Montag,U.April 1938
Nr. 85 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Das Kabinett Daladier
Paris, 11. April. (DNB. Funkspruch.) Die gesamte Pariser Morgenpresse steht unter dem Eindruck des triumphalen Abstimmungssieges in Großdeutschland. Sämtliche Blätter berichten in großer Aufmachung. Schon in den Ueberschriften kennzeichnet sich die überwältigende Wirkung dieser Wahl. So lauten einige Schlagzeilen: „Der triumphale Volksentscheid." „Hitlers glänzendster Sieg." Besonders werden in den Ueberschriften die 99- prozentigen Gesamtergebnisse im alten Reich und in Oesterreich hervorgehoben.
In der Beurteilung der Abstimmung zeigen sich in den Zeitungen allerdings auch diesmal seltsame Zwiespältigkeiten. Die nach Deutschland oder Oesterreich entsandten Korrespondenten berichten objektiv, was sie mit eigenen Augen gesehen haben und würdigen diesen gewaltigen Erfolg — wenn auch mit einigem Neid — während die Pariser Leitartikler von ihrem Redaktionstisch aus die alte Verständnislosigkeit ausbringen. „Epoque" stimmt noch einmal einen Sterbegesang für die „Oesterreichische Unabhängigkeit" an, muß dann aber feststellen, daß Hitler jetzt endlich den Traum verwirklicht habe, der schon vor neunzig Jahren im Frankfurter Parlament geträumt wurde und den später selbst Bismarck nicht zu verwirklichen vermochte. Ein stolzes Volk habe am Sonntag gesprochen. Wie weit sei es jetzt entfernt von der Erinnerung an die Weltkriegniederlage.
mehr freizugeben.
Das „12-Uhr-Blatt" schreibt: Das Wahlergebnis ist die grandioseste und vollkommenste Willensäußerung, die jemals ein Volt abgab. Die
Der Eindruck in Belgrad.
Belgrad, 11. April. (DNB. Funkspruch.) Das einmütige Bekenntnis des gesamten deutschen Volkes zu seinem Führer hat auch in Jugoslawien allerstärksten Eindruck gemacht. Man hatte einen Sieg von 95 o. H. erwartet und ist deshalb vom jetzigen Ergebnis einfach überwältigt. In politischen Kreisen sprach man offen aus, daß noch nie in der Geschichte ein großes Volk so geschlossen hinter einem Mann stand wie heute das deutsche Volk hinter Adolf Hitler. Zugleich betont man die feste Zuversicht, daß diese gewaltige Kraft der Sicherung des europäischen Friedens dienen wird. Die Montagsblätter schildern in zahlreichen Sonderberichten der Wiener Vertreter die Begeisterung der gesamten Bevölkerung. Eingehend beschreiben sie den Wahlvorgang, wobei sie besonders hervorheben, daß bei der Abstimmung die Geheimhaltung gewährleistet war und zur Auszählung ausländische Journa- listen Zutritt hatten. Ferner unterstreichen sie noch die den Deutschen eigentlich selbstverständliche Tatsache, daß die Wahl im ganzen Reiche ohne jeden Zwischenfall verlief.
Oer Größe der Stunde würdig
Oie ersten preffestimmen der Isteichöhauptstadt.
Der Berliner Berichterstatter des „Petit Journal" greift das Abstimmungsergebnis der Stadt Rothenburg (Tauber) heraus und schreibt: Wie könne man nicht voll Bewunderung und Staunen über das Ergebnis dieser Stadt sein, in der von 25 469 Wahlberechtigten alle gewählt und alle mit Ja gestimmt hätten. — Der Leitartikler des „Jour" wendet sich gegen die Behauptung jüdischer Emigranten, daß auf die Wähler in Deutschland und Oesterreich ein Zwang oder Druck ausgeübt worden sei. Das ganze große Deutschland mit Oesterreich sei in allen Teilen einmütig und vollständig hinter seinen Führer getreten. Der Führer könne dieses GroDeutschland führen, wohin er wolle. Und es wäre besser für Frankreich, wenn es die Konsequenzen aus diesem Erfolg ziehen würde.
