
Schaffung von Kindergärten
im Rahmen der Aufgaben der Kreisamtsleftun- der NSV. Als Beispiel sei hier erwähnt, daß in Reichelsheim dieser Tage ein Kindergarten- haus fertig gestellt wurde, das im nächsten Frühjahr in Benutzung genommen werden soll. Ein weiterer Kindergarten ist für die nächste Zeit in Beuern vorgesehen. Daneben sind noch für zahl«
AMM Ml WWW
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
3. Fortsetzung. (Nachdruck »erboten!)
So vergeht kein Sommer, in dem chre Nichte nicht eines Tages mit ihrem kleinen Wagen ange- pllgert kommt. Einzig und allein in dem Jahr, in dem sie glaubte, nicht ohne Meßdorff leben zu können, war sie nicht auf dem Theresienhof. Erst spater — als das vorbei war, kam sie zurück. —
Tante Therese ist glücklich, wenn Karola kommt, und sie geht mit verheulten Augen durchs Haus, wenn eines Tages das Mädchen ihren Koffer packt, um wieder heim zu reifen nach Dresden oder in die Fabrik nach Radevormwald. Sie hängt an ihr, wie es die Muller Karolas nie getan hat. Sie würde alles für sie tun. Daß diese Ferien sehr sellsam beginnen, daß diese eigenartige Geschichte mit dem unbekannten Schwerverletzten das Mädchen fast drei Wochen ans Zimmer gefesselt hat, gibt wohl zu manchen Gedanken Anlaß. Aber sie kennt ihre Nichte und weiß, daß sie nicht nur liebenswürdig, sondern auch dickköpfig sein kann. Es hat also gar keinen Zweck, ihr irgend etwas zu versagen. Darum hat sie ja gesagt, als man ihr den wildfremden Mann ins Haus brachte, hat sich sogar noch gefreut, weil „ihr Mädchen", die Karola, auch mitkam. Sie hat die Hufregung des langwierigen Krankenlagers mitgemacht, sie ist nun auch bereit, Karolas seltsamen Wunsch zu erfüllen.
„Ich möchte, daß Herr Karajan — ja, ich habe den Namen aus den Papieren ersehen — sich bet uns wirklich erholt, Tante, ich habe allerlei Interesse daran. Er darf unter keinen Umständen erfahren, wer ich bin! Verstehst du? Wie ich ihn kenne, würde er sofort abreifen. Ich bin deine Nichte, studiere Musik, leben von einem kleinen Erbteil und deiner Unterstützung — fertig. Auf keinen Fall die Wahrheft! Ich habe meine wichtigen Gründe. Alle Post kommt direkt an dich, auch die Geschäftspost, ich habe das fo angeordnet. Du wirst sie mir bitte nur geben, wenn wir allein find. Onkel mußt du Bescheid sagen und der guten Helene auch. Sonst ist ja doch von deinen Leuten kaum noch jemand über mich unterrichtet, höchstens der alte Schäfer, der Timmermann: aber der ist ja stockstaub und redet nur alle Vierteljahr drei Worte. Wirst du mir versprechen, bas alles zu tun?"
Tonte Therese schüttelt den Kops. Was soll das nur wieder, diese Geheimnistuerei? Schließlich ist das doch keine Schande, wenn ein Mädchen tüchtig ist und eine Fabrik wie die „Vereinigten" leitet, sogar gut leitet! Das kann doch schließlich jeder wissen?
Aber Karola bleibt hartnäckig.
„Du kennst diesen Doktor Karajan nicht, Tante. Ich — weiß von früher her noch, was mit ihm geschehen ist — es ist ihm übel mitgespielt worden. Ich will versuchen, das zu entgelten. Aber er ist ein sehr empfindlicher Mensch. Bemerkt er meine Hilfeleistung, würde er es sofort wie ein Almosen empfinden und mein Eintreten für ihn als Aufdringlichkeit werten, vielleicht wittert er sogar Geschäftemacherei. Er soll hier gesund werden."
Na, was soll da die gute Tante tun?' Es bleibt ihr nichts übrig, als ihre Zustimmung zu geben.
