Nr. 238 Zweites Blatt
Aus der Stadt Gießen.
Weltgeschichte im Knopfloch.
Mitunter weiß man nicht, was man mehr bewundern soll: die Größe der geschichtlichen Ereignisse, durch die Deutschland aufs neue zur Weltmacht emporstieg, oder die Schnelligkeit, mit der diese epochemachenden Ereignisse einander folgten. Der Ablauf des historischen Geschehens unserer Tage «leicht einem Riesenfilm, der nur zu eilig vor unseren Augen abrollt. Könnten wir doch die Bilder dieses Geschehens festhalten, um sie von Zeit zu Zeit noch einmal zu betrachten, uns so der Größe des Errungenen wieder bewußt werdend!
Was wir im stillen wünschen, geht schneller in Erfüllung, als wir gedacht haben: man überrascht uns in Bälde mit einer „illustrierten Weltgeschichte", deren Bilder — weit über 100 an der Zahl — Wunder der Phototechnik und des Buchdrucks sind. Dabei können wir diese urkundenechte Weltgeschichte tarnt Bilder und Text in einer Streichholzschachtel bequem unterbringen. Wo es dieses staunenswerte Werk zu kaufen gibt? Wir brauchen gar keine Umwege zu machen, um es zu erstehen. Am nächsten Samstag, 1$. Oktober, und am Sonntag, 16. Oktober, werden uns die Kameraden von der Deutschen Arbeitsfront diese „Weltgeschichte in fünf Bänden" anläßlich der ersten Reichsstraßensammlung des Winterhilfswerks 1938/39 zum Kauf anbieten.
Sobald wir diese schmucken „Bände", deren Format das Maß 3,5 : 4,8 Zentimeter nicht übersteigt, 'ehen, werden wir uns jener Kleinstbücher erinnern, 5ie uns beim vergangenen Winterhilfswerk entzückt «haben. Was damals begonnen wurde, wird he-uer fortgesetzt. Die Titel der fünf Büchlein klingen bereits verlockend genug: „Der Führer und seine Heimat", „Der Führer und sein Volk", „Der Führer und His Winterhilfswerk", „Der Führer und feine LauW", und endlich „Der Führer und Mussolini"! gerade dieses letzte Büchlein werden wir vielleicht iuerjt in die Hand nehmen. Und indem wir Seite iim Seite umblättern, zieht an uns vorüber, was wir unter dem Satz verstehen: Männer machen Geschichte? Auf dem ersten Bilde dieses Büchleins begrüßt der Führer seinen großen Freund auf beut* d)cm Boden; auf dem letzten Bilde verabschieden 'ich der Führer und der Duce auf italienischem Bo- >en in der herzlichsten Weise. Dazwischen liegen die Bilddokumente, die sichtbar machen, wie fest die Achse Berlin—Rom in dem Willen zweier Völker jeranfert ist.
Gleichwohl werden auch die anderen vier Bücher !»ie Aufmerksamkeit und Bewunderung aller derer »eroorrufen, die am Schicksal der Heimat des Führers Anteil nehmen ober die stolz darauf find, wie Nie Bauten des Führers zu wuchtiaen Zeugen einer »oben Kultur emporstreben. Die Wahl, welches der :iinf Bücher wir kaufen sollen, wird sehr schwer -in! Und, wenn wir hier vorschlagen, alle fünf Büchlein zu erwerben, so wissen wir zwar, baß dies i| nir manche em Opfer sein wird.-Aber: wollen wir ,icht alle freudig opfern*? Gerade jetzt, nachdem ein deutscher Sieg nach dem andern — ohne daß es zu 'nem Krieg gekommen wäre — in das Buch der /Weltgeschichte einaetraqen wurde? Gerade jetzt, wo ;s in der Ostmark, wo es im deutschen Sudeten- [llanb zu Helten, zu heilen und aufzubauen ailt? Stat- len mir also unfern Dank dadurch ab, daß mir mit .Hilfe der buntfarbigen Bändchen, die die Bücher ■ ieren, die uns beglückende Weltgeschichte — im Knopfloch tragen!
Hornofwn
Tageskalenber für Dienstag.
