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3n 5% Stunden Franksurt-Gießen-Samburg.

Gin Mitreisender berichtet.

DNB Der verdssserte Schnelltriebwagen vom Typ desFliegenden Hamburger", ausgestattet mit zwei 4lv-I'5'12-Zylinder-DieseImotoren, hat den fahrplanmäßigen Verkehr zwischen Frankfurt a. M. und Hamburg ausgenommen. (Wir berichteten gestern darüber.) Nach sehr sorgfältigen technischen Vorbereitungen und zahlreichen Werk st ä t - tenfahrten verließ der FD7 77/78 gestern zum ersten Male mit Fahrgästen um 8.12 Uhr den Frankfurter Hauptbahnhof. Schon n a ch 4 0 M i - nuten tauchte Gießen auf, nach weiteren 13 Minuten wurde Marburg passiert und bereits um 10.18 Uhr hielt der Zug in Kassel zum ersten ganz kurzen Aufenthalt. Um 11.07 Uhr ist Göt­tingen erreicht. Hannover um 12.10 und Punkt 13.47, wie fahrplanmäßig vorgesehen, traf der FDT im Hamburger Hauptbahnhof ein.

Die Gesamtstrecke Frankfurt a. M.Hamburg mit einer Lange von 533 Kilometer wurde also in 5'/r Stunden zurückgelegt, eine Leistung, die einem Durchschnitt von fast 100 Kilometer ent­spricht und Höchstgeschwindigkeiten bis zu 16 0 Stundenkilometer bedingt. Dabei wird für den Fahrgast selbst bei der hervorragen- den Federung des Wagens das hohe Tempo nur

Feuer vom Himmel!

In jedem Jahr ziehen Gewitter über das Land. In jedem Jahr setzt der Blitz Scheunen und Ställe deutscher Bauern in Brand. Es wissen längst nicht alle Volksgenossen, besonders nicht die Bauern, die es in erster Linie angeht, daß von den zündenden Blitzschlägen rund sechsundachtzig von hundert auf das Land entfallen. Der jährlich durch Blitzschlag ungerichtete Schaden geht in die Millionen, von die>em Millionenschaden trägt der Bauer auf dem Lande etwa neun Zehntel.

Man sollte nun meinen, diese Gefahr wäre längst erkannt, und der Bauer hätte die notwendigen Schutz- und Abwehrmaßnahmen getroffen. Weit gefehlt! Nur etwa zwei bis drei v. H. aller Gehöfte auf dem Dorf verfügen über eine sachgemäße Blitz­schutzanlage. Sachgemäß kann sie nur der Fach­mann anlegen, die Kosten sind gering. Wie hoch dagegen beläuft sich der Schaden, wenn der Blitz nicht abgeleitet wird und zündet? Wie schwer wiegen außerdem körperliche Schäden, die der ein« schlagende Blitz verursachen kann?

Im Stall kann man ohne Schwierigkeiten für den notwendigen Blitzschutz sorgen, wenn das Ge­höft über einen Blitzableiter verfügt. Alle großen Eisenteile, wie Tränkeinrichtungen und Pumpen, müssen an den Blitzableiter angeschlossen werden und geerdet sein. Sind die Kühe mit eifernen Ketten

wenig bemerkbar. Um genau 3V? Stunden wird der kD-Zua, der neun Stunden für die gleiche Strecke benötigt, geschlagen. Unnötig zu betonen, daß alle, nur erdenklichen Sicherherts« maßnahmen zur Abwendung von Gefahren­momenten getroffen sind, Maßnahmen, die sich auf anderen Strecken des Reiches bisher immer be­währt haben. Nur etwa zwei Stunden versieht ein Triebwagenführer seinen schweren Dienst, um bann abgelöst zu werden. Auch die eingebaute Sicher- heitsfahrschaltuna, die anspricht, wenn beispielsweise bei Dienstunfählgkeit des Triebwagenführers die Totmannskurbel oder ein Fußhebel losgelassen wird, sei noch erwähnt.

..Fliegender Hamburger" später dreiteilig.