Und so beginnt eine herrliche Zeit, die schönste, an die sich Karajan erinnern kann.
Er steht nun schon wieder auf den Füßen. Sehr fest sogar. Gestern hat er mit Karola einen Streif» zug durch den Hof und das ganze Dorf gemacht, heute haben sie gemeinsam die Schweine gefüttert, und morgen beim Beginn der Ernte wollen sie alle zusammen hinaus, um tüchtig anzupacken. Onkel Thomas lächelt ein wenig. Wenn er sich den langen, ichlakfigen Doktor besieht, kommt's chm etwas komisch vor, daßd er etwa beim Binden helfen sollte oder beim Aufstecken. Dafür scheint er nicht geschaffen zu fein, dafür muß man andere Knochen haben. Na, aber er sagt natürlich nichts, er will ihm den Spaß nicht verderben. Und vielleicht ist Arbeit für ihn tatsächlich die beste Erholung.
Früh am Morgen geht's los. Die Sonne ist gerade über den Berg gekommen, da stehen auch schon die Wagen unten zur Abfahrt bereit. Karola muß sich sputen, daß sie nicht zu spät kommt.
„Hallo r- hierher!" winkt ihr Karajan zu, der schon mit Knechten und Mägden auf einem Leiterwagen steht. Er reicht ihr die Hand, und mit einem Satz ist sie oben.
Er jchaut das Mädchen freundlich an. Sie gefällt ihm von Tag zu Tag besser.
„Sehen gut aus, Fräulein Karolctt Das bunte Kopftuch steht Ihnen ausgezeichnet, überhaupt, es ist schade, daß Sie nicht immer hier auf dem Lande sind. Hierher gehören Sie!"
Karola lächelt ganz heimlich. Oh, du solltest nur missen, denkt sie. Aber sie nickt chm natürlich fröhlich zu, denn schließlich ist's ja eine Schmeichelei, die er da eben gesagt hat, und bas geschieht bei ihm sehr selten.
Unterwegs wundert sie sich, wie schnell er mit den Leuten ins Gespräch kommt. Manchmal denkt sie
ganz erstaunt: Ist das Doktor Karajan, der Chemiker, der damit Dem gutmütigen, uoer etwas beschränkten Bastian erzählt? Er spricht eine Sprache, öie die Leute verstehen; sie spüren doch sonst sehr genau, ob jemand aus ihrem Kreise kommt oder ob er nur so tut. Aber mit Karajan haben sie alle sehr bald Freundschaft geschlossen.
Als sie droben am Roggenfeld sind, das gelb und wogend wie ein goldenes Meer vor ihren Sensen liegt, da läßt der Gutsherr feine Leute sich rm Halbkreis auffteüen. Auch Karola und Karajan treten mit in die Reihe. Sie nehmen nun alle die Mützen ab und Onkel Thomas spricht das Vaterunser. „Unser täglich Brot gibt uns heute..."
Still schauen die Mägde vor sich hin, die Knechte sehen ernsthaft in das Korn, und nun reicht der Aelteste unter ihnen dem Gutsherrn die Sense. Der tut den ersten Schnitt.
Nun kann's erst richtig losghen.
„Wollen Sie binden, Doktor, oder wollen Sie's mal probieren?" lacht Onkel Thomas. Doch zu seinem Erstaunen nimmt Karajan schweigend die Sense, holt aus und der erste Schnitt sitzt, der zweite auch, nein, er haut nicht mit der Spitze in die Erde, er schneidet auch nicht zu hoch, er fährt nur noch ein wenig unsicher, aber als er die ersten zehn Striche getan hat, ist auch das vorüber.
„Donnerwetter!" staunt der Onkel, und man sieht es chm an, daß er sich wundert. „Nun guck bloß, Karola, er kann wirklich mähen! Haftest du das gedacht?"
Auch Karola staunt, aber im Herzen ist sie ftoh darüber. Sie hätte sich geärgert, wenn die Knechte heimlich Witze gemacht hätten.
