Ausgabe 
11.5.1938
 
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Oer Allgemeine Deutsche Bankiertag.

Das deutsche Bankwesen steht wieder auf einer gesunden Grundlage.

Berlin, 10. Mai. (DNB.) Am Dienstag wurde in der Krolloper der Allgemeine Deutsche Bankier­tag 1938, der erste Bankiertag im Dritten Reich, eröffnet, der ein wirklich deutscher Bankiertag ist, weil nur Reichsbürger im Sinne des Gesetzes teil- nahmeberechtigt sind. Insgesamt 1045 Anmeldungen sind auf dieser Grundlage erfolgt.

Reicksbankpräsidenl Or. Schacht erinnerte an seine Worte auf dem Bankiertag in Köln im Jahre 1928, die er damals in schroffem Gegensatz zu den Politikern jener Zeit ausgespro­chen habe:Die Hoffnung auf aus Ian- d i s ch e H i l f e ist ein Aktivum, das ich n i ch t m 11 einer einzigen Mark in meine Bilanz ein­stellen möchte. Dagegen ist das Vertrauen in die eigene Kraft ein Aktivum, das lOOprozen- tig bei uns zu Buche stehen muß." Heute nach zehn Jahren könne er feststellen, daß sein damaliger Bi­lanzierungsgrundsatz der richtige gewesen sei. Er habe die deutsche Auslandsver­schuldung nicht nach dem Deflationsrezept der herrschenden Lehrmeinung behandelt, bei dem das deutsche Volk verhungert wäre, sondern er habe den Auslandsgläubigern ihre eigene Verantwortlichkeit vor Augen geführt. Ihre Abwertungspolitik habe er nicht mitgemacht, sondern unseren Devisenschutz- panzer ausgebaut. SeinNeuer Plan" habe einen großen Teil des Welthandels auf unsere Be­dürfnisse umgestellt. , ,

Unsere Zeit steht unter staatlicher Dirtschaftstenkung und deshalb führt jede Theorie, die eine andere Grundlage hat, unweigerlich in die Irre." Die deutschen Ban­ken seien in die Organisation der staatlichen Dirtschaftslenkung eingegliedert und hätten in­nerhalb dieses Bereiches wertvolle Leistungen aufzuweisen. Man sehe, daß die Frage der Ver­staatlichung des Bankwesens überflüssig war. Wichtig dagegen sei eine straffe staatliche k r e d i t a u f s i ch t und die innere Durchdrin- gung des VankweseUs mit der Idee vom Dienst am Volksganzen gewesen. Eine staatliche Wirt­schaftslenkung ohne Zwang fei nicht durchführ­bar. Dieser Zwang dürfe aber nur zu einer gesunden und lebensfähigen Wirtschaftsordnung

führen, nicht zu einem schematischen Wirtschafts­bürokratismus.

Es habe ihn mit einiger Sorge erfüllt, wie sehr die deutschen Banken im Zuge der Rüstungs­finanzierung ihr Geschäft auf den Kredit des Staates ausgebaut und wie wenig fie es auf eigenes Ri.fi ko betrieben hätten. Erfreu­licherweise hätten die Finanzierungsmethoden des Dierjahresplanes wieder in stärkerem Maße dahin geführt, daß die Banken die Verantwortung für ihr Kreditgeschäft selbst zu tragen hatten. Eigeninitiative", so schloß Dr. Schacht,und Selbst­verantwortung sind von jeher Lebenselemente ge­wesen und sie sind es heute noch; wer sie aufgibt, gibt sich selbst auf."

