Ausgabe 
11.3.1938
 
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ßreitag, ft. März M8

188. Jahrgang

llr. 59 Erstes Blatt

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühlsche UuiverfitStsdruckeret «.Lange in Sietzen. Schristlettvng und Seschäftrstelle: Schulstrahe 7

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das den durchgeführten Maßnahmen zu Grunde liegende Bestreben. Die vollständigen Stillegungen, die größtenteils in den Jahren 1923 bis 1935 er­folgten, dienten im wesentlichen der Verwertung der mit den Schachtanlagen verbundenen Syndikats­quote. Die Quote ging auf andere Schachtanlagen über, deren Beschäftigung dadurch entsprechend stieg. Bei dieser Sachlage konnte von einer Gewin­nung der noch anstehenden Kohle natürlich nicht die Rede sein. Nachdem nunmehr die Zechen voll be­schäftigt sind, haben diese Kohlenfelder wieder an Interesse gewonnen. Schon vor einigen Jahren begann die Zeche Heinrich in Essen-Ueberruhr da­mit, das Feld Charlotte Prinz Friedrich Wilhelm zum Teil neu zu erschließen. Bei der jetzigen Trans­aktion Konstantin-Langenbram ist es das Feld Ein­tracht-Tiefbau. In diesem Feld ging nahezu 70 Jahre der Bergbau um. 1925 wurde die Schacht­anlage stillgelegt. Jetzt wird das Feld offenbar nicht nur als Kohlenreserve angesehen, sondern auch eines Tages wieder neu erschlossen werden. In der gleichen Richtung bewegen sich die Maßnahmen des Ruhrbergbaues, die weniger mächtigen Flöze, die während der Krise aus Kostengründen liegen blieben, ebenfalls abzubauen.

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Obwohl die Berliner Automob ilaus- ft II u n g sich immer mehr von einer reinen Ver­kaufsausstellung zu einer allgemeinen volkstüm­lichen Schau entwickelt, ist sie dennoch in geschäft­licher Hinsicht nach wie vor ein bedeutender Faktor, der für Angestellte und Kaufende die Grundlage ist, von der aus Vergleiche technischer, wettbewerbs­mäßiger oder sonstiger Art angestellt werden. Selbst die Lieferfristenfrage hat den Strom der Kauf­lustigen nicht zu hemmen vermocht. Eine Umfrage hat ergeben, daß bisher im Durchschnitt mehr ver­kauft werden konnte, als im vorigen Jahr. Auch der Verkauf im Ausfuhrgeschäft ist ganz ausge­zeichnet; dabei stehen die Balkanländer im Vorder­

grund. Von allen Seiten wird bestätigt, daß die neuen Werkstoffe nicht nur ebenso gut wie die bis­her verwendeten Rohstoffe sind, sondern diesen gegenüber sogar noch Vorteile aufzuweisen haben. Der Besucherrekord ist bemerkenswert, da das Publikum wußte, daß das Typenprogramm dieser Ausstellung nur wenig Neues enthalten würde.

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Die bekannte Firma für Erzeugung von Kraft­wagenzubehör Robert Bosch, Stuttgart, die im Dezember 1937 in eine G m. b. H. umge­wandelt worden ist, legt ihren Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr vor, das eine weitere erfolg­reiche Entwicklung gebracht hat. Zusammen mit den inländischen Tochtergesellschaften wurden in dem Unternehmen am Jahresende 24 315 Gefolgschafts­mitglieder beschäftigt. Das Geschäft hat sich weiter gesteigert. Auch im Auslande konnten nennenswerte Erfolge erzielt werden. Nachdem schon im Jahre 1936 eine Ausfuhrzunahme um 17 v. H. zu ver­zeichnen gewesen war, ist im letzten Jahr eine wei­tere Zunahme um 30 v. H. eingetreten. Bei er­höhten Abschreibungen von 5,43 Millionen Mark verbleibt ein Reingewinn von 5,67 Millionen Mark, der sich durch den Vortrag auf 6,7 Millionen Mark erhöht. Es werden wieder 8 v. H. Dividende ge­zahlt.