„3a, siehst du, Onkel", lacht sie, „ich hab's euch doch immer gesagt, in ihm steckt mehr als ihr ahnt."
Zufrieden sieht sich Karajan um.' So, die erste Reche hätte er nun beinahe. Das war mal ein (schnitt. Er sieht die Bewunderung in den Augen der Leute, er sieht Karola lachen und den Dauern, und nun packt ihn der Uebermut.
„Ich werde meinen Strich mähen wie jeder an» bete, Herr Hiller! Ihre Nichte soll Ihnen keinen unnützen Esser ins Haus gebracht haben!"
So geht's den Vormittag über. Aber der Mittag kommt, und es wird heiß, sehr heiß, so daß Karajan manchmal denkt: Nun ist's genug! Nun wirst du wohl Feierabend machen! Er merkt, daß er lange krank war. Auch die Schulter schmerzt. Ader er will's nicht zeigen. Er beißt die Zähne zusammen und schwingt die Sense weiter, und wenn chm die Arme und die Schultern auch brennen — macht nichts, hinter ihm bindet Karola die Aehren zu Garben, und er denkt nicht daran, vor ihr schlapp
zu machen. Im Gegenteil! Er nimmt's als Kraftprobe. Hält er heute durch, dann ist er wieder in Ordnung, dann kann er in den nächsten Tagen den Freunden Nachricht geben und sich an die Arbeit machen. Die wird mehr Kraft erfordern als nur einen Tag die Zähne zusammenzubeißen.
Als sie nach Hause rollen, bergab, da ist ihm war ein wenig wirblig, aber er hat durchgehalten! Und wenn er auch todmüde ins Bett sinkt, kaum, daß er noch gegessen hat, er hat's doch geschafft!
Am andern Morgen geht er zur Post und gibt zwei Telegramme auf. Das eine nach Magdeburg an einen gewissen Ingenieur Wernicke, das andere nach' Berlin SW. 36, posttagernd, an Herrn Georg Hausmann, Kaufmann. Der Posthalter schiebt die Brille erstaunt über die Augen und sieht sich den Mann an, der zwei Telegramme auf einmal aufgibt, eine kostspielige Sache, die man sich in Nie» berau zweimal überlegt.
„Aber das ist ja zweimal dasselbe?" knurrt er mißtrauisch und neugierig. Er wartet natürlich auf eine Art Erklärung. Aber dieser seltsame Fremde- 1 vom Gut denkt nicht daran, seinen Mund aufzutun.
Er zahlt und geht einfach los.
Komische Leute!" brummelt der Mann hinter dem Schalterfensterchen vor sich hin. „Sonntag 12 Uhr Dresden Luisenhof. Karajan."
Und heute ist erst Dienstag! Als wenn er das nicht hätte auf 'ne Postkarte schreiben können! Dafür zwei Telegramme!
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Karosir geht mit ihm den kleinen Weg durch den Garten, lieber die Aue hinweg führt ein Holzsteig, und drüben, hundert Meter über den Häusern, ist eine Wiese, da kann man herrlich sitzen und in die letzten rosaroten Abendwolken schauen.
„Diesen Plan habe ich als Kind schon gerne gehabt", erzählt sie. „Hier konnte ich stundenlang sitzen und Wunschschiffe schwimmen lassen."
„Wunschschiffe —? Was sind das für sonderbare Kähne?"
„Sie kennen das nicht? Oh, es ist eigentlich nur ein Spiel, aber ich nahm's damals sehr ernst damit. Man sieht in den Himmel und sucht sich eine Wdlke, eine recht schöne, weiße. Und dann sinnt man nach, was das wohl sein könnte — ein Reiter oder ein Haus oder ein wildes Tier oder ein Schiff! Sehen Sie, bei mir wurde es 3um Schluß immer wieder ein Schiff, auch wenn's zuerst ein Pferd war. Und auf das Schiff, da lud ich alle meine Wünsche, die ich hatte, und glaübte nun felsenfest, die führen geradeswegs in den Himmel zum lieben Gott. Ulkig, was?" (Fortsetzung folgt.)