Ministerialdirektor Lange

betonte im Auftrage des Reichswirtschaftsministers Funk, daß sich die Banken bei der Durchführung des Dierjahresplanes erfolgreich eingesetzt haben. Die Finanzierung der Vorhaben des Vieriahres- planes konnte daher, von vereinzelten Maßnahmen abgesehen, ohne Inanspruchnahme staatlicher Mit­tel erfolgen. Ein neues Problem sei die Kapitalver­sorgung der österreichischen Wirtschaft. Auch hier hätten sich die Banken entschlußfreudig eingeschaltet. Es werde anerkannt, daß die Banken bei der Placierung der R e i ch s a n l e i h e n vollen Erfolg zu verzeichnen haben. Dankend anzuerkennen seien ferner die Dienste, die die Banken dem deut­schen Außenhandel unter den schwierigen Be­dingungen der Devisenbewirtschaftung leisten. Be­fürchtungen, daß es beabsichtigt sei, die Realkredit- institute mit ihren wertvollen Erfahrungen allmäh­lich zum Absterben zu bringen, seien völlig unbe- gründet. Bei der Krediteröffnung dürfe es nicht allein entscheidend sein, ob der Kreditnehmer kreditwürdig sei, sondern ob darüber hinaus die Mittel auch der Erfüllung lebenswichti­ger volkswirtschaftlicher Aufgaben dienen. Dies gelte in besonderem Maße bei Be­triebsausweitungen, um Fehlinvestition zu vermeiden. Mit anderen Worten, die Banken müssen künftig mehr denn je bei aller Wahrung privatwirtschaftlicher Gesichtspunkte ihr Handeln von den übergeordneten nationalwirtschaftlichen Gesichts­punkten ableiten bzw. bestimmen lassen.

von Adolf Kraemer, Geschästsführer des Reichsbundes Deutscher Diplomlandwirte.

Wie sieht es in derWirtschastaus?

Die Achse BerlinRom ist nicht nur geopolitisch und geschichtlich bedingt, sie ist auch wirtschaftlich in einer Weise untermauert, daß sich wohl sagen läßt, daß es hier gar keine Gegen­sätze gibt. Der Hinweis darauf, daß beide Länder nicht über alle industriellen Rohstoffe verfügen, dringt nicht durch, denn dieser Mangel ist auch für England und Frankreich gegeben, für Frankreich sogar in einem noch viel höheren Maße als für Deutschland und Italien. Vorn Gesamtaußenhandel betrug der Anteil Italiens bei der Einfuhr im Jahre 1937 rund 221 Millionen Mark, während umgekehrt Deutschland nach Italien für 311 Millio­nen Mark verkaufte. Oesterreich bezog 1937 aus Italien für 289 Millionen Lire, feine Ausfuhr nach Italien stieg sogar auf 631 Millionen Lire.

Der Außenhandel Italiens erreichte 1937 21,3 Milliarden Lire, darunter die Ausfuhr 7,8 Milliarden Lire, die Einfuhr 13,5 Milliarden Lire. Großdeutschland war bei der Einfuhr mit 3,2 Milliarden Lire, bei der Ausfuhr mit 1,8 Milliarden Lire beteiligt, was in dem einen wie dem anderen Fall fast an 25 v. H. heranreicht. Italien hat unter dem Einfluß der Sanktionspolitit die Grundsätze und Richtlinien seines Außenhandels insofern geändert, als es die Einfuhr auf das un­bedingt Notwendige einschränkte, bei der Ausfuhr aber darauf bedacht war, gleiche Werte und Mengen einzutauschen. Italiens rÄrtschaftliche Entwicklung ist trotz Krieg und Sanktionen, also trotz starker Eingriffe von außen, an keiner Stelle rückläufig geworden, sondern hat mengenmäßig allgemein An­genommen. Die unmittelbare Verbindung Deutsch­lands mit Italien nach Wegfall der österreichischen Durchfuhr kann den Warenaustausch nur beleben, zumal beide Länder sich gegenseitig' etwas geben können, was ihnen fehlt. *

Eine Reihe führender industrieller Unternehmun- gen der deutschen Wirtschaft haben ihre Jahres­abschlüsse veröffentlicht, aus denen sich ersehen läßt, daß die Erträge und Reingewinne zum Teil sehr erheblich gestiegen sind. Die Ausschüttung von Dividenden konnte nicht nur erhöht, es konnte auch erreicht werden, daß auch solche industriellen Werke wieder Gewinne an die Aktionäre ausschütteten, die bisher jahrelang ertraglos arbeiteten. Besonders gut hat die Automobilindustrie abgeschnitten, denn einzelne Werke sind imstande, ihre Betriebsanlagen abermals erweitern zu können. Dabei macht sich überall ein Mangel an Facharbeitern gel­tend, was dazu führt, daß die Verfeinerung der ma­schinellen Technik noch weiter ausgedehnt werden muß. Ein Gradmesser dafür, ob eine Wirtschaft ge- sund ist, bildet die Zahl der Insolvenzen. Sie betrüg im April nur noch 174, um damit den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten zu erreichen. Selbst in den Jahren der sogenannten Hochkon­junktur betrug die Zahl der Konkursverfahren bis zu 10 000 und darüber im Jahr, während im Kri- senjahr 1931 nahezu 14 000 Insolvenzen angemeldet wurden. Also mehr als 1000 im Monat.