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Ein gutes Beispiel für die Tatsache, daß der wirtschaftliche Aufstieg nicht nur, wie man im Aus­land zuweilen glauben machen möchte einige beson­dersbegünstigte" Industriezweige befruchtet, son­dern daß der Kreis sich immer mehr verbreitert, liefern Geschäftsbericht und Abschluß des sog. F o t o t r u st", des größten Unternehmens der Kameraindustrie: der Zeiß -Ikon A G. in Dresden. Die Gesellschaft ist in ihrer heutigen Form erst zwölf Jahre alt. Heute beschäftigt die Zeiß-Jkon in ihren zahlreichen Betrieben in Dres­den. Berlin und anderwärts mehr als 8000 Men­

schen. Es wurden im Jahr zuletzt 60 Millionen Mk. Löhne gezahlt und mehr als 2 Millionen Mark für Soziallasten aufgebracht. Dabei ist das Wachstum der Gruppe, die sich seit einigen Jahren nicht mehr auf die Kamerafabrikation beschränkt, sondern Kino-Apparate, Beleuchtungskörper, Filme und an­dere Erzeugnisse herstellt, offenbar noch keineswegs abgeschlossen. Es stützt sich zum Teil auf die Er­fahrung der alten Firmen, zum andern auf das, was der Besitzer der Aktienmehrheit, die Karl- Zeiß-Stiftung in Jena, der größte optische Betrieb der Welt, in die Ehe eingebracht hatte: Jahrzehntelange Tradition der Feinmechanik, straff­ste Finanzführung, betontes Gewicht der sozialen Leistungen.

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Auf der Messekundgebung des Gasfaches in Leipzig wies Diplomingenieur Hartmann darauf hin, daß die Bedeutung derindustriellenGewerbegas- verwendung heute nicht mehr, wie vor Jahren, auf das Industriegebiet im Westen oder auf be­sondere Veredelungsgebiete im Süden des Reiches beschränkt ist, sondern daß heute Jndustriegas in allen Teilen des Reiches in Groß- und Kleinstädten verwendet wird; deshalb müssen sich auch die kleine­ren Gaswerke mehr als bisher über Jndustriegeräte unterrichten. Selbstverständlich erfordert die gewerb­liche Gasverwendung Gaspreise, die den Gaswerken oft nur eine geringe Verdienstfpanne lassen. Indessen sind die Unkosten für den Jndustriegasabnehmer be­züglich Verhaltung und Unterhaltung geringer als für den Haushaltsgasabnehmer. Darüber hinaus bringen die größeren Gasmengen eine Verbilligung der Generalunkosten.

Oie Altersversorgung für dos Handwerk.

Berlin, 10. März. (DNB.) Der Ausschuß für Sozialversicherung der Akademie für Deut-

Der Führer beim Stapellauf des neuen MF.-Dampfers.

Eine junge deutsche Arbeiterin wird das Schiff weihen.

Hamburg, 10. März. (DNB.) Am Samstag, dem 12. März, wird der Führer und Reichs­kanzler in Hamburg am Stapellauf des zweitenKd F." - Schiffes teilnehmen. Der Führer wird um 11.30 Uhr auf dem Damm­tor-Bahnhof eintreffen, wo er von Reichsstatthalter Gauleiter Kaufmann und den übrigen führenden Männern der Hansestadt begrüßt werden wird. Nach dem Abschreiten der Ehrenformationen wird der Führer durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt zu den St. -Pauli-Landungs- brücken fahren, um sich von dort durch den Hamburger Hafen zur Werftder Howaldts- werke zu begeben.

Auf dem Werftgelände werden neben den Ehren­formationen die Betriebsführung mit der gesamten Gefolgschaft und zahlreichen Gästen, insgesamt weit mehr als 20 000 Volksgenossen, anwesend fein, um den Führer zu hören und dem ablaufenden Schiff Glückhafte Fahrt!" nachzurufen. Der alte Brauch, daß eine Frau die Taufe des neuen Schiffes voll­zieht, wird feine sinnvolle Vervollkommnung finden* in der Tatsache, daß eine junge deutsche Arbeiterin den Taufakt vornehmen wird. Sie wird später die erste Reise des von ihr getauften KdF."-Schiftes als Ehrengast miterleben. Nach

Beendigung der Feier begibt sich der Führer zur Werft von Blohm & Voß zur Besichtigung des nunmehr fertiggestelltenKdF."-SchiffesWil­helm Gustlof f".

Aus Anlaß des Führerbesuches in Hamburg werden das PanzerschiffDeutschland, der AvisoGrille" und das Artillerieschul­schiffBrumme r" im Hamburger Hafen weilen, um der kameradschaftlichen Verbundenheit der deut­schen Kriegsmarine mit derKdF."-Flotte Ausdruck zu geben. Am Nachmittag wird der Führer einige Zeit an Bord derGrille" und des Panzerschiffs Deutschland" verweilen. Gegen 16 Uhr wird sich der Führer dann zum Hamburger Rathaus begeben, wo er sich in Anwesenheit von General­inspektor Dr. Todt über den Stand der Vorarbeiten unterrichten wird, die für die großen vom Führer angeordneten Bauvorhaben zur 2lu5^e = ftaltung Groß-Hamburgs im Gange sind.