„Sieger ohne Blutvergießen."
Der Eindruck in Schweden.
Stockholm, 11. April. (DNB. Funkspruch.) Das überwältigende Ergebnis der Volksabstimmung in Großdeutschland beherrscht das Bild der schwedischen Presse. In ganzseitigen Balkenüberschriften verkünden die Zeitungen den Prozentsatz der Ja- Stimmen. Unter der Ueberschrist „Das jubelnde Deutschland" erklärt „Stockholm Tidningen", eine der größten Volksabstimmungen, die jemals stattgefunden haben, sei in einer Jubel st im- mung erfolgt, eine Tatsache von welthistorischer Bedeutung habe dadurch ihre nachträgliche Sanktion erhalten, was die Stellung Deutschlands radikal verändert. Die Oesterreicher hätten bekräftigt, daß sie mit dem, was am 11. März geschehen sei, zu- frieden seien, und ihre Stammverwandten im großen Reich hätten bekräftigt, daß sie die Brü- d e r mit o f f e n e n A r m e n a u f nehmen. Adolf Hitler stehe nun a u f der Höhe der Macht und der Erfolge. Es sei die Jrome der Ge- schichte, daß ein von den Siegermächten schlecht behandeltes Deutschland aus dem langen Kampf a l s Sieger ohne Blutvergießen hervorge- gangen fei. Der Friede von Versailles sei nur dem Namen nach ein Friede gewesen, dessen Zeuge sei die heutige Unruhe in der Welt.
„Hitler hat Recht gehabt."
Starker Eindruck in England.
L o n b o n , 11. April. (DNB. Funkspruch.) Für die Londoner Montagmorgenpresse ist die Abstimmung das Hauptereignis des Tages. Daily Telegraph über- schreibt seinen Wiener Bericht „U e b e r w ä l t i - gende Mehrheit für Hitler." Der Bericht- erstatter hebt besonders die freudige Stimmung der Wähler und das farbenfrohe Bild in den Straßen hervor. Ausführlich beschreibt er die Stimmabgabe von Kardinal Jnnitzer, der mit dem deutschen Gruß In das Wahllokal trat. Wie tu übrigen Vlat-
Starker Widerhall im Ausland.
Oie pariser presse stellt bewundernd Einmütigkeit des Volkswillens fest
Berlin, 11. April. (DNB. Fünkspruch.) lieber das einzigartige Ergebnis der Abstimmung schreibt im „Völkischen Beobachter" Hauptschrift. Ieiter Weiß u. a.: Mit einem einstimmigen Ja hat das deutsche Volk die größte Urkunde aller Zeiten unterzeichnet. An dieser gewaltigsten Demonstration eines Dolkswillens kann die Welt nicht mehr teilnahmslos. Vorbeigehen. Ein Wunder ist vollbracht worden. Aber es wäre nie geschehen, wenn nicht der übermenschliche Wille eines Mannes bestanden hätte, der es sich zu seinem Lebensziel gemacht hatte, das deutsche Volk einen steilen und schwindelnden Weg zur Höhe zu führen, auf dem jeder andere vor ihm rettungslos gestrauchelt wäre. Aber noch etwas ist es, das uns in dieser wunderbaren Stunde glücklich macht: die Erkenntnis, daß . das von allen Hunden der Welt gehetzte deutsche Volk sich würdig und fähig erwiesen hat, dem Rufe seines Führers zu folgen, dessen Reden ein unsterbliches Zeugnis für die staunenerregende Kraft seiner Seele bleiben wird, ihre Gefühle auf ein ganzes Volk zu übertragen. Heute wissen wir, wie sehr sich der Führer die Wiedervereinigung seiner österreichischen Heimat mit dem Reich innerlich zu feiner Lebensaufgabe gemacht hat. Und es ist so das freudigste Gefühl, das uns heute beherrscht: das deutsche Volk in Oesterreich hat sich in seiner geschichtlichen Größe gezeigt und in der herrlichsten Weise bewährt. Im Glauben an den Tag der Freiheit hatten die österreichischen Parteigenossen Qualen und Verfolgungen der Systemzeit auf sich genommen und ihr Leben ge- opfert. Ihnen vor allem gebührt unser unauslöschlicher Dank. Die Heimkehr der deutschen Ostmark ist unwiderruflich Tatsache geworden, und nun ist es an uns, dieses Reich mit unseren Fäusten festzuhallen und es nimmer-