Die Harpener Bergbau-AG., Dortmund, und ihre Tochtergesellschaft, die Essener Stein-

/ kohlenbergwer ke AG., Essen, konnten im Jahre 1937 die Leistungsfähigkeit ihrer Betriebe den wachsenden Anforderungen des Marktes an- paffen. Während die Förderung des Ruhrbergbaues im abgelaufenen Jahre im Vergleich zu 1936 um 18,84 v. H. anstieg, erhöhte sich bei Harpen, die damit sowohl das Ergebnis von 1929 als auch die bisherige Höchstförderung des Jahres 1913 mit 8,63 Millionen Tonnen überholte, die Förderung um rund 24 v. H. und bei Essener Steinkohle sogar um 26,21 v. H. Die Kokserzeugung ging um' 25,5 v. H. bezw. 27,78 v. H. herauf. Diese Leistung wurde dadurch ermöglicht, daß die Gesellschaften vorsorg­lich in den früheren Jahren Ausbau- und Vor­richtungsarbeiten unter Tage durchgeführt haben, die Arbeitsplätze für neue Gefolgschaftsmitglieder in kurzer Zeit schaffen ließen. So konnte die Ge­folgschaft bei Harpen um 20 v. H. auf 23 242 Mann am Bilanzstichtag und bei der Essener Stein­kohlenbergwerke um ebenfalls fast 20 v. H. auf 15 325 Mann erhöht werden. Hand in Hand mit dieser Steigerung der Produktion und Beleg­schaft ging ein verstärkter Ausbau auf allen Schacht­anlagen Der Gesellschaft. Bei beiden Gesellschaften wurden 14,6 Millionen Mark in Anlagen investiert und zur Bewältigung der neuen Aufgaben auf dem Gebiet der Treibstoffoersorgung die Chemischen Werke Essener Steinkohlen-AG. gegründet. Mit der Aufwärtsentwicklung des Beschäftigungsgrades hat aber der wirtschaftliche Erfolg nicht völlig gleichen Schritt gehalten. Da sich aber das Bild der Erlös­entwicklung günstiger gestaltet hat, zeigt die Er­tragsentwicklung ein befriedigendes Ergebnis, das in einer Steigerung der Dividenden um 0,5 v. H. bei beiden Gesellschaften zum Ausdruck kommt.

Don Jahr zu Jahr dehnt sich die Ruhrgas- A G. in Essen stärker aus. Da seit 1933 auf Grund der gesteigerten Roheisenerzeugung dauernd mit er­höhten Kokereigasmengen gerechnet werden konnte, wurden wichtige Leitungsverläügerungen geschloffen, für die ein Betrag von insgesamt 18,5 Millionen vorgesehen war. Im Jahre 1937 wurde ein großer Teil des Bauprogramms durchgeführt. 158 Kilo­meter Leitungen wurden neu verlegt. Mit Aus­nahme eines Bankkredits von 5,5 Millionen Mark fortnte die Ruhrgas das Programm mit eigenen Mitteln durchführen, obgleich in den vergangenen Jahren die Dollaranleihe verstärkt getilgt wurde. Der Absatz stieg auf 2,35 (2,03) Milliarden Kubik- meter. Die Steigerung entspricht etwa der Zunahme der Kokserzeugung des Ruhrgebiets. Das Betriebs­ergebnis stieg entsprechend dem höheren Absatz. Der Reingewinn blieb jedoch unverändert, da die Steu­ern und Abgaben inzwischen gleichfalls gestiegen waren. Der Absatz hat sich im lausenden Jahr wei­ter erhöht und es wurden an einzelnen Tagen bis zu 8,4 Millionen Kubikmeter Gas abgegeben.