Der Schnelltriebwagen besteht aus zwei Teilen. Er wurde bisher auf der Strecke KarlsruheBerlin gefahren. Wie nun mitgeteilt wird, soll derFlie­gende Hamburger" später aus drei Zugteilen be- stehen. Dieser dreiteilige Triebwagenzug ist gegen­wärtig im Bau begriffen. Für die Strecke Karls ruheBerlin wird in absehbarer Zeit ein vier« teiliger Triedwaaenzug eingesetzt, der auch einen Speisewagen enthalten wird.

angebunden, dürfen diese Ketten natürlich nicht mit dem Blitzableiter irgendwie in Verbindung stehen. Befindet sich das Vieh aus der Weide in einer durch Eisendrähte eingefriedigten.Koppel, verbindet man in Abständen von vierzig bis fünfzig Meter die Eisendrähte durch einen Querdraht aus ver­zinktem Eisen und versenkt diese Querdrähte etwa einen Meter in den Boden. Die auf vielen Weiden stehenden Schuppen, in denen das Vieh bei schlech­tem Wetter Zuflucht sucht, müssen mit einer Blitz- schutzonlage versehen werden.

Nicht jeder Blitz zündet! Und warum soll er aus­gerechnet mein Haus treffen? So denkt vielleicht mancher Bauer. Es ist solange gut gegangen, war- um soll es nun mit einmal einschlagen? Wer so denkt, beweist damit nicht etwa besonderen Mut, sondern offenbart feine Dummheit. Wenn es dann zu spät ist, wenn der Hof in Asche liegt, wenn vielleicht Frau und Kinder durch Blitzschlag verletzt oder getötet sind, oder wenn unersetzbares Familien­gut mitverbrannt ist, bann hilft auch nicht bas Be- wußtsein, daß vorher ja hundert Gewitter vorbei- gezogen sind, ohne daß der Blitz zündete. Der soro- same Hausvater überdenkt rechtzettig alle Möglich­keiten und sichert sein Hab und Gut in seinem und seines Volkes Interesse so, daß nach menschlichem Ermessen nichts geschehen kann. fg. (RAS.)

Aus der Stadl Gießen.

Nachruf für pollux.

Es ist unwichtig, ob die beiden russischen Wind­hunde wirklich so hießen, aber da sie einander wie Zwillingsbrüder glichen, nannte ich sie heimlich Kastor und Pollux. Mit ihrem schlanken Wuchs und ihrer anmutigen Leichtfüßigkeit waren sie die wür­digsten Begleiter einer reizenden junge Dame, die man sich unmöglich etwa zwischen zwei kurzbeinigen wackelnden Teckeln hätte denken können. Der schmale langgestreckte Kopf der beiden Windspiele zeigte beiderseits ein schwarzes Band kurzer glatter Haare und eine ebensolche Rückendecke zipfelte noch den Läufen und nach der am Ende ein wenig spiralig aufgerollten Rute hin über das sonst weiße, seidig glänzende Fell. Kastor streifte mit der Spitze feiner Schnauze das rechte, Pollux das linke Knie feiner Herrin, und immer blieb der Abstand gewahrt, fo feinfpürig paßten sich die beiden Tiere dem Rhyth­mus der Schreitenden und ihrer federnden Schritte an.

Nach längerer Zeit begegnete mir heute die junge Dame zum erstenmal wieder, aber nur von Kastor begleitet, der zu meinem Erstaunen an einer locker hängenden Seine ging. Pollux fehlte, und da dies nicht nur mir, sondern allgemein auffiel, war es leicht zu erfahren, daß das herrliche Tier tödlich ver- unglückt war. Ein Schatten legte sich auf mein Ge- müt und gab dem sonst so beglückenden Erlebnis der Begegnung einen schmerzlichen Nachklang, als ich wußte, daß Pollux von einem Lastauto überfahren worden mar.

Wahrscheinlich geschah es draußen in der Land­schaft, wo es für die beiden Flinkfüßigen eine helle Freude war, in elastischen Sprüngen den leichten Körper auf» und abzuwiegen und wie der Wind über rin Aehrenfeld in schönem Bogen dahinzuschnellen. Vielleicht jagten sie nebeneinander wie Läufer in der Kampfbahn und einem von ihnen, dir, armer Pollux, wurde ein zu weit in den Fahrweg gewogter Seiten- sprung zum Verhängnis.