ter, so schildert auch der Daily Mail, daß die Wähler in Wien trotz bitterer Kälte schon in den frühen Morgenstunden vor den Wahllokalen Schlange gestanden hätten. Unter der Ueber- chrift „Größeres Deutschland" schreibt die Times, die Frage sei nicht so sehr, wie das Endergebnis ausgehe, sondern weshalb überhaupt eine Wahl abgehalten wurde. Der Wett zeige sie die disziplinierte Einigkeit des deutschen Volkes. Adolf Hitler habe Recht g e h a b t, als er agte, daß die Oesterreicher z u m d e u t f ch e n D o lk gehören, in einem deutschen Lande wohnen und an einem größeren Deutschland teil zu haben wünschen, seitdem die österreichisch-ungarische Mon- archie zerbrochen wurde. Abgesehen von den „Methoden , die angewandt worden seien, habe es — behauptet dos Blatt dann — in England niemals ein Gefühl gegeben, das gegen die Vereinigung von Oesterreich und Deutschland eingestellt gewesen ei, noch sei diese Vereinigung selbst auch nur oie geringste 'Schranke gegen eine Verständigung zwi- chen Großbritannien und Groß-Deutschland. Zwei- fellos würde durch diesen Anschluß die Stärke Deutschlands zunehmen. Aber Großbritannien sei ja auch damit beschäftigt, seine Stärke zu vermehren.
deutsche Nation hat sich gestern selbst den größten Feiertag ihrer Geschichte gegeben. Die Heimat Adolf Hitlers hat sich jo einmütig zu ihrem Sohn bekannt, daß man sich der Lügen über die „Vergewaltigung" Deutsch-Oesterreichs nur noch mit Abscheu zu erinnern vermag. Was für ein unentschuldbarer furchtbarer Betrug am Weltgewissen wäre hier zustandegekommen, hätte man Herrn Schuschnigg gewähren lassen, diesen Herrn Schuschnigg, der sich schon vorher ein Wahlergebnis von 95 v. H. zu seinen Gunsten „ausgerechnet" hatte. Diejenigen aber, die noch bis in die Stunde der Abstimmung hinein Herrn Schuschnigg moralischen und politischen Kredit zu geben bereit waren, mögen jetzt an das Wort denken: „Wer die Wahrheit kennet und saget sie nicht, der bleibt ein ehrlos erbärmlicher Wicht."
Die „ M o n t a g s p o st " erklärt: „Diese heilige und historische Wahl wird immer ein Ruhmesblatt in der deutschen Geschichte sein. Großdeutschland i st e r st a n d e n in einer Macht und Herrlichkeit, wie es sie zuvor nie gegeben hat. Ein Jubelschrei geht durch alle Gaue, der Iubelschrei eines befreiten und geeinten Volkes, von Flensburg bis Klagenfurt, von Tilsit bis Aachen." — Der „Montag" hebt hervor, daß das deutsche Volk erschüttert vor der überwältigenden Fülle seiner Hoffnungen stehe. Deutschland sei wieder eine Weltmacht. Man könne in dieser Nacht sagen: Es sei fast ungreifbar geworden Ein Volk von 75 Millionen, bas es fertig bringe, zu über 99 v. H. einem Manne zu vertrauen, ein Volk, das einen Führer besitze, der zu 68 Millionen 7 Millionen Menschen in der Frist von vier Wochen als geschlossene Gemeinschaft führe, ein Volk und ein Führer, die so vollständig in der Zielsetzung ihres Lebens, in dem Willen zur Durchführung des nationalsozialistischen Programms einig seien, könne nur noch von Wahnsinnigen in ihrem Streben nach Glück und Frieden bedrängt werden. „Das Wahlergebnis ift ein Signal für die W e lt."