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Der Geschäftsbericht des Westdeutschen Zementverbandes, derWestzement", in Bochum wirft nicht nur ein neues Licht auf die weitere starke Aufwärtsentwicklung der Zement­industrie im verflossenen Jahre, sondern gibt doch einen guten Ueberblick über die besonderen Ver­hältnisse, unter denen die Zementwerke in West­deutschland arbeiten. Bei einem Gesamtabsatz der deutschen Zementindustrie von 12,47 (i. D. 11,53) Millionen Tonnen im Jahre 1937 stieg der Jn- landversand der vier deutschen Zementverkaufsver­bände um 6,10 v. H. auf 10,91 (10,28) Millionen Tonnen. Der Gesamtumsatz derWestzement" nahm etwas stärker zu, nämlich um 10,91 v. H. auf 3,03 (2,73) Millionen Tonnen. Der Absatz im Gebiet der Westzement" betrug 1,83 (1,46) Millionen Tonnen, der gesamte Jnlandabsatz des Verbandes 2,87 (2,58) Millionen Tonnen.

ZdR. Die deutsche Ernährungswirtschaft, als der vom nationalsozialistischen Neuaufbau am frühesten und am stärksten erfaßte Sektor unseres öffentlichen Lebens, hat sofort nach dem Umbruch schlagartig den Einsatz qualifizierter Fachkräfte benötigt. In der Symphonie der Zusammenarbett von Führung und Gefolgschaft in der bäuerlichen Selbstverwaltung fand insbesondere der Diplom- l a n d w i r t ein ungewöhnlich vielseitiges Arbeits­gebiet. Der Einsatz von Diplomlandwirten stieg ganz allgemein in der öffentlichen und in der priva­ten Verwaltung sehr bald über das Maß hinaus, das aus dem großen Reservoir brachliegender und unbefriedigt genutzter Kräfte aus der Zeit vor dem Umbruch vorhanden war. Dazu kam, daß die Len­kung dieses Einsatzes dadurch erschwert wurde, daß Di^omlandwirte wiederholt aus gegebenen Anlässen (Relchsnährstandsaufbau, Reichsbodenschätzung, Er- Weiterung des Unterrichts- und Deratungswesens) mehr oder minder sporadisch abgesetzt werden mußten.

Heute mangelt es im Ernährungssektor überhaupt an qualifizierten Fachkräften. Insbesondere aber be­ginnt von Jahr zu Jahr ansteigend der Mangel an praktisch und wissenschaftlich d urch ge b ild e te n Diplomlandwirten Ausmaße anzunehmen, die zu ernster Besorgnis Anlaß geben. Wenn auch die ungewöhnliche Viel- eitigkeit der Berufe des Diplomlandwirtes.und ein besonderer Mangel an verwendbarem Quellen- material die Feststellung des tatsächlichen Bedarfs erschwert, so läßt doch eine gewissenhafte Auswer­tung der Hochschulstatistik und der Berufsstatistik des Reichsbundes Deutscher Diplomlandwirte (RDL). Rückschlüsse auf den voraussichtlichen Bedarf zu, die der Wirklichkeit weitgehend nahekommen werden. In den nächsten drei Jahren werden im Durchschnitt rund 400 Diplomlandwirte je Iahrbe­nötigt. Reservoirs sind nicht mehr vorhanden. Erwerbslose qualifizierte Diplomlandwirte in nen­nenswerter Zahl gibt es nicht mehr. Etwa 400 Diplomlandwirte, die in der Kartei des RDL. als in unbefriedigter Stellung" geführt werden, er»

Wie auf allen anderen Gebieten, so ist auch auf dem Gebiet des H a nd e 1 s s ch i f f b a u e s Deutschland vom internationalen Konjunkturrück­schlag nahezu unberührt geblieben. Im Jahre 1932 war der Bau deutscher Handelsschiffe auf deutschen Werften auf knapp 100 000 Tonnen eingeschränkt, was 1933 zunächst noch nicht geändert werden konnte Dann aber setzte gewiß auch im Rahmen der internationalen Konjunktur ein Aufstieg ein, der aber bei Deutschland erheblich stärker war als bei allen anderen Nationen, mit Ausnahme von Japan. Deutschland baute selbst im Konjunkturjahr 1928 rund 250 000 Tonnen, England im gleichen Jahr 1,6 Millionen Tonnen, Japan nicht viel mehr als 100 000 Tonnen. Bis zum Jahre 1937, nach Ueberwinduna der Mrtschaftsdepression, hatte sich das Verhältnis in der Weise geändert, daß Deutsch­land über 400 000 Tonnen baute, England nur noch knapp 1 Million, Japan aber fast 500 000 Tonnen. Wichtig ist hierbei, daß der Bau von beut» scheu Schiffen auf fremden Werften von Jahr zu Jahr zurückgegangen ist, was der Leistungsfähigkeit der deutschen Schiffsbauindustrie entspricht. Deshalb bat auch der Schiffsbau auf deutschen Werften für f r e mb e Rechnung eine starke Zunahme erfahren, sowohl von Dampf­schiffen wie von Motorschiffen. Ende 1937 waren für fremde Rechnung nicht weniger als 506 000 Bruttoregistertonnen.