Die Feier des Stapellaufes wird am Samstag, 12. März, 12.15 bis 13.10 Uhr, vom Reichssender Hamburg und vom Deutschlandsender übertragen. Sämtliche Reichssender (ohne Deütschlandsender) bringen die Sendung am gleichen Tage in der Zeit von 19.10 bis 20 Uhr.

»Wilhelm Gustloff^feriig zur Ausfahri.

Das zweiteSchiss ohne Klaffen".

Mit allen Annehmlichkeiten für die Teilnehmer der KdF.-Geereisen ausgestatiet.

dak Das zweite 25 000 Tonnen große Schift, das die Deutsche Arbeitsfront für die Reisen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" baut, setzt die mit demWilhelm Gustloff" begonnene Reche von eigenen KdF.-Sckiffsbauten fort und ist das zweiteSchiff ohne Klaffe n", das es auf der Welt gibt. Da keine Frachten mitgenommen werden, konnte auf zahlreiche Decks aufbauten ver­zichtet werden, so daß das Schift nach außen einen monumentalen, glatten Eindruck machen wird. Durch die volle Ausnützung wird eine Gesamtdecks­fläche von rund 5000 Quadratmeter erreicht, ein Ausmaß, das bisher nur vomWil­helm Guftloff" verwirklicht wurde.

Die Kabinen für Passagiere und Mann­schaften gehen sämtlich nach außen, sie haben eine bequeme Wohnecke mit Tisch, Sofa und Ses­seln; fließendes warmes und kaltes Wasser steht zur Verfügung. Die Raumaufteilung ist dabei so großzügig, wie sie bei einem privaten Schiffsbau nie durchgeführt werden kann. Es können im gan­zen rund 1500 Urlauber untergebracht werden, die in Stab in en zu zwei und vier Betten schlafen. Ins­gesamt sind 314 Zweibettkabinen und 214 Vierbett­kabinen vorgesehen, dazu kommen noch Wohnräume für besondere Zwecke.

Fünf durchlaufende Stahldecks durch­ziehen das Schiff, darüber erheben sich das Prome­nadendeck, das Bootsdeck, das Sonnen- oder Sport­deck, die untere und die obere Kommandobrücke. Das Schiff hat somit ein Deck mehr als derWil­helm Gustloft".

Bei einer größeren Länge von 203,60 Meter hat das Schift eine größte Breite von 24 Meter und eine Seitenhöhe von 20,70 Meter bis zum Prome­nadendeck. Die Kommandobrücke wird sich fast 22 Meter über dem Wasser befinden, wenn das Schiff voll ausgerüstet und betriebsfertig feine Reife an­

tritt. Die Höhe vom Kiel bis zur Mastfpitze beträgt 55 Meter.

An Speifesälen und Gefells chafts- räumen sind vorgesehen: zwei Speisesäle auf dem A=2)e<f mit dazwischenliegenden Küchen und Wirtschaftsräumen. Die Säle sind geräumig genug, daß alle St b fr -Urlauber in zwei Abtei­lungen ihre Mahlzeiten einnehmen können. Weiter stehen den Gästen zur Verfügung: ein Wintergarten auf dem Promenadendeck, zwei kleinere Lauben auf Boots- und Sonnen­deck, eine große Laube auf dem Promenadendeck hinten mit Durchbau nach dem Bootsdeck, eine Halle mit Bühne auf dem Promenadendeck vorn (mit Durchbau nach dem darüber liegenden Cafe) und ferner eine mit zahlreichen Geräten ausgerüstete Sporthalle auf dem Sonnendeck. Ein Personenfahrstuhl fährt vom Sonnen­deck bis hinunter zum P-Deck, wo sich vorn ein Schwimmbad mit Dusch- und Umkleideräumen befindet.

Das Bootsdeck vorn und das Promenadendeck er­halten ringsum Schiebefenster. Hinter der mit vie­len Fenstern verglasten Außenwand des Prome­nadendecks befindet sich eine etwa 4 Meter breite Promenade, die um das ganze Deck herumläuft und von jeder Stelle aus vollkommen freie Aussicht gewährt. Die Länge einesSpazierganges dreimal um diese Promenade beträgt rund 1 Kilometer. Das Sonnen- oder Sportdeck so­wie ein Teil des Boots- und des Promenadendecks sind offen. Das Sonnendeck ist über tausend Quadratmeter groß und wird durch keine Aufbauten unterbrochen.