Oes Führers letzter Appell.
„Halte es fest in Deinen Händen."
Wien, den 9. April.
Seit Stunden schon ist die Nordwestbahnhalle ge- üllt von freudigerregten Menschen, die unmittelbar aus dem Munde des Führers die große Rede am Vorabend des Tages des gesamtdeutschen Bekern!:- nisses zum Großdeutschen Reich hören wollen.
Der Führer, deutlich tief beeindruckt von der ungeheueren Welle der Liede und Verehrung, die ihn nun schon den ganzen Tag umbrandete, erinnerte zu Beginn seiner Rede daran, daß er heute zum dritten Male anläßlich einer Wahl i n e i n e r Grenz st adt spreche. 1933 habe er in Königsberg die Nation innerhalb der damaligen Grenzen des Reiches zu einem Bekenntnis aufgerufen, das ihm ermöglichen sollte, die Geschicke Deutschlands unabhängig von parlamentarischen Schwierigkeiten in die Hand zu nehmen und glückhaft zu gestalten. In der Grenzstadt Köln habe er 1936 das deutsche Volk aufgefordert, den schweren Entschluß zu oestätigen, die einst entmilitarisierte Zone wieder unter die Oberhoheit des Reiches zu nehmen. • „Heute", so fuhr er fort, „stehe ich nun hier in Wien wieder am Vorabend einer Entscheidung, von der ich glaube, daß sie eingehen wird in die Annalen der deutschen Geschichte.. Ich möchte sprechen zu denen, die auch in dieser Stunde glauben, noch nicht ihre Zuneigung und ihr Vertrauen dem neuen Deutschland oder gar mir schenken zu können oder die glauben, auch angesichts dieser ganz großen welthistorischen Entscheidung abseits stehen zu müssen, sie nicht anerkennen zu dürfen." Der Führer legte dann dar, daß er weder für den Ausbruch des Weltkrieges, noch für fein Ende, noch für all das, was im Zusammenhang damit über Deutschland und über das ganze deutsche Volk kam, Verantwortung getragen habe. Er habe wie jeder anständige Mann vier Jahre als gewöhnlicher Soldat gekämpft, in dieser ganzen Zeit nie geredet, niemals Politik getrieben, sondern immer nur gehorcht, genau so wie Millionen andere, während in der gleichen Zeit sehr viele seiner späteren Kritiker redeten, in den Parlamenten saßen, Zeitungen machten und die öffentliche Meinung formten.
Tiefe Erschütterung steht in den Gesichtern der Zehntausende geschrieben, als der Führer dann in knappen klaren Sätzen ein Bild des trostlosen Zerfalls des Deutschen Reiches nach 1918 entwirft, als er den Leidensweg schildert, den das deutsche Volk nach dem Kriege zu gehen hatte. Als ich so meine Heimat wiederfand, zerrissen, ohnmächtig, wehrlos, von allen verlassen, damals faßte ich, der namenlose Soldat, den Entschluß, nachdem ich jahrelang nur gehorcht hatte, jetzt zu reden, zu sprechen von dem, was allein zu einer Wiederauferstehung Deutschlands führen konnte. Ein großer, stiller Ernst liegt nun über der Halle, als der Führer schildert, wie er das Wagnis unternahm, die beiden idealistischen Kraftströme, den Nationalismus und den Sozialismus, zu einem einzigen Strom zu vereinigen in der Ueberzeugung, daß es dann gelingen müßte, der deutschen Nation jene Kraft zu verleihen, die notwendig war, um das äußere und innere Schicksal zu wenden. Begeistert springen die Tausende von ihren Sitzen, als der Führer die stolze Erfolgsbilanz mit der Feststellung beginnt: „Ich habe mich nicht auf Genf und Moskau verlassen, sondern nur auf eines: auf mein Volk, auf Deutschland!"