Daß Kastor jetzt an der Seine läuft, bezeugt, daß die Dame sich nicht ganz schuldlos fühlt an deinem Untergang. Sie hätte dir zurufen, sie hätte dich war­nen müssen! Ob das Unheil dadurch verhütet worden märe?! Ich glaube es nicht, bedauernswerter Pollux! Ich glaube vielmehr, daß es dir bestimmt und unab­änderlich war, von diesem Spaziergang nicht mehr heimzukehren. Wäre der Tod nicht auf dem Tritt­brett des Saftauto«; gestanden und hätte dich mit feiner Sense gestreift, wäre alle? gutgegangen, wie es tausendmal gutgeht im Haften und Jagen des gesteigerten Straßenverkehrs. Aber er hätte dir ein andermal aufgelauert.

Du bist das Opfer für Kastor, der nun gewarnt ist, und für viele andere geworden, die trotzdem dadurch ihrem Verhängnis nicht entgehen. Denn immer wird es Leichtfüße geben und Wagehälse, die es plötzlich reizt, ihr Glück auf die Probe zu stellen und einen Schritt oder Sprung über den sicheren Weg hinweg in das gefährlich Ungewisse zu tun. P. B.

Donwiizen.

Taaeskolender für Donnerstag.

Gloria - Palast (Seltersweg):Schwarzfahrt ins Glück."

Der neue Leiter bt« Tierzuchtamtes

Gießen.

Zum Nachfolger des im April d. I. verstorbenen Oberlandwirtschaftsrates Dr. phil. Otto Wagner wurde Landwirtschaftsrat Dr. Erwin Wagner zum Tierzuchtdirektor und Leiter des Tierzucht­amtes ernannt.

Der neue Leiter des Gießener Tierzuchtamtes ist ein Neffe des bekannten Förderers der oberhefsi- fchen Tierzucht, Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wag­ners. Wie fein verstorbener Onkel so entstammt auch er der hessischen Sippe Wagner. Dr. Erwin Wag­ner ist in Darmstadt geboren. Durch den Besuch der Volksschule in Huiigen bekam er die erste Fühlung mit den Oberhessen. Nach der Absolvieruna des Realgymnasiums in Darmstadt ging er 1920 bis 1922 auf die Höhere Landwirtschaftsschule in Groß- Umstadt. Seine landwirtschaftlichen Studien setzte

er an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohen­heim fort, an der er 1926 fein Examen als Diplom- landwirt ablegte. Zur Ergänzung feiner Kenntnisse studierte er an der Landes-Universität Gießen, an der er bereits 1928 fein Examen als Tierzucht­inspektor ablegte und anfangs 1929 zum Dr. phil. promovierte. Von 1929 bis 1934 konnte Dr. Erwin Wagner seine Kenntnisse der oberhessischen Tierzucht als Assistent am Tierzuchtinstitut Oberer Hardthof bei Gießen vertiefen. Seinen Onkel begleitete er auf den Inspektionen in ganz Oberhesfen. Am 1. Fe­bruar 1934 wurde Dr. Erwin Wagner in die Lan­desbauernschaft nach Frankfurt a. M. berufen, in der er als Unterabteilungsoorstand der Landes­bauernschaft auf den Hauptgebieten der Kleintter- und Fischzucht tätig war.

Als Begleiter des Leiters der Tierzuchtabteilung der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Tierzucht­direktors Dr. Schneider, Frankfurt a. M., ist Landwirtschaftsrat Dr. Erwin Wagner auch mit den neuen Zuchtlinien vertraut.

Die Diensteinführung des neuen Leiters, Tier­zuchtdirektors Landwirtschaftsrat Dr. Erwin Wag­ner durch den Leiter der Tierzuchtabteilung der Landesbauernschaft, Tierzuchtdirektor Dr. Schnei­der, Frankfurt a. M., ist bereits erfolgt.

Neun Monate Landarbeit befreit von weiblicher Arbeitsdienstpflicht.