Der Antrieb des Schiffes erfolgt auf diesel­elektrischem Wege. Die Maschinenanlage besteht aus sechs Dieseldrehstromgeneratoren und zwei Syn- chronpropellermotoren. Die Maschinenleistung von

Das KdF.-SchiffWilhelm Gustlofs" ist so weit fertiggestellt, daß bereits in den nächsten Tagen die erste Ausfahrt angetreten werden kann. Die Auf­nahme zeigt das Schiff am Kai in Hamburg.

(Presseamt der DAF. Scherl-Bilderdienst-M.)

etwa 10 000 WPS wird dem Schift eine Ge­schwindigkeit von 15% Seemeilen in der Stunde geben (=29 Kilometer). Im Innern sind verschiedene Derkaufsläden für Gebrauchs­gegenstände, Frisiersalons usw. Für die Zwecke der KdF.-Bordreiseleitung ist ein besonderes Büro ein­gebaut, das allen unterwegs auftretenden Beanspru­chungen gewachsen ist.

Ferner stehen den Fahrgästen zwei Aerzte und ein Zahnarzt mit Wartezimmern, Sprech­zimmer, Untersuchungs-, Behandlungs- und Kran­kenräumen zur Verfügung. An sanitären Einrich­tungen sind im ganzen 40 Badezimmer, 100 Brauseabteilungen vorhanden.

Die wichtigste Sicherheitskonstruktion für das ganze Schiff liegt in der Unterteilung des Schiffskörpers in zehn wasserdichte Abtei­lungen durch neun wasser- bzw. öldichte Quer­schotte. Ein durchlaufender Doppelboden sichert den Schiffskörper im Falle von Beschädi­gungen bei einer Grundberührung. Im Bereich der Wohndecks ist das Schiff noch durch feuerfeste Längs- und Querwände und Türen weitgehend gegen Ausbreitung entstehender Brände geschützt, die Treppenhäuser sind durch den Einbau feuerfesten Materials gesichert. Besonders hervorzu­heben ist noch die Schlingerdämpfungs­anlage, die dazu dienen soll, die Bewegungen des Schiffes zu mildern.

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Immer mehr stiIlgelegte Bergwerke im Ruhrgebiet werden in neuerer Zeit wieder in Betrieb genommen. Diese Vorgänge sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Vom Jahre 1923 bis 1937 wurden im Revier 93 Schachtanla­gen vollständig, 43 Schachtanlagen vorübergehend stillgelegt, 64 Schachtanlagen wurden mit anderen vereinigt, während nur 29 wieder in Betrieb ge- vommen wurden. Diese Ziffern kennzeichnen bereits

Wie siebtes in derWittfchafiauS?

Reichswirtschaftsminister Funk setzte sich bei der Eröffnung der Leipziger Messe für eine Auflocke­rung des Außenhandels, für die Rückgabe der Ko­lonien und für dieAnsehenswerte" ein. Es han­delt sich hierbei um den Kursstand der deutschen Auslandsverschuldung, die wegen allerlei Börsenmanipulationen des Auslan­des sehr im Argen liegt. Wenn z. B. im Auslande die Dounganleihe, die mit 5;5 v. H. ausgeftattet ist, einen durchschnittlichen Auslandkurs von 34 v. H. hat, nachdem sie 1933 in London mit 62 notierte, entspricht das weder der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage des Reiches noch feinem Ansehen. Als die deutschen Systemregierungen diese Schuldverpflich­tungen gegenüber dem Ausland eingingen, küm­merten sie sich weder um die Zinshöhe noch um die Rückzahlung. Die nationalsozialistische Regie­rung hat nun das Ziel, den in den Jahren 1920 bis 1929 errichteten Turm der Auslandschulden abzutragen. Die jüngsten Stillhalteabkommen und z. B. der Handelsvertrag mit Frankreich lassen erkennen, daß die Zeit gekommen ist, um die ver­schiedenen Anleihetitres umzutauschen und dem Auslande dafür ein Einheitspapier zu bieten. Das ist das Ziel. Die Wege dazu liegen einmal in der absoluten Kreditfähigkeit und Krisensicherheit des Deutschen Reiches, dann in den Mitteln. Wir kön­nen nur mit Ware bezahlen, und Ware nimmt den Weg ins Ausland nur über die Han­delsverträge. Diese also gewährleisten eine Rege­lung des Transfers. Dieser Transfer nun für die Zinsen und Abzahlungen muß so gesichert sein, daß sich hieraus der Anspruch auf Parikurs bei niedri­gem Zinsfuß ergibt. Die durchschnittliche Verzin­sung unserer Auslandanlechen beträgt 7 v. H., sie ist also, auch an dem Zinsniveau des Auslandes gemessen, für die heutigen Verhältnisse viel zu hoch. Die Auslandgläubiger haben also zur Zeit einen ganz unberechtigten Vorteil, der durch einen billigen Akkord aufzuheben wäre. Die Möglichkeit einer deutschen Initiative ist also angekündigt und es wird sich zeigen, ob die Gläubigerländer die Außen­handelsbelebung, die wir wünschen, überhaupt wollen, d. h. ob sie eine weitschauende Handels­politik auf Gegenseitigkeit erstreben.