Der Führer schildert, wie er einst als Junge von Linz fortgezogen und nach Wien kam, wie es ihn von dort hinaus in das große Reich trieb, und wie er glücklich war, sich im Kriege für dieses große Deutschland einsetzen zu können. „Ich habe gekämpft als anständiger deutscher Soldat, unö als dieser Krieg zu Ende ging, bin ich durch Deutschland gezogen und habe dieses Land, dieses liebste, teuerste Land mir erobert. Als Deutschland so tief in seiner Not war, da war ich so stolz, ein Deutscher zu fein. Da habe ich um dieses Volk gerungen und gekämpft und habe mir sein Vertrauen erworben. Ich habe dieses Reich so liebgewonnen. Unb da wundert sich jemand, daß bei mir auch die Sehnsucht geblieben war, diesem teuersten Reich meine eigene Heimat einzufügen?
Ich glaube, daß es auch Gottes Witte war. von hier einen Knaben in das Reich zu schicken, ihn grohwerden zu lassen, ihn zum Führer der Ration zu erheben, um es ihm zu ermöglichen, seine Heimat in das Reich hineinzuführen. Es gibt eine höhere Bestimmung, und wir alle sind nichts anderes als ihre Werkzeuge. Als am 9. Marz Herr Schuschnigg sein Abkommen brach, da fühlte ich in dieser Sekunde, daß nun der R u f der Vorsehung an mich ergangen war. And was sich dann abspielte in drei Tagen, war auch nur denkbar im Vollzug eines Wunsches und Willens dieser Vorsehung. 3n drei lagen hat sie der Herr geflogen! Und mir wurde die Gnade zuteil, am , Tage des Verrates meine Heimat in das Reich eingliedern zu können!"
Tiefe Ergriffenheit und innere Bewegung schwingen in der Stimme des Führers mit, als er schließt: „Wenn wir einmal nicht mehr sein werden, dann sollen die kommenden Generationen mit Stolz auf diesen Tag einer Bestätigung der deutschen Gemeinschaft durch ein großes Volk zurückblicken. Für dieses Reich haben in der Vergangenheit Millionen deutsche Männer ihr Blut gegeben. Eine gnädige Fügung des Schicksals hat es uns ermöglicht, ohne jeglichen Schmerz dieses Reich heute zu bilden! Deuffches Volk, steh' jetzt auf, unterschreibe es, halte es fest in deinen Händen!" Don , grenzenloser Liebe erfüllt hängen die Augen der Zehntausende an den Lippen des Führers, ber_ in ’ tiefer Bewegung mit einem Dank an den Allmäch- j tigert schließt: „Ich möchte dem danken, der mich ; zurückkehren ließ in meine Heimat, auf daß ich sie ' nun hineinführe in mein Deutsches Reich! Möge am morgigen Tage jeder Deutsche die Stunde er- , kennen, sie ermessen und sich in Demut verbeugen , vor dem Willen des Allmächtigen, der in wenigen ; Wochen ein Wunder an uns vollzogen hat!" i Die Menge hat sich erhoben, und nun bringt - das Dankgebet empor „Wir treten zum Beten ! vor Gott den Gerechten". Erschüttert fingen es dis - Zehntausende hier und ganz Deutschland singt mit > in dieser Stunde. Dröhnend setzt die Tiroler Orgel - ein. Erschüttert, mit Tränen in den Augen stehen , die Menschen und in das Glockengeläut jauchzen > ihre Heil!-Ruse auf den Führer. Die Glpcken der - deuffchen Dome klsngen weit über das Land. Zur , gleichen Zeit aber lodert in Höhenfeuern auf den > deuffchen Bergen der Heldenglaube zum nächtlichen
Himmel empor.