Stabttheater: 20 bis 23 Uhr „Der süßeste Schminket der Welt" — Gloria-Palast, Seltersmeg: „Narben im Schnee". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „3m weißen Rößl".
Erste Wiederholung „Der süßeste Schwindel der Welt".
Heute, um 20 Uhr, findet die erste Wiederholung fon „Der süßeste Schwindel der Welt", Lustspiel-
von Hokuspokus bis Napoleon
Beherzigenswerte Zitate von Goeh.
Von Goetz, nicht aus „Götz" — nicht Berlichingen, sondern Curt: das ist ein Unterschied und genau zu beachten. Die folgenden Zitate find entnommen den im Selbstverlag erschienenen gesammelten Werken von Curt Goetz und dem Drehbuch seines Tobis-Films „Napoleon ist an allem schul b".
Ich habe mich ferngehalten von jener leichtferti- 5 ®en Methode gewisser Autoren, die im ersten । Kapitel Versprechungen machen, die sie im letzten 1 icicht ein lösen, die Spannungen erzeugen, ohne sie ,u erklären, oder sich auf so plumpe Weise aus der Affäre ziehen, daß man sie ohrfeigen möchte. Wenn ich behaupte, ein Metzsch sei aus einem Raume, len er weder durch die Tür noch durch das Fenster Aderlässen konnte, verschwunden, spurlos, wie ein in nichts sich auflösender Rauch, und ich halte diese Spannung durch einen ganzen Roman hindurch auf- iecht und komme im letzten Kapitel mit der Enthüllung, daß dieser Raum eine Falltür hatte, so gehöre ich vors Ehrengericht.
t („Dr. weck. Hiob Prätorius.")
♦
Es gibt nichts Bequemeres für eine Frau als einen Mann mit einem schlechten Gewissen — die meisten Frauen machen den Fehler, ihren Männern tos schlechte Gewissen zu nehmen.
(„Napoleon ist an allem schuld.") ♦
Humor, meine Herren, ist nicht erlernbar. Neben Seift und Witz setzt er vor allem ein großes Maß •on Herzensgüte voraus. Von Geduld, Nachsicht und Menschenliebe. Deshalb ist er so selten.
(„vr. med. Hiob Prätorius.") , ♦
Wir wissen aus der Schule, daß die bequemste mb kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten die Gerade ist. Und aus dem Leben wissen wir, baß nan auf Umwegen schneller zum Ziele kommt. Wie Isenn überhaupt das Leben anbers ist als die Schule. Oas ist der Sinn des Lebens. („Jngeborg.")
*
Die meisten Dinge des Lebens sind traurige Dinge. Wir machen sie nicht lustiger, wenn wir sie traurig t-handeln. Die einzigen Dinge, über die es lohnt, ernsthaft zu sprechen, sind lustige Dinge.
(„vr. med. Hiob Prätonus. )
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Schaffende sammeln—Schaffende geben
DAF. eröffnet die Reichsstraßensammlungen des WHW. 1938/39.
NSG. Wie alljährlich, so eröffnet auch in diesem 2ahr die Deutsche Arbeitsfront die Reichsstraßen- sammlungen des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes 1938/39. Am kommenden Samstag und Sonntag treten die Männer der Organisation aller schaffenden Deutschen an und rufen die Bevölkerung zur Opferbereitschaft auf. Die Sammelaktion beginnt im Gau Hessen-Nassau am Samstagvor- mittag mit einem Appell in sämtlichen V e ° trieben, in xbem der Betriebsführer ober der Betriebsobmann die Gefolgschaft zur Spende auffordern wird. Platzkonzerte, die von Werkschar- und Werkskapellen durchgeführt werden, Vorführungen der Volkstumsgruppen und Sportgemeinschaften der NS.-Gememschaft „Kraft durch Freude" finden während der Straßensammlung statt.
Die Straßensammlung der DAF. steht
in diesem Jahre wiederum unter der Parole'„Schaf- fende sammeln — Schaffende geben". Sämtliche Amtswalter der Deutschen Arbeitsfront, Werkscharmänner, Betriebsführer und Dertrauensratsmit- glieber werben sich mit Freude dafür einsetzen, daß die erste Reichsstraßensammlung des WHW. 1938/39 in unserem Gau zu einem großen Erfolg wird. Aber auch jeder wird am Samstag und Sonntag beweisen, daß er den Appell des Führers zu Beginn des Winterhilfswerkes verstanden hat.