DND. Zur Durchführung des Vieriahresplanes müssen auch ausreichende weibliche Arbeitskräfte für die deutsche Landwirtschaft bereitgestellt werden. Obwohl die landwirtschaftliche Tätigkeit allein kein Ersatz des Arbeitsdienstes ist, haben der Reichs­minister des Innern und der Reichsarbeitsführer sich damit einverstanden erklärt, daß diejenigen Mädchen über 16 Jahre nicht mehr zur Ableistung der künftigen Arbeitsdienstpflicht der weiblichen Jugend herangezogen werden, die n-achweislich vor dem 1. November 1939 freiwillig mindestens neun Monate Landarbeit geleistet haben. Nähere Aus­kunft über die Durchführung dieser Anordnung er­teilen die Arbeitsämter.

Waffertanls auf -er Heichsautobahn.

Lpd. Die letzten heißen und ttockenen Wochen find nicht gerade günstig für die erst vor geraumer Zeit am Rande der Reichsautobahn gepflanzten Bäume gewesen. Die Wurzeln wurden trocken, und die Bäume drohten teilweise einzugehen. Daran hat auch der Regen der letzten Tage nichts geändert, der

kaum die oberste Bodendecke befeuchtet Hot Man hat sich deshalb entschlossen, den Bäumen größere Wasssrmengen zuzuführen, und so sieht man auf der Strecke Fran kfur tN a u h e i m große Wasser- tankwogen, die dos wertvolle Naß herbeibringen, das bann in großen Schläuchen den Bäumen in solcher Menge zugeleitet wird, daß die Wurzeln, auch die tiefer gehenden, wieder voll durchfeuchtet roerben.

Jetzt Bückling und grünen Hering effen'

Lpd. Die deutsche Heringssaison hat jetzt in voller Stärke eingesetzt. Allein in der letzten Woche sind über 150 000 Zentner Grüne Heringe angclonbet worden, die überwiegend auf dem Fladengrund der Nordsee gefangen wurden. Die Berichte der auf Fang befindlichen Dampfer lauten weiterhin sehr günstig, so daß auch in der kommenden Zeit mit großen Anlieferungen zu rechnen ist. Der Verbrauch hat aber bisher mit diesen stark erhöhten Einsen- düngen nicht ganz Schritt gehalten, fo daß es an einigen Marktplätzen bereits zu einer leichten Stau­ung gekommen ist. Der Grüne Hering, vor allem der daraus geräucherte Bückling, sollte deshalb jetzt in steigendem Umfange verzehrt werden. Der Grüne Hering fällt in diesem Jahr in außerordent- lich guter Qualität an. Die vorherrschende Stück- aröße 3% bis 4 Stück je 0,5 Kilogramm ent- spricht den Wünschen der Verbraucher. Es besteht auch keine Gefahr, daß durch eine verstärkte Nach- frage Preiserhöhungen ousgelöst werden, da seit dem 1. August Festpreise für deutsche Trawlheringe eingeführt worden sind.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 11. Aug. 'Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Feine Molkereibutter, Vi kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9 Pf., junge Hähne, Vi kg 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner,90 bis 1,05 Mk. Wirsing, grün 10 bis 12 Pf., Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15 gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüden 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 20 bis 25, gelb 20 bis 25, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 20 bis 40. Zwiebeln 10 bis 14, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 50 bis 60. Kartoffeln, neue 5 bis 6'/-, 5 kg 50 bis 55 Pf., 50 kg 4,50 bis 5,50 Mark, Falläpfel, M kg 10 bis 15 Pf., Pfirsiche 50 bis 65, Himbeeren 55, Brombeeren 55 bis 60, Birnen 40, Pflaumen 40 bis 70, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 2 bis 10, Endivien 5 bis 15, Sel­lerie 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf.

Aus -er engeren Heimat.

Lastauto gegen Gisenbahnzuo. .

Am gestrigen Mittwoch gegen 13.30 Uhr fuhr in Lollar am Gleisübergang der Lumdatal- bahn ein Laustauto der Gießener Firma Dem 8r E o. gegen einen gerade die Straße überqueren« den Zug. Der Zusammenprall verlies zum Glück noch sehr glimpflich, denn die Autoinsassen kamen mit geringen Hautabschürfungen davon, und das Lastauto erlitt npr einige Beschädigungen. Der Zug konnte seine Fahrt fortsetzen.