gaben will er sich durch eine Anleihe von 12 bis 15 Milliarden besorgen. Die Voraussetzungen dafür sollen durch ein finanzielles und wirtschaft- liches Gesundungsprogramm geschaffen werden. Im übrigen lautet das Programm der neuen Regierung: Räumung der besetzten Fabriken, Fortführung des von Ehautemps begonnenen Arbeitszeitstatuts durch Verabschiedung eines Gesetzes zur Streikregelung, strengste Auftechterhaltung der Nichteinmischungspolitik, Zusammenarbeit mit England, insbesondere auch, was die Annäherungspolitik an Italien angeht. Die Wahl des früheren Boffchafters in den Vereinigten Staaten, Georges Bonnet, zum Außenminister bedeutet ferner die Verengung der Zusammenarbeit mit Amerika.
Das Programm Daladiers ist bereits van F l a n- din in einer Unterhaltung mit Daladier ausdrücklich gebilligt worden und damit vom Zentrum, das ja auch in Paul Reynaud einen Vertreter in der Regierung hat. Sogar die Rechtsgruppe Marin hat schon die Unterstützung für ein solches Programm in Aussicht gestellt. Das alles zielt auf eine Neuorientierung überhaupt ab. Aber Daladier ist ein Mann der Linken und wird zweifellos darauf bedacht fein, die Arbeiterschaft nicht in die Opposition zu treiben.
Wenig Zutrauen in London.
London, 11. April. (DNB. Funkspruch.) Die Mehrzahl der Londoner Morgenblätter mißt dem neugebildeten Kabinett Daladier keine allzulange Lebensdauer zu. In der „Times" heißt es, wegen der Stimmenzahl der Sozialdemokraten und Kommunisten sei die Aussicht für die Regierung nicht zuversichtlich, besonders im Hinblick auf die wachsende Unruhe in der Industrie. Da die Stimmung der größten Partei in der Kammer derart sei, daß sie die erstbeste Gelegenheit ergreifen würde, um bur cf) d en Sturz eines radikalen M l - nisters Rache zu nehmen, werde die Regierung behutsam vorgehen müssen, wenn sie eine Niederlage vermeiden wolle. Noch beunruhigender als diese unangenehme politische Atmosphäre sei die zunehmende Unruhe in der Metallindustrie, deren Ursachen ebenso politischer wie wirtschaftlicher Art zu sein scheinen. — „Daily Telegraph" schreibt, für das neue Kabinett gebe es bedauerlich wenig Hoffnung. Auch „Daily Herold" meint, Daladier, Frankreichs „starker Mann , habe ein sehr wenig aussichtsreiches Kabinett gebildet. Nach Ansicht von „News Chronicle" hat Daladier weder das Kabnett gebildet, das er wünsche, noch sei es das Kabinett, auf das die Freunde Frankreichs gehofft hätte»
Der Berliner Korrespondent des Journal" schreibt, die Deutschen seien mit der Politik ihres Führers einverstanden. In den Wahlbüros habe man gesehen, daß diese Männer und diese Frauen nicht nur zum Vergnügen gekommen seien, sondern um eine heilige Pflicht z u erfüllen. Männer und Frauen seien von dem gleichen patriotischen Gefühl beseelt gewesen und hätten es als unerläßlich betrachtet, sich voll und ganz hinter den Führer und seine Politik zu stellen. Für jeden unparteiischen und vernünftigen Menschen habe es festgestanden, daß das deutsche Volk dem Führer wie in der Vergangenheit folgen werde. Die Treue der Massen dem Führer gegenüber sei kein leeres Wort, ebenso wenig wie die Volksgemeinschaft von der der Führer in seinen Reden sprach. Die Abstimmung sei ein Sieg gewesen, wie man ihn sich glänzender gar nicht mehr vor st eilen könne, ein Sieg, demgegenüber man in all jenen Ländern nur Neid empfinden könne, in denen zusammen mit dem Marxismus Unordnung, Anarchie und Antipatriotismus eingedrungen seien. Die deutschen Abstimmungsergebnisse zeigten deutlich, daß die Opposition nur noch einen atomischen, mikroskopischen Charakter trage. „W o bleiben bei biefer A b - stimmung noch die Unzufriedenen? Alles das hat sich in Wohlgefallen aufge- I ö st. Sie sind alle vom Sturmwind der nationalen Begeisterung mitgerissen worden." Diese Taffache beweise, daß die gewaltige Mehrheit der deuffchen Arbeiter sich dem Nationalsozialismus angeschlossen habe, daß die Arbeiter Hitler treu sind und daß sie seine Außenpolitik rückhaltlos gutheihen. Diese Zahlen sollten gewissen marxistischen Agitatoren w Frankreich zu denken geben, die noch immer zu behaupten wagen, der deutsche Arbeiter erwarte mit Ungeduld die Stunde seiner „Befteiung".