Als Abzeichen werben diesmal Buchzeichen in Form eines Büchleins ausgegeben. Die Titel der Büchlein find: „Der Führer und das Winter- Hilfswerk", „Der Führer und fein Volk", „Der Führer und feine Heimat", „Der Führer und Mussolini" und „Der Führer und seine Bauten". Diefe Bücher enthalten Bilddokumeyte einer großen Zeit.
Svndemnweisiing für die betriebe der Stadt Gießen.
3n den allgemeinen Richtlinien für die Sammelaktion der DAF. wurde bereits bekanntgegeben, daß in alten Betrieben ein Sonderbetriebsappell anzusehen ist, bei dem die Betriebssammlung durch- geführt wird.
Die B ü ch f e n a u s g a b e für die Giehener Betriebe erfolgt am Freitag, 14.10., von 15 bis 16 Uhr bei der Kreisamtsleitung der 31SB., Gießen, Goethestrahe 34.
Die Abrechnung muh am Samstagvormittag bei der Bezirkfparkaffe, Giehen, Johannesstrahe erfolgen.
Die Strahenfammlung innerhalb der Stadt Giehen beginnt für sämtliche Ortsgruppen am 15.10., nachmittags 4 Uhr, und am 16.10., vormittags 9 Uhr.
Alle Betriebsführer, Betriebsobmänner, KdF.- Warte, sowie Vertrauensmänner bitten wir, eine Stunde vor Beginn der Sammlung bei ihrer zuständigen Ortsgruppe in den nachstehend genannten Lokalen zum Büchsenempfang für die Strahensamm- lung anwesend zu sein. Die Abrechnung erfolgt ebenfalls in diesen Lokalen.
Giehen. Witte: Württemberger Hof, Vahn- hofstrahe, 3nfj.: Pg. Ruhl.
Giehen - Ost: Gasth. Burkard, Kaiserallee 52.
Giehen-Süd: Ortsdienststelle der RSV., Lrednerftrahe 24.
Giehen-Rord: Cafe Leib, Walltorftrahe.
\ / Deutsche Arbeitsfront,
Kreiswaltung Dellerau.
An das Landvolk des Gaues Heffen-Aaffau.
NSG. Nach einem arbeitsreichen Jahr ist die Ernte eingebracht. Infolge des Landarbeiterrnan- gcls erforderte die Erstellung und Einbringung der Ernte den Einsatz aller Kräfte. Trotz mancher Unbilden der Witterung hat der Himmel die Arbeit der fleißigen Hände auf dem Lande gesegnet. Die letzten Wochen der politischen Spannung haben das Landvolk wieder einmal erkennen lassen, welch' starken Schutz nach innen und außen der nationalsozialistische Staat unter Führung Adolf Hitlers gewährt, und mehr als je zuvor wird auch das Landvolk bereit fein, dem Führer seinen Dank durch die Tat zu beweisen.
In diesen Tagen hat der Führer zum 6. Winterhilfswerk aufgerufen. W i r werden alle bereit fein z u helfen. Durch die Rückkehr der Ostmark zum Reich und durch die Wiedergewinnung der deutschen Brüder im Sudetenland ist bas Winterhilfswerk des deutschen Volkes in diesem Jahre vor weit größere Aufgaben
gestellt als zuvor. So muß auch jeiter deutsche Volksgenosse zu noch größeren Opfern bereit sein, um die riesenhafte Not zu lindern, die unsere Brüder in der Ostmark und in den Sudetenlanden bedrückt.
So ergeht auch an das Landvolk in Hessen-Nassau die Bitte: Helft mit, die Not zu bannen und helft mit, dem Führer seine schwere Aufbauarbeit zu erleichtern! Eure Spenden an Kartoffeln und Getreide im Rahmen der erlassenen Richtlinien sind für die Durchführung des Winterhilfswerkes besonders wichtig. Spende jeder, soviel er kann, um den Erfolg zu sichern! Der Führer weiß, daß er sich auf das deutsche Landvolk verlassen kann. Auch wir im Gau Hessen-Nassau wollen ihn nicht enttäuschen und ihm unseren Dank durch die Tat ab- statten. . Heil Hitler!