Hagelschlag über Gberstabl.

cxD Eberstadt, 10. Aug. Heute abend ging über unserer Gemarkung ein schweres Gewitter nie­der, das mit einem wolkenbruchartigen Regen verbunden war. Der südliche Teil der Ge­markung wurde durch H a g e l s ch l a g stark beschä­digt. Die Hagelkörner erreichten Taubeneigröße. Die auf dem Felde weilenden Bauern fönten nur mit Mühe ihre Pferde im Zaum halten. Der Blitz schlug mehrmals auf freiem Felde ein und entzündete mehrere Fruchthaufen, die niederbrannten. Personen sind zum Glück nicht zu Schaden gekommen.

Landkreis Gießen.

$ Albach, 11. Aug. Am kommenden Samstag, 13. August, kann unsere Mitbürgerin Frau Maria Schwalb, geb. Hahn, die Witwe des Maurers Heinrich Schwalb, ihren 8 0. Geburtstag feiern. Die Jubilarin hat elf Kirchern, vier Knaben und sieben Mädchen, das Leben gegeben. Die hoch-

Zwei hinter Gisela.

Vornan von Hansl Hirihammer.

Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa.

22 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Dann hättest du dich schwer gehütet, meine Liebe, mit dem Zaster herauszurücken." Herr Kage- reit schlug die Beine überemanber und grinste her. ausfordernd.Ah, Radegast.'" wandte er sich an den Eintretenden.Gut, daß Sie kommen!" Können uns einen Teil unserer Sorge tragen helfen. Wie stehl's? Wird unser Erbonkel bald aoschrammen? Nanu, was soll die Armesündermiene? Hat sich der Herr von Lauterbrunn etwa verjüngen lassen? Oder ist Ihnen das Fräulein Braut etwa durch die Bin­sen gegangen?"

Mir ist nicht zum Späßemachen!" stöhnte Rade­gast und ließ sich in einen Stuhl sinken.

Frau Malick fuhr hoch und vergaß für einen Augenblick ihren Kummer.Wieso? Was ist ge­schehen? Das fehlte mir gerade noch, daß ich auch mit dir eine Pleite schiebe. Dann kann ich mich ja gleich bei der Fürsorge anmelden."

Na, na, mein Häseken!" lachte Kagereit.Da müßte es schon noch viel dicker kommen, denke ich. Nun leg mal los, mein Lieber! Stöhn' dich aus!"

Radegast richtete das Wort ausschließlich an Frau Malick, während er oon den Geschwistern Stoll und ihrer Verschwörung berichtete.

Frau Dorothea wippte aufgeregt mit der Fuß­spitze.Eine nette Ueberraschung! Und dabei konn­test du damals nicht genug Worte finden, als es d>r darum ging, mir meine Bedenken auszureden! Es wäre wohl deine Sache, sich den Kopf ein wenig anzustrengen, wie der Gefahr begegnet werden kann."

Radegast hob verzweifelt die Schultern.Denn ich eine Möglichkeit wüßte, wäre ich nicht zu dir ge­kommen."

..Wie denken Sie darüber, Kagereit?"

Kagereit lehnte sich behaglich zurück.Ich bin der Meinung, daß ihr alle beide Gespenster seht, wo gar keine sind. Möchte bloß wissen, was euch so aus dem Häuschen bringt!"

Na, hören Sie!" ärgerte sich Radegast.Wenn her junge Kindlmann die Akten findet, bann kommt doch der ganze Schwindel an den Tag. Ich mochte sehr bezweifeln, ob die Kleine dann noch Lust haben wird, mich zu heiraten."