Die kürzlichen Veröffentlichungen des Germa­nischen Lloyd weisen ein Wachstum des deutschen Anteils an der Welthandelsflotte von 6,25 v. H. gegen 5,97 v. H. im Vorjahr aus. Wir haben heute wieder 4,16 Millionen Bruttoregister» tonnen (1933: 3,88) Handelsschiffsraum nir Ver­fügung, womit feit 1931 erstmals wieder die Vier- Millionengrenze überschritten worden ist. Der (9er- manrsche Lloyd schätzt, daß die Flotte bis Ende

streben eine Aenderung vorwiegend aus Gründen der Berufssicherheit ober wünschen Uebergangs- und Ausbildungsstellen xu verlassen. Sie wirken da­mit nicht bedarfsnerminoernd. Somit wird der Be­darf ausschließlich aus dem Nachwuchs gedeckt werden müssen.

Zur Zeit weist die Hochschulstatistik an den deut­schen Universitäten unb der landwirtschaftlichen Hochschule' Hohenheim 1100 landwirtschaft­liche Studierende aus. Von diesen UOO Stu­dierenden stehen im ersten Studienjahr (1. bis

2. Semester) 254, im zweiten Studienjahr (3. bis

4. Semester) 294, im dritten Studienjahr (5. bis

6. Semester) 403. Weitere 152 stehen in höheren

Semestern. Don der Gesamtzahl der im Reich Stu- dierenden werden erfahrungsgemäß 20 bis 30 v. H. auf eine Abschlußprüfung verzichten ober nach be­standenem Diplomexamen in den väterlichen oder in fremde Betriebe zurückwandern. Der Rest steht für die öffentliche und private Verwaltung zur Ver­fügung. Mithin fehlen: 1938 rund 70 bis 140 Diplomlandwirte. Das werden 1939 rund 130 bis 220 Diplomlandwirte und 1940 rund 150 bis 260 Diplomlandwirte fein. Diesergeistigen Land­flucht" in der Berufswahl muß unter allen Um­ständen und mit allen Mitteln entgegengearbeitet werden. Das deutsche Bauerntum hat trotz des Blut- ftroms», der traditionsgemäß zur Wehrmacht fließt, genügend wertvolle nachgeborene Bauern­söhne, die über eine höhere Schulbildung und über das landwirtschaftliche Studium zur Land­wirtschaft zurückgeführt werden müssen. Notwendig ist hier vornehmlich zweierlei: Einmal in Zusam­menarbeit aller hier interessierten Stellen eine starke ethische und moralische Werbung, und zum anderen von der Berufsseite her eine weitgehende beruf­liche Sicherung, insbesondere ein Ausbau aller Maßnahmen, die geeignet sind, es dem jungen Diplomlandwirt so frühzeitig wie möglich zu er­möglichen, nicht nur seinen beruflichen und agrar« politischen, sondern auch feinen bevölkerungspoliti­schen Pflichten Genüge zu leisten.

dieses Jahres auf etwa 4,5 Millionen Bruttoregister­tonnen angewachsen fein wird, womit sie dann nur noch rund 0,75 Millionen hinter dem Vorkriegs­stand zurück fein würde. Bei dieser ganzen Ent­wicklung ist noch besonders zu vermerken, daß der Mangel an deutschem Schiffsraum zum Ankauf von nicht weniger als 31 Schiffen aus dem Aus­lande geführt hat.