Dr. Wagner, Landesbauernführer.
Operette in drei Akten von Rudolf Weys, Musik von Robert Stolz, statt. Musikalische Leitung: Joachim Popelka. Spielleitung: Gert Buchheim. Tänze Thea Maaß. Die Vorstellung findet als 2. Vorstellung der Dienstag-Miete statt Ende 23 Uhr.
DOM.-Untergau 116 Gießen.
Die Anmeldungen für den HJ.-Theaterring sind sofort abzugeben. Anmeldungen, die nach dem 13.10. eintreffen, können nicht mehr berücksichtigt werden.
Die Besprechung der Rina-Schulungsmädel findet am 12.10., um 15 Uhr, auf der Dienststelle statt.
Der nächste Dienst der FA.-Schaft I des BDM. ist am Dienstag, 11.10., um 20.15 Uhr im Möser- Heim. FA.-Schaft II Mittwoch, 12.10., 17 Uhr, Möserheim.
Goldenes Treudienst-Ehrenzeichen verliehen.
Als Anerkennung für 40jährige treue Dienste wurde Steueramtmann Pfeiffer, Obersteuer, infpektor H ö n i g, Steuerinspektor A m e n d, Steuerinspektor T ä u b e r t und Steuersekretär Henrich
Also, merke dir, Pünktchen, alles was du von den anderen denkst, darfst du den anderen nicht sagen. Und alles, was dir die anderen verschweigen, darauf kannst du dich verlassen.
(„Napoleon ist an allem schuld.")
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Ich will Ihnen was sagen: Wenn ich ins Theater gehe, dann will ich lachen oder dann will ich weinen. Und wenn ich dann nach Hause gehe, dann will ich mich nicht genieren müssen, daß ich gelacht habe ober daß ich geweint habe! ' („Hokuspokus.")
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Nichts ist der Welt gefährlicher, als Phantasie und Beweglichkeit des Geistes. Wie dir jeder Diplomat bestätigen wird. Und doch bleibt die Phantasie eines Diplomaten hinter der eiyes jungen Mädchens zurück wie ein Packwagen hinter der Lokomotive. Die Phantasie eines jungen Mädchens ist vernichtend. („Jngeborg.")
Man verliebt sich in den meisten Fällen in das, was der Partner gar nicht besitzt, Es genügt, daß man sich einbildet, er besäße es! Und das ist gut so! Denn es ist weit besser, eine schöne Frau bildet sich ein, du seist ein Genie, als daß sie weiß, daß du ein Esel bist. („Der Lügner und die Nonne.")
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Nichts ist unrentabler, als über Dinge nachzugrübeln, wie sie wären, wenn sie anders wären. Es ist Zeit- und Energieverschwendung. Man hat vollauf genug zu tun, über die Dinge nachzudenken, wie sie sind. * („Jngeborg.")
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Lieber Freund, wenn es wahrscheinlich ist, daß das Elektron des Wasserstoffatoms in einer millionstel Sekunde sieben Milliarden mal seine Bahn durchläuft, wie du neulich öffentlich zu behaupten die Stirn hattest, warum soll es dann unwahrscheinlich sein, daß ein Mann d i e Frau findet, die für ihn bestimmt ist?
(„Dr. med. Hiob Prätorius.")
1 *
Die Kuiist ist eine undankbare Persckn! Und ein Hokuspokus soll nicht in Kunst machen wollen, sondern stolz sein auf seinen Hokuspokus! Denn bei seinem Hokuspokus ist mindestens so viel Kunst, als bei der Kunst ist Hokuspokus? („Hokuspokus.")
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Ein Illusionist ist ein Mann, der die Illusion hat, daß wir seine Illusion nicht durchschauen.
(„Napoleon ist an allem schuld.") *
Malicen soll man überhören. Es ist christlicher.
Und ärgert mehr. (jngeborg.")