Die Bilanzen der Großbanken für 1937 ergeben durchweg, troß einzelner Verschieden­heiten, das Bild einer gewissen Umbildung, und zwar ist nicht nur die Ümsatzsumme gestiegen, so bei der Dresdner Bank um 19 v. H., sondern auch die Zahl der Sparguthaben und sonstigen Gläu­biger im Verhältnis zu den fremden Mitteln. Das beeinflußt das Geschäft, da selbstverständlich die Kundschaft dieser Art auch größere Kreditansprüche stellt. Rascher Kreditumschlag bei Vermehrung der Kleinkredite ist das Zeichen, unter dem die Banken im letzten Jahr standen. Dabei sind gewisse Unter­schiede zwischen Berlin und der Provinz wcchrzu- nehmen, insofern bei den Instituten der Provinz ein erheblicher Debitorenzuwachs zu verzeichnen war. Die R e i ch s b a n k hat ihren Jahresbericht für 1937 veröffentlicht, in dem die deutsche' Noten­bank ihren Aufgabenkreis umreißt. Darüber wird in dem Bericht gesagt, das große Aufbauwerk ver­pflichte sie, alle Kräfte gnzuspannen, um den er­forderlichen Geld- und Krediteinsatz mit den Mög­lichkeiten in Einklang zu halten, die auf Seiten der Wirtschaft, der Finanzen und der Währung gegeben waren. Die straffe Lohn- und Preispolitik sicherte die vom Reichskredit getragene Entwicklung. Die Geldsätze haben sich im vergangenen Jahr weiter gesenkt, kurzfristige Kredite wurden für öffentliche Zwecke in weiterem Umfange nicht zur Verfügung gestellt, um inflationistische Entwicklungen zu ver­meiden. Bemerkenswert ist der Satz des Jahres­berichtes:Für die Abdeckung älterer und neuerer Kredite ftanben und stehen naturgemäß nur d i e sich neu bildenden Spargelder zur Ver­fügung." Die Konsolidierung der Reichsverpflichtun­gen im Gesamtbeträge von rund 8% Milliarden Mk. innerhalb von drei Jahren zeigt, welchen Betrag diese Neubildung von Kapital erreichte, wozu die pri­vaten Emissionen und die Jndustrieanlechen kom­men, für die eine Verzinsung von 4'/r v. H. üblich geworden ist. Die reichliche Versorgung des Geld­marktes zeigte sich in weiteren Kreditzahlungen und Einlageerhöhungen.

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Nach einer Mitteilung des Statistischen Reichs­amtes wurden im Januar 1938x neu gegrün­det: 2 Aktiengesellschaften mit 5,8 Mill. RM. Nominalkapital, 61 G. m. b. H. mit 5,7 Mill. RM. Stammkapital, 2640 Einzelfirmen und Personal­gesellschaften, 53 Genossenschaften. Die Kapital­erhöhungen betrugen in der gleichen Zeit: bei den Aktiengesellschaften 41,9 Mill. RM., bei den G. m. b. H. 45,4 Mill. RM. Dem standen Kapi­talherabsetzungen gegenüber bei den Aktien­gesellschaften von 9 Mill. RM., bei den G. m. b. H. von 4,3 Mill. RM. A u f g e l ö st wurden: 208 Aktiengesellschaften mit 394,6 Mill. RM. Nominal- kapital, 1612 G. m. b. H. mit 191,9 Mill. RM. Stammkapital, 1774 Einzelfirmen und Personal­gesellschaften, 151 Genossenschaften. Unter diesen aufgelösten Firmen befanden sich 124 Aktiengesell­schaften und 1134 G. m. b. H., die in Einzelfirmen bzw. Personalgesellschaften umgewandelt wurden.

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