Paris, 10. April. (DNB.) Daladier hat seine Regierung gebildet. Dem Kabinett gehören u. a. folgende Persönlichkeiten an: Ministerpräsi- dent,. Landesverteidigung und Krieg: Daladier (Rad.-Soz., Abg.); stellvertretender Ministerpräsi- dent mit der Zusammenfassung der Dienste der Ministerpräsidenffchast beauftragt: Ehautemps (Rad.-Soz., Senator): Justiz: Reynaud (Abg. der Mitte): Aeußeres: Bonnet (Rad.-Soz., Abg.): Inneres: S a r r a u t (Rad.-Soz., Senator); Finan- ^Marchandeau (Rad.-Soz.,Senator); Wirt-
t: Patenotre (Abg. der Sozialrep. bereinig.); Luftfahrt: Guy de la Chambre (Rad.- Soz., Abg.); Kriegsmarine: Campinchi (Rad.- Soz., Abg.).
Ueber die neue politische Lage wird der „Frank- furter Zeitung" aus Paris gemeldet: Parteipolitisch gruppiert sich die Regierung um die Radi kal- sozialisten, die 12 Portefeuilles innehaben. Drei Ressorts werden von der Sozialistischen Union verwaltet, deren Führer Paul-Boncour aber nicht in der Regierung ^vertreten ist, da er außer dem Ressort des Außenministeriums kein an- beres Portefeuille annehmen wollte. Die Sozialisten haben die Beteiligung einstimmig abge- lehnt und es ihrer Fraktion überlassen, ob sie die Regierung von fjaü zu Fall unterstützen will. Dafür hat Dalabier Stütze im Zentrum gesucht unb Die Mitarbeit des Vorsitzenden der Demokrat:- schen Linken, be Chappebelaine, Paul Rey- naubs von ber RepublikanischenAlliance, des Unabhängigen Georges Mandel und des Führers der Katholischen Demokraten Champetier de Ribes erlangt. Parteipolitisch ist die Grundlage des Kabinetts jedoch sehr schmal. Es stellt den Verjuch bar, von ber Volksfront zur Konzentration ber bürgerlichen Linken und Mitte zu gelangen.
Das Kabinett wird sich am Donnerstag Dem Par- lament vorstellen und noch vor Öftern ein G e - famtprogramm verabschieden lassen. Dieses Programm knüpft ebenfalls da an, wo C haute m p s aufgehört hat. In dieser Beziehung sind dessen Sonderstellung als Vizepräsident ohne Portefeuille sowie die Beibehaltung seines Fmanznilnisters Marchandeau bezeichnend. Daladier wird 3utiöd)ft allerdings zu einer ähnlichen inflationistischen Maßnahme greifen müssen, wie Leon Blum es beabsichtigte. Er wird zum mindesten die Vorschüsse des Schatzamtes bei der Bank von Frankreich um fünf Milliarden erhöhen müssen. Abgesehen davon aber ist sein Programm ausgesprochen x n - slationsseindlich, ebenso wie es gegen die Devisenkontrolle, die Kapitalabgabe und Zwangs- anUifre ist, Di» Mittel für die Äuftuttgsaus*