Ein weiterer Nachweis der Wirtschaftsbelebung liegt in der Entwicklung der Bankgeschäfte. Wenn wir kurz die Monatsbilanz überfliegen, zeigt sich an dem gesteigerten Geldbedarf deutlich die zum Teil schon früh begonnene Be­lebung, wie z. D. in der Landwirtschaft und in der Bautätigkeit. Gewiß haben die vielen um den März herum liegenden Zinsverpflichtungen und sonstigen Zahlungsverpflichtungen zu diesem Auftrieb wesent­lich beigetragen. Diel bemerkenswerter und charakte- ristischer ist jedoch die Tatsache, daß trotz des Geld­bedarfs der Kundschaft die Einlagen über­wiegend und sogar kräftig gestiegen sind. So haben sie bei allen Instituten zusammen um mehr als eine Diertelmilliarde zugenommen, was neben der günstigen Sparkasseneinlagen-Ent- wicklung der beste Beweis für die Auftriebskraft der Kapitalbildung ist. Der Rückgang der Wechsel­proteste läßt die fortschreitende Besserung erkennen. So zeigt sich schon an der Entwicklung im Februar (die März-Statistik liegt noch nicht vor), daß der Rückgang der Zahl nach 3,1 v. H., der Geldsumme nach 5,3 v. H. beträgt gegenüber dem Dormonat. Auch sank der Durchschnittsbetrag je Protestwechsel auf 132 Mark gegen 135 Mark ttn Januar. Ziem- lich unverändert ist dabei das Bild, wonach die meisten Wechselproteste im Bereich von 50 bis 500 Mark liegen, während der prozentuale Beteiligungs­abfall höherer Wechsel jäh und auffallend ist.

Die feindlichen Brüder.

Von unterem G. $.<fforrefponbenten.

Paris, Mai 1938.

Paris hat einen eigenartigen Anschauungsunter­richt erlebt; der Verlauf d e r Jeanne- d'Arc-Feier hat wieder einmal die Tatsache in Erinnerung prüfen, daß die innere Krise der gei­stigen Kräfte, die ein neues, nationales Frankreich schaffen wollen, unverändert weiterbesteht und sich vielleicht noch verschärft hat. Man mag diese Krise bedauern ober ihr gleichgültig-objektiv gegenüber» stehen den einen Vorzug hat diese Jeanne-d'Arc- Feier jedenfalls gehabt, daß die Auseinandersetzung zwischen den beiden hauptsächlich interessierten Gruppen, b.: Action Fran?aise unb der Partei des Obersten b e la Rocque, ihrer pa­pierenen Formen entfleibet würbe und die Haupt­akteure sich in Fleisch unb Blut in einem unb dem­selben Umzug zeigten.

Auch der Staat hat seinen Anteil an Der Ie- anne-b'Arc-Feier genommen, aber er hielt sich wie üblich im engsten Rahmen. Sozusagen unter Aus­schluß der Öffentlichkeit zogen die Truppenaborb- nungen auf dem hermetisch abgesperrten Teil der Rue de Rivoli zwischen der Place de la Concorde und dem Palais Royal vorüber, noch dazu am frühen Morgen. Das offizielle Frankreich hat nur widerstrebend seinen Anteil an den Feiern für die Jungfrau von Orleans genommen; der Kult der Jeanne d'Arc ist eine Angelegenheit des katholischen und royalistischen Frankreichs. Seine Vertreter waren es, die ihre Blumen und Kränze an dem bescheide­nen, vergoldeten Reiterstandbild niederlegten, das sich auf der kleinen, quadratischen Place des Pyra- mibes im Zuge der Rue de Rivoli erhebt.

Don der Place Dendäme durch die Rue be Castiglione zur Rue be Rivoli bewegten sich die Gruppen; die Tuilerien vor ihnen, wo sich die Pfadfinder versammelt hatten, lagen im Glanz her Frühlingssonne, die Absperrungen hatten dichte Ketten von Mobilen Garden mit Stahlhelm und Gewehr und von Polizeimannschaften gezogen. Die Marseillaise und Vive-Ia-France-Rufe begrüßten die katholische Jugend-Organisation. Dann eine faschi­stische Note: Diele Zuschauer erheben den Arm zum faschistischen Gruß, als laittingers Parti national et social erscheint; ebenso beim Vor­beimarsch von Dorio ts Parti Populaire, dem ein kleiner Fahnenwald voranmarschiert. Stur- misch begrüßt werben beim Parti Populaire d i e Arbeiter-Vertretungen aus großen indu­striellen Werken, wie Citroen, Peugeot, den Waren- ; Häusern usw. Wie die Gruppen der Action- Fran^aise erscheinen, treten die im Publikum unter den Kolonnaden der Rue de Castiglione ver­teilten Camelots in Erscheinung; sie geben die Stich- morte für die Sprechchöre und die Beifallskund­gebungen. Charles . Maurras, halbtaub, klein und bärtig, dankt.Maurras au pouvoir!Vive le roi!Le roi ä Paris! erschallen die Parolen.