Und was hindert Sie, mein teurer Freund, den Spieß einfach umzudrehen? Nichts ist leichter als das, nachdem Fräulein Mertens selber bereits ein Mißtrauen gegen diese Leute hegt. Warum hat sich diese Dame Stoll so auffällig um Giselas Bekannt­schaft bemüht? Warum machte sie so angestrengte Versuche, ihr den Bruder als Liebhaber anzudre- hen? Ist das nicht mehr als verdächtig, zumal wenn man noch dazunimmt, daß da mit dem jungen Kindlmann eine dicke Freundschaft besteht? Wenn ich mir's so überlege, möchte ich beinahe glauben, daß mein Verdacht nicht einmal aus der Luft ge­griffen ist. Nun, wie stehe ich da?"

Radegast starrten den Sprechenden an, als sehe er in ihm das achte Weltwunder.Tatsächlich, man möchte beinahe überzeugt fein, daß Ihre Vermu- tung richtig ist? Das wäre ja zum Brüllen, wenn diese Herrschaften sich plötzlich als hm Kol­legen von der Konkurrenz entpuppen würden."

Auf jeden Fall haben Sie eine wirksame Waffe in der Hand,^ falls die Bombe vorzeitig platzen sollte.

Frau Malick mischte lich ein.Wäre es nicht besser, gar nicht erst abzuwarten, sondern die Kon­kurrenz durch einen Gegenangriff unschädlich zu machen?"

Ausgezeichnet!" stimmte Kagereit zuPassen Sie auf, Radegast, wir wollen gleich ein solides Plänchen entwerfen."

Er rückte näher an den Tisch heran, setzte eine Zigarette in Brand und zog seine Stirn in nach- deutliche Falten.

Für den Augenblick ist wohl nichts zu befürch- ten, zumal Fräulein Mertens Ihnen das Verspre­chen gab, keine weiteren Besuche bei Stolls zu machen. Wir haben also zum mindesten ein paar Tage Zeit, unsere Gegenminen zu legen."

Gegenminen?" staunte Radegast.

Jawohl, mein Gold! Und zwar werden-Sie zu­nächst einmal einen netten Brief an den Herrn Notar Kindlmann in Breslau schreiben."

Aber."

Lassen Sie mich doch ausreden! Dieser Bries wird für Sie sozusagen den Wert eines Alibis ha­ben. Sie werden dem alten Herrn mitteilen, daß Sie durch eine Heiratsanzeige ein liebes Mädel fern nengelcrnt haben. Die Heiratsanzeige ist sehr wich­tig für uns, sie widerlegt überzeugend den Verdacht, als ob Sie es im voraus auf Gisela Mertens ab­gesehen hätten. Bitte schön, hätte man etwa diesen Umweg nötig gehabt, wenn man der Schuft märe, für den einen diese böse Menschen zu hatten schei­nen?"

Aber was soll der Bries?"

Kagereit schraubte den Füllhalter auf und griff sich ein Stück Papier vom Schreibtisch.Also, ent­werfen wir gleich einmal die Epistel!"

Er begann au schreiben, während er Satz für Satz laut mitsprach.Mein lieber Herr Notar! Oder erscheint Ihnen die Anrede zu vertraut? Es wird Sie sicher freuen wieder einmal von Ihrem na, so den üblichen Schmus, nicht wahr! Es geht mir gut, fabelhafte Existenz und so, gut eingelebt in Berlin. Dann erzählen Sie kurz, wie Sie Fräulein Mertens kennen und lieben lern­ten, ein zwar armes, aber dafür charaktervolles und höchst liebenswertes Mädchen. Durch einen Zufall bin ich nun höchst merkwürdigen Zusammen­hängen auf die Spur gekommen, in denen zu mei­ner maßlosen Ueberraschung auch Ihr Herr Sohn eine Rolle spielt. Und nun schildern Sie, was Ihnen Gisela heute erzählt hat, skizzieren den In- halt des Briefes, den der junge Kindlmann an feine Freundin schrieb. Ha, ha, ich möchte das Don­nerwetter nicht hören, das auf den Herrn Filius nieberpraffeln wird."

Radegast kratzte sich den Kops.Ich weiß nicht recht ist das nicht eine gewagte Geschichte? Schließlich wird er seinem Sohn mehr glauben als mir."

Wenn er oon dieser Freudin erfährt? Und von der verdächtigen Neugierde des jungen Herrn auf die Akten? Go kennen Sie die Väter schlecht!"