Ich habe mit dem Leben mich Gefreut, gestritten und geplagt, Und was ich ungefähr zu sagen hatte. Das hab ich ungefähr gesagt.
(Aus dem Prolog zu den gefarnmel» ten Werken.) ‘
Asketen des Schlafes.
Immer wieder haben Helden des Geistes den Versuch unternommen, sich gegen die Tyrannei des Schlafgottes zu empören. Sie empfanden die Notwendigkeit des Schlafes als eine Demütigung der Willenskraft und sahen in dem Schlummer einen Feind, der ihnen die Zeit ihres geistigen Wirkens und Ellebens schmälerte. Friedrichd erGroße erzählte gern und mit einem gewissen Stolz von dem Zweikampf, den er als junger Mann mit Morpheus bestanden; fein kühner Versuch, sich des Schlafes völlig zu entwöhnen, scheiterte freilich nach vier Tagen; länger hält auch sein eiserner Wille es nicht aus, den Schlummer ganz aus seiner Nähe zu verscheuchen. Aber er gewohnte^sich in Rheinsberg daran, mit ein paar Stunden^ der Ruhe aus- zukommen. Als Ersatz des Schlafes hatte er sich eine systematische Abwechslung in der Arbeit aus- gedacht. So erhob er sich gewöhnlich früh um vier Uhr vom Lager, las sechs Stunden, exerzierte dann und kehrte darauf zum Buche zurück, worauf er sich häufig bis in die zweite Morgenstunde wach erhielt, so daß er als feine „Schlafration" schließlich die Summe von zwei bis höchstens vier Stunden festsetzen konnte. Um sich gegen die Gefahr eines heimtückischen Ueberfalles durch die Müdigkeit zu sichern, soll der König sogar zu einer bereits aus dem Altertum von dem gestrengen Cato überlieferten Methode gegriffen haben, nach der, wenn er vom Schlummer überwältigt, einzunicken drohte, eine Kugel mit hallendem Klang in ein Becken fiel, fo daß er sofort emporfuhr und den gehaßten Feind auf einige Zeit verscheuchen konnte.
Auch W i n k e l m a n n zählt zu jenen geistigen Arbeitern, die ihren Schlaf auf ein Minimum reduzierten. Voll Stolz konnte er später betonen, daß er durch stete Gewöhnung sich dazu erzogen habe, nie mehr als zwei bis drei Stunden Schlafes zu bedürfen. Als er sich in Seehausen in das Studium der Griechen vertiefte und aus seiner ungeheuren Lektüre zum erstenmal ein reines Bild der Antike in feinem Geiste erstehen ließ, ging er mehrere
Dienstag, U. Oktober 1938
das goldene Treudienst-Ehrenzeichen vom Führer und Reichskanzler verliehen.
Die Ueberreichung der Ehrenzeichen erfolgte durch den Amtsvorsteher in feierlicher Form.
Georg Toi>t 85 Jahre alt.
Der Sänger-Veteran des Bauerfchen Gesangvereins, Privatier Georg Todt, kann am morgigen Mittwoch, 12. Oktober, in wunderbarer Frische und Gesundheit seinen 8 5. Geburtstag begehen. Ist schon dieses hohe Alter in Verbindung mit der ein« zigartigen Rüstigkeit des Jubilars besonders bemer« kenswert, so gewinnt dieses Altersjubiläum noch dadurch besondere Bedeutung, daß Georg Todt
Georg Todt. — (Aufnahme: Neuner.) feit nunmehr 64 Jahren aktiver Sänger im Bauer, schen Gesangverein ist und zu den eifrigsten Besuchern der Singstunden gehört, die er trotz seines hohen Alters als seine schönste Erholung ansieht.
Georg Todt ist geborener Gießener. Er erblickte hier am 12. Oktober 1853 das Licht der Welt. Nach dem Schulbesuch erlernte er das Schuhmacherhand, werk. Im Frühjahr 1873 ging er auf die Wander, schäft, die ihn u. a. nach Wiesbaden, Karlsruhe, Straßburg, Konstanz und Zürich führte, wo er fein Wanderleben durch praktische Berufsarbeit unterbrach. Sangesfreudig und lebensfroh, wie er schon als junger Mensch war, sah er es als selbstverständlich an, daß er sich in Zürich und in Konstanz in die Gesangsabteilungen der damaligen Arbeiterbildungsvereine einreihte und dem deutschen Männergesang diente. 1873 kehrte er nach Gießen zurück. wo er beim hiesigen Infanterie-Regiment zur Erfüllung seiner militärischen Dienstpflicht eintrat. Noch als Soldat, im Jahre 1874, wurde er aktiver Sänger im Bauerschen Gesangverein, dem er seit jener Zeit, also seit 64 Jahren, ununterbrochen als Diener des deutschen Liedes angehört. Sein Eifer als Sänger und jein Interesse für den Verein hatten zur Folge, daß er im Jahre 1893 als Bibliothekar in den Vorstand des Bauerfchen Gesangvereins ge» wählt wurde, dessen zweiter Vorsitzender er von 1901 ab war. Das Amt des ersten Vereinsvorsitzen- den wurde ihm im Jahre 1908 übertragen, das er in mustergültiger Weise eine Reihe von Jahren
\Herrlich erfrischend
gründlich reinigend und dabei den Zahnschmelz schonend. Große Tube 40 TI., kleine Tube 15 TL
Winter hindurch nicht zu Bett, sondern saß im Lehnstuhl vor seinem Schreibtisch, von zwei hohen Bücherhaufen umgeben. Um Mitternacht löfchts er die Lampe und zündete um vier Uhr früh das Licht schon wieder an; die Füße stellte er oft in einen Kübel kalten Wassers, um sich wach zu halten. Im Sommer schlief er auf einer Holzbank und band sich einen Klotz an die Füße, der chn bann bei der ' geringsten Bewegung durch Herunterfallen wecken mußte.
Der große Philologe Heyne tat es ihm in solchen Leistungen nach. Er gönnte sich eine lange Zeit hindurch nur zweimal wöchentlich die Nacht- ruhe und brachte es so weit, daß es Ihm gar nichts machte, 48 Stunden und mehr hintereinander auf» zubleiben. Als Lagerstatt dienten ihm seine geliebten Bücher, und zum Kopfkissen hatte er sich einen großen Folianten des Scaliger ausersehen, den er besonders liebte und auf dem es sich ihm daher noch einmal so gut ruhte. Napoleons Askese des Schlafes wurde oft der Kummer seiner Umgebung, selbst in den anstrengendsten Tagen und auf feinen Feldzügen schlief er nie mehr als vier Stunden. Der Schlaf mußte ebenso seinem Willen gehorchen wie die ganze Welt; er konnte, wenn er wollte, einschlafen, auch zu Pferde, oft nur auf ein paar Minuten, und war dann so frisch, wenn er nach einem kurzen Augenblick wieder erwachte, als ob er einen langen, stärkenden Schlummer genoffen hätte. Die fünf Minuten Schlaf, die er sich in besonders erregten Zeiten, völlig ausgekleidet, nachmittags gönnte, konnten ihm eine ganze Nacht des Schlafes völlig ersetzen. Auch Edison, dessen Arbeitskraft das Staunen seiner Mitarbeiter erregte, gehörte zu diesen Aposteln des kargen Schlafes. Immerhin billigte er dem Durchschnittsmenschen fünf Stunden Schlages täglich zu: er selbst aber blieb, wenn ihn eine Arbeit beschäftigte, oft zwei, ja sogar drei Tage lang wach, um dann das Versäumte in einem Schlaf von zehn oder zwölf Stunden nachzuholen.
Hochschulnachrichten.
Dem Professor Dr. Friedrich Wiegers, der einen Lehrauftrag für die Vorgeschichte der Diluvialzeit an der Universität Berlin inne hat, wurde die Dienstbezeichnung Honorarprofessor verliehen. Professor Wiegers Arbeiten behandeln das Grenzgebiet zwischen Geologie und Urgeschichte.
Konsistorialrat Professor Dr. Johannes Stein- b e ck, Ordinarius der praktischen Theologie an der Universität Breslau, ist wegen Erreichung der Altersgrenze von seinen amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.