Ein kritischer Augenblick scheint dann einzutreten, , als die zahlreichen Gruppen des Parti Social des Obersten d e l a R o c q u e sich von der Place Dendome her in Bewegung setzen. Die Camelots pfeifen:Vendu la Rocque!La Rocque au gibet! ertönt es im Sprechchor. Diese Parolen haben Bezug auf die dem Obersten be la Rocque gemachten Vorwürfe, daß er jahrelang Bestechungs- gelber der Regierung für die später aufgelöste Feuerkreuz-Organisation angenommen habe. Die Anhänger be la Rocques unter den Zuschauern reagieren heftig;Vive la Rocque!P. S. F. par­tout! so befehlen sich die Sprechchöre in einem ohrenbetäubenden Lärm. Die Anhänger von Maur­ras schwenken den P. S. F.-Leuten im Zug die mit« geführten Nummern der ZeitungAction rran^aise entgegen, aus dem Zug heraus wird ebenso er­widert, indem de la Rocques Zeitung, dasPetit Journal", in die Luft gehalten wird. Man muß be­fürchten, daß die Gegner handgreiflich werden, aber es bleibt bei den Schimpfkonzerten, gelegentlich brandet sogar die Marseillaise auf und beschwich­tigend erklingt es:Avant tout, la France!

Lange nach der Mittagsstunde noch, lange nach Beendigung des Vorbeimarsches, halten die debat­tierenden Gruppen die Umgebung des Denkmals der Jungfrau von Orleans besetzt. DiePucelle de France blickt über all das hinweg, umgeben von einem hölzernen Gerüst, das in goldene Spitzen ausmünbet und mit Glühlampen besetzt ist. Um sie türmt sich ein Wald kostbarer duftender Kränze und Blumenspenden auf; jetzt kommen Einzel­personen, ordnungsliebende französische Bürger, und legen bescheidenere Blumengaben, die sie den Straßenhändlern ab getauft haben, zu Füßen des Denkmals nieder.

Oie Ankurbelung der Wirb schast in Frankreich.

Daladiers Programm, II. Teil.

Paris, 10. Mai. (Europapreß.) Ministerpräsi- dent Daladier hat in einer mehr als dreistündi­gen Sitzung zusammen mit den in Frage kommen­den Ministern den zweiten Teil der Verordnungen über die Wiederbelebung d e r Wirtschaft ausgearbeitet. Die Minister gingen von dem Grund­satz aus, daß die französische Erzeugung unter allen Umständen erhöht werden müsse. Von die­sem Ziel seien daher auch, wie versichert wird, die neuen Verordnungen beeinflußt worden. Vor allem soll der Bauindustrie durch Steuererleichte­rungen und Kreditausweitungen geholfen werden. Die Hauseigentümer sollen durch Steuerermäßigun-- gen zu Jnstandsetzungsarbeiten angeregt werden. Zur Herabdrückung des Außenhandelsfehlbetrages soll die A l k o h o 1 e i n f u h r durch eine Erhöhung der Alkoholbesteuerung und durch eine Erhöhung der Jnlandserzeugung verringert werden.

Die Verhandlungen, die der Arbeitsminister R a- mabier im Hinblick auf eine geschmeidigere Hand­habung der Vierzig - Stunden - Woche führt, sollen noch nicht sehr weit gediehen sein. Auch das ©treifftatut sei noch nicht beratungs­reif. Jedenfalls würden diese beiden Punkte in dem zweiten Teil der Regierungsverordnungen noch nicht enthalten fein.

Oie Finanzlage Belgiens.

Einsparungen und neue Steuern.

Brüssel, 10. Mai. (DNB.) In einer Atmo­sphäre politischer Hochspannung wurden in der Kammer die Regierungserklärungen zur Finanz­lage abgegeben. Dor dem sehr unruhigen Hause er­klärte der Finanzminister 6 o ud a n, daß es dtr Regierung gelungen fei, den ursprünglichen Fehl­betrag von 1900 Millionen auf 1150 Millionen durch Einsparungen herunterzuschrauben. Weitere Einsparungen seien unmöglich. Da der