Aber ich kann doch nicht"

Natürlich können Sie! Sie können ruhig zu­geben, das Sie sich nun an eine gewisse Sache erinnerten, flüchtig allerdings nur, denn es fei wohl schon eine Zeit her, daß Sie diesen Fall be­arbeitet hätten. Sie wüßten nun auch, worum Ihnen der Nome non Fräulein Mertens fo bekannt norgefommen fei."

Radegast merkte allmählich, worauf der andere mit seinem Vorschlag hinauswollte.Sehr gut, sehr gut!" murmelte er.

So, und nun aufs Ganze! Ich halte es für meine Pflicht, Herr Notar, Sie auf diese Dinge auf­merksam zu machen. Es geht um das Glück mei­nes Lebens, denn es hat, wie Sie selbst zugeben werden, den Anschein, als besitze Ihr Herr Sohn Kenntnis von gewissen Dokumenten, und als habe er diese Kenntnis seinen Freunden übermittelt, zu dem Zweck, diese zu ihrem Borteil auszunützen. An­drerseits sieht es ganz danach aus, als ob die ge­nannten Leute nun, um einen lästigen Nebenbuhler nnfchädich zu machen, mir diejenigen Motive unter­schieben wollt-m, non denen sie selbst allem Anschein noch geleitet werden. Indem ich mir gestatte, Ihre

Aufmerksamkeit auf diese Vorgänge zu lenken, $ebe ich Ihnen, Herr Notar, die ausdrückliche Versiche­rung, daß ich meine Verlobung mit Fräulein Mer­tens selbstverständlich lösen werde, wenn die Lauter- brunnschen Dokumente sich tatsächlich auf meine Braut beziehen sollten."

Sind Sie verrückt?" fuhr Radegast auf.

Weit entfernt davon! Sie müssen das schreiben, um als vollkommener Ehrenmann dazustchen. Ha. ein Mann, der feiner Liebe entsagt, nur um feiner Ehre willen! Fräulein Mertens wird gerührt fein und nun erst recht auf der Heirat bestehen!"

Ach so!" lachte Radegast erleichtert.

Und nun den Schlußsatz: Ich gebe diese Erklä­rung jedoch in der selbstverständlichen Erwartung, daß Sie nicht zögern werden, die Absichten der Ge­schwister Stoll zu vereiteln, indem Sie Fräulein Mertens die nötigen Aufklärungen geben Im andern Falle müßte ich es selbst hin, denn ich kann nicht zusehen, daß der Mensch, den ich liebe uni immer lieben werde, in fein Unglück rennt."

Radegast strahlte.Sie sind ein Tausendsassa, Kagereit? Wie konnte ich den Mut verlieren' Haben Sie vielen Dank?"

Keine Ursache? Man tut, was man kann!"

25.

Wegen Frau Kretschmar hatte Gisela ein wenig Herzklopfen gehabt. Wie würde sie die Kündigung aufnehmen?

Aber diese Sorge hatte sich als unbegründet er­wiesen.Aber mein liebes Kind, darauf war ich doch gefaßt. Wo Sie doch jetzt heiraten werden! Ziehen Sie nur, ich habe schon jemand in Aussicht als Nachfolger"

Auch im Büro hatte sich alles wieder aufs beste eingerentt, als die Neugierde der Kollegen gestillt worden war.

Ich habe mich verlobt, Kinder?" hatte Gisela mit einem versöhnlichen Lächeln verraten und banut einen begreiflichen Ausruhr hervorgerufen.

Nein, so was!" nahm Fräulein Hinterhuber dis Neuigkeit in Empfang.Gelt, der Herr mit dem Auto! Und ich hob gemeint, es ist bloß so ems Bekanntschaft, na, Sie wissen schon! Da gratulier ich Ihnen halt recht schön!"

Herr Weißfloh mar in verlegener Hast von feinem Stuhl geklettert und brachte vor Aufregung nur unzusammenhängende Worte heraus. Immerhin war sein Schmerz durch die Tatsache gelindert, oatz er begründete Hoffnung in bezug auf Fräulein i Hinterhuber hegen durfte.

(Fortsetzung folgt